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Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

V. Verbesserungs-Vorschläge. (continued 3)

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Weiber können nicht allein seyn —

Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen.

Oder nichts allein überlegen.

Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen, und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen! o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt, und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht — Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt — Wenn Gedanken ihren Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung nicht zurückbringen lassen — ihren Schöpfern, die nur selten Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so viel Ausgelassenheit — Was ich doch sagen wollte, wird man selten oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie Terrasson, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens enthalten, wenn sie von Terrasson hören, daß er kurz vor seinem Ende im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter Luquet assignirte, so daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie nur Luquet. —

Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig? Eine Einwendung, die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und sind entschlossen an Leib und Seele — Ihre Entbindungen machen sie so dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe — In politischen Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst — Sie mischen die Karten, und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind, wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt —? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen — das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme Ruhe für die nächste Nacht zu machen.

Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht) privilegiren?

Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen, weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die gefährlichsten sind — Wie kommt aber das andere Geschlecht zur Ordensehre?

Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du Barry, sich zu Schulden kommen ließen. Allerdings! und also nehme man nicht Maitressen, sondern Weiber.

Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit! Getroffen, wenn sie Maitressen werden sollen — Wenn sie aber ihren göttlichen Ruf, Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold, sondern durch Ächtheit — Sind die Türkischen Bassen und Veziere, die Beys in Ägypten darum menschlicher, weil sie in ihren früheren Jahren das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten?

Welche Widerlegungen! Sind etwa die Einwendungen besser? Es läßt sich Alles vertheidigen — und wider Alles einwenden. Ich wollte um Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn —; ich auch nicht — und doch — und eben darum. Wer hat nun Recht —? Wer die Wahrheit sagte. Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?

Wer die Sache der Unterdrückten führte, und wer der Menschheit sich annahm.

Der Menschheit?

Sind etwa Weiber nicht Menschen?

Der Unterdrückten?

Sind wir nicht ihre Tyrannen?

Heil den irrenden Rittern!

Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht —

und wenn sie keine Dulcineen haben,

als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen —.

Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben geschrieben —?

Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben — Keines weiß, daß ich es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen.

Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig vermeidet und durch Beides sich durchschlängelt?

Weil Wenige sind, die darauf wandeln —

Besser als Viele!

Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist.

Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtgläubigkeit —

ist ein unseliges Mittelding — So oder nicht so, ist mein Wahlspruch; — nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und drunter ist, ist vom Übel —

Und die Gesetze! — wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?

Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen! mögen die Todten die Todten begraben! — Freilich thun die Gesetze zuweilen so, als ob es Kräfte in der Menschheit gäbe, die außerhalb der Menschheit lägen —

Was will das sagen?

Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrücken, damit die Summe aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist natürlich die Gesammtkraft desto größer, je größer die Summe der Kräfte einzelner Menschen ist — Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen —

Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sehen —

O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schützen, und die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern —?

Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?

Sind die etwa nicht moralische Personen?

Und die Billigkeit?

ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der Welt gilt, ist billig — Was nach der Meinung der mehresten Menschen recht ist, ist billig —

und billig ist der, der so handelt, daß es die mehresten Menschen für Recht halten — Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, daß —

Wahr —!

Wenn wir zählen wollten —

würd' ich gewinnen, falls nur die stimmten, die man nicht fragen darf: »verstehest du auch, was du sagest —? weißt du auch, was du thust —?«

Immerhin Verbesserung; warum bürgerliche?

Weil man sich an Zweige, und wohl gar Blätter, nicht halten muß, wenn der Stamm anzugreifen ist —

Und der Ausdruck dieses Buches —!

Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und Späne, welche fallen —

Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen beliebt — —

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