Act 3 — Scene II.
Reading edition
Gretel (holds Hänsel back in astonishment).
Stand still, be still!
Hänsel (surprised).
O Heaven, what wondrous place is this,
as ne'er in all my life have I seen!
Gretel (gradually regains her self-possession).
What odor delicious! O say, do I dream?
Both.
A cottage all made of chocolate cream. The roof is all covered with Turkish delight the windows with lustre of sugar are white; and on all the gables the raisins invite, and think! all around is a gingerbread hedge! O magic castle, how nice you'd be to eat! Where hides the princess who has so great a treat? Ah, could she but visit our little cottage bare, she'd ask us to dinner, her dainties to share!
Hänsel (after a while).
No sound do I hear; no, nothing is stirring!
Come, let's go inside it!
Gretel (pulling him back horrified).
Are you senseless?
Hänsel, however can you make so bold?
Who knows who may live there,
in that lovely house?
Hänsel.
O look, do look how the house seems to smile!
(Enthusiastically.)
Ah, the angels did our footsteps beguile!
Gretel (reflectively).
The angels? Yes, it must be so!
Hänsel.
Yes, Gretel, the angels are beck'ning us in!
Come, let's nibble a bit of the cottage.
Both.
Come, let's nibble it,
like two mice persevering!
(They hop along, hand in hand, towards the back of the stage; then stand still, and then steal along cautiously on tiptoe to the house. After some hesitation Hänsel breaks off a bit of cake from the right-hand corner.)
Dritte Scene.
Stimme aus dem Häuschen.
Knusper, knusper Knäuschen,
wer knuspert mir am Häuschen?
Hänsel (lässt erschrocken das Stück zu Boden fallen).
Gretel (zaghaft).
Der Wind!
Hänsel (ebenso).
Der Wind!
Beide.
Das himmlische Kind.
Gretel (hebt das Stück wieder auf und versucht es).
Hm!
Hänsel (Gretel begehrlich anschauend).
Wie schmeckt das?
Gretel (ihn beissen lassend).
Da hast du auch was!
Hänsel (legt entzückt die Hand auf die Brust).
Hei!
Gretel (ebenso).
Hei!
Beide.
O köstlicher Kuchen, Wie schmeckst du nach mehr! Mir ist ja, als wenn ich im Himmel schon wär!
Hänsel.
Hei, wie das schmeckt! 's ist gar zu lecker!
Gretel.
Vielleicht gar wohnt hier ein Zuckerbäcker!
Hänsel (ruft).
He, Zuckerbäcker, nimm dich in acht,
Ein Loch wird dir jetzt vom Mäuslein gemacht!
(Bricht ein grosses Stück aus der Wand heraus.)
Stimme aus dem Häuschen.
Knusper, knusper Knäuschen,
wer knuspert mir am Häuschen?
Hänsel und Gretel.
Der Wind, der Wind,
das himmlische Kind!
(Der obere Teil der Hausthüre öffnet sich leise, und der Kopf der Knusperhexe wird sichtbar. Die Kinder bemerken sie nicht und schmausen lustig weiter.)
Gretel.
Wart, du näschiges Mäuschen,
gleich kommt die Katz' aus dem Häuschen!
Hänsel.
Knuspre nur zu
und lass mich in Ruh!
Gretel (entreisst ihm ein Stück Kuchen).
Nicht so geschwind,
Herr Wind, Herr Wind!
Hänsel (nimmt es ihr wieder ab).
Himmlisches Kind,
ich nehm, was ich find!
(Sie lachen beide hell auf. Während des letzten Gespräches ist die Thüre des Häuschens aufgegangen, und die Hexe tritt, von den Kindern nicht bemerkt, daraus hervor, behutsam auf diese zuschleichend. Rasch wirft sie dem ahnungslosen Hänsel einen Strick um den Hals, eben in dem Augenblick, als die Kinder lachen.)
Hexe (kichernd).
Hihi, hihi, hihihi!
(Die Kinder blicken sich erschrocken um.)
Hänsel (entsetzt).
Lass los!—Wer bist du?
Hexe (Gretel übers Gesicht streichelnd).
Engelchen!
Und du, mein Zuckerbengelchen!
Ihr kommt mich besuchen?—Das ist nett!
Liebe Kinder!—So rund und fett!
Hänsel.
Wer bist du, Garstige?—Lass mich los!
Hexe.
Na, Herzchen, zier dich nicht erst gross!
Wisst denn, dass euch vor mir nicht graul:
Ich bin Rosina Leckermaul,
höchst menschenfreundlich stets gesinnt,
unschuldig wie ein kleines Kind.
Drum hab ich die kleinen Kinder so lieb,
So lieb—ach zum Aufessen lieb!
(Sie streichelt die Kinder wieder.)
Hänsel (barsch abwehrend).
Geh!—bleib mir doch aus dem Gesicht!
Hörst du? Ich mag dich nicht!
Hexe.
Hihihi!
Was seid ihr für leckere Teufelsbrätchen,
besonders du, mein herzig Mädchen!
(Lockend.)
Kommt, kleine Mäuslein,
kommt in mein Häuslein!
Sollt es gut bei mir haben,
Will drinnen köstlich euch laben.
Schokolade, Torten, Marzipan,
Kuchen, gefüllt mit süsser Sahn',
Johannisbrot und Jungfernleder
und Reisbrei—auf dem Ofen steht er—
Rosinen, Mandeln und Feigen,
's ist alles im Häuschen eur eigen!
Hänsel.
Ich geh nicht mit dir, garstige Frau!—
Du bist gar zu freundlich.
Hexe.
Schau, schau, wie schlau,
Ihr Kinder, ich mein's doch so gut mit euch,
seid ja bei mir wie im Himmelreich!
Kommt, kleine Mäuslein!
kommt in mein Häuslein!
Sollt es gut bei mir haben,
will drinnen köstlich euch laben!
(Sie will Hänsel fortziehen.)
Gretel.
Was willst du meinem Bruder thun?
Hexe.
Gutes, mein Kind, sehr Gutes! I nun,
mit allerhand vortrefflichen Sachen
will ich ihn zart und wohlschmeckend machen
und ist er dann recht zahm und brav,
geduldig und fügsam wie ein Schaf,
dann—höre, Hänsel, ich sag dir's ins Ohr:
dir steht eine grosse Freude bevor!
Hänsel.
So sag's doch laut und nicht ins Ohr!
Welche Freude steht mir bevor?
Hexe.
Ach, liebe Püppchen, Hören und Sehn
wird euch bei diesem Vergnügen vergehn!
Hänsel.
Ei, meine Augen und Ohren sind gut,
haben wohl acht, was Schaden mir thut.
Gretel, trau nicht dem gleissenden Wort.
(Leise.)
Schwesterchen, komm, wir laufen fort!
(Er hat sich allmählich von der Schlinge befreit und will mit Gretel fortlaufen; sie werden aber von der Hexe zurückgehalten, die gebieterisch ihren Stab gegen die beiden erhebt.)
Hexe.
Halt!
(Macht mit dem Stabe die Gebärde des Hexenbannes. Die Bühne verfinstert sich.)
Hocus pocus, Hexenschuss!
Rühr dich, und dich beisst der Fluss!
Nicht mehr vorwärts, nicht zurück,
bann dich mit dem bösen Blick;
Kopf steh starr dir im Genick!
(Neue Gebärde; die Spitze des Stabes fängt an zu leuchten.)
Hocus pocus, nun kommt Jocus!
Kinder, schaut den Zauberknopf!
Äuglein, stehet still im Kopf!—
Nun zum Stall hinein, du Tropf!
Hocus pocus, bonus jocus,
Malus locus, hocus pocus!
(Leitet den starr auf den Knopf blickenden Hänsel zum Stalle und schliesst hinter ihm die Gitterthüre, während Gretel regungslos dasteht. Die Bühne erhellt sich wieder.)
Hexe (vergnügt zu Gretel).
Nun, Gretelchen, sei vernünftig und nett!
Der Hänsel wird nun balde fett.
Wir wollen ihn, so ist's am besten,
mit Mandeln und Rosinen mästen.
Ich geh ins Haus und hol sie schnell—
Du rühre dich nicht von der Stell!
(Hinkt ins Haus.)
Gretel (starr und unbeweglich).
Hu—Wie mir vor der Hexe graut!
Hänsel.
Gretel! Pst! sprich nicht so laut!
Sei hübsch gescheit und gieb fein acht
auf jedes, was die Hexe macht.
Zum Schein thu alles, was sie will—
da kommt sie schon zurück—Pst! still!
Hexe (dem Hänsel aus einem Korbe Mandeln und Rosinen hinstreuend).
Nun, Jüngelchen, ergötze dein Züngelchen! Friss, Vogel, oder stirb— Kuchen-Heil dir erwirb!
(Wendet sich zu Gretel und entzaubert sie mit einem Wachholderbusch.)
Hocus pocus, Holderbusch!
Schwinde, Gliederstarre, husch!
Nun wieder kregel, süsses Kleinchen,
rühr mir geschwind die runden Beinchen!
Geh, Zuckerpüppchen, flink und frisch
und decke drinnen hübsch den Tisch!
Schüsselchen, Tellerchen, Messerchen, Gäbelchen,
Serviettchen für mein Schnäbelchen;
und mach nur alles recht hurtig und fein,
sonst sperr ich auch dich in den Stall hinein!
(Sie droht kichernd; Gretel geht ins Haus.)
Hexe (zu dem sich schlafend stellenden Hänsel).
Der Lümmel schläft ja nun—sieh mal an,
wie doch die Jugend schlafen kann!
Na, schlaf nur brav, du gutes Schaf,
bald schläfst du deinen ewigen Schlaf.
Doch erst muss mir die Gretel dran;
mit dir, mein Liebchen, fang ich an,
bist so niedlich, zart und rund,
wie gemacht für Hexen-Mund!
(Sie öffnet die Backofenthür und riecht hinein.)
Der Teig ist gar, wir können voran machen.
Hei, wie im Ofen die Scheite krachen!
(Schiebt noch ein paar Holzscheite unter und reibt sich dann schmunzelnd die Hände.)
Ja, Gretelchen,
wirst bald ein Brätelchen!
Schau, schau,
wie ich schlau bin, so schlau!
Sollst gleich im Backofen hucken
und nach dem Lebkuchen gucken.
Und bist du dann drin—schwaps,
geht die Thür—klaps!
Dann ist fein Gretelchen
mein Brätelchen!
Das Brätelchen soll sich verwandeln
in Kuchen mit Zucker und Mandeln!
Im Zauberofen mein
wirst du ein Lebkuchen fein!
(In wilder Freude ergreift sie einen Besenstiel und reitet ausgelassen auf ihm ums Haus. Gretel steht lauschend am kleinen Fenster.)
Hurr, hopp, hopp, hopp! Galopp, Galopp! mein Besengaul, hurr, hopp, nit faul! Sowie ich's mag am lichten Tag spring kreuz und quer um Häuschen her! Bei dunkler Nacht, wann niemand wacht, zum Hexenschmaus am Schornstein raus! Aus fünf und sechs, so sagt die Hex, mach sieb und acht, so ist's vollbracht; und neun ist eins, und zehn ist keins, und viel ist nichts, die Hexe spricht's. So reitet sie bis morgens früh— Prr! Besen! hüh!
(Vom Besen steigend hinkt die Hexe zu Hänsel und kitzelt ihn mit einem Besenreis wach.)
Auf, auf, mein Jüngelchen!
Zeig mir dein Züngelchen!
(Hänsel streckt die Zunge heraus.)
(Schnalzend.)
Schlicker, schlecker,
lecker, lecker!
Kleines leckres Schlingerchen,
Zeige mir dein Fingerchen!
(Hänsel streckt ein Stöckchen heraus.)
Jemine, je!
Wie ein Stöckchen, o weh!
Bübchen, deine Fingerchen
sind elende Dingerchen!
(Ruft.)
Mädel! Gretel!
(Gretel zeigt sich an der Thür.)
Bring Rosinen und Mandeln her;
Hänsel meint, es schmeckt nach "mehr!"
(Gretel bringt in einem Korbe Rosinen und Mandeln; sie stellt sich, während die Hexe sie dem Hänsel reicht, hinter sie und macht gegen Hänsel die Entzauberungsgebärde mit dem Wachholderbusch.)
Gretel (leise).
Hocus pocus, Holderbusch!
Schwinde, Gliederstarre—husch!
Hexe (sich rasch umwendend).
Was sagtest du, mein Gänselchen!
Gretel.
Meint' nur: wohl bekomm's, mein Hänselchen!
Hexe.
Hihihi! Mein gutes Tröpfchen,
da—steck dir was ins Kröpfchen!
Friss, Vogel, und stirb—
Kuchen-Heil dir erwirb!
(Sie öffnet die Backofenthür; Hänsel giebt Gretel lebhafte Zeichen.)
Hänsel (leise die Stallthür öffnend).
Schwesterlein,
hüt dich fein!
Hexe (Gretel gierig betrachtend).
Wie wässert mir das Mündchen
nach diesem süssen Kindchen!
Komm, Gretelchen!
Zuckermädelchen!
Sollst in den Backofen hucken
und nach den Lebkuchen gucken,
sorgfältig schaun—ja,
ob sie schon braun da,
oder ob's zu früh—
's ist kleine Müh!
Hänsel (aus dem Stall schleichend).
Schwesterlein,
hüt dich fein!
Gretel (sich ungeschickt stellend).
Ei, wie fang ich's an,
dass ich komme dran?
Hexe.
Musst dich nur eben
ein bisschen heben,
Kopf vorgebeugt—
's ist kinderleicht!
Hänsel (immer näher den beiden).
Schwesterlein,
hüt dich fein!
Gretel (schüchtern).
Bin gar so dumm,
nimm mir's nicht krumm;
drum zeige mir eben,
wie soll ich mich heben?
Hexe (macht eine ungeduldige Bewegung).
Kopf vorgebeugt!
's ist kinderleicht!
(Indem sie sich vorbeugt und mit halbem Leibe hineinkriecht, geben ihr Hänsel und Gretel von hinten einen derben Stoss, sodass sie vollends hineinfliegt, und schlagen dann rasch die Thür zu.)
Hänsel und Gretel.
Und bist du dann drin—schwaps!
Geht die Thür—klaps!
Du bist dann statt Gretelchen
ein Brätelchen!
(Hänsel und Gretel fallen sich jubelnd in die Arme, fassen sich bei der Hand und tanzen.)
Juchhei! Nun ist die Hexe tot,
mausetot!
Nun ist geschwunden Angst und Not!
Juchhei! Nun ist die Hexe still,
mäuschenstill,
Und Kuchen giebt's die Hüll und Füll!
Juchhei! Nun ist zu End der Graus,
Hexengraus!
Und böser Zauberspuk ist aus!
Drum lasst uns fröhlich sein,
tanzen im Feuerschein,
halten im Knusperhaus
herrlichsten Freudenschmaus!
Juchhei, juchhei!
(Sie umfassen sich und walzen zum Knusperhaus, wo sie alle Herrlichkeiten in Besitz nehmen. Im Hexenofen knistert es gewaltig und die Flamme schlägt hoch empor; dann erfolgt ein starker Krach, und der Ofen stürzt zusammen. Hänsel und Gretel eilen herbei, und stehen erstaunt da. Ihre Verwunderung steigt aufs höchste, als sie die Kinder gewahr werden, deren Kuchenhülle inzwischen abgefallen ist.)