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Zwischen neun und neun

19

Reading edition

»Ich hab' ihn!«

»Halten Sie fest!«

»Die Hände! Packen Sie seine Hände!« schrie Weiner dem Kellner zu.

»Lassen Sie los!« brüllte Demba auf und wehrte sich wie ein Wütender gegen die Arme, die ihn umklammert hielten.

»Geben Sie acht! Er schießt!«

»Er hat einen Revolver!«

»Den Arm! Weiner, pack' den Arm!«

»Achtung!«

Demba war es gelungen, sich loszureißen. Er teilte nach allen Seiten Stöße und Fußtritte aus und rannte in seiner Wut wie ein Stier mit dem Kopf gegen den Kellner.

»Festhalten! Festhalten.«

»Ich hab' ihn!«

»Doktor! Packen Sie seine Beine!«

»Loslassen!« tobte Demba und stieß mit dem Fuß aus.

»Ich bin getroffen!« heulte Weiner und fiel in einen Sessel.

Die beiden Theaterschülerinnen kreischten laut auf und hielten die Hände vor das Gesicht. Sonja stand schon bei Weiner.

»Georg! Was ist dir geschehen?« schrie sie angstvoll.

»Ich bin getroffen! Hilfe!« ächzte Weiner.

»Wo? Um Gottes willen!« – Alle Feindschaft war vergessen und Sonja mühte sich totenblaß vor Schrecken um den wimmernden Weiner.

»Lassen Sie los! Ich ersticke!« keuchte Demba; der Kellner preßte ihm mit beiden Händen den Hals zusammen.

»Den Revolver fort!« befahl Dr. Fuhrmann.

»Ich hab' ihn! Ich hab' seine Hände!« schrie Horvath triumphierend.

»Lassen Sie los! Sie brechen mir den Arm!« gurgelte Demba, blaurot im Gesicht.

»Ich hab' den Revolver.«

»Achtung! Er ist geladen.«

»Vorsicht! Er geht los!«

Ein letzter, kurzer, verzweifelter Kampf.

Dann stieß Demba einen Schrei aus. Horvath hatte ihm die Hände im Gelenk gedreht.

»Da ist er.« Und Horvath brachte triumphierend Dembas Hände unter dem Mantel hervor, zwei unselige, hilflose, jammervolle Hände, mit Ketten kläglich aneinander gefesselt.

Einen Augenblick lang war alles starr.

Dann gelang es Demba, sich loszureißen.

Er blickte wild um sich, stöhnte leise, schöpfte tief Atem und rannte zur Tür hinaus.

Ein paar Sekunden lang hörte man ihn im Dunkeln zwischen Stühlen, Tischen und den leeren Kleiderständern poltern.

Dann krachte eine Tür und alles war ruhig.

Dr. Fuhrmann war der Erste, der die Sprache wiedergewann.

»Was war das?« fragte er, noch immer außer Atem.

»Habt Ihr das gesehen –?« keuchte Horvath, erschöpft von der Anstrengung des Ringkampfes.

»Der muß wo aus'kommen sein,« sagte kopfschüttelnd der Kellner.

»Wir müssen ihm nach,« rief Dr. Fuhrmann.

»Zur Polizei! Zur Polizei!« schrie Weiner und rieb sich sein Schienbein.

Der Gedanke, daß sie sich alle von einem Schatten, einer Lüge, dem Phantom einer Waffe hatten betrügen und in Furcht setzen lassen, brachte sie in Wut. Weiner hob das Rundreiseheft vom Boden auf und wischte sorgfältig den Staub von seinen Seiten.

»Es ist am besten, wir gehen aufs nächste Kommissariat,« sagte Dr. Fuhrmann entschlossen. »Weiß vielleicht jemand, wo der Kerl wohnt?«

»Ich,« sagte Sonja mit harter Stimme und sie nahm das höhnische Lächeln, die spöttischen Blicke und die Verachtung aller auf sich, um Demba zu verraten. »Ich weiß, wo er wohnt.«

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