V. Teil. Die Körperpflege durch Licht und Luft.
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Um die Einwirkung von Licht und Luft auf den Körper richtig zu schätzen, muß man ihre physikalischen Eigenschaften kennen.
1. Physikalische Eigenschaften des Lichtes; Einfluß auf Pflanzen, Bakterien und den tierischen Organismus.
Man nimmt an, daß das Licht aus transversalen Schwingungen des Äthers besteht. Die durch die Erschütterung des Lichtäthers entstandenen Wellen sind verschieden lang und von verschiedener Dauer. Unser Auge empfindet diese Verschiedenheit als farbiges Licht. Das Sonnenlicht, das uns gleichmäßig weiß erscheint, ist ein zusammengesetztes, farbiges Licht, welches nur in seiner Gesamtheit auf unser Auge einen weißen Eindruck macht. Wir können dasselbe in seine einzelnen Bestandteile zerlegen, indem wir das Sonnenlicht durch einen feinen Spalt auf ein Glas- oder Quarzprisma auffallen lassen und dann sehen wir die Regenbogenfarben rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau, violett. Schließlich gibt es noch farbiges Licht, das wir mit unseren Augen nicht erkennen können, welches aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, das sogenannte ultraviolette Licht. Das rote Licht hat vorwiegend wärmebringende, das blaue, violette und ultraviolette Licht dagegen mehr chemisch wirksame Strahlen, die gelben und grünen Strahlen sind mehr optischer Natur und heißen kurzweg Lichtstrahlen. Das Sonnenlicht wechselt seinen Reichtum an chemischen Strahlen, es ist reicher an denselben in höheren Regionen und im Süden, ärmer in der Niederung und im Norden. Die verschiedenen Körper lassen je nach ihrer Eigenart die eine oder andere Lichtart oberflächlicher oder tiefer eindringen. Wohin auch immer in der organischen Welt das Licht dringt, äußert es seinen Einfluß.
Die Pflanzen gebrauchen zur Blütenbildung, zum Wachstum, zur Assimilation, zur Richtung ihrer Form, zur Entrichtung des Blattgrüns, zur Entfaltung ihrer Farben und ihres Duftes nachgewiesenermaßen eine bestimmte Stärke der Beleuchtung, und zwar ist für sie das elektrische Bogenlicht nicht minder wertvoll als das Sonnenlicht. Ein Zuviel oder ein Zuwenig der Lichtmenge bedroht ihre Existenz, ebenso die Permanenz der Lichtwirkung. Licht- und Dunkelheitsbedürfnis stehen in einem gewissen Verhältnis.
Interessant ist der Kampf des Lichtes gegen die Bakterien, jener kleinen Pilze, welche unter geeignete Lebensbedingungen gebracht, trotz ihrer Kleinheit durch ihre außerordentlich schnelle und starke Vermehrung und durch ihre Virulenz (Giftigkeit) eine fabelhafte Wirksamkeit entfalten können. Dieselben sind imstande, durch ihre Ansiedlung auf kranken Organen des menschlichen Körpers denselben völlig zu zerstören. Eine große Reihe wissenschaftlicher Versuche haben gezeigt, daß das Licht und zwar sowohl das Sonnen-, als auch das elektrische Licht hemmend, ja vernichtend auf die Entwicklung der Bakterienzellen wirkt, daß ihre Virulenz gemindert wird. Diese immunisierende, baktericide oder Desinfektionskraft ist weniger dem Einfluß der Wärme, als der chemischen Wirksamkeit des Lichtes zuzuschreiben. Selbst diejenigen Bakterien, welche der trockenen und feuchten heißen Luft und den stärksten chemischen antiseptischen Mitteln widerstehen, werden durch Lichtwirkung vernichtet. Dabei ergaben die Experimente die wichtige Tatsache, daß nicht nur das direkte Sonnenlicht, sondern auch das diffuse Tageslicht das Wachstum der Bakterien hemmte und dieselben tötete, wenn auch die Wirkungszeit desselben viermal länger war.
In der Wissenschaft liebt man es, physiologische Erkenntnisse, die für den menschlichen Organismus nutzbar gemacht werden sollen, zuvor durch Tierexperimente zu erhärten. Deshalb ist die Tatsache, daß auch der tierische Organismus bestimmte Beeinflussung durch Licht zeigt, von großer wissenschaftlicher Bedeutung.
Der Tierkörper zeigt zunächst eine deutliche Beeinflussung seines Nervensystems, besonders durch die chemischen Strahlen des Lichtes. Der normale, elektrische Strom der Nerven wird erhöht, die Reflextätigkeit gesteigert. Der Stoffwechsel wird besonders durch die stark brechenden Strahlen angeregt und gesteigert. Sauerstoffaufnahme und Kohlensäure und Wasserdampfabgabe sind wesentlich vermehrt, der Kohlenstoffumsatz erhöht. Die Stoffwechselerhöhung geschieht nicht nur auf dem gewöhnlichen Wege, sondern hauptsächlich von der Haut aus, indem das Licht auf die im Hautorgan gelegenen Nervenendigungen erregend wirkt. Dieser Antrieb wird nach innen zu den großen Nervencentren im Gehirn und Rückenmark fortgeleitet und von dort auf die Muskel- und Drüsennerven weitergegeben, welche die erhöhte Zersetzung und Arbeit in den zugehörigen Organen veranlassen. Licht erhöht ferner die Wachstumsvorgänge. Denn läßt man Tiere gleicher Art und Gattung sich vergleichsweise im Dunkeln und im Licht entwickeln, so sind die belichteten an Länge und Gewicht überlegen. Bei Fischen und Amphibien heilen verstümmelte Glieder im Lichte schneller als im Dunkeln. Gewisse niedere Tierarten zeigen wie die Pflanzen die Erscheinung des Heliotropismus, sich nach der Sonne hinzukehren, um den richtenden Einfluß der Sonnenstrahlen sich nutzbar zu machen. Die direkte Einwirkung des Lichts auf das tierische Eiweiß ist ebenfalls nachgewiesen, indem durch plötzliche Beleuchtung sich dasselbe zusammenzieht, also in Bewegung gebracht wird. Die roten Blutkörperchen verändern unter Belichtung ihre Gestalt, ihre Bildung wird durch Lichtmangel verlangsamt. Besonders stark wird unter Lichtwirkung der Blutfarbstoffgehalt vermehrt und derselbe an die Peripherie fortbewegt zum Schutz gegen die zu starke Belichtung. Bei zu intensiver Belichtung kann Sonnenbrand der Haut entstehen. Nicht unerwähnt darf schließlich das hohe Lichtbedürfnis vieler Tiere bleiben und die umstimmende und lebenerweckende Kraft des Lichtes, sowie endlich die Eigenschaft einiger Tierkörper, selbstleuchtend zu werden.
2. Einfluß des Lichtes auf den gesunden Menschen.
So mannigfach wie das Licht in der unbelebten und belebten Welt sich wirksam erweist, so vielfach ist auch sein Einfluß auf den Menschen. Durch zwei Pforten tritt das Licht in den Körper ein, durch die Augen- und durch die Hautpforte. In der Bahn des Sehnerven werden quantitativ und qualitativ verschiedene Sinneseindrücke zum Gehirn geleitet und durch Vermittlung der Psyche, der Stoffwechsel, die Atmung, das Gefäßsystem beeinflußt, von den Hautnerven aus wird der Lichtreiz zu den nervösen Zentralorganen geleitet und von dort den Muskeln und Drüsen mitgeteilt. Da aber das Hautorgan für Licht durchgängig ist, so äußert es auch direkte Tiefenwirkung. Das Licht ist also einerseits wie die Kälte oder Hitze des Wassers ein Bewegungsreiz, der bei dem Abhängigkeitsverhältnis der inneren Organe von dem Hautorgan von der Oberfläche aus reflektorisch das Innere des Körpers trifft und beherrscht, andererseits ein direkter örtlicher Reiz für die getroffenen in der Tiefe gelegenen Gewebe. Auf diesem Wege ruft das Licht bestimmte Veränderungen in den Organen hervor, wird aber auch selbst verändert.
Die Haut ist bekanntlich mit einem ungemein großen Blutgefäßnetz begabt. Dieses wird durch den Lichtreiz stark erweitert und die Haut so chronisch gerötet. Mit der starken Durchblutung des Hautorgans erfahren nicht nur die inneren Organe eine erhebliche Entlastung, sondern das Hautorgan tritt in den Zustand erhöhter Funktionstätigkeit, es atmet stärker, scheidet stärker aus etc. Ist die Belichtung eine sehr intensive auf längere Zeit, so entzündet sich die Haut leicht und zeigt die Erscheinungen des Sonnenbrandes. Die Haut ist stark gerötet, schmerzt und zeigt schließlich Blasenbildung, nach drei bis vier Tagen beginnt sie sich zu schälen, die rote Farbe wird bräunlich. Die neue Haut ist nicht abnorm lichtempfindlich.
Wirkt das Licht allmählicher, so bräunt sich langsam die Haut entweder umschrieben in der Form der Sommersprossen oder allgemein. Der Vorgang der Bräunung beruht auf der Wirksamkeit der chemischen Lichtstrahlen und ist eine Schutzvorrichtung gegen das Zuviel der Lichtnahrung, denn der Hautfarbstoff (Pigment) verschluckt die chemischen Lichtstrahlen. Je stärker der Mensch gebräunt ist, um so weniger hat er unter der Lichtwirkung zu leiden. Daher finden wir auch die Menschen, je näher sie am Aequator wohnen, stärker gebräunt, weil sie des Lichtschutzes benötigen. Je länger und je intensiver das Licht auf die Haut wirkt, um so dunkler wird das Braun derselben. Die Dunkelfärbung ist aber Ursache, daß größere Wärmemengen in den Körper eintreten können. Die Ueberhitzung wird durch stärkere Schweiße ausgeglichen. Die Kleidung kann die Hautbräunung nicht ersetzen, denn helle Kleider bieten dem Lichte zu wenig Widerstand, dunkle Kleider saugen zu viel Wärme auf.
Wie das direkte Sonnenlicht, so wirkt auch das elektrische Bogenlicht und ferner das reflektierte Licht, wie die Erscheinung des Gletscherbrandes beweist.
Auf dem Wege ins Innere des Körpers begegnet das Licht einem Hindernis, dem Blutorgan, welches die chemischen Strahlen zum Teil verschluckt. Trotzdem dringt noch ein genügend großer Lichtvorrat in den Organismus ein, um wirksam zu werden. Der Blutfarbstoff der roten Blutscheiben vermehrt sich unter Lichtwirkung und der Zellen- und Gesamtstoffwechsel wird erhöht. Quinckes Versuche bewiesen, daß durch Belichtung der Aufbau und der Abbau der Stoffe schneller und ausgiebiger erfolgt, als im Dunkel. Ferner wurde nachgewiesen, daß beim nackten, belichteten Körper der Stoffwechsel schneller ist, als beim bekleideten und zwar um so rascher, je mehr direktes Sonnenlicht den Körper trifft. Also auch in dieser Beziehung beweist sich die Bekleidung als ein Hindernis für den natürlichen Ablauf der Körperfunktionen auf Lichtwirkung.
Eine sehr augenfällige Wirkung des Lichts ist die Beeinflussung des Wachstums. Haare und Nägel wachsen im Lichte schneller als im Dunkeln. Das Wachstum der Kinder bleibt in sommerarmen Monaten fast gänzlich stehen, Bewohner von lichtarmen Kellerwohnungen und von lichtarmen, tiefgelegenen Gebirgstälern bleiben in der Entwicklung zurück.
Nicht minder deutlich ist die Einwirkung des Lichts auf die Psyche. Wie gedrückt ist die Stimmung der meisten Menschen bei bewölktem Himmel, wie reizvoll und belebt erscheint uns die Natur, und wie kraftvoll fühlen wir uns selbst, sobald nur ein heller Sonnenstrahl durch die Wolken bricht! Kein Wunder, daß die Mehrzahl der Selbstmorde in den lichtarmen Monaten passieren! Nur kranke Menschen sind lichtscheu, gesunde Menschen haben ein hohes Lichtbedürfnis.
Die Macht des Lichtes wird uns recht erkennbar, wenn wir die Kraft und Schönheit derjenigen Völkerrassen vergleichen, welche unbekleidet dem Lichte und der Luft ausgesetzt sind, wie Neger und Indianer, mit dem kranken und unschönen Aussehen der Eskimos.
Rechnen wir zu allen angeführten Lichtwirkungen noch die Wärmewirkungen des direkten und diffusen Sonnenlichtes, so müssen wir die Sonne als die größte Wohltäterin der Menschheit erkennen.
Als solche erweist sich dieselbe nicht nur dem gesunden, sondern ganz besonders auch dem kranken Menschen gegenüber.
3. Einfluß des Lichtes auf den kranken Menschen.
Die Geschichte der Medizin lehrt, daß man zu allen Zeiten das Licht zu Heilzwecken ausgenutzt hat.
Tafel IX.

Fig. 22. Im Sonnenbad. 1. Im Sitzbade. 2. In der Packung. 3. Leibmassage im Sonnenbad. 4. Pulskurvenaufnahme. 5. Herzuntersuchung. 6. Brustspielraummaße festgelegt.
Und zwar verwendet man die Wärme des Lichts, um im Körper eine Wärmestauung mit nachfolgendem Schweißausbruch zu erzeugen und dadurch den Organismus nicht nur vom überschüssigen Körperwasser, sondern auch von den in ihm befindlichen Fremdstoffen und Selbstgiften zu befreien. Durch dies künstliche Feuer gelingt es, die belastenden Fettmassen des Körpers einzuschmelzen, rheumatische und Giftstoffe zu verbrennen, den unverbrannten Körperzucker bei Zuckerkranken zu oxydieren, bei allen Stoffwechselkranken mit Verlangsamung der Lebensvorgänge fördernd zu wirken, die in Körperhöhlen und in den Geweben nicht aufgesaugten, wässrigen Ausscheidungen zur Aufsaugung zu bringen, Syphilis, Skrofulose, Haut- und Knochenleiden zu heilen, Nerven- und andere Schmerzen zu lindern und Schwächezustände der verschiedensten Art und manche andere Krankheit zu beseitigen. Unterstützend wirkt überall da, wo man zunächst nur die Wärme beansprucht, der spezielle Lichteinfluß mit.
Tafel X.

Fig. 23. Im Sonnenbad. 1. Rumpfpackung. 2. Ganzpackung. 3. Im Sitzbade. 4. Thure-Brandt-Gymnastik im Sonnenbade. 5. Knieguß. 7. Organuntersuchung im Luftbade. 8. Vermessung der Körpermaße.
Diese Art der Lichtanwendung geschieht in Form von Sonnen- und elektrischen Lichtkastenbädern.
a) Das Sonnenbad.
In einem vor Wind geschützten, umzäunten, nach Süden gelegenen und oben offenen Raume, liegen die Patienten auf Matratzen oder Decken, oder auf sonnedurchglühtem Sande; der Kopf ruht etwas erhöht auf einem Kopfpolster und ist durch ein verstellbares Schattendach geschützt, die Augen werden durch einen Hut oder Augenschirm noch besonders bewahrt. (Fig. 22, 23.) Der Sonnenbadler wendet den Körper von Zeit zu Zeit, so daß alle Teile nacheinander besonnt werden, bis lebhafter Schweißausbruch erfolgt. Den Schweißausbruch kann man beschleunigen, indem man das Liegen in der Sonne durch Bewegung, wie Turnen (Fig. 24, 25) oder Turnspiele oder durch nutzbringende Beschäftigung und ablenkende Gartenarbeit etc. unterbricht. Will man die Schweißwirkung stark ausnutzen, so empfiehlt es sich, das Sonnenbad auf dem von der Sonne erhitzten, weißen, feinen Sande zu nehmen, also das Sonnenbad mit einem Sandbade zu verbinden, welche Kombination besonders Nierenkranken anzuraten ist, oder zum Zwecke des Nachschwitzens sich in wollene Decken einpacken zu lassen. Diejenigen Patienten, welche noch wenig an Luft und Sonne gewöhnt sind, tun gut, anfangs nicht gleich den ganzen Körper, sondern nur Teile desselben der Sonne auszusetzen, also zunächst mit Barfußgehen anzufangen (Fig. 25) und dann ein Kleidungsstück nach dem andern abzulegen, den lichtempfindlichsten Teil des Körpers, den Kopf, durch eine leichte Kopfbedeckung zu schützen und öfters den Schatten der Bäume aufzusuchen.
Tafel XI.

Fig. 24. An den Geräten.
An den kühleren Tagen des Jahres wird das Sonnenbad mit Vorteil in atelierartigen Räumen genommen, mit elektrischer Ventilation und bequem zu öffnenden Fenstern. Das Glasdach muß wegen der Gefahr der Ueberhitzung durch eine Berieselungsanlage leicht zu kühlen sein. Durch rote, blaue und andersfarbige Gardinen muß es möglich gemacht werden, Farbenzimmer herzustellen.
Tafel XII.

Fig. 25. Barfußlaufen im Grase. (Teilluftbad. Beginn der Abhärtung.)
Mit dem Sonnenbade werden nützlich häufig Massage- und Gymnastikkuren verbunden. Den Beschluß des Bades bildet je nach der Krankheit eine abkühlende Wasserprozedur, ein Halbbad, Vollbad, Rumpfbad, Kneipp’scher Guß oder kühles Regenbad.

Fig. 26. Geöffnetes Glühlicht-Vollbad zum Sitzen.

Fig. 27. Elektrisches Glühlicht-Vollbad mit 36 Glühlampen zum Liegen.
b) Das elektrische Lichtbad.
Da man nicht immer das Sonnenlicht in genügender Intensität zur Verfügung hat, so macht man sich das elektrische Licht zu nutze und baut zu diesem Zwecke Lichtkästen, welche man inwendig mit elektrischen Glüh- oder Bogenlampen bewaffnet. Diese Lichtkästen (Fig. 26, 27[5]) sind im wesentlichen Kästen von verschiedenster Form und Größe, meist zum Sitzen des Patienten, seltener zum Liegen eingerichtet. An den mit Milchglas ausgelegten Innenwänden befinden sich meist 48 Lampen, in 8 Reihen gleichmäßig verteilt; jede Lampenreihe ist, zum Schutz gegen Verbrennung des Patienten durch Berührung mit senkrecht stehenden Metallstäbchen versehen. Oben wird der Kasten durch einen verschiebbaren Deckel geschlossen, so daß der Kopf des Patienten außerhalb des Kastens ist, vorn befindet sich die verschließbare Tür, durch welche der Patient eintritt. In derselben befindet sich eine Oeffnung zur Pulskontrolle, zur Darreichung von Herzkühlern und für irgend welche physiologischen Experimente. Zur Beruhigung für ängstliche Patienten ist im Kasten selbst eine elektrische Klingel angebracht und Tür- und Verschlußdeckel so eingerichtet, daß sie mit Leichtigkeit vom Patienten selbst geöffnet werden können. Ein im Deckel angebrachtes Thermometer gestattet die Kontrolle der Temperatur. Die Lichtreihen sind einzeln oder paarweise auszuschalten.

Fig. 28. Elektrisches Rumpflichtbad.

Fig. 29. Elektrisches Armlichtbad.

Fig. 30. Elektrisches Fußlichtbad.
Die Glühlichtkastenbäder sind saubere Schwitzbäder feinster Art, welche mancherlei Vorzüge vor den Dampfkasten- und Heißtrockenluftbädern haben und überall da angezeigt, wo Schwitzbäder überhaupt am Platze sind. Sie werden als Voll- und Teilbäder verabreicht. (Fig. 28, 29, 30). Gegenüber den anderen schweißerregenden Proceduren, welche den Körper durch Leitung mit Wärme laden, wirkt beim Glühlichtbad die strahlende Wärme, welche tiefer in den Körper eindringt und meist angenehmer von den Patienten empfunden wird. Schon bei relativ geringen Temperaturen von 30 bis 35° C treten Schweiße auf, die reichlicher bei 40° C und darüber werden. 60° C sollen möglichst nicht überschritten werden. Der frühzeitige Schweißausbruch ermöglicht eine relativ kurze Dauer des Bades (15-20 Minuten). Die Wärmezuführung kann durch Ein- und Ausschalten gut abgestuft werden. Kongestionen zur Lunge sind nicht zu fürchten, weil der Kopf außerhalb des Kastens ist und der Lunge auf diese Weise gute, kühle Luft zugeführt werden kann. Das Herz wird bei dem Schwitzen mittelst Glühlichts nur wenig angestrengt. Spezifische Lichtwirkung kommt den Glühlichtbädern nicht zu. Diese findet man vielmehr in den Bogenlichtbädern.

Fig. 31. Kombiniertes Lichtbad.
Das Bogenlicht in Kästen nach Art der Glühlichtkästen gebracht, ist weniger eingeführt, weil die Kästen zu schnell zu heiß werden, örtliche Hautentzündungen entstehen und Gefahr der Verbrennung der Haut durch abspritzende, glühende Kohlenbestandteile besteht. Diese Gefahr und Unbequemlichkeit sind in dem kombinierten Lichtkasten der Firma Reiniger, Gebbert & Schall beseitigt, in welchem Achteckkasten die Armatur wie in dem beschriebenen Glühlichtkasten vorgesehen ist, außerdem 4 Bogenlampen, die durch blaue Scheiben das Spritzen der Funken verhindern. (Fig. 31.) Finsen hat sich zur Vermeidung der Uebelstände einen Lichtbaderaum eingerichtet, in welchem ein paar Meter über dem Fußboden einige Bogenlampen von 80 bis 100 Ampères Stromstärke aufgehängt sind. Die Temperatur des Baderaumes ist eine mäßige; in demselben bewegen sich die Patienten wie im Sonnenlichtbade nackend, nur mit gelben oder rauchgrauen Schutzgläsern bekleidet, zum Schutze der Augen. Die Anwendung dieser Art von Bogenlichtbädern ist da geboten, wo man spezifische Licht- nicht Wärmewirkung gebraucht.

Fig. 32. Lichtsammelapparat von Prof. Dr. Finsen.
c) Das konzentrierte Sonnen- und elektrische Licht.
Bereits im Altertum bemühte man sich die Wirkung des Sonnenlichtes möglichst energisch auszunutzen. So wirkte Porta mittels eines Glashutes bereits örtlich auf die Haut ein, so sammelten die Amerikaner, Thayer und Barnes, in den sechziger Jahren das Sonnenlicht mittels Brenngläsern, um Warzen, gutartige und bösartige Neubildungen zu verbrennen, so benutzte der Laie Mehl den Lichtbrand, um die fressende Flechte und andere Hautkrankheiten zu beseitigen. Und Strebel-München gelang es, eine Hand- oder Stativlampe zu konstruieren, welche ein Linsen- oder Spiegelsystem trägt, welches die Wärmestrahlen eines Voltabogens konzentriert. Der Sonnenlichtbrand ist damit durch den jederzeit zu gebrauchenden elektrischen Lichtbrand ersetzt. In gleicher Weise, wie die Sammlung der Wärmestrahlen durch Linsen erreicht wurde, gelang auch die Sammlung der chemischen Strahlen der Sonne und des elektrischen Lichts. Der Kopenhagener Professor Finsen konstruierte einen Lichtsammelapparat mit Bergkrystallinsen (Fig. 32), die Wärmestrahlen schaltete er durch Abkühlung des Lichtes mittels einer 30 cm breiten Schicht destillierten Wassers aus. Um die lichtaufsaugende Wirkung des Blutes auszuschalten und somit ein tieferes Eindringen in die Haut zu ermöglichen, konstruierte er eine plankonvexe, doppelumränderte Linse aus Bergkrystall, in deren Innerem stets kaltes Wasser strömt. Diese wird auf den zu behandelnden Hautabschnitt aufgedrückt. Dieses Druckglas (Kompressorium) macht den bedrückten Hautabschnitt blutleer und gestattet so das Eindringen der gesammelten chemischen Lichtstrahlen. Durch diese Art der Lichtbehandlung ist es Finsen gelungen, sein Vaterland von der Seuche der fressenden Flechte zu befreien, und viele andere Hautkrankheiten bakteriellen und nicht bakteriellen Ursprungs erfolgreich zu behandeln.

Schutz-Marke Reiniger Gebbert & Schmall Erlangen.
Fig. 33. Blaulichtsammelapparat und Blaulichtbestrahlungskörper.
Will man größere Hautbezirke örtlich mit Bogenlicht behandeln, so eignet sich am besten hierzu ein regulierbarer elektrischer Scheinwerfer. (Fig. 33 a, b, c.) Derselbe besteht im wesentlichen aus einer Bogenlampe von 20 bis 25 Ampères, deren Kohlenstifte horizontal gestellt sind. Der Apparat ist mit einem Metallspiegel (Reflektor) und einer Einrichtung zur Verschiebung des Voltabogens vom Spiegel versehen. Zur Ausschaltung der Wärmestrahlen benutzt man Glaslinsen, welche mit verdünnter, ammoniakalischer Kupfersulfatlösung gefüllt sind. Durch diese läßt man das Licht gehen. Der Scheinwerfer hat schwächere Wirkung als der Finsen’sche Apparat.
d) Das farbige Licht.
Auch die einzelnen Farben des Lichtes hat man sich für die Körperpflege nutzbar zu machen gesucht. Dieselben äußern ihre Hauptwirkung auf Gemüt und Nerven. Rotes Licht erregt die Nerven, ist daher zur Anregung melancholisch und hypochondrisch Verstimmter erfolgreich verwendet worden; grünes, blaues und violettes Licht beruhigt die Nerven, deshalb eignet es sich zur Behandlung nervöser Menschen, die sich in abnormer Erregung befinden. Bei Hautentzündungen der verschiedensten Art, bei der Rose, dem Exzem, bei Blattern etc. bedient man sich zur Behandlung des roten Lichtes, indem man die chemischen Strahlen, welche ja die bereits entzündete Haut noch mehr entzünden würden, abfiltriert. Die erfolgreiche Behandlung der Blattern mittels roten Lichtes ist deswegen von besonderer Bedeutung, weil sie eventuell die Schutzpockenimpfung überflüssig macht.

Fig. 34. Röntgenstrahlenapparat.
e) Röntgen- und Becquerelstrahlen.
Prof. Röntgen in Würzburg, jetzt München, machte die Entdeckung, als er eine Hittorf’sche Röhre (= luftleergemachte Röhre, in welcher die Entladung elektrischer Induktionsströme erfolgt) mit schwarzem und undurchsichtigem Karton umhüllte, in die Nähe eines mit fluoreszierendem Bariumplatincyanür bestrichenen Schirmes brachte, daß derselbe aufleuchtete. Es mußte also etwas, obwohl für unser Auge unsichtbar, von der Röhre ausstrahlen, welches ungehindert durch den Karton hindurch wirkte. Diese Strahlen, die von der Kathode ausgehen, aber keine Kathodenstrahlen sind, weil sie vom Magnet nicht abgelenkt werden, nannte Röntgen X-Strahlen. (Fig. 34.) Dieselben entladen elektrische Körper, interferieren nicht, werden weder regelmäßig reflektiert noch gebrochen, durchdringen dagegen fast alle Stoffe. Auf die photographische Platte wirken sie ebenso wie die Lichtstrahlen. Sie durchdringen die Weichteile des menschlichen Körpers leichter als die Muskeln, am schwersten die Knochen, werden also nicht wie die chemischen Lichtstrahlen vom Blute verschluckt, und können deshalb Tiefenwirkung äußern.
Man verwendet das Röntgenlicht zur Erkennung der kranken Teile des Körpers, aber auch zu deren Heilung. Leider verbrennt dasselbe ungemein leicht die Haut und muß deshalb sehr vorsichtig angewendet werden. Bei Hautkrankheiten, zur Enthaarung und einigen anderen Erkrankungen leistet es gute Dienste, ja es wird immer häufiger von Krebsheilungen durch Röntgenlicht berichtet.
Ob den sogenannten Becquerelstrahlen nützliche Einwirkungen auf den menschlichen Körper zuzuschreiben sind, ist mit Sicherheit bisher noch nicht festgestellt. Es sind dies diejenigen Strahlen, welche von dem metallischen Uran ausgehen und leuchtfähige Körper zum Leuchten bringen. Sie haben im menschlichen Körper keine Tiefenwirkung.[6]
f) Blondlot-Strahlen (N-Strahlen).
Hochinteressant sind schließlich die von dem Nancyer Professor Blondlot entdeckten Strahlen, welche er zu Ehren der Stadt Nancy die (N-) Nancy-Strahlen genannt hat. Er fand nämlich bei der Untersuchung der von Röntgen-Röhren abgehenden Strahlen gewisse Strahlen, welche einen schwachen elektrischen Funken verstärken. Wie die X-Strahlen durchdringen sie undurchsichtige Körper z. B. dünne Metallplatten, Holz, Papier, werden aber andererseits durch eine 3 mm dicke Steinsalzschicht oder durch Wasser und andere Substanzen aufgehalten. Sie unterscheiden sich ferner von den X-Strahlen dadurch, daß sie den Gesetzen der Reflexion gehorchen, polarisierbar und refraktibel sind. Diese merkwürdigen Strahlen werden von den meisten Lichtquellen so besonders von der Sonne ausgesandt und von der Mehrzahl der Körper aufgenommen. Sie können durch Kompression eines Körpers hervorgerufen werden; sie werden von Pflanzen und vom Tierkörper ausgesandt. Der menschliche Körper sendet die N-Strahlen in verschiedener Intensität aus je nachdem der Muskel ruht oder sich zusammenzieht, je nachdem ein Nerv oder Nervenzentrum in stärkerer oder schwächerer Erregung ist. Diese Strahlen sind bisher nur zu diagnostischen Zwecken verwendet worden; wie weit sie hygienisch oder für Heilzwecke brauchbar sind ist bisher noch nicht festgestellt.
4. Die Luft in Beziehung zum menschlichen Körper.
Hat sich das Licht in vieler Beziehung als ungemein wertvoll, ja unersetzbar für den menschlichen Körper erwiesen, und haben wir das Licht als diejenige Nahrung kennen gelernt, welche unser Blutorgan fast völlig verschluckt, um daraus ungeahnte Energiemengen im Körper aufzuspeichern und daraus Kräfte der verschiedensten Mächtigkeit zu bilden, so können wir dennoch, wenn auch nur als Sieche, unser Dasein ohne dasselbe fristen. Ohne Luftnahrung aber können wir nur wenige Minuten sein, ohne Luft müssen wir sterben. Diese unterhält alle unsere Lebensprozesse, sie ist also von noch größerer Bedeutung für uns als das Licht.
Die Erde ist von einer Lufthülle umgeben, welche im wesentlichen aus 20,75% Sauerstoff, 78,38% Stickstoff, 0,03% Kohlensäure und 0,84% Wasserdampf besteht, dazu kommen Spuren von salpetriger Säure, Ammoniak, Grubengas und Sonnenstäubchen. Unter letzteren versteht man Kieselsäure, Staub und die mit dem Staub aufgewirbelten Partikeliten der belebten und unbelebten Natur. Wie alle auf der Erde befindlichen festen oder flüssigen Körper wird auch die Luft von der Anziehungskraft der Erde festgehalten. Die Luft übt demnach einen Druck auf die Oberfläche der Erde und ihre Bewohner aus; dies ist der sogenannte Luftdruck, der mit einem Gewicht von 5 Trillionen Kilogramm auf die Erde drückt. Dieser Luftdruck zeigt infolge der hohen Beweglichkeit und Ausdehnungsfähigkeit der Luft unausgesetzt Schwankungen. Ebenso ist der Wassergehalt und der Wärmezustand der Luft in stetiger Veränderung. Den Einfluß der Sonnenstrahlung haben wir ja bereits kennen gelernt.
Aber wir leben ja nicht nur in durchsonnter, sondern auch in durchfeuchteter, durchwindeter, heißer, warmer und kalter Luft in ihren verschiedenen Kombinationen.
Ihr Verhältnis zum menschlichen Körper verstehen wir am besten, wenn wir erstens die verschiedenen atmosphärischen Einflüsse und zweitens die Funktionen desjenigen Organs kennen, welches uns von derselben abschließt und wiederum mit ihr verbindet, nämlich des Hautorgans.
Die Luft äußert eine mehr oder weniger starke Wärme- resp. Kältewirkung.
Diejenige Luft, welche höhere oder niedrigere Temperaturen, als die augenblickliche Hauttemperatur hat, wirkt als ein Reiz von der Oberfläche aus, ruft die sogenannte Reaktion hervor. Je größer die Reizwirkung ist, d. h. je mehr die Lufttemperatur von der Hauttemperatur sich entfernt, um so stärker ist auch die Reaktion von seiten des Körpers.
Diese Reizwirkung ist für den Kältereiz eine etwas andere als für den Wärmereiz. Beide reizen die Empfindungs- und die Gefäßnerven; leiten den Reiz zu den nervösen Zentralorganen und wirken von dort aus umstimmend und verändern daselbst den Blutumlauf, sie verändern reflektorisch die Peristaltik im Verdauungsapparat und die Tätigkeit der Eingeweide, sie beeinflussen die Herz- und Gefäßarbeit, sie verändern Atmung und Körpertemperatur, kurzum sie wirken von der Oberfläche aus reflektorisch in die Tiefe auf alle Organe. Ist diese Reizwirkung eine vorübergehende und der Kraft des Körpers individuell angepaßte, so wird die Anregung zu erhöhter Lebensbetätigung die Folge sein, ist der Reiz ein mehr gleichbleibender, nicht wechselnder oder für die Reaktionskraft zu starker in seiner Höhe oder seiner Dauer, so wirkt er ermüdend, abspannend, erschlaffend und lähmend. Bei fortdauernder Wärmewirkung wird der Körper von der Oberfläche aus mehr und mehr mit Wärme geladen bis zur vollkommenen Wärmestauung, auf welche der Körper dann mit erhöhter Verdunstung des Körperwassers und mit Schweißausbruch antwortet und damit den Ausgleich zur Norm anstrebt.
Bei fortdauernder Kälteeinwirkung auf den Körper kommt es zur abnormen Abkühlung von der Oberfläche aus, die mehr und mehr in die Tiefe eindringt. Aber auch gegen die Gefahr der Durchkältung hat der trainierte Körper Schutzvorrichtungen.
Die Wärme- und Kälteeinwirkung der Luft ist jedoch für denjenigen Körper der abgehärtet ist, d. h. welcher sich an die verschiedenen Temperaturen gewöhnt hat, niemals eine Gefahr und niemals eine Verminderung der Lebensenergie, sondern stets eine Mehrung derselben. Denn die Lufttemperatur ist in jeder Sekunde eine etwas andere, stetig stuft sie sich nach oben oder unten ab, und jede Veränderung derselben bedeutet stets einen neuen Lebensreiz. Denn die Luftkomponenten sind vielfache und sich gegenseitig verändernde, so daß auch die von ihnen ausgehende Wirkung auf den Körper eine wechselnde, vielseitige und anregende sein muß. Und gerade in dem steten Wechsel und Ineinandergreifen der Luftfaktoren liegt das Charakteristische des sogenannten Luftbades.
Die Wissenschaft hat bisher nur die einzelnen Faktoren der Luft isoliert betrachtet und zu hygienischen und Heilzwecken benutzt, z. B. die Sonnenwirkung in ihren Eigenschaften der Wärme und des Lichtes, die Luftverdichtung und Luftverdünnung etc., nicht aber in ihrer Gesamtwirkung und ist deshalb zu einer Kenntnis und Bewertung des Luftbades bisher noch nicht vorgedrungen. Würde dieselbe aber den Luftfluß, die Luftelektrizität, die Luftfeuchtigkeit, die Luftgerüche u. s. w. berücksichtigt haben, so würde sie zu der Erkenntnis gekommen sein, daß die Luft für den menschlichen Körper der mannigfachste aller Lebensreize ist, der durch seine Vielseitigkeit stetig die Lebensenergien vermehrt. Man gehe nur aus der Sonne in den Schatten und bemerke den Gegensatz der Temperaturen, man trete nur auf die freiliegende Ebene aus dem Walde heraus, der Schutz vor dem Winde bietet, um die bald mildere, bald gewaltigere Massagewirkung der Luftbewegung am Körper zu fühlen, wie sie die heiße, warme oder kalte, trockene oder feuchte Luft in den Körper zu pressen sucht, wie sie den Körper austrocknet oder die Oberfläche spröde oder feucht oder warm oder kalt macht; man bemerke, wie wir die Muskeln anspannen müssen um dem mehr oder minder starken Luftdruck zu begegnen. Dieselbe Luftbewegung, die wir als Druck der veränderten Temperatur an unserem Körper fühlen, sehen wir sie nicht mit unseren Augen und hören dieselben nicht mit unseren Ohren deutlich vor uns, wie der Wind heult, wie die Bäume rauschen, das Meer braust und wogt, wie die Blumen die Köpfchen neigen, wie die Wolken jagen! Riechen wir nicht die uns zugewehten Gerüche! Allein dieser Anreiz unserer Sinnesnerven genügt, um schon mehr oder minder starke Bewegungen unserer Seele hervorzurufen.
Aber noch vielseitiger ist der Luftreiz. Kombinieren wir die Sonnen-, die Temperatur- und Luftflußwirkungen mit denen der Luftfeuchtigkeit in ihren verschiedenen Abstufungen. In der feuchten Luft können wir sämtliche Bäder nehmen, die wir sonst nur in den Wasser-Badeanstalten zu bekommen gewöhnt sind. Kalte und warme Wasser-Bäder von kurzer oder langer Dauer, wechselnd in ihrer Temperatur mit stärkerer oder schwächerer Wasser-Bewegung, gleichsam ein Wellenbad oder Regendouche oder Strahlendouche, mit mehr oder weniger Elektrizität oder chemischer Lichtkraft geladen.
Fügen wir schließlich noch den Faktor der Luftelektrizität zu allen bisherigen, von der wir wissen, daß sie bei jeder Temperatur besteht, daß sie mit ihrer Erhebung bei nebligem Wetter zunimmt, daß ihre Niederschläge bald positiv, bald negativ elektrisch sind, daß sie in ihrer Positivität und Negativität wechselt, daß sie eine tägliche Periode hat. Da wir ferner wissen, daß auch der menschliche Körper elektrische Ströme beherbergt und daß unser Hautorgan in wechselndem Grade die Elektrizität zurückhält und aufnimmt, so sind wir auch berechtigt anzunehmen, daß unser Körper von der Luftelektrizität beeinflußt wird, auch wenn wir die speziellen gesundheitlichen Gesetze noch nicht wissenschaftlich erforscht haben.
So sehen wir denn, daß sämtliche Reizarten, die wir zur Unterhaltung des Lebens nötig haben, in der Luft enthalten sind, nämlich der thermische, chemische, mechanische, elektrische und physiologische Reiz. Haben wir den Körper mit sämtlichen gymnastiziert, so ist er an die dieselben gewöhnt, d. h. gesund, hat er sich derselben entwöhnt, so ist die Reaktion darauf eine quantitativ aber qualitativ veränderte und der Körper krank. Wie die Entwöhnung dieser Lebensreize den Körper siech macht, so läßt ihn die Gewöhnung an dieselben wieder gesunden.
5. Die Arbeitsleistung der menschlichen Haut.
Bekanntlich sondert die Haut, welche beim Erwachsenen eine Größe von 11⁄2 qm hat, stetig feste, flüssige und gasförmige Stoffe ab. Die in dauernder Abschilferung begriffenen Hornschichtsschüppchen, die ausfallenden Haare, der von den Talgdrüsen abgesonderte Hautschmer, welcher Haare und Haut einfettet und geschmeidig erhält, der von den ca. 2 Millionen Schweißdrüsen abgesonderte Schweiß sind solche Absonderungsprodukte. Mit dem Schweiß verlassen Farb- und Riechstoffe, sowie Selbstgifte den Körper. Die Hautatmung ist eine nicht unerhebliche: Gasförmig entströmen der Hautpforte Kohlensäure und Wasserstoff und wird Sauerstoff in geringer Menge vom Körper aufgenommen. Die Kohlensäureausscheidung ist zwar für gewöhnlich nur gering, nämlich nur 1⁄3-1⁄2% der gesamten Kohlensäure-Elimination; sie kann jedoch mit zunehmender Außentemperatur und bei Körperbewegung bis zum neunfachen wachsen. Die Wasserdampfabgabe durch die Haut ist dagegen eine bedeutende. Während 24 Stunden beträgt sie im Ruhezustand des Körpers 7-800 gr, steigt jedoch bei Bewegung leicht auf 1500-2000 gr und darüber. Mit dem Körperwasser verlassen Kochsalz, Harnstoff, Fette, flüchtige Fettsäuren, Cholesterien, Rodan und andere noch nicht studierte, teils spezifisch riechende, teils giftige Stoffe den Körper. Die hohe Giftigkeit des Schweißes steht unzweifelhaft fest und wird durch Körperarbeit ebenso wesentlich erhöht wie sein Gehalt an Bakterienkeimen. Die Haut vollzieht demnach die Funktion der Drainage (Trockenlegung) und der Entgiftung des Körpers.
Nun entzieht aber jedes Liter Wasser, das bei 37° C verdampft wird, dem Körper 580 Kalorien Wärme (unter Kalorie versteht man diejenige Wärmemenge, welche nötig ist, um 1 Kilogramm Wasser von 0° auf 1° Celsius zu erwärmen).
Die Haut wird also durch die Wasserabgabe zu einem vorzüglichen Kühlapparat des Körpers. Die Einrichtung zur Wärmeabgabe wird durch die Fähigkeit der Haut, direkt Wärme auszustrahlen und auszuleiten vervollkommnet. Andererseits ist die Haut die Vermittlerin der Wärmezufuhr von außen, die unter Umständen eine größere sein kann als die der Wärmeabgabe. Dadurch ferner, daß das Hautorgan ein großes Blutgefäßnetz besitzt, das bei maximaler Erweiterung ein Drittel des Gesamtblutes aufnehmen kann, und dieses Blutreservoir je nach Bedarf weit und eng eingestellt werden kann, ist der Körper im stande an der Oberfläche Wärme aufzunehmen oder abzugeben, Kälte, Wind und Nässe von sich fern zu halten. Vermittels feinsinniger Nerven vermag der Körper diese sogenannte physikalische Wärmeregulation aufs prompteste einzustellen; denn sie zeigen feiner als die besten Barometer, Thermo-, Anemo- oder Hygrometer, die geringsten Wetterkombinationen und Wetternuanzen an, vorausgesetzt, daß man sie geübt hat. Unwillkürlich richtet sich der Körper nach dieser Wetteranzeigevorrichtung, indem er z. B. bei Kälte oder feuchter, windiger Luft einerseits die Wärmeabgabe durch Zusammenziehung der Blutgefäße und der gesamten Haut verhindert und andererseits die Muskeln durch Zittern, Frostschauer etc. in Bewegung bringt und auch sonst das Gefühl erweckt, durch willkürliche Bewegungen Wärme zu erzeugen.
6. Beeinträchtigung der Arbeitsleistung des Hautorgans durch die Kleidung.
Bedenkt man alle diese wichtigen Lebensfunktionen des Hautorgans, die der Atmung, der Trockenlegung der Gewebe, der Entgiftung, der Kühlung und der Heizung, sowie schließlich der Wettereinstellung des Körpers, so versteht man leicht, daß ein Aufhören ihrer Funktion gleichbedeutend mit dem Aufhören des Lebens ist. Ja es braucht nicht einmal die Gesamtoberfläche der Haut, sondern nur ein größerer Bezirk derselben funktionsunfähig gemacht zu werden, wie dies so häufig bei oberflächlichen Verbrennungen statt hat, und der Tod tritt ein.
Jede Behinderung der Hautfunktion führt zu Störungen der Körperfunktionen in mehr oder weniger hohem Grade, so unter andern auch durch unsere moderne Bekleidung.
Es ist experimentell von Schierbeck nachgewiesen worden, daß je mehr der Körper bekleidet ist, um so mehr die Wasserdampfabgabe desselben eingeschränkt wird. Damit ist aber bewiesen, daß durch die Kleidung die Drainage- und Entgiftungsfunktion des Hautorgans, sowie die der Wärmeregulation nicht unwesentlich beeinträchtigt wird. Es steht wissenschaftlich ferner fest, daß der unbekleidete Körper, weil die Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, durch Leitung nur ganz geringe Mengen Wärme verliert, dagegen durch Strahlung dreimal mehr. Dieser Wärmeverlust durch Strahlung ist jedoch nicht so bedeutend, als man von vornherein annehmen sollte, weil ja die Luft 20-25mal schlechter Wärme leitet als das Wasser.
Erst die durchfeuchtete Luft leitet besser und steigert den Wärmeverlust durch Strahlung, welcher aber nach Prof. Rubner durch Bestrahlung der Sonne selbst bei geringem Hochstand derselben in reichlichem Maße kompensiert wird.
Die durchsonnte Luft kompensiert also den eventuellen Nachteil der Luftdurchfeuchtung.
Bei feuchter Luft, selbst wenn dieselbe von stärkeren Niederschlägen begleitet ist, hat der nackte Körper außer dem Schutz der Sonnenbestrahlung noch den der Fettigkeit der Haut. Denn dieselbe sorgt dafür, daß z. B. der Regen schnell an ihr abfließt, und der Körper so vor zu großen Wärmeverlusten bewahrt bleibt.
Durchwindete Luft schützt bei mittleren und höheren Temperaturen den unbekleideten Körper vor zu großen Wasserverlusten und läßt Temperaturen, die die Körpertemperatur übersteigen, leichter ertragen.
Bei warmer aber windiger Luft beginnt der Körper frühzeitiger unwillkürliche Muskelbewegungen wie Zittern, Zusammenschauern etc. auszuüben und ist leichter aufgelegt, auch willkürlich die Muskeln zu bewegen als bei windstiller, warmer Luft. Beide Arten der Bewegung erzeugen Körperwärme, gleichen also den durch den Wind erzeugten Wärmeverlust durch stärkere Wärmeproduktion aus.
Der Körper hat aber, wie wir gesehen haben, in dem großen Blutgefäßnetz der Haut eine Kühl- oder Wärmevorrichtung je nach Bedarf.
Bei windiger kalter, oder windiger nasser Luft zieht er die Blutgefäße zusammen, drängt das Blut in das Körperinnere und verhindert so eine abnorme Abkühlung, bei windiger warmer Luft läßt er die Blutgefäße sich später erweitern als bei windstiller warmer Luft, weil er die Blutwärme ja länger festhalten muß und läßt er frühzeitiger unwillkürliche und willkürliche Bewegungen ausführen, als bei windstiller warmer Luft, weil er ja früher auf die Erzeugung von Körperwärme angewiesen ist.
Die Fähigkeit der Haut sich für jede mögliche Lufttemperatur einzurichten, bedeutet demnach für den Körper einen Sonnen-, Nässe-, Wind-, Kälte- und Wärmeschutz.
Der unbekleidete Mensch ist, vorausgesetzt, daß er gesund und sein Hautorgan ein durch die verschiedenen Wetterkombinationen geschultes ist, stets dem Bekleideten gegenüber im Vorteil. Gegen das etwaige Zuviel des Lichtes der Sonne, hat er die Bräunung, gegen Regen die Fettigkeit, gegen Wind, Kälte und Wärme die Erweiterung oder Verengerung der Hautblutgefäße. So kann z. B. bei hohen Kältegraden der nackte Mensch wärmer als der bekleidete sein, denn die Kleidung ist nur solange ein Wärmeschutz, als sie selbst noch warm ist. Ist sie erst einmal kalt geworden, so muß der Mensch durch Bewegung, Nahrung etc. eine größere Wärmemenge erzeugen, einmal um den Körper selbst wieder auf die gewünschte Temperaturhöhe zu bringen, zweitens um die kalt gewordene Kleidung zu erwärmen. Kalte Kleidung entzieht dem Körper ziemlich erheblich Wärme, zumal wenn dieselbe durchfeuchtet ist. Die Kleidung tritt also nur da in ihr Recht, wo es gilt, dem Körper den produzierten Wärmevorrat zu erhalten.
Ein ähnliches Verhältnis ist bei hoher Lufttemperatur der Fall; auch hier muß der Körper eine doppelte Leistung vollbringen, nicht blos sich selbst, sondern auch die Kleidung abkühlen.
So schnell als der Witterungswechsel in jeder Minute es erfordert, kann man die Temperatur und den Feuchtigkeitsgehalt nicht abändern; eine gut trainierte daher wetterfeste und regulationsfähige Haut vermag diese Leistung aber blitzschnell für jede Wetterkombination zu vollbringen.
Dem Bekleideten kommt der produzierte Schweiß für die Abkühlung nicht völlig zu gute. Denn wie gelegentlich anstrengender Uebungen nachgewiesen worden ist, enthält die Kleidung häufig 6-8000 gr Wasser, welches bis in die äußeren Kleiderschichten eindringt. Daselbst erfolgt die Verdampfung nur zum Teil auf Kosten des Körpers, vielmehr auf Kosten der umgebenden Luft. Diese vom Körper aufgebrachten Schweißverluste sind für den bekleideten Körper also nutzlos und sind bei wasserdampfreicher Luft sogar zu fürchten, weil dann die Verdampfung in der den Körper direkt umspielenden Luftschicht gehindert ist.
Die mit Schweiß imprägnierte Kleidung ist wegen ihres Reichtums an Toxinen und Bakterien eine Infektionsgefahr, sowohl für den Träger selbst, als auch für seine Mitmenschen, eine Brutstätte aller möglichen Krankheitskeime.
Die durchschweißte oder auch von außen durchnäßte Kleidung bietet die Gefahr der Erkältung für einen in Bewegung Gewesenen, wofern dieselbe nicht rechtzeitig durch trockene ersetzt wird, sobald der Körper in Ruhe kommt. Denn die nachträgliche Verdampfung entzieht dem Körper, der während der Ruhe pro Stunde höchstens 80 Kalorien produziert, viele hundert Kalorien, führt also zur abnormen Abkühlung des Körpers. Die Durchblutung des Hautorgans während der Bewegung macht einer plötzlichen Blutleere in der Ruhe Platz, bedingt also eine plötzliche Blutüberfüllung der Eingeweide und stellt plötzlich und abnorm hohe Anforderungen an die Regulierfähigkeit des Hautorgans.
Und so sehen wir denn tatsächlich, daß bei kühler Witterung unsere unbekleideten Teile häufig wärmer sind als die bekleideten, so wird uns der Regen und Schnee auf den unbekleideten Körperstellen weniger lästig als in unserer Kleidung, die wir möglichst bald abzulegen suchen, so sehnen wir uns bei heißer, sonniger Witterung darnach, den Körper zu entblößen und alle die Vorteile, die Licht und Wärme der Sonne bringen, an unseren Körper heranzulassen. Denn die chemische, bakterientötende, stoffwechselanregende, die Wärme und lebenerwirkende Kraft des Lichtes ist ja nicht nur in der Heilwissenschaft, sondern auch in weiten Laienkreisen bekannt.
Andrerseits bietet die Kleidung dem Menschen selbstverständlich auch viele Vorteile, die für unsere heutige Kultur nicht zu unterschätzen sind. In der Rauhkeit unseres Klimas sind wir auf dieselbe angewiesen. Denn nur in der warmen Jahreszeit könnten wir dieselbe bei beruflicher Tätigkeit zur Not auf längere Zeit entbehren. Wir können aber z. B. eine sitzende Beschäftigung während der kühlen Jahreszeit nicht ohne Schaden für unseren Körper unbekleidet ausüben. Die Kleidung tritt überall da in ihr Recht, wo dem Körper durch unsere Lebensgewohnheiten, durch die Art der Beschäftigung die Gelegenheit genommen wird, genügend Wärme zu produzieren, wo sie uns hilft, mit dem produzierten Wärmevorrat Haus zu halten.
Nun könnte man den Einwurf machen, daß die zeitweilige Lüftung des nackten Körpers im Luftbade zwar für das sonnige Griechenland, nicht aber für unsere rauhen klimatischen Verhältnisse geeignet sei. Dieser Einwurf besteht jedoch nicht zu recht. Denn leben nicht noch heute die Feuerländer in ihrem bekanntlich sehr rauhen Klima (Jahresmittel der Temperatur ist 6,2°) dauernd fast nackt? Und hat nicht das Massenexperiment unserer deutschen Luftbadler den Gegenbeweis bereits erbracht?
7. Welchen Nutzen hat der kranke Mensch vom Luftbade?
Um die Frage, ob der kranke Mensch Nutzen vom Luftbade hat, korrekt zu beantworten, müßte ich eigentlich ein Buch für sich schreiben. Der Rahmen dieser Blätter gestattet nur eine mehr summarische Beantwortung.
Nur wenige Hautkranke gibt es, welche bei richtiger Ausnutzung des Luftbades von demselben keinen Vorteil haben. Alle diejenigen Patienten, denen die Haut brennt, schmerzt, juckt und sonstige abnorme Empfindungen verursacht, finden sehr schnelle Linderung und schließlich Heilung, wenn sie Schattentemperaturen und die kühleren Temperaturen der Frühjahrs-, Herbst- und milderen Winterszeit benutzen. Je nach dem Kräftezustand des Körpers und nach dem Kältegrad und Luftfluß der Atmosphäre sollen sich die stärkere oder schwächere allgemeine Körperbewegung machen. Das Hautorgan wird durch den Wetterreiz einerseits und durch die Muskelbewegung andererseits in Bewegung gebracht, gymnastiziert. Durch diese direkte und indirekte Hautgymnastik, die gleichzeitig die Vorteile der Körpergymnastik und der Abhärtung mit sich bringt, wird die Ursache der abnormen Hautempfindungen beseitigt. Die kühlen Lufttemperaturen wirken bei denjenigen Kranken, die infolge einer akuten Hautentzündung ein ausgesprochenes Gefühl der Hitze und der Spannung haben, ebenfalls ungemein angenehm und heilend. Diese entspannende und kühlende Luftwirkung kann man durch zuvoriges Einölen mit irgend einem gereinigten Oel erheblich unterstützen. Auch da wo die Haut rauh und rissig geworden ist, soll man zuvor tüchtig und wiederholt einölen, sonst würde sie namentlich bei etwas stärker bewegter Luft noch rissiger und eventuell blutend. Diese Behandlung empfiehlt sich besonders bei Rotlaufkranken, die jede Temperatur und jede Lichtstärke der Luft benutzen können, nur die Oelung der Haut vorausgesetzt. Einen auffallend schnellen und unkomplizierten Verlauf beobachtet man bei allen denjenigen Fieberkranken, welche gleichzeitig einen Ausschlag am Körper zeigen, der im ursächlichen Zusammenhang mit der Fiebererkrankung steht, z. B. bei Masern-, Scharlach-, Pocken-, Typhuskranken, die vorwiegend einer Sonnenbehandlung unterworfen werden. Umhüllt man diese Kranken mit dünnen porösen roten Schleiern, schützt ihre Augen durch farbige Gläser, läßt sie selbstverständlich in absoluter Ruhelage und wechselt je nach der Intensität der Körperreaktionen mit Schattentemperaturen und leichteren Wasserapplikationen, so ist ihre Genesung eine schnellfortschreitende und vollständige.
Die Kranken, deren Haut das Symptomenbild des sog. Exzems mit oder ohne bakterielle Komplikation zeigt, bedienen sich in allen Stadien der Erkrankung mit Vorteil des Lichtbrandes, dem sie sich in möglichst ausgiebiger Weise viele Stunden aussetzen. Nässung, Schuppung etc. verschwinden, die kranke Haut wird auf dem Wege der Entzündung durch eine neue gesunde Haut ersetzt. In ähnlicher Weise gesunden Kranke, bei welchen in das geschwächte Hautorgan von außen Bakterien eingedrungen sind und dort ihr Parasitenleben auf Kosten des Organismus führen. Besonders deutlich sichtbar ist die Genesung der Kranken mit Schuppenflechte. Auch bei denjenigen Menschen, deren Haut wassersüchtige Schwellung zeigt, erweist sich die ausgiebige Belichtung und die windige heiße trockene Luft als unschätzbares Heilmittel. Die vorteilhafte Behandlung Lupuskranker und Patienten mit Hautkrebs mit dem Sonnenbrand ist wohl allgemein bekannt.[7] Auch Hautwunden und selbst tiefere Wunden, die von der Oberfläche aus zugänglich sind, heilen unter Besonnung und Eintrocknung ungemein schnell und ergeben ebenso wie bei Lupus und Hautkrebskranken schöne glatte Narben. Auch die Wintersonne genügt in ihrer Intensität, wofern man nur ausgiebig die wenigen Sonnenscheinstunden ausnutzt.
Von auffallend günstiger Wirkung ist die Luftbadbehandlung bei allen Stoffwechselkranken; sie ist am stärksten an lichtvollen, windigen Tagen, zumal wenn sie mit individueller Körpergymnastik und individuell angepaßten Wassermaßnahmen vereinigt wird. Zuckerkranke, Fettsüchtige, Rheumatiker, Gichtiker, Blutarme, Bleichsüchtige, Rhachitische, Skrofulöse etc. verlieren relativ schnell die fehlerhafte Verarbeitung der Körperstoffe.
Bei denjenigen Menschen, bei welchen der Stoffwechsel derart darniederliegt, daß sie schlecht ernährt und siech sind, empfiehlt sich eine häufige leichte Massage in der Sonne.
Bei Nervenkranken ist vorzüglich das farbige Licht je nach dem Erregungszustand der Nerven zu wählen. Diejenigen Centren, welche den Sitz der Erkrankung darstellen, sind besonders vor den chemisch wirksamen Strahlen zu schützen und erst allmählich an dieselben zu gewöhnen. Kühlere Temperaturen, besonders der frühen Morgenstunden werden von Nervösen im Luftbade im Allgemeinen angenehmer empfunden und wirken schneller erholend. Fernhalten aller Luft- und Licht-Kontraste, verbunden mit absoluter Ruhe und öfteren einförmigen Reizen im Anfange, sodann bei fortschreitender Erholung Gymnastik der Sinne durch Naturbeobachtung, verbunden mit Atemgymnastik im Liegen, sodann mit leichter Streichmassage und Passiv- und Förderungsbewegungen, sodann Aktiv-Bewegung durch Nacktbeschäftigungsbehandlung der Gartenarbeit, dazu milde Wasserbehandlung und schließlich systematisch aufsteigende aktive Freiluftgymnastik, bis Gewöhnung an sämtliche Luftfaktoren, so besonders auch an ausgiebige Lichtfülle und starke Licht-Luftkontraste eingetreten ist und eine energische Körperbetätigung spielend geleistet wird, garantieren die Heilung. Neben dieser Behandlung ist eine seelisch individuell angepaßte Suggestionstherapie mit eventueller Benutzung der Hypnose anzuraten. Lungenschwache sollen vorsichtige Lungengymnastik zunächst unter teilweiser Entblößung treiben und scharfe Luftkontraste vermeiden, allmählich dreister werden, bis das Hautorgan als Hülfslunge genügend erzogen ist. Besonders Schwindsüchtige mit und ohne Tuberkelbazillencomplikation sollen so vorsichtig beginnen und anfangs warme, trockene, staubfreie, womöglich ozonreiche und lichtstarke Luft bevorzugen.
Von längeren Freiluft-Liege-Kuren habe ich weniger Vorteil gesehen. Ist die Neigung zu reichlichen Schweißen und zu Blutungen vorüber, dann sollen sie dreist jede Lufttemperatur und jeden Luftwechsel selbstverständlich staubfreie Luft und stärkere Atemgymnastik und schließlich Allgemeingymnastik und Dauerlauf zur Genesung benutzen. Eine vorsichtige örtliche und später allgemeine Wasserbehandlung begünstigen die Genesung. Patienten mit Lungenerweiterung sollen bei erschwertem spärlichem Abhusten feuchte Luft bevorzugen und hauptsächlich forcierte Ausatmungsgymnastik betreiben im Gegensatz zum Einatmungs- und Atemhalten-Training Schwindsüchtiger. Die erfolgreiche Freiluftbehandlung Keuchhustenkranker ist wohl bekannt genug, um hier noch weiter erörtert zu werden.
Von geradezu verblüffendem Erfolg ist die Freiluftbehandlung Herzkranker, bei welchen man das Herz durch blaue Herzkühler schützt. Auch bei ihnen beginne man mit milderen Temperaturreizen, obwohl man die Wärme- und Lichtstauung des Körpers nicht sonderlich zu fürchten braucht. Hat der Herzkranke Gelenkerscheinungen, rheumatische Schmerzen, Blausucht, Eiweißharnen, wassersüchtige Symptome, so schalte man ebenso wie bei Nierenkranken feuchte und kalte Luft in der Behandlung aus, man denke jedoch daran, daß der Kranke nicht eher als gesundet betrachtet werden kann, als bis er auch an diese Luftfaktoren wieder gewöhnt ist. Massagebehandlung, individuelle Wasserbehandlung, Diät, passive und Förderungsgymnastik, später Aktivgymnastik, besonders der Rotationsbewegungen der Extremitäten (keine Rumpfgymnastik), Atmungstraining sind unterstützende Heilfaktoren.
Infektions-, Vergiftungs- und Verdauungs-Kranke der verschiedensten Art sind nicht minder erfolgreich bei richtiger Ausnutzung der Lichtluftfaktoren als unterleibskranke Frauen; bei jenen sind die örtlichen hydrotherapeutischen und insbesondere die diätetischen Maßnahmen, bei diesen neben örtlicher Hydrotherapie (Wasserbehandlung) vor allem die Thure Brandt-Massage und Gymnastik unterstützende Hilfsmittel.
Selbstverständlich ist es wohl, daß diejenigen Menschen, deren Krankheitserscheinungen wir mit dem Namen der Erkältungskrankheiten bezeichnen, gerade durch Anwendung der Luftfaktoren am schnellsten genesen und durch Gewöhnung an die Luftfaktoren einer Wiederkehr der krankhaften Reaktionen ihres Körpers vorbeugen.
Nicht unwichtig ist der Umstand, daß diejenigen Menschen, die unter der Behandlung der Luftfaktoren ihre Gesundheit wiedergewonnen haben, mit denselben umgehen und ihrer individuellen Körperveranlagung anpassen lernen, also den guten Zustand ihres Körpers zu erhalten wissen und diese Gesundheitsarbeit spielend und frohsinnig in bester seelischer Verfassung geleistet wird.
8. Das Licht-Luftbad eine soziale Forderung.
In Rücksicht auf die gesundheitlichen Schädigungen, die die Beschränkung des Licht-Luftgenusses für das Einzelindividuum und für die Gesamtheit hat, muß man auf Abhilfe sinnen. Diese Uebelstände zu mildern resp. zu beseitigen, ist Aufgabe der Licht-Luftsportbäder.
Die Erfahrung in unseren modernen Sanatorien und in dem einzigen Krankenhaus des deutschen Reiches, welches vorurteilsfrei das Lichtluftbad als Heilfaktor benutzt, (es ist dies das Kreiskrankenhaus Groß-Lichterfelde bei Berlin unter Leitung des Geheimen Medizinalrat Professor Dr. E. Schweninger) hat gezeigt, daß eine große Zahl kranker Menschen allein durch den richtigen Gebrauch der Luft in den Luftbädern gesunden, daß sie aber in vielen Fällen wegen des Mangels bestehender Luftbäder ihrem Bedürfnis nach Lüftung später nicht mehr genügen können und von neuem erkranken. Es fehlt ihnen also das gesunderhaltende Mittel.
Für die Lösung vieler Gesundheitsfragen, z. B. der Tuberkulose- oder der Carcinomfrage, sowie für die Menschen dichtbewohnter Großstädte, ist die Schaffung derartiger Licht-Luftsportplätze ein dringendes Erfordernis.
Die hygienische Forderung der Luftbäder besteht für jeden Beruf zu Recht, für Reich und Arm, für Mann und Weib, für Kind, Jüngling und Greis, für Turner, Soldaten und für alle, welche irgend einem Sport huldigen.
So ergeben sich die sozialen Vorteile von selbst.
Ein abgehärtetes, seuchenfestes Volk, das seine Freude in natürlichen Genüssen sucht, den Luft- und Naturgenuß eintauscht gegen die so zweischneidigen Freuden des Alkohols, Nikotins, der geschlechtlichen Exzesse und anderer Genüsse, ist der Gefahr der Rasseentartung erheblich weniger ausgesetzt als eine immer mehr und mehr verweichlichende, genußsüchtige Bevölkerung.
Die Wehrfähigkeit des deutschen Volkes würde nicht unerheblich durch die Einrichtung von Luftbädern erhöht werden.
Die praktische Reformierung des Gasthauswesens würde durch Luftbäderanlagen wesentlich gefördert und erleichtert.
Das deutsche Turnwesen, alle Arten des Sports, das Schul-, Sport- und militärische Training würden gesundheitlich und ästhetisch gestaltet.
Die sozialen Gegensätze würden gemildert. Denn dem nackten Körper fehlen die Insignien von Reich und Arm, und das gemeinsame Ziel, den Körper im gemeinsamen, wagemütigen Spiel gesund und schön zu gestalten, wozu der Luftgenuß den unbekleideten Körper einladet, erhöht das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Volksgenossen.
Die wenigen Luftbadeanstalten, die bisher im Reiche bestehen, haben praktisch bewiesen, daß dieselben stark besucht werden, daß die Besucher, je länger sie den Luftgenuß hatten, desto gesunder wurden, daß sie mehr und mehr im steigenden Kraftgefühl den frischen Wagemut fanden, den nur das Vertrauen auf die eigene Kraft und Gesundheit schaffen, daß sie an Stelle der Genußsucht die Mäßigkeit setzten.
Die Luftbadeanstalten sind schließlich nicht nur eine hygienische und soziale Forderung, sondern auch eine Forderung der Aesthetik.
Der nur an den Hüften bekleidete Mensch, bei welchem etwaige Unebenheiten des Körpers nicht durch die Kleidung verdeckt werden, der andere nackte, schönheitliche Körper vorbildlich im Luftbade sieht, sucht alsbald seiner Eitelkeit folgend seinen Körper schönheitlich zu gestalten. Er benutzt die körperliche Uebung zur Modellierung seines Körpers und übt im Gegensatz zum Gipfelturner oder Radfahrer oder Berufsathleten nicht nur einzelne Muskeln, sondern sämtliche Muskelgruppen in harmonischer Weise. Die Einseitigkeit jener, die sich in übermäßiger Dicke der Arme bei gleichzeitiger Dünne der Beine oder umgekehrt, oder in irgend welchem Mißverhältnis der Körperproportionen zeigt, imponiert dem Nacktübenden nicht, er erkennt das Unschöne mehr und mehr und ruht nicht eher, bis er die Schwäche und das Häßliche seiner Körperformen beseitigt hat. So wird er allmählich, je schöner seine Körperformen sich modellieren, selbst ein schöner Vorwurf für den Künstler (s. Titelbild).
Dabei lernt das Auge des Beschauers, der zuvor das Nackte als anstößig und unsittlich betrachtete, dieses wieder als sittlich, rein und schön auffassen.
Der griechische Künstler, der in den Palaestren den in der Nacktheit schön gebildeten Körper in Ruhe und Bewegung dauernd vor Augen hatte und darum vorbildlich Schönes schaffen konnte, hat vor dem deutschen Künstler dann nichts mehr voraus. Das Auge des Künstlers, sowie jedes Beschauers, wird schönheitlich erzogen, die Sinne werden veredelt, die Kunst wird mehr und mehr Allgemeingut.
Die Einrichtung von Luftbädern ist nun aber tatsächlich ein Bedürfnis weiter Volksschichten geworden.
Das geht vor allem daraus hervor, daß sich zahlreiche Vereine mit derartigen Bestrebungen in fast allen größeren Städten des deutschen Reiches gebildet haben, die unter dem Namen des „Deutschen Vereins für vernünftige Leibeszucht” bekannt sind, daß Privatleute aus eigenen Mitteln im Kleinen derartige Luftbäder an vielen Orten schufen, daß Zeitschriften entstanden, welche ähnliche Forderungen aufstellten. Die beste und bekannteste Zeitschrift dieser Art ist „Kraft und Schönheit”.
Endlich ist darauf hinzuweisen, daß die Einrichtung von Luftbädern dem Staate keine wesentlichen Kosten verursachen würden. Turnplätze, Kasernenhöfe, Spielplätze inmitten und an der Peripherie der Städte sind zur Genüge vorhanden; eine etwaige Umzäunung der Plätze, Angliederung an Badeanstalten und Armierung mit Turn- und Sportgeräten erfordern nur ganz geringe Mittel. Turn- und Schullehrer, welche mit den für den Licht-Luftgebrauch nötigen Vorsichtsmaßregeln bekannt gemacht werden müßten, sind in genügender Zahl vorhanden. Eine höhere Belastung des Etats wäre also unnötig, Ersparnisse an anderen hygienischen Instituten sehr wahrscheinlich. Als Beispiel und Vorbild ist das städtische Freilicht-Luftbad Münchens anzuführen, welches diese Stadt an eine Volksbadeanstalt angliederte. Das Luftbad war bei einem Eintrittspreis von 10 Pfennig trotz des regnerischen Sommers von einer täglichen Mindestzahl von 500 Besuchern frequentiert. An den Sonntagen stieg die Besucherzahl bis auf 900. Das Terrain erwies sich für das ungeheure Bedürfnis, obwohl es eine Größe von 400 Quadrat-Ruten hatte, als viel zu klein und soll deswegen um das vierfache vergrößert werden.
9. Praxis des Nacktturnens.
Nachdem wir die Gesetze der Bewegung, des Lichtes und der Luft und ihre Einwirkung auf den menschlichen Körper kennen gelernt haben, steht es außer Frage, daß Leibesübungen jeder Art logischer Weise nackend betrieben werden müssen.
a) Die Notwendigkeit des Nacktturnens.
Durch die Gymnastik wird schneller als durch die Bewegungen des täglichen Lebens Aufbau und Abbau der Stoffe des Körpers erzielt; trotzdem lernt derselbe, sich den Uebungen anzupassen, und produziert weniger Ermüdungsstoffe, je ausdauernder er trainiert wird. Diese sind, wie Erfahrung und Experiment bewiesen haben, Giftstoffe. Je schneller dieselben entfernt werden, um so schneller ist die Erholung. Der menschliche Körper ist vergleichbar dem Ofen. Beschickt man denselben mit Heizmaterial und schließt frühzeitig die Ofenklappe, so wird das Feuer nur langsam glimmen und allmählich ausgehen und viel unverbrannte Schlacken zurücklassen; öffnet man dagegen die Ofenklappe, gewährt also der Luft ausgiebigsten Zutritt in den Ofen, so wird das Feuer lustig und hell aufflackern und das Heizmaterial vollkommen und ohne Bildung von Schlacken verbrennen. Wenn im menschlichen Körper die Millionen Oeffnungen der Haut zum Eintritt für Licht und Luft offenstehen, so wird auch das Lebensfeuer hell brennen und alle, auch die schwerverbrennbaren Heizstoffe des Körpers vollkommen verbrannt werden. So wird die Bildung von Belastungs- und Ermüdungsstoffen hintangehalten, so aber auch für eine schnelle und ausgiebige Erholung gesorgt. Denn die Giftstoffe treten ungehindert an die Oberfläche des Körpers und werden hier durch die Desinfektionskraft des Lichtes unschädlich gemacht, von der Feuchtigkeit der Luft, dem Regen etc. abgewaschen, von dem Winde verweht. Gleichzeitig erfolgt von denselben Naturkräften der stete Antrieb zu erneuter Bewegung. So sehen wir denn auch in der Praxis die Nacktgymnastik sich als eine charakteristisch unbelastete vollziehen. Geist und Seele sind freudig animiert, der Körper arbeitet spielend. (Fig. 35, 36, 37, 38.) Die Krafterzeugung, der schönheitliche Aufbau und die Erziehung des Körpers zur Ausdauer, geschehen ungehindert und vollkommener.
b) Die Hilfsmittel des Nacktturnens.
Der Nacktturner hat nun zur Erlangung einer gesundheitlichen Entwicklung seines Körpers zu Kraft und Schönheit mehrfache Hilfsmittel. Sobald er in irgend einem Teile des Körpers die Ermüdung fühlt, tut er gut, sich denselben zu streichen und zu reiben, d. h. sich selbst zu massieren. Er bringt durch die Selbstmassage die Ermüdungsstoffe zur schnellen Aufsaugung und wird wieder schnell übungsfähig.
Ein weiteres Hilfsmittel ist die richtige Anwendung des Wassers. Wenn der Körper durch die Bewegung und unter dem Einfluß des Lichtes und der Luft in den Zustand erhöhter Reaktionsfähigkeit gekommen ist, unterstützt man die Abhärtung, d. h. die Anpassung des Körpers an sämtliche Licht-Luftfaktoren, die durch das Luftbad an sich schon in hohem Maße erzielt wird, durch den systematischen Gebrauch des Wassers. Man beginne nicht gleich mit schroffen Temperaturgegensätzen, sondern mit Temperaturen, welche der Körpertemperatur ziemlich nahe kommen und gehe erst allmählich entsprechend der Individualität des Körpers zu extremen Temperaturen über, bis man jede beliebige Temperatur ertragen gelernt hat. Man wähle auch nur kurzdauernde Wasserprozeduren z. B. milde Douchen auf Brust und Rücken in Dauer von 10-15 Sekunden, Halbbäder in Dauer von 6-8 Sekunden etc. und ähnliche Prozeduren. Die mit der Wasseranwendung verbundene Reinlichkeit des Körpers ist ein weiterer Gewinn desselben. Sehr wichtig ist für die Benutzung des Wassers, namentlich wenn man dasselbe kalt gewählt hat, die Sorge für schnelle Wiedererwärmung des Körpers in der einen oder anderen Weise, durch Bewegung, Umhüllung, Besonnung etc.[8]
c) Die hygienische Regelung des ganzen Lebenshaushaltes.
Schließlich ist die hygienische Regelung des gesamten Lebenshaushaltes von ungemeiner Wichtigkeit. Eine nüchterne, reizlose und mäßige Ernährung, welche der Individualität des Menschen und der Kraft seiner Verdauungsorgane angepaßt ist, wird einen Kraftaufbau am meisten begünstigen. Alkohol in jeder Form, Gewürze, Nikotin, Kaffee, schwarzer Tee und sonstige empfohlene Anregungsmittel sind Genußmittel, welche zwar im Augenblick der Ermüdung das trügerische Gefühl der Frische und Anregung geben. Man bedenke aber bei ihrem Genusse stets, daß sie keine Krafterzeuger sind, sondern daß sie nur die Reservekräfte des Körpers anregen und verbrauchen, die letzte Kraftquelle ausschöpfen und die Ermüdung, die nach ihrem Gebrauche nachfolgt, eine krankhafte Erschöpfung des Organismus bedeutet. Das Zuviel der Nahrung schafft Faulheit und Ungelenkheit der Glieder und erzeugt Belastungsstoffe, welche den Körper namentlich bezüglich der Ausdauer behindern. Die Temperatur der Nahrung komme der Körpertemperatur möglichst nahe; die sehr heiße oder kalte Nahrung wirkt wie die gewürzige Nahrung als innerer Reiz, welcher erschöpft. Das gute Zerkauen der Nahrung schafft eine höhere Ausnutzbarkeit derselben. Gewohntgemäßiger Gebrauch von reichlichen Flüssigkeiten, wie Suppen, Getränken (auch Wasser und Limonaden) sind überflüssig und eventuell schädlich. Sie verdünnen und spülen die Verdauungssäfte aus, schwemmen den Körper auf, machen ihn weich und nachgiebig, nutzen die Nieren, Blutgefäße und das Pumpwerk des Herzens vorzeitig ab, und machen den Körper wenig ausdauernd. Man trinke nie ohne Durst. Derjenige Durst, welcher sich durch Gurgeln mit klarem Wasser oder durch den Genuß fester Nahrung überwinden läßt, ist kein Durst, sondern nur etwas Angewöhntes.
Die Mäßigkeit im geschlechtlichen Verkehr ist für die Erzeugung von Kraft und Ausdauer ebenfalls von immenser Wichtigkeit. Man bedenke, daß jeder Beischlaf eine bestimmte Menge Lebenskraft des Körpers verausgabt, und daß jede Vergeudung dieses Kraftkapitals zu einem frühzeitigen Bankerott führen muß. Nur der Ueberschuß an Lebenskraft, die Kraftzinsen, dürfen ohne Schädigung verbraucht werden.
Da wir unter den heutigen Kulturverhältnissen nur wenig Gelegenheit zur ausgiebigen Lüftung des Körpers haben, so müssen wir durch richtige Bekleidung und Schlafen in gut ventilierten Räumen einen möglichst guten Ausgleich zu schaffen suchen.
Tafel XII.

Fig. 35. Von kleinster zur grössten Arbeit. 1. Rückenmärkler machen Gehübungen. 2. Patient die Blumen beschneidend. 3. Bei den Hantelübungen. 4. Ringer (Genickfallgriff).
Tafel XIII.

Fig. 36. Vergnügen und Arbeit im Luftbad. 1. Der Blumengießer. 2.2. Die Schachspieler. 3.3. Die Luftbadkapelle. 4.4. Ein Spielchen „66”. 5. Massage. 6. Holzsägen. 7. Holzhacken. 8. Rückenmarkskranker seine Gehübungen verrichtend. 9. Patient „tritt Wasser” im großen Bassin.
Unsere Kleidung darf deswegen nicht beengend, sondern muß locker, luftig, und dabei porös sein, so daß wir am Körper stets eine Luftventilationsschicht behalten. Imprägnierte und gestärkte Bekleidung hindert den Luftzutritt. Im übrigen müssen wir Farbe und Gewebsart nach der Individualität unseres Körpers, nach der Jahreszeit und dem Grade unserer Abhärtung einrichten. Beengendes Schuhzeug verändert nicht nur die Form unserer Füße zum Nachteil, sondern behindert auch Gelenkigkeit und Kraftentwicklung derselben. Was aber ein festes Stehen bedeutet, wenn die Zehen und die Sohle im stande sind, sich gleichsam am Erdboden festzukrallen, weiß der Ringer besonders hoch zu schätzen.
Tafel XIV.

Fig. 37. Turnen und Spielen der Frauen und Kinder.
Tafel XV.

Fig. 38. Gesundheitsarbeit der Frauen und Kinder. 1. Einseitiges Tiefatmen. 2. Gleichgewichtsübungen am Schwebebaum. 3. Am Reck.
Der Schlafraum muß stets gut ventiliert und der Luftzutritt am besten durch ein geringes Offenstehen der Fenster gewährleistet sein. Es kommt nicht auf ein Schlafen in kalten Räumen an; dieses kalte Schlafen kann gelegentlich sogar von Nachteil sein; sondern die Lufterneuerung ist das Wesentliche. Denn der Luftvorrat eines Raumes wird in bestimmter Zeit je nach seiner Größe und nach der Zahl der Atmenden mehr oder weniger rasch verbraucht. Eine einmal verdaute Speise pflegen wir wegen der Unappetitlichkeit und Schädlichkeit nicht zum zweitenmale zu genießen; dies gilt auch für den Genuß der Luftspeise. Auch der Luftkot sollte nicht wiederum als Atmungsspeise gebraucht werden.
d) Licht-Luftbadregeln.
Um mit Vorteil in Licht und Luft zu baden, muß der Anfänger gewisse Regeln beobachten. Am besten ist es für denselben in der warmen Jahreszeit bei sonniger Witterung mit dem Licht-Luftbaden zu beginnen und zwar den Körper zunächst nur teilweise den Witterungsfaktoren auszusetzen, allmählich ein Kleidungsstück nach dem anderen abzulegen und die Zeit des Badens anfangs nur kurz zu bemessen, bis eine völlige Gewöhnung an die Luftfaktoren eingetreten ist. So wird der Badende stärkere Reaktionen des Körpers vermeiden. Bei grellem Sonnenlicht ist es gut, den Aufenthalt in der Sonne mit dem im Schatten häufig zu wechseln, sowie beim Liegen oder Stillstehen in der Sonne die Lage des Körpers öfters zu wechseln, damit nicht ein Teil des Körpers einseitig besonnt wird. Sonst entsteht bei den zartbehäuteten Menschen sicherlich eine Hautentzündung, welche durch lästiges Hautjucken, ja schmerzhaftes Brennen, während mehrerer Tage dem Badenden den Licht-Luftgenuß verleidet. Ist der Sonnenbrand jedoch eingetreten, so fette man, um die Spannung der Haut zu vermindern, dieselbe mit einem reinen Pflanzenfett ein, und lege darüber kühlende Wasserkompressen und setze den entzündeten Teil nur mäßig und nur mit Hemd oder einem anderen kühlen Leinentuch bedeckt, der Luft in den nächsten Tagen aus; hüte sich aber kühles Wasser aufzugießen und den benetzten Körper abermals ungeschützt der Sonne anzusetzen; eine stärkere Entzündung wäre die Folge. Kaltes Wasser soll selbst der Abgehärtete nicht unmittelbar auf die sonnendurchglühte Haut einwirken lassen, sondern der Wasserabkühlung stets erst eine gewisse Luftabkühlung vorangehen lassen. Die Haut wird sonst zu spröde und die Nerven von der Peripherie aus zu stark gereizt. Der Kopf sollte anfangs durch eine helle Bedeckung geschützt werden. Scharlach- und masernähnliche Ausschläge, wie sie häufig im Luftbade beobachtet werden, sind als Selbstreinigung des Körpers aufzufassen und dürfen nicht zum Aussetzen des Luftbadens veranlassen. Die licht- und luftgewöhnte Haut des Europäers tauscht ihre weiße Farbe gegen eine bronzegefärbte ein. Bei kalter Luft soll man für ausgiebige Bewegung bis zur Schweißerzeugung sorgen. Der ausgebrochene Schweiß ist abzuwaschen. Tritt Frösteln oder Gänsehaut auf, so reibe man den Körper trocken bis zum Ausgleich. Bei Regen soll man das Luftbad nicht unterbrechen, sondern durch stärkere Bewegung ein etwaiges Kaltwerden des Körpers ausgleichen. Diese Regeln gelten für den gesunden Menschen, der Kranke hole sich vor dem Luftbade vom Arzte das Lichtluftrezept. Nierenkranke müssen besonders naßkalte Luft scheuen, nur sonnendurchglühten, trockenen, warmen Erdboden mit bloßen Füßen betreten, sonst stets die Füße mit warmer Fußbekleidung bewaffnen.
e) Die Aufstellung eines individuellen Bewegungssystems.
Ebenso wie die Kenntnis und die richtige individuelle Anwendung der Lichtluftbadregeln ist auch die richtige individuelle Ausnutzung der Bewegungsgesetze notwendig. Deshalb muß derjenige, der seinen Körper in das richtige Kraft- und Schönheitsverhältnis bringen will, sich ein System der Bewegung schaffen, das seiner Individualität Rechnung trägt.
Dazu ist es notwendig, daß er zunächst die schwachen Punkte seines Körpers ausfindig macht und dieselben solange übt, bis sie in die Kraft- und Schönheitsproportionen des Körpers völlig hineinpassen.
Dies erreicht er auf mehrfache Weise. Die einfachste Methode ist die, daß er im Zimmerluftbade den nackten Körper vor dem Spiegel durchmustert. Entdeckt er dabei, daß er z. B. dünne Waden und dicken Bauch besitzt, so wird er die Waden- und die Bauchmuskulatur solange üben, bis der Ausgleich erfolgt ist. Ist der Vorderarm im Verhältnis zum Oberarm dünn, so wird er die Vorderarmmuskeln besonders anstrengen. Eine zweite Art, die schwachen Körperteile aufzufinden, ist die durch Messung. Dieselbe muß eine doppelte sein, nämlich erstens in Rücksicht auf die Dicke der Gliedmassen. Und zwar muß das Dickenverhältnis von Arm und Bein und Hals etc. der einen Körperhälfte und dann das gegenseitige Verhältnis beider Körperhälften festgestellt werden. Zweitens müssen die Längenproportionen des Körpers gemessen werden. Nur so wird man die Disharmonie im Körperaufbau erkennen und ein System des harmonischen Ausgleichs aufstellen können.
Zur Anleitung, die Dickenverhältnisse des Körpers zu messen, diene nebenstehende Maßfigur und folgende Erläuterungen.
Wade, Hals und der gespannte Oberarm sollen gleich dick sein; der Umfang der Faust ergibt die Größe des Herzens.

Fig. 39. Die Dickenverhältnisse des Körpers.
Der Brustumfang, gemessen in der Höhe der Brustwarzen, soll mindestens die Hälfte der Körperlänge betragen. Der Unterschied der Brustmaße bei tiefster Ein- und Ausatmung soll mindestens 8 cm groß sein.
Bei ausgewachsenen Männern beträgt der Tiefendurchmesser oben 16,5 cm, unten 19,2 cm; der Breitendurchmesser 26 cm. Beide Brusthälften sollen gleich groß und gleichmäßig erweiterungsfähig sein.
Zahl der Atmungen in der Minute 16-20; Zahl der Pulsschläge bei Kindern 100-140, bei Erwachsenen 60-80, bei Greisen 70-90. Die Pulsschläge müssen regelmäßig sein.
Zur Bestimmung der Längenverhältnisse des Körpers diene der Proportionsschlüssel nach C. Schmidt und G. Fritsch.
Bereits im Altertum hat man Proportionslehren aufgestellt. Auf naturwissenschaftlicher Grundlage entwickelte in neuerer Zeit C. Carus eine solche, indem er die „freie” Wirbelsäule (= Hals- + Brust- + Lendenwirbelsäule) zum Ausgangspunkt der Vergleichung nahm. Der Maler X. Schmidt nahm die Beckenwirbelsäule als vierten Abschnitt hinzu und Prof. G. Fritsch verbesserte diese Methode. Dieselbe hat die Vorzüge der Einfachheit der Konstruktion, Exaktheit der Messung und leichten Berechnung. Mit Hilfe dieses Proportionsschlüssels kann man leicht an der Photographie eines lebenden Körpers die Proportionsfehler ablesen.
Das bestimmende Grundmaß (= modulus) ist die Länge der Wirbelsäule, gemessen vom unteren Rand des Nasenstachels bis zum unteren Rande der Schamfuge beim Mann, bis zum oberen Rande derselben beim Weibe. Dieses Grundmaß WW1 wird in vier gleiche Teile WB, BM, MN, NW1 geteilt; setzen wir eine 1⁄4 Maßeinheit (Untermodulus) KW nach oben hin an, so erhalten wir die Oberhöhe des Körpers KW1 vom Scheitel bis zur Schambeinfuge, haben also nun 5 gleiche Maßeinheiten. Errichten wir auf der Grenze der 2. und 3. Maßeinheit, in B auf der Oberhöhe KW1 nach beiden Seiten eine Senkrechte von der Länge einer Teil-Maßeinheit, so erhalten wir links den Drehpunkt des linken Schultergelenks Sch.l, rechts den entsprechenden Drehpunkt Sch.r. Konstruieren wir in gleicher Weise in W1 nach links und rechts Senkrechte von der Länge einer halben Teilmaßeinheit, so bekommen wir links den Drehpunkt des linken und rechts den Drehpunkt des rechten Hüftgelenks. Verbinden wir nun die Hüftgelenk- und Schultergelenkpunkte der entgegengesetzten Seiten, so schneiden sich diese im Nabelpunkte N. Ziehen wir weiter von den Schulterdrehpunkten Linien durch den Nasenstachelpunkt W und von K aus Parallelen zu diesen, so erhalten wir das Kopfquadrat K, Gl, W, Gr, dessen quere Diagonale der Gesichts- resp. Kopfbreite entspricht. Konstruieren wir schließlich in der Höhe des oberen Brustbeinrandes, im Grenzpunkt der 2. und 3. Teilmaßeinheit, in B, Parallele zu Sch.l W und Sch.r W, so schneiden diese die Schulterhüftlinien und wir erhalten den linken und rechten Brustwarzenpunkt, Br Wl und Br Wr.
Für die Länge der Gliedmassen bekommen wir folgende Proportionen:
Obere Extremität:
Sch.l-BrWr, linkes Schultergelenk bis rechte Brustwarze = Sch E = Oberarmlänge,
Sch.r-N, rechtes Schultergelenk bis Nabel = UE = Unterarm,
N-H, Nabel bis Hüftgelenk = UP = Hand.
Untere Extremität:
Br Wl-Hr, linke Brustwarze bis rechte Hüfte = HKn = Oberschenkel,
Br Wl-Hl, Brustwarze bis Hüfte derselben Seite = KnF = Unterschenkel.
Die Fußhöhe ist annähernd gleich einem halben Untermodulus, die Fußlänge gleich einer reichlichen Unterarmlänge. Die gesamte Körperlänge KL = 101⁄3 Untermoduli. Der Brustwarzenabstand ist gleich einer Kopflänge. Das Verhältnis von Kopflänge zu Untermodulus ist wie 3 : 4.
Hiernach ist es leicht, durch Vergleich mit der „normal-idealen” Gestalt die Abweichungen des eigenen Körpers festzustellen.

Fig. 40. Proportionsschlüssel.
Die dritte Methode, die schwachen Punkte des Körpers aufzufinden, ist die Durchmusterung des Körpers während der praktischen Uebungen. Man muß dieselben nur recht vielseitig gestalten, um zu einem richtigen Resultat zu kommen. Der Ermüdungsschmerz, die mangelnde Geschicklichkeit und Ausdauer werden bei einiger Selbstbeobachtung von selbst deutlich.
In der heutigen Kultur wird durch das Geistestraining während der Schulzeit und durch die hochgesteigerten Anforderungen des Beruflebens abnorm viel Zeit verbraucht. Es bleibt uns zur Uebung unserer Sinnesorgane und unseres Körper keine Zeit übrig. Anregungen zur körperlichen Betätigung und Oertlichkeiten, die bequem und leicht zu erreichen und kostenlos zu benutzen sind, mangeln. Ein ein- oder zweimaliges Ueben in der Woche ist zur Erlangung starker, schöner und gesunder Körper, zu wenig. Die systematische körperliche Verkrüppelung durch die Schule wird solange bestehen, als nicht mindestens 1-2 Stunden täglicher systematischer und individueller Körperpflege getrieben wird, die genau so streng wie jede geistige Leistung zensiert wird. Das gesamte Lernpensum der Körperübungen müßte in einzelne Klassenpensen entsprechend Anlagen und Altersstufen eingeteilt werden, eine Versetzung in die nächst höhere Turnklasse dürfte nicht früher stattfinden, als das Pensum der früheren Klasse spielend beherrscht wird, und nicht eher dürfte der Gymnasiast oder Realschüler das Reifezeugnis erhalten, ehe er nicht das Pensum der Turn-Prima absolviert und darüber sein Staatsexamen abgelegt hat.
Solange nun aber die Einseitigkeit unserer Ausbildung und die angeführten Kulturmängel weiterbestehen, müssen wir uns mit privaten häuslichen Uebungen behelfen. Große Turnapparate im Hause aufzustellen, verbieten Platz- und Geldmangel. Der Nacktturner wird deshalb für seine körperliche Ausbildung ein System wählen müssen, das er ohne Apparate mit Leichtigkeit im eignen Heim gebrauchen kann.
Vielerlei Systeme und Anweisungen sind für die Zimmergymnastik empfohlen worden, sie entbehren jedoch in der Mehrzahl trotz vieler Vorzüge nicht der Nachteile. Am besten erscheint mir noch das sogenannte Sandow-Hantelsystem. Aber auch dieses ist nicht fehlerfrei, hauptsächlich aus dem Grunde, weil es nicht genügend die Atemschulung, das Geschmeidigmachen des Körpers und seine Kraftproportionen berücksichtigt. Das Leben fordert aber gerade von uns Geschicklichkeit und Ausdauer und erst in zweiter Linie Kraft.
Was die Kraftproportionen des Körpers betrifft, so verweise ich auf die hervorragenden, wissenschaftlichen Aufschlüsse, die uns Dr. Herz in Wien durch seine Untersuchungen brachte. Er bestimmte experimentell die mittleren Zugkräfte der einzelnen Muskelgruppen und das Verhältnis der Kräfte der verschiedenen Muskelgruppen untereinander. Dieses wissenschaftliche Ergebnis habe ich für die Aufstellung des von mir empfohlenen Systems benutzt. Sämtliche Muskeln beider Körperhälften werden nacheinander in bestimmtem systematischen Aufstieg und bestimmtem Wechsel geübt. Geschicklichkeits- und Atemübungen wechseln mit Kraftübungen. Die Uebungen sind regelmäßig und täglich vorzunehmen und mit Energie, d. h. mit sog. doppelter Muskelspannung zu Ende zu führen. Für die Zeit der Uebungen ist festzuhalten, daß sie nicht unmittelbar nach einer größeren Mahlzeit auszuführen sind, sondern erst, nachdem mindestens 2 Stunden nach derselben vergangen sind. Auf die Uebungen folgt am besten Ruhe oder eine Mahlzeit, oder beides. Der siebente Tag ist ein Ruhetag, an dem man ohne Hanteln mehrmals jede bringt. Diese Energiebetätigung des Gehirns wirkt krafterhaltend. Das Prinzip der Muskelspannung betätige man auch an allen unfreiwilligen Ruhetagen z. B. auch auf Reisen.
Ein- bis zweimal wöchentlich oder noch öfter suche man in Kräfte- und Gewandtheitskonkurrenz mit anderen zu treten gelegentlich gemeinsamen Turnens am besten durch Ringen. Was für die Männer die Griffkunde ist, bedeutet für die Damen die Tanzkunst. Auch jede sonstige körperliche Betätigung, die der Beruf oder eine andere Gelegenheit schaffen, benutze man freudig. Die Uebungen führe man möglichst unter Kontrolle des Gesichts, d. h. vor dem Spiegel aus. Die stete Beobachtung der Fortschritte im Kraftaufbau und schönheitlicher Modellierung des Körpers schaffen Freude am Erreichten und regen zu neuem Streben an. Man arbeite bei gleichzeitiger Kritik des Verstandes unter Beobachtung aller aufgeführten Gesundheitsregeln und unter Berücksichtigung der als schwach im Körper erkannten Punkte. Man steigere Zahl und Schwierigkeit nicht früher als bis man das alte Pensum wirklich beherrscht. Man bleibe sich bewußt, daß jedes System stets eine Verallgemeinerung ist, das nicht für alle Verhältnisse paßt, das man stets zum eignen Nutzen individuell gestalten muß. Nur so wird das, was man durch systematische und individuelle Nacktgymnastik erreicht, eine Kulturarbeit für die eigene Person und für die Allgemeinheit.

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II. Teil: Recht der Schuldverhältnisse. 181⁄2 Bogen in 8º auf holzfreiem Papier in Ganzleinwand 2 Mark.
III. Teil: Sachenrecht. 1. Abt.: Rechte an Grundstücken insbes. Hypothekenrecht. 11 Bogen in 8º auf holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 1 Mark 50 Pfg.
III. Teil: Sachenrecht. 2. Abt.: Rechte an beweglichen Sachen. 8 Bogen in 8º auf holzfr. Papier in Ganzlwdb. M. 1.50.
Familienrecht und Erbrecht erscheinen 1905.
Das Werk ist empfohlen worden von den kgl. bayerischen Ministerien der Justiz, des Innern und der Finanzen, dem herzogl. Ministerium in Braunschweig und dem herzogl. sächs. Ministerium in Coburg, ferner vom Reichspostamt an die Oberpostdirektionen und vielen anderen Behörden.
III. Serie:
Bibliothek der Naturkunde u. Technik.
a) Naturkunde.
Bd. 1. Hartwig, Prof., Einführung in die praktische Physik: Physik der Materie: Lehre von den Bewegungen (Mechanik) v. Schall (Akustik) u. v. d. Wärme. Ersch. 1905.
Bd. 2. Hartwig, Prof., Einführung in die praktische Physik: Physik des Äthers: Lehre von der Elektrizität, des Magnetismus und dem Lichte.
Bd. 3. Ahrens, Prof. Dr., Einführung in die praktische Chemie: Unorganischer Teil. 160 Seiten mit 24 Abbildungen. In Ganzleinwandband geb. 1 Mark.
Bd. 4. Ahrens, Prof. Dr., Einführung in die praktische Chemie: Organischer Teil. 144 Seiten mit 22 Abbildungen. In Ganzleinwandband geb. 1 Mark.
In Vorbereitung befindet sich:
Jaekel, Prof. Dr., Entstehung und Entwickelungsgeschichte der Erde. Mit vielen Abbildungen. Erscheint anfangs 1905.
b) Technik.
Bd. 2. Kleinstüber, Reg.- u. Schulrat Prof., Die Entwickelung der Eisenindustrie und des Maschinenbaues im 19. Jahrhundert. 180 Seiten in 8º auf holzfreiem Papier. Brosch. 80 Pfg., geb. in Ganzleinwandband 1 Mark.
Die Sammlung wird cirka 15 Bändchen enthalten, welche in systematischem Aufbau die Naturwissenschaft und Technik zur Darstellung bringen wird.
Keine Arbeiter-, Schüler- und Volksbibliothek sollte die Anschaffung dieser anerkannt guten Bücher versäumen; dieselben eignen sich auch in vortrefflicher Weise zu Schulprämien.
IV. Serie:
Illustr. deutsche Handwerkerbibliothek
Bd. 1. Güttinger, G., Der praktische Bäcker. Ein Hilfsbuch und Leitfaden zur Ausübung des Bäckerhandwerkes. 150 Seiten in 8º mit 15 Illustrationen. Geb. 1 Mark.
Bd. 2. Wenger, G., Der praktische Fleischer. Ein Hilfsbuch und Leitfaden zur Ausübung des Fleischergewerbes. 165 Seiten 8º mit 23 Illustrationen. Geb. 1 Mark.
Bd. 3/5. Michel, K., Der praktische Bierbrauer. Ein Hilfsbuch und Leitfaden zur Ausübung der Malz- und Bierbereitung. 495 Seiten in 8º mit 129 Illustr. Geb. 3 Mark.
Bd. 6/7. Kallenberg, O., Der praktische Klempner. Ein Hilfsbuch und Leitfaden für jeden Blecharbeiter, als Klempner, Flaschner, Spengler, Blechner, Blechschmied, Schlosser, Kupferschmied u. s. w. 228 Seiten in 8º mit 108 Illustr. Geb. 2 Mark.
Bd. 8/9. Pape, R., Der praktische Schuh- u. Schäftemacher. Ein Hilfsbuch und Leitfaden zur Ausübung des Schuhmacherhandwerks. Mit vielen Illustr. Geb. 2 Mk.
Die „Ostpreußische Handwerkszeitung” schreibt: Leider ist die Auswahl wirklich guter Lehrbücher im Handwerk bisher recht mangelhaft gewesen. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß hier gute und billige Werke geboten werden, die für Lehrlinge, Gesellen u. Meister bei Ausübg. ihres Gewerbes unentbehrlich werden.
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Die Sammlung wird fortgesetzt.