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Hänsel and Gretel

Act 1 — Scene II.

Reading edition

(At this moment the door opens, the mother appears, whereupon the children jump up quickly.)

Mother.

Hallo!

Hänsel and Gretel.

Heavens! Here's mother!

Mother.

What is all this disturbance?

Gretel.

'Twas Hänsel, he wanted—

Hänsel.

'Twas Gretel, she said I—

Mother.

Silence, idle and ill-behaved children!

(The mother comes in, unstraps the basket, and puts it down.)

Call you it working, yodelling and singing?

As though 'twere fair time, hopping and springing!

And while your parents from early morning

till late at night are slaving and toiling!

Take that!

(Gives Hänsel a box on the ear.)

Now come, let's see what you've done.

Why, Gretel, your stocking not ready yet?

And you, you lazybones, have you nothing to show?

Pray how many besoms have you finished?

I'll fetch my stick, you useless children,

and make your idle fingers tingle!

(In her indignation at the children she gives the milk-jug a push, so that it falls off the table with a smash.)

Gracious! there goes the jug all to pieces!

What now can I cook for supper?

(She looks at her dress, down which the milk is streaming. Hänsel covertly titters.)

How, saucy, how dare you laugh?

(Goes with a stick after Hänsel, who runs out at the open door.)

Wait, wait till the father comes home!

(With sudden energy she snatches a basket from the wall, and pokes it into Gretel's hands.)

Off, off, to the wood!

There seek for strawberries! Quick, away!

And if you don't bring the basket brimful,

I'll whip you so that you'll both run away!

(The children run off into the wood. She sits down exhausted by the table.)

Alas! there my poor jug lies all in pieces!

Yes, blind excitement only brings ruin.

O Heaven, send help to me!

Nought have I to give them—

(Sobbing.)

No bread, not a crumb, for my starving children!

No crust in the cupboard, no milk in the pot—

(Resting her head on her hands.)

Weary am I, weary of living!

Father, send help to me!

(Lays her head down on her arm and drops to sleep.)

Dritte Scene.

(Man hört eine Stimme von draussen:)

Ach, wir armen, armen Leute!

Alle Tage so wie heute:

In dem Beutel ein grosses Loch

und im Magen ein gröss'res noch—

Rallalala, rallalala,

Hunger ist der beste Koch!

(Am Fenster wird der Kopf des Vaters sichtbar, der während des Folgenden in angeheitertem Zustande mit einem Kober auf dem Rücken in die Stube tritt.)

Ja, ihr Reichen könnt euch laben!

Wir, die nichts zu essen haben,

nagen, ach, die ganze Woch',

sieben Tag an einem Knoch'!

Rallalala, rallalala,

Hunger ist der beste Koch!

Ach, wir sind ja gern zufrieden,

denn das Glück ist so verschieden,

aber, aber wahr ist's doch:

Armut ist ein schweres Joch!

Rallalala, rallalala,

Hunger ist der beste Koch!

(Er setzt seinen Kober nieder und tritt an die Rampe.)

Ja ja, der Hunger kocht schon gut,

sofern er kommandieren thut.

Allein was nutzt der Kommandör,

fehlt euch im Topf die Zubehör?

Rallalala, rallalala,

Kümmel ist mein Leiblikör!

Rallalala, rallalala,

Mutter, schau, was ich bescheer!

(Giebt ihr einen derben Schmatz.)

Mutter (sich die Augen reibend).

Hoho!— Wer spek—spektakelt mir da im Haus und rallalakelt aus dem Schlaf mich heraus?

Vater (lallend).

Das tolle Tier, im Magen hier, das bellte so, das glaube mir! Rallalala, rallalala, Hunger ist ein tolles Tier. Rallalala, rallalala, beisst und kratzt, das glaube mir!

Mutter.

So, so! Das tolle Tier, es ist wohl schier

stark angezecht—das glaube mir!

Vater.

Nun ja, 's war heut ein heitrer Tag!

Fandst du nicht auch, lieb' Weib?

Mutter (ärgerlich).

Ach geh! Du weisst, nicht leiden mag

ich Wirtshaus-Zeitvertreib!

Vater (zu seinem Kober sich wendend).

Auch gut! So sehen wir, wenn's beliebt,

was es für heut zu schmausen giebt.

Mutter.

Höchst einfach ist das Speisregister

der Abendschmaus—zum Henker ist er!

Teller leer,

Keller leer,

und im Beutel ist gar nichts mehr.

Vater.

Rallalala, rallalala,

lustig, Mutter, bin auch noch da!

Rallalala, rallalala,

bringe Glück und Gloria!

(Nimmt den Kober und kramt aus.)

Schau, Mutter!

Wie gefällt Dir dies Futter?

Mutter.

Mann, was seh' ich? Speck und Butter!

Mehl und Würste!... vierzehn Eier—

—Mann! Sie sind jetztunder teuer!—

Bohnen, Zwiebeln und—herrjeh!

Gar ein viertel Pfund Kaffee!

Vater (kehrt den Kober vollends um. Ein Haufen Kartoffeln rollt zur Erde. Beide fassen sich am Arm und tanzen in der Stube umher).

Rallalala, hopsassa!

Heute woll'n wir lustig sein!

Ja, hör nur, Mütterchen, wie's geschah!

(Die Mutter kramt die Sachen in den Schrank ein, macht Feuer im Herd an, schlägt Eier in eine Schüssel u. s. w.)

Drüben hinterm Herrenwald

prächt'ge Feste giebt's da bald,

Kirmes, Hochzeit, Jubiläum,

Böllerknall und gross Tedeum.

Mein Geschäft kommt nun zur Blüte;

dessen froh sei Dein Gemüte!

Sieh! wer feines Fest will feiern,

der muss kehren, schrubben und scheuern.

Bot drum meine Waren aus,

zog damit von Haus zu Haus:

„Kauft Besen! Gute Feger!

Feine Bürsten! Spinnejäger!“

Sieh, da verkauft' ich massenweise

meine Waren zum höchsten Preise!—

Schnell nun her mit Topf und Pfanne,

her mit Kessel, Schüssel, Kanne!

Beide.

Vivat hoch die Besenbinder!

Vater.

Doch halt—wo bleiben die Kinder?

Hänsel! Gretel!—Wo steckt der Hans?

Wo er steckt? Ja, wüsste man's!

Nur das weiss ich klar wie Tag,

dass der Topf in Scherben lag!

Vater (zornig).

Was? der neue Topf entzwei?

Mutter.

Und am Boden quoll der Brei!

Vater (mit der Faust auf den Tisch schlagend).

Donnerkeil! So haben die Rangen

Unfug wieder angefangen?

Mutter.

Unfug viel und Arbeit keine

hatten sie getrieben alleine.

Hörte schon draussen sie juchzen und johlen,

hopsen und springen wie wilde Fohlen,

wusste nicht, wie mir stand der Kopf,

Und vor Zorn

Vater.

—zerbrach der Topf.

Hahahaha!

(Beide lachen aus vollem Halse.)

Na, Zornmütterchen, nimm mir's nicht krumm,

solche Zorntöpfe find' ich recht dumm!

Doch sag, wo mögen die Kinderchen sein?

Mutter (schnippisch).

Meinethalben am Ilsenstein!

Vater (erschrocken).

Am Ilsenstein?—Ei, juckt Dich das Fell?

(Nimmt einen Besen von der Wand.)

Mutter.

Den Besen lass nur an seiner Stell.

Vater (lässt den Besen fallen und ringt die Hände.)

Wenn sie sich verirrten im Walde dort,

in der Nacht, ohne Stern und Mond!

Kennst Du nicht den schauerlich düstern Ort?

Weisst nicht, dass die Böse dort wohnt?

Mutter (betroffen).

Die Böse? Wen meinst Du?

Vater (mit geheimnisvollem Nachdruck).

Die Knusperhexe!—

Mutter (fährt zusammen).

Die Knusperhexe!—

(Zurückweichend, da der Vater den Besen wieder aufnimmt.)

Mein! Sag doch, was soll denn der Besen?

Vater.

Der Besen! Der Besen!

Was macht man damit? Was macht man damit?

Es reiten drauf, es reiten drauf die Hexen!

Eine Hex' steinalt,

haust tief im Wald,

vom Teufel selber hat sie Gewalt!

Um Mitternacht,

wann niemand wacht,

dann reitet sie aus zur Hexenjagd.

Zum Schornstein hinaus

entschlüpft sie dem Haus;

auf dem Besen, o Graus; in Saus und Braus!

Über Berg und Kluft,

über Thal und Gruft

durch Nebelduft

im Sturm durch die Luft:

Ja so reiten, ja so reiten,

juchheissa, die Hexen!

Mutter.

Entsetzlich!

Vater.

Ja, bei Tag, o Graus:

zum Hexenschmaus

ins Knisper-Knasper-Knusperhaus

die Kinderlein,

Armsünderlein,

mit Zauberkuchen lockt sie herein.

Doch übelgesinnt

ergreift sie geschwind

das arme Kuchen knuspernde Kind.

In den Ofen, hitzhell,

schiebt's die Hexe blitzschnell;

dann kommen zur Stell,

gebräunt das Fell,

aus dem Ofen, aus dem Ofen

die Lebkuchenkinder!

Mutter.

Und die Lebkuchenkinder?

Vater.

Die werden gefressen!

Mutter.

Von der Hexe?

Vater.

Von der Hexe.

Mutter (händeringend).

O Graus!

Hilf, Himmel! die Kinder! Ich halt's nicht mehr aus!

(Rennt aus dem Hause.)

Vater (nimmt die Kümmelflasche vom Tisch).

He, Alte, so wart' doch! Nimm mich mit!

Wir wollen ja beide zum Hexenritt!

(Eilt ihr nach. Der Vorhang fällt schnell.)

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