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Pflanzenleben in Feld und Garten

Lektion 5. Wie sich neue Samen bilden.

Fritz Kriete translation

(Zweites und drittes Vollbild.)

Wir verließen unsere Pflanzen am Ende der letzten Lektion, wie sie grüne Blätter im Sonnenlichte bildeten. Nun wachsen sie schnell heran. Ihre Wurzeln saugen Wasser aus dem Boden, und ihre Blätter nehmen Gase aus der Luft auf.

Wenn die Pflanze reichlich Wurzeln und Blätter gebildet hat, so beginnt sie Nahrung aufzuspeichern, um Blüten hervorzubringen, in denen neuer Same erzeugt wird. Dies ist ein sehr wichtiges Werk; denn Samen sind nötig, um neue Pflanzen zu erzeugen, und es werden so viele von Vögeln und Insekten vertilgt oder von anderen Pflanzen erstickt, daß es sehr viele geben muß, damit die Pflanze nicht ausstirbt.

Illustration from Pflanzenleben in Feld und Garten

Sumpfdotterblume.

1. Blüte. 2. Fruchtstand mit den einzelnen Samenkapseln (o). 3. Geöffnete Samenkapsel mit dem Samen (s).

Daher ist der Fruchtknoten, in dem die Samen sich bilden, sehr sorgfältig geschützt. Er wächst gerade in der Mitte der Blüte, wo er dicht in die Knospe eingehüllt werden kann. Selbst wenn er unter der Blüte wächst, wie beim Geißblatt, sitzt die klebrige Spitze, auch Narbe genannt, immer sicher im Innern der Knospe.

Pflücke eine Schlüsselblume und eine Butterblume auf dem Felde und eine Erbsenblüte aus dem Garten und betrachte ihre Fruchtknoten. Inmitten der Blüte der Butterblume wirst du sehr viele finden. Sie haben die Form von Birnen, deren Stiele nach oben gerichtet sind, und in jedem der Fruchtknoten liegt die Anlage eines kleinen Samens.

Man muß die gelbe Blumenkrone der Schlüsselblume abreißen, ehe man den kleinen grünen Fruchtknoten in dem grünen Kelche sitzen sieht. Aus demselben wächst eine Röhre hervor, die in einem runden Knöpfchen endet.

Illustration from Pflanzenleben in Feld und Garten

Schlüsselblume.

1. Blüte mit den Staubgefäßen (a) im oberen Teile der Blumenkronröhre und der knopfartigen Narbe (k) weiter unten. 2. Blüte, bei der die Staubgefäße (a) unten und die Narbe (k) im oberen Teile der Blumenkronröhre stehen. 3. Fruchtknoten (o) mit Samenknospen (ov) und Blütenstaubkörnern (p).

In der Erbsenblüte bildet der Fruchtknoten eine einzelne Hülse im Innern der Blumenkronblätter, die mit einem langen Schnabel an der Spitze versehen ist. Wenn du die Hülse öffnest, so wirst du sieben oder acht kleine weiße Kügelchen finden. Das sind die kleinen Erbsen. Wenn man imstande ist, den Fruchtknoten der Schlüsselblume zu öffnen, so wird man dieselbe Art von Kügelchen finden. Sie sind aber außerordentlich klein, weich und durchscheinend. Man kann sie leicht mit dem Finger zerdrücken. Es sind keine wirklichen Samen, sondern nur „Samenanlagen“ oder Samenknospen. Ehe sie zu harten Samen werden können, müssen sich einige von den gelben Pollenkörnchen aus den Staubbeuteln, die über ihnen wachsen, mit ihnen verbinden.

Aus diesem Grunde tragen die Fruchtknoten Spitzen und Schnäbel und Knöpfchen. Die Spitze auf dem Fruchtknoten der Butterblume, der Schnabel am Ende der Erbsenschote und das Knöpfchen oben auf der Röhre, die über den Fruchtknoten der Schlüsselblume hervorragt, sind alle klebrig. Dieses Knöpfchen nimmt also den aus den berstenden Staubkörnern entlassenen Staub auf und sendet ihn durch die Röhre auf die Samenknospen des Fruchtknotens hinab, der sich zu einer Kapsel umwandelt und so die reifen Samen umschließt.

Wenn du nach Hause gehst, so pflücke irgend eine Blume, die du siehst, und versuche, ihren Fruchtknoten zu finden. Du kannst vielleicht in einem Kornfelde eine Klatschrose pflücken. Diese hat einen schönen großen Fruchtknoten, der aussieht wie eine mit einem Deckel versehene Tasse. Unter dem Deckel befinden sich kleine Löcher, wenn der Fruchtknoten reif ist. Der Wind bewegt ihn hin und her und schüttelt so die Samen aus den Löchern heraus. Es sind so viele, daß man sie nicht zählen kann.

Du kannst auch ein Veilchen pflücken, und wenn du dann die farbigen Blätter fortgenommen hast, so wirst du einen sehr sonderbaren Fruchtknoten finden. Denn die Röhre und der klebrige Knoten an der Spitze sehen genau wie der Hals und der Kopf eines Vogels aus. Die Staubbeutel, die dicht um den Fruchtknoten herumstehen, haben eine hübsche orangegelbe Farbe.

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Sumpf-Dotterblume.

III. 3.

⇒ GRÖSSERES BILD

Es gibt eine hübsche rote Blume, die Stockrose oder Malve, deren Fruchtknoten aussieht wie ein runder flacher Käse mit einer in der Mitte stehenden kräftigen Säule. Diese Säule hat acht bis zwölf klebrige Stellen, und rund herum stehen sehr viele gelbe Staubgefäße. Kinder nennen die Samenkapseln der Malve, wenn sie reif sind, und die Säule abgefallen ist, „Käse“.

Aber überrascht wirst du sein, wenn du einen Löwenzahn oder ein Gänseblümchen pflückst, denn du wirst keine Fruchtknoten in der Mitte finden. Der Grund ist der, daß der Löwenzahn und das Gänseblümchen nicht aus einer Blüte bestehen, sondern aus einer großen Menge von Blüten, die zu einer Blume vereinigt sind.

Zerlege eine Löwenzahnblüte, und du wirst finden, daß sich jede kleine Blüte leicht von den übrigen trennt. Es gibt deren mehr als hundert in einer Löwenzahnblüte. Nimm eine von diesen kleinen Blüten in die Hand und betrachte sie.

Am unteren Ende sitzt ein ovaler Sack, das ist der Fruchtknoten. Oben auf diesem stehen einige feine Haare; das sind die Kelchblätter. Dann folgt die gelbe Blumenkronröhre, die auf einer Seite zu einer langen Zunge ausgewachsen ist. Im Innern der Blumenkrone sehen wir die Staubgefäße mit sehr langen Staubbeuteln, die zu einer Röhre fest verwachsen sind. Durch diese Röhre wächst der Griffel mit zwei gelben klebrigen Hörnern, der Narbe, empor.

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Teile des Löwenzahns.

1. Eine einzelne Blüte: (s) Kelchblätter, (p) Blumenkrone, (st) hörnerartige Narbe, (a) Staubgefäße, (o) Fruchtknoten. 2. Fruchtstaude: Vier Früchte sind darauf geblieben. (s) haarförmiger Kelch, (o) Frucht. 3. Vergrößerte Frucht. (o) und (s) wie 2.

Dies zierliche Ding ist also eine vollständige Blüte, die mit ihren Gefährtinnen den Blumenkopf des Löwenzahns bildet. Bei dem Gänseblümchen ist es ebenso mit einigen kleinen Unterschieden. Versuche diese selbst herauszufinden.

Suche die Fruchtknoten der Erbse, des Goldlacks, des Hirtentäschelkrauts, der Butterblume, der Schlüsselblume, des Mohns, der Malve und des Löwenzahns.

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