Kind und Weihnachten.
Reading edition

Wintertag.
Schellenklingen — Peitschenknall, Lust und Freude überall! Schneeballschlacht und Schlittenfahrt, Schneemann von der schönsten Art. Frisch die Luft, der Himmel blau, Alles weiß in Feld und Au. Schlittschuhbahn, so blank und groß, Purzelbäume ganz famos. Endlich abends müd’ nach Haus, Warme Aepfel dann zum Schmaus. Und noch in der Nacht im Traum Christkindlein und Weihnachtsbaum! — Wer sich da nicht wollte freu’n, Müßt’ ein rechter Griesgram sein. Carl Ferdinands.
Weihnachten.
Wenn’s Winter wird, wenn’s friert und schneit Im Dorf und in dem Städtchen, Da freuen sich, da freuen sich, Die Bübchen und die Mädchen! Sie singen dann mit heller Stimm’ Viel liebe, alte Lieder; Die Weihnachtszeit, die Weihnachtszeit, Die frohe Zeit kommt wieder. Der Weihnachtsmann, ja, schaut nur her, Der geht schon auf die Reise; Mit Sack und Pack, mit Sack und Pack, Ganz heimlich und ganz leise. Er bringt dem Mütterlein für euch Viel liebe, schöne Gaben. Am Weihnachtstag, am Weihnachtstag Sollt ihr sie alle haben. Carl Ferdinands.
Der Schneemann.
Alles ringsum weit und breit Steht im Winterkleide. Junge Saat ist überschneit, Nadelwald und Heide. Einen Schneemann jetzt zu bau’n, Welche Lust für Jungen. Einen sah ich dort am Zaun, Der ist wohlgelungen. Grimmig blickt er in das Land, Und verbreitet Schrecken; Noch dazu in seiner Hand, Hält er einen Stecken. Aber seine trotz’ge Macht Dauert gar nicht lange. Wenn einmal die Sonne lacht, Wird dem Riesen bange. Seine ganze Herrlichkeit Steht auf schwachen Füßen. Eh’ es Kirschenblüten schneit, Muß er schon zerfließen.
Vom Christkind.
Denkt euch — ich habe das Christkind geseh’n! Es kam aus dem Walde, Das Mützchen voll Schnee, Mit rotgefrorenem Näschen, Die kleinen Hände taten ihm weh; Denn es trug ein’n Sack, Der war gar schwer, Schleppt und poltert hinter ihm her. Was drin war, möchtet ihr wissen? Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack — Meint ihr, er wäre offen, der Sack? Zugebunden bis obenhin! Doch war gewiß etwas Schönes drin; Es roch so nach Aepfeln und Nüssen. Anna Ritter.
Der Nürnberger Spielwarenhändler.
Liebe Kindlein, Kauft ein! Hier ein Hündlein, Hier ein Schwein; Trommel und Schlegel, Ein Reitpferd, ein Wägel, Kugel und Kegel, Kistchen und Pfeifer, Kutscher und Läufer, Husar und Schweizer — Nur um ein paar Kreuzer Ist alles dein. Kindlein, kauf’ ein! Wolfgang Goethe.
Weihnachtslied für die Kleinen.
Tausend Engel fliegen heut’ Lustig durch die Stadt, Und ein Bäumchen in der Hand Jeder Engel hat. Einer sah mich freundlich an, Kam mir lächelnd nah, Ach, und lachte und sah aus, Gerade wie Mama. Und sein Bäumchen seh’ ich hier Auf dem Tische steh’n, Und den Engel hör’ ich leis, Hin und wieder geh’n. Legte ab sein Flügelpaar, Als er kam ins Haus; Immer noch wie die Mama, Sieht der Engel aus. Mia Holm.
Weihnachtswünsche.
Fest der Freude, heil’ge Nacht! Sei gegrüßt mit frohem Munde, Sehnend harrten wir der Stunde. Fest der Freude, heil’ge Nacht! Bringe Glück, du Engelschar, Unserm teuren Elternpaar. Fr. Ernst.
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Zwar ist das Jahr an Festen reich, Doch ist kein Fest dem Feste gleich, Worauf wir Kinder jahraus, jahrein Stets harren in süßer Lust und Pein. O schöne, herrliche Weihnachtszeit, Was bringst du Lust und Fröhlichkeit! Wenn der heilige Christ in jedem Haus Teilt seine lieben Gaben aus. Und ist das Häuschen noch so klein, So kommt der heil’ge Christ hinein, Und alle sind ihm lieb, wie die Seinen, Die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen. Der heilige Christ an alle denkt, Ein jeder wird von ihm beschenkt. Drum laßt uns freu’n und dankbar sein! Er denkt auch unser, mein und dein. Hoffmann von Fallersleben.
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Weil du zuerst im Mutterarm Uns hast getragen, weich und warm. Weil du manch’ kalte Winternacht, Dich um den süßen Schlaf gebracht, Um in des weichen Bettleins Ruh’, Die Kinderlein zu decken zu — So magst du heute uns vergönnen, Obwohl wir’s nicht vergelten können, Daß für den Winter in der Stille Wir bringen eine warme Hülle, Um dich in ihren weichen Falten, An kalten Tagen warm zu halten. Nimm’s freundlich! — Sei nicht eingedenk’, Daß so prosaisch das Geschenk. Denk’, daß schon oft die Liebe lieh Der Prosa ihre Poesie. Ottilie Wildermuth.
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Willkommen, schönster Abend Der frohen Weihnachtszeit! Wie bist du doch so labend, Wie bringst du soviel Freud’! Wie glänzt im hellsten Lichte Der schöne Weihnachtsbaum! Mit strahlendem Gesichte Schau’ ich ihn wie im Traum. Der schönste aller Bäume, Ihm ist kein andrer gleich, Er ist der Baum der Träume Im Kinderhimmelreich. Den hat uns Gottes Liebe Mit seinem Sohn gebracht, Daß daran unsre Liebe Sich immer neu entfacht. Der Engel heil’ge Liebe Schmückt ihn so süß und hold, Und macht des Herzens Triebe So rein wie Weihnachtsgold. — Euch dank’ ich all die Gaben, Geliebte Eltern mein! Ich will euch immer haben Ein Herz, euch zu erfreu’n. Ch. Grüß.
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Heil’ger Christ, Heute ist Dein Geburtstag fein. Bete fromm: Komm, o komm! Kehre bei uns ein! Kehre ein, Bring’ herein Glück und Segen viel Für Papa Und Mama; Mir etwas für’s Spiel. Fr. Ernst.
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Nimm, was ich dir hier gestrickt, Liebes gutes Mütterlein, Weiß zwar nicht, ob’s mir geglückt, Künftig soll es besser sein. Fr. Ernst.
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Nimm diese kleine Gabe, Nimm freundlich sie von mir, Wie sehr ich lieb dich habe, Kann’s gar nicht sagen dir. Fr. Ernst.
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Zum Weihnachtsfeste bring’ ich heut’, Mein liebstes, bestes Väterlein (Mütterlein), Ein Wünschchen, das dein Herz erfreut, Weil ich zur Arbeit noch zu klein. Hab’ immer Freud’ und frohen Mut, Der liebe Gott wird mit dir sein, Behalt’ mich lieb und sei mir gut, Mein liebstes, bestes Väterlein (Mütterlein). P. Lindner.
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Kein Blümchen blüht im Garten mehr, Das unser Herz erfreut; Verstummt ist längst der Vögel Heer, Das Feld ringsum beschneit. Doch bringt der rauhe Wintersmann Auch manche schöne Freude, Und wer es nur erwarten kann, Dem brennt ein Bäumchen heute! So mag’s denn draußen frieren, schnei’n Im Stübchen hier ist Frieden, Und reiche Gaben, groß und klein, Hat Liebe mir beschieden ... Drum klopft vor Freude mir das Herz Und dankt für eure Liebe; Entfernt von euch sei jeder Schmerz Und euer Blick nie trübe. Und tat ich oft mit leichtem Sinn Nicht immer, was ich sollte, So nehmt den guten Willen hin, Der euch nie kränken wollte. Ernst Anschütz.
