Kairo. (continued 3)
Reading edition
In der kleinen Oase (Wüsteninsel) Bir-Anoß, welche die Dattelbäume freundlich stimmen möchten, kehrten wir an, uns zu erfrischen. Hier ergötzte mich ein Spiel der Kinder. Sie spießten an drei Datteldorne eine Dattel. Da vergruben sie Datteln nahe an einander in den Sand. Jetzt warf Einer nach dem Andern jene drei an der Dattel vereinigte Dorne nach den unsichtbaren im Sande vergrabenen Datteln, und wer am meisten an den Dornen hervorzog, trug den Sieg davon. Das Spiel will eben nicht viel Gewandtheit, und zeugt von Gewinnlust.
Als wir dann weiter rückten, entzückte mich ein Palmenwäldchen am Fuße der Morgenseite eines Hügels. Die Schalmei erklang lieblich aus dem einsamen Haine. Dort waren Hirten angesiedelt. Diejenigen Araber, welche die Freiheit der Unterwürfigkeit vorziehen, entfernen sich lieber von den Menschen, als daß sie nach den Gesetzen und Launen eines Fürsten leben. Daher wurde selbst die Wüste zum Theile bewohnt. Mich mahnte oft die Wüstenei an unsere Berge und die Leute der Wüste an unsere Bergleute. Einst trieb die Freiheitsliebe die Allemanen vom Rheine auf die Berge der Schweiz. An beiden Orten, in der Wüste der Berge wie der Niederung, waltet mehr oder minder Oede für ein einsiedlerisches Leben. Es ist denkbar, daß man sich an die mit Sodagewächsen bekleidete und mit Hügeln bedeckte Sandwüste ohne viel Ueberwindung gewöhnen könne.
Es verdient, bemerkt zu werden, daß in dieser Gegend die Sandhügel, ihrer eigenthümlichen Form wegen, Pyramiden gleichen. Dieselben sind so glatt vom Winde ausgeblasen, wie unser Schnee oder unsere Windwehen. Sie ziehen im Allgemeinen von Osten nach Westen.
Ehe wir die Post erreichten, genossen wir auf dem letzten Hügel eine sehr ausgedehnte und wahrhaft erquickende Aussicht — Wieder etwas Wassermangel. — Der Dromedar trug mich bis hieher die meiste Zeit, und mit Leichtsinn vergaßen wir bald den gestrigen Kummer.
Wir entschlossen uns, in Kâtyeh zu übernachten. Man wies uns in der Post ein Zimmer an. Es waren so eben auch Mann, Weib und Kinder eingetroffen. Um sich das Reiten bequem zu machen, saßen sie in geflochtenen Kasten (Schekdof), einander das Gleichgewicht haltend. Die Frau begab sich in das Harem.
Kâtyeh ist ein kleines Dorf mit zwei kleinen Moscheen ohne Minaret. Die Gebete werden an denselben gar fleißig und laut vom Muezeinn (Thürmer) gesungen. Abends, etwa anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang, glaubte ich in der Schlaftrunkenheit den Nachtwächterruf zu hören; ich vernahm die silberne, lieblich ernste Stimme des Asche (des fünften Gebetes). Die Wohnungen der Dorfleute, einfacher als alle, so ich bisher sah, sind ohne Dachung. Dattelblätter bilden die große Einzäunung einer Vorrathskammer; darin lag eben ein Haufe Mais. Weil aber der Wind bisweilen den Sand hineinstäubt, so werden die Leute genöthigt, den letztern von Zeit zu Zeit wegzuseihen. Der Vorrathskammer schließen sich die Wohnungen in Form des griechischen Π an; sie sind mithin auf einer Seite ganz offen für Sonnenhitze und Regen.
Auf die Kunde, welche sich in dem wilden Dorfe verbreitete, daß ich ein Arzt sei, kam ein etwa fünfzigjähriger, dürrer, kinderloser Mann mit seiner zum Geschenke bestimmten, rothen Mütze voll Datteln, mich zu fragen, was zu thun sei, damit er Kinder bekomme? Ich hätte den Mann mir jung gewünscht, um wegen einer Antwort nicht in Verlegenheit zu gerathen. Als ich in der Runde spazieren ging, schauten die Weiber und Kinder wie närrisch meine gelb metallenen, glänzenden Knöpfe an, und als ich ihnen meine Taschenuhr zeigte, so sperrte die Bewunderung gar im höchsten Grade ihre großen Augen auf. Laut lachten die weitmundigen, entschleierten Weiber.
Den 12.
Der Weg zog über Hügel gegen Berlaupt. Als ich hier abstieg, fror es mich so nachhaltig, daß ich mich ans Feuer setzte, und nach der Spende der Sonne sehnte. Junge Burschen, die uns umgaben, machten freundliche Mienen, und ich glaubte an ihnen schon einen Uebergang in den weißen Stamm zu bemerken. Vor meinen Augen wandten sie mit ebenso viel Gleichmuth, als Gewandtheit das Glüheisen bei einem Pferde an.
In der Besorgniß, daß mein Dromedar mitten auf dem Wege erliege, sahen wir uns nach einem andern um. Der Posthalter war vor wenigen Tagen gestorben, und die jungen Sprößlinge von leichtem Stoffe, wie Spinnengewebe, trugen kein Bedenken, uns ein Thier anzuvertrauen, so ernstlich auch die im Harem verborgenen Weiber, als würdige Stellvertreterinnen des zarten Geschlechtes, dagegen schreien mochten; nur forderten jene zu stark. Wir wurden endlich einig; schnell ging man, den weidenden Dromedar zu holen.
Nun hatte ich einmal einen guten Läufer, und die Wüste wurde für mich ein Paradies. Indeß bot die Gegend hier auch wirklich die reizendsten Partien dar. Auf einmal kamen wir in einen großen Kessel. Ein Theil des Bodens sah aus, als wenn er mit gefrorenem Wasser und Wasserpfützen überzogen wäre. Dieses Schauspiel gab unser Weg öfter, und eines Morgens konnte ich mich kaum überzeugen, daß ich, statt gefrorenen Wassers, krystallisirtes Salz vor mir hätte. Wie wir aus dem Kessel herausrückten, welch’ Entzücken. Eine ungeheure Ebene, gleich einer Eisdecke, dehnte sich aus, mit einer Lehne gegen Sonnenaufgang, welche die Einbildung zu Seeufern umschuf. Im Nordost spielte die Täuschung mit Palästen einer in großer Ferne liegenden Stadt, und im Norden mit dem Meere. Man durfte dem frohlockenden Herzen kaum offenbaren, daß die Fata Morgana eine Wüste ohne ein einziges Grün sei. In meinem Leben noch nie sah ich eine so vollendete Landebene. Wie sehr ergötzt schon ein kleines, ebenes Gartenbeet; hier aber stelle man sich die stundenlange und stundenbreite Fläche vor. Freilich findet man dergleichen bloß auf kurz angenehm; auf längere Zeit widert die Einförmigkeit an. Wir durchschnitten jetzt andere große Salzebenen, und erst begriff ich die einsamen Schrecknisse der eigentlichen Wüste. Gegen Mitternacht gewann der weiße Salzboden ein so gefälliges Ansehen, daß er an glänzendem Weiß dem Alabaster nicht nachstand. Ein dumpfes Brausen, das ich von der Linken her hörte, blieb mir lange unerklärlich. Den Gruß entsandte das gleichsam hinter der Bühne schwebende Meer; denn von Salzfluthen bot sich nicht eine dem Auge dar. Daß der durchrittene, muschelreiche Boden ein Wassergrund war, leidet keinen Zweifel. Wahrscheinlich breitete sich hier der Sirbonis lacus (Sirbu) aus, der einst 150 Meilen im Umfange hielt und zur Zeit des Plinius nur ein mäßiger Sumpf mehr war. Von der alten Stadt Ostracine (Straki) erblickte ich keine Spur.
Die Poststazion war überaus groß. Doch langten wir vor Untergang der Sonne in Choanat, dem Ziele unserer heutigen Reise, an. Der Postmeister, ein recht artiger Mann, bewirthete uns mit süßem Trinkwasser aus El-Arysch, womit uns ungemein gedient war. Wir würden Champagner-Wein nicht vorgezogen haben. Auch durften wir uns etwas darauf zu gute thun, daß er uns nicht, gleich andern Reisenden, unter freiem Himmel lagern ließ, sondern gastlich in seine Wohnung aufnahm.
Die Posthütte war für mich nicht ohne Interesse. An ihren Mauern bemerkte ich mehrere Versteinerungen. Der kranke Postmeister verlangte von mir ärztliche Hilfe. Es liegen indessen solche Wünsche so augenscheinlich auf der Hand, daß ich sie in der Folge schwerlich mehr berühren werde.
Freitags den 13. Wintermonat.
Mit Tagesanbruch bestiegen wir die Dromedare; ich wieder meinen alten. Rechts erging sich mein Auge an den Sandbergen. Unter den Füßen starrte Salz und Salz. An manchen Stellen bildete dasselbe weißen Krystall, an andern lag es zerbröckelt, grau und mit Sandkörnern vermengt. Eine Weile lang machte ich allein den Weg in der Wüste. Da schritt ein Beduine daher; bald kam auch ein anderer, und beide grüßten einander. Mir schien die Sache nicht geheuer. Ich machte mich in Gedanken mit einem Angriffe vertraut. Auf Hilfe hätte ich wohl nicht zählen können; in der Wüste wäre jeder Hilferuf umsonst verhallt. Ich erblickte kein anderes Wesen in der weiten Runde, als die zwei Beduinen. Ich ritt theilnahmlos an ihnen vorüber; sie schauten mir einige Augenblicke nach, und dann gingen auch sie ihres Weges. Ein solches Begegniß wäre unter andern Umständen ganz unbedeutend gewesen, und auch unter diesen will ich keineswegs mir einbilden, daß ich in Lebensgefahr gestanden habe. Die übrige Zeit hatte ich den Kameeltreiber zum Gesellschafter, der sich fort und fort in seinem kopfstimmigen Singsang gefiel. Nach einem mehrstündigen Ritte erhob sich endlich am Horizonte zu meiner Freude das Meer, das brausende.
Heute begegneten uns überhaupt nicht selten Menschen und viel beladene Kameele. Am Meeresstrande ging es dann fort bis zu einem mit Grün umgebenen Brunnen, wo ich den Polen mitten unter mehrern Leuten und Thieren einholte; denn da mein Dromedar schlecht trabte, ritt jener rücksichtslos weiter. Menschen, die sich um Andere nicht bekümmern, sollten, zu ihrem eigenen Beßten, eine geraume Zeitlang weder ein vernünftiges Geschöpf sehen, noch hören. Unter den am Brunnen gelagerten Leuten befand sich ein Beduine, auf dessen Luntenflinte man mich aufmerksam machte. Von dieser lachenden, kleinen Au, in deren Umgegend wahrscheinlich das alte Rhinocorura in Idumäa (Edom) oder genauer im Lande der Amalekiter (Beduinen), nach Andern in Egypten lag, waren wir bald bei El-Arysch.
Werfen wir einen Rückblick auf die Reise. Unzweifelhaft gewährt sie ihre eigenthümlichen Reize und Vortheile. Wer möchte in der theilweise kahlen und leblosen Wüste von Gespensterfurcht geplagt werden, weil etwa ein Baumwipfel lispelnd sich neigte, eine alte Eiche knarrte, ein faules Holz schimmerte, eine Maus nagte, ein Holzbock bohrte? Wer möchte sich bangen, daß eine Eule schrie, gleich als wenn unsere alten Mütterchen ohne das Eulengeschrei nicht sterben könnten, und so alt werden mußten, wie der ewige Jude Ahasverus? Und so ungehindert kann man in der Wüste wandeln. Weder einem glänzenden Könige muß man ausweichen, noch von einem lumpigen Bettler wird man angehalten. Wenden wir uns jetzt von der Lichtseite auf die Schattenseite. Wiewohl Person und Eigenthum während der Reise durch die Wüste, so zu sagen, sicher sind, so möchte ich dieselbe nicht geradezu rathen, weil sie in überwiegendem Maße beschwerlich und mehr Unglücksfällen preisgegeben ist. Wer seltene Merkwürdigkeiten schauen will, darf aber Opfer nicht scheuen.
Es verdient Würdigung, daß durch die Wüste Posteinrichtungen bestehen, und daß somit das menschenarme Land gleichsam in den Bereich der Kultur gezogen wurde. Dem schaffenden und durchgreifenden Geiste des Mehemet-Ali müssen wir auch hier Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wir dürfen indeß nicht in Vergessenheit bringen, daß die Posteinrichtungen keinen allgemeinen, sondern einen speziellen, keinen bürgerlichen, sondern einen militärischen oder Regierungszweck haben. Der Postillon nimmt keine Pakete an. Die Briefe gehen nicht regelmäßig. Es scheint, daß diejenigen Privaten einer besondern Begünstigung bedürfen, welche der Wohlthat einer ordentlichen Verbindung durch die Post theilhaftig werden wollen.
Uebrigens sind Kameel- oder Dromedarposten nicht das Erdachtniß unserer Zeit. Schon Salomo Schweigger redet von der Kameel- oder Dromedarpost. Zu Rosette, sagt er, hab’ er eines Tages Einen sehen auf der Post reiten „auff einem Cameel“ oder „Dromedar.“
Unsere Reise dauerte fünf Tage und fünf Nächte. Wir brachen in der Regel sehr frühzeitig bei Nacht auf, lagerten und ruheten am Morgen und Abend, im letztern Falle bis über Mitternacht. Wir legten ebenso in der Regel täglich zwei Posten, nur einmal drei zurück, so daß im Ganzen von Kairo bis El-Arysch elf Stazionen gezählt werden. Mit Wassermangel würde man sich im Grunde vergeblich martern, weil das Wasser auf allen Posten genießbar ist, und von den Leuten daselbst wirklich genossen wird. Wir haben freilich lieber einigen Wassermangel gelitten, als mit salzigem Wasser unsern Durst gänzlich gestillt.
Die Witterung war während der Reise schön, die Nächte vom Monde beleuchtet, die Mittagshitze auf dem Thiere leicht erträglich, und nur an ein paar Morgenstunden verspürte ich strengere Kühle. Es ist gut, wenn man sich gegen die Morgenkühle durch Kleider wohl verwahrt. Das Bedürfniß dem Auge ringsum sich anschließender Steppenbrillen gegen den Sandstaub fühlte ich niemals bei der Windstille oder bei dem sehr leisen Winde, die während meiner Reise herrschten, so angelegentlich man mir jene, als etwas Unentbehrliches, in Kairo empfahl.
Statt mit Freudigkeit, erblickte ich die auf einem Sandhügel einsam stehende, niedrige Moschee von El-Arysch eher mit Mißmuth; denn hier wartete auf uns die Quarantäne. Zelt an Zelt, Leute, Kameele, Esel bezeichneten im bunten Neben- und Durcheinander die Gesundheitsanstalt. Wir schauten nach einem Zeltplatze. Eben gefiel uns einer, als es hieß, daß heute dort drei Personen an der Cholera starben. Unter solchen Umständen suchten wir uns, so viel als möglich, abzusondern, und wir schlugen unser Zelt an einem erhabenen Orte, mit der Aussicht auf das Meer und die Wüste, auf das Gebirge des steinigen Arabiens in der Ferne, und auf die in der nahen Vertiefung liegenden Zelte eines Bei, mit Namen Mustafa, eines Gardeobersten. An das Zeltleben noch nicht gewöhnt, sollte ich zwölf Tage hier verbringen, ein Gedanke, der wie Blei auf mein Herz drückte.
Mir that es leid, mit dem Oberaufseher der Quarantäne gleich Anfangs mich zu zerwerfen, als er uns auf einer günstig gelegenen Stelle nicht sitzen lassen wollte. Ich machte ihm vorstellig, daß es unsere Pflicht sei, für die Gesundheit beßtens zu sorgen, daß keine Regierung, welche für die Menschheit mit Achtung durchdrungen sei, uns die Besetzung eines Lagerplatzes von Krankheiten zumuthen könne, und daß, wenn man meinem Wunsche nicht willfahre, mir in Aussicht gestellt sei, die Anstalt nach Verdienen in Europa bekannt zu machen. Dieser Worte Stachel empfand der Mann so lebhaft, daß er einige Schritte vorwärts ging und dann bemerkte: „Ich schicke Sie zurück, wenn — —“ Er wurde endlich nachgiebig, indem er uns an dem ausgewählten Orte das Zelt aufrichten ließ, worauf ich nun gerne schwieg.
Die Quarantäne in El-Arysch.
Gefängniß unter dem Zelte; Regen; Mangel und Ueberfluß; Koch und Küche; Schreibpult und Schreibsand; Macht der Gewohnheit; Mustafa-Bei und seine Frauen; Minnesinger; ein freies Wort über die Einrichtung der Quarantäne.
Der Oberaufseher der Anstalt war aus Livorno gebürtig und von Beruf ein Apotheker. Er schien ein guter Mann zu seyn; auch ließ er sich später mit uns recht freundlich an. Ich vernahm aus seinem Munde kein einziges wissenschaftliches Wort. Wenn ich fragte, welche Krankheiten in diesem Dorfe endemisch herrschen, wie die Sterblichkeit sich verhalte, ob die Cholera in der Nähe oder Umgegend seuche u. s. f., so erwiederte er selbstzufrieden mit nichtssagenden Empfindungswörtern. Oefter wiederholte er den Schmatzlaut, dessen sich der Araber bedient, um sein la (nein) zu ersetzen. Kenntnisse sind keine Last, nur ihr Erwerb ist schwer. Es würden weit mehr Menschen ernster nach jenen streben, wenn sie nur, ohne eine Dornenbahn zu betreten, dazu gelangen könnten. So wenig hassen sie, selbst unwissendere und unthätigere, die Kenntnisse, daß sie vielmehr solche häufig genug an Andern beneiden. Es ist übrigens eine über Geisteshoheit und Gemüthsglück Gedanken mächtig anregende Eigenthümlichkeit, daß wissenschaftlicher Indifferentismus oder Liebe zum Leeren und Leichten manchmal aus nicht minder heiterem Auge strahlen, als große Schocke von Wissen.
In Begleitung eines Arztes oder Halbarztes aus der Abusabler-Schule[29] und eines Effendi Dragoman kam der Direktor zu Pferde in der Regel täglich zweimal, am Morgen und Nachmittage, bloß um nachzusehen, ob die Zahl vollständig sei. Als wir, ein Trupp von fünf Männern, anlangten, ließ er den Namen mehr nicht, als eines Einzigen aufschreiben; man erkundigte sich nicht einmal, woher wir kämen. Nach dem Gepäcke ward so wenig gefragt, als dieses untersucht. Mein Reisegefährte, der polnische Kapitän, schüttelte den Direktor scherzend an den Schultern. Ein benachbarter, kontumazirender Türke, der mehrere Tage nach uns eintrat, hieß, in der Lust, einen unserer Dromedare zu kaufen, seinen Bedienten das Thier reiten. Ich möchte das merkwürdige Schauspiel des Wettrennens auf den Dromedaren im Lazarethe jedem Europäer gegönnt haben. — Einmal ging ein Knecht des Mustafa-Bei ohne Erlaubniß, die Esel auszutreiben. Er wurde dafür mit Stockschlägen bestraft. Ich kann dies so weit bezeugen, daß ich selbst den Schatten des fliegenden Prügels hätte wahrnehmen können, wäre ich darauf aufmerksam gewesen. Der Bei selbst stattete uns einmal einen Besuch ab. Tages vorher pfiff eine Kugel über unsere Köpfe und sank ermattet einige Schritte von uns in den Sand. Ich richtete meinen Blick umher und erkannte den Bei als Thäter. Er wollte eben persönlich sich damit entschuldigen, daß er bloß nach dem Meere geschossen habe, um die Flinte von der Ladung zu befreien; und der Mann, der bei einem Franken wegen eines Schusses sich entschuldigte, ist ein Türke. Es traf sich gerade zu, daß der Direktor in die Quarantäne ritt, als der Bei bei uns weilte. Er fuhr diesen barsch an, daß er die Gesundheitslinie überschreite. Kennst du den Befehl der Regierung nicht? fragte er ihn. Wenn man erwägt, wie oft die Quarantäneordnung, um den mildesten Ausdruck zu wählen, verletzt wird, so muß eine solche einseitige Strenge als lächerlich oder gar als eine Kinderposse erscheinen. Strenge kann immerhin ihren beredten Anwalt bekommen, wenn ihre Nothwendigkeit und Nützlichkeit über den Zweifel hinausliegen; es glättet sich um so mehr ihr rauhes Aeußere ab, je gleichmäßiger und gerechter sie in allen Theilen gehandhabt und je Größeres und Edleres ihr zum Lohne wird. An der Anstalt befinden sich mehrere Marketender. Der eine ließ das Geld eher in den Sand werfen, bis er es annahm; der andere ergriff es aus dem Wasser, wenigstens vor den Augen des Direktors; der dritte steckte das Geld ohne Zeremonie ein, je mehr je lieber. Die Marketender setzen sich keineswegs außer alle Berührung mit den Kontumazirenden. Ich nehme keinen Anstand, die Behauptung aufzustellen, daß von ihnen eine ansteckende Krankheit verschleppt würde.
Wüste und Meer sind Gottes Mauern, welche die Quarantäne umringen. Ohne Aufsicht, doch mit Erlaubniß, begaben sich der Kapitän und ein Türke, jener Kafaß (Polizeidiener), der durch einen Theil der Wüste in unserer Gesellschaft reisete, ans Meer, um sich darin zu baden. Zum Spazieren lag weiter Raum offen. Die Kameelführer trieben ihre Thiere zur Weidung in die Steppe. Nachts konnte man unschwer einen Abstecher ins Dorf machen, von wo man auch Besuche erhielt. Man war sicher, daß von den trägen Quarantäneaufsehern die Leute der Anstalt zur Nachtzeit nie überrascht wurden.
Auf der Wanderung durch die Wüste wiegte ich mich in der süßen Hoffnung wenigstens auf ein ordentliches Obdach. Kleine Sandhügel mit den Vertiefungen dazwischen waren der Quarantäneplatz und Zelte das Wohngebäude. Ich hoffe, daß die Verfasser von Handbüchern die Definizion einer Quarantäneanstalt erweitern, und wen die morgenländische Sitte mit Zaubergewalt an sich zieht, dem möchte ich den Aufenthalt in der El-Aryscher-Quarantäneanstalt empfehlen. Er kann da unter Zelt schlafen, wie unsere Erzväter Abraham, Isaak und Jakob; ihn werden die Kameele höchlich ergötzen, das eine liegend, ein Wiederkauer mit mürrischen Hänglefzen, das andere auf allen Vieren stehend, das dritte auf drei Beinen, weil, um das Thier im Gehen zu hemmen, das vierte aufgebunden wurde; die Esel werden unseren Dilettanten vor Tagesanbruch mit einer Ouvertüre entzücken, gegen welche die sogenannten Meisterwerke Rossini’s nichts, als klägliche Machwerke sind.
Und nun zu unserem Zelte. Ein schmutziges, übelriechendes, löcheriges, kleines Zelt war das ganze Obdach zweier Männer. Ich wußte nicht, ob es den nämlichen Tag, als ich mich unter ihm legte, Leichname gedeckt habe. Ich mußte diesen Gedanken immer plötzlich entfernen, damit er in meinem Gemüthe nicht das Gleichgewicht störe. El-Arysch besitzt einen Reichthum an süßem, gutem Wasser, und die Vorsteher der Anstalt geizen mit ihm, daß sie nicht einmal die Zelte waschen lassen, obschon die Zeit des waschenden Regens nicht vier Monate lang dauert.
Ich richtete mein Bett möglichst gut ein, deckte des Nachts mich ganz, selbst über dem Gesichte, zu, und ich schlief leidlich, ohne zu frieren. Mehrere Tage machte es unter dem Zelte sehr heiß, ja heißer, als in Alexandrien und Kairo. Schwarzes Gewölke drohte einige Tage mit Wasser. Ich hoffte immer, es werde, uns verschonend, sich zerstreuen. Es war vergebene Hoffnung. Der Regen, der so lange nicht mehr in meiner Nähe fiel, netzte unser Zelt und unsere Kleider. Das Schicksal war in der That etwas herbe, und wenn ich es rühmen wollte, so müßte ich der Wahrheit untreu werden. Die Hälfte unserer Quarantänezeit begleitete regnerische Witterung. Doch darf man sich die Sache nicht gar so böse vormalen. Die Witterung beobachtete ihre Nachlässe, und während der letzteren fanden wir leicht Zeit, Zelt und Kleidung zu trocknen. Die Temperatur war über die Regenzeit nicht kalt, vielmehr günstiger, wie vorher, insofern, daß sie weit minder wechselte. Bei wenigen Graden blieb sie Tag und Nacht dieselbe. Ich muß gestehen, daß sie mir vollkommen behagte.
Mit den Marketendern hatten wir mehr, als einmal Schwierigkeiten, da sie die Speisen nicht zu rechter Zeit brachten. Die ersten zwei Tage fühlten wir auf befremdende Weise einigen Nahrungsmangel; denn wir konnten, außer Brot, keine Lebensmittel uns verschaffen. Später hingegen hatten wir eher Nahrungsüberfluß, wenigstens Butter und Schaffleisch, Hühner und Eier, Reis und Brot genug. Dessen konnten sich wohl nicht alle Kontumazirende rühmen. Einen Tag nach unserer Ankunft verlautete es, daß drei Personen starben, — nach der Versicherung des Direktors, an der Cholera. Es wäre möglich, daß diese Personen den Folgen des Hungers oder einer schlechten Ernährung erlagen. Keine Oberaufsicht auf die Lebensmittel haltend, überläßt der Direktor die Kontumazirenden den Launen und Erpressungen der Marketender. Man wäre fast geneigt, vor Gott den Mangel der Anordnung zu beklagen, daß derjenige, welcher am Unglücke Anderer aus Theilnahmlosigkeit Schuld ist, nicht sogleich mitfühlt. Die Fahrlässigkeit des Direktors geht so weit, daß er nicht einmal für eine Apotheke sorgt. Es möchte nun in der Quarantäne erkranken, wer nur wollte, an eine geregelte ärztliche Behandlung dürfte man nicht denken; ein blinder Zufall oder die Kraft der heilenden Natur müßte des Kranken sich erbarmen und ihm die Gesundheit wieder schenken.
Butter, Reis und Fleisch waren unsere Elemente zu schmackhaften Gerichten. Ich kochte selten. Ich war allezeit linkisch ohne die häuslichen Bequemlichkeiten, und mit dem Feueranmachen kam ich bei den wenigen Hilfsmitteln am wenigsten zurecht. Auch unser arabischer Geleitsmann, — ich nenne ihn erst jetzt bei seinem Namen Abu-Tropo, — übertraf mich weitaus in dieser Sache[30]. Wenn er nur ein Glimmchen hatte, so umstreute er es mit Stroh, hielt dieses an den Wind und bald fing es Feuer. Gelang es auf diese Weise nicht, so befächelte er jenes mit seinem breit gestreiften Abba. Dagegen kochte beinahe immer der Kapitän, und zwar verstand er dieses Geschäft vortrefflich. Ueber dem englischen Halbbraten aus unserer Küche im Freien vergaß ich wegen seiner Güte jeden aus einem Gasthofe. Der Holzmangel machte uns mehrere Male guten Rath theuer. Bald krabbelte Abu-Tropo den Dromedarmist zusammen und zündete ihn unter unsern Kochgeschirren an; bald, und das meist, ging er aus, Holz, Stroh oder das staudige Sodagewächs der Steppe zusammenzulesen. Man half sich wohl oder übel, übel zumal dann, wenn der ungezügelte Wind den Regen in das Feuer peitschte. Der Kafaß lebte ein wenig einfacher, als wir. Knetete sein Bedienter den Brotteig in dem dicken und großen Napfe, welchen er auf der Reise mit sich schleppte, so brannte schon ein Haufen Kameelkugeln. Sobald diese in Asche verwandelt waren, legte er den in einen großen Kuchen geformten Teig in die heiße Mistasche. Ein wenig gebacken, und man brach und aß. Mit Zwiebeln, solchen Kuchen, altem arabischen Käse und mit Wasser bereitete sich der Kafaß ein Mahl, welches mein eigensinniger Gaumen verschmähte. Auch wir rösteten einmal, in Ermangelung des Bessern, den Kaffee in der heißen Asche des Dromedarmistes. Schlimmer, als unsere Küche war jedoch das Viktualienmagazin bestellt. Einmal über das andere wurde uns Brot, das dritte Mal eine Keule Fleisch, das vierte Mal ein hübscher Holländer-Käse gestohlen. Durch diese Erfahrung wurden wir zum mindesten etwas vorsichtiger gegen die Raubthiere. Weil Abu-Tropo während der Reise mit zu langen Fingern nach unserm Brote langte, so schöpften wir zuerst auf ihn Verdacht, bis ich in einer Nacht das raubende Thier mit der Beute aus unserm Zelte eilen sah.
Die Zeit vertrieb ich mit Schreiben, Lesen, Kochen, Spazieren und Schlafen. An zehn Tagen setzte ich mein Tagebuch so weit fort, daß ich an jedem Tage beinahe müde ward, und im Ganzen wenig Zeit verlor. Die Noth macht erfinderisch. Ich vermißte mein Federmesser, und ein chirurgisches Bistouri versah seine Dienste. Ich saß auf meine Matratze, nahm das Kissen auf die seitlich gesenkten Kniee, legte das Papier auf diesen Polstertisch und schrieb in solcher Beschränkung recht leicht; ich dachte sogar selten an Unbequemlichkeit, selbst wenn die Regentropfen auf dem Papiere die Tinte neckten. Ich genoß doch des Vortheiles, keinen Mangel an Schreibsand zu leiden; denn nicht nur mein Lager umränderte schöner und feiner Sand, nämlich derjenige der Wüste, sondern selbst aus dem Bette konnte ich ihn fassen, welcher des Nachts sich die ungebetene Mühe gab, zum Ersatze des Stundenrufes mich an die Sandwüste zu erinnern.
Besonders während meines Aufenthaltes in der Quarantäne stellte sich die Wahrheit in lebhaften Farben vor die Seele, wie viel Bedürfnisse und Bequemlichkeiten der Mensch entbehren kann, wenn er nur will oder, so zu sagen, muß. Wie würde ich zu Hause oder in einem Wirthshause gemurrt haben, wenn man mir keinen Tisch zum Schreiben oder keinen Sessel zum Sitzen gebracht hätte? Ohne diese Bequemlichkeit schrieb ich Vieles und, ich darf bei guten Treuen versichern, nicht mehr Undenkwürdigkeiten, als vor dem glatten Tische und auf dem weichen Lehnstuhle. Wenn nur ein Wind unsanft ins Zimmer bläst, wie runzelt man die Stirne? Unser Zelt war so löcherig, daß der Wind oben freiherrlich lustwandelte, ohne sich vor den Kopf zu stoßen, und ich nahm gar keine Notiz mehr von der Wind — beutelei. In dem Brotkuchen, einem schlechten und schweren Gebäcke, fand ich Haare und Spreue. Anderes Brot war nicht zu bekommen, und ich schätzte es so sehr, als unser weißes. Läßt die Köchin ein einziges Haar in die Suppe fallen, man hebt einen Spektakel an, daß die Balken des Hauses sich biegen; welch ein Kapitalverbrechen hat sie begangen; allerwenigstens packt man die Verbrecherin bei den Zöpfen und jagt sie fort. Ich liebe die Reinlichkeit von Hause aus; bei der Unausweichlichkeit aber, im Leben draußen mit unreinen Dingen hin und wieder fürlieb nehmen zu müssen, drängten sich mir manche Widersprüche der Europäer auf. Kann man viel Unreinlicheres ersinnen, als jenes Ekelhafte in ein Tuch auffangen und bei sich aufbewahren? Der Athem eines Andern kann höchst unreine Stoffe ausführen, und wir athmen diese ganz vergnüglich ein. Beinahe jedes Geldstück trägt seinen Schmutz. Wir betasten gleichwohl das Geld und das Brot so oft und oft am gleichen Tage und mit der gleichen Hand, ohne diese zu waschen.
Die Macht der Gewohnheit ist groß, und man denke sich nicht bald etwas so schlimm, an das man sich nicht mit Zeit und Weile ziemlich leicht gewöhnen könnte. Die Gewohnheit macht das Schwere nach und nach leichter, das Harte gelinder, das Bittere süßer. Die Vorstellungen verdüstern das menschliche Leben am meisten. Die Gegenwart erscheint selten so herbe, als das ängstlich wartende Gemüth sie noch unten in der Zukunft zu fühlen glaubt.
Unser Nachbar, der mehrerwähnte Mustafa-Bei, hatte seine Zelte in einer Telle aufgeschlagen, welche unser Auge beherrschte. Den Preis des schönsten Zeltes verdiente das Haremzelt, das heißt, der abgesonderte Ort der Frauen Beiïnnen. Dieses Zelt war grün, und als Zierde verbreitete oben ein Stern seine goldenen Strahlen. Von dem Hauptzelte lief ein Zeltgang in ein kleines Zelt, dessen Nutzen sich leicht errathen läßt. Die Frauen, vier an der Zahl, gingen selten aus. Die Kinder hörte ich zuweilen bis in unser Zelt weinen. Die Dienerschaft des Offiziers war sehr zahlreich. Das Aufbrechen aus den Zelten zwei Tage vor unserer Abreise gewährte einen köstlichen Anblick. Der morgenländische Luxus belud über zwanzig Kameele mit Gepäcke. Die Frauen verließen wie Gefangene das Harem, die Erstbegünstigte voran. Schöner grüner, auch rother Zeug umkleidete die Sitze (das Schekdof) auf jeder Seite des Lastthieres.
Unsere Luft erfüllten die Vögel mit vielstimmigem Gesange. Der Rabe krächzte, die Schwalbe zwitscherte, der Staar pfiff, wie bei uns der eben flügge gewordene, und der Sperling schnarrte in die Leier des Zeisigs. Vor dem Witterungswechsel und während desselben sah ich Staare mehrere Male in der Richtung von Sonnenaufgang gegen Niedergang schaarenweise vorüberziehen. Einmal schwärmte der Storch hoch gegen Kairo. Nachts, bei Grabesstille, brausten die in unzähligen Muscheln des Meerufers gefangenen Wellen mein Ohr voll.
Erheben wir uns jetzt mit ruhiger Fassung auf den Standpunkt, um einen Gesammtüberblick auf die Quarantäne zu werfen, so wird man die gute Absicht, Länder, hier Syrien, vor der Pest zu sichern, nicht mißkennen, man wird sie ehren; man kann sich aber nicht bergen, daß, in dem gegebenen Falle, das Mittel dazu nicht nur unzureichend ist, sondern sogar die Menschen herabwürdiget. Denn das Sittengesetz erlaubt nie, daß man krankmachende Anstalten, gleich der vor Augen liegenden Quarantäne, ins Dasein rufe, um einen krankheitsschützenden Zweck zu erstreben, wenn zu gleicher Zeit, wie hier, vom krankmachenden Mittel, wenigstens zum Theile, Umgang genommen werden kann. Will Mehemet-Ali das zweckmäßige Sperrsystem der Europäer nachahmen, so soll er ihm nicht Kopf und Hände abschneiden, er soll es in seinem ganzen Umfange aufnehmen, er soll wenigstens Gebäude aufführen, worin der Kontumazirende doch vor dem Ungestüme der Witterung möglichst sicher bleibt. Wie froh wäre ich gewesen, wenn nur eine elende Araber-Hütte, dergleichen man in Alexandrien und an den Gestaden des Nils und auf den Hosch in Kairo sieht, zu meiner Verfügung gestellt worden wäre. Man wird vermuthlich entgegnen, daß das europäische Sperrsystem in seiner Ganzheit befolgt, bloß den Sitten und den Verhältnissen der Leute und des Landes angeeignet ward. Diesen schweren Irrthum widerlegt nichts gründlicher und triftiger, als die Quarantäneanstalt zu El-Arysch selbst, insofern man sie mit unbefangenen Augen betrachtet. So lange man in der That dem unwidersprechlich großen Uebel nicht steuert; so lange wird der aufmerksame Beobachter in der fraglichen Anstalt nichts, als ein Blendwerk für die Bewohner der vorwärts liegenden Länder erblicken, so lange kann er auch den Gedanken an eine ungerechte und grausame Behandlung der Kontumazirenden nicht daniederhalten.
In Kairo besteht ein Gesundheitsrath, welcher das Gesundheitswohl der vizeköniglichen Unterthanen, eigentlich mehr der Soldaten, überwacht. Es wäre gut, wenn er nicht nur die anzustellenden Aerzte der Armee und der Quarantänen, die Lehrer der Schule zu Abusabel dem Kriegsminister vorschlüge, etwa einige Arzneiformeln für die angestellten Aerzte entwärfe, die Pestordnung abfaßte, sondern wenn er allenthalben genauer beaufsichtigte. Die Inspekzionsreise eines gewissenhaften Arztes nach El-Arysch müßte die Frucht bringen, daß einem Unwesen, welches das menschliche Gefühl in seiner Tiefe beleidigt, Einhalt gethan würde. Wenn mich jemals ein Kitzel zum Schreiben an eine fremde Behörde angewandelt hätte, so würde ich ihn diesmal gefühlt haben, um dem Präsidenten des Gesundheitsrathes, Clot-Bei, und dem zweiten Mitgliede, Dr. Gaëtani, die Schattenseite der Quarantäne zu schildern. Ich ging für einmal über die Sache mit Stillschweigen hinweg, mich glücklich genug schätzend, daß ich während der Zeit meines Gefängnisses von keiner Krankheit ergriffen ward.
Die letzte Nacht in der Quarantäne verlief nicht, ohne daß uns ein Kapitel über das Eigenthumsrecht gelesen wurde. Thiere schlichen in unser Lager, und wirklich ward ein, mittels einer Schnur innen an das Zelt gebundenes lebendes Huhn von einem Hunde oder Schakal geraubt.
Ende des ersten Bandes.
Verbesserungen im ersten Bande.
S. 7 Z. 4 von oben lies Salvore statt Savore.
„ 25 „ 1 „ „ „ einem Andern st. einen Andern.
„ „ „ 10 „ unten „ bunt darauf, der Dorfschulze, versteht sich, am breitesten. Cesare etc.
„ 36 „ 1 „ oben setze nach Gebirge ein ,
„ 44 „ 10 „ „ lies Vor gutem Winde.
„ 48 „ 12 „ unten „ anhaben st. anheben.
„ 53 „ 11 „ „ „ vor st. von.
„ 64 „ 5 „ oben streiche nach Mela das ,
„ 68 „ 9 „ unten lies Wild- st. Waldgewächse.
„ „ „ 7 „ „ „ unsanft st. umsonst.
„ 72 „ 5 u. 4 von unten streiche zu observiren.
„ 74 „ 8 von unten lies asphyktisch st. asphytisch.
„ 92 „ 1 „ oben „ welcher st. welches.
„ 95 „ 6 „ „ „ von dem Abendländer.
„ 122 „ 3 „ „ „ Geknirre st. Gewirre.
„ 131 „ 6 „ „ „ Schubbra st. Subbra.
„ 137 „ 6 „ unten „ Chamsîn st. Chamasîn.
„ 142 „ 11 „ oben „ lebt st. liebt.
„ 148 „ 6 „ unten „ seinen Flitter.
„ 151 „ 3 „ oben „ Gîsa st. Gisâ.
„ 163 „ 9 „ unten „ fischartige st. frischartige.
„ 170 „ 8 „ oben „ Gebrauch st. Geruch.
„ 178 „ 8 „ „ „ bekehren st. belehren.
„ 212 „ 9 „ unten „ des Gürtels st. der Gürtel.
„ 213 „ 11 „ oben lösche es.
„ 219 „ 2 „ „ lies stächen st. stechen.
„ 254 „ 4 „ unten „ Abbate Casti gli animali.
„ 261 „ 1 „ „ „ von dem Mitmenschen.
„ 272 „ 11 „ oben setze ein : nach Klinik.
„ 278 „ 7 „ „ lies echt st. recht.
„ 279 „ 8 „ „ „ erwecken st. erzwecken.
„ 280 „ 9 „ unten „ Matthiolus.
„ 284 „ 9 „ „ „ ritt st. will.
„ 287 „ 10 „ „ „ ed st. e.
„ 298 „ 4 „ oben setze ein ; vor Idumäa.
„ 305 „ 9 „ „ lies knirrte st. kirrte.
„ 306 „ 8 „ „ „ er st. es.
Nicht sinnstörende Druckfehler (z. B. 1, 19 Schemmel st. Schemel, 1, 103 Letze st. Letzte, 1, 123 faullenzt st. faulenzt, 1, 181 schlossen st. schloßen, 1, 211 pauckte st. paukte, 1, 303 Regen st. Regnen, 2, 162 Montag st. Montags), insbesondere der Interpunkzion, wenigstens im ersten Bande (z. B. S. 8, 26, 28), so wie auch die Ungleichheit in der Rechtschreibung (z. B. Kroazien neben Kroatien, lange Weile neben Langeweile, Pfennige neben Pfenninge, Bogen neben Bögen, Reiß neben Reis) wolle der Leser selbst verbessern.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Reise nach Jerusalem 1.
Einige geographische Bemerkungen über Syrien 13.
Einige Bemerkungen über die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Bewohner in Syrien 15.
Gaza 28.
Fortsetzung der Reise nach Jerusalem 30.
Ende der Reise dahin 38.
Jerusalem.
Oertliche und klimatische Verhältnisse 46.
Gesundheitszustand und Bevölkerung 52.
Bauart der Stadt 53.
Die Kirche des Christusgrabes 56.
Liegt das Grab Christi in oder außer der jetzigen Stadt Jerusalem? 63.
Die Gräber der Könige 69.
Die Grabhöhle der Maria 71.
Die Grabmale Absaloms, Josaphats und Zachariassen 72.
Der Brunnen Siloah 73.
Die Felsanhöhe Zion 75.
Der Oelberg 79.
Die übrigen Merkwürdigkeiten 81.
Physiologischer Karakter der Einwohner 82.
Sitten und Gebräuche 83.
Die Tracht 84.
Das Kriegsvolk 87.
Die Pilger 94.
Der Geist der Christen 97.
Der Ablaß der römisch-katholischen Kirche 99.
Der alte deutsche Pater und die große Apotheke 102.
Meine Zelle im Kloster des Erlösers 104.
Der Führer um und in Jerusalem 106.
Rückblick auf Jerusalem 108.
Ausflug nach Bethlehem 110.
Die Beschiffung des Lothssees 115.
Nach Jaffa am Mittelmeere 116.
Jaffa.
Lage, Gassen, Hafen, Bevölkerung 121.
Jaffa, wie es ehemals war 123.
Die Tageslänge 125.
Witterungsbeschaffenheit 127.
Der Meeressturm und der Schiffbruch 128.
Gesundheitszustand 132.
Auf dem Hospizdache 136.
Das Bauernhäuschen 138.
Das Quarantänegebäude oder Pestlazareth 145.
Die Jaffanerin kommunizirt, besprengt sich 147.
Der Jaffaner 149.
Die Pilger 150.
Die arabische Knabenschule der Lateiner 152.
Der Gruß 156.
Die Brautwerbung und die Hochzeit 159.
Die Wöchnerin und das Kind 167.
Wiegenlied und Kinderjucks 170.
Die Verehrung der Todten 173.
Die Rekruten oder die Konskribirten 176.
Das Weinen oder die Raserei am Neujahrstage 1836 179.
Ibrahim-Pascha 184.
Kleine Petschaften oder Siegel 186.
Der Hakim 187.
Die Fleischbank 189.
Der Zuckerrohrmarkt 191.
Der Tabakschneider 193.
Der Nargilebediente; die Rauchvirtuosität 196.
Der Kaffeeröster und Kaffeezerstößer 197.
Der Baumwollereiniger und Schilfdeckenweber 199.
Der wandernde Schiffer und Kinderspiele 201.
Spiel der älteren Leute 202.
Meine Lebensart 205.
Ich lese die Bibel 209.
Ein Pater sagt, ich werde des Teufels 210.
Wie die Gleißnerei im Namen der heiligen Religion einen Unschuldigen prügelt; laue Konsulats- und Mönchspolizei 212.
Der Konsul Damiani; mein Besuch in seinem Hause 217.
Vorbereitung zur Abreise 222.
Nach Rhodos 226.
Rhodos.
Lage, Himmel, Volkszahl 236.
Die Stadt Rhodos 238.
Das Leichenfeld 241.
Die Bewohner; das lateinische Hospiz; Knabenspiel; große Hähne 243.
Der Abend im Schiffsraume 247.
Spaziergang gegen Trianda 248.
Nach Konstantinopel, Triest und heim 251.
Anleitung zu der Pilgerfahrt nach Jerusalem 256.
Schlußbetrachtungen 267.
Bei Orell, Füßli u. Comp. in Zürich ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu finden:
Appenzellischer
Sprachschatz.
(Idioticon.)
Eine Sammlung
appenzellischer Wörter, Redensarten, Sprüchwörter, Räthsel, Anekdoten, Sagen, Haus- und Witterungsregeln, abergläubischer Dinge, Gebräuche und Spiele, würzender Lieder oder Reime; nebst analogischer, historischer und etymologischer Bearbeitung einer Menge von Landeswörtern, zum Theil nach altteutschen Handschriften der katholischen Kantonsbibliothek in St. Gallen,
Herausgegeben
von
Dr. Titus Tobler.
gr. Real-8. 522 Seiten. Weiß Druckpapier. Preis: 8 Schweizerfranken.
Es bedarf nur eines flüchtigen Blickes in diese ausgezeichnete, verdienstvolle Sammlung, um ihren Werth zu erkennen und sie lieb zu gewinnen. Hier ist der weltbekannte, fröhliche, kräftige Witz des Appenzellers in seiner originellen Volkssprache, sein heiterer, freier Geist in den mannigfaltigsten Aeußerungen und Beziehungen auf das Leben reichlich ausgebreitet. Gründliche Sprachforschung und gleichzeitig anziehende Unterhaltung wechseln in buntem Gemische.
Freunde des schönen Alpenlandes, die Kurgäste, so jährlich Gais und die übrigen Kurorte des Kantons Appenzell besuchen und mit den Bewohnern desselben in Berührung kommen, erhalten durch diesen Sprachschatz den Schlüssel zu mancher geistreichen und originellen Aeußerung, die sonst größtentheils für sie verloren geht oder unverständlich bleibt. Ihnen, sowie den gelehrten Sprachforschern überhaupt, darf dieses, von dem achtungswerthen Herrn Verfasser mit unermüdlichem Fleiß entworfene, lebendige Volksgemälde, eine wahre Bereicherung öffentlicher Bibliotheken, mit Zuversicht anempfohlen werden.

Original-Abbildung
Fußnoten: