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Pflanzenleben in Feld und Garten

Lektion 3. Die Geschichte einer Kohlrübe.

Fritz Kriete translation

Die Blüten des Hirtentäschelkrauts sind sehr klein, daher wollen wir die Blüten einer anderen Pflanze zur Hilfe nehmen, um etwas über sie zu lernen. Wenn man im Garten eine Kohlrübe finden kann, die in Samen geschossen ist, so wird man sehen, daß sie Blüten hat wie die des Hirtentäschelkrauts, sie sind nur größer und gelb statt weiß.

An beiden Blüten haben wir vier äußere grüne Blätter. Sie heißen Kelchblätter, denn sie bilden den Kelch der Blüte. Dann sehen wir noch vier farbige Blätter, die über den Kelchblättern wachsen. Sie heißen Blumenkronblätter, weil sie die Blumenkrone der Blüte bilden. Sie sind weiß beim Hirtentäschelkraut und gelb bei der Kohlrübe. Aber in beiden Blüten stehen sie in Form eines Kreuzes.

Nun kommen sechs dünne Fäden mit kleinen Köpfchen an der Spitze. Zwei derselben sind kurz und vier lang. Sie heißen Staubfäden. Die Köpfchen heißen Staubbeutel, die den gelben Blütenstaub oder Pollen enthalten. In der Mitte der Blüte finden wir endlich den Fruchtknoten. Beim Hirtentäschelkraut ist dieser wie ein Herz geformt, bei der Blüte der Kohlrübe wie eine lange Schote.

Die Schoten wachsen auf kleinen Stielen am Stengel. Sie waren einst von Blütenblättern umgeben, aber diese sind verwelkt, und die Schoten sind groß geworden.

Einige der besten Gemüse in unseren Gärten haben Blüten wie diese in der Form eines Kreuzes und vier lange und zwei kurze Staubgefäße. Mehrere, wie die Kohlrübe und das Radieschen, haben Wurzeln, die sehr wohlschmeckend sind. Von anderen, wie z. B. dem Weißkohl und dem Braunkohl, essen wir die Blätter, vom Blumenkohl dagegen die Stiele des Blütenstandes mit den Blütenknospen.

Wir wollen nun zur Kohlrübe zurückkehren. Was hat sie für eine prächtige dicke Wurzel! Man findet eine Art von Kohlrübe wild wachsend, aber die Wurzel ist hart — du würdest sie nicht essen können. Unsere Rüben dagegen sind weich und deshalb so gut, weil sie in fruchtbarem Boden gewachsen sind, der seit vielen Jahren in bester Weise bearbeitet worden ist, und weil nur der beste Same ausgesät wird.

Ihr werdet nun vermutlich glauben, daß die Kohlrüben nur für uns dasein müßten, da wir den Boden umgraben und den Samen säen. Aber es gibt viele Tiere und Insekten, die auch ihren Anteil daran haben wollen. Sobald die Pflanze ihre ersten grünen Blätter herausstreckt, ist schon ein kleiner Käfer da, um sie zu fressen. Wenn seine Flügel geschlossen sind, ist er nicht größer als der Buchstabe „o“ in der Überschrift dieser Lektion. Er hat lange Hinterbeine und kann sehr gut springen, und deshalb wird er Erdfloh genannt.

Im Winter schlafen diese Käfer unter der Erde oder unter verwelkten Blättern. Wenn der Frühling kommt, erwachen sie und nähren sich vom Hirtentäschelkraut oder irgend einem anderen Unkraut, das früh im Jahre aufschießt. Dann legt das Weibchen seine Eier unter die Blätter, und bald kriechen kleine Larven aus und fressen Löcher in dieselben.

In vierzehn Tagen sind sie fett. Dann fallen sie auf den Boden und spinnen sich in Kokons ein, gerade wie die kleinen Ameisen im Ameisenhaufen. In weiteren vierzehn Tagen werden sie kleine Käfer.

Illustration from Pflanzenleben in Feld und Garten

Löwenzahn.

III. 2.

⇒ GRÖSSERES BILD

Illustration from Pflanzenleben in Feld und Garten

Garten-Kohlrübe und Erdfloh.

Teile der Blüte:

s Kelchblätter. p Blütenblätter. d Staubgefäße. o Fruchtschote.

1. Larve des Erdflohes. 2. Der fliegende Käfer.

(Beide stark vergrößert.)

Um diese Zeit stecken die frühen Kohlrüben gerade ihre ersten Blätter hervor, und der Erdfloh hüpft herbei, um sie zu fressen. Dann findet man, wenn man eines Morgens aufsteht, das Kohlrübenbeet kahl gefressen, und wenn man scharfe Augen hat, kann man die kleinen, schwärzlich glänzenden Käfer, die das Unheil angerichtet haben, fangen.

Wenn man früh im Jahre alles Unkraut ausjätet, und den Boden hackt, so daß die jungen Rüben schnell wachsen, so kann man den Erdfloh fernhalten. Aber dann fordern andere Geschöpfe ihren Teil. Der Kohlgallenrüsselkäfer legt seine Eier in die Wurzel unter der Erde, wie der Nußbohrer in die Haßelnuß (vgl. Buch I). Wenn man eine Kohlrübe sieht, an der kleine Klumpen oder Gallen sitzen, so kann man sicher sein, daß eine Larve dieses Käfers im Inneren ist.

Wenn dann die großen Kohlrübenblätter gewachsen sind, wird eine hübsche orangefarbige Blattwespe ihre Eier auf diese legen, so daß die Larven viele wegfressen. Dann wird das Kaninchen, wenn es herankommen kann, die Spitzen fressen, während die Mäuse die Wurzeln benagen. Und wenn man endlich Samenkohlrüben baut, so wird der kleine grünlich-schwarze Rapsglanzkäfer seinen Anteil fordern und die Blütenknospen fressen.

So hat die Kohlrübe, wie man sieht, viele Freunde, aber noch mehr Feinde. Ein guter Gärtner hat Freude daran, zu lernen, wie man diese Gartendiebe fernhält.

Nimm die Blüten des Goldlacks, der Levkoie, des Ackerpfennigkrauts, der Kohlrübe und des Hirtentäschelkrauts und beobachte ihre Ähnlichkeit in der Form und der Anordnung ihrer Teile.

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