INSEL DER VERHEISSUNG
Reading edition
Ich habe Heimweh unbeschreiblich. Von Tränen ist der Blick verhängt. Ich fühle fern mich, süß und weiblich. Von Himmelssternen ganz versengt. Ich habe manchen Mensch durchtastet. Und schlief auf manchem Winter-Platz. Doch niemals hab ich recht gerastet. Du Blut-Herz bliebst der einzige Schatz. Und noch der Sonn-Frucht Köstlichkeit. Monds Segel-Wiege: Aller Stirne. Mein armer Tag sei euch geweiht. Zypressen ragen steil zu Firnen.
Aus Schrift-Gelenken, magisch und verzückt, Voll Wiesen-Weichheit, ewige Nacht enthaltend — Hat dich zum erstenmal im Herbst erblickt Der Dichter, frei der höllischen Gewalten. Ein Engel du aus Himmeln abgeschickt: Zu dir empor sich seine Wesen falten. Der Baum dient dir. Dir schmölz sein Erz-Genick. Und während rings die Räume jetzt erkalten, Ein Nebel durchs Gemäuer schimmelnd frißt: Erhebst du dich voll Strahlgesang lobtönend, So äolssüß, daß dich kein Traum vergißt. — Du trägst der Tage Hoheit, Dorn und Bürde. Doch Hyazinthen-Abend füllt dich ganz. Und steigst! Von Sternen-Faltern jungfräulichst Umschwirrte.
Du trägst sie wie ein Lamm. Und deine Beule Benetzt sie wie des Himmels blanker Baum. Dein Schimmelmond zerschmilzt. Und Trank der Fäulnis Vergoldet sich nektarisch dir im Traum. Fabriken flöten, die sonst elend heulten. Madonna öffnet sich im finsteren Raum. Es steht der Sonne Strahl. Enorme Säule Auf deines Herzens Basis. Flimmernd kaum. Zerflockt die Phalanx erzenster Gewitter. Auch Gnaden-Schnee träuft in die Wunden ein. Zinnoberer Mittag schwöll vom Sang der Schnitter. Doch Rosen-Nacht fängt die Geliebten ein. Sie bluten aus. Fortschwingend in der Meere Korallen-Wildnis durchs Gestein zur Sphäre.
Du bist es, die der Felsen Nacktheit mildert, Die mich Verworfenen in ein Ewiges zieht. Die vielfach abgewandelt süß der Dichter schildert. Am Schluß der Aufschwung kühlen Sphärenlieds. Der blanke Vogel über ödem Ried. Im Glorien-Strahl, der durchs Gewölke filtert Die Enzian-Wiese — seliger Mondtraum glüht —, Wo Gießbach peitschend durch Gerölle wildert. Ja tausend Städte nach dir abgegriffen — Phantastische Länder weit um dich befragt ... Nun zög ich kühn gen dich auf Schwermut-Schiffen. Und Bajonette steil für dich geschliffen. Bis rings entzündet durch Giftdämpfe vag Aus Gottes Antlitz stürzt dein Sternentag.
Zypressen-Nacht, durchflutet von Laternen. Bald löscht ein Schlaf dich Mensch in Schmerzen aus. Wirst du Geliebte meinen Traum durchsternen. Und trittst du ein in mein verlassenes Haus?! Ich kann mich nicht mehr in den Bäumen halten. Ich schwinde. Ich versinke. Ohne Rest. Die ewigen Sphären über uns erkalten. Im Krampf die Hände um die Brust gepreßt. Wo wurzelst du?! Ein Hauf. Verstört im Winde. Hah blutige Donner stürzend dich in Nacht. Der gute Traum: die Mutter mit dem Kinde. Und mit Musik zum hellen Tag erwacht. Wir sind geboren in der Nacht der Wälder. Morast und Moor ward uns zu Aug und Haar. Die Wangen Mohn. Und Stirn: zerfurchte Felder. An Hügel Lippen glüht Gott wunderbar. Wir liebend ungemein. Ob auch Geliebte?! Wir schlugen an. Es tönt. Und Abend neigt — Dein Wimpern-Mond erlöse uns Betrübte! Dein Lied schwing auf, wenn dicht uns Tod umschweigt!
Du Süd-Olive. Haupt aus Mond Frucht. Wiese Die Wange mit zerschmolzenem Himmelsstern. Ich —: Panthervieh! Und stampfend! Finsterer Riese. Der schmiß in Trümmer euere Welten gern. Der löscht mit Feuer aus die Fäulniszeiten. „... In dein Gehirn, o Mensch, den spitzen Blitz.“ Du wirst wohl unterm Kokusbaum bereiten Ihm ewigen Schlaf. Den nicht Gewalt durchhitzt. Den Traum der Götter. Schau der Pyramiden. Olymp dem Aug. Durch seine Adern Nil. Schon atmet weich er. Krasser Tat geschieden. Betaut die Stirn. Laub in den Haaren viel.
Du wardst zum Menschen so voll Traurigkeit, Daß du nicht schlafen kannst. Immer schwebst du mir im Gedächtnis ... Daß ich nicht schlafen kann — Daß ich nur wachen kann — Daß ich nur warten kann — Wann, o wann?!