Kind und Mutter.
Reading edition

Mein Kindlein ist nicht feil.
Seht mir mal mein Kindchen an Mit den blonden Zottellöckchen, Blaue Aeuglein, rote Bäckchen. Leutchen, habt ihr auch so eins? Leutchen, nein so habt ihr keins! Kam einmal ein reicher Mann, „Hunderttausend blanke Taler, Alles Gut der Erde zahl er —“ „Nein, er kriegt gewiß nicht meins, Kauf er sich wo anders eins!“ Claudius.
Das Brüderchen.
Das Hänschen klein, das Hänschen klein, Ist ein gar herzig Brüderlein! Vier Zähnchen hat’s, wie Mandelkern, Und Aeuglein, heller als ein Stern; Schön kirschrot ist der kleine Mund, Das ganze Kerlchen kugelrund. Es spricht in sieben Sprachen Und weiß doch nichts zu sagen. Es strampelt schon nach Noten, Kutschiert flott auf dem Boden. Kommt jemand mal gelaufen, Will unser Hänschen kaufen, Verspricht uns einen Sack voll Geld Und schenkt uns auch die halbe Welt, Dann lachen wir ihm ins Gesicht: „Das Bubi? Nein — das kriegst du nicht.“ L. Sommer.
Hemdenmatz.
Da sitzt ein kleiner Hampelmann, Der hat zerrissne Hosen an, ei, ei! Und schlüpft der Hansel um das Haus, Schlupf! Schwenkt ein winzig, weißes Hemdenzipfelchen heraus — etsch! Und alle Piepvögelein schrein: „Hansel, steck’s nein, steck’s nein!“ Aber der Lump, der Spatz schreit: „Hemdenmatz, Hemdenmatz!“ Ad. Holst.
Die ersten Hosen.
Hans hat Hosen an, Und die sind bunt, und ein Mützchen auf, und das ist rund. Kunterbunte Höschen, Frack mit roten Schößchen! Hans hat Hosen an, Und die sind bunt.
*
Storch, Storch, bester, Bring mir ’ne kleine Schwester, Storch, Storch, guter, Bring mir ’nen kleinen Bruder.
Anna Kathrein.
Unsre Anna Kathrein, ist noch so klein, Die humpelt und pumpelt auf allen vier Bein. Aber wird sie erst groß, heida! dann gehts los, Dann singt sie und springt sie, das wird mal famos. Du, Anna Kathrein, stecks Lutscherchen rein! Sonst kommt der Wauwau und beißt dich ins Bein. Ad. Holst.
Unsre lieben Hühnerchen.
Unsre lieben Hühnerchen Verloren ihren Hahn, Hatten ihm zu leide Doch wirklich nichts getan. Wie trauerten die Hühnerchen, Daß sie ihn nirgends sahn, Den lieben guten Hahn! Unsre lieben Hühnerchen, Die fanden ihren Hahn, Wie er ging spazieren Auf einem grünen Plan. Wie freuten sich die Hühnerchen Daß sie ihn wieder sahn, Den lieben, guten Hahn! Unsre lieben Hühnerchen, Die führten ihren Hahn Voller Freud’ und Jubel Hoch auf den Hausaltan. Wie war’n entzückt die Hühnerchen, Als da zu krähn begann, Der liebe Hahnemann. Hoffmann von Fallersleben.
Ri-Ra-Rutsch.
Ri Ra Rutsch, Wir fahren mit der Kutsch’, Wir fahren mit der Extrapost, Wo es nur drei Kreuzer kost’t. Ri Ra Rutsch, Wir fahren mit der Kutsch’. Volks- und Kinderreime.
Ball der Tiere.
Mich dünkt, wir geben einen Ball, Sprach die Nachtigall. So? Sprach der Floh. Was werden wir essen? Sprachen die Wespen. Nudeln! Sprachen die Pudeln. Was werden wir trinken? Sprachen die Finken. Bier! Sprach der Stier. Nein, Wein! Sprach das Schwein. Wo werden wir denn tanzen? Sprachen die Wanzen. Im Haus! Sprach die Maus.
Das Wunderschloß.
Ich wünsch’ mir was. „Was ist denn das?“ Das ist ein Schloß aus Marzipan, Mit Türmen aus Rosinen dran Und Mandeln an den Ecken, Ganz zuckersüß und braun gebrannt, Und jede Wand, Die ist aus Zimt und Zuckerkand, Da kann man schön dran lecken! Und Diener laufen her und hin Mit Mus und Marmelade, Und oben in dem Schlosse drin, Sitzt meine Frau, die Königin, Die ist aus Schokolade! Ad. Holst.
*
Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum di dum, Er rüttelt sich, er schüttelt sich, Er wirft sein Säckchen hinter sich. Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum. Des Knaben Wunderhorn.
Fritzchens ganze Familie.
Ich heiße Fritz, Unser Hund heißt Spitz, Miezevater unser Kater. Papa heißt Papa, Mama heißt Mama; Meine Schwester heißt Ottilie: Das ist unsre ganze Familie. Wir hätten gern noch eine Kuh Und ein Pferd dazu. Emil Weber.
Heile, heile Segen!
Heile, heile Segen! Morgen gibt es Regen, Uebermorgen Schnee: Dann tut’s nicht mehr weh. G. Hahn.
Wenn das Kind hungrig ist.
Eia, popeia, Koch’ dem Kindchen Breia, Tu’ ein wenig Zucker dran, Daß ihn das Kindchen essen kann. Fünf Engel haben gesungen, Fünf Engel kommen gesprungen: Der erste bläst das Feuer an, Der andre stellt das Pfännchen dran; Der dritte schütt’t das Süppchen ein, Der vierte tut brav Zucker drein; Der fünfte sagt: ’s ist angericht’t, Iß, mein Kind, und brenn’ dich nicht! Volks- und Kinderreime.
Wenn die Suppe heiß ist.
Stich dich nicht und brenn’ dich nicht, Suppe ist zu heiß. Schneider, wenn du reiten willst, Setz’ dich auf die Geiß! Kindlein, willst du Suppe essen, Mußt das Blasen nicht vergessen.
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Bim, bam, beier, Die Katz’ mag keine Eier. Was mag sie dann? Speck aus der Pfann’? Ei, wie lecker ist unsre Madam!
Auto.
Rabumsel, Rabamsel, Der Omnibus fährt, Rabumsel, Rabamsel, Ohne Schiene und Pferd; Rabumsel, Rabamsel, Ueber Pflaster und Grund, Wer drin sitzt, dem schüttelt Die Zunge im Mund. Rabumsel, Rabamsel, Nun steigen wir ein, Rabumsel, Rabamsel, Nach Frankreich hinein. Rabumsel, Rabamsel, Nach Frankreich ist’s weit. Und der Franzmann macht die Tür zu, Hat für Kinder keine Zeit. Carl Ferdinands.
Das hölzerne Männchen.
Das ist das hölzerne Männchen: Das ist die Tür vom Haus vom hölzernen Männchen: Das ist das Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen: Das ist der Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen: Das ist das Bändchen vom Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen: Das ist die Maus, die genagt hat am Bändchen vom Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen: Das ist die Katz’, die gefressen hat die Maus, die genagt hat am Bändchen vom Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen! Das ist das Kind, dem die Katze gehört, die die Maus gefressen ...... Volks- und Kinderreime.
Nasenbluten.
Karlinchen, Karlinchen, deine Nase ist rot. Geh’, wein’ nicht, geh’, grein nicht, das hat keine Not. Und ist auch dein Näschen und Schürzchen voll Blut: Bis du mal zu Tanz gehst, ist’s längst wieder gut. M. Schmerler.
Tanzliedchen.
Zwei Takte geschritten, Zwei Takte im Sprung, Die blonden Stubbezöpfchen, Sind alle, alle, all’ im Schwung. Zwei Takte gesprungen, Zwei Takte im Schritt, Die Schuhe, die Röckchen, Tanzen alle, alle, alle mit. Zwei Takte im Schatten, Zwei Takte im Licht, Bloß der kleine dicke Plumpsack Kanns lange, lange, lang’ noch nicht! M. Schmerler.
Tanzliedchen.
Hinter dem Müllersteg Steht ’n kleins Häusle: Drinnen rund um und um Hupfen die Mäusle. Hinter dem Müllersteg Steht ’n kleins Häusle: Draußen rund um und um Hupfen die Geißle. Hinter dem Müllersteg Steht ’n kleins Häusle: Hupfen die Zeisle, Mäusle und Geißle und Zeisle — Rundum. Friedrich Güll.
Tanzlied.
Schnickschnack, Dudelsack, Unser Kind will tanzen; Spielt mir einen schönen Tanz: Aennchen, Gretchen, Fritz und Franz Wollen lustig tanzen. Spielt der Brummbaß brumm, brumm, brumm, Dreh’n wir uns im Kreis herum, Daß die Röckchen fliegen; Spielt die Fiedel dideldumdei, Geht es lustig eins, zwei drei, Bis im Gras wir liegen.
Tanz mit mir.
Tanz mit mir, Tanz mit mir, Auf der grünen Wiese. Eins, zwei, drei, Eins, zwei, drei, Rühre flink die Füße! Hopp, hopp, hopp Im Galopp, Immer froh und heiter. Rechts herum, Links herum, G’radaus und so weiter. Immer zu, Ohne Ruh’, Daß die Zöpfchen fliegen. Juchheidi, ha, ha, ha, Ist das ein Vergnügen! Lina Sommer.
Tanzliedchen.
Mein Mädchen, das will tanzen; Wer macht die Tanzmusik? Spielhansel mit dem Ranzen Ist da im Augenblick. Dideldum, schon streicht und zupft er Die Saiten alle vier, Dideldum; schon geigt und hupft er Und schreit: „Herr Wirt, mein Bier!“ Und mit der Zunge schnalzen, Tut er vor Lust dazu. — Nun woll’n wir aber walzen, Bis durch die Strümpf’ und Schuh’. Friedrich Güll.
Kinderreigen.
So geht’s auf unsere Weise, So ist es Kinderbrauch: Wir drehn uns um im Kreise Und tanzen auch — Immer herum, Bum bidibum! Bum! Wir brauchen keine Geigen Und brauchen keinen Baß, Wir spielen uns zum Reigen Schon selber was. Immer herum, Bum bidibum! Bum! Und ist ein Tanz zu Ende, Gleich fängt ein anderer an, Wir reichen uns die Hände Und tanzen dann Immer herum, Bum bidibum! Bum! Hoffmann v. Fallersleben.
Kletterbüblein.
Steigt das Büblein auf den Baum, Ei, wie hoch, man sieht es kaum! Hüpft von Ast zu Aestchen, Hüpft zum Vogelnestchen. Ui! da kracht es — Plumps, da liegt es drunten. Friedrich Güll.
Köchin.
Was soll ich denn kochen? ’s ist alles zerbrochen. Das Maß und die Pfanne, Das Glas und die Kanne — Und will ich was kaufen, Es kost’t einen Haufen: Der Weck und der Fladen, Der Speck und der Braten, Das Salz und das Mehl, Und das Schmalz und das Oel, Und die Eier und Feuer Sind heuer so teuer! Und krieg keinen Lohn — Ich lauf’ noch davon! Friedrich Güll.
Puppenlappen.
Guten Tag, guten Tag, Frau Schneiderin, Nach Puppenlappen steht heute mein Sinn; Wir stückeln unserm Jungen ein Wams zurecht; Nur Lappen, immer Lappen, gut oder schlecht: Zwei wollige, zwei warme Für die beiden Arme, Einen langen, dicken Für den Rücken, Einen blauen, breiten, Für die Seiten, Einen goldenen, der wird aufgenäht, Wo unserem Jungen das Herzlein steht. Carl Ferdinands.
Topfgucker.
Im Prutzeltopfe kocht das Mus; Hänschen steht auf einem Fuß, Hänschen steht auf einem Zeh’, Reckt sich, streckt sich in die Höh’. Bläst der Qualm ihm ins Gesicht, Hänschen steht und fürcht’t sich nicht. Leckt das Feuer ihm über die Wangen, Hänschen steht und fühlt kein Bangen; Hänschen, lieber ohne Kopf, Als nicht wissen, was kocht im Topf! Carl Ferdinands.
Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen.
Denk’ an! Das Büblein ist einmal Spazieren gangen im Wiesental. Da wurd’s müd gar sehr Und sagt: „Ich kann nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist das Bächlein geflossen kommen Und hat’s Büblein mitgenommen, Das Büblein hat sich aufs Bächlein gesetzt Und hat gesagt: „So gefällt mir’s jetzt.“ Aber was meinst du! Das Bächlein war kalt, Das hat das Büblein gespürt gar bald; Es hat gefroren gar sehr, Und sagt: „Ich kann nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist ein Schifflein geschwommen kommen, Und hats Büblein mitgenommen. Da hats Büblein sich aufs Schifflein gesetzt Und hat gesagt: „Da gefällt mir’s jetzt.“ Aber siehst du? Das Schifflein war schmal. Das Büblein denkt: „Da fall ich einmal!“ Da fürcht’t es sich gar sehr Und sagt: „Ich mag nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist der Reiter geritten gekommen Und hats Büblein mitgenommen. Das Büblein hat sich hinten aufs Pferd gesetzt. Und hat gesagt: „So gefällt mir’s jetzt.“ Aber gib acht! Das ging wie der Wind, Es ging dem Büblein gar zu geschwind; Es hopst drauf hin und her Und schreit: „Ich kann nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist ein Baum ins Haar gekommen Und hat das Büblein mitgenommen Er hat’s gehängt an einen Ast gar hoch; Dort hängt das Büblein und zappelt noch. Ist denn das Büblein gestorben? Nein, es zappelt ja noch! Morgen geh’n wir naus und tun’s ’runter. Fr. Rückert.
Das Büblein auf dem Eis.
Gefroren hat es heuer, Noch gar kein festes Eis. Das Büblein steht am Weiher, Und spricht zu sich ganz leis: „Ich will es einmal wagen, Das Eis, es muß doch tragen.“ Wer weiß? Das Büblein stampft und hacket Mit seinem Stiefelein. Das Eis auf einmal knacket Und krach! Schon bricht’s hinein. Das Büblein platscht und krabbelt Als wie ein Krebs und zappelt Mit Schrei’n: „O helft, ich muß versinken In lauter Eis und Schnee! O helft, ich muß ertrinken Im tiefen, tiefen See!“ Wär’ nicht ein Mann gekommen, Der sich ein Herz genommen, O weh! Der packt es bei dem Schopfe Und zieht es denn heraus, Vom Fuße bis zum Kopfe Wie eine Wassermaus. Das Büblein hat getropfet, Der Vater hat’s geklopfet Zu Haus. Friedrich Güll.
Die traurige Geschichte vom dummen Hänschen.
Hänschen will ein Tischler werden, Ist zu schwer der Hobel; Schornsteinfeger will er werden, Doch das ist nicht nobel; Hänschen will ein Bergmann werden, Mag sich doch nicht bücken; Hänschen will ein Müller werden, Doch die Säcke drücken. Hänschen will ein Weber werden, Doch das Garn zerreißt er; Immer, wenn er kaum begonnen, Jagt ihn fort der Meister. Hänschen, Hänschen, denke dran, Was aus dir noch werden kann. Hänschen will ein Schlosser werden, Sind zu heiß die Kohlen; Hänschen will ein Schuster werden, Sind zu hart die Sohlen; Hänschen will ein Schneider werden, Doch die Nadeln stechen; Hänschen will ein Glaser werden, Doch die Scheiben brechen; Hänschen will Buchbinder werden, Riecht zu sehr der Kleister; Immer, wenn er kaum begonnen, Jagt ihn fort der Meister. Hänschen, Hänschen, denke dran, Was aus dir noch werden kann. Hänschen hat noch viel begonnen, Brachte nichts zu Ende; Drüber ist die Zeit verronnen, Schwach sind seine Hände. Hänschen ist nun Hans geworden, Und er sitzt voll Sorgen, Hungert, bettelt, weint und klaget Abends und am Morgen: Warum war ich nicht, ich Dummer, In der Jugend fleißig? Was ich immer auch beginne, Dummer Hans nur heiß’ ich. Ach, nun glaub ich selbst daran, Daß aus mir nichts werden kann. Rudolf Löwenstein.
Mutiges Lied.
Mutter hat mir ’nen Säbel gekauft, Ein Steckenpferd zum Reiten; Nun wird geritten, nun wird gerauft, Es kommen herrliche Zeiten! Ich werde General oder auch Korporal, Und das ist ganz egal, hurra! Ich nehme den Säbel wohl in die Hand Und tu’ aufs Roß mich schwingen. So geht’s gradaus ins feindliche Land, Und alle Leute singen: Er ist ein General oder auch Korporal, Und das ist ganz egal, hurra! Und reit’ ich heim dann meinen Weg, Heim von der Siegesparade, Sperrt Nachbars Gretelchen mir den Weg Und schenkt mir ein Stück Schokolade! Denn ich bin General oder auch Korporal, Und das ist ganz egal, hurra! Oskar Wiener.
Kinderszene.
„Wie finden Sie das liebe Kind?“ — „Sie hat eben immer noch stark Fieber; Das ist der böse Nordostwind, Doch scheint die größte Gefahr vorüber.“ „Wie war der Appetit indessen?“ — „Seit gestern hat sie nichts gegessen. Mein Bruder bracht’ ihr heute früh Dies Törtchen mit, das möchte sie; Ich wollt’ es aber doch nicht wagen, Ohne Herrn Hofrat erst zu fragen.“ — „Es ist nur immer bei dem Zeug Zu viel Gewürz und Butterteig. Mit Erlaubnis — ich will es versuchen. — Hm, eine Art Mandelkuchen!“ „Herr Hofrat, Sie vergessen sich, Sie essen ja ganz fürchterlich. Alle Achtung vor Ihrem großen Hut! Aber Sie haben besondere Manieren!“ — „Pardon! Das Törtchen war zu gut.
(Nachdem er sich geräuspert und der Patientin nochmals den Puls gefühlt):
Lassen Sie nun eben das Mixtürchen repetieren! Wir sehen ein paar Tage zu, Ihr Diener!“ — „Gute Nacht!“ — „Recht angenehme Ruh’!“ Mörike.
Große Sorge.
Puppenmutter: „Ich bitte dich, Beeile dich, Koch’ eine Wassersuppe, Ganz ohne Salz Und ohne Schmalz Für meine kranke Puppe! Wie sieht sie aus, Die arme Maus, Nein, da ist nicht zu spaßen. Ich will doch schnell Und auf der Stell’ Den Doktor holen lassen.“ Bruder Doktor: „Zu allererst, Es ist das best’, Behorch’ ich Herz und Lunge: Nun, Gott sei Dank, Die sind nicht krank. Jetzt zeig mir mal die Zunge! Ei, ei, sieh’ da, Ich dacht’ mir’s ja, Den Magen überladen, Mit Marzipan Und solchem Kram, Da haben wir den Schaden! Nur kein Geschrei! Hier die Arznei, ’nen Löffel all’ zwei Stunden. Und’s Kindlein hier, Ich garantier’, Das wird wohl bald gesunden! Ja, gnäd’ge Frau, Ich seh’s genau, Sie machen sich doch Sorgen — Nur ruhig Blut, ’s wird alles gut, Ich komme nochmal morgen!“ C. Ferdinands.
Kindersehnen.
Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann weiß ich, was ich werd’ — Ich werde ein Reiter, Ein Reiter zu Pferd! Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann reit’ ich hinaus, Und bleibe nicht immer Hinterm Ofen zu Haus! Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann streit’ ich im Feld Wohl mit den Franzosen Als wackerer Held! Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann jag’ ich im Nu Euch, daß ihr verlieret, Die Strümpf und die Schuh’. Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Wie gern möcht’ ich’s sein. Und bin doch so jung noch, Und bin noch so klein! Dieffenbach.
Schad’t nix.
Hänschen hat schon Hosen an, Die sind ihm viel zu lang! Da macht sich Hänschen gar nichts draus! Der wächst noch, Gott sei Dank! Ad. Holst.
Aber Hans.
Aber, Hans, wer wird denn weinen! Pfui, welch’ häßliches Gesicht! Merk’ dir, kleine Mädchen weinen, Jungen, Hänschen, tun das nicht! Fränzchen habe dich geschlagen? Hast du dich denn nicht gewehrt? Hast ja Flinte, Helm und Säbel! — Doch nun endlich aufgehört! Schäm’ dich, ein so großer Junge, Und ein so verweint’ Gesicht! Kleine Mädchen dürfen weinen, Jungen, Hänschen, tun das nicht! C. Flaischlen.
Meine Mutter.
Kein Vogel sitzt in Flaum und Moos In seinem Nest so warm, Als ich auf meiner Mutter Schoß, Auf meiner Mutter Arm; Und tut mir weh mein Kopf und Fuß, Gibt mir die Mutter einen Kuß Und drückt mich an ihr Herz. Friedrich Güll.
Kniereiterliedchen.
Hoppe, hoppe, Reiter, Wenn er fällt, da schreit er. Fällt er in den Graben, Fressen ihn die Raben, Fällt er in den Sumpf, Macht der Reiter plumps! Schacker, schacker, rillichen, Wir reiten auf dem Füllichen. Wenn wir größer werden, Reiten wir auf Pferden. Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf’ Galopp, Ueber Stock und über Steine, Tu’ dir ja nicht weh die Beine; Immer im Galopp, Hopp, hopp, hopp, hopp, hopp! Wie reiten denn die Herren? Trapp, trapp, trapp! Wie reiten denn die Bauern? Stupp, stupp, stupp! Wie reitet denn der Edelmann Mit seinem Pferdchen hintendran? Galoppe, galoppe! Wie reiten denn die Jüngferlein Mit den bunten Schühelein? Hitte, pitte, hitte, pitte! Bums in ’n Graben ’nein! Hopp, mein Pferdchen, nach der Stadt, Bring’ meinem lieben Kindchen wat. Was soll ich ihm denn bringen? ’n großen Sack voll Kringeln: Zuckerbrot und Mandelkern Mag mein liebes Kindchen gern.
Wenn der kleine Schelm verdrießlich aufwacht.
Grüß Gott, mei’ lieb’s Franzerl! Bist da von der Fremd’? Wo hast denn dei’ Ranzerl, Dei’ Huterl, dei’ Hemd? Wo hast denn dei’ Rockerl, Dei’ Höserl, dei’ Sockerl? Du trauriger Bu’! Jetzt holt mir den Schneider Und Schuster im Nu, Und schneidert ihm Kleider, Und schustert ihm Schuh’! Friedrich Güll.
Der Laternenmann.
Sonne steckt jetzt hinterm Haus, Und das Kinderspiel ist aus. Ja, die Kleinen sind schon heim, Gucken dort am Fensterlein. Kommt ein Mann dahergegangen, Kommt mit einer großen Stangen. Seht, dort drüben steht er still! Was er nur mit der Stange will? — Kling! — Da geht ein Türlein auf Puff!! — Sitzt schon ein Lichtlein drauf. Noch ein Klapp! — Der Mann hat Eile. Bald gibt’s Lichter, eine lange, lange Zeile. R. Bär.
Gute Nacht.
Wenn die Kinder schlafen ein, Wachen auf die Sterne, Und es steigen Engelein Nieder aus der Ferne; Halten wohl die ganze Nacht Bei den frommen Kindern Wacht. Friedrich Güll.
Notwendige Unterbrechung.
Klein Evchen kniet im Hemdelein Im Bett mit gefalteten Händen, Und will, wie täglich, ihr Nachtgebet Hinauf zum Himmel noch senden. Da kommt der Bruder heran Ganz leise und verstohlen, Und reckt sich plötzlich zu ihr empor Und kitzelt sie an den Sohlen. Klein Evchen erträgt das mit Geduld; Da zwickt er sie in die Zehe. Nun wird es doch der Kleinen zu viel Und bittend schaut sie in die Höhe; „Mein lieber Gott, du entschuldigst doch — Sonst würd’ ich mir’s auch nicht getrauen, Ich bet’ gleich fertig, nur muß ich erst — Dem Hans eine ’runterhauen.“
Schlummerlied.
Die Vöglein gingen längst zur Ruh, Das Täubchen flog dem Schlage zu Und sitzt nun bei den Kleinen. Der Vater schließt das Gartentor, Da guckt auch schon der Mond hervor Und tausend Sterne scheinen. Nun mache deine Aeuglein zu, Und schlafe süß, mein Liebling du! Ein Engel hält am Bette Wacht, Mein Herzenskind, gut’ Nacht, gut’ Nacht! Gute Nacht!
Schlaflied.
Schlaf, Kindchen, schlaf’! Da draußen geh’n zwei Schaf’, Ein schwarzes und ein weißes. Und wenn das Kind nicht schlafen will, So kommt das schwarze und beißt es.
Sonne hat sich müd gelaufen.
Sonne hat sich müd gelaufen, Spricht: „Nun laß ich’s sein!“ Geht zu Bett und schließt die Augen Und schläft ruhig ein. Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm! Bäumchen, das noch eben rauschte, Spricht: „Was soll das sein? Will die Sonne nicht mehr scheinen, Schlaf ich ruhig ein.“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm! Vogel, der im Baum gesungen, Spricht: „Was soll das sein? Will das Bäumchen nicht mehr rauschen, Schlaf ich ruhig ein!“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm! Häschen spitzt die langen Ohren, Spricht: „Was soll das sein? Hör’ ich keinen Vogel singen, Schlaf ich ruhig ein!“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm! Jäger höret auf zu blasen, Spricht: „Was soll das sein? Seh’ ich keinen Hasen laufen, Schlaf ich ruhig ein!“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso Mein Kindchen ist nicht dumm! Kommt der Mond und guckt herunter, Spricht: „Was soll das sein? Kein Jäger lauscht! Kein Häschen springt? Kein Vogel singt? Kein Bäumchen rauscht? Kein Sonnenschein! Und’s Kind allein Sollt’ wach noch sein?“ Nein! Nein! Nein! Lieb’ Kindchen macht die Augen zu, Lieb’ Kindchen schläft schon ein! Robert Reinick.
Elfenlied.
Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe! Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief — Wohl um die Elfe! — Und meint, es rief ihn aus dem Tal Bei seinem Namen die Nachtigall, Oder Silpelit hätt’ ihn gerufen. Reibt sich der Elf’ die Augen aus, Begibt sich vor sein Schneckenhaus, Und ist als wie ein trunken Mann, Sein Schläflein war nicht voll getan, Und humpelt also tippe tapp Durchs Haselholz ins Tal hinab, Schlupft an der Mauer hin so dicht, Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht. „Was sind das helle Fensterlein? Da drin wird eine Hochzeit sein: Die Kleinen sitzen beim Mahle, Und treiben’s in dem Saale. Da guck’ ich wohl ein wenig ’nein!“ — Pfui, stößt der Kopf an harten Stein! Elfe, gelt, du hast genug? Gukuk! Gukuk! Eduard Mörike.
Was fang ich an?
Ach, wo ich gerne bin, Da soll ich nimmer hin, Und wo ich bleiben muß, Da hab’ ich nur Verdruß. Nach dem Walde soll ich nicht, In den Garten mag ich nicht, In der Stube bleib’ ich nicht, — Was fang’ ich an? Ach, in dem Wald allein, Da kann man lustig sein; Da grünt es überall, Da singt die Nachtigall. Mutter, laß mich geh’n hinaus, In den grünen Wald hinaus! Einen schönen Blumenstrauß, Den bring’ ich dir. Könnt’ ich ein Vogel sein, Flög’ ich in den Wald hinein, Zur reinen Maienluft, Nach dem Walde soll ich nicht, Zum frischen Laubesduft, In den Garten mag ich nicht, In der Stube bleib’ ich nicht, Was fang ich an? Hoffmann von Fallersleben.
Peter und das Echo.
Möcht’ wissen, wo der Kerl nur steckt, Der mich im Wald hier foppt und neckt! Bald tönt’s von rechts, von links dann her, So wie ich rufe, ruft auch er. Wenn ich dich krieg’, — na warte! Echo: Warte! Er folgt mir nach auf Schritt und Tritt, Und wie ich singe, singt er mit. Steckst du dort oben auf dem Ast, So sprich, wenn du Chourage hast, Und zeig’ dich mir, — potz Kuckuck! Echo: Kuckuck! Was sprichst du nach mir immerzu? Du feiger Kerl, wie heißt denn du; So war ich Peter heiß’, — auf Wort! — Ich fasse dich und schlepp’ dich fort, Ob früher oder später! Echo: Peter! Sei still und sprich kein Wörtchen mehr, Sonst hol’ ich mir ein Schießgewehr! Und hab’ ich dich aufs Korn gefaßt, So schieß’ ich dich vom höchsten Ast Herab mit meiner Waffe! Echo: Affe! Du schimpfest gar? Du dummer Wicht! Wahrhaftig! Nein, das leid’ ich nicht! Ich geh’ nicht eher hier vom Fleck, Bis ich gefunden dein Versteck, Daß ich mich mit dir boxe! Echo: Ochse! R. Löwenstein.
Aus dem grünen Wald.
Die Sonne schien so lustig drauß, Es ging ein Kind durch den Wald nach Haus: Trali trala! Wie sang es da! Trali trala! Wie klang es da So hell in dem grünen Walde! Und wie es so ging durch Busch und Gras, Da riefen die Vögel ohn’ Unterlaß: Trala trali! Bleib hie! Bleib hie! Trali trala, Wie schön ist’s da Bei uns in dem grünen Walde! Und als es kam an den blauen Bach, Da liefen und riefen die Wellen ihm nach: Trala trali! Bleib hie! Bleib hie! Trali trala, Wie schön ist’s da Bei uns in dem grünen Walde! Und als es da sprach: „Das kann nicht sein, Ich muß zurück zu dem Mütterlein.“ Trala trali! Wie flogen sie! Trala trali Wie liefen sie Ihm nach aus dem grünen Walde! Und andern Tag’s, als aus dem Haus Das Kind nun schaut zum Fenster hinaus: Trali trala! Die Vögel sind da! Trala trali, Und die Wellen sieh, Die bringen ihm Grüß’ aus dem Walde! Robert Reinick.
