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Anthroposophie im Umriss

Das Nicht-Ich. (continued 2)

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303. Das Charakteristische der quantitativen Atomistik besteht darin, dass sie diejenige Hypothese, welche die qualitative nur in Ausnahmsfällen, wie z. B. in jenem der Isomerie, zu Hilfe ruft, der gesammten Erklärung der Körperwelt als alleinige zu Grunde legt. Während dieser zufolge die Verschiedenheit der Körper in der Regel auf der qualitativen Verschiedenheit ihrer Elemente d. h. auf der Verschiedenheit ihres Stoffes und nur in einigen Fällen auf der Verschiedenheit der Zusammensetzung ihrer übrigens gleichen Elemente d. i. auf jener der Form beruht, macht jene letztere Ausnahme zur Regel d. h. betrachtet die Isomerie als eine Grund- und gemeinsame Eigenschaft aller sonst wie immer unterschiedenen Körper und leitet sämmtliche Verschiedenheiten der letztern ausschliesslich aus der Verschiedenheit ihrer Zusammensetzung aus übrigens gleichen Elementen d. i. aus der Form ab. Ihr zufolge sind daher nicht nur die Elemente des belebten nicht von jenen des unbelebten Körpers, sondern auch die Elemente irgend eines einfachen Stoffes nicht von jenen jedes beliebigen andern Stoffes verschieden. Letzteres setzt voraus, dass die gleichwol unbestreitbare Unterschiedenheit sowol der nächsten — durch die Analyse organischer Körper erreichbaren — Bestandtheile von den — durch Analyse sogenannter unorganischer Körper darstellbaren — Stoffen (z. B. des Eiweissstoffes, des Proteïns, des Caffeïns, Theïns u. dgl. von Oxygen, Hydrogen, Gold, Eisen, Platin u. s. w.) wie die gleichfalls unleugbare Unterschiedenheit der einfachen Stoffe selbst gleichwol nur eine scheinbare, der Grund derselben lediglich in der verschiedenen Art der Verbindung ursprünglich durchaus homogener Elemente zu einem Ganzen zu suchen, der sogenannte organische Körper zwar in seinen nächsten und näheren, keineswegs aber in seinen entfernten und entferntesten Bestandtheilen von den unbelebten unterschieden, so wie dass die ganze bekannte und noch zu ergänzende Reihe sogenannter einfacher d. i. weiter nicht zerlegbarer Stoffe nur als eine Reihe der Form nach unterschiedener Umbildungen eines einzigen (sei es eines der bereits bekannten Stoffe oder eines bisher unbekannten Stoffes) anzusehen sei. Erstere Behauptung, die der stofflichen Identität der lebendigen und leblosen Körper, hat in der Naturwissenschaft unserer Tage bereits weite Verbreitung gefunden; letztere Behauptung, welche auf einem weiten Umwege in exacter Weise die Ansicht der Urmutter der Chemie, der Alchymie, von der Transformationsfähigkeit der verschiedenen Körper in einander erneuert, hat in der sogenannten „Philosophie der Chemie” (J. B. Dumas) ihren Platz und durch die Aufstellung der sogenannten Typentheorie und die Entdeckung der sogenannten typischen Körper, durch welche von Einigen die grosse Zahl der bisher als einfach angenommenen Stoffe bereits bis auf acht herabgemindert scheint (Ciancian), bereits eine empirische, wenigstens annähernde Bestätigung erhalten.

304. Die Aufgabe einer logischen Uebersicht des empirischen Stoffs kann es nicht sein, über die Geltung der einen oder der andern beider entgegengesetzten Formen der Atomistik, über welche nur Thatsachen zu entscheiden vermögen, einen Ausspruch zu thun. Die logische Consequenz d. i. die innere Uebereinstimmung mit der durch die philosophische Wissenschaft vom Wirklichen gelegten realen Grundlage der phänomenalen Welt hat, wie es augenscheinlich ist, die quantitative Atomistik in höherem Grade als die qualitative für sich. Ist es überhaupt richtig, dass die vielen unbedingt gesetzten einfachen Wirklichen unter einander die kleinste denkbare qualitative Verschiedenheit d. i. keine andere besitzen als diejenige, welche in deren räumlichen und zeitlichen Bestimmtheiten sich ausdrückt, so ist es nur folgerichtig, auch die Gesammtheit der letzten realen Elemente, welche zusammengenommen den Stoff der Körperwelt ausmachen, der physikalischen Atome, als einen Inbegriff qualitativ gleichartiger Elementarbestandtheile der Körper zu betrachten. Das elementare Atom, dessen Qualität eben diejenige des einzigen wirklichen Grundstoffs ist, wird sodann gleichsam die unterste Stufe einer aufsteigenden Reihe bilden, als deren einzelne Glieder nach einander die Atome der bisher sogenannten einfachen Stoffe (das Sauerstoff-Atom, das Stickstoff-Atom, das Gold-Atom u. s. w.) auftreten würden, deren jedes für sich durch eine eigenthümliche Combination, sei es von Atomen des Urstoffs, sei es von solchen, die selbst schon durch dergleichen gewonnen wären, repräsentirt würde. Die Aufstellung dieser Reihe, welche die übliche Zerlegung organischer und unorganischer Körper in deren sogenannte einfache Bestandtheile über die Grenze der bis zu diesem Augenblicke als einfach betrachteten Stoffe hinaus durch die erreichte oder doch versuchte Zerlegung dieser selbst bis zu dem schlechterdings letzten nicht blos relativ, sondern absolut einfachen Grundstoff ausdehnt, würde sodann das Ziel der Chemie als Wissenschaft ausmachen.

305. Wie der quantitativen Atomistik für die stoffliche Beschaffenheit sämmtlicher Elemente der Körperwelt eine einzige Qualität, so genügt ihr für die Art und Weise des Wirkens derselben ein einziges Gesetz; die qualitative Atomistik, insofern sie eine Mehrheit qualitativ unterschiedener Classen körperlicher Bestandtheile zulässt, bedarf für die qualitativ verschiedene Art des Wirkens jeder einzelnen derselben eben so vieler specifisch verschiedener Gesetze. So lange die Elemente organischer Körper selbst als organisch, die unorganischer Körper dagegen als unorganisch gelten, kann das Gesetz, welches das Wirken der erstern, mit jenem, welches das der letzteren beherrscht, so wenig wie das Wirken jener „lebendigen” Elemente (die Lebenskraft) mit jenem der „leblosen” Elemente (der todten Naturkraft) identisch sein. Eben so wenig kann das Wirken, welches seinen Grund in der qualitativen Verwandtschaft (Affinität) der Körper hat (chemische Anziehung) das nämliche sein mit demjenigen, das auch bei völliger Nichtverwandtschaft (Disparatheit, Heterogeneität) der Körper erfolgt (mechanische Anziehung) und folglich eben so wenig das Gesetz, welches jenes (Affinitätsgesetz, Wahlverwandtschaft), identisch mit demjenigen, welches dieses regelt (Gravitationsgesetz, Schwere). Mit der Aufhebung qualitativer Verschiedenheit der Körper tritt der umgekehrte Fall ein. Das Gesetz, welches das Wirken der Elemente organischer Körper bestimmt, braucht fortan von demjenigen, von welchem das Wirken der Elemente unorganischer Körper abhängt, eben so wenig verschieden zu sein, als das Wirken, das seinen Grund in der Verwandtschaft der Körper hat, als das Wirken der ursprünglichen Elemente d. h. als dasjenige betrachtet werden kann, für welches Gleichartigkeit oder Ungleichartigkeit derselben gleichgiltig und das daher eben so wenig durch die qualitative Aehnlichkeit wie durch den qualitativen Gegensatz der Körper bedingt ist. Sind die Elemente belebter und unbelebter Körper qualitativ dieselben, so ist auch deren Wirken und folglich dessen Gesetz dasselbe; ist das Wirken in Folge der Verwandtschaft nicht dasjenige der ursprünglichen Elemente, so ist auch dessen Gesetz nicht mit dem Gesetz des Wirkens dieser letzteren, und da diese die wahren, weil letzten Elemente der Körper sind, nicht mit jenem der wahren Körperelemente identisch. Wird daher, wie die quantitative Atomistik thut, auf die in der That letzten Bestandtheile der Körperwelt, die unter einander qualitativ nicht weiter unterschiedenen Atome zurückgegangen, so muss das Gesetz, welches das Wirken dieser letzteren regelt, das nämliche und einzige für das Wirken der gesammten Körperwelt sein. Die Aufstellung dieses Gesetzes, welches die Zerlegung der scheinbar unter einander grundverschiedenen Wirkungsweisen der scheinbar von einander qualitativ unterschiedenen Körper bis zur Auflösung der ersteren in die überall in gleicher Weise erfolgende Wirkungsweise der wahren d. i. in allen Körpern qualitativ identischen Elemente der Körperwelt verfolgt und dadurch die gesammte phänomenale Welt als unter der Herrschaft eines und desselben, wenn gleich nicht selten in so verwickelter Form auftretenden Gesetzes, dass es den Anschein eines neuen Gesetzes erhält, stehend erweist, müsste das Ziel der Physik als mechanischer Wissenschaft ausmachen.

306. Als dieses Gesetz sieht die moderne Naturwissenschaft das Gravitationsgesetz Newton’s an. Die philosophische Wissenschaft vom Wirklichen bestimmt, wie oben gezeigt, das Wirken der Atome als eine Function ihres räumlichen Abstandes von einander. Die empirische geht über diese Allgemeinheit des Inhalts hinaus und bestimmt letztere näher als Abnahme des Wirkens im Quadrate der Entfernung. Dieselbe bleibt jedoch keineswegs bei der Bestimmung des Wirkens seinem Quantum nach stehen, sondern schreitet zu der Erweiterung derselben seinem Quale nach fort, indem sie dasselbe in den relativ grössten Abständen der Atome von einander als Anziehung, Attraction, in den relativ kleinsten als Abstossung, Repulsion charakterisirt. Erstere bewirkt, dass die Atome auch in den relativ weitesten Abständen von einander noch zusammengehalten, letztere macht, dass dieselben in Eins zusammen zu fallen verhindert werden. In Folge der Attraction bilden sämmtliche durch dieselbe an einander geknüpfte Atome ein nicht nur in Gedanken, sondern durch ein physisches Band zusammenhängendes Ganzes; in Folge der Repulsion bilden dieselben, weil die letztere die Annäherung der Atome an einander über das Mass einer gewissen (kleinsten) Entfernung hinaus unmöglich macht, ein discretes Ganzes. Während der Raum, der philosophischen Wissenschaft vom Wirklichen zufolge, demnach stetig mit „philosophischen” Atomen d. i. im strengsten Sinne des Wortes einfachen Wirklichen erfüllt gedacht werden muss, erscheint derselbe in der empirischen Wissenschaft vom Wirklichen nur in der Weise mit „physikalischen” Atomen d. i. mit im physikalischen Sinn letzten Elementen der Körperwelt erfüllt, dass zwischen je zwei derselben leerer Raum d. h. ein Zwischenraum vorhanden ist, in dem keine weiteren „physikalischen” Atome sich befinden. Dass mit der Einschiebung desselben die Schwierigkeit des Begreifens einer actio in distans d. i. eines Wirkens durch den leeren Raum hindurch wiederkehrt, pflegt, da dieselbe ja nur eine „philosophische” ist, der empirischen Physik selten Verlegenheit zu bereiten.

307. Dagegen hat sich dieselbe auf Grund der sogenannten „Imponderabilien” veranlasst gesehen, durch die Einführung eines weiteren gleichfalls körperlichen, jedoch, mit den physikalischen Atomen verglichen, relativ „unkörperlichen” Stoffs, des sogenannten „Aethers”, in die leer gelassenen Zwischenräume der physikalischen Atome, welche letzteren in demselben gleichsam, wie die Sterne am Firmament, zerstreut zu schweben, oder, wie die Fische im Wasser, in unregelmässigen Abständen zu schwimmen scheinen, der Ansicht der philosophischen Wissenschaft vom Wirklichen von dem stetigen Erfülltsein des Raumes durch einfache Wirkliche, um einen beträchtlichen Schritt näher zu kommen. Die Elemente desselben, die sogenannten Aetheratome, verhalten sich zu den physikalischen gleichsam wie Atome zweiter zu solchen erster Ordnung. Dieselben werden zwar eben so wenig wie diese ohne leere Zwischenräume, letztere selbst aber werden im Verhältniss zu diesen als „unendlich klein” und das von den Aetheratomen ausgehende Wirken wird zwar gleichfalls wie das der Körperatome als Anziehung und Abstossung, jedoch als nur in der kleinsten Entfernung wirksam vorgestellt. Jedes Körperatom erscheint wie von Aetheratomen eingehüllt, welche dasselbe in Gestalt einer Sphäre von allen Seiten umgeben und mit jenem zusammen unter der Form winziger Kügelchen, deren vergleichsweise dichten Kern das Körperatom, deren dünnere Peripherie die Aetheratome ausmachen, die reale durch den Raum discret vertheilte Grundlage der sogenannten Materie bilden.

308. Je nachdem die erfahrungsmässig gegebenen Phänomene der körperlichen Welt auf die Körperatome allein ohne Berücksichtigung des deren Zwischenräume ausfüllenden Aethers, oder auf die Aetheratome allein als Bestandtheile des die Zwischenräume der physikalischen Atome ausfüllenden Stoffs zurückgeführt werden, ergeben sich zwei Hauptclassen physischer Phänomene, deren eine das Wirken und die Zustände des im engern Sinn sogenannten körperlichen Stoffs, die andere das Wirken und die Zustände des Zwischenstoffs d. i. des Aethers umfasst. Jene begreift, je nach der Grösse der Abstände der Körperatome unter einander und der davon abhängigen Menge dieser letzteren selbst innerhalb bestimmter räumlicher Grenzen (Volumen), dreierlei Gattungen von Körpern, deren eine bei einem gewissen Volumen die relativ grösste, deren dritte bei demselben Volumen die relativ kleinste Menge von Körperatomen enthält, während die zweite eine im Verhältniss zu jenem Volumen mittlere Menge von Atomen einschliesst. Folge davon ist, dass in den Körpern der ersten Gattung die Abstände der einzelnen Atome von einander relativ die kleinsten, dagegen bei Körpern der dritten Gattung relativ die grössten sein müssen, während bei den Körpern der Mittelgattung die Distanz der Atome eine mittlere ist. Die Atome von Körpern der ersten Gattung werden daher, da die anziehende Kraft je kleiner die Entfernung desto stärker wirkt, am festesten, die Atome von Körpern der dritten Gattung werden, da die Anziehung mit der Entfernung abnimmt, am lockersten unter einander zusammenhängen; die Atome der Körper der Mittelgattung werden, da die Entfernung und folglich die Anziehung eine mittlere ist, einen mittleren Grad des Zusammenhangs darstellen. Bei Körpern der ersten Art wird daher nicht nur das Verhältniss der Menge der Atome (der Masse) zu der räumlich begrenzten Grösse des Inhalts (dem Volumen) d. i. die relative Dichtigkeit die grösste, sondern auch der Widerstand, welchen dieselben der Trennung der Atome entgegensetzen, in Folge der starken Anziehung der Theile unter einander (der Cohäsion) der relativ bedeutendste, bei Körpern der dritten Art dagegen aus demselben Grunde die Dichtigkeit die geringste und der Widerstand gegen die Trennung der mindestbedeutende sein, während den Körpern der zweiten Art mit einer mittleren Dichtigkeit auch ein mittlerer Widerstand d. h. ein solcher, welcher die Trennung der Atome weder erschwert noch erleichtert, also gegen dieselbe sich gleichgiltig verhält, eigen ist. Körper der ersten Art, als deren Repräsentant die Erde angesehen wird, werden als feste, Körper der dritten Art, als deren Repräsentant die atmosphärische Luft gilt, als luft- oder gasförmige, Körper der mittleren Art, deren Typus das Wasser darstellt, werden als flüssige bezeichnet.

309. Weder die Grösse des räumlichen Volumens, noch jene der Masse, oder der Abstände der Atome von einander, absolut betrachtet, macht hiebei einen Unterschied. Das Gesetz, welches die Atome der grossen Weltkörper, der Nebelflecke und Sternhaufen zusammenhält, ist genau das nämliche, welches auch die Atome des kleinsten Bruchtheils eines festen Körpers auf der Erde an einander bindet; die Atome des Weltmeeres hängen in keiner andern Weise zusammen, als jene des Wassertropfens; und die Atmosphäre, welche entfernte Weltkörper umhüllt, ja die ganze durch den Weltraum ausgebreitete, verdünnte Luftmasse zeigt mit jener der irdischen Lufthülle verglichen nur graduell verschiedene Structur. Zwischen den drei genannten Gattungen von Körpern aber herrscht dabei das Verhältniss, dass einerseits der luftförmige Körper durch Verminderung der Abstände seiner Atome unter einander zuerst, wenn dieselbe den mittleren Grad der Entfernung erreicht, in flüssigen, wenn sie denselben überschreitet, allmälig in festen Zustand übergehen d. h. sich verdichten, umgekehrt der feste Körper durch Vergrösserung jener Abstände seinerseits in flüssigen und allmälig in luftförmigen Zustand übergehen d. h. sich verdünnen kann. Je nachdem hiebei die zeitliche Aufeinanderfolge der genannten Zustände verschieden, also entweder der feste, oder der luftförmige, oder der flüssige als der (zeitlich) erste gedacht wird, aus welchem die andern sich entwickelt haben, so dass im ersten Fall aus der Verdichtung allmälig die Verdünnung, im zweiten aus der Verdünnung allmälig (durch Niederschlag) die Verdichtung, im dritten aus einer mittleren Dichtigkeit durch Verdichtung einerseits das Feste, durch Verdünnung andererseits das Luftförmige hervorgeht, gliedern sich die verschiedenen physikalischen Kosmogonien, als deren Repräsentanten schon im Alterthum erscheinen: die Atomistiker, welche das Feste (die körperlichen Atome), die jonischen Naturphilosophen Anaximenes und Diogenes von Apollonia, welche das Luftartige, und Thales, welcher das Flüssige für das der Zeit nach Erste erklärten, aus dem alles Uebrige entstanden sei.

310. In allen genannten Fällen ist die Verbindung der Atome unter einander eine mechanische, durch ein und dasselbe allgemeine Gesetz der Anziehung nach dem umgekehrten Quadrate der Entfernung beherrschte, welche so lange besteht, als dieses seine Geltung behauptet, und daher jeder willkürlichen Aufhebung, sie komme von welcher Seite immer, entzogen ist. Die zum Körper vereinten Atome erscheinen unter der Pression dieses Gesetzes selbst zu einem mehr oder minder lockern Gefüge comprimirt, also gleichsam einem von aussen kommenden Drucke unterworfen. Die Elemente der Körper selbst stellen zusammengenommen einen durch Vereinigung (Association) entstandenen räumlich begrenzten Haufen, eine Menge gemengter (nicht gemischter) Bestandtheile dar, deren jeder undurchdrungen von dem andern und undurchdringlich für die andern für sich und zugleich im Verbande mit den andern als Glied eines physischen Ganzen besteht. Auf qualitative Verschiedenheit der zum Ganzen des Körpers verbundenen Theile konnte bisher schon aus dem Grunde keine Rücksicht genommen werden, weil die quantitative Atomistik eine solche bei den ursprünglichen Elementen der Körperwelt, den primitiven Körperatomen, nicht kennt. Soll daher dennoch von qualitativ unterschiedenen Elementen der Körper die Rede sein, so können diese nicht selbst primitiv, sondern sie müssen aus der allerdings primären Verbindung primitiver Atome gleichsam als Atome höherer Ordnung entstanden sein. Von dieser Art wären, wenn die Ansicht der quantitativen Atomistik die richtige und die darauf fussende Behauptung der „philosophischen” Chemie, dass alle scheinbar heterogenen Stoffe Umbildungen eines Grundstoffs seien, giltig sein sollte, die bisher sogenannten einfachen Stoffe d. i. Körper wie Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff u. s. w. aufzufassen, deren jeder demzufolge aus Atomen bestehend gedacht würde, welche selbst eine eigenartige Gruppirung der primitiven Atome in sich schlössen. Das sogenannte Sauerstoffatom wäre sonach zwar im Verhältniss zu dem sogenannten Kohlenstoffatom, keineswegs aber im Verhältniss zu den primitiven Atomen als wirklich atom d. i. als theillos zu bezeichnen, da dasselbe zwar eben so wenig aus weiteren Sauerstoffatomen wie das Kohlenstoffatom aus weiteren Kohlenstoffatomen, keineswegs aber, wie es im Begriff des primitiven Atoms liegt, überhaupt nicht aus weiteren Atomen bestehend gedacht wird. Wie das primitive einfaches, so wäre demnach das Sauerstoffatom zusammengesetztes d. i. aus zu einem Ganzen verbundenen primitiven Atomen bestehendes Atom (Molecul) und der (feste, flüssige oder luftförmige) Körper, bei dessen Zusammensetzung die qualitative Beschaffenheit seiner Bestandtheile in Frage kommt, ist sonach als ein in seinen nächsten Bestandtheilen nicht aus einfachen, sondern aus zusammengesetzten Atomen bestehender anzusehen.

311. Wie die Verbindung der Atome im mechanisch zusammengesetzten Körper eine mechanische, so ist sie in dem chemisch zusammengesetzten Körper, derselbe bestehe nun aus einander homogenen oder heterogenen Elementen, eine chemische, auf der Anziehung derselben in Folge ihrer qualitativen Verwandtschaft (Affinität) beruhende. Dieselben stehen wie die Bestandtheile des mechanischen Körpers unter der Herrschaft eines allgemeinen Gesetzes, nur dass dieselbe nicht sowol, wie dort, einem von aussen ausgeübten Drucke, als vielmehr einem von innen aus der Beschaffenheit der Atome stammenden Zuge sich vergleichen lässt, vermöge dessen die Atome wie Glieder einer und derselben Familie sich zu einander hingezogen, oder wie Glieder heterogener Rassen (z. B. Weisse und Farbige) sich von einander abgestossen fühlen. Wie die Verbindung blutsverwandter Familienglieder eine innigere ist als die blos gesellige Zusammenkunft einander gleichgiltiger Genossen, so ist die chemische Vereinigung qualitativ Verwandter inniger, als jene blos mechanische indifferenter Atome und wird deshalb als Verschmelzung im Gegensatz zur blossen Summation, als „Mischung” im Gegensatz zur blossen Mengung bezeichnet. Letzterer Ausdruck ist insofern ungenau, als er zu dem Irrthum verleiten kann, eine völlige „Durchdringung” der einzelnen Atome als möglich anzunehmen, während doch nur eine „Durchdringung” der sich unter einander verschmelzenden Körper (z. B. Kohlenstoff und Sauerstoff zu Kohlensäure) in der Weise stattfindet, dass mit jedem Atom des ersteren zwei Atome des letzteren sich verbinden, also ein neues Gemenge gleichsam höherer Art entsteht, dessen Atome je eine binäre Verbindung zwischen O und C darstellen, die einzelnen, sowol Kohlenstoff- als Sauerstoffatome, dagegen für einander undurchdringlich bleiben.

312. Sowol der mechanisch wie der chemisch zusammengesetzte Körper hat die Eigenschaft, dass, sobald der dessen Bestandtheile zusammenhaltende Druck oder Zug aus was immer für einem Grunde erlischt, derselbe in seine Elemente zerfallen oder sich auflösen muss. Wird statt dessen auf Grund einer im Körper selbst enthaltenen Veranlassung jene zusammenhaltende Kraft ununterbrochen erneuert, entweder indem überhaupt neuer Stoff, welchem dieselbe Anziehung, oder neuer qualitativ verwandter Stoff, welchem derselbe Zug innewohnt, von neuem herbeigeschafft wird, so entsteht im Gegensatz zu jenem aus Mangel an Erneuerung abgestorbenen leblosen (unorganischen) der belebte (organische) Körper. Die Eigenthümlichkeit, welche denselben von dem mechanischen Körper unterscheidet, besteht darin, dass der letztere, sobald die Bestandtheile desselben durch andere ersetzt werden, nicht mehr derselbe, sondern ein neuer, wenngleich dem vorigen gleicher, der organische Körper dagegen auch nach dem Ersatz derjenigen seiner Bestandtheile, deren Anziehung unter einander erloschen ist, durch andere, noch immer derselbe wie früher d. h. ein blos erneuerter ist. Die Eigenthümlichkeit, welche denselben vom chemischen Körper unterscheidet, dagegen besteht darin, dass der organische Körper niemals, wie der einfache chemische homogen, sondern stets heterogen d. h. aus verschiedenen Stoffen zusammengesetzt sein muss, aber nicht, wie andere chemische Körper, aus beliebigen (z. B. Wasser aus Sauerstoff und Wasserstoff, atmosphärische Luft aus Sauerstoff und Stickstoff, Kalk aus Calcium und Sauerstoff, Kochsalz aus Chlor und Natrium), sondern jedesmal nur aus gewissen Stoffen zusammengesetzt sein darf. Folge der ersteren Eigenschaft ist, dass ein Theil des organischen Körpers, nämlich derjenige, in dem die Veranlassung liegt, dass sich der übrige Theil ohne Schädigung des Ganzen zu erneuern vermag, diesem letzteren gegenüber eine ausgezeichnete Stellung behauptet, insofern er den bleibenden, dieser dagegen den wechselnden Bestandtheil des Körpers ausmacht, jener also denjenigen, durch welchen der Körper immer derselbe bleibt, dieser denjenigen, durch welchen derselbe unaufhörlich ein anderer wird. Folge der letzteren Eigenschaft ist, dass, wo gewisse einfache chemische Körper mangeln, als welche die Erfahrung bisher Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff und hauptsächlich Kohlenstoff hervorzuheben gelehrt hat, die Entstehung organischer Körper, auch wenn alle übrigen Bedingungen und die grösste Fülle anderweitiger chemischer Körper vorhanden wäre, unmöglich ist. Finden beide Bedingungen vereinigt bei der kleinstmöglichen Anzahl körperlicher Atome Erfüllung, so entsteht der denkbar kleinste belebte Körper, das organische Atom, die sogenannte Zelle, während aus der Verbindung von solchen, sei es mit, sei es ohne Zuhilfenahme unorganischer Bestandtheile, der Zellenorganismus d. i. der — wie der mechanische Körper aus mechanisch verbundenen mechanischen, wie der chemische Körper aus chemisch verbundenen chemischen, so aus organisch verbundenen organischen Elementen bestehende — organische Körper hervorgeht.

313. Die ausgezeichnete Stellung des beharrenden Theils gegenüber dem wechselnden im belebten Körper äussert sich nicht blos darin, dass er selbst (er sei nun ein einzelnes Atom oder eine Gruppe von solchen) während der ganzen Dauer des organischen Körpers (Lebensdauer) immer derselbe bleibt, sondern auch darin, dass in ihm die Ursache enthalten ist, um welcher willen und durch welche nicht nur stets neuer und zwar zu seiner Erhaltung passender Stoff (Leibesnahrung) herbeigeschafft, sondern auch der Neuheit des Materiales zum Trotz die ursprüngliche Form (Leibesform) im Wesentlichen unverändert erhalten wird. Derselbe stellt daher gleichsam den beherrschenden Mittelpunkt („die Seele”) dar, zu welchem die Gesammtheit des übrigen den Körper jeweilig ausmachenden Stoffs sich als beherrschtes, zur Erhaltung des Ganzen verbrauchbares Material („als Leib”) verhält. Da derselbe beherrschend nur im Verhältniss zu dem von ihm Beherrschten, mit dem Aufhören der Herrschaft aber zwar Beherrschendes wie Beherrschtes nach wie vor vorhanden, aber nicht mehr als Herrscher und Beherrschtes vorhanden sind, so hört mit dem Erlöschen des organischen Bandes zwischen der „Seele” und dem „Leibe” des belebten Körpers d. i. mit dem Tode auch der bisher herrschend gewesene Bestandtheil desselben auf, Seele eines Leibes, wie der bisher beherrscht gewesene Bestandtheil desselben aufhört, Leib einer Seele zu sein; das Atom oder die Atome, welche bisher den bleibenden, so wie diejenigen, welche bisher den jeweiligen veränderlichen Bestandtheil des organischen Körpers ausgemacht haben, hören jedoch dadurch keineswegs auf, als Atome d. i. zwar aus ihrer bisherigen Verbindung ausgelöst, aber fähig und bereit, neue Verbindungen einzugehen, sei es wieder als „Seele” eines Leibes (Metempsychose) oder als Leibtheil einer Seele (Palingenesie), zu existiren.

314. Je nachdem der organische Körper als am Orte haftend, oder mit der Fähigkeit begabt, denselben beliebig zu wechseln, so wie, je nachdem derselbe als sich oder anderes vorstellend oder überhaupt nicht als vorstellend gedacht wird, wird derselbe im ersten Falle, da die Erfahrung an der sogenannten Pflanze weder freie Bewegung, noch Zeichen vorstellender Thätigkeit aufweist, als pflanzenartiger, im zweiten Fall, da die Erfahrung am sogenannten Thiere zwar freie Beweglichkeit, aber (wenigstens bei den niedersten Thiergattungen) keine Spur von vorstellender Thätigkeit zeigt, als thierartiger, im dritten Fall, wenn sich nicht nur die Fähigkeit, anderes, sondern (wie schon bei den höheren Thiergattungen) sogar die Fähigkeit äussert, bis zu einem gewissen Grade sich selbst vorzustellen, da die Erfahrung letztere Eigenschaft (die Vorstellung des Ich) hauptsächlich am Menschen kennt, als menschenähnlicher bezeichnet werden. Mit dem Erwachen des Ich d. i. derjenigen Vorstellung, durch welche der belebte Körper andere, sei es belebte oder leblose Körper, von sich unterscheidet d. h. als Anderes als er selbst, als Nicht-Ich sich gegenüberstellt und dadurch sich zu diesem und dieses zu sich in ein Verhältniss bringt, welches je nach dem Mass seiner im Vergleich zu der Kraft jenes Andern und nach der Beschaffenheit seiner Bedürfnisse im Vergleich zu den Bedürfnissen jenes Andern zu einem überlegenen oder unterliegenden, zu einem freundlichen oder feindseligen, zu friedlichem Genuss oder zum Kampfe ums Dasein werden kann, ist das Reich des Bewusstlosen, des Nicht-Ich, abgeschlossen.

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind, gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere, die schaffende („die Phantasie der physischen Welt”) Thätigkeit der gegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet, wird durch die letztere, die fortpflanzende („das Gedächtniss der Materie”) Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei schwebende, sogenannte „kosmische Wolken”, durch Anhäufung desselben um einen dichtern Kern sogenannte „Nebelflecke” und „schweifende Kometen”; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central- und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet, von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen Generation vertritt.

316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören, während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt, sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam „Weltinseln” und können ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem „Inselmeer” d. i. zu einem Archipelagos von Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen (nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten, theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist, welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.

317. Sowol die Zwischenräume zwischen den Welt-, so wie jene zwischen den festen und flüssigen Körpern auf der Erde sind von luftartigen Körpern (auf der Erde von einem aus Sauerstoff und Stickstoff, so wie einigem Ozon bestehenden Luftkörper, der sogenannten atmosphärischen Luft) ausgefüllt, deren Gegenwart auch in den scheinbar leeren Theilen des Weltraums durch die Widerstände, welche bewegte Weltkörper mittels derselben erlitten haben (z. B. durch die allmälige Verengung der Bahn des Enke’schen Kometen), erwiesen ist. Die Zwischenräume der physikalischen Atome werden, wie oben bemerkt, durch Atome des sogenannten Weltäthers erfüllt gedacht, auf dessen Zustände diejenigen Phänomene, welche sonst je specifisch verschiedenen sogenannten „unwägbaren” Stoffen (Imponderabilien), z. B. die Lichterscheinungen einem Lichtstoff, die magnetischen einem magnetischen Fluidum u. s. w. zugeschrieben wurden, nunmehr als auf deren gemeinsamen Träger zurückgeführt zu werden pflegen. Dieselben zerfallen in solche, bei welchen die qualitative Beschaffenheit der Körperatome gleichgültig, und solche für welche dieselbe bestimmend ist. Zu den ersteren gehören die Licht- und Wärmeerscheinungen, die sich deshalb (wenngleich in unzähligen Graden der Abstufung) zwischen und in allen Körpern des Weltalls vorfinden; zu den letzteren lassen sich die sogenannten, magnetischen und elektrischen Erscheinungen zählen, deren erstere an die Gegenwart eines bestimmten chemischen Stoffs (des Eisens), deren letztere an die Gegenwart und gegenseitige Berührung mindestens zweier qualitativ heterogener Stoffe (z. B. Zink und Kupfer) gebunden ist. Der Zustand des Aethers selbst wird als kleinste periodische Bewegung der Aetheratome (Schwingung) in verschiedener Menge und Richtung vorgestellt, wobei der Unterschied stattfindet, dass diejenigen, welche als Träger des Lichtphänomens angesehen werden, an der Oberfläche der Körper (mit Ausnahme der durchsichtigen oder durchscheinenden) stattfinden und diese daher im Inneren dunkel erscheinen, während diejenigen, welche die Träger des Wärmephänomens sind, auch im Inneren der Körper statthaben, diese daher je nach dem Grade derselben innerlich erhitzt oder erkältet erscheinen. Bei den magnetischen und elektrischen Erscheinungen lässt sich die Betheiligung des Aethers in der Weise verschieden denken, dass derselbe in dem Körper, welcher den erforderlichen Stoff, das Eisen enthält, an zwei entgegengesetzten Enden, den Polen, angehäuft erscheint, wobei die Erfahrung zeigt, dass gleichnamige Pole einander abstossen, während bei den elektrischen Erscheinungen an den zu ihrer Entstehung erforderlichen heterogenen Körpern der Aether an zwei einander der Richtung nach entgegengesetzten Enden (+ und -) sich anhäuft, wobei die Erfahrung zeigt, dass entgegengesetzte Pole sich anziehen. Inwieweit bei den elektrischen Strömen, von welchen Muskelcontractionen begleitet zu werden pflegen, sowie bei den Erscheinungen des sogenannten thierischen Magnetismus und der thierischen Elektricität eben so wie bei jenen der sogenannten animalischen Wärme die Betheiligung des Aethers eine Rolle übernehme, muss um so mehr dahingestellt bleiben, als mit Ausnahme der elektrischen Muskelströme und der thierischen Wärme die übrigen sogenannten Thatsachen noch allzu sehr der empirischen Bestätigung bedürfen. Insofern jene dem Weltäther zugeschriebenen Phänomene, mit den auf die physikalischen Atome zurückgeführten Erscheinungen verglichen, dem der groben Masse der letzteren gegenüber verfeinerten Charakter ihrer materiellen Grundlage entsprechend selbst einen gleichsam „vergeistigten” Stempel tragen, sind sie es, welche durch ihre Gegensätze der Helligkeit und der Finsterniss, der Hitze und der Kälte, der magnetischen und elektrischen Spannung und Lösung der Physiognomie der physischen Körperwelt ein an die wechselnden Stimmungsgegensätze des menschlichen Gemüthes mahnendes Gepräge aufdrücken und daher als Bilder und Gleichnisse für die letzteren mit Vorliebe pflegen verwendet zu werden. Steigern sich dieselben so weit, dass sie namhafte Veränderungen in der Welt der physischen Körper verursachen, die Lichterscheinung als Brand, die Wärmeerscheinung als Explosion oder Eruption, der Magnetismus als magnetisches, der elektrische Strom als atmosphärisches Ungewitter auftritt, so nimmt deren Wesen eine an die plötzliche, aber auch vorübergehende Natur der von unwillkürlichen Körperbewegungen begleiteten Gemüthserschütterungen, der sogenannten Affecte, an und liefert für diese („flammender Zorn”, „leidenschaftlicher Ausbruch”) das treffendste Gleichniss.

318. Wie dem denknothwendigen das durch die Erfahrung gegebene Wirkliche, so steht dem denknothwendigen das empirisch gegebene Wirken gegenüber. Die Vorstellung des letzteren unterliegt um so mehr logischen Schwierigkeiten, als weder der Begriff eines Wirkens durch den leeren Raum, wie er durch die discrete Vertheilung der Atome im Raume gefordert ist, noch der Begriff eines Dinges, welches eins und zugleich der Träger vielfach sich ändernden Wirkens, noch endlich jener der Veränderung d. h. eines Dinges, welches anders geworden und doch dasselbe geblieben sein soll, und jener der unter den letztgenannten fallenden Bewegung als Ortsveränderung ohne schwerwiegende kritische Bedenken bleibt. Erstgenannter ficht durch die Einsicht in die Unmöglichkeit, dass von dem angeblich Einfachen Theile sich loslösen und durch einen Sprung über das Leere hinüber einem andern eben so Einfachen einverleibt werden könnten, streng genommen die Möglichkeit so wol der Anziehung wie der Abstossung und damit die Basis des physischen Zusammenhangs unter den Elementen der Körperwelt an. Die Einheit des Dinges, während dessen Wirken ein vielartiges sein soll, ruft den Widerspruch, wie Eins = Vielem gedacht werden könne, die Identität des Dinges, nachdem es ein anderes geworden, ruft den Widerspruch, wie Eines und dasselbe zugleich nicht dasselbe sein könne, wider sich hervor und nöthigt, dem ersteren durch die Annahme, dass das Wirken eines Dinges das Product nicht eines einzigen Atoms, sondern des Zusammenseins einer Gruppe mehrerer Atome sei und demnach, wenn die Bestandtheile dieser Gruppe verschiedene seien, sehr wol ein Verschiedenes nicht nur sein könne, sondern sein müsse, dem zweiten dagegen durch die Bemerkung zu begegnen, dass, weil jedes sogenannte „Ding” nur eine Gruppe von Atomen, also ein Ganzes sei, dasselbe durch das Ausscheiden einzelner und Eintreten anderer, während der Rest derselbe geblieben ist, sehr wol eine Veränderung erlitten und doch (in Bezug auf obigen Rest) seine Identität aufrecht erhalten haben könne. Bezüglich der Bewegung als Ortsveränderung aber gilt, dass dieselbe nur dann einen Widerspruch einschliesse, wenn dieselbe in dem Sinn verstanden wird, dass das Bewegliche im selben Zeitpunkt an einem und demselben Orte befindlich und nicht befindlich, keineswegs aber, wenn dieselbe so aufgefasst wird, dass das Bewegliche in jedem stetig auf einander folgenden Zeitpunkt in einem anderen Orte befindlich sei. Dieselbe setzt daher eben so nothwendig die Zeit als den Raum voraus und wird durch das Verhältniss des in einem gewissen Zeitabschnitt zurückgelegten Raumes d. i. durch die Geschwindigkeit gemessen.

319. Das in der Zeit vor sich gehende erfahrungsmässig gegebene Geschehen, die Veränderung des Zustandes der Körperwelt, ist eine dreifache, und zwar tritt dasselbe, je nachdem entweder nur der Ort des Körpers, wobei dessen Form sowol als Stoff dieselben bleiben, oder nur die Form des Körpers, während der Stoff unberührt bleibt, oder schliesslich auch dieser eine Veränderung erleidet, als Orts-, Form- oder Stoffwechsel auf. In ersterer Hinsicht kann die Bewegung der Richtung nach entweder eine fortschreitende, wie bei dem Stoss und Wurf, oder eine in sich zurückkehrende, wie bei den rotirenden Weltkörpern und den Blutkörperchen im Blutkreislauf, oder eine zugleich fortschreitende und in sich zurückkehrende Bewegung, wie bei dem um die Erde sich drehenden und zugleich mit dieser um die Sonne bewegten Monde sein. Der Qualität nach kann dieselbe entweder eine in gleichen Zeitabschnitten auf gleiche Weise sich wiederholende (gleichförmige) oder in gleichen Zeiträumen abnehmende (retardirende) oder zunehmende (accelerirende) Bewegung, in ersterer Hinsicht überdies entweder eine am selben Ort sich gleichförmig wiederholende (schwingende), oder dabei zugleich im Raume fortschreitende, entweder nach der nämlichen, oder abwechselnd nach entgegengesetzten Richtungen von der Fortschrittslinie gleichförmig ausschlagende Bewegung sein: jene ergibt die periodische Bogen-, diese die Wellenbewegung. Hinsichtlich des Formenwechsels findet beim mechanischen und chemischen Körper ein Uebergang des festen in den flüssigen und luftartigen Zustand, oder des flüssigen in den festen und luftförmigen, oder des letztgenannten in den festen und flüssigen statt, während beim organischen die sogenannte Transformationslehre (Darwinismus) im Gegensatz gegen die Theorie von der Constanz der Arten und Gattungen es mehr als wahrscheinlich gemacht hat, dass nicht nur in der vegetabilischen Natur die Arten und Gattungen der Organismen durch allmälige Umbildung einer oder weniger ursprünglichen Pflanzentypen („Urpflanze”, „Metamorphose der Pflanze”: Goethe), sondern auch in der animalischen Welt die Arten und Gattungen des Thierreichs durch allmälige Umbildung eines oder einiger ursprünglicher Thiertypen („Bathybios”, „Gastraea”: Haeckel), sei es auf dem Wege immanenter Teleologie (Goethe), sei es auf dem natürlicher Zuchtwahl (Darwin), oder unwillkürlicher, reflexartiger Nachahmung („Mimicry”: Wallace) in einander übergehen. Was den Stoffwechsel betrifft, so hat die Erfahrung bis heute zwar die Vermuthung, dass der unorganische chemische Stoff nur eine Umbildung des primitiven mechanischen Stoffs sei, durch die chemische Typentheorie wahrscheinlich zu machen, für die Behauptung aber, dass der organische Stoff nur eine Umbildung des unorganischen, der belebte Naturkörper aus leblosen, etwa durch Urzeugung (generatio æquivoca), entstanden sei, eben so wenig einen jeden Zweifel ausschliessenden Beweis durch Thatsachen zu führen vermocht, wie für die weitere, dass das „Phänomen der Empfindung”, durch welches der (anderes und sich selbst) vorstellende Organismus sich von dem nicht vorstellenden, obgleich ebenfalls organischen Körper unterscheidet, nichts anderes als eine Umbildung des derselben entsprechenden „Nervenreizes” und demnach als psychischer oder Bewusstseinsvorgang von diesem als physiologischem d. i. Nervenzustand, eben so wenig wie dieser als organischer Vorgang von den unorganischen Vorgängen der mechanisch-chemischen Körper dem Wesen nach verschieden sei. Insbesondere was die letztgenannte von den positivistischen und materialistischen Gegnern einer weder mit Biologie noch mit Phrenologie und Physiologie identischen Psychologie immer von neuem wiederholte, aber niemals bewiesene Versicherung betrifft, haben ausgezeichnete Physiologen (Ludwig, Fick) ein offenes: ignoramus, einer der ausgezeichnetsten (Dubois-Reymond) sogar ein eben solches: ignorabimus ausgesprochen.

320. Wie die Gesammtheit der im Weltraum vertheilten (unorganischen und der auf einem oder dem andern derselben anzutreffenden organischen) Körper in ihrer gegenseitigen physischen Zusammengehörigkeit mit und in ihrer Abhängigkeit von einander, so weit dieselben unserer Erfahrung zugänglich sind, das physische Weltall, den Kosmos, so macht die Gesammtheit des in und zwischen denselben in der Zeit vor sich gehenden Geschehens, deren periodischer und nichtperiodischer Orts-, Formen- und Stoffwechsel von der unmessbaren, primitiven Oscillation des Aethers bis zu den Umläufen der Weltkörper und dem schwankenden Gleichgewicht einander äquilibrirender Weltsysteme, von der Zerlegung des Wassertropfens durch den elektrischen Funken in seine Elemente bis zu den ein System von Weltkörpern erleuchtenden und erwärmenden Verbrennungsprocessen gasförmiger Centralsonnen, von der molecularen Anziehung und Abstossung primitiver Stofftheile bis zu den verwickelten mechanisch-chemischen Processen, welche die Erscheinung des Lebens und das Erwachen des Bewusstseins bedingen, herauf, so weit dasselbe unserer Erfahrung zugänglich ist, die Naturgeschichte der physischen Welt, die Geschichte des Weltalls aus.

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