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Kreuz und Quer, Zweiter Band

Das Wallfischboot. (continued 3)

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Von jetzt ab war an keinen Widerstand mehr zu denken; es gab nur noch Verfolger und Verfolgte, und Wenigen der Schaar gelang es, über die Brücke in den Wald zu entkommen, wo sie sich in den wilden Dickichten verstecken und doch für den Augenblick ihr Leben retten konnten.

Die Matrosen nahmen natürlich keinen Theil an der Verfolgung, der sich aber der befreite Amerikaner auf das Thätigste anschloß. Sowie sie nur die übrigen Gefangenen losgebunden, begrüßten sie mit wirklich herzlicher Freude die so zur rechten Zeit zum Sukkurs herbeigeeilten Kameraden. – Und doch mischte sich auch wieder etwas Verlegenheit hinein, denn eigentlich war es gar nicht ihre Absicht gewesen, an Bord zurückzukehren, wenn ihnen auch das feste Land bis jetzt wenig Verlockendes geboten. Bill hatte einen Säbelhieb über den Kopf, Dick einen Lanzenstich durch das Bein, der Bootsteuerer eine Kugel durch den Oberarm und Bob einen Kolbenschlag bekommen, der ihm die Hälfte des linken Ohres vom Kopfe getrennt und den linken Arm gelähmt. Auch von den Neugekommenen waren Einige verwundet worden, aber keiner von ihnen dachte jetzt an die »Schrammen«, und der Harpunier rief vergnügt aus: »Wetter noch einmal, Jungen, Ihr habt uns beinahe eine heiße Mahlzeit eingebrockt, aber all's well, that end's well, und jetzt müssen wir machen, daß wir an Bord kommen, denn der Alte kocht gewiß schon vor Ungeduld noch ärger als sein Kessel.«

»Ihr habt Fische gefangen?« sagte Bill zaudernd.

»Zwei Mordfische!« rief der Harpunier, »und einen noch draußen liegen, mit der Fahne eingesteckt. Das aber nicht allein, die See scheint da draußen von Spermfischen zu wimmeln, und wir sind nur hier – mit Auskochen beschäftigt und weil wir für den Augenblick nicht mehr bergen konnten – die Küste angelaufen, um nach Euch auszusehen, denn damals im Nebel konntet Ihr kaum anders als hier an Land gehen.«

»Und es gibt wirklich viele Fische draußen?« fragte der Bootsteuerer.

»Wenn wir noch einmal so dazwischen kommen, wie neulich,« versicherte der Harpunier, »und mit allen vier Booten arbeiten können, so kriegen wir das halbe Schiff voll, so viel ist sicher.«

»Hm ja,« sagte Bill, während er sich mit der linken Hand das Blut vom Kopf herunterwischte, den Blick aber forschend umherwarf, als ob er Jemanden suche – »ich – müßte aber doch eigentlich erst noch einmal nach Haus.«

»Nach Haus?« rief der Harpunier verwundert, »wo zum Teufel hast Du in den zwei Tagen ein Haus herbekommen?«

»Und eine Frau dazu,« rief Bob lachend.

»Eine Frau?« – aber Bill wurde die Antwort erspart. Aus dem Schwarm der umherdrängenden jubelnden Menschen stürzte ein junges blühendes Weib, und sich ohne Scheu an des Matrosen Hals werfend, drückte sie einen heißen Kuß auf seine Lippen.

»Madame!« sagte Bill ganz verdutzt, aber mit leuchtenden Augen den Arm des neben ihr stehenden geretteten Gatten ergreifend, rief das junge Weib: »Euch und Gott habe ich die Befreiung meines Mannes zu danken, o möge Euch einst der Himmel lohnen, was Ihr an uns gethan.«

»Wackere Bursche!« rief auch jetzt der Mann, »wie soll ich euch je Eure Hülfe danken, wo mir die Räuber auch das Letzte genommen haben.«

»War vollkommen gern geschehen, Sirrih,« nickte Bill, der bis hinter die Ohren roth geworden – »die junge Frau da ist ein braves Weib, und kein Amerikaner würde sie im Stich gelassen haben.«

»Und Ihr zürnt mir nicht mehr meines Ueberfalls – meiner Lüge wegen?« lächelte das junge Weib.

»Ich« – sagte Bill, noch viel röther werdend – »ich – ich wollte, es wäre wahr gewesen – aber was kann's helfen! Kommt, Jungen, die Zeit vergeht. Der Alte hat schon die Flagge aufgezogen.«

»Bei Gott!« rief der Harpunier emporfahrend – »dort geht sie auf und nieder! Fort an Bord – an Bord!«

»Und Ihr wollt wieder fort?«

»Matrosenleben,« sagte Bill achselzuckend, indem er ihr seine breite Hand reichte und die ihrige herzlich, aber vorsichtig drückte. »Lebt wohl und – und wenn es Euch wieder gut geht, denkt zuweilen an Euren – zweiten Mann – good bye –« und ohne eine weitere Antwort abzuwarten, sprang er, den Uebrigen voran, zum Boote hinab.

Die beiden Boote waren rasch flott gebracht, und aus dem jetzt vollständig verödeten Wachthaus wollten sie nun ihre Riemen und ihr Segel herunter holen. Zwei von den Riemen waren auch wirklich noch da – weiter nichts. Die drei anderen und das Segel, wie die eine Harpune und Lanze hatten irgendwo einen Liebhaber gefunden. Aber es blieb ihnen keine Zeit mehr, sich danach umzusehen, wäre auch wahrscheinlich nutzlose Arbeit gewesen.

In wenigen Minuten waren die Boote bemannt und stießen vom Lande, um ihrem Schiffe zuzurudern. Wie sie sich vom Ufer entfernten, kam jener Amerikaner, den sie aus den Händen der Godos befreit, und der sich indessen den Verfolgern angeschlossen und das ausgebrochene Feuer mit gedämpft hatte, zum Ufer herabgestürzt und rief ihnen nach.

Einen Moment blieben die Leute auf ihren Rudern liegen.

»Boys, country men!« rief der Landsmann, »fahrt nicht so fort, ich muß Euch erst danken und der General will Euch für Eure Hülfe belohnen.«

»Meine schönsten Grüße an den General!« rief der Harpunier zurück, »aber der Alte wetzt die Flaggenfall da drüben zu Schanden. Das Schiff ist schon wieder unterwegs! Good bye.«

»Good bye denn, God bless you!« rief ihnen der Amerikaner nach. Die Matrosen schwenkten ihre Mützen gegen ihn, und wieder griffen die Ruder ein, und ließen die Stadt bald weit, weit zurück.

Jetzt hatten sie das Schiff erreicht. Ein lauter donnernder Jubelruf begrüßte von dort die geretteten Kameraden – jetzt liefen sie langseit – im Nu lagen die Boote unter den Krahnen und wurden aufgeholt, und fünf Minuten später segelte die Martha's-vine-yard, schwerfällig wie immer, aber auch ihre Zeit dazu benutzend und den gewonnenen Thran auskochend, während eine schwarze Rauchsäule ihre Bahn bezeichnete – in die offene See hinaus.

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