Dritter Teil. (continued 2)
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Dann suchte ich mir meine Mannschaft unter der Hand zusammen. Im Lager waren 14 Schulschiffkadetten des Norddeutschen Lloyd, die immer eng zusammenhielten in jugendlicher Abenteuerlust. Von ihnen konnte ich nur sieben gebrauchen. Meine Lebenserfahrungen hatten mich darin geübt, die Menschen auf ihre Eignung einzuschätzen, namentlich auf Zuverlässigkeit und Kühnheit hin. Es war nicht leicht, die sieben von ihren Kameraden zu trennen und letztere über den Fluchtplan zu täuschen. Außerdem gewann ich noch einen Funkentelegraphisten aus Samoa, den schon erwähnten Grün, und den Motor-Ingenieur Freund, welchen der Lagerkommandant damit beauftragt hatte, sein Motorboot in Ordnung zu halten. Der andere Vertrauensmann Turners war der Kadett Paulsen, der sein Boot steuerte und außerdem die Lagerkantine verwaltete.
Nun galt es, unsere Ausrüstung zu beschaffen. Ich ging zum Oberstleutnant und sagte ihm, es wäre hier gar nichts los, ich wollte gern zu Weihnachten eine Theateraufführung machen. Mein Unternehmungsgeist erschreckte ihn: »Um Gotteswillen, Graf, Sie laufen mir doch nicht weg?«
»Sehe ich aus wie einer, der weglaufen will? Abgesehen von meinem Rheuma, ich bin so wasserscheu geworden, ich gehe überhaupt nicht mehr in oder aufs Wasser. Wenn ich nur schon zu Hause wäre.«
»Aber Ihre ›Seeadler‹-Mannschaft? Ist es nicht möglich, daß sie mit einem Schoner kommen und Sie abholen wollen?«
Die Feinde hatten den Aufenthalt der Mopelianer noch nicht herausbekommen. Krause, Lüdemann, Permien und Erdmann waren im Arresthaus zu Wellington geradezu gefoltert worden, um aus ihnen die Wahrheit über die »Seeadler«-Besatzung herauszubringen. Aber die braven Jungs hatten lieber in zugiger Zelle auf dem nackten kalten Betonfußboden geschlafen und sich böse Krankheiten dadurch zugezogen, als daß sie sich durch solche Quälereien zu Aussagen verleiten ließen. »Alle für einen, einer für alle« war unser Wahlspruch, dem wir treu geblieben sind, deutsche Soldaten auch noch als Sträflinge bei Wasser und Brot! So hat der Feind dauernd in Spannung gelebt, daß irgendwo und -wann der »Seeadler« wieder auftauchen könnte. Er hat viel Geld für Bewachen und Abstreifen der See ausgeben müssen.
Ich versicherte nun dem Oberstleutnant, daß meine Leute, wenn sie könnten, sicher auf neue Kaperfahrt gingen, aber keinesfalls daran dächten, mich zu entführen. Er gab schließlich die Erlaubnis zum Theaterspielen. Ich zog ihn nun ins engste Vertrauen und es gelang mir, ihn für den Theaterplan lebhaft zu erwärmen. Unter anderem sagte ich ihm, ich führte das Stück nur unter der Voraussetzung auf, daß keiner vom anderen wüßte, welche Rolle er spielte, denn es sollten nicht nur die Zuschauer überrascht werden, sondern auch die, welche mitspielten. So gab ich den Kadetten, welche nicht zur Flucht geeignet waren, ordentlich was zu lernen auf. Mit vereinten Kräften wurden Verse geschmiedet und memoriert. Einige mußten Schiffe ausschneiden als Silhouetten, denn ich wollte aus bestimmten Gründen die Schlacht beim Skagerrak aufführen. So fühlen sie sich auch im Vertrauen. Meine Kadetten malten Kriegsflaggen, nähten Mützenbänder und verfertigten schwarz-weiß-rote Kokarden. Wenn einer kam und fragte, hieß es: »Du weißt, der Graf hat gesagt, wir dürfen voneinander nichts wissen.« Alles geschah heimlich und der Oberstleutnant freute sich, und wenn ihm etwas Verdächtiges gemeldet wurde, lächelte er überlegen: »Ja, ich weiß schon, das ist Theater.«
Aus Marmeladebüchsen wurden von den wirklich Eingeweihten Handgranaten hergestellt mit Hilfe eines Sprengstoffes, den meine Jungs einem Farmer, bei dem sie Baumwurzeln sprengten, stibitzt hatten. Funkentelegraphist Grün, ein Genie in seinem Fach, baute eine drahtlose Empfangsstation. Kadett von Zartowsky verfertigte aus einem alten, angetriebenen Rudersextanten, Rasierapparaten und geschliffenen Spiegeln einen Sextanten, der uns nachher nur um 50 Seemeilen aus dem Weg gebracht hat, also den Umständen nach gut arbeitete. Der Sextant ist heute in einem feindlichen Museum ausgestellt; eine Gesellschaft der Wissenschaften hat eine eigne Sitzung über diese außerordentliche Leistung von Erfindungsgabe bei dürftigen Hilfsmitteln abgehalten.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Bei unsern Hühnerställen.
Wir mußten nun auch Segel haben für unser Motorboot. Paulsen ließ hinter den Kantinenbestellungen auf dem Bestellzettel gewisse Lücken offen, die er, nachdem der Oberstleutnant seine Unterschrift gegeben hatte, nachträglich ausfüllte. So bezogen wir dutzenderlei nötige Materialien aus Auckland, und wenn der Kommandant erneut von einem Untergebenen auf die auffälligeren Bestellungen hingewiesen wurde, blinzelte er verständnisinnig: »Es ist in Ordnung, ich weiß schon.« Nur als ich einmal als Theaterdirektor für die Vorbereitungen einen abgetrennten Platz verlangte, den niemand ohne des Kommandanten besondere Erlaubnis betreten durfte, lehnte er ab. Das war ihm denn doch zu viel.

»... Das Hühnersterben fiel auf.« Der österreichisch-polnische Arzt erklärt es dem Lagerkommandanten. (Englische Karikatur nach unserer Flucht.)
Wir beschafften uns also Proviant in großen Mengen, vor allem Eßwaren, die wenig Platz einnehmen und bei der Zubereitung ordentlich aufquellen, wie Reis und Grütze. Die Lagerhühner schlachteten wir heimlich eines nach dem anderen weg und weckten sie ein. Das Hühnersterben fiel auf, und der Doktor, der autoritativ auf eine Geflügelpest diagnostizierte, gab Pulver unter das Futter, worauf die Tiere natürlich noch rascher wegstarben. Es fiel schließlich auf, daß die toten Hennen fast nie zu finden waren. Aber inzwischen war unser Vorrat auch schon genügend.
Unser zukünftiges Segel wurde als Theatervorhang genäht, und schließlich auch eine Bühne aufgebaut. Wenn eine Wache vorbeikam, lernten die, welche an Handgranaten oder am Sextanten arbeiteten, fleißig ihre Verse, und der Kommandant erbat sich von mir, der ich an meinen Krücken umherschlich, eine englische Übersetzung des Ganzen aus.
Die Kosten für die Ausstattung wurden durch eine Sammlung im Lager aufgebracht. Der Arzt verwaltete mir die Theaterkasse und sah dabei schon zu, daß er zu dem Seinigen kam. Dann galt es, Ferngläser, Karten und gute Uhren zu beschaffen. Die Karten schnitt ich aus Atlanten aus. Es wurden ja immer nur die Blätter Frankreich und Rußland aufgeblättert, und wenn einer wirklich einmal die Südsee nachsehen wollte, dann hatte er doch nicht mich im Verdacht des Diebstahls. Ich ließ aber alles Entwendete aufschreiben und die Eigentümer später entschädigen. So machte ich es auch mit den Ferngläsern. Einige davon wurden mir von Reserveoffizieren geliehen, die einsahen, daß ich sie brauchte, um das gegenüberliegende Fort zu beobachten und daran Admiralsaufgaben zu bearbeiten. Das beste Glas gehörte aber einem Herrn, der es sehr sorgfältig hütete. Ich machte ihn ängstlich: »Passen Sie auf, daß es die Leute nicht klauen. Haben Sie es auch gut versteckt«. Ich ließ mir das Versteck zeigen und stritt mit ihm darüber, daß das nicht sicher wäre. Dann nahm ich es ihm fort, und er kam betrübt zu mir: Ich hätte nun leider doch recht behalten. Er mußte später lachen, als er es wieder erhielt. Jeder, dem ich sein Glas oder seine Uhr abschwatzte, wurde verpflichtet, es vor den anderen geheim zu halten, damit meine angebliche »Spionagetätigkeit« nicht herauskäme. Die meisten haben übrigens später auf Entschädigung verzichtet und dachten wie ich beim Schwindeln: Alles fürs Vaterland.
Als wirkliche Waffen fertigten wir uns Handgranaten und Dolche, die wir aus Dreikantfeilen schliffen. Da wir auf unserer Kreuzfahrt die Erfahrung gemacht hatten, daß wir mit Waffen kaum etwas zu tun hatten, vielmehr eine Flagge, einige Scheinwaffen und etwas Draufgängertum genügten, so zimmerten wir uns ein paar Scheinrevolver und sogar ein imitiertes Maschinengewehr aus Petroleumbehältern. Ein Chemiker stellte uns Gasbomben her. Ein paar richtige Handfeuerwaffen mußten wir aber haben. Während einmal alles im Lesezimmer um eine neue Zeitschrift versammelt war, entwendeten wir aus einem verschlossenen Raum zwei Gewehre und elf neuseeländische Uniformen. Kircheiß ging gerade mit einem Gewehr im Nachtanzug zu unserem Versteck, als ihn ein Wachtposten anrief. Er schützte aber etwas anderes vor und entfernte sich mit gemessener Eile in merkwürdig gezwungener, steifer Haltung, das Gewehr in der Hose versteckt.
So wurde unsere Erfindungsgabe unaufhörlich beschäftigt. Wie brachten wir nun aber unsere ganze gesammelte Ausrüstung in das vor Anker liegende Boot hinein, das keiner betreten durfte?

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Letzte Vorbereitung zur Flucht. »... Die Tommys ziehen dienstbeflissen das Boot an Land« (und werden dabei von uns photographiert).
Wir hielten einen Kriegsrat. Im allgemeinen vermied ich es peinlich, mit den Kadetten zusammenzukommen. Herr von Egidy, der meine rechte Hand wurde und als Nichtseemann unauffällig mit den Kadetten verkehren konnte, führte die von uns entworfenen Ideen im einzelnen durch, während ich mich möglichst müßig zeigte. Sonntags aber ließ ich mich von den Kadetten gelegentlich zum Kaffee einladen, und da wurde folgender Plan gesponnen. Freund, der Motormann, und Paulsen, der Steuermann, erzählten dem Oberstleutnant, der Schraubenschaft des Bootes wäre leck. Beunruhigt befahl er darauf seinen Soldaten, das Boot so schnell wie möglich aufs Land zu holen. Prompt am andern Morgen stehen bei Hochwasser die erforderlichen Tommys am Strand und ziehen mühselig, aber dienstbeflissen als ahnungslose Werkzeuge unseres Planes das Boot an Land. Außer der Reparatur ließ Turner gleich auf Freunds und Paulsens Vorschlag das ganze Boot malen, da er es zum Verkauf ausgeschrieben hatte und gern proper haben wollte. Nun hatten wir reichlich Zeit, es nach Wunsch zu bepacken, und die beste Gelegenheit ergab sich dadurch, daß einige von uns mit Farbenpötten sogar die Nacht über beim Boot verweilen durften.
Die Kadetten Schmid und Mellert hatten stets die Kohlen für das Gefangenenlager zu fahren, ihnen war das Pferd anvertraut. Jetzt karrten sie unsere ganzen Vorräte unter leeren Kohlensäcken zur Landungsbrücke hinab. Seekadett Mellert war der besondere Vertrauensmann des Farmers und durfte als Hammelschlächter unten am Strand außerhalb des Lagers wohnen. Nun war aber in diesem Hause leider auch ein naturalisiertes Subjekt, ein gewisser P. H., der sich durch Schmuserei die Erlaubnis verschafft hatte, dort unten zu hausen. Diese naturalisierten Deutschen, die durch die Strenge der feindlichen Kriegsmaßnahmen zwar von der Gefangenschaft nicht verschont blieben, aber dann als Vaterlandsverleugner sich Vergünstigungen verschafften, waren der trübste Punkt im Lagerleben und erinnerten nur allzusehr an manche Seiten der deutschen Geschichte, wo sich Landsleute im fremden Dienst auf Kosten des Zusammenhalts und der Kraft unserer Nation emporgebracht haben. Übrigens verachteten die Engländer die schlechten Deutschen am meisten. Dieses Subjekt saß nun dauernd am Fenster, las in einem Buch und sah beim Malen des Bootes zu. Es war ungemütlich, aber nicht zu ändern. Vermutlich wollte er durch Verrat sich die Freiheit verdienen.
Die »Perle« war ein prachtvolles Boot von etwa neun Meter Länge, mit einem hervorragenden Motor. In die Bilge, den Doppelboden, worin sich das Leckwasser sammelt, damit man trockene Füße behält, verpackten wir nun unsere Uniformen, Privatsachen und für sechs Wochen Proviant. Außerdem wurden die vorhandenen Schiebladen aufgefüllt und dicht vernagelt. Als der Kommandant einmal danach fragte, wurde ihm frech und frei geantwortet, sie wären zugenagelt, weil sie doch nie gebraucht würden und bei der Fahrt klapperten. Ferner nahmen wir öffentlich Frischwasserbehälter hinauf, die dem Kommandanten als Reservebenzinkannen bezeichnet wurden, und einen von uns selbstgebauten Kondensapparat, mit dem man in einer Stunde zwei Liter Wasser herstellen konnte.
So wurde das Boot in den unsichtbaren Räumen vollgepackt. Alles war darin, auch die Gewehre. Wie aber sollten wir uns Munition verschaffen? Der Munitionskasten der Lagerwache zog uns an wie Honig die Bienen, aber es schien unmöglich, an ihn heranzukommen, da er sich in dem gutverschlossenen Warenschuppen neben den Soldatenbaracken befand. Der Schlüssel dazu hing im Wachtlokal, vor dem dauernd ein Posten auf und ab ging. Wie konnten wir an dem Tommy vorbei zu dem Schlüssel gelangen? Wir grübelten lange hin und her, die schwierige Frage löste sich aber eines Tages ganz plötzlich.
Schmid und Mellert hatten eine Ratte gefangen, ihr ein Band ans Bein gebunden und einen Kater darauf scharf gemacht. Das kleine Sportereignis zog natürlich den wachestehenden Tommy lebhafter an als sein Wachtlokal. Während dieser nun den Rattenfänger anfeuert: »Let him catch him«, schlüpft Mellert heimlich und leise zu dem Türpfosten, hakt den Schlüssel ab und sobald er ihn hatte, wurde auf einen heimlichen Wink hin das Kampfspiel abgebrochen und die Ratte zur späteren Verwendung aufgehoben. Der Wachtposten war recht enttäuscht.
Dann begab man sich nach dem Warenschuppen, worin der Munitionskasten stand, und weg damit zum Zelte Grüns. Außer der Munition, die wir im Boot mitnehmen wollten, interessierte uns auch besonders die Munition, die die Soldaten in ihren Bereitschaftskästen hatten. Wir wollten den Feind dadurch bei einem etwaigen Alarm, den unsere Flucht zur Folge haben könnte, entwaffnen. Dies geschah dadurch, daß wir aus den Patronen das Pulver bis auf einen kleinen Rest entfernten, Papierabschluß daraufsetzten und die Patronen mit Sand wieder auffüllten. Wenn die Neuseeländer nun schießen wollten, dann reichte das Pulver gerade so weit, daß die losgeschossene Kugel in den Zügen stecken blieb. Bätsch! war es alle; die im Laufe steckende Kugel, festgetrieben durch den Sand, machte das ganze Gewehr unbrauchbar.
Die so »Made in Germany« bearbeiteten Patronen wurden schließlich wieder in den Warenschuppen gebracht. Nun galt es, den Schlüssel im Wachtlokal anzuhängen, wozu Katz und Maus wieder erschienen. »Let him catch him«, rief der Posten voll Vergnügen, und der Schlüssel hing bald wieder an seinem Ort. Nur der Senior unseres Lagers, der immer auf den guten Ruf des Deutschtums bedachte Herr Höflich aus Samoa, machte mich in ernstem Tone auf das Bedenkliche einer solchen Tierquälerei aufmerksam, die unter den Augen des Feindes uns als »cruel huns« erscheinen ließe und auch unsere Landsleute empöre.

Oberstleutnant Turners Entschuldigung vor dem Kriegsgericht: »Ich hatte nur g. v.-Leute als Wachpersonal.« (Englische Karikatur.)
Benzin hatten wir nach Belieben, da der Oberstleutnant darin ein großer Hamsterer war. Bei der Prüfung seiner Bestände fand der Kommandant, daß Zahl und Gewicht der Behälter immer stimmten; nur der Stoff innen hatte sich mehr und mehr in klares Brunnenwasser verwandelt.
Jetzt konnten die vielen Tommys wieder antreten. Das gutbemalte, tadellos gestaute Boot lag bald wieder im Wasser.

Der Lagerkommandant erkundigt sich nach unserer Gesundheit, während wir unsere Ausrüstung ausarbeiten. (Englische Karikatur.)
Das Lagertelephon hatte Grün in einer Kiefernschonung geerdet, aber so, daß wir einen Schalter hatten, den wir nur umzulegen brauchten, um die Leitung zu unterbrechen. Mit einem Telephonhörer, den einige Mitgefangene aus Devonport mitgebracht hatten, hörten wir jetzt in einer als Zelle eingerichteten Wurzelhöhle den telephonischen Verkehr des Lagerkommandanten mit dem Hauptquartier in Auckland ab. Nachts befanden sich gelegentlich in der Gegend Motorboote, welche Übungen abhielten. Wir hatten nie recht erfahren können, warum, mußten das aber nun herausbekommen. Denn diese rätselhaften Vorsichtsmaßregeln beunruhigten uns lebhaft. Wir legten also den Hörer im Walde an die Telephonleitung. Dort hatte jeder von meinen Jungs zwei Stunden Wache, um die Gespräche des Lagers mit dem Hauptquartier zu belauschen. Von jetzt ab waren wir über alles unterrichtet. Wir hörten auch, daß der Oberst Patterson in Auckland Turner Vorwürfe machte, weil die Morselichtsignale nicht abgenommen würden. Der Oberstleutnant erwiderte, daß zu heller Mondschein gewesen wäre. Wir hörten weiter, daß die Übungen dazu dienen sollten, aufzupassen, falls die Deutschen nachts ausbrechen wollten. Wir mußten unser Programm also für den Tag einrichten. Gleichzeitig machte der Oberstleutnant darauf aufmerksam, daß er tags nur das Telephon zum Alarm hätte; ob man ihm nicht ein Helioskop schicken wolle?
Das Helioskop kam nach wenigen Tagen an. Aber unsere Jungs, die besser wußten, was eine Helioskopkiste war, als die neuseeländischen Soldaten, und bei deren Bequemlichkeit regelmäßig als Hilfskräfte beim Auspacken herangezogen wurden, brachten die Kiste beim Entladen des ankommenden Verkehrsbootes sofort in Sicherheit. Bei dem lässigen Behördenbetrieb fiel es zunächst niemand auf, daß das Helioskop auf sich warten ließ, und wir selbst brauchten es doch viel nötiger als der Kommandant.
Immerhin sahen wir, daß man auf uns aufpaßte. Sogar die Telephonleitung sollte einmal untersucht werden. Glücklicherweise kamen die Arbeiter erst nach unserer Abfahrt, die wir von dem zuerst angenommenen Zeitpunkt hatten verschieben müssen.
Je mehr sich unsere Vorbereitungen dem Abschluß näherten, desto schlimmer wurde mein Rheumatismus. Der Kommandant bedauerte mich immer mehr und war innerlich immer zufriedener. Aber auch die Soldaten nahmen etwas größeren Anteil an mir. Einer bot mir aus Mitleid mal ein Mittel an, »Farmers Friend« hieß es. Er hätte viel mit Pferden zu tun gehabt, da hätte es gut getan, es würde auch dem Grafen jetzt gut helfen. Ich ließ mir die Pferdekur geben und rieb mich angeblich damit ein. So wurde der Soldat mein Berater für körperliche Leiden und immer intimer mit mir, so intim, daß ich ihn und einige seiner liebsten Kameraden am letzten Tage sogar die militärischen Abzeichen mitbringen lassen konnte, als »Andenken«, in Wahrheit brauchte ich sie natürlich für die Vervollständigung der neuseeländischen Uniformen, in welchen meine Bootsmannschaft losging. Ich selbst trug schon stets im Lager neuseeländische Uniform (mit deutschem Marineabzeichen). Die deutschen Beamten aus Samoa, die nicht eingeweiht waren, fanden das natürlich skandalös.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
»... Ich selbst trug schon stets neuseeländische Uniform.«
Ich hatte meine Leute vollkommen in der Hand. Wenn es nötig war, wies ich einen wohl in seine Schranken zurück, wir blieben aber Freunde. Daß ich in allem Tun und Lassen mit einer gewissen Kühnheit verfuhr, begeisterte die Leute, sobald sie hin und wieder den Beweis erhielten, daß das Beabsichtigte gelang. Die Kadetten mußten die vorbeifahrenden Schiffe stets beobachten, wie oft sie kamen, welche Typen es waren usw. Die Nachrichten wurden dann zum Plane verwertet.
Wir waren fertig, und nun kam für uns die Generalprobe heran. Am hellichten Tage machten wir blinden Alarm; denn als richtige Deutsche mußten wir auch die Gewißheit haben, daß alles Erfundene und Erarbeitete solide war und klappte.
Auf ein Stichwort begab sich also jeder auf seinen Posten. Grün sollte das Telephon umstellen, zerstören wollten wir es nicht, um im Fall des Mißlingens der Flucht keinen Verdacht zu erwecken. Klöhn hatte das kleine Ruderboot entzweizuschlagen, damit die Verfolgung erschwert würde. Schmid fuhr mit dem Wagen hinunter, Kohlen holen, in Wirklichkeit aber unter den leeren Säcken Benzin hinunterschaffend. Ich selbst ging mit Herrn von Egidy in das Gouverneurhaus, wo ich alles übersehen konnte. Paulsen und Freund sollten eine halbe Stunde vor Abfahrt in die »Perle«, um sie »reine zu machen«. Kircheiß half Mellert in dessen Haus beim Packen der letzten Sachen, und zu guter Letzt kam ich mit Egidy »auf einem Spaziergang« zur Landungsbrücke.
Den Probealarm haben wir tatsächlich in Gegenwart des Kommandanten ausgeführt, ohne daß er etwas ahnte. Bei dieser Übung sahen sich die elf Verschworenen zum ersten Male alle gegenüber. Vorher hatte ich nur einzeln mit ihnen verhandelt und keiner wußte vom andern; so gewissenhaft und verschwiegen hatten alle gehandelt. Nach den Erfahrungen wurde auch die eine oder andere Anordnung abgeändert, und mit deutscher Gründlichkeit war jetzt alles eingeübt.
Ein großer Teil der neuseeländischen Küstenschiffahrt kam an Motuihi vorbei. Bequem konnten wir von der Insel aus in aller Ruhe mit unseren Gläsern die Schiffe besichtigen, und wenn ein für uns passendes Fahrzeug vorbeisegelte, ihm geräumigen Abstand lassen, um mit unserer schnellen »Perle« hinterherzuflitzen. Da trat aber, als wir fertig waren, schlechtes Wetter ein und infolgedessen fuhren auch keine Schiffe vorbei, da der Wind von ungünstiger Seite kam.
Nun wollte Oberstleutnant Turner einmal fahren. Er liebte es, selbst zu steuern. Paulsen setzte sich bei der Fahrt nach vorn zu Freund, damit der Oberstleutnant behindert würde, nach vorn zu gehen und das Boot zu untersuchen. Turner freute sich, daß er auf einmal so leicht und sicher fuhr. Paulsen erklärte das damit, daß wir den Ballast umgelagert, hinten etwas hineingestaut hätten. (Es waren ja auch 2000 Kilogramm verpackt). Der Motor war vorher für das Boot zu stark gewesen und lief jetzt bei größerer Belastung wirklich besser. Der Oberstleutnant saß auf Handgranaten und steuerte, unsere Jungs ließen von ihrer Aufregung nichts merken. Anderntags fuhr sogar der Kriegsminister in eigener Person in unserer »Perle«.
Da ließ eines schönen Tages der Kommandant Paulsen kommen und fragte ihn mißtrauisch: »Wo habt ihr den Schlüssel zur Ankerkette und zur Bootskajüte?« Die Frage wirkte auf Paulsen wie ein Donnerschlag, er mußte alles für verraten halten. In der Tat waren Turner Dinge zu Ohren gekommen. In der Nacht war ein Zettel unter die Tür des Wachthauses geschoben worden, worauf in schlechtem Englisch stand: »Bitte Boot untersuchen. Es ist vollgepackt mit Proviant.« Turner geriet in Aufregung und die Posten wurden verdoppelt. Wir wußten wohl, wer der Lump war.
Alles schien nun verloren. Turner, der ein ruhiges Leben liebte, saß immer etwas in Angst vor der öffentlichen Meinung. Er mußte denen drüben in Auckland zeigen, was er für ein schneidiger Mann wäre, und so wurden auch die Nachtübungen weniger aus Argwohn gegen uns veranstaltet, als um drüben »show« zu machen. In Neuseeland wie in anderen demokratischen Ländern stand häufig die Rücksicht auf die Stimmungen des Publikums über allen anderen Erwägungen.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Prise in Sicht!
Paulsen verstand es nun, als der Verrat geschehen war und alles auf des Messers Schneide stand, genial den Gekränkten zu spielen und den Kommandanten von der sofortigen Untersuchung des Bootes abzubringen. Außerdem glaubte Turner ja, mich in der Hand zu haben, da ich mir angeblich 100 000 Mark hatte aus der Heimat schicken lassen. Er, der frühere Kohlenhändler, hatte dies heimlich geschehen lassen; und er hatte sogar, indem er zur Umgehung der Zensur den Brief unter Dienstsiegel schickte, dazu gemurmelt: »I hope, you will not forget me!« worauf ich ihm verständnisinnig zugenickt hatte. Es war das Gerücht verbreitet, ich hätte die »Seeadler«-Reise auf eigene Rechnung gemacht. Mein »Reichtum« machte fabelhaften Eindruck, und so dachte Turner, da er ja 5000 Pfund Sterling sozusagen als private Kaution in Händen hatte, nicht ernstlich an die Gefahr meiner Flucht. Das Behagen kehrte wieder. Den Zettel hatte wohl ein Verrückter geschrieben, nahm Turner an. Der schwere Augenblick ging unerwartet gut vorüber.
Nun wird man mich fragen, warum wir überhaupt fliehen wollten. Bei dem ungeheuren Mißverhältnis zwischen unseren Kräften und der Macht des Feindes und sonstigen Hindernissen, konnte nur ein ganz klarer und bis ins einzelne durchdachter Plan dieses Unternehmen rechtfertigen. Das Ziel war zunächst, den Oberst Logan auf Samoa in unsere Hände zu bekommen, um ihm für seine Mißhandlungen deutscher Frauen einen Denkzettel zu erteilen. Die Gefangennahme Logans gedachten wir folgendermaßen zu ermöglichen. Mit der »Perle« mußte zunächst ein Segelschiff gekapert werden, um überhaupt bewegungsfähig zu werden. Darauf galt es, an geeigneter Stelle einen neuseeländischen Dampfer zu kapern, denn nur mit einem Dampfer konnten wir in Samoa einlaufen und Logan, der über starke militärische Macht verfügte, glauben machen, daß wir ihm einen Befehl vom neuseeländischen Kriegsminister zu überbringen hätten. Somit beabsichtigten wir, uns zunächst mit der »Perle« auf die Lauer zu legen, bis wir uns eines Segelschiffes bemächtigen konnten, um mit diesem dann nach der Hauptinsel der Cookgruppe, Rarotonga, zu fahren, wo die Dampfer zwischen Neuseeland und San Franzisko anlaufen. Wir wußten durch Gefangene, daß sich auf Rarotonga weder eine Funkenstation, noch eine militärische Macht befand; die Eingeborenen sollten sehr deutschfreundlich sein. Im Vertrauen darauf wollte ich mit dem Motorboot unter deutscher Kriegsflagge in den Hafen von Rarotonga einlaufen und die dortige Bevölkerung glauben machen, wir kämen mit der »Perle« von einem draußenliegenden deutschen Hilfskreuzer. Die Mützenbänder meiner Leute trugen zu diesem Zweck schon die Aufschrift S. M. S. »Kaiser«. Der Name hätte durchgeschlagen. Dann wollten wir den Residenten festnehmen und die paar auf der Insel lebenden Engländer genau in derselben Weise internieren, wie wir interniert waren. Im Besitz Rarotongas hätten wir den nächsten einlaufenden Dampfer abgewartet. Die Dampfer hatten aber hinten und vorn Geschütze, wie war es dann nur möglich, einen solchen in unsere Gewalt zu bringen? Wir wären in neuseeländischen Mänteln und Mützen, den Residenten in unserer Mitte, zum Dampfer hinabgegangen, um die übliche Visite zu machen. Im Augenblick, wo uns der Kapitän freundlich begrüßte, hätten wir die deutsche Flagge und Handgranaten gezeigt, die Geschütze sofort besetzt, und da das verblüffende Auftreten uns im Augenblick die Oberhand gab, hätten wir die Leitung des Schiffes bekommen. Dann wären wir auf Samoa zugesteuert und hätten uns vorher durch drahtloses Telegramm als Überbringer wichtiger Geheimbefehle des Kriegsministers an Oberst Logan angekündigt. Auf dem amtlichen Briefpapier, das wir nebst den dazugehörigen Stempeln und Namenszügen von Turners Schreibtisch genommen hatten, hätten wir einen persönlichen Befehl an Logan übergeben, wären selbst aber außerhalb des Hafens liegengeblieben. Logan hätte, wenn ihm der Bote den Befehl überbrachte, darauf die eigenhändige Unterschrift von Sir James Allen gefunden, denn wir hatten die Unterschrift bereits in Kupfer ätzen lassen. Logan hätte darauf an Bord kommen müssen, und wir hätten mit ihm an Bord die Kaperfahrt fortgesetzt. Das war unser Plan.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Am Strand von Motuihi.
Als Kommandant eines Kriegsschiffes brauchte ich auch noch unbedingt einen Säbel. Den habe ich auf folgende Weise bekommen. An dem Tage unserer Flucht war Turner früh nach Auckland gefahren, um seine Tochter abzuholen. Er hatte etwas den Größenwahn und liebte fürstliches Gepränge; so ließ er seine sämtlichen Offizierstellvertreter und Unteroffiziere zum Empfang seiner Tochter an die Landungsbrücke kommen. Mittlerweile ging einer meiner Jungs an seinen Schrank, holte die beste Uniform heraus, nahm den Säbel aus dem Segeltuchfutteral und füllte dieses, damit es straff hing, unten mit einem Senkblei, und oben, wo der Säbelkorb hingehört, mit einer Konservenbüchse, und dann ging Mellert, den Säbel im Hosenbein, mit einem Gemüsesack, aus dem ein paar Gemüseköpfe hervorschauten, der auf dem Boden aber die Uniform enthielt, forsch und bieder an dem festlich einziehenden Oberstleutnant vorüber.
Mellert ließ noch im Augenblick der Flucht bei dem Ruderboot, das wir zerschlugen, einen Brief liegen, damit der Farmer, bei dem er beschäftigt gewesen war, ihn fände. Die neuseeländischen Zeitungen haben ihn als Beispiel deutscher Pflichterfüllung und Sachlichkeit abgedruckt, und so mag dieser Abschiedsbrief eines echten Hunnen aus einer dieser Zeitungen auch hier wieder abgedruckt stehen:
November 25th 1917
Mr. Melrose, farm manager.
Dear Sir,
My country calls and I have to follow! For two years I worked on the farm, and I have always done my duty. With this letter I leave all the necessary notes, like milksupply, mutton-supply, and the list of the cows. I hope you will have no difficulties to arrange all under my successor. I kindly ask you to give my wages to Klaiber, as I owe him something, and he shall pay my canteen-bills. You may take my saddle and bridle, and pay a bill of about 30 s. to Hofmann, photographer, for me. I like to be square with everybody, and I have not got money enough to do all. I hope you will have not too much trouble by my departure, and with best wishes to you, I remain, yours
I. Mellert. [10]
Lieber Herr Melrose!
Das Vaterland ruft und ich habe zu folgen! Zwei Jahre lang habe ich auf der Farm gearbeitet und meine Pflicht stets erfüllt. Mit diesem Brief lasse ich alle die notwendigen Aufzeichnungen zurück, wie Milchbestand, Hammelbestand, und die Liste der Kühe. Ich hoffe, Sie werden keine Schwierigkeiten haben, alles unter meinem Nachfolger zu ordnen. Ich bitte Sie freundlichst, mein Gehalt an Klaiber zu geben, da ich ihm etwas schulde und er meine Kantinenrechnung bezahlen soll. Sie können meinen Sattel und Zaumzeug nehmen und dafür eine Rechnung von etwa 30 Schilling für mich an den Photographen Hofmann bezahlen. Ich möchte mit jedermann im Reinen sein, und habe nicht Geld genug, allen zu genügen. Hoffentlich haben Sie nicht zuviel Verdruß durch meine Abfahrt, und ich verbleibe mit besten Wünschen für Sie Ihr
I. Mellert.
Siebzehntes Kapitel. Flucht und neue Kaperfahrt.
Der 13. Dezember 1917 war der Tag, an welchem die Flucht gelang. Das Glück hatte uns an den tausend Zufällen, die unsere umständliche und kecke Verschwörung vereiteln konnten, heil vorbeigeleitet. Jetzt wurde dem Eifer meiner Jungs der Lohn zuteil. Die Freiheit winkte wieder, und die Hoffnung, dem Vaterland mit unsern jungen, frischen Kräften dienen zu können.
Es schien ja fast unbegreiflich, wie das Mißtrauen der Neuseeländer eingeschläfert war. Hatten sie uns doch als Rarität in einer Weise bewacht, wie noch kaum je Kriegsgefangene behütet worden waren. Sie trauten mir die unglaublichsten Streiche zu. Wir waren sozusagen eines ihrer größten Ruhmesblätter: als ein Mann, der seine ganze Seemannslaufbahn in Australien angefangen hatte, war ich jetzt Gegenstand der australischen Triumphgefühle, und die Zeitungen redeten selbstgefällig von »weltgeschichtlichen« Ereignissen in der Südsee. Fortwährend fürchtete man das Auftauchen der »Seeadler«-Mannschaft, und über ein Dutzend Motorboote suchte die Gegend um Motuihi nach ihr ab. Allem diesem zum Trotz konnten wir uns nun anschicken, die Kriegsgeschichte jenes Erdenwinkels um ein ganz neues Kapitelchen zu vermehren.
Der Oberstleutnant wurde mit seiner Tochter gegen Abend zurückerwartet. Sobald er das Boot verlassen hätte, sollte Paulsen nach unserem Kriegsplan den Mast niederlegen. Auf dieses Signal sollte jeder zusehen, wie er aus der Lagerumzäunung käme, und zu seiner Rolle eilen. Schwierig wurde das Verlassen des Lagers erst, wenn der Oberstleutnant sich so sehr verspätete, daß der allabendlich um 6 Uhr stattfindende Namensaufruf uns dazwischen kam, denn nachher durfte man das Lager nicht mehr verlassen.

»Mr. Turner, Sie haben die Tür offen gelassen.« (Englische Karikatur auf unsere Flucht.)
Endlich um halb sechs Uhr wurde die »Perle« von unserem Ausguckposten gemeldet. Diejenigen von uns, die nicht aus irgendeinem Grund vom Namensaufruf befreit waren, mußten also diesen erst abwarten und danach zu irgendeiner List greifen. Wir anderen entfernten uns jeder unter einem Vorwand. Kircheiß ging, weil er zu einem Entenessen eingeladen war, ich mußte zu Gouverneur Schultz usw.

»... Ich mußte zu Gouverneur Schultz.«
Um sechs Uhr legte die »Perle« an. Mister Turner wollte einen Trompeter als Wache beim Boot lassen, bis Paulsen und Freund mit der Bootsarbeit fertig wären. Aber Schmid, der Miß und Mister Turner im Wagen abholte, lud freundlich den Trompeter ein, auch mit aufzusteigen, und der gutgelaunte Kommandant gab zuletzt mit einem freundlichen »hop up« seine Einwilligung. Nachdem Schmid flott vor der Kommandantur vorgefahren war, bat er, mit meinem Burschen zusammen nochmals hinausfahren zu dürfen, um Kohlen zu holen. Der Oberstleutnant war grundsätzlich immer zufrieden, wenn jemand arbeiten wollte: »dann macht er wenigstens keine Dummheiten«, und erlaubte es. Schmid nahm gleich 25 Kisten Benzin mit. Als das verabredete Signal erschien, begaben wir elf Verschworenen uns einzeln und unauffällig, jeder durch eine besondere List, auf unsere Posten. Es klappte wunderbar. Unvorhergesehene Hindernisse, die sich einigen in den Weg stellten, überwand jeder selber mit großer Unverfrorenheit und Geistesgegenwart. Beinahe wäre unsere Abreise noch an der Wachsamkeit eines wirklich sehr tüchtigen Inspektors gescheitert. Dieser begegnete Grün, wie dieser eben nach vollbrachter Telephonableitung durch die Felder ging, um sich ans Boot hinabzubegeben. Der Inspektor schöpfte gleich Verdacht und hätte zum mindesten Grün zum Verhör vor den Oberstleutnant gebracht, wenn nicht Grün sofort das einzig Passende in seiner Lage getan und ein stilles Plätzchen am Waldrand bezogen hätte, wobei ihn der Inspektor nicht stören und auch nicht auf ihn warten mochte.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
»... als der Motor anraste, wurden noch drei Hurras ausgebracht.«
Die letzten Vorräte wurden eingebootet, die Telephonleitung war umgeschaltet, das Ruderboot zerschlagen, wir stiegen alle in die Barkasse, und als wir drin saßen und der Motor anraste, wurden noch drei Hurras ausgebracht für Seine Majestät. Allgemeines Händeschütteln, überquellende Freude! Am hellichten Tag passierten wir die Insel, während droben alles beim Essen saß. Als wir an den Soldatenquartieren vorüberglitten, aus welchen die Stimmen Essender herüberklangen, stellten wir Pflugscharen, die wir als Schutzschilde mitgenommen hatten, und die Roßhaarpolster der Sitze an die Seitenwand, um die Wirkung etwa anpfeifender Kugeln abzuschwächen, falls plötzlich Alarm geschlagen werden sollte; und die eigenen Gewehre lagen zur Antwort bereit. Aber niemand schoß.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Austernklippe auf Motuihi.
Von der Ankunft des Kommandanten bis zu unserer Abfahrt war kaum eine Viertelstunde vergangen. Da das kleine Beiboot der Barkasse unsere Geschwindigkeit minderte, wurde es in sicherer Entfernung von der Insel abgekappt. Dieses Beiboot wurde der erste Anlaß zur Entdeckung unserer Flucht. Mein Freund Osbahr, der diesen Abend auf Motuihi miterlebt hat, schreibt darüber:
»Als der Graf abgefahren war, herrschte eine furchtbare Stille unter den Eingeweihten, während sonst zur Essenszeit das Leben sprudelte. Der Bissen quoll uns im Munde. Wir warteten auf Schüsse, aber es kamen keine. Einige der Eingeweihten konnten ihre Aufregung nicht bemeistern und eilten auf die Klippe. Aber schon war das Motorboot nicht mehr zu sehen. Dann kam die Nachricht, das abgetriebene Beiboot schwömme draußen herum. Nun begann auch den Ahnungslosen etwas zu dämmern und es wurde festgestellt, wer fehlte. Nun galt es für uns Eingeweihte, die anderen zur Ruhe zu ermahnen, damit unsere Freunde Vorsprung gewönnen. Dies Bestreben wurde durch die Einfalt des neuseeländischen Feldwebels begünstigt, der leicht davon zu überzeugen war, daß das Beiboot durch einen Zufall abgetrieben wäre und die Leute in der ›Perle‹ nochmal Anker aufgegangen wären, um das Beiboot zu suchen. ›Die Deutschen suchen ganz in falscher Richtung. Wenn man nicht aufpaßt, dann sind diese dummen Deutschen doch zu gar nichts zu gebrauchen,‹ sagte der Feldwebel.
So verstrichen einige Stunden. Am späteren Abend ließ der Kommandant den Grafen bitten, um ihn seiner Tochter vorzustellen. Als man ihn nicht fand, wurde Mister Turner doch unruhig. Er suchte sich selbst zu trösten. ›Der Graf hat wohl einen Ausflug am Land gemacht, um eine Abwechslung zu haben. Er ist ja so rheumatisch, der läuft nicht weg. Außerdem hat mein Boot nur für einen Tag Benzin.‹ Schließlich ging er an den Fernsprecher, um dem Hauptquartier die unangenehme Mitteilung zu machen. Das Telephon ging aber nicht! Jetzt wird die Sache brenzlich. Es bleibt nichts übrig, als mit Morsesignalen Verbindung mit drüben zu suchen. Aber die drüben nehmen nichts auf, denn der Morseapparat funktionierte ja dank unserer Vorbehandlung auch nicht. Nun wird ein großes Petroleumfeuer als Zeichen angezündet. Noch keine Antwort vom Land. Endlich steigen drüben Raketen auf: Sie haben also verstanden? Aber die Zeit vergeht, eine, zwei, drei Stunden, kostbar für den Grafen. Keine Antwort kommt. Die Raketen stammten nämlich von einem Privatfeuerwerk, das zufällig in Auckland angebrannt wurde. Erst um halb ein Uhr nachts schöpfte man in Auckland drüben Verdacht, da das übliche telephonische Mitternachtssignal ausblieb. Man hatte sich ja im Hauptquartier überhaupt nur auf Nachtgefahren eingestellt.
Der österreichisch-polnische Doktor merkte jetzt auch, daß er genasführt war, und lief in wütender Stimmung umher. Der Oberstleutnant wagte gar nicht den Namensaufruf anzuordnen, da ihm die Sache zu peinlich vorkam. Sein einziger Trost war, was auch alle Nichteingeweihten dachten: Weit bringt es der Graf doch nicht, es ist zu sehr aus dem Handgelenk gemacht. Von den sorgfältigen Vorbereitungen hatte ja keiner etwas gemerkt.
Bald hatte die Unglücksbotschaft alle Forts erreicht. Schleunigst wurden schnelle Motorboote und kleinere Dampfer mobil gemacht und mit Maschinengewehren ausgerüstet, gegen Morgengrauen die Verfolgung aufgenommen. Viele Sportsleute nahmen mit ihren Fahrzeugen an der Suche teil und die Flotte wuchs am nächsten Tage zu mehreren Dutzend Booten an. Kein Ruhmesblatt neuseeländischer Geschichte: Krank und müde lag bald alles schutzsuchend in den stilleren Buchten des Hauraki-Golfes, während das gejagte Wild sich gegen Sturm und Seegang durchgerungen hatte und an einem Platze lag, den die Verfolger wegen der großen Entfernung nicht anzulaufen wagten. Wie immer in diesem Krieg hatte die deutsche Minderzahl durch höhere Einzelleistung versucht, der Übermacht zu widerstehen. Großer Wirrwarr war entstanden; ein Dampfer auf Felsen gelaufen, Boote hatten sich gegenseitig gejagt und beschossen. Gern wurde das sich bald verbreitende Gerücht geglaubt, die ›Perle‹ wäre gekentert und alle Deutschen ertrunken. Befriedigt kehrte alles in den Hafen zurück, und mancher gestand ein, in so seekranker Verfassung wäre er den Deutschen nicht gern begegnet.«
Soweit der Bericht des Zurückbleibenden.

»... Sogar mit Segeljachten nahmen Sportsleute an unserer Verfolgung teil.« (Englische Karikatur.)
Es war für uns keine kleine Aufgabe, uns in dem großen Hauraki-Golf ohne Seekarte und ohne brauchbaren Kompaß zurechtzufinden. Das Wetter war schlecht, die Nacht sehr finster, mancher von uns seekrank. Dann erhellte sich der Nachthimmel zwischen 1 und 2 Uhr durch weiße Lichtstreifen. Von Auckland aus wurde, um der Bevölkerung Emsigkeit vorzumachen, mit Scheinwerfern nach uns gesucht. Ein an sich lächerliches Vorhaben, aber uns dienlich, denn wir konnten nun an der Richtung Aucklands unsern verfahrenen Kurs wieder orientieren. Morgens warfen wir in einer geschützten Bucht, Red Mercury Island, Anker und hielten uns dort den Tag über versteckt, bis sich der Eifer der uns verfolgenden Flottille gelegt hatte. Zugleich hatten wir dort von dem unbewohnten, hügeligen und dichtbewachsenen Eiland aus einen guten Ausguck nach Küstenfahrzeugen, die von Süden heraufkamen. Ein Dampfer ging nahe vorbei, ohne uns zu bemerken.
Am dritten Tag fuhren wir aus den Küstengewässern hinaus über die Dreimeilengrenze. Dort auf hoher See vereidigte ich die Kadetten und machte sie zu Soldaten. Vizefeldwebel d. R. von Egidy wurde von mir zum Hilfsleutnant z. S. befördert. Dazu hatte ich als Kommandant eines alleinfahrenden Kriegsschiffes das Recht, wenn es auch nur eine »Perle« war. Egidys drei Brüder standen sämtlich als Seeoffiziere vor dem Feind; jetzt wurde unerwarteterweise auch der vierte, fern der Heimat, Angehöriger der Marine. Nun durfte Krieg geführt werden! Man sah die fieberhafte Aufregung der Kadetten, man fühlte ihren frischen Jugendgeist von Tatendurst brennen. Vorgestern noch gefangen, heute unter der ruhmreichen deutschen Kriegsflagge deutscher Soldat, sie, die schon geglaubt hatten, nicht mehr heranzukommen an den Feind. Sie hatten volles Vertrauen, und die neue Pflicht, anzugreifen, lag so greifbar vor uns, daß dieser seltsame Treuschwur im Boot gewiß keiner heimischen Rekrutenvereidigung an Ernst nachstand.
Die erhabene Stimmung konnte nicht allzulange andauern. Nachdem sich meine Rekruten wechselseitig die Haare militärisch kurz geschnitten hatten, ging es wieder an seemännisches Alltagswerk.
Auf einmal tauchte ein Regierungsdampfer »Lady Roberts« vor Mercury Island auf, um uns zu suchen. Wir verschwanden schleunigst auf hoher See, unsere beiden Ausguckposten im dicken Ginstergestrüpp der Insel zurücklassend. Der Dampfer setzte Leute aus, welche die Insel vergeblich durchsuchten, beschädigte, auf felsigem Boden aufschlagend, seine beiden Schrauben und dampfte lahm nach Hause mit der positiven Feststellung, daß wir nicht da wären. Wir kehrten zurück und lagen von jetzt ab sicher dort.
Nachdem wir zwei Tage bei Red Mercury Island gelegen hatten, wurden eines Morgens zwei Schoner gesichtet. Wir wollten beide kapern. Als wir den Angriff ansetzten, kam aber plötzlich starker Wind auf, und der erste Schoner glitt rasch vorwärts. Wir ließen ihn fahren; erst später haben wir gemerkt, daß das unser Unglück war. Wir entschlossen uns, den zweiten, größeren, zu nehmen. Es war die »Moa«.

»... Es war die ›Moa‹.«
Wir gingen mit voller Fahrt längsseit, enterten und riefen: »Drehen Sie bei«. Die deutsche Kriegsflagge wehte, ich stürzte mich mit geschwungenem Säbel auf die »Moa«, meine Jungs kletterten über die Deckladung und schrien: »Ship is brought up! You are under the rule of the German Empire!« (Schiff ist aufgebracht! Sie stehen unter deutschem Befehl.)

»... meine Jungs kletterten über die Deckladung und schrien: Ship is brought up!« (Abbildung aus einer englischen Zeitschrift.)
Alles war wie vom Schlag gerührt. »Don’t kill us!« Wir beruhigten die Leute, und ein entsetzter kleiner Junge bekam sofort Schokolade. Die Leute blickten entgeistert. Wir waren ja gar keine Hunnen, wie sie sich dieselben dachten.
Der Kapitän faßte sich schnell, als er sah, daß nichts zu machen war. Als er hörte, daß wir entkommene Gefangene wären, schimpfte er gewaltig auf die Regierung: Unsere Jungens kämpfen an der Front, und hier in der Heimat können sie nicht einmal Gefangene hüten. Immerhin, er hoffe, daß wir weiter Glück hätten, denn die Neuseeländer hätten es ja nicht anders verdient.
Der Koch kam auf uns zu und beteuerte: »Me cooky, me Russe, Russe peace with Germany.« (Ich bin der Koch, bin Russe, Russen Frieden mit Deutschland.)
Nun holten wir Waffen, Proviant und die drahtlose Station auf den Schoner herüber, die »Perle« wurde ins Schlepptau genommen. Die »Moa« war ein schönes Schiff, aber flach wie eine Streichholzschachtel, nur drei Fuß Tiefgang bei gewaltigen Masten. Unter frischer Brise segelten wir nach der Kermadecgruppe, um die Proviantstation für Schiffbrüchige aufzusuchen, welche dort auf irgendeiner der Inseln sein mußte. In der nächsten Nacht bekamen wir Sturm und lenzten vor dem Wind. Der Kapitän geriet in Aufregung. Das Schiff wäre für die hohe See gar nicht geeignet, weil es keinen Kiel hätte, wir setzten das Leben aufs Spiel. Ich mußte ihm antworten, daß wir für unser Leben segeln müßten, denn an der Küste erwartete uns größere Gefahr als auf dem Meer. Immer weiter! Vielleicht hält der Mast für Deutschland länger, als er für Neuseeland gehalten hätte.
Der Kapitän ging die ganze Nacht nicht hinunter und beruhigte die See mit Öl. Wir gingen unsere Wachen und fragten den Teufel, was kommen mochte. Unter gewöhnlichen Umständen hätte man selbst auch mehr Besorgnis empfunden, denn die Nacht war fürchterlich. Aber das Gefühl der Freiheit und das Bewußtsein, wieder ein eigenes Schiff unter sich zu haben und eine Kriegsflagge über sich wehen zu sehen, wenn sie auch nur auf ein Bettlaken gemalt war, ließ uns alles übrige gering achten. Unter dieser Flagge hatten wir ja schon manchen Sturm ausgekämpft. Immer stärker wird der Sturm, immer schwerer brechen sich die Wellen am Heck, die »Moa« wird bald hoch, bald tief geworfen. Wir müssen Segel kürzen und einen Teil der Deckladung, die aus Holz bestand, über Bord werfen. Hierin wurden wir gut durch eine Brechsee unterstützt, die an Deck schlug und einen Teil der Holzplanken mit sich riß, die uns aber gefährlich werden konnte, wenn Hände und Füße dazwischen gerieten. Für sechs Wochen hatten wir Proviant, den wir freilich mit den ihrerseits nur für drei Tage ausgerüsteten Schiffern teilen mußten, und fanden die Sache fast noch gemütlich, verglichen mit den sechs Wochen unserer früheren Bootsfahrt. Es kam freilich auf gutes Steuern an. Unsere schöne »Perle« wurde von einer See quergeschlagen, schlug voll und riß ab. Das durchkreuzte unsere Pläne sehr unangenehm. Erst nach 36 Stunden legte sich der Sturm.
Kircheiß korrigierte allmählich die Fehler unserer nautischen Instrumente, wobei sich der Kompaß des Kapitäns noch bedeutend schlechter als unser eigener erwies. Er war ja ein bloßer Küstenfahrer. Endlich kam am 21. Dezember morgens Curtis-Island in Sicht. Wir sahen große Rauchsäulen aufsteigen und fürchteten, daß die Insel bewohnt wäre von Schiffbrüchigen, die uns Rauchsignale machten und womöglich schon das ganze Proviantlager weggefuttert haben würden. Beim Näherkommen an die halbkreisförmige, amphitheatralisch aufsteigende Insel gewahrten wir aber, daß der Rauch von Geisern herrührte. Die Insel war ein Krater, der bei einer Erderschütterung auf einer Seite eingebrochen war.
Überall rauchte und brodelte es. Die Luft war unnatürlich warm und mit Schwefeldämpfen geschwängert. Unmengen von Vögeln, besonders die riesigen Albatrosse, nisteten auf der Insel und umschwirrten die Ankömmlinge. Kein Baum, kein Strauch gedieh auf der Insel. Das warme Wasser war ein Tummelplatz der Haie; zu Hunderten umkreisten sie das Schiff. Wir, deren Besitztum ja auch nicht mehr viel ausgebreiteter war, als das der Fische und Vögel, erhofften andere Glücksgüter auf der Insel zu finden, als bloß Wärme. Vor dem inneren Rand des Kraters befand sich ein Wellblechschuppen, das Proviantmagazin. Das Schiffsboot wurde ins Wasser gelassen. Kircheiß mit vier Mann nahm Kurs auf die Kratereinfahrt. Eine Prozession von Haien folgte dem kleinen Boot, ein ungemütlicher Eindruck für seine Insassen.

Die »Moa« vor Curtis-Island.
Je näher sie der Insel kamen, desto schwerer legten sich die ausströmenden Gase auf die Lungen, und es dauerte geraume Zeit bis sie sich daran gewöhnt hatten. Es war Ebbe und der eingebrochene Kraterrand nur wenig von Wasser überspült. Auf dem Kamm einer Welle setzte das Boot über die Barre ins Innere des Hexenkessels, in welchem brodelnde Blasen das Walten unterirdischer Kräfte verrieten. Ströme heißen, gelben Wassers quollen dampfend aus der Felswand und verloren sich im Spiegel des kreisrunden Kratertrichters. Riesige Lavablöcke umsäumten vom letzten Ausbruch her wild durcheinandergeworfen das Ufer. Umkreischt von Tausenden von Albatrossen und Möwen landeten die Leute an einer Lavaplatte in der Nähe des Proviantschuppens, wo Schwefel fußdick aufgehäuft lag. Der Schuppen wurde geöffnet, Kisten und Wasserkorbflaschen vorgefunden. Die Kisten wurden aufgebrochen und ein Teil der Schätze ins Boot herübergenommen.

»... Der Schuppen wurde geöffnet.«
Während das Boot tiefbeladen zur »Moa« zurückfuhr, blieben zwei Leute drüben, um die zweite Bootslast bereitzuschaffen. Da ein paar Stunden vergingen, bis das Boot zurückkehrte, versuchten die beiden mittlerweile ins Innere vorzudringen. Sie bemerkten aber bald, daß der Platz um die Hütte die einzige gangbare Stelle war; wohin sie den Fuß sonst setzten, brachen sie durch die dünne Kruste in brennendheiße, schwefeldunstdurchzogene Schlammerde ein.
Das beladene Boot war fast eine Stunde unterwegs, es hatte Spritzwasser bekommen, so daß es in beinahe sinkendem Zustand eintraf. Eine Herde von Haien umringte wieder das überlastete Boot als erhoffte Beute. Nun wurde auf »Moa« abgeladen. Stück um Stück flog an Deck. Aus einem Bezug wurde staunend ein neues Segel entrollt, in einer Kiste fand sich allerlei brauchbares Werkgerät. Unmengen von Fleisch, Butter, Schmalz, Speck, Decken, Kleidungsstücken, Schuhzeug, Fischgerät, Arzneimitteln, kurz und gut, alles war da. Man war sich einig darüber, daß die englische Regierung glänzend für ausgeflogene Kriegsgefangene sorgt. Nur die Kleidungsvorräte waren von dem langen Lagern in der feuchten Hitze fast vermodert.
Unsere Absicht war, unsere Gefangenen, die wir nicht in die Schwefeldünste von Curtis-Island schicken konnten, auf der nächsten Insel, Macauly Island, unter Mitgabe von Proviant auszusetzen und ihr Dortsein beim Passieren der nächsten Signalstation der neuseeländischen Regierung anzuzeigen. Ich war nun gerade dabei, die Depotquittungen zu lesen, welche mir aus dem Provianthaus mitgebracht worden waren, damit ich sie hübsch korrekt als »Seeadler«-Kommandant ausgefüllt dort wieder niederlegen lassen möchte. Ich wollte in dem Formular der neuseeländischen Regierung meinen Dank bescheinigen, da ich doch auch Schiffbrüchiger wäre, auch meine Überraschung über die gute Ausrüstung; ich hoffte, daß in der Zwischenzeit, bis der nächste Bedürftige dorthin käme, die Vorräte wieder aufgefüllt würden; wir hätten nicht alles mitgenommen, sondern, wenn eine arme Seele sich hinfände, wäre noch etwas für sie da. Während ich dies eben niederschreiben will, ruft der Ausguck: »Rauchwolke Nord hinter Macauly Island.«

Ich rudere zur »Iris« hinüber. (Links oben unsere auf ein Bettlaken gemalte Kriegsflagge.)
Beunruhigt ließ ich so rasch wie möglich die Leute von der Insel abholen. In wahnsinniger Hast ruderten die beiden Leute zurück. Die »Moa« wurde segelfertig gemacht, alle Leinwand, die wir hatten, geheißt, jeder Fetzen zog, in westlicher Richtung jagte die »Moa«, wie sie noch nie gelaufen war. Der Dampfer kam aber sichtlich näher, und in kurzer Zeit erkannten wir das ganze Schiff. Es hielt auf uns zu; bei jeder ausweichenden Bewegung der »Moa« änderte auch der Dampfer seinen Kurs und kam immer näher. Der Kapitän der »Moa« erkannte in ihm den Regierungskabeldampfer »Iris«, eine Art von Hilfskreuzer. Unser Barometer sank!
Auf Signalweite herangekommen, zeigte »Iris« die englische Kriegsflagge und ein Signal. Wir setzten unbekümmert unseren Kurs mit zehn Meilen fort. Solange wir noch unter eigenem Kommando fahren konnten, wollten wir es tun; lange Zeit konnte es ja nicht mehr dauern. Ein Wettrennen mit äußerster Kraft. Da plötzlich ein Aufblitzen, ein Zischen in der Luft, und eine Granate schlug neben dem Segler ins Wasser. Die ganze Reeling der »Iris« war mit Gewehrläufen gespickt. Ein Verzweiflungskampf gegen die Übermacht und Geschütze wäre mutwilliger Selbstmord gewesen. Wir heißten darum, um zu zeigen, wer wir wären, zum letzten Male in dieser Erdhälfte die deutsche Kriegsflagge, und dann kam der bittere Augenblick der Übergabe.

»... empfingen mich, die Bajonette auf meinen Rücken gerichtet.« (Neuseeländisches Bild.)
Als ich in Uniform die »Iris« betrat, war erstaunlicherweise kein Offizier am Fallreep, sondern ein paar Leute in schlechter Haltung empfingen mich, die Bajonette auf meinen Rücken gerichtet. Dann holten Zivilisten den ganzen Inhalt meiner Taschen heraus; Geld, Uhr, Wertsachen, selbst mein Taschentuch wurden als Kriegsbeute beschlagnahmt. Jedes Wort der Erwiderung wäre zuviel gewesen. Ich sah sie nur mit einem Blick der Verachtung an. Die Neuseeländer fanden diese Waffentat so glorreich, daß sie ein Bild davon angefertigt haben, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte.
Nicht anders erging es meinen Leuten. Obwohl wir alle unsere Waffen auf dem Meeresgrund versenkt hatten, wurde jeder der Taschenberaubung unterzogen, während Dutzende von Feuerrohren ihnen auf Brust und Rücken gepreßt standen. Diese Neuseeländer erlebten offenbar ihre »Feuertaufe« und hielten jeden unbewaffneten Deutschen für den leibhaftigen Gottseibeiuns.
Mehrere Dampfer waren ausgerüstet worden, uns zu suchen, davon drei gleich auf ein halbes Jahr. Meine Flucht hat die Leute fast eine Million gekostet. Der erste Schoner, den wir bei der Kaperung der »Moa« hatten entschlüpfen lassen müssen, hatte die Sache gemeldet. Die Neuseeländer, die froh waren, ihren »eigenen Krieg« und »Sieg« zu haben, feierten die Bezwingung der »Moa« in den Zeitungen.
Als wir in Auckland einliefen, wehte die englische Flagge auf der »Moa« über der deutschen. Die »Seeschlacht bei den Kermadecs« wurde von zahllosen Glücklichen bejubelt, die uns auf Tendern, Motorbooten und Jachten entgegenfuhren.
Letztes Kapitel. Der Vogel im Käfig.
Der Generalstab begrüßte uns, als wir an Land stiegen. Wir waren ja ein leuchtendes Beispiel für seine Tüchtigkeit, denn sie hatten uns wieder gekriegt. Der Chef, Oberst Patterson, ersuchte mich, ich möchte die heutige Unterbringung entschuldigen. Ich fragte, wohin wir denn kämen? Darauf schwieg er. Es war wieder einmal das Zuchthaus.

»... Es war wieder einmal das Zuchthaus, Mount Eden.«
Im Zuchthaus von Auckland, Mount Eden, durch Major Price abgeliefert, wurden wir als gemeine Verbrecher empfangen, da der Major, der es sehr eilig hatte, zum Pferderennen zu kommen, vergessen hatte, anzugeben, daß wir Kriegsgefangene wären. Meine Kadetten, die diesen Wechsel von Freiheit und Zuchthaus zum ersten Male miterlebten, wurden kreidebleich bei dem entehrenden Empfang. Auch mir, der ich schon Gewohnheitszuchthäusler war, legte sich das alles schwer auf die Seele. Nun hatte man wieder einmal als Mensch gelebt und gestrebt, Willensfreiheit entfaltet, etwas Eigenes unter den Füßen gehabt, und wieder stieß einen das Geschick in den dumpfen Kerker. Hätte man nicht einen Tag später die Kermadecs anlaufen sollen, wäre nicht ein anderer Kurs besser gewesen? Mit solchen unnötigen Fragen quälte man sich in der öden Untätigkeit und Zwecklosigkeit des neuen Daseins. Aber bald klang es wieder von Zelle zu Zelle: »An der Saale hellem Strande«, und wenn auch unser Gepäck, als es uns endlich ausgeliefert wurde, sich auf dem Weg durch fremde Hände ziemlich verringert hatte, so wurde doch die Behandlung allmählich etwas rücksichtsvoller. Auch hier, in dem stillen Verließ, konnten wir bald merken, daß Neuseeland Achtung vor uns hatte.
Allerdings hat man uns erst einmal ein paar Wochen das Zuchthaus kosten lassen, bis wir wieder in eine angemessenere Umgebung versetzt wurden. Am Morgen nach unserer Ankunft betritt, ohne anzuklopfen, ein völlig glattgeschorener Herr in Zuchthausjacke mit Rasiertopf meine Zelle. Es war Heiligabend, morgens.
»Ich habe Sie zu rasieren.«
»Was? Sie?, ich rasiere mich selbst.«
»Du?, du darfst kein Messer in die Hand kriegen, auch dein Eßbesteck ist nur Holzlöffel und -gabel, komm’ mal her, ich seif’ dich ein.«
»Was sind Sie denn, sind Sie Zuchthäusler?«
»Ja, natürlich.«
»Wie lange haben Sie denn?«
»Lebenslänglich.«
Lebenslänglich! Und der soll mich rasieren, mir mit dem Messer an der Kehle entlang schneiden?! Mir stockte förmlich der Atem. Man versteht noch gar nicht, warum das sein muß, als Kommandant eines Schiffes solchen Vorsichtsmaßregeln zu unterliegen. Schließlich frage ich wieder: »Was haben Sie denn verbrochen?«
»Oh, I only put daylight through a woman.«
Also Frauenmörder!
Er seift mich ein. Nie habe ich einen Menschen so scharf mit den Augen verfolgt als diesen Hausgenossen, besonders während er mir an der Kehle schabt. Wer es nicht erlebt hat, kann sich dies Gefühl nicht vorstellen; ich blickte ihn dankbar an, als er fertig war. Dieser Freund war tatsächlich gar nicht übel, er wurde mein täglicher Gast und brachte mir die großen Neuigkeiten aus den Korridoren und dem Hof. Je mehr uns die neuseeländische Regierung dazu zwang, uns in Mount Eden zu akklimatisieren, desto tiefer drang man unwillkürlich in das Seelenleben der Zuchthausbewohner ein. Wir waren der Sicherheit halber im Flügel der Schwerstverbrecher. Am gemütlichsten sind die »Lebenslänglichen«, die schon soundso lange sitzen und sich abgefunden haben, ohne Berufssorgen und ohne Erwartungen leben. Soweit man sich noch die Jahre an den Fingern abzählt und damit rechnet, später wieder eine Existenz in der ungewohnten Freiheit gründen zu müssen, ist man weniger ausgeglichen und hat keine so beruhigten Nerven. Die, welche sechs oder sieben Jahre haben, sind die Unangenehmsten. Sie müssen sich auf einen Berufswechsel einstellen und vertründeln doch vorher ihre beste Kraft mit dem Absitzen. Ich wußte nicht, wie lange ich hatte und was ich hier sollte. Die »Lebenslänglichen« bekleiden durchweg Vertrauensstellungen, sie verwalten die Bücherei, Kleiderausgabe, Krankenpflege usw. Nirgendwo trifft man so hilfsbereite, arbeitsfreudige Menschen wie im Zuchthaus. Man sieht stets freundliche Gesichter, sie lächeln oder zwinkern verständnisinnig mit den Augen dem neuankommenden Gast zu, der sich anfangs miesepetrig fühlt. »Draußen warst du verachtet, hier wirst du vertrauensvoll aufgenommen.« Ich machte die seltsame Erfahrung, daß überall, wo Menschen aufeinander angewiesen sind, namentlich dort, wo ihr Ehrgeiz durch die Verhältnisse etwas beschnitten wird, ein sympathisches Zusammenleben möglich ist. Ein Faktotum befand sich in Mount Eden, der auf mathematischem Gebiet ein Genie geworden war.

Zum zweitenmal Zuchthäusler.
Fast alle waren außerordentlich deutschfreundlich. Sie bildeten sich ein, daß Deutschland den Krieg gewönne und daß dann endlich die Zuchthäuser geöffnet würden. Nach dem Bild, das ihnen die Zeitungen von dem deutschen Volk entwarfen, konnten sie es sich nicht anders vorstellen, als daß die Deutschen eine besondere Wesensverwandtschaft mit ihnen empfinden würden. »Graf, wenn Deutschland den Krieg gewinnt, dann vergiß nur deine Freunde hier nicht.« Sie baten sich bestimmte Posten aus, fast alle in der Verwaltung. Sie bildeten sich ernsthaft ein, ein siegreiches Deutschland werde, um die an uns Kriegsgefangenen begangene Ungerechtigkeit zu sühnen, mich zum Gouverneur von Neuseeland machen, und ich sollte sie dann begnadigen, weil sie sich ja nur gegen englische und nicht gegen deutsche Gesetze vergangen hätten. Sie erwiesen mir allerlei Aufmerksamkeiten, steckten mir unter anderm Zeitschriften zu, die an diesem Ort nur an Verbrecher, aber nicht an Kriegsgefangene ausgegeben wurden.
Die Zellen wurden peinlich sauber gehalten, so daß man sie nicht einmal mit seinem eigenen Schuhzeug betreten durfte. So saß ich mit meinen Filzpantoffeln auf der einzigen Sitzgelegenheit, dem Bett, und sah mir die Gelegenheit an. Bestand irgendeine Möglichkeit, zu entkommen? Ich vertiefte mich in Fluchtgedanken. Auch empfand ich das Bedürfnis, festzustellen, wie es draußen vor dem Fenster aussähe. Dieses war etwa drei Meter über dem Fußboden. Ich stieg also auf das Kopfende der Bettstelle, aber kaum bekam ich ein bißchen Blick, so brach das wacklige Ding zusammen. Das Bett war entzwei, aber den Blick wollte ich mir nicht nehmen lassen. Ich benutzte also das Bett als Leiter und schaute durch das eiserne Gitter hinaus. Da sah ich ein Spatzenpärchen, das war da auch zu Haus und nistete. Um die Zeit zu vertreiben, versuchte ich den Spatz zu fangen, der die Spätzin füttern wollte. Ich legte mich also auf Anstand, aber der Sperling flog weg, als ich zugriff, und ließ mir nur eine Schwanzfeder in der Hand. Draußen am Gitter befanden sich Spinnweben. Ich holte mir eine Spinne herein, die sollte mir ein Spinnennetz machen. Jetzt hatte ich Beschäftigung. Ich sah zu, wie die Spinne arbeitete. Dann wollte ich gerne wissen, wieviel Spinnweben eine Spinne hat, tat sie in eine Streichholzschachtel und zog die Fäden heraus und war erstaunt, welchen Ballen Spinnweben ich schließlich in der Hand hielt. Der Spinne war es peinlich, daß ich den Rest herausholte. Dann kletterte ich wieder hinauf, ob da etwas anderes zu sehen wäre. Ich fand noch andere Spinnen und bekam so verschiedene Sorten von Spinngeweben. Wie ich das ausstudiert hatte, brachte ich die Spinnen von einem Netz ins andere und stellte fest, daß sie sich da nicht bewegen konnten. Die kleinere Spinne bewältigte in ihrem Netz die größere Spinne, die bewegungslos darin saß, weil sie fremd war. Ich wußte immer noch nicht, wie lange ich Zuchthaus hatte. Aber macht mit mir, was ihr wollt, ich treibe Naturgeschichte!
Als wir drei Tage da waren, kam der Marineminister Hall Thompson, dem ich unseren kräftigen Protest gegen diese Behandlung von Kriegsgefangenen aussprach, die zudem nicht als entwichene Gefangene im englischen Gebiet, sondern auf hoher See als frische Kombattanten ergriffen worden wären. Er sagte: »I shall do my best for you«. Der Engländer schlägt niemals eine Bitte offen ab, er läßt immer wieder Hoffnungen wachwerden, aber zieht die Erfüllung in die Länge. Deutsche Ehrlichkeit ist mir lieber als diese kalte, glatte Höflichkeit. Später kam auch der Justizminister Mr. Wilford. »Haben Sie irgendwelche Klagen in der Unterbringung?«
»Selbstverständlich, ich gehöre nicht in ein Zuchthaus.«
»Das bestreite ich nicht, aber welches sind Ihre Eindrücke über die Unterbringung vom Standpunkt des Sträflings aus gesehen? Dafür bin ich verantwortlich.«
Ich sage: »Über die Sauberkeit und die gute Verpflegung als solche bin ich überrascht, aber auch gegen das besteingerichtete Zuchthaus muß ich protestieren.«
»Well, I shall see, what I can do for you.«
Endlich, nach 21 Tagen, durften wir das Zuchthaus verlassen. Um die Ausreißer ungefährlicher zu machen, wurden wir nun auf verschiedene Lager verteilt. Kircheiß und ich kamen nach River Island bei Lyttleton, in der kalten Zone Neuseelands, auf Fort Jervois, das einmal gegen die Russen gebaut worden ist. Das war der einsamste Punkt Neuseelands, den sie hatten ausfindig machen können.
Unsere Wohnräume dort waren von einem Bretterzaun umgeben, der uns von dem Fortshof trennte. Auf der Bretterwand befand sich eine Laufplanke für einen Wachtposten. Auch der ganze Himmel war uns mit Stacheldraht überzogen worden, damit wir nicht eines Nachts Flügel bekämen und fortflögen. Das Ganze war ein regelrechter Käfig. Fünfundvierzig Mann taten nichts weiter, als daß sie uns bewachten.
Unser Lagerkommandant war Major Leeming, ein echter Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, ein Tasmanier. Er fühlte sich selber als halber Gefangener auf dem öden Inselchen und war bald unser dritter Mann beim Skat, den wir ihm beibrachten, um die langen Abende zu füllen. Mir fiel auf, daß die Menschen auf dieser frostigen Südinsel eine vornehmere Art hatten als die Auckländer. Unser neuer Generalstäbler war Oberst Chaffee, der früher Preisboxer gewesen war, mit einem Klappauge, das ihm einmal bei einem Boxmatch eingeschlagen worden war. Er zeigte sich so gründlich, daß er jegliche Änderung, und wenn es auch nur die eines Schilderhauses war, als Generalstabsaufgabe behandelte.
Die 119 Tage auf diesem Schloß am Meer waren bitter für einen Seemann. Er sieht dort immer das Wasser um sich, seine Heimat, sieht die Segelschiffe vorbeigleiten, die ihn an die vollen Segel seines »Seeadlers« erinnern, und es zieht ihn mächtig hinaus auf das Meer, zu den Kameraden. Dazu der endlose Stubenarrest, der nach den internationalen Abmachungen nicht länger als acht Tage hätte dauern dürfen!
So kamen wir darauf, Fluchtmöglichkeiten auszudenken. Ich fand folgendes heraus. Die Insel hatte eine Anlegebrücke, zu der vom Fort eine Zugbrücke führte, die hochgezogen den Zutritt versperrte. Der Orkan hatte einmal diese Brücke zerschlagen, und sie wurde nun ausgebessert. Gleichzeitig wurde der Fortshof geteert und die leeren Teertonnen standen herum. Eines Tages rollte zufällig ein solches Faß ins Meer, es trieb in das Fahrwasser und bei Ebbe hinaus auf die See. Da sehe ich, wie ein kleiner Küstenschoner kommt und die Tonne herausholt.
Nun wurde ich aufmerksam und stieß ein zweites Faß hinab, dem es wie dem ersten erging. Nun war mein Plan fertig.
Während der Mittagspause der Arbeiter machte ich von einer Tonne den Deckel los, schlug zwei große Nägel in Boden und Deckel und bog sie in Haken um. Ein kleiner, alter Bootsanker, der dalag, kam mir auch zupaß. Ich dachte: Du tust von außen die Fischleine in das Spundloch, nimmst Proviant und Wasser hinein, ziehst den Anker an der Leine vor und machst das Faß dicht, bindest den Deckel an den beiden Nägeln unten und oben an. Dann läßt du dich im Augenblick, wo aus Lyttleton ein kleiner Segler ausfährt, ins Wasser fallen und treibst an dem Fort vorbei, legst dich so, daß das Spundloch nach oben ist. Dann wollte ich mich verankern und warten, bis das Fahrzeug kam und das wertvolle Treibgut aufnahm. Hätte mich der Schiffer hochgezogen und an Deck geheißt, so hätte ich innen das Tau aufgeschnitten, den Deckel geöffnet und wäre wie der Teufel aus dem Kasten, mit dem Messer bewaffnet, Herr der Situation geworden. Die verblüfften drei Mann Besatzung hätten mich in die Südseeinseln fahren müssen und dort hätte ich mich von Insel zu Insel geschippert, bis ich eine Möglichkeit fand, als freier Mann zu leben.

»... Das herzliche Verhältnis, das uns mit Leeming verband, schloß die Möglichkeit aus, sein Vertrauen zu mißbrauchen.«
Diesen Fluchtgedanken wollte ich erst ausführen, wenn Major Leeming, der Familienzuwachs erwartete, in Urlaub gegangen wäre. Denn die Gerichtsverhandlung gegen Oberstleutnant Turner, die wir in der Zeitung lasen, belehrte uns darüber, daß eine Flucht unserem Kommandanten Stellung und Charge kostete. Das herzliche Verhältnis, das uns mit Leeming verband, schloß die Möglichkeit aus, sein Vertrauen zu mißbrauchen. Aber jetzt ging er wirklich bald in Storchferien und wurde vertreten von Leutnant Gilmore, den seine Leute den »little Napoleon« nannten, und der stark in Militarismus arbeitete, so klein sein Operationsfeld auch war. Eines Morgens ließ Gilmore mir die leeren Tabaksdosen wegnehmen; er hatte wohl gelesen, daß wir in Motuihi aus Marmeladenbüchsen Handbomben gefertigt hatten. Ich schickte den Feldwebel, der die Dosen holen sollte, wieder weg, da kam Gilmore selbst, und ich sagte ihm: »Well, wenn Sie glauben, ich machte aus leeren Tabaksbüchsen Unterseeboote, dann ist es besser, Sie holen sie weg, aber anderseits ist es auch besser, Sie entfernen sich aus diesem Raum, denn Sie sind uns unsympathisch.« Er hatte es nämlich bisher nicht für nötig befunden, sich uns vorzustellen. Ich brannte darauf, diesem Mann den bewußten Streich zu spielen.
Als Leeming in Urlaub gehen wollte, war gerade die Zeit der großen deutschen Märzoffensive von 1918. Alles zitterte vor Aufregung. Kircheiß hatte aus einem kleinen Handatlas eine Riesenkarte an die Wand der Messe übertragen. Der Respekt vor Deutschland war groß. Selbst Gilmore legte etwas das Napoleonische ab und fragte uns oft über Deutschland. Wir dachten alle, in drei Monaten wäre der Krieg zu Ende, und unser heldenmütiges Vaterland vermöchte es, siegreich der Welt zu trotzen. Es waren stolze, nie wiederkehrende Augenblicke. Wie liebte man dies Land daheim! Heißer gedenkt man seiner nie, als wenn man Verbannung ihm zuliebe erträgt und dazu den Gram, nicht dabei sein zu können, wo es um sein letztes Schicksal geht.
So kam also die Woche heran, in welcher nicht Leeming, sondern Gilmore die Verantwortung für uns tragen sollte. Da wurde Kircheiß infolge des Zugwindes auf dem Fort krank; ein Arzt stellte bedenkliche Anzeichen fest und bemerkte bei dieser Gelegenheit über unsere und der Wachthabenden Unterbringung: »No pigs could live there.« (Nicht mal Schweine könnten hier leben.) Wenn diese Äußerung auch übertrieben war, so hieß es doch eines Tages: »Es geht wieder heim nach Motuihi«. Nun war mein Plan gescheitert, aber die Aussicht des Wiedersehens mit den Freunden belebte uns. Napoleon brachte uns über Wellington nach Motuihi zurück. Er hatte gehört, ich beabsichtigte ein Buch zu schreiben, worin er auch vorkäme. Darum ging er mir jetzt um den Bart, schenkte mir sogar in Wellington einen Rasierquast und Kircheiß eine Tabakspfeife. Er hat sich auch immer mehr als ein ganz guter Kerl herausgestellt.
In Motuihi herrschte große Freude, daß wir wieder da wären, nur einige, darunter der polnische Doktor, waren ziemlich gekränkt, weshalb mir der Doktor gleich mit einer Pulle Schum entgegenkam, damit ich nichts von unserem kleinen Geschäftchen verriete. Die Leute, die vergeblich auf die Theateraufführung gewartet, und besonders die, welche die Rollen auswendig gelernt hatten, waren auch verschnupft, aber nicht bösartig, denn sie waren ja durch ein Stück Seemannsleben entschädigt worden. Die Reserveoffiziere waren verstimmt, daß ich Egidy statt ihrer mitgenommen hatte. Sie hätten so gerne wenigstens einmal die Kraft fürs Vaterland eingesetzt.
Meine »Moa«-Kameraden blieben in fremde Lager verteilt. Nun traten die übrigen Kadetten an mich heran in der Hoffnung, daß etwas Neues unternommen würde; sie wären ja nun die einzigen, die in Frage kämen. Nach zwei Tagen schon berichteten sie, ein Segeltuchboot hätten sie fertig, Benzin und Proviant wäre verstaut, ob ich die Reise nicht leiten wollte? Ich stimmte zu unter der Bedingung, daß ich die Möglichkeiten vorher genau prüfen könnte.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
119 Tage Festungshaft verbüßt.
Unserem neuen Kommandanten, Major Shofield, war nicht mehr gestattet ein Motorboot zu halten. Der Proviant-Schlepper »Lady Roberts«, der wöchentlich zweimal kam, war mit einer großen Kanone versehen und dauernd mit Wachen besetzt, damit er nicht überfallen werden könnte. Wenn wir ausgingen, mußten wir uns immer in einem Wachthaus anmelden und bei der Heimkehr zurückmelden. Um sechs Uhr mußte alles oben auf dem Hügel sein. Ferner wurde um die Wohngebäude ein großer Stacheldrahtzaun gezogen, der allerdings erst kurz vor dem Waffenstillstand fertig wurde. Nachts wurden Kircheiß und ich alle zwei Stunden abgeleuchtet, ob wir auch noch da wären. Nun, da hätte ich auch einen anderen ins Bett packen können, wenn es darauf angekommen wäre. Große Bogenlampen umstanden den Drahtverhau.
Obwohl also unsere letzte Flucht den Scharfsinn der neuseeländischen Behörden ungemein befruchtet hatte, gab es indes immer wieder neue Pläne zur Abreise. Als ich zwei Monate da war, kam ich auf den Gedanken, den Gouverneur Dr. Schultz als Vertrauten zu benutzen, da er der einzige war, der über die ganze Insel gehen durfte. Wir anderen hatten einen bedeutend eingeschränkteren Weg. Der Gouverneur zeigte sich bereit, an der nächsten Flucht teilzunehmen, als gewöhnlicher Matrose wie jeder andere. Er spähte nun die Insel unter dem Gesichtspunkte des Entkommens ab. Zunächst legte er ein Proviantlager an, indem er jeden Tag auf seinem Spaziergang Erbsen, Bohnen, Reis in Dosen mitnahm und an einem stillen Platze vergrub. In einigen Wochen war ein hübsches Magazin entstanden. Die Kadetten hatten unter dem Vorwand, sich Klappstühle anzufertigen, ein Faltboot gebaut.
Wie sollten wir aber vom Lande wegkommen? Nach langem Hin und Her gerieten wir auf den Gedanken, uns ein Versteck auf der Insel zu bauen. Der Gouverneur hatte im Wald ein verlassenes Bachbett gefunden. In diese Höhlung sollte die Erde, die beim Graben unseres Unterstandes sich aufhäufte, gefüllt werden, so daß sie nicht auffiel. Ein herkulisch gebauter deutscher Bäcker, der dem Gouverneur als Bedienung beigegeben war und gleich ihm sich außerhalb des Drahtverhaues bewegen durfte, baute nachts den Unterstand, zimmerte Kojen darin, packte den Proviant, das Faltboot, eine Lampe und viel Petroleum dort hinein.
Wenn alles fertig war, wollten wir zum Golfspiel, das uns ab und zu erlaubt wurde, die Umzäunung verlassen. Der Unterstand befand sich von dem Golfplatz nicht weit entfernt. Dann wollten wir auf einmal verschwinden und uns in dem Unterstand versteckt halten.
In unseren Holzbaracken, einer früheren Quarantänestation, befanden sich in jedem Zimmer große Taue, damit man sich, wenn es brannte, aus dem Fenster lassen könnte. Diese Taue wollten wir beiseite schaffen, sie an der Klippe festbinden, in ihrer Nähe auch einige Messer und dergleichen liegen lassen, damit es aussähe, als ob wir dort die Insel verlassen hätten. Dann wollten wir ein bis zwei Wochen im Unterstand ausharren, bis sich unsere Verfolger müde gejagt hätten. Wir hatten vernommen, daß der Verteidigungsminister dem Lagerkommandanten telephoniert hatte, er möchte aufpassen, es gäbe Leute in Neuseeland, die mich befreien wollten.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Unser täglicher Blick auf den Ragnitoto.
Den Eingang der Höhle hatten wir folgendermaßen gemacht. Aus der Erde wurde ein genaues Viereck herausgestochen, so daß es nicht brach. Diese Erde wurde auf einem ebenso großen, durchlöcherten Stück Brett mit dünnem Draht und Leim festgemacht, damit sie zusammenhielt. Unten am Brett war ein Handgriff befestigt, so daß die Luke von innen auf- und zugemacht werden konnte. Wenn wir nachts aus unserer Höhle herausgingen, sollte es nur auf Strümpfen geschehen, damit keine grobe Spur entstünde. Wir konnten dort kochen, der Wasserlauf war nicht weit ab. Man hätte uns also vergeblich überall nachgesetzt. In einer schönen Mondscheinnacht wollten wir dann abfahren. Wir hatten uns eine Browningpistole verschafft und aus einem Petroleumbehälter einen Flammenwerfer hergestellt. Fechtrappiere, Beile und das einzige noch vorhandene Zeißglas hatten wir gleichfalls mit.
Wie sollten wir aber zu einem Schiffe kommen? Dafür hatten wir uns mit einem Lagerinsassen verabredet. Der sollte uns ein Lichtsignal geben. Wenn ein roter Lampenschirm abends an seinem Fenster einmal verschwand, dann hieß das: Sie suchen euch nicht mehr auf der Insel. Dann wollten wir eine schöne, stille Mondscheinnacht abwarten, in der die Segler still liegen. Wir würden hinrudern und mit unseren sechs Mann ein Schiff nehmen.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Häuptlingstochter der Waikato.
Wenn der Waffenstillstand drei Wochen später gekommen wäre, hätte er uns nicht mehr im Lager angetroffen. Später haben wir den Neuseeländern unsern Plan erzählt. Da haben sie mit Hunderten von Maoris den Unterstand gesucht, aber nicht finden können.
Nach dem Waffenstillstand haben wir noch vier Monate in Narrow Neck gefangen gesessen, durften aber jetzt Besuche empfangen. Da kam eines Tages eine Häuptlingsfrau der Maoris vom Stamm der Waikato, die sich 1860/61 durch ihren heldenhaften Freiheitskrieg gegen die Engländer einen Namen in der Geschichte gemacht haben. Auch ließen sie sich im Weltkrieg nicht in die englischen Aushebungslisten eintragen. Die eingeborene Dame, Frau Kaihau, betrat meine Kabine und überreichte mir einen langen Brief, in Maorisprache geschrieben, etwa folgenden Inhalts:
»Ich komme zu Dir, Du großer Häuptling, und überreiche Dir zur ferneren Erhaltung der alten Überlieferung die Matte des großen Häuptlings Wai-Tete.«
Gleichzeitig holte sie unter ihrem Kleid eine Matte hervor, die sie sich untergebunden hatte, um diesen Gegenstand vor der englischen Wache zu verbergen.
Mein Erstaunen war groß, ich stoße Kircheiß an, aber auch dieser zuckt mit den Achseln und kann mir keine Erklärung geben. Glücklicherweise war eine deutsche Dame anwesend, die schon längere Zeit auf Neuseeland lebte und mit den ehrwürdigen Sitten der Eingeborenen vertraut war. Sie erklärte mir, ich sei eben im Begriff, die größte Ehrung zu empfangen, welche Maoris einem Mann erweisen könnten. Mittlerweile fing die Häuptlingsfrau an, im Raum herumzutanzen. Mit großer Geschwindigkeit und wilder Kraft tanzte sie »Haka-Haka«. Nachdem sie den Tanz beendigt hatte, holte sie einen grünen Stein hervor, den es nur in Neuseeland gibt. Diesen überreichte sie mir zusammen mit der Matte. Ich fragte sie:
»Bin ich denn nun Häuptling der Maori?«
»Gewiß sind Sie Häuptling. Sie dürfen sich jetzt ›Wai-Tete‹ d. h. ›Heiliges Wasser‹ nennen, und der Geist unseres verehrten Helden lebt in Ihnen fort. Auch diesen Stein darf nur der Inhaber der Häuptlingswürde tragen.«

»... Der Geist dieses verehrten Helden lebt in Ihnen fort.«
Ich drückte der Maorifrau dankbar die Hand. Beim Abschied bat sie mich dringend, Matte und Stein gut zu verstecken. Ich habe diese rührende Ehrung für Deutschland angenommen und erhielt auch die Erlaubnis, Matte und Stein mit mir in mein Vaterland auszuführen, in der sicheren Hoffnung, daß ich einmal zurückkehren würde. An einem Sonntagnachmittag ließ ich mich, noch immer hinter Stacheldraht, heimlich in der Häuptlingstracht der Maori photographieren. Es fehlte freilich die Tätowierung und die volle Kriegsbemalung, welche zu einem richtigen Helden gehört.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
»... Es fehlte freilich die Tätowierung.«
Als endlich unsere Befreiung herannahte, besuchte mich vor der Abreise die Vorstandsdame der »Soldiers Mothers League« und wünschte mir im Auftrag der Mütter von 80 000 Soldaten eine gute Reise, da die Söhne, die bei uns gefangen gewesen wären, gesund zu ihren Müttern heimgekehrt wären. Es sei deshalb ihre Pflicht, zu Gott zu beten, daß auch meine Mutter mich wieder gesund in ihre Arme schließen könnte.
So verließ ich den Weltteil unserer Antipoden, der mir mehr als ein Abenteuer bereitet hatte, und betrat Ende Juli 1919 deutschen Boden, um wieder Dienst zu tun im Vaterland und in seiner Marine, die, beide niedergebrochen unter einem ungeheuren Schicksal, heute mehr als je Männer brauchen, welche unverzagt ihre Pflicht tun und den Mut nicht sinken lassen.

»... So verließ ich den Weltteil unserer Antipoden.« (Der englische Dampfer trägt Schutzfarben gegen deutsche U-Boote.)
Mein Vater hat meine Heimkehr noch erlebt. Der alte Kämpfer ist am 3. September 1919 aus der Freude des Wiedersehens sanft in die Ewigkeit hinübergegangen. Bis zuletzt glaubte er an sein Deutschland.
Am 3. Januar 1920 sind alle meine Leute mit einer Ausnahme heimgekehrt. Ihr Zeug war wohl von der Tropensonne geblichen und vom Salzwasser zerfressen, aber ohne Flecken auf ihrer Ehre und auf ihrem Vaterlandsgefühl kamen sie heim. Nur einer der besten und liebsten Kameraden fehlte, unser Arzt Dr. Pietzsch, der sich schon vor der »Seeadlerfahrt« nur für die gefährlichsten Kommandos zur Verfügung gestellt hatte, weil es sein sehnlichster Wunsch war, vor dem Feind zu sein. Nicht der erwartete Soldaten- oder Seemannstod aber hat ihn weggenommen, sondern ein Herzschlag beendete sein Leben, als er Deutschlands Zusammenbruch erfuhr. Die chilenische Behörde und das dortige Offizierkorps haben ihm eine würdevolle Totenfeier gehalten.

Die Besatzungen der »Cäcilie« und der »Moa« auf der Heimfahrt.
In mein geliebtes Vaterland zurückgekehrt, finde ich so vieles verwandelt vor und anders, als man erhofft hat. Dabei tritt mir immer eins in Erinnerung: Ich denke an meine gute Mutti, wie ich einmal vor ihrem Krankenbett saß, als selbst die Ärzte die Hoffnung aufgegeben hatten. Da kam einem erst zum Bewußtsein, wie lieb man sie hatte. Man sah plötzlich ein, was man versäumt hatte, und was man alles hätte tun sollen. Genau so geht es mir heute, wo ich mein Deutschland so krank vorfinde. Niemals habe ich mein Vaterland so lieb gehabt wie jetzt. Was möchte man alles tun, um helfen zu können! Die Erkenntnis, daß vieles versäumt wurde, erwacht, und der Entschluß, daß jeder an seiner Stelle mitwirke, damit es besser werde. Und so betrachte ich es jetzt als meine Hauptaufgabe, zunächst für meine herrlichen Jungs zu sorgen und zu zeigen, daß man ihr alter Kamerad ist. Wenn man damals auch die Hand war, die sie führte, heute darf man die Hand der Liebe sein, die für sie sorgt. Wenn man den deutschen Landsleuten von ihren Taten erzählt, so werden die Herzen der Hörer aufgeschlossen, und die alte Devise lebt: Einer für alle, alle für einen.
Euch, lieben Landsleute, möchte ich zurufen: Kiekt in de Sünn, un nich in ’t Musloch, wo’ so düster is. Nehmt euch meine Jungs zum Beispiel. Als ihre Heimat auf dem Korallenriff zerschmettert wurde, eins ließ sich nicht zum Wrack schlagen: Ihr alter deutscher Geist und Mut. Wenn auch die paar Planken im Großen Ozean vernichtet wurden und uns diese Heimat bis zum Hals im Wasser stand und keine Hilfe ringsum zu erwarten schien, so war doch der letzte Ruf aus unserm »Seeadler« einstimmig von vorn bis hinten: »De Eikbom, de steit noch!«
Die Waterkant ist verödet, der Engländer macht alle Seeleute brotlos, nimmt uns nicht nur die Schiffe, die wir hatten, sondern wir müssen neue bauen, um sie unsern Zwingherrn abzuliefern. Aber das alles soll uns nicht entmutigen. Baut Schiffe, und tretet alle gerade jetzt erst recht ein in den Flottenverein! Jetzt braucht der Baum Stützen! Jetzt gibt’s nichts mehr zu genießen im Flottenverein, keine Festfeiern, Reden und Lustreisen — aber jetzt gerade soll seine Mitgliederzahl wachsen wie nie zuvor.
Mein Freund, der Geschichtsprofessor Fritz Kern, früher in Kiel und der Marine auch nach ihrem Niederbruch mit seinem Herzen und seiner Feder treu, schrieb mir am Jahrestag von Skagerrak: Das deutsche Volk hat immer durch die tiefsten Wasser waten müssen. Unsere Geschichte ist eine Kette von Zusammenbrüchen und Wiedererhebungen. Auch unser Reich zur See haben wir wie kein anderes Volk immer wieder neu aufbauen müssen. Aber unser Land kann nicht atmen ohne den frischen Anhauch der See; das Volk muß im Kerker vermodern, wenn ihm Türen und Fenster »na See to« künstlich zugesperrt bleiben. Halten wir der See die Treue, gerade jetzt, da ihre Wellen leer und trostlos an die deutsche Küste schlagen! Ihr Ruf an uns tönt fort, und wenn nach der alten Schiffersage, die du mir einmal erzähltest, Gorch Fock und seine Kameraden über dem stählernen Sarg der »Wiesbaden« heute ihre »Musterung auf dem Meeresgrund« abhalten, die gefallenen Sieger, und um sie versammelt die Toten der alten Hansa, dann rauscht es aus der Walhalla der Nordsee zu uns und unsern Kindern herauf wie ein deutsches Gebet: »Seefahrt tut not.«
Unseres Volkes Wohlfahrt wird sich wieder erheben, wenn es einig ist. Niemand hoffe auf Hilfe oder Gnade von außen, aber jeder glaube an den künftigen deutschen Willen und den künftigen deutschen Weg. Wenn unser Volk erst sich selber gefunden hat, dann, ihr jungen Land- und Seeadler, wachsen die Schwingen!
Heute, da alles verloren ging, was uns Seedeutschen die zweite Heimat bedeutete, Schiffe, Kolonien und ein stolzes, freies Gefühl unter der deutschen Flagge auf allen Meeren, ist uns nur eins geblieben, die deutsche Scholle. Möchte aus ihr eine kräftige junge Eiche aufwachsen, die das ganze Volk unter ihrem Schatten vereint! Möchten ihre Schößlinge wieder als Mastbäume auf deutschen Schiffen ragen! Die Sehnsucht nach dem verlorenen Meer weht durch das deutsche Land.
Op Weddersehn!

Die Flagge S. M. S. »Seeadler«.
Die Besatzung des »Seeadler«
Kommandant Kaptlt. Graf v. Luckner I. Koch Lohans
I. Offizier Leutn. d. R. Kling II. Koch Heitmann
Navig.- u. Art.-Offizier Leutn. d. R. Kircheiß Obermatrose Robert Schulz
Adjutant u. Prisenoffizier Leutn. d. R. Pries " Pfrang
Assistenzarzt Dr. Pietsch " Hank
Steuermann Lüdemann " Kolberg
Bootsmann Ernst Dreyer " Piwczyk
Zimmermann Gustav Dreyer " Harms
Steuermannsmaat Harzmeyer " Wehner
" Permien Obersignalgast Langkopf
" Bahrs Matrose Esch
Signalmaat Friebel " Walter Schmidt
Obermatrose Barten " Mathies
" Feldmann Zimmermannsgast Thieme
" Erdmann Obermechanikersgast Paschold
" Kawohl
" Stührk Motorpersonal
" Röhling Leitender Ingenieur Krause
" Reichenbach Obermaschinistenmaat Jacob
" Ratzlaff " Sottmann
" Sprengel " Frühling
" Kohlenberg " Schaumann
" Zemke " Hugo Schultz
" Hugo Schmidt Oberheizer Hanke
" Segelitz " Pallaske
" Foth " Henning
" Seidler " Sachse
" Draheim " Datzmann
" Silla " Pahland
" Otto Schulz
" Sliwa Funkentelegraphisches Personal
" Sörensen F. T.-Maat Otto Schmidt
" Lindenau Ober-F. T.-Gast Renz
" Hühmer
Kommandant Kaptlt. Graf v. Luckner I. Offizier Leutn. d. R. Kling Navig.- u. Art.-Offizier Leutn. d. R. Kircheiß Adjutant u. Prisenoffizier Leutn. d. R. Pries Assistenzarzt Dr. Pietsch Steuermann Lüdemann Bootsmann Ernst Dreyer Zimmermann Gustav Dreyer Steuermannsmaat Harzmeyer " Permien " Bahrs Signalmaat Friebel Obermatrose Barten " Feldmann " Erdmann " Kawohl " Stührk " Röhling " Reichenbach " Ratzlaff " Sprengel " Kohlenberg " Zemke " Hugo Schmidt " Segelitz " Foth " Seidler " Draheim " Silla " Otto Schulz " Sliwa " Sörensen " Lindenau I. Koch Lohans II. Koch Heitmann Obermatrose Robert Schulz " Pfrang " Hank " Kolberg " Piwczyk " Harms " Wehner Obersignalgast Langkopf Matrose Esch " Walter Schmidt " Mathies Zimmermannsgast Thieme Obermechanikersgast Paschold Motorpersonal Leitender Ingenieur Krause Obermaschinistenmaat Jacob " Sottmann " Frühling " Schaumann " Hugo Schultz Oberheizer Hanke " Pallaske " Henning " Sachse " Datzmann " Pahland Funkentelegraphisches Personal F. T.-Maat Otto Schmidt Ober-F. T.-Gast Renz " Hühmer
Die Besatzung der »Kronprinzessin Cäcilie«
Graf v. Luckner Krause
Kircheiß Permien
Lüdemann Erdmann
Graf v. Luckner Kircheiß Lüdemann Krause Permien Erdmann
Die Besatzung der »Moa«
Graf v. Luckner Matrose Mellert
Kircheiß " v. Zatorski
Leut. z. S. d. R. Albrecht v. Egidy " Paulsen
F. T.-Maat Grün " Klöhn
Matrose Walter Schmidt Mechanikersgast Freund
Graf v. Luckner Kircheiß Leut. z. S. d. R. Albrecht v. Egidy F. T.-Maat Grün Matrose Walter Schmidt " Mellert " v. Zatorski " Paulsen " Klöhn Mechanikersgast Freund
Aufriß eines Segelschiffes von der Art des »Seeadler«.
f Flaggleine.
r Reef mit Reefzeisingen.
t Reef-Taljen.
Segel.
I. Besan. X. Groß-Reuel-Segel. XVIII. Vor-Reuel.
II. Kreuz-Reuel. XI. " -Bram- " XIX. " -Bram-Segel.
III. " -Bram-Segel. XII. " -Ober-Mars-Segel. XX. " -Ober-Mars-Segel.
IV. " -Ober-Mars-Segel. XIII. " -Unter- " " XXI. " -Unter- " "
V. " -Unter-Mars-Segel. XIV. " -Segel. XXII. Fock.
VI. " -Reuel-Stag- " XV. " -Reuel-Stag-Segel. XXIII. Außen-Klüver.
VII. " -Bram- " " XVI. " -Bram- " " XXIV. Innen- "
VIII. " -Stängen-" " XVII. " -Stängen-" " XXV. Vor-Stängen-Stag-Segel.
IX. " -Stag-Segel.
Segel.
I. Besan.
II. Kreuz-Reuel.
III. " -Bram-Segel.
IV. " -Ober-Mars-Segel.
V. " -Unter-Mars-Segel.
VI. " -Reuel-Stag- "
VII. " -Bram- " "
VIII. " -Stängen-" "
IX. " -Stag-Segel.
X. Groß-Reuel-Segel.
XI. " -Bram- "
XII. " -Ober-Mars-Segel.
XIII. " -Unter- " "
XIV. " -Segel.
XV. " -Reuel-Stag-Segel.
XVI. " -Bram- " "
XVII. " -Stängen-" "
XVIII. Vor-Reuel.
XIX. " -Bram-Segel.
XX. " -Ober-Mars-Segel.
XXI. " -Unter- " "
XXII. Fock.
XXIII. Außen-Klüver.
XXIV. Innen- "
XXV. Vor-Stängen-Stag-Segel.


Kreuztopp. Großtopp. Vortopp.
1. Besans-Schot. 23. Groß-Reuel-Bukgordings 46. Vor-Reuel-Bukgordings.
2. " -Geitaue. 24. " " -Geitaue. 47. " " -Geitaue.
3. Kreuz-Reuel-Bukgordings. 25. " -Bram-Bukgordings. 48. " -Bram-Bukgordings.
4. " " -Geitaue. 26. " " -Nockgordings. 49. " " -Nockgordings.
5. " -Bram-Bukgordings. 27. " " -Geitaue. 50. " " -Geitaue.
6. " " -Nockgordings. 28. " -Ober-Mars-Bukgordings. 51. " -Ober-Mars-Bukgordings.
7. " " -Geitaue. 29. " " -Rah-Niederholer. 52. " " " -Rah-Niederholer.
8. " -Ober-Mars-Bukgordings. 30. " -Unter-Mars-Bukgordings. 53. " -Unter-Mars-Bukgordings.
9. " " " -Rah-Niederholer. 31. " " " -Geitaue. 54. " " " -Geitaue.
10. " -Unter-Mars-Bukgordings. 32. " -Bukgordings. 55. Fock-Bukgordings.
11. " " " -Geitaue. 33. " -Nockgordings. 56. " -Nockgordings.
12. " -Reuel-Stag-Segels-Fall. 34. " -Geitaue. 57. " -Geitaue.
13. " " " " -Niederholer. 35. " -Hals. 58. " -Hals.
14. " " " " -Schot. 36. " -Schot. 59. " -Schot.
15. " -Bram-Stag-Segels-Fall. 37. " -Reuel-Stag-Segels-Fall. 60. Außen-Klüver-Fall.
16. " " " " -Niederholer. 38. " " " " -Niederholer. 61. " " -Niederholer.
17. " " " " -Schot. 39. " " " " -Schot. 62. " " -Schot.
18. " -Stängen-Stag-Segels-Fall. 40. " -Bram- " " -Fall. 63. Innen- " -Fall.
19. " " " " -Niederholer. 41. " " " " -Niederholer. 64. " " -Niederholer.
20. " " " " -Schot. 42. " " " " -Schot. 65. " " -Schot.
21. " -Stag-Segels-Niederholer. 43. " -Stängen- " " -Fall. 66. Vor-Stängen-Stag-Segels-Fall.
22. " " " -Schot. 44. " " " " -Niederholer. 67. " " " " -Niederholer.
45. " " " " -Schot. 68. " " " " -Schot.
Kreuztopp.
1. Besans-Schot.
2. " -Geitaue.
3. Kreuz-Reuel-Bukgordings.
4. " " -Geitaue.
5. " -Bram-Bukgordings.
6. " " -Nockgordings.
7. " " -Geitaue.
8. " -Ober-Mars-Bukgordings.
9. " " " -Rah-Niederholer.
10. " -Unter-Mars-Bukgordings.
11. " " " -Geitaue.
12. " -Reuel-Stag-Segels-Fall.
13. " " " " -Niederholer.
14. " " " " -Schot.
15. " -Bram-Stag-Segels-Fall.
16. " " " " -Niederholer.
17. " " " " -Schot.
18. " -Stängen-Stag-Segels-Fall.
19. " " " " -Niederholer.
20. " " " " -Schot.
21. " -Stag-Segels-Niederholer.
22. " " " -Schot.
Großtopp.
23. Groß-Reuel-Bukgordings
24. " " -Geitaue.
25. " -Bram-Bukgordings.
26. " " -Nockgordings.
27. " " -Geitaue.
28. " -Ober-Mars-Bukgordings.
29. " " -Rah-Niederholer.
30. " -Unter-Mars-Bukgordings.
31. " " " -Geitaue.
32. " -Bukgordings.
33. " -Nockgordings.
34. " -Geitaue.
35. " -Hals.
36. " -Schot.
37. " -Reuel-Stag-Segels-Fall.
38. " " " " -Niederholer.
39. " " " " -Schot.
40. " -Bram- " " -Fall.
41. " " " " -Niederholer.
42. " " " " -Schot.
43. " -Stängen- " " -Fall.
44. " " " " -Niederholer.
45. " " " " -Schot.
Vortopp.
46. Vor-Reuel-Bukgordings.
47. " " -Geitaue.
48. " -Bram-Bukgordings.
49. " " -Nockgordings.
50. " " -Geitaue.
51. " -Ober-Mars-Bukgordings.
52. " " " -Rah-Niederholer.
53. " -Unter-Mars-Bukgordings.
54. " " " -Geitaue.
55. Fock-Bukgordings.
56. " -Nockgordings.
57. " -Geitaue.
58. " -Hals.
59. " -Schot.
60. Außen-Klüver-Fall.
61. " " -Niederholer.
62. " " -Schot.
63. Innen- " -Fall.
64. " " -Niederholer.
65. " " -Schot.
66. Vor-Stängen-Stag-Segels-Fall.
67. " " " " -Niederholer.
68. " " " " -Schot.
Aus »Leitfaden der Seemannschaft«, mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Admiral C. Dick, und des Verlegers, E. S. Mittler & Sohn, Berlin.
Original-Takelriß von S. M. S. »Seeadler«.
S. M. S. »Seeadler«
a) einfaches Bramsegel. Takelriß mit doppeltem bezw. einfachem Bramsegel und Roll.
b) Sturm-Besahnsegel. Maßstab 1:100.
S. M. S. »Seeadler«
a) einfaches Bramsegel. Takelriß mit doppeltem bezw. einfachem Bramsegel und Roll.
b) Sturm-Besahnsegel. Maßstab 1:100.


Veröffentlicht mit gütiger Erlaubnis der Firma Joh. C. Tecklenborg, A.-G., Schiffswerft und Maschinenfabrik, Bremerhaven-Geestemünde, die den »Seeadler« zu seiner Kaperfahrt ausrüstete.
Verzeichnis der Abbildungen
Seite
1. Titelbild des Verfassers nach der Heimkehr ins Vaterland.
2. »... da lag das mächtige Becken mit seinem Mastenwald« 6
3. »... un ganz boben, da hürt de Schipjung hen« 7
4. »... Ik heet Pedder, segg du man ›du‹ to mi« 9
5. Wie eine Takelage von Deck aussieht 12
6. »... und zwang mich mit aller Gewalt: ›Rauf‹.« 13
7. Äquatortaufe auf »Seeadler« 14
8. Wer kennt die Taue? 16
9. Schwere See 18
10. »... Man würde Hypochonder, wenn man darüber nachgrübelte« 25
11. »... Die Sehnsucht nach dem Schiff kam stets zurück« 26
12. Phylax Lüdicke 31
13. »... Es war, als ob der Teufel auf ›Pinmore‹ wäre« 32
14. Als »Meisterschaftsringer von St. Pauli« 34
15. »... musterte ich an Bord der ›Cäsarea‹ an« 35
16. Die Mannschaft der »Cäsarea«, unter ihr Phylax Lüdicke 42
17. Wrack der »Cäsarea«, bei den Bermudas angetrieben und eingeschleppt 50
18. S. M. S. »Panther« 55
19. »... nahmen wir unsern Abschied aus der Armee und halfen bei einem Bahnbau im Innern Mexikos Sand fahren« 58
20. »... Uhlhorn und Phylax hieß die Bierwirtschaft« 60
21. »... Er freut sich doch, wenn wieder der Passat, die Sterne und der Mond ihn grüßen« 67
22. Teckel Schnäuzchen soll sich auf »Seeadler« mit einem Albatros anfreunden, der zu Besuch gekommen ist 68
23. Prof. Dr. Schulze, Leiter der Seefahrtsschule zu Lübeck 71
24. »... Das Examen dauerte sechs Tage« 73
25. Auf der Reichskriegsmarine (an Bord S. M. S. »Kronprinz«, im Jahre 1915) 79
26. Graf Nikolaus von Luckner, * 1722, † 1794 81
27. Auf »Kronprinz« 89
28. Auf »Kronprinz« 90
29. Auf »Kronprinz« 91
30. S. M. S. »Kaiser« 101
31. Mein Begleiter bei seinem Elefanten 103
32. »... Wir staunen, wie seine hohe Gestalt sich uns nähert« 104
33. Unsere »Rikschas« bei einem Besuch in der Kapkolonie 109
34. Auf »Kronprinz« 111
35. Mit äußerster Kraft ’ran an den Feind! 114
36. Auf »Kronprinz« 115
37. »... Die andern sind im Schiffsinnern.« (Heizraum eines Großkampfschiffes) 116
38. Breitseite 117
39. »... Die einschlagenden Granaten bilden einen Fontänenwald« 118
40. »... Mit höchster Salvenfolge werden sie unter Feuer genommen« 121
41. »... Torpedoboote ’ran an den Feind!« (Sie brechen zwischen den Linienschiffen durch) 122
42. »... Einige Tage später lief der zerschossene »Seydlitz« durch eigene Kraft in Wilhelmshaven ein« 126
43. »... Die Nummer drei fliegt in die Luft.« (Vernichtung des engl. Schlachtkreuzers »Queen Mary« in der Skagerrakschlacht) 127
44. »... Treffer auf Treffer hagelte ins Schiff.« (Durchgehender Volltreffer auf »Seydlitz« von der Back bis zur Proviantlast) 129
45. »Hurra! — drauf, ›Seydlitz‹!« (»Seydlitz« brennend während der Seeschlacht) 130
46. Tirpitz, der Schöpfer der deutschen Flotte 131
47. »... Der leitende Ingenieur Krause und sein Personal waren selten hervorragende Menschen« 139
48. »... Die Holzladung war an Deck gepackt« 142
49. ».. Wir hatten vollkommen Zivilbetrieb eingeführt, behaglich und ein wenig schmuddlig. (Die norwegisch sprechende Besatzung) 145
50. Auf Piratenkurs! 146
51. Wir passieren die deutsche Vorpostenkette 148
52. Bild von I. K. H. der Kronprinzessin 151
53. »... der Tag, an den sich noch mancher erinnern dürfte« 152
54. »Beginnende Vereisung« 154
55. »... und gingen zwischen den Färöer und Island in den Atlantik« 156
56. »... Wir hatten Jeanette nicht zum erstenmal aufgetakelt« 158
57. »... Unter der Flagge auf ›Seeadler‹ wollen wir feiern!« 167
58. »... Ehe wir’s uns versahen, hatte er sein Boot zu Wasser« 172
59. Unsere erste Prise verläßt die Oberfläche 173
60. Leider ein Neutraler! 174
61. »... Er fühlte sich erleichtert.« Kapitän Barton, zum zweitenmal »Kaptein ohn’ Schip« 176
62. »Charles Gounod« steuert ihren letzten Kurs 177
63. Der letzte Augenblick über Wasser 178
64. »... Schiff auf Schiff wurde so versenkt« 180
65. »... Wir verhielten uns zunächst als neutrales Schiff« 181
66. Eine Prise als Übungsscheibe 183
67. »... Mit der ›Antonin‹?!« 186
68. »... Eindreiviertel Jahr Erinnerung arbeitet sich durch meinen Geist hindurch« 188
69. »... während die alte Heimat in den Wellen verschwand« 189
70. »... Es war ein rasch heranblühendes Gemeinwesen.« (Der erste Teil unserer Gefangenen) 192
71. »Cambronne«, das Freiheitsschiff 193
72. Ein Sonntag an Bord 194
73. Vor dem Sturm 197
74. Nach dem Sturm 198
75. »Slade« 201
76. »... Haifischfang war die einzige Abwechselung« 202
77. »... Es gibt nichts Lieblicheres als die Südseeinseln, aber auch nichts Heimtückischeres« 204
78. Skizze der Insel Mopelia 205
79. »... Der Ankerplatz machte uns anfänglich Sorge« 206
80. »... Das Einzige was wir besaßen, lag zertrümmert« 208
81. Takelage des »Seeadlers« nach der Strandung 209
82. »Seeadler« wird gesprengt 210
83. Seeadlerdorf, die letzte deutsche Kolonie 212
84. Die Requisitionskolonne kauft ohne Lebensmittelkarten und Geld ein 213
85. Der schwarze Stab des »Gouverneurs« von Mopelia 215
86. »... Alle wollten mitgehen« 218
87. »Kronprinzessin Cäcilie« der kleinste Kreuzer der deutschen Marine 219
88. Die Besatzung der »Kronprinzessin Cäcilie« 221
89. »... zum erstenmal bewohntes Feindesland« 223
90. Vulkanische Südseeinsel. Die Lava tritt ins Meer 231
91. »... Im letzten Hafen fanden wir eine Anzahl Schiffe, die des Sturmes wegen vor Anker lagen« 234
92. »... Es war ein ehemaliges deutsches Schiff, das die Franzosen weggenommen hatten« 245
93. Kapitän Alfred Kling, erster Offizier des Seeadlers 246
94. »... und verloren wieder ihr Schiff« 247
95. »Man steht vor diesen hohen Lavariesen ...« (Der Donnergott) 248
96. »... Kircheiß und ich wurden von unsern vier treuen Gefährten getrennt.« 250
97. u. 98. Panorama von Motuihi 252 u. u. 98. Panorama von Motuihi 252 u. 253
99. Im deutschen Gefangenenlager hat sich das Gerücht unserer Ankunft verbreitet. Gespannte Erwartung 254
100. »... In den neuseeländischen Lagern waren Gefangene von über 70 und unter 10 Jahren« 255
101. »... daß man hinter dem Stacheldraht den Humor nicht ganz verlor« 256
102. Exzellenz Dr. Schultz als »Honoured Guest of the New-Zealand Government« 257
103. »... Wenn Sie weglaufen, verliere ich meinen Posten« 259
104. Bei unsern Hühnerställen. 261
105. »... Das Hühnersterben fiel auf.« Der österreichisch-polnische Arzt erklärt es dem Lagerkommandanten. (Englische Karikatur) 262
106. Letzte Vorbereitung zur Flucht 264
107. Oberstleutnant Turners Entschuldigung vor dem Kriegsgericht: »Ich hatte nur g. v.-Leute als Wachpersonal.« (Englische Karikatur) 267
108. Der Lagerkommandant erkundigt sich nach unserer Gesundheit, während wir unsere Ausrüstung ausarbeiten. (Englische Karikatur) 268
109. »... Ich selbst trug schon stets neuseeländische Uniform« 270
110. Prise in Sicht! 272
111. Am Strand von Motuihi 274
112. »Mr. Turner, Sie haben die Tür offen gelassen.« (Englische Karikatur auf unsere Flucht) 277
113. »... Ich mußte zu Gouverneur Schultz« 278
114. »... als der Motor anraste, wurden noch drei Hurras ausgebracht« 279
115. Austernklippe auf Motuihi 280
116. »... Sogar mit Segeljachten nahmen Sportsleute an unserer Verfolgung teil.« (Englische Karikatur) 282
117. »... Es war die ›Moa‹« 284
118. »... meine Jungs kletterten über die Deckladung und schrien: ›Ship is brought up!‹« (Abbildung aus einer englischen Zeitschrift) 285
119. Die »Moa« vor Curtis-Island 287
120. »... Der Schuppen wurde geöffnet« 288
121. Ich rudere zur »Iris« hinüber 289
122. »... empfingen mich, die Bajonette auf meinen Rücken gerichtet.« (Neuseeländisches Bild) 290
123. »... Es war wieder einmal das Zuchthaus, Mount Eden« 292
124. Zum zweitenmal Zuchthäusler 294
125. »... Das herzliche Verhältnis, das uns mit Leeming verband, schloß die Möglichkeit aus, sein Vertrauen zu mißbrauchen« 298
126. 119 Tage Festungshaft verbüßt 300
127. Unser täglicher Blick auf den Ragnitoto 302
128. Häuptlingstochter der Waikato 303
129. »... Der Geist dieses verehrten Helden lebt in Ihnen fort« 304
130. »... Es fehlte freilich die Tätowierung« 305
131. »... So verließ ich den Weltteil unserer Antipoden« 306
132. Die Besatzung der »Cäcilie« und der »Moa« auf der Heimfahrt 307
133. Die Flagge S. M. S. »Seeadler« 309
134. Aufriß eines Segelschiffes von der Art des »Seeadler« 312 u. Aufriß eines Segelschiffes von der Art des »Seeadler« 312 u. 313
135. Original-Takelriß von S. M. S. »Seeadler« 314
