Lektion 6. Wie die Insekten helfen.
Fritz Kriete translation
Sobald die Sonne die Erde zu erwärmen beginnt, kann man nach Frühlingsblumen ausschauen. Wenn in der Nähe feuchte Wiesen und Gräben sind, so kann man im April die Sumpfdotterblume in Blüte finden. Dies ist eine Pflanze mit hohlem Stengel und dunkelgrünen, herzförmigen Blättern, die am Rande gekerbt sind. Die Blüten sind hellgelb; die Kinder nennen sie oft Butterblume.
Die Blüte hat 6 verschieden gestaltete Kronblätter und innen stehen zahlreiche Staubgefäße und Fruchtknoten. Wenn man einen der letzteren herausnimmt, so wird man eine kleine Höhlung mit Honig darin finden.
Die Bienen sind sehr hinter diesem Honig her, da es noch so früh im Jahre ist, daß sehr wenige Pflanzen blühen. Sie brauchen außerdem Blütenstaub, um Bienenbrot für die kleinen Bienen zu machen. Auch andere Insekten suchen nach Nahrung. Wenn man an einem sonnigen Tage die Butterblumen beobachtet, so wird man viele Bienen und Fliegen sich auf den Blüten niederlassen sehen.
Sie fliegen von Blüte zu Blüte, saugen aus jeder ein Tröpfchen und nehmen außerdem aus den Staubbeuteln Blütenstaub mit.
Wir sahen in der letzten Lektion, daß Pflanzen keine Samen bilden können, wenn der Blütenstaub nicht auf die Narbe gelangt, und man hat durch Versuche herausgefunden, daß der Samen besser wird, wenn der Blütenstaub von einer anderen Blüte kommt. So nützen die Bienen den Pflanzen, indem sie den Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen, als Bezahlung gewissermaßen für den Honig, den die Pflanzen ihnen spenden.
Man wird sicher irgendwo im März an den Hecken eine hübsche gelbe Blume finden, die wie ein Stern aussieht mit glänzend grünen, herzförmigen Blättern. Es ist das Scharbockskraut oder die Feigwurz. Sie hat drei grüne Kelchblätter und acht bis zwölf gelbe Blumenkronblätter. Bienen und andere Insekten kommen in großen Mengen zu ihr, denn sie hat einen Tropfen Honig an dem dünnen Ende jedes Blumenkronblattes in der Mitte der Blumenkrone.
Wenn man diese Pflanze ausgräbt, so wird man Knöllchen von Feigenform finden, die zwischen den Wurzeln wachsen. Jedes derselben hat eine kleine Knospe an der Spitze, aus der sich eine neue Pflanze entwickelt, wenn man sie in die Erde setzt.
Eine andere Blume, die schon früh auf den Feldern blüht, ist der gemeine gelbe Huflattich, ein für den Landmann sehr unangenehmes Unkraut. Er hat einen langen kriechenden Stengel und breitet sich sehr schnell unter dem Boden aus. Er hat eine Blumenkrone wie der Löwenzahn, aus Hunderten von winzigen Blüten bestehend. Diese wächst auf einem filzigen Stengel, welcher mit roten Schuppen bedeckt ist. Die Blätter wachsen erst, nachdem die Blüte verwelkt ist.
Sieh den Blütenkopf aufmerksam an. Du wirst ungefähr vierzig runde Blüten in der Mitte finden. Sie bergen in sich Staubgefäße und einen großen Tropfen Honig. Um diese herum stehen ungefähr 300 kleine Blüten, jede mit einer langen, gelben Zunge. Im Innern dieser äußeren Blütchen sitzt ein Fruchtknoten mit zwei klebrigen Hörnern. Die Bienen und anderen Insekten kriechen über diese äußeren Blüten, um den Honig aus den Blüten in der Mitte zu saugen, und wenn sie nun zurückkehren, so bringen sie etwas Blütenstaub mit, den sie auf den klebrigen Hörnern der Narben zurücklassen.

1. Aronsstab.
1 A. Blütenstand: 1. Steife Haare, 2. Staubgefäße, 3. verkümmerte, 4. wirkliche Fruchtknoten.
2. Kleiner Huflattich.
Und wenn du nun den Aronsstab oder die Aronswurz finden kannst, so will ich dir eine wirkliche Insektenfalle zeigen. Er hat eine weißliche tütenförmige Blüte mit einem purpurfarbenen Kolben im Innern. Im Frühling hat diese Blume einen sehr starken Geruch. Dieser lockt die Insekten an, und sie kriechen an dem purpurroten Kolben hinab, um nach Honig zu suchen.
Auf ihrem Wege dahin kommen sie an einer Reihe von steifen Haaren vorbei, die von ihrem Gewicht niedergebogen werden und sie vorüber lassen. Dann gelangen sie an einen Ring von roten Staubbeuteln, die noch nicht offen sind. Darauf treffen sie auf einige verkümmerte Fruchtknoten und erreichen endlich die wirklichen Fruchtknoten mit klebrigen Spitzen.
Nun sind sie bis auf den Boden gelangt und suchen nach Honig. Aber ach! Es ist keiner da. Dann versuchen sie zurückzugelangen. Aber die steifen Haare biegen sich nicht nach oben, und die Insekten sind Gefangene. Sie sind für ein oder zwei Tage eingeschlossen, dann verwelken die klebrigen Narben der Fruchtknoten und jede schwitzt einen Tropfen Honig aus. Die Insekten sind also nicht betrogen. Zu gleicher Zeit platzen die Staubbeutel, und der Blütenstaub fällt auf die Insekten. Dann verwelken auch die Staubgefäße und die Haare, und die Insekten können ihrem Gefängnisse entschlüpfen.
Wenn sie an den verwelkten Staubbeuteln vorbeikommen, streifen sie den übriggebliebenen Blütenstaub ab und tragen nun auf ihrem Rücken genug davon zu anderen Blumenfallen.
Man kann dies sehr leicht selbst sehen, wenn man zwei Aronsstäbe beobachtet und zwar eine junge Pflanze mit vollen Staubbeuteln und eine alte, in der diese schon verwelkt sind.
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