Zweiter Abschnitt. Die Bestandteile der Symbolik (Schönheit).
Reading edition
5. Die Zeichen.
Umsonst, daß trocknes Sinnen hier die heil’gen Zeichen dir erklärt. Goethe Faust I.
a) Die Erkennungszeichen.
Zeichen zur Erkennung gewisser Eigenschaften von Orten und Personen, zur Mitteilung von Gedanken und zur Aufbewahrung von Dingen verschiedenster Art hatten die Menschen schon seit grauester Urzeit im Gebrauche. Die Tatuierungen bei Völkern geringer Kultur verkündeten den Stamm und die Taten der Leute, auf deren Haut sie eingeätzt waren. Verschiedenfarbige, in Kerben geknüpfte Schnüre hielten im alten Peru die Erinnerung an Tatsachen wach. Krause, Zeichnungen und Malereien an Felsen findet man in allen Erdteilen. Bilder von Gegenständen oder die solche vorstellen sollten, in Ägypten die Hieroglyphen, in Babylonien die Keilzeichen, in China die sonderbaren Silbenzeichen, waren die ältesten Schriften. Diese vereinfachten sich nach und nach, so daß keine Bilder mehr zu erkennen waren. Solche für den Uneingeweihten rätselhafte Zeichen waren die germanischen Runen und sind noch die heute gebräuchlichen Buchstaben aller Sprachen. Zeichen, die nicht zur Gedankenmitteilung dienen, sind die Hausmarken, die das Eigentum an einer Sache, die Künstlerzeichen, die den Verfertiger eines Werkes anzeigen, wohin auch die Steinmetzzeichen an den Arbeiten der Bauleute gehören, sowie die Fabrikzeichen und anderes. Die Logenzeichen erfüllen denselben Zweck, nur daß die Angehörigen sie bloß in den Versammlungen tragen. Die Freimaurerei verfügt aber auch über Erkennungszeichen, die keine Dauer haben und nur zum augenblicklichen Eindruck auf die Sinne des Gesichts, Gehörs und Gefühls bestimmt sind, wie sie schon bei den alten Steinmetzen gebräuchlich waren. Die einfachen dieser Erkennungsmerkmale sind die mit der Hand gegebenen, das Freimaurerzeichen und der Griff oder Händedruck. Die Hand ist überhaupt derjenige Körperteil, der in der Freimaurerei die meiste Anwendung findet. Sie ist das Organ des Schaffens, Gestaltens, Wirkens und Ordnens. Das maurerische Zeichen für das Gesicht besteht in einer Bewegung der Hand am Körper, das für das Gefühl im herzlichen Drucke zweier rechten Brüderhände. Beides verändert sich in gewissem Maße mit dem Übertritt in die oberen Grade. Der Handschlag besiegelt auch außerhalb des Bundes eine Freundschaft, ein Geschäft, einen Vertrag; unter Brrn. ist er ebenfalls eine Bekräftigung der Zusammengehörigkeit. Ja man spricht figürlich von der Hand Gottes, des Schicksals u. s. w. Man bietet die Hand zur Hilfe, ohne daß dies wörtlich gemeint ist. Die offene Hand bedeutet den Frieden, die als Faust geballte den Kampf. Bei den Römern bedeutete Manus die väterliche Gewalt über die Kinder und die des Gatten über die Frau. Noch eine andere Bestimmung hat in der Freimaurerei die Hand, die des Anklopfens, das wieder je nach dem Zwecke und nach dem Grade verschieden ist und das Nahen brüderlichen Besuchs versinnbildlicht.
Umständlicher sind schon die maurerischen Erkennungszeichen für das Gehör, und zwar gibt es da wieder einfachere und verwickeltere. Das einfachere ist das Wort, das ebenfalls mit dem Grade wechselt und unter Umständen buchstabiert wird, um die Eigenschaft als Freimaurer zu beurkunden.
Diese Worte sind alle dem Hebräischen entnommen und haben eine auf das Maurertum übertragene Bedeutung. Wichtiger ist das Wort, das ein Br. als Beteurung oder Versprechen abgibt; es ist so bindend wie irgend eines, das von einem Ehrenmanne gegeben wird, ja noch bindender, weil es unter Brüdern lebt. Ausführlicher sind die als Mittel der Erkennung von Brrn. durch Fragen und Antworten gegebenen Sätze, die den Inhalt der Katechismen aller Grade ausmachen und eine Zusammenfassung aller in diesen erteilten Lehren enthalten. Jedenfalls aber steht über dem Wortlaute der Geist, der durch selbes zum Ausdrucke kommt.
Übersicht:
Leitende Idee: der Erkennungs- zeichen: Soziale Bedeutung:
Weisheit. Wort. Freiheit.
Schönheit. Handzeichen. Gleichheit.
Stärke. Händedruck. Brüderlichkeit.
b) Das Not- und Hilfszeichen.
Einzig und allein den Meistern wird ein gewisses Zeichen mitgeteilt, durch das sie in Notfällen von solchen, die es verstehen, Hilfe verlangen können.
Rührende Geschichten werden von Zeit zu Zeit in maurerischen Zeitschriften erzählt, wie dieses Zeichen gewirkt habe und wie schön es sei, so einem Br. helfen zu können! Es liegt dieser Auffassung aber ein Irrtum zu Grunde, der tiefer sitzt als nur im Not- und Hilfszeichen, ein Irrtum, der leider in vielen, wo nicht in den meisten Logen großgezogen wird. Dieser Irrtum besteht darin, daß Freimaurerei und Humanität miteinander verwechselt werden, also Form und Inhalt, gerade wie bei den kirchlich Gläubigen, welche ebenfalls Kirche und Religion verwechseln. Dies bringt die Letzteren dahin, außerhalb ihrer Kirche keine Religion anzuerkennen, so daß sie die Menschen, die nicht ihres Glaubens sind, verachten und sie von Glück und Seligkeit, ja von allen Menschenrechten ausschließen. Gerade so denken und handeln traurigerweise auch die meisten Freimaurer. Alles was die Füße nicht in den r. W. stellt, ist ihnen „profan“. Dieses häßliche und abscheuliche Wort, welches die aufgeblasenste Selbstvergötterung und die empörendste Menschenverachtung bei denen kundgibt, welche die Priester und Apostel der Humanität sein sollen, ist aus unseren Schriften längst verbannt. Wir haben auch dahin zu wirken versucht, daß die deutschen Maurer es überhaupt aufgeben, aber umsonst. Sogar die freisinnigsten Maurerzeitschriften, welche jeden Zopf in der Maurerei unbarmherzig bekämpfen, hängen fortwährend an der Bezeichnung „profan“ für die untergeordnete Menschenklasse, welche die Logen nicht besucht, — mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre. Man sieht daraus, daß diese Maurer die Nichtmaurer gründlich verachten und auf sie mit demselben mitleidigen Hochmut herabsehen, wie die Gläubigen irgend einer Religion auf die Ungläubigen, Ketzer und Schismatiker. Und dies ist wahrlich kein Wunder. Der in den Logen gewöhnlich herrschende Ton erzieht die Brr. förmlich dazu, in den „Aufgenommenen“ eine Art höherer Menschheit anzustaunen. In den meisten freimaurerischen Reden und Vorträgen, die man liest und hört, ist nur von den Pflichten der Brr. gegen Brr. und selten oder nie von denjenigen gegen alle Menschen die Rede. Man hört nur von der Erziehung der Brr. zur Selbsterkenntnis und Selbstveredlung, niemals von derjenigen anderer Menschen. Und so kommt es denn auch, daß in freimaurerischen Kreisen meist allgemein geglaubt wird, der Begriff der Humanität bestehe lediglich in demjenigen der Freimaurerei, diese beide seien identisch oder es gebe keine Humanität außerhalb der Freimaurerei, und die nichtmaurerische Menschheit wisse daher nichts von Humanität. Denn letztere ist eben den hier gemeinten Brrn. nur unter dem Namen der Freimaurerei bekannt und diese haben keine Ahnung, daß sie schon Jahrtausende vor der Existenz des Bundes gelehrt wurde und heutzutage außerhalb desselben viel ausgebildeter ist, viel folgerichtiger und allseitiger geübt wird als innerhalb der Logen. Denn in welcher andern Gesellschaft der zivilisierten Welt werden noch Nichtchristen oder Farbige oder Uneheliche (wie in England) oder Freidenker von der Aufnahme ausgeschlossen? Ja in dem freigesinnten Teile der nichtmaurerischen Welt ist die Humanität bereits eine so selbstverständliche Sache, daß ihrer kaum gedacht wird. Ja sogar ganz dieselben moralischen Lehren, welche die Maurer in Schule und Kirche, wie in nichtmaurerischen Büchern tausend und abertausendmal gehört und gelesen haben, — ganz dieselben einfach menschlichen Regeln, Gebote und Vorschriften halten sie allen Ernstes in der für etwas ganz Neues, dem Freimaurerbunde Eigentümliches! Es wäre wirklich unglaublich, wenn es nicht erwiesenermaßen wahr wäre! Mit heiligem Ernste muß man zu hunderten von Malen wiederholen hören, die allein sei der heilige Boden, auf welchem sich Männer aller Religionen, Nationen und Stände treffen; man muß es sogar von solchen begeistert ausrufen hören, welche einzelne dieser Menschenklassen vom Bunde ausschließen, — und die große Menge der Brr. denkt nicht daran, daß dasselbe in nichtmaurerischen Gesellschaften in noch viel weitherzigerm Maße der Fall ist!


Und aus diesem dünkelhaften Wahne stammt denn auch das unglückselige Not- und Hilfszeichen. Dasselbe kann und wird niemals einen andern Sinn haben, als daß man nur Brrn. helfen müsse, anderen Menschen aber nicht. Derjenige, der auf das N. u. H. Z. hin helfend eingreift, würde also in demselben Falle nichts tun, d. h. unter Umständen den Betreffenden ruhig zu Grunde gehen lassen, wenn derselbe kein Maurer wäre! Soll das irgend etwas mit Humanität zu tun haben? Steht da der verächtlich behandelte „Profane“ der ohne Zeichen und Ausweis als Mensch hilft, nicht weit höher? Ein Br., der als Soldat den, der das Zeichen macht, schont, den Andern aber niederhaut, — ein Br., der als Lootse ein Schiff mit der dem Zeichen gleichstehenden maurerischen Notflagge[6] (Z. u. W. auf blauem Grunde) rettet, das eines Nichtmaurers aber untergehen läßt, — handelt er aus irgend welchen menschlichen Regungen, aus humanem Pflichtgefühl, und nicht vielmehr aus ungern und zögernd beobachtetem Logengehorsam?
Wir halten daher das N. u. H. Z. für eine ganz inhumane und daher, weil Humanität der Inhalt der freimaurerischen Form ist, auch unmaurerische Erfindung und befürworten die gänzliche Abschaffung dieser ohnehin veralteten und unpraktischen, vor allem aber die Humanität fälschenden und höhnenden Einrichtung.
Ist ein Br. in äußerer persönlicher Gefahr — — und nur diesen Zweck hat das N. und H. Zeichen — so reicht bei sittlich zuverlässigen Menschen der Hilferuf vollkommen aus.
Wir haben nichts mehr beizufügen, als die Hoffnung, die Brr. möchten immer mehr erkennen, daß sie nicht besser sind als andere Menschen, daß niemand das Recht hat, andere als „profan“ zu verachten und daß wir Freimaurer höhere Pflichten und einen höhern Beruf haben, als längst breitgetretene und überall bekannte moralische Lehren immer noch breiter zu treten und zum Überdruß zu wiederholen und uns selbst zu betören, daß damit etwas Verdienstliches geschehe, ohne daß jedoch darin der mindeste Nutzen für irgend jemanden bewirkt wird!
6. Die Zieraten.
Mit unsern Gunsten, sei’s mit unserm Willen, der schauen will, was wir verhüllen. Goethe Faust II.
a) Der Loge.
Unter „Zieraten“ verstehen verschiedene freimaurerische Quellenschriften ziemlich verschiedenes. Im allgemeinen kann angenommen werden, daß unter „Zieraten“ die Ausschmückungsgegenstände der Loge verstanden werden, während man unter „Kleinodien“ die von den einzelnen Brrn. getragenen Verzierungen (Dekorationen, Ornamente) zusammenfaßt. Wir bringen hier beides unter einen Titel, erlauben uns aber, davon dasjenige auszunehmen, was nach unserer Ansicht besser in ein anderes Kapitel fällt, und das um so mehr, als der Name wie gesagt, ohnehin schwankend ist. Meistens ist das, was hier wegfällt, dasjenige, was nach unserer Auffassung eine höhere, ideale und historische Bedeutung hat.
Als Sammelplatz der Logenzieraten, wie auch der nachher zu behandelnden Werkzeuge und Sinnbilder, jedoch in einer nach den Lehrarten verschiedenartigen Anordnung und Zahl, ist der Teppich (Tapis) zu betrachten. In den ersten Zeiten des Bundes wurde in Mitte der Loge, gewissermaßen als ihr verkleinertes Abbild, oder wie man sagte, als solches des Salomonischen Tempels, vor Beginn der Arbeit mit Kohle oder Kreide ein längliches Viereck auf den Boden gezeichnet und nach Beendigung der Arbeit wieder ausgewischt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann man, um diese mühsame Arbeit zu ersparen, an die Stelle des länglichen Vierecks einen ebenso geformten Teppich zu legen, den man nach den Teppichen der mosaischen Stiftshütte (2. Mos. 26) erklärte. Seit 1761 wurden auf den Teppich je nach dem Geschmacke oder der Lehrart Gegenstände der freimaurerischen Symbolik gemalt, an manchen Orten erst später; hier und da begnügte man sich statt des T. gemalter und zusammengefügter Bretter. Der T. wird auch Lehrlingstafel genannt, weil den Lehrlingen die auf ihm angebrachten Zeichnungen als Sinnbilder von Tugenden und religiösen Ideen erklärt werden.
Das verhältnismäßig junge Alter des T. hat gelehrte Brr., trotz der Verschiedenheit seiner Darstellungen, nicht verhindert, aus diesen tiefe Geheimnisse einer alten Religionslehre herauszulesen. Weil es den Gründern des Bundes, welche insgesamt orthodoxe Christen, und zwar nach englischer Art mit besonderer Vorliebe für das Alte Testament waren, gefiel, den Teppich als Bild des Tempels Salomos zu betrachten, sollte er nach früher allgemein herrschender Ansicht auch aus diesem Bauwerke stammen. Damit aber waren die Brr. M. S. Polak in Amsterdam und Dr. Joh. Leutbecher (1801-1878) in Erlangen noch lange nicht zufrieden. Diese Brr. gehen von den Geheimnissen (Mysterien) einer Urreligion aus, die sich in Indien durch in patriarchalischen Anstalten erzogene Führer ausbildete und von dort aus durch Kolonien nach allen Himmelsgegenden verbreitet wurde, wo dann überall solche Anstalten entstanden, die den Logen ähnlich waren. So kamen sie über Persien und Syrien nach Griechenland und Westeuropa, ja sogar nach Amerika vor dessen Entdeckung, wie auch nach Ägypten und Palästina. Die Fabeln, die in den Schriften der ersten Freimaurer figurieren, werden für bare Münze gehalten und kommen den Teppicherklärern wohl zu statten. So pflanzte sich nach dieser Lehre das, was heute Freimaurerei ist, unter verschiedenen Formen von einer geheimen Gesellschaft auf die andere fort und ist in den heutigen Logengebräuchen ungeachtet mancher Änderungen noch vorhanden. So sieht z. B. Polak den Ursprung der 3 freimaurerischen Reisen in den Reisen Abrahams, Jakobs und Josephs nach Ägypten, wo die Hebräer am rohen Steine gearbeitet und nach Begehung der Wasser-, Feuer- und Gewitterprobe durch Moses die Weihe erhalten haben sollen. An dieser Probe von Konfusion möge es genügen.
Am westlichen Rande des T. befindet sich als Zierrat das sog. musivische (d. h. aus Mosaik bestehende, fälschlich mosaische) Pflaster, das den Vorhof im Tempel Salomos (1. Kön. 6,36) vorstellen und an den Reichtum und die Mannigfaltigkeit der göttlichen Gaben, aber auch an die Wandelbarkeit des menschlichen Glücks erinnern und uns mahnen soll, im Glück demütig und im Unglück stark, allzeit aber hilfreich zu sein gegenüber der Not unserer Brüder.
Das den Osten, Norden und Süden des T. umziehende ineinander geschlungene und mit Fransen gezierte Seil (das an die den Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel Salomos dienende Schnur abbilden soll) hat die Bestimmung, alle Brr. zur Ehre Gottes, zur Ausübung der Tugend und zur Wohlfahrt des Menschengeschlechts zu vereinigen und zusammenzuhalten.
Die gezackte Einfassung des T. gilt als Symbol einerseits des die im T. dargestellte Erde umflutenden Weltmeers, anderseits der mannigfaltigen Annehmlichkeiten des Lebens und der im Jenseits zu erhoffenden.
Die Troddeln in den Ecken des T. sollen die vier Haupttugenden der Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Standhaftigkeit und Klugheit bedeuten.
Die nur in England auf dem T. abgebildete Jakobsleiter gilt als Sinnbild des Weges zum Himmel. Sie erscheint dort mit 3 Sprossen, während sie nach der Legende vom Traume des flüchtigen Betrügers Jakob, da auf ihr die Engel auf- und abstiegen, deren unzählige haben müßte. An diesen Traum schließt sich der Vertrag Gottes mit Jakob, dem unverdienterweise die noch heute nicht erlangte Weltherrschaft seines Volkes verheißen worden wäre, sofern er (wenn er sich besserte!) die Gebote Gottes getreu erfüllte. Nach dem englischen Ritual ruht die Leiter auf der Bibel, um den Lehrling zu erinnern, daß er nur mit Hilfe der Bibel den Weg zum Himmel finden werde! Die drei Sprossen sollen Glauben, Liebe, Hoffnung bedeuten. Der geistliche Schriftsteller Honorius (um 1100) nahm zehn Stufen (Städte, wie er sie nannte) auf der Himmelsleiter an, die er nach soviel „freien Künsten“ benannte: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie, Physik, Mechanik und Ökonomik (vergl. oben S. 22 die 7 fr. K. u. S. 8 die Ansicht des Celsus vom Mithrasdienste).
Wie im 1. Gr. die Jakobsleiter, so nimmt das engl. System im 2. Gr. die Wendeltreppe aus dem Tempel Salomos (1. Kön. 6,8) als Weg zu Höherem, hier zur Erforschung der Geheimnisse der Wissenschaft an und gibt ihr 3 Stufen (Geburt, Unwissenheit und Lehre) oder 5 (die Ordnungen der Baukunst) oder 7 (nach den Planeten, den Tagen der Woche, den Jahren des Tempelbaues u. s. w.). Die Gesamtheit dieser Stufenzahlen (15) hat ebenfalls sinnbildliche Bedeutung, indem sie bei den in ein Quadrat gestellten 9 Ziffern in jeder Richtung als Summe herauskommt.
8 1 6
3 5 7
4 9 2
Zu den Zieraten der Loge zählen wir auch deren Abzeichen. Als Farben der Freimaurerei (in den 3 alten Graden) sind blau (Treue) und weiß (Unschuld) anerkannt. Es kommen auch Farben einzelner Grade und Logen vor, sowie die 4 Farben der Stiftshütte, welche die 4 Elemente bedeuten (weiß die Erde, purpur das Wasser, blau die Luft und scharlach das Feuer). In den Hochgraden spielen noch mehr Farben eine Rolle. Auch freimaurerische Banner oder Fahnen gibt es bei den in Amerika üblichen öffentlichen Aufzügen, in den Hochgraden, in französischen Logen u. s. w., in Deutschland bei Festlichkeiten am Logenhause (blau mit Zirkel und Winkelmaß). Wappen und Siegel haben wohl alle Logen mit einem Sinnbilde oder einer den Namen der Bauhütte ausdrückenden Figur.
b) Der Brüder.
Was die Logenmitglieder außer ihrem gewöhnlichen Anzuge während der Arbeit tragen, wird meist schlechtweg die maurerische Bekleidung genannt. Wenn Schauberg aus diesem Ausdrucke schließt, daß der Schurz, der den wichtigsten und ältesten Teil der maurerischen Bekleidung bildet, ursprünglich die einzige Bekleidung der Menschen gewesen, so ist die Schlußfolgerung überflüssig; man braucht nur die Leute vom Volke auf ägyptischen oder babylonischen Wandbildern (sogar die Könige des Nillandes) und die heutigen Eingeborenen der meisten tropischen Länder anzusehen, um davon überzeugt zu sein. Der Maurerschurz, der seit 1723 bezeugt ist, also wohl schon seit Gründung des Bundes (1717) gebräuchlich war, stammt einfach von den Steinmetzen und ist daher an sich schon ein Nachweis vom wahren Ursprunge der Freimaurerei. Daß er sauberer ist, als jener der Handwerker, hat seinen einfachen Grund im Mangel an rauher Arbeit bei seinem Tragen. Seine weiße Farbe und sein Stoff (Lammfell) bedeuten die Unschuld, mit welcher der Mensch ins Leben tritt (was ja die Aufnahme versinnbildlicht), und die mit den Graden an Umfang zunehmende blaue Verzierung die zunehmende Treue gegen den Bund und seine Grundsätze. Dem pomphaften Wesen der Hochgrade entspricht es, daß diese die Schurze zu einer Art maurerischer Bildergalerie machen.
An manchen Orten gehört auch, oder gehörte früher, aber in den ersten Zeiten des Bundes noch nicht, der aufgesetzte Hut als Zeichen des freien Mannes, wird aber, weil oft lästig, immer mehr weggelassen. Ihn und den Schurz sogar bei der Tafelloge zu tragen, ist eine unnütze, die Heiterkeit störende Quälerei, die, wo sie noch besteht, abgeschafft werden sollte.
Zur maurerischen Bekleidung gehören ferner Bänder, in den alten Graden blaue, an denen die Beamtenabzeichen und die Logenzeichen (diese öfter im Knopfloch) getragen werden; besondere Auszeichnungen fügen Goldstickerei dazu. An Großlogenversammlungen tragen Schurzeinfassungen und Bänder oft die Landesfarbe (in der Schweiz rot und weiß).
Jünger als der Schurz sind die ebenfalls weißen Handschuhe, zum Zeichen, daß die Hände von Schuld rein sein sollen. Außer seinen eigenen erhält der neu Aufgenommene noch ein Paar weiße Frauenhandschuhe, je nach seinem Stande für seine wirkliche oder künftige oder zum Andenken an die hingeschiedene Gattin, womit gezeigt wird, daß die Loge die Ehe hochhält und auch den Schwestern eine gewisse Zugehörigkeit zum Bunde zuerkennt.
Am Sommerjohannisfeste, also in der Zeit der höchsten Blüte des Tageslichtes, einem wahren Lichtfeste, werden den Brüdern frische Rosen ausgeteilt, als Sinnbilder der Jugend, Schönheit, Liebe, Freude und Verschwiegenheit. Diese Bedeutungen hatte die Königin der Blumen schon im Altertum, und schon damals wurde die Zeit des längsten Tages als ein Fest des Sonnengottes gefeiert. Auch der Tag selbst hat seine Bedeutung als derjenige eines Mannes, der einen größeren, den Heiland der Welt, das höchste Licht der Menschheit, verkündet, dessen Geburt, deren Tag unbekannt ist, gerade um ein halbes Jahr früher, an die Stelle derjenigen des Sonnengottes (natales Solis invicti d. h. Geburtstag der unbesiegten Sonne) gesetzt wurde, also in die Zeit, in der die Tage wieder länger werden und eine Zunahme des Lichtes bevorsteht.
Die Rosen waren stets den schönsten Göttinnen geweiht, der ägyptischen Isis, der armenischen Anahita, der griechischen Aphrodite. Diese, den toten Adonis betrauernd, färbt nach der Sage mit ihrem Blute die weiße Rose rot. Adonis selbst, bei den Hebräern Adonai, ist der Herr des Lichtes, den die finstere Zeit tötet und die helle wieder auferweckt. Bei den römischen Festen der Blumengöttin Flora, einer Gestalt der Venus (Aphrodite), trugen die Feiernden Blumen, besonders Rosen. Mit Rosen bekränzte man von der griechischen Zeit bis heute die Gräber, um den Übergang in ein schöneres Leben zu versinnbildlichen und die Friedhöfe (Friedhof ist ein schönes Mißverständnis für Frithof, d. h. eingefriedigter Ort) heißen oft Rosengärten, so auch der Kampfplatz der Nibelungen bei Worms. Maria trat als Rosenbekränzte an die Stelle der abgeschafften Göttinnen.
Als Sinnbild der Verschwiegenheit trugen bei den ägyptischen und griechischen Mysterien (Geheimgötterdiensten) die Neophyten (Neuaufgenommenen) Rosen. Unter einer in einem Kranze aufgehängten Rose (sub rosa) vertrauten sich die Römer und alten Deutschen Geheimnisse an. Das Gebet, das an die Geheimnisse der Religion anknüpft und die dabei dienende Perlenkette wurde „Rosenkranz“ genannt.
Ursprünglich war in den Logen das Tragen eines Degens (oder Schwertes) unbekannt und blieb es auch bis jetzt überall, wo Hochgrade nicht aufkamen und das ältere, das englische System bestehen blieb, so in Deutschland (mit Ausnahme des schwedischen Systems) und in Großbritannien, wohl auch in Nordamerika. In diesen Ländern mußten sogar jene Männer, die nach der Sitte des 18. Jahrhunderts einen Degen trugen, diesen außerhalb der Loge lassen, wie auch heute noch die Offiziere. Schauberg beklagt dies und hält fest, daß die Freimaurer als Kämpfer und Ritter des Lichtes das Schwert tragen sollen. Er begründet dies mit dem Beispiele der alten Götter und Heroen, Könige und Fürsten als Verteidiger ihrer Völker und deren Herden und führt aus, daß das Schwert ein Sinnbild des Lichtes sei.
All dies hat nichts mit dem Tragen einer Waffe in der Loge, die ein friedheiliger Ort ist, zu tun. Angriffe auf die Loge sind ausgeschlossen, und zu einer Verteidigung genügte nicht das Schwert, sondern gehörten auch Übung, Taktik und Schießgewehre. Seitdem und überall wo die Freimaurer nicht mehr Ritter spielen, bedürfen sie des Schwertes nicht. Wir sollen mit dem Geiste kämpfen.
7. Die Werkzeuge.
Niemand soll und wird es schauen was einander wir vertraut; denn aus Schweigen und Vertrauen ist der Tempel aufgebaut. Br. Goethe, Logenlieder.
a) Die symbolischen Hauptwerkzeuge.
Das hauptsächlichste sinnbildliche Werkzeug ist in der Freimaurerei nach unserer Auffassung der Hammer, weil er als Zeichen der Macht, nur den vorsitzenden Meistern zukommt. Er war auch, in den Urzeiten der Menschheit aus Stein geformt, das älteste Werkzeug ja schon von der Natur in der geballten Faust am schwingenden Arme vorgebildet. Er war bei den alten Germanen das Abzeichen ihres ältesten Gottes Thor oder Donar und hatte bei ihm dieselbe Bedeutung wie der Donnerkeil in der Hand des griechischen Obergottes Zeus (bei den Römern Jupiter). Der Hammer spielte im Kriege (als Streithammer) sowohl als im Frieden, wo ihn die nützlichen Handwerker führten, seine Rolle, und Schauberg vergleicht die drei hammerführenden Meister, den Meister vom Stuhl und die beiden Aufseher oder Vorsteher mit den Götterdreiheiten der alten Religionen; dieselben vertreten auch die drei Pfeiler der Freimaurerei: Weisheit, Stärke und Schönheit. Der Hammer ist daher das Sinnbild der Macht, und zwar für uns Freimaurer der Macht, Gutes zu tun und Edles zu vollbringen. Man darf ihn daher auch ein Attribut des höchsten Lichtes, des A. B. d. W. nennen; denn er gehört besonders dem Baumeister. Schon vorchristliche Zeit ahnte in dem Demiurgos den einzigen, den allmächtigen Schöpfer. Äußerst zahlreich sind die Beispiele hammerführender Halbgötter und Heroen, wie der Kabiren, der uralten griechischen Werkmeister. Auch christlichen Heiligen wurde der Hammer in die Hand gegeben und der Papst selbst führt ihn, wenn er bei Eröffnung eines Jubiläums an die goldene Pforte der Peterskirche klopft, in die dann eine Öffnung gebrochen wird. Es ist wahrlich nicht zuviel, wenn wir ihm die Spitze der Dreiheit einräumen, die er mit Winkelmaß und Zirkel bildet.
Wie der Hammer den vorsitzenden, so gehören Winkelmaß und Zirkel zusammen den übrigen Meistern, das Winkelmaß allein den Gesellen und der Zirkel allein den Lehrlingen. Das Winkelmaß ist das Zeichen oder Sinnbild des zweiten der drei höchsten Lichter, des Gewissens, dieses Vermittlers zwischen Gottheit und Menschheit. Im alten Ägypten war es Osiris, der Totenrichter, der es trug. Die Pythagoreer hielten es als das Maß des Raumes, der Zeit und der Zahl hoch. Es soll in der Freimaurerei zunächst den Gesellen lehren, das rechte Maß zu halten und die Meßkunst, d. h. Lebenskunst zu erlernen. Seine rechtwinklige Form lehrt den Maurer, alles rechtwinklig, d. h. redlich und gewissenhaft zu betreiben, überhaupt gewissenhaft zu leben, das richtige Maß zwischen Freiheit und Ordnung zu finden, weder in Zuchtlosigkeit, noch in Untertänigkeit zu verfallen. Die Hellenen fanden zuerst das richtige Maß in Kunst und Leben, und bei den alten Deutschen war die „Maße“ die Richtschnur des Verhaltens. Die beiden Arme des Winkels weisen auf Recht und Pflicht hin, die stets in einem rechten Winkel, d. h. im richtigen Verhältnis stehen sollen; denn das Winkelmaß läßt nichts Ungleichmäßiges zu. Es lehrt daher auch das echt maurerische Verhalten unter den Brrn. und berührt sich hierin mit dem Zirkel.
Der Zirkel beschreibt den Kreis und ist daher das Sinnbild eines Kreises von Menschen im allgemeinen und von Brüdern im besonderen. Er wird deshalb zur feierlichen Aufnahme in den Bund und zur Beförderung in die beiden höheren Grade verwendet. Er ist somit ein Sinnbild für die Menschheit, als drittes höchstes Licht, und zugleich für die Brüderschaft. Der von ihm beschriebene Kreis ist die vollkommenste Figur, da er weder Anfang noch Ende hat und überall vom Mittelpunkte gleich weit entfernt ist, daher er auch die Ewigkeit bedeutet. Der Zirkel ist ferner Sinnbild nicht nur einer Gemeinschaft überhaupt, sondern auch einer möglichst vollkommenen tadellosen Gemeinschaft. Wie die beiden Arme des Winkelmaßes, so müssen auch die beiden Schenkel des Zirkels das Gleichgewicht zwischen Recht und Pflicht bedeuten. Da aber der Kreis geschlossen ist, so zeigt er auch, daß Recht und Pflicht ihre angemessenen Grenzen haben.
Endlich ist der Zirkel auch ein Bild der Ordnung im Weltall, in dem sich alle abhängigen Gestirne, Monde und Planeten, im Kreise (genauer in der kreisähnlichen Ellipse) um ihre Richtkörper (Planeten und Sonnen) bewegen, während zudem alle Weltkörper kugelförmig sind, also ihr Durchschnitt wieder einen Kreis (oder eine Ellipse) bildet.
So umfassen Hammer, Winkelmaß und Zirkel gewissermaßen im Bilde die gesamte unsichtbare und sichtbare Welt, die äußere sowohl als die innere des Menschen.
b) Die Nebenwerkzeuge.
Den drei Hauptwerkzeugen entsprechen weitere von untergeordneter Bedeutung, die aber doch in der Freimaurerei Beachtung genießen.
Dem Hammer zunächst steht der Spitzhammer (oder Pickel?), von dem gesagt wird, er werde vom Lehrling geführt, um den rohen Stein zu bearbeiten, d. h. an sich selbst Besserung zu üben. Die nämliche Bestimmung hat der Meißel, aber in etwas höherer Auffassung. Das Gemüt des Menschen wird, wo von ihm die Rede ist, einem ungeschliffenen Diamanten verglichen, dessen leuchtender Kern durch die Arbeit mit dem Meißel zutage treten soll. Es ist damit die Erziehung gemeint, durch welche die verborgenen Tugenden geweckt werden sollen. Der Meißel ist aber auch das Werkzeug des Künstlers, der mit ihm aus einem rohen Block ein wundervolles Werk hervorzaubern kann.
Dem Winkelmaß am nächsten steht das Senkblei. Es dient, vermöge des Gesetzes der Schwere dazu, ein Bauwerk senkrecht aufzuführen, trägt also zu dessen Geradheit und Festigkeit bei, wofür das sittliche Gleichnis sich von selbst ergibt. Das Winkelmaß und das Senkblei bilden in der Logensprache mit der Wasserwage (auch Bleiwage oder Richtscheit genannt) die 3 beweglichen Kleinodien der Loge. Die Wasserwage dient dazu, die Steine aneinander zu fügen, so daß sie eine wagerechte Ebene bilden, sie ist daher ein Sinnbild der Gleichheit, die unter allen Brrn. in Rechten und Pflichten herrschen soll, des moralischen Gleichgewichts unter ihnen. Sie ist das Abzeichen des ersten Aufsehers, wie das Senkblei das des zweiten und das Winkelmaß das des Meisters vom Stuhl.
Dem Zirkel nahe (weil auch dieser zum Messen dient) steht der Maß- oder Zollstab, auch der 24zöllige genannt und als Werkzeug des Lehrlings (neben dem Spitzhammer) bezeichnet. Seine 24 Zolle (also 2 engl. Fuß) bedeuten die 24 Stunden des Tages und der Nacht, die in 4 Teile zu je 6 Stunden eingeteilt sein sollen, nämlich 6 zur Arbeit, 6 zum Gottesdienst, 6 zum Freundes- oder Bruderdienst und 6 zum Schlafe. Natürlich ist das wörtlich zu nehmen unmöglich und soll nur den hohen Wert dieser 4 Beschäftigungen dartun, den Maurer an gute und nützliche Verwendung und Einteilung seiner Zeit mahnen. Die Einteilung des Tages in 24 Stunden war schon den Ägyptern und nach ihnen den Griechen bekannt und ist später allgemein geworden. Das Duodezimalsystem beherrschte auch das Leben der Assyrer und Babylonier, und die Stundenzahl des Tages hängt mit den 12 Monaten des Jahres, deren 3 auf eine der 4 Jahreszeiten kommen, also auch mit den zwölf Sternbildern des Tierkreises zusammen. Eine Teilung des Tages in 4 Teile zu 6 Stunden hat auch das schwedische System; sie werden Wachen genannt und heißen, von 6 Uhr früh an gerechnet, Mittag, Hochmittag, Mitternacht und Hochmitternacht. Die 6 Stunden jeder Wache entsprechen den 6 Werktagen der Woche.
Ein für sich, ohne Dreiheit, bestehendes Werkzeug der Freimaurerei ist die Kelle. Sie wird als Sinnbild der Freimaurerei und der Arbeit im allgemeinen betrachtet und oft als Logenzeichen verwendet. Da sie zum Streichen des Mörtels dient, bedeutet sie festes Zusammenhalten, harmonische Ausbildung der Kräfte und treue Pflichterfüllung. Sie mahnt, ihrem Zwecke gemäß, zur Fernhaltung schädlicher Einflüsse vom Bunde und von den Brüdern. Nach einer Lehrart soll die Kelle des Lehrlings unpoliert, die des Gesellen aber poliert sein, um den Fortschritt dieses Grades in der Ausgleichung der Gegensätze zu bezeichnen.
Als „unbewegliche“ Kleinodien der Loge, richtiger als Arbeitsgebiete der Freimaurer werden bezeichnet: der rohe Stein, das des Lehrlings, der behauene oder kubische Stein, das des Gesellen, und das Reißbrett, das des Meisters. Die Arbeit an rohen Steinen bedeutet die Selbsterkenntnis, die Selbstbeherrschung und die Selbstveredlung. Ihr Zweck ist die Entfernung aller Rauheiten und Unebenheiten des Verstandes, Herzens und Charakters, die Befreiung von Vorurteilen und Irrtümern, das Emporheben zum Schönen, Guten und Wahren; um ein würdiges Glied der Bruderkette und Menschheit zu werden. Geschieht dies, so wird der rohe Stein zum Quaderstein, der sich zur Einfügung in den Bau, in den Tempel der Humanität eignet. Es geht dies nicht nur den Freimaurerlehrling und Gesellen an, sondern den Menschen überhaupt; er bedarf einer solchen Vervollkommnung und wäre er auch Meister. Auch am behauenen Steine ist noch Arbeit notwendig. Es gilt die ausgearbeiteten Flächen noch zu glätten, d. h. in der Selbstzucht Fortschritte zu machen, zur Kenntnis der Künste und Wissenschaften vorzudringen. Meister sein und auf dem Reißbrette arbeiten kann nur, wer, gleich einem geglätteten Steine, sich als fähig erwiesen hat, ein tüchtiger Bestandteil des Baues zu sein. Auf dem Reißbrett entwerfen die Meister „mit dem Maßstabe der Wahrheit, dem Winkelmaß des Rechts und dem Zirkel der Pflicht“ den Plan, dem der Bau folgen muß, um sicher zu stehen und Wohlgefallen hervorzurufen. Wie der A. B. d. W. den Plan zum Weltgebäude entwarf, so soll der Mensch den Plan zu einem wohltätigen und fruchtbaren Leben entwerfen. —
Übersicht:
Ideale: Weisheit. Stärke. Schönheit.
Grade: Meister. Geselle. Lehrling.
Hauptwerkz.: Hammer. Winkelmaß. Zirkel.
Nebenwerkz.: Pickel, Meißel. Wasserwage, Senkblei. Zollstab.

Arbeit = Kelle = Maurerei.

Arbeitsfelder: Reißbrett. Quaderstein. Roher Stein.
Tugenden: Selbstver- edlung. Selbstbe- herrschung. Selbster- kenntnis.
8. Die weiteren Sinnbilder.
Komm, hebe dich zu höhern Sphären! Wenn er dich ahnet, folgt er nach. Goethe, Faust II.
Zu höheren Sphären erheben uns jene freimaurerischen Sinnbilder, die nicht bloß Zeichen, Zieraten oder Werkzeuge, wenn auch von noch so sinnvoller und tiefer Bedeutung, sind, sondern Werke, Begriffe und Ideen vertreten, die in der Geschichte und den Idealen der Menschheit begründet sind, die aber tief geahnt und richtig verstanden werden müssen, um den strebenden Menschen zur Nachfolge anzufeuern. Diese Sinnbilder sind nicht der Baukunst, nicht der Freimaurerei selbst entnommen, sondern beruhen teils auf großartigen Tatsachen der Kulturgeschichte, teils auf erhabenen Idealen der Menschheit. Es sind teils längst ihres Zweckes enthobene, wenn auch noch vorhandene, teils noch heute in Kraft und Blüte bestehende, teils endlich hehren Erwartungen künftiger Zeiten entsprechende Erscheinungen oder Gedanken.
a) Sinnbilder der Vergangenheit.
Vergangenheit ist genau genommen alle Zeit, die bis auf diesen Augenblick verflossen ist. Die Geschichte fliegt aber nicht mit Windeseile wie der flüchtige Augenblick, sondern schreitet langsam und bedächtig vorwärts; daher behält vieles, vielleicht sehr vieles, was im wörtlichen Sinne vergangen ist, für uns seine Gegenwart. Was für diese durchaus vergangen ist, liegt weit hinter uns zurück, Jahrhunderte, ja Jahrtausende. Verschwunden bis auf steinerne Spuren, sind für uns die einst blühenden Reiche am Nil, am Tigris und Euphrat, die einst riesigen und prachtvollen Königsstädte Theben und Memphis, Ninive und Babylon, und ihre, bisher von Sagen und Fabeln überwucherte Geschichte mußte mühsam aus jenen steinernen Spuren ausgegraben und durch die geistvolle Entzifferung der Hieroglyphen und Keilschriften aufgehellt werden. Für die Freimaurerei kommt indessen hier nur Ägypten in Betracht, von dessen steinernen Überresten einige zu Sinnbildern des Bundes geworden sind, denn die kurze Erwähnung des Babylonischen Turmes in einer alten freimaurerischen Schrift hat zu keinem Sinnbild Anlaß geboten. Hingegen ist Ägypten in mehrfacher Hinsicht für unsern Bund von Bedeutung, nicht wegen der Phantasien, welche die Brr. Polak, Leutbecher und Schauberg verleitet haben, den Ursprung unseres Bundes dort oder noch weiter zurück zu suchen, sondern wegen der Ähnlichkeiten, die der Bund mit den Mysterien der ägyptischen Priester darbietet, die jedoch durch Verschiedenheiten zwischen beiden weit überwogen werden.[7]
Unter den Denkmälern des Nillandes, die hier und da in freimaurerischen Logen und Graden Verwendung gefunden haben, sind die ältesten und großartigsten die Pyramiden. Die größten und berühmtesten dieser kolossalen Bauten sind die drei in Giseh bei Kairo zum Himmel ragenden. Sie stammen aus der Zeit der vierten Pharaonendynastie, deren Herrschaft wahrscheinlich um das Jahr 3250 vor Chr. begann. Die größte baute Chufu (griech. Cheops), die zweitgrößte sein Nachfolger Chafra (Chefren), die dritte dessen Nachfolger Menkaure (Mykerinos). Nach diesem geriet der Pyramidenbau bereits in Verfall. Neuerdings will man entdeckt haben, daß diese Denkmäler astronomische Zwecke hatten, indem sie genau nach den Himmelsgegenden gerichtet sind. Anderson, einer der älteren Freimaurer, brachte sie bald nach der Entstehung des Bundes mit diesem in Verbindung, daher ihre Gewalt noch hie und da in Logen Verwendung findet. Sie eignen sich in der Tat zu einem Sinnbild solider in sich festgefügter Stärke des Willens.
Jünger und kunstvoller als die Pyramiden sind die Obelisken (d. h. „kleine Spieße“), vierkantige, langgestreckte, aus einem Stein gehauene, von unten nach oben schmäler werdende und auf dem Gipfel eine kleine Pyramide tragende, zum Schmucke der Tempelhöfe dienende Säulen. Auch diese erscheinen bisweilen als Sinnbilder schönen, harmonisch geordneten Bauens.
Ebenfalls jünger, aber durch Nachbildung des Lebens und bedeutungsvollen Charakter hervorragend sind die Denkmäler des Nillandes und, von dort her eingeführt, auch anderer Länder, die den Namen Sphinx tragen, aber in Ägypten männlich, in Asien und Griechenland und daher auch anderswo weiblich gebildet sind. Ein Männer- oder Frauenkopf mit Brust gleicher Art ruht auf einem bisweilen geflügelten Löwenleibe. In Ägypten bildeten die Sphingen ganze Alleen, die zu den Tempeln führten; das bekannteste und am besten erhaltene, wenn auch stark beschädigte Bild dieser Art ist das bei der zweiten Pyramide ausgegrabene, aus dem Felsengrund gehauene Bild des Gottes Harmachis, einer Gestalt des Sonnengottes. Es war dort Sinnbild der Stärke und Weisheit, wozu in Hellas noch das der Schönheit kam — aber auch des Geheimnisvollen und Rätselhaften. Diesen Charakter hat die Sphinx auch in Europa behalten, wo sie überall weibliche Gestalt hat. Wenn auch nicht gerade als anerkanntes freimaurerisches Symbol, so wird sie doch in Logen, am Eingange solcher, auf Siegeln und Denkmünzen vielfach dargestellt und trägt einen schönen, aber ernsten und geheimnisvoll blickenden Frauenkopf.
Wir verlassen diese Vergangenheit als ein Reich der Mysterien und des Rätsels.
b) Sinnbilder der Gegenwart.
Die Gegenwart im kulturgeschichtlichen Sinne, d. h. der Inbegriff der Kulturschöpfungen, die für uns jetzt noch Wert und Bedeutung haben, ist wie gesagt kein flüchtiger Augenblick, ja nicht nur die sog. neuere oder neueste Zeit, sondern ein mehr als zweitausendjähriger Zeitraum. Er beginnt mit dem Verfalle jener Reiche, die für uns Vergangenheit sind, weil wir von ihnen keine Kulturschätze bewahrt haben, und mit dem Beginne neuer Ideen, die althergebrachten abergläubigen Vorstellungen zuleibe gingen. Das geschah um die Zeit von 500 vor Chr., als Ägypten und Babylon ihre Selbständigkeit und ihren alten Charakter verloren, und wie auf einen Schlag in den verschiedensten Ländern Geister wie Kongfutse, Buddha, Zarathustra und Pythagoras neue Wege einschlugen und die Götzen der alten Versunkenheit in dumpfen Wahn niederwarfen. Eine Periode von vier bis fünf Jahrtausenden endete, und eine neue begann. Wie lange wird sie dauern?
Etwa ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt ist die Bibel (d. h. vorläufig die Hauptteile des A. T.) in ihrer heutigen Gestalt abgeschlossen worden. Ihre noch heute fortdauernde Hochschätzung berechtigt uns, mit diesem Zeitpunkte die Gegenwart im weitesten Sinne zu beginnen. Allerdings ist diese Hochschätzung nicht immer die gleiche geblieben. In sehr vielen Kreisen zwar wohl; aber in den ebenfalls weiten der unabhängig Denkenden ist die Bibel von „Gottes Wort“, das früher ihre allgemeine Bezeichnung war, zu einer durchaus menschlichen Büchersammlung zurückgegangen. Dazu haben zweierlei Umstände beigetragen, einerseits der Widerspruch gegen den Zwang, mit dem das Ansehen der Bibel den Menschen aufgedrängt wurde (und jeder Zwang erzeugt in nicht sklavischen Seelen Widerspruch), und anderseits die Tätigkeit der historisch-kritischen Wissenschaft im Laufe des 19. Jahrhunderts, deren Träger über jedem Verdacht einer schlimmen Absicht erhaben sind und deren Charakter makellos dasteht. Wem diese Vorgänge Schmerz verursachen, der vergißt, daß die ganze Bibel auch dem Gläubigsten nicht mehr absolute Autorität ist. Für den Christen hat die mosaische Gesetzgebung im 3. bis 5. Buche des Pentateuch schlechterdings nicht mehr Gewicht als für den Juden das Neue Testament. Aber noch mehr! In jüngster Zeit haben die orthodoxesten Theologen und ihr Anhang in vielen Punkten des Bibelglaubens Zugeständnisse an die Kritik gemacht, so daß ihnen Stellen, die mit der Wissenschaft unvereinbar sind, nicht mehr als Wahrheit, sondern nur noch als bildliche Einkleidung religiöser Gefühle erscheinen, — sogar auf katholischer Seite.
Der Begriff der wörtlichen Offenbarung ist ohnehin stets streitig gewesen, und es wird auch auf bibelgläubiger Seite vielfach zugegeben, daß Abschriften, Übersetzungen, streitige Lesarten und Mißverständnisse im Laufe der Zeit viele Änderungen des ursprünglichen Textes herbeigeführt haben. Der Verfasser verwahrt sich übrigens ausdrücklich gegen den Verdacht, als wisse er die Bibel nicht zu schätzen. Von mehreren Teilen ist dies in hohem Maß der Fall, von anderen freilich nicht, und zwar aus guten Gründen.
Religiöse Streitigkeiten sind im Schoße der Freimaurerei ausgeschlossen; da nun aber tatsächlich die Bibel mit der Loge in Zusammenhang gebracht worden ist, war dieser Gegenstand hier nicht zu umgehen.[8]
Und wie verhält es sich nun mit diesem Zusammenhange?
Die Fragestücke 17 und 18 des Lehrlings-Katechismus lauten:
17. Welches sind die 3 großen Lichter der Freimaurerei? — Bibel, Zirkel und Winkelmaß.
18. Wie erklären Sie solches? — Die B. ordnet und richtet unsern Glauben, das W. unsere Handlungen, und der Z. bestimmt unser Verhältnis gegen alle Menschen, insbesondere gegen unsere Brüder.
Diese Fassung und Zusammenstellung ist schlechterdings unhaltbar. B., W. und Z. können unmöglich in ihrer Wirkung zusammengestellt werden; denn die B. hat einen bestimmten Wortinhalt, W. und Z. aber nicht. Es wird nicht genau gesagt werden können, wie unsere Handlungen und unser Verhältnis gegen die Menschen und Brr. beschaffen sein sollen; es ist dies dem Gefühl und Gewissen der Einzelnen zu überlassen. Kommt aber die Bibel dazu, so hat dies ein anderes Gesicht. Die B. sagt genau (Mißverständnisse vorbehalten), was geglaubt werden soll.
Nach den Grundsätzen der Freimaurerei können von den Brüdern gute Handlungen und ein treues Verhältnis zu den Brrn. verlangt werden, ein bestimmter Glaube aber nicht. Der Freimaurer-Bund ist keine Glaubensgenossenschaft, am wenigsten eine solche zur Pflege eines wörtlich festgelegten Glaubens. Es herrscht daher gegenwärtig die Auffassung vor (Handb. der Freimaurerei, Art. Bibel): da die B. mit W. und Z. zusammengestellt und diese beiden der Freimaurerei nur bildlich zugeeignet sein können, so könne auch die B. nur vorwiegend symbolische Bedeutung haben. Sie sei das Sinnbild wahrer Religiosität und Frömmigkeit, einer Religion, in der alle Menschen übereinkommen, wenn sie auch verschiedenen Bekenntnissen angehören. Wenn nun aber weiterhin zugestanden wird, daß der Jude an ihrer Stelle als Sinnbild das bloße A. T., der Mohammedaner den Koran, der Hindu die Vedas u. s. w. setzen könne, was alles entschiedene Glaubensbücher sind, wie ist da derjenige Christ, der den Glauben an viele oder die meisten Teile der B. verloren hat, oder vollends der Freidenker, dem sie nur ein Teil der Weltliteratur ist, gestellt? Es ist damit wieder gesagt, daß eben doch der Freimaurer verpflichtet sei, einen bestimmten religiösen Glauben zu haben. Das ist er aber nicht; sein Gewissen ist seine Religion, und wie diese beschaffen sei, darüber ist er keine Rechenschaft schuldig. Das Ritual unserer Loge verbietet sogar, den Aufzunehmenden bei Angabe seiner Personalien nach seiner Konfession zu fragen. Ein freier Mann von gutem Rufe kann keine schlechte Religion haben, kann auch keinem rohen und frivolen Atheismus huldigen. Wie er sich den A. B. d. W. vorstellt, ist seine eigene Sache. Unsere Loge hat daher auch das Gelübde auf die Bibel aufgegeben und nur ein solches auf Ehre, Tugend und Bruderliebe beibehalten. Daß dagegen eine andere Loge an die Stelle der B. ein weißes Buch, mit der Aufschrift „Gott“ gesetzt hat, entzieht sich unserem Urteil, da es ausschließlich Sache ihrer Brüderschaft ist.
Wir haben oben als höchste Lichter der Freimaurerei, wie es auch unsere Loge getan, die Gottheit, das Gewissen und die Menschheit mit den Sinnbildern des Hammers, des Winkelmaßes und des Zirkels vorgeschlagen. Und die Bibel? Sie soll nicht ignoriert werden. Sie soll ein Sinnbild bleiben, aber nicht das unseres Glaubens, der unabhängig sein soll, sondern das Sinnbild einer kulturgeschichtlichen Periode, derjenigen, in der auch wir leben, aber mit der Hoffnung, daß nach und nach an die Stelle der bisherigen Bibel, die ja neben viel wunderbar Schönem auch viel Schwaches und Anfechtbares enthält, eine neue treten werde, nicht als Organ einer Kirche, sondern der Menschheit, und diese neue Bibel müßte das beste und schönste aus der gesamten Weltliteratur, mit Einschluß des besten und schönsten aus der bisherigen Bibel enthalten,[9] und zwar nicht nur religiöses (das Hohe Lied ist dies ja auch nicht), sofern auch alles was würdig ist, der Menschheit zur Richtschnur zu dienen. —
In den Hochgraden gibt es, wie schon die Titel der schottischen Grade und ihr sog. Arbeitsfeld (oben S. 41 ff.) zeigen, eine Menge Erinnerungen an das A. T., so besonders an die Stiftshütte in der Wüste, die aber von der Rolle, die der Tempel Salomos schon in der älteren Freimaurerei spielt, weit überragt wird, wie überhaupt viel auf den König Salomo bezügliches in den Logen vorkommt. So Salomos Siegel, als Sinnbild der Verschwiegenheit, nach einer Stelle der seinen Namen tragenden Sprüche, die ermahnt, Mund und Zunge zu bewahren. Salomos Siegelring gilt als ein Zaubermittel, sich die Geister dienstbar zu machen und als ein Sinnbild der Weisheit. Salomos Thron kommt im Konstitutionenbuche Andersons als Stuhl des Großmeisters vor. In demselben Buche wird Salomos Tempel als der Ausgangspunkt der Freimaurerei bezeichnet; denn er habe, sagt die altfreimaurerische Sage, unter seinen Aufsehern und Arbeitern die ersten Logen gestiftet und selbst als Großmeister gewirkt, wie der Baumeister Hiram Abif als zugeordneter Großmeister, was natürlich reine Erdichtung ist. Schon im 17. Jahrhundert wurde die Kirche unter dem Bilde des salomonischen Tempels gedacht, und Comenius, der Vorläufer der Freimaurerei, kleidete unter diesem Bilde seine Idee einer allgemein menschlichen (zugleich christlichen) Gesellschaft ein, die jedoch, da es sich um einen israelitischen, von einem Heiden (Hiram aus Tyros) gebauten Tempel handelte, nicht ausschließlich christlich sein konnte, sondern als Vorbild einer konfessionslosen, rein humanen Freimaurerei verstanden sein muß. Die drei Teile des Tempels, der Vorhof, das Innere und das Allerheiligste, konnten als Vorbedeutungen der drei Grade, die länglich viereckige Gestalt des Tempels als Vorbild der Loge gelten, und so gibt es noch viele Analogien, besonders in den Zahlenverhältnissen, so daß es nicht unwahrscheinlich ist, daß die Gründer der ersten Großloge (der von England) den Tempel Salomos als Vorbild für die Loge benutzten.[10]
Der Räucheraltar im Innern des salomonischen Tempels hat ohne Zweifel mit seinen Leuchtern als Vorbild der christlichen Altäre gedient. In der Freimaurerei kommt erst in den Anfängen der sog. schottischen Hochgrade (Mitte des 18. Jahrh.) an Stelle des Tisches des Meisters vom St. (der anfangs ebenfalls nicht vorhanden war) ein Altar vor, der diesen Namen aber erst gegen Ende des 18. Jahrh. allgemein erhielt. Einen gottesdienstlichen Charakter trägt er nicht, wohl aber einen dreiarmigen Leuchter und wo diese gebraucht wird, die Bibel und andere Sinnbilder, und dient zum Gebete und zur Ablegung des Gelübdes. Hier und da breitet sich über ihm ein Baldachin als Sinnbild des Himmels. Hauptsächlich aber bezeichnet er, zu dem 3 Stufen emporführen, den Ort, von dem aus die Loge geleitet wird.
Mit der Bibel und dem Altar bilden die Säulen eine Dreizahl heiliger Dinge in der Loge und kommen selbst wieder in dreierlei Zahl vor.
„Eine einzige Säule zeugt von verschwundener Pracht“,[11] d. h. das Bild einer oben abgebrochenen Säule am Altar der Loge im Lehrlingsgrad des rektifizierten Systems, mit der Inschrift „Adhuc stat“ (noch steht sie) versinnbildlichte ursprünglich den Untergang des Templerordens; in der Freimaurerei will sie sagen, daß ein edles menschliches Gebilde, wenn auch zum Teile gebrochen, doch unerschütterlich fortbestehe.
Zwei Säulen stehen auf beiden Seiten des Eingangs zur Loge. Sie haben zu Vorbildern zwei eherne Säulen vor der Vorhalle des salomonischen Tempels; sie waren 18 Ellen hoch und trugen jede ein kupfernes Kapitell von 5 Ellen Höhe mit Schmuck von Lilien und Granatäpfeln. Zur Stütze dienten sie nicht, sondern nur zur Verzierung. Nach 1. Kön. 7,15-21 hießen sie, die zur Rechten Jachin (der Herr wird dich aufrichten) und die zur Linken Boas (in ihm [Gott] ist es stark oder: der Herr wird dich stärken). Dem Wortlaute gemäß ist in der Loge die erste der ein verkleinertes Abbild ihrer Vorbilder bildenden 2 Säulen dem Lehrlings- und die zweite dem Gesellengrade gewidmet. In vielen Lehrarten haben bei ihnen die beiden Aufseher oder Vorsteher ihren Platz. Die beiden Säulen stehen auch, ohne Stützen zu sein, im Dome zu Würzburg. Ob sie auch ein Vorbild der 2 Türme vieler Dome waren, wollen wir dahin gestellt sein lassen.
Drei Säulen oder Pfeiler der Loge, die den Tempel der Humanität stützen, werden die drei Ideen Weisheit, Stärke und Schönheit genannt. „Weisheit entwirft, Stärke führt uns und Schönheit ziert.“ Dargestellt werden sie einmal durch die drei obersten Beamten, den M. v. St. und die beiden A. oder V., und sodann durch die drei Pfeiler, in der Mitte der Loge, die drei Kerzen tragen, durch welche die Loge erleuchtet wird, und den Teppich umstehen, indem sie einen rechten Winkel bilden. Oft wechselt übrigens die Stellung der Pfeiler sowohl als der beiden Ideen der Stärke und Schönheit unter sich; bald nimmt jene den zweiten, diese den dritten Rang ein, den ersten aber immer die Weisheit.
Dreierlei Säulen hatten die alten Griechen, die sich mit den drei freimaurerischen Idealen vergleichen lassen: die dorische mit der Stärke, die ionische mit der Weisheit und die korinthische mit der Schönheit. Auch die neuere Zeit (vom Mittelalter an) weist drei hauptsächliche Kunststile auf: den romanischen, den gotischen und den der Renaissance, die sich wieder in eine Früh-, Hoch- und Spätrenaissance gabelt.
Aus dem N. T. kommt in Hochgraden das Kreuz in verschiedenen Gestalten (Τ, +, ⧧, ×) und kommen die Namen Tabor und Golgatha vor, deren Bedeutung keiner Erklärung bedarf.
Bibel, Altar und Säulen sind also die Sinnbilder der Gegenwart in der Freimaurerei; mit ihnen ist der Mystizismus der Vergangenheit, d. h. deren unsicheres, dunkles Tasten nach den Geheimnissen des Lebens (oder der Aberglaube) zur Mystik, d. h. zum bewußten Streben nach ihrer Lösung (oder zur Religion) übergegangen. Weiter, höher hinauf (Excelsior) muß die Zukunft führen.
c) Sinnbilder der Zukunft.
Aufgabe der Zukunft, deren Beginn wie bereits gesagt, nicht im nächsten Augenblick, sondern in ungeahnten Fernen liegt, muß es sein, aus bisherigen Dunkelheiten zur Klarheit, aus aufgedrängtem Glauben zur Gewissensfreiheit und aus dem mystischen Tasten zu bestimmteren Vorstellungen von dem zu kommen, was uns noch Mysterium ist. Dann wird das, was die Religion bisher erfolglos anstrebte, die geistige Einheit der Menschheit, unter dem Banner der Humanität erfochten werden.
Dieses hehre Ziel hat nach unserer Auffassung zum Sinnbilde den flammenden Stern, das höchste und herrlichste, wiewohl bisher noch wenig verstandene Symbol der Freimaurerei. Sein Bild entwickelte sich aus der in der königl. Kunst überall sich wiederholenden Dreizahl. Das gleichseitige Dreieck oder der Triangel, dessen Winkel zwei Rechten gleichkommen, bedeutete in verschiedenen Religionen die Gottheit. Es verbindet alle bereits (S. 10 ff. oben) erwähnten Dreiheiten. Da diese überall zu finden sind, da in der ganzen Natur aus dem männlichen und dem weiblichen Element das dritte, das Erzeugte, die Frucht, das Kind hervorgeht, bedeutet die Drei auch die Welt und damit das Weltbürgertum, dem die Freimaurerei entspricht.
Das Dreieck kann sich als Hexagramm verdoppeln:

und als Enneagramm verdreifachen:

Das Hexagramm, aus den verlängerten Seiten eines Sechsecks entstanden, ist von größerer Bedeutung. Das aufsteigende (△) Dreieck wird als Bild des Feuers, das absteigende (▽) als solches des Wassers, wagrecht durchschnitten jenes als das der Luft, dieses als das der Erde betrachtet, jenes auch als Bild des Männlichen, dieses als das des Weiblichen u. s. w. Kunstvoller ist das Pentagramm ober Pentalpha, auch der Drudenfuß, das aus den Diagonalen eines oder aus der Verlängerung der Seiten eines Fünfecks, bis sie sich treffen, entsteht. Der zweite Name, Pentalpha, rührt daher, daß die Figur aus fünf Alphas (Buchstaben A) besteht. Bei den Pythagoreern war es ein Gruß- und Erkennungszeichen, wobei fünf Buchstaben ὑγιέε, hygiée, sei gesund) die fünf Ecken zierten. Es wird auch mit Salomos Siegel verknüpft, da der König es auf dem Grundsteine des Tempels angebracht haben soll. In Goethes Faust verhindert es, nach altem Aberglauben, auf die Schwelle gezeichnet, den Eintritt des Bösen, sofern nicht die Spitze nach außen offen ist.

Nun kann sowohl das Hexa- als das Pentagramm den flammenden Stern vorstellen, wenn ein G in der Mitte steht und zwischen seinen Spitzen Flammen hervorschießen. Er ist nach dem „Handbuch“ ein Sinnbild „des geistigen und sittlichen Lebens des Menschen, das sich zeigt im Lichte der Erkenntnis, in der Stärke des Willens und in der warmherzigen Bruder- und allgemeinen Menschenliebe.“ Nach dem Ritual unserer Loge ist er ein Sinnbild für das Ideal. „Der Mensch, der sich in seinem Herzen ein Ideal gebildet hat, folgt ihm als seinem Leitstern durch das Leben; es ist ihm ein Ausfluß des göttlichen Lichtes der Wahrheit und der Vollkommenheit.“
Der Buchstabe G wird gewöhnlich auf Geometrie gedeutet, nicht auf das trockene Fach der Meßkunst, sondern auf die Maßhaltung im Leben, wie Schauberg sagt, auf die sittliche Meßkunst und die sittliche Gesundheitslehre.
Der flammende Stern enthält alles, was wir von der Zukunft erhoffen, eine herrlich ausgebildete von allen Schlacken gereinigte Kunst, eine mit edlem Herzen erforschte Wissenschaft, eine uneigennützige, aus reinstem Gewissen hervorgehende Sittlichkeit, die alle guten Handlungen hervorrufen, alle bösen aber verscheuchen muß, und er ist also auch das Sinnbild einer aus diesen drei Tätigkeiten gebildeten höheren Religion.
Mit dem flammenden Stern zusammen wird gern der Spiegel als Sinnbild der Selbsterkenntnis und damit auch der Welterkenntnis in Verbindung gebracht. Nicht der Spiegel, den die Eitelkeit liebt, in dem sich die Selbstsucht gefällt, sondern derjenige, in dem der Mensch seine Fehler erblickt, so daß er ihn befähigt, sie zu beseitigen und in allen Dingen nach Vervollkommnung seines Wesens zu streben. Damit ist viel verbunden, mehr als man gemeiniglich ahnt. Es ist die Verbesserung in allen Hinsichten.
Der Mensch soll sich nicht nur selbst erkennen, sondern auch selbst heilen, sein eigener Seelenarzt sein, die Unmäßigkeit und alles Ungesunde meiden, wie in Kunst und Wissenschaft, so auch im Leben. Frivolität, Obscönität auf der einen, süßliche Sentimentalität und Überzuckerung des Lasters auf der anderen Seite entstellen und verderben die Kunst; Unwahrhaftigkeit auf der einen, Versinken in unnützen Kram, der der Menschheit ewig fremd bleibt, auf der andern Seite, sind der Untergang der Wissenschaft. Gleichgültigkeit gegen Roheit und Gewalttätigkeit, Nachsicht gegen Schlechtigkeiten untergraben die Sittlichkeit ebenso sehr wie eigene schlimme Handlungen. Gesundheit und Reinheit sollen das Leben beherrschen, und daher soll der Freimaurer und jeder Edelmensch sich hüten, ein Übermensch oder ein Untermensch sein zu wollen, sich jenseits von Gut und Böse zu stellen, das Leben als einen Kampf um das Dasein, um das „Recht des Stärkern“ zu betrachten, sich zum Schaden Anderer ausleben zu wollen. Aber nicht nur passiv, auch aktiv soll er auftreten und kämpfen für alles Gute und gegen alles Böse, wie es ihm sein Gewissen eingibt. Dazu ist ja Anlaß genug vorhanden: Kampf mit aller Entschiedenheit gegen den Krieg, gegen den Zweikampf, gegen das Spiel um Geld, gegen den Alkoholteufel, gegen den Mißbrauch des weiblichen Geschlechts durch Prostitution und Mädchenhandel, gegen den Aberglauben, gegen ungesunde und unreine Vornahme jeder Art, dann gegen Unreinlichkeit als Quelle vieler Krankheiten, gegen unziemliches Verhalten mancher Kreise, gegen Mißbräuche in allen Verhältnissen. Solches und viel anderes, was uns zu weit führen würde, zu tun und zu lassen soll das Sinnbild des Spiegels lehren, der nicht nur ein Widerschein des ihn Betrachtenden, sondern ein solcher des ganzen Lebens und Treibens in der Welt sein soll, in dem sich alles spiegelt, was der Besserung bedarf und was der humane Mensch tun und lassen soll.
Als drittes Sinnbild im Bunde mit dem flammenden Stern und dem Spiegel im Lichte der Zukunft betrachten wir das der Akazie, des „heiligen Baumes“ der Freimaurerei. Sie stellt nach Schauberg „die ewig sich verjüngende Naturkraft, den nach dem Schlafe oder Tode der Natur stets wiederkehrenden Frühling, das unsterbliche Naturleben und zuletzt die Unsterblichkeit des Menschen dar“. Sie lehrt, wenn wir sie als Vertreterin der Naturkraft auffassen, was übrigens auch von jedem andern schönen Baume gilt, deren manche vielen Völkern heilig waren, den Menschen die Schönheit der Natur schätzen und damit für seine eigene geistige Schönheit besorgt sein. Sie lehrt die Gestirne und damit das unendliche Weltall, die Schönheit der Formen, die die Natur hervorbringt, das Wunderwerk des Menschen und seines Geistes bewundern, und damit auch über die unfaßbare Macht des A. B. d. W. staunend nachdenken. Sie lehrt also auch die Natur genießen, an ihr nicht gleichgültig vorübergehen, sie nicht verachten, vielmehr in den Schönheiten von Wald und Feld, von Blumen und Früchten, von Berg und Tal, von Seen und Meer schwelgen, und sie, wenn es die Anlagen gestatten, besingen, zeichnen und malen, jedenfalls aber preisen und dem Schöpfer dafür danken. Sie lehrt, Sonne, Mond und Sterne lieben, sich auch in deren Verdunkelung schicken und auf ihr Wiedererscheinen hoffen. Sie lehrt ferner die wahre Schönheit überall erkennen, edle Menschen nach ihrem Äußeren ergründen und schätzen, aus dem andern Geschlechte die zu finden, die fähig ist, glücklich zu machen und Liebe mit Treue zu vergelten.
Durch alles was sie, richtig verstanden, oder was, wenn man will, irgend ein anderes Naturgebilde lehrt, wird die Erde zum Garten und der Mensch zum fröhlichen Gärtner, der die Seinigen freudig pflegt, für ihr Bestes sorgt und auch anderen Menschen ein treuer Freund wird.
So tragen fl. St., Sp. und Akazie bei richtigem Verständnis zum Glücke der Menschheit und zu einer besseren Zukunft bei.
Sie entsprechen zugleich den 3 freimaurerischen Idealen, der fl. St. der Weisheit, der Sp. der Stärke und die Akazie der Schönheit, sowie den edelsten Tätigkeiten des Menschen, die aus dessen Wesensseiten hervorgehen, die Wissenschaft aus dem Geiste, die Moral aus der Seele, die Kunst aus der Natur.
Übersicht der wichtigsten freimaurerischen Sinnbilder siehe folgende Seite.
Übersicht der wichtigsten freimaurerischen Sinnbilder.
Licht

um uns: in uns: über uns:
Menschheit. Gewissen. Gottheit.
Sinnbild: Zirkel (Menschenliebe) Winkelmaß (Rechttung) Hammer (Macht zum Guten
Zeitraum: Vergangen- heit Gegenwart Zukunft
Mystizismus (Aberglaube) Mystik (Religion) Mysterium (Humanität)
Weisheit Sphingen Bibel Flammender Stern Geist — Wissenschaft.
Stärke Pyramiden Altar Spiegel Seele — Moral.
Schönheit Obelisken. Säulen. Akazie. Natur — Kunst.
Tempel der Menschheit

Vorhof Innerstes Allerheiligstes
Entsprechend den Graden (in einem höhern Sinne) und den Gestirnen:[12] (Lehrlinge) (Gesellen) (Meister)

Erde Mond Sonne
(lichtloses, beleuchtetes Gestirn) (beleuchtetes und leuchtendes Gestirn) (Selbst- leuchtendes Gestirn)