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Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft

IV. Teil. Körperpflege in den verschiedenen Altersstufen.

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Das Kind, vor dem Eintritt in die Schule, bedarf der Schulung der Sinneskraft. Dies geschieht am besten durch Uebung der Naturbetrachtung. Es bedarf ferner der Erhaltung und Förderung seiner mitgebrachten Gelenkigkeit durch möglichst geringe, lose und luftige Bekleidung und durch möglichst große Freiheit der selbstgewollten Bewegungen in gut ventilierten, warmen Zimmern und im Freien bei warmer, sonniger Witterung. Vom vierten Lebensjahre können Ordnungsspiele günstig einwirken. Atmung und Herztätigkeit, sowie ein stetiges Wachstum werden gefördert, die erste Zahnung vollzieht sich ohne Gefahren.

Tafel VIII.

Illustration from Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft

MISS JSADORA DUNCAN STATUETTE: Prof. W. SCHOTT

Fig. 19, 20, 21. Der hygienische und ästhetische Tanz.

In den drei ersten Schuljahren, in welchem der Zahnwechsel statthat und auch sonst das Knochenskelett sich entwickelt, ist das Kind durch die verminderte Bewegung und durch das Sitzen in der wenig guten Luft der Schulräume gefährdet. Die Atmung ist eine oberflächliche, der Stoffwechsel verlangsamt, der Wachstumreiz herabgesetzt. Systematische Marsch- und Schnelligkeitsübungen bringen den Ausgleich. Letztere sind am besten in Form des Tanzes, der Bewegungsspiele im Freien und Gleichgewichtsübungen vorzunehmen.

In den nächsten fünf Schuljahren, in welchen das Längenwachstum fortschreitet, die Knochen bereits fester und die Muskeln ausdauernder werden, treten zu dem bisherigen Uebungsprogramm der Dauerlauf, das Schlittschuhlaufen, der Hoch-, Weit- und Stabsprung, Klettern und Schwingübungen, Freiübungen ohne stärkere Bewaffnung, schließlich Gerätübungen, bei welchen eine Pressung ausgeschlossen ist. Vom 12. Lebensjahre ab können auch Griffkunde, Reiten und mäßiges Schwimmen Nutzen stiften. In der Zeit der geschlechtlichen Reifung und der Vollendung des Längenwachstums, also etwa vom 13. bis 22. Lebensjahre vollzieht sich auch das Hauptwachstum des Herzens und der Lungen. Um diesen Organen die nötige Anregung zur Entwicklung zu geben, bedarf der Körper starker Bewegungsreize. Der Schnellauf, der Bergsport, Wettspiele, kurzdauernde Ringkämpfe, Wettschwimmen auf kurze Distanzen, Gerätübungen aller Art, Fechten, Boxen, Radfahren, Rudern und Skilauf sind vorzügliche Uebungen, die möglichst vielseitig betrieben werden sollen. Vom 22. bis 30. Jahre vollzieht der Körper hauptsächlich sein Breitenwachstum und festigt sich innerlich. Dies ist die Zeit des Uebermutes und der Waghalsigkeit, aber leider auch der Ausschweifung. Kraftübungen aller Art sollen hier mit Gewandtheitsübungen in stetem Wechsel bleiben, Leichtgewichtsathletik systematisch die Schwergewichtsathletik vorbereiten und durch letztere ergänzt werden. Ringen soll die allseitige Ausbildung erhalten und fördern und Umsicht, Schlagfertigkeit und Willensstärke fördern.

In der Vollkraft der Jahre vom 30. bis 40. Lebensjahre muß man sich die bisher erworbene Schnelligkeit und Gewandtheit zu erhalten und die höchste Ausbildung der Kraft und Ausdauer zu erwerben suchen. Kraft- und Dauerübungen sind maximal zu steigern.

Schwergewichtsathletik vernünftig und mäßig betrieben, kann durch Verarbeitung der Reservestoffe nützlich wirken.

Nach dem 40. Lebensjahre muß man sich die erworbene Kraft, Gelenkigkeit und Ausdauer möglichst lange zu erhalten suchen; man gebraucht hiezu Frei- und Dauerübungen, sowie Gerätübungen, die bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind. In vorgerückterem Alter soll man alle Uebungen meiden, welche den Kopf längere Zeit nach unten bringen. Für jedes Lebensalter aber gilt die goldene Regel zu individualisieren. Die schwachen Stellen des Körpers müssen aufgesucht und so lange geübt werden, bis sie nach Aussehen und Leistungsfähigkeit in den gesamten Körperrahmen hineinpassen.

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