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Leid und Freud einer Erzieherin in Brasilien

Inhalt (continued 4)

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„Das große Ding war auch zu unleidlich geworden“, sagte ich, begann jedoch unwillkürlich, ich weiß nicht warum, das „unleidliche“ Ding mit erneuter Sanftmut zu halten.

„Geben Sie her“, sagte Mr. Hall, „ich werde sie Ihnen für den Rest des Weges tragen.“

„Ah! — aber wie?“

„Hier in diesem Sack; den kann ich so an meinen Sattel hängen... Sehen Sie, so!“

„O danke!“

Grete, wenn ich nur nicht so zerzaust ausgesehen hätte! Ich freute mich förmlich, daß es nicht mehr weit war bis nach Saõ Sebastiaõ. Aber wo mochte Mr. Hall hinwollen, und wo kam er her?

Ich scheute mich, ihn zu fragen, aber ich hätte es zu gerne gewußt. Wir sprachen überhaupt wenig, aber ich hatte so eine Ahnung, als müsse er nach Saõ Sebastiaõ reiten.

Jetzt kam ein Seitenweg, da wollte ich es schon erfahren.

„Sie sollen um meinetwillen aber keinen Umweg machen“, sagte ich. Gretel, das war doch gewiß fein ausgedacht, und ich dachte, er würde nichts merken, aber er machte ein so drolliges Gesicht zu dieser Bemerkung und ich wurde so rot dabei, daß ich sie augenblicklich zehntausendmal mehr verwünschte, als vorhin die Tücken der Melone.

„Ich reite meinen Weg“, lächelte Mr. Hall.

„Ja, wollen Sie denn auch —“

„Nach Saõ Sebastiaõ, ja, genau wie Sie; ich komme von der Fazenda Santa Catharina.“

„Aber was —?“

Es machte ihm augenscheinlich Spaß, mich neugierig zu machen, was er in Saõ Sebastiaõ wolle, bis er mir zuletzt die Maschinen-Angelegenheit erzählte. So kamen wir zusammen auf Saõ Sebastiaõ an. Du kannst Dir denken, daß Souzas nicht wenig erstaunt waren zu finden, daß wir beide uns recht — oder ziemlich — ich meine, daß wir beide uns schon kannten.

Er blieb nur einen Tag, aber diesmal war es so, als sei ich dazu bestimmt gewesen, mich einfältig zu betragen. Was mag er nur jetzt von mir denken!

Als er nämlich gegen Abend fortreiten wollte, kam er, um mir Adieu zu sagen, in’s Schulzimmer, wo ich allein war und sang. Ich stand auf vom Klavier und reichte ihm die Hand. Da hielt er sie wieder fest in der seinen, wie an jenem Abend in Saõ Paulo und sah mich ebenso an wie damals. Diesmal aber sagte er auch etwas — viel war es nicht — nur „Ulla“ — aber, Grete, mir war’s, als hätte ich meinen Namen noch nie zuvor gehört. Mir wurde einen Augenblick ganz wirr und betäubt zu Mute und dann — — bin ich dumme, ungezogene Gans davongelaufen und habe mich nicht wieder blicken lassen, bis er fortgeritten war. Werde ich denn ewig kindisch bleiben!

Deine unartige Ulla.

Er hat mir auch gesagt, Emersons wollten mich nächstens zum Ball einladen; ich freue mich schon furchtbar darauf — ein Ball ist doch ein entzückendes Vergnügen, meinst Du nicht auch, Herzensgrete?

Himmel, was er nur denken mag!

Ulla von Eck

George Hall

Verlobte.

Saõ Paulo, im Januar 1883.

Süße Grete, es war auf dem Ball! Ich habe ja immer für Bälle geschwärmt!! Nun schreibe ich nicht mehr. Wir kommen bald beide, und ich — als

Deine überglückliche

Ulla Hall.

Wie drollig sich das anhört!

Druck von Greßner & Schramm in Leipzig.

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