Abendsegen
Reading edition
I.

Das ist des Abends Segen Und seine stille Tat, Daß Sturm und Kampf sich legen, Wenn seine feuchten Schwingen Hinschatten übern Pfad. Das hat er vor dem Tage, Daß er des Herzens Drang, Daß Sorgen er und Plage Besänftigt still mit mildem, Mit süßem Schlafgesang, – Daß er mit dichtem Schleier Des Landmanns Pflug umhüllt, Mit stiller Dankesfeier Die Hütten und die Herzen Allüberall erfüllt …
Hans Benzmann
II.
Die Abendglocken ferne Läuten den Tag zur Ruh, Die Augen tun auf die Sterne, Die Blumen die Augen zu. Die Vöglein in den Bäumen, Sie schweigen alle still: Ein jedes heimlich träumen Vom goldnen Morgen will. Die Schiffe ruhn im Hafen, Keine Welle regt sich mehr, So geh auch du nun schlafen Und bange nicht so sehr. Und laß den Vater sorgen, Der über den Sternen wacht: Er segnet mit Freuden den Morgen, Er segnet mit Frieden die Nacht.
Friedrich Güll