III. Kapitel Handfertigkeiten
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24. Linoleumschnitt
Der Linoleumschnitt, auch Linolschnitt genannt, entspricht dem Holzschnitt; nur ist das Material viel leichter zu bearbeiten. Dieses Material besteht aus möglichst dickem Linoleum, es können auch Abfälle von Teppichen verwendet werden. Das notwendigste Werkzeug ist ein Messer (Abb. 83), mit dem man sowohl Linien als auch Flächen herausarbeiten kann. Die Technik ist für geübte Hände sehr einfach, ungeübte Anfänger dürften sie in kurzer Zeit erlernen. Sie hat vielerlei Verwendungsmöglichkeiten; vom Exlibris bis zur Glückwunschkarte, vom bescheidenen Bildchen bis zum Schmuck von Gästebüchern und Sammelmappen gibt es mancherlei Ausdrucksmöglichkeiten, und schließlich ist es doch recht unterhaltsam, wenn man bei einigem Zeichentalent Erinnerungen aus der Sommerfrische, von Reisen und Ausflügen in dieser Technik herstellen kann; es genügen Skizzen und Photos, nach denen man später zu Hause recht gut arbeiten kann:
Man streicht mit weißer Deckfarbe (Temperafarbe) die Linolfläche an und überträgt darauf die Zeichnung. Dann schneidet man mit dem Messer die Flächen aus, die weiß wirken sollen, und läßt alle Flächen stehen, die dunkel bleiben sollen. Die Platte legt man vor dem Drucken in Wasser und läßt sie zwei bis drei Stunden darin liegen. Inzwischen löst sich durch dieses Verfahren die weiße Temperafarbe ab; nun läßt man die Platte gut trocknen und streicht sie, wenn dies geschehen ist, mit breitem Pinsel (Abb. 83) mit Japanaqua gleichmäßig an. Das lange Imwasserliegen der Platte ist nur nötig, wenn mit Japanaqua gedruckt wird; sonst braucht sie nicht so lange zu wässern. Es empfiehlt sich, die dünnen Platten auf Holz aufzuziehen, damit man sie beim Arbeiten besser anfassen und handhaben kann. Zum Abdruck eignet sich am besten Bütten- oder Japanpapier, jedes saugfähige, dünne Papier; im Notfall kann sogar Seidenpapier dazu verwendet werden. Dagegen kommen Pergament- und Butterbrotpapiere nicht in Betracht. Alle Papiere, die für diese Technik verwendet werden sollen, müssen zunächst gleichmäßig angefeuchtet und zwischen Löschblätter gelegt werden. Das Papier wird vorsichtig auf die gestrichene Platte gelegt, mit festerem Papier überdeckt und dann mit einem Reiber (Abb. 83) so lange gerieben, bis die Feuchtigkeit des Papiers die Farbe von der Platte löst. Statt des Reibers kann ein Falzbein verwendet werden. Den Reiber stellt man selber her, er besteht aus einer runden Pappscheibe, die mit rauhem Steifleinen bezogen wird. Über das Steifleinen spannt man möglichst straff ein Stück Schweinsleder und befestigt diese Hülle entsprechend.

Abb. 83. Werkzeug für den Linoleumschnitt.

Abb. 84. Linoleumschnitt.
⇒ GRÖSSERES BILD
Wir zeigen auf unserm nebenstehenden Bilde eine Arbeit in Linoleumschnitt, ein stimmungsvolles Städtebild (Abb. 84). Man sieht hier eine einfache Zeichnung und kann aus unsrer Vorlage erkennen, wie viel sich bei einiger Übung auf diesem Gebiet erreichen läßt. Wer eine besondere Vorliebe für das Ornament hat, kann in Linoleumschnitt mancherlei sehr reizvolle Bucheinbände, Vorsatzpapiere und Einbände für Notizbücher und Blocks herstellen; Linoleumdruck paßt auch zur Verzierung von Rückwänden für Kalender und für Stundenpläne. Wenn man darüber nachdenkt, wird man immer wieder neue Verwendungsmöglichkeiten für diese wirkungsvolle, interessante Technik finden.
25. Ausschneidetechnik
Bei der Ausschneidetechnik werden die Formen mit der Schere möglichst genau ausgeschnitten und aufgeklebt. Es gibt Muster, die sehr einfach sind, man klebt sie mit einem beliebigen Klebemittel ziemlich mühelos auf. Amüsanter sind die Arbeiten, bei denen mehrere Farben verwendet werden; dies ist zwar schwieriger, hat aber eine bedeutend stärkere, malerische Wirkung: Man schneidet das Buntpapier nach den Formen, die größte Fläche wird als Grund gewählt, die übrigen Töne werden aufgesetzt, die kleinsten Flächen kommen ganz zuletzt an die Reihe. Im übrigen muß man darauf achten, daß alles, was im Hintergrund liegt, zuerst, und alles, was im Vordergrund liegt, zum Schluß aufgeklebt wird.
Als Arbeitsmaterial verwendet man Buntpapier, das in verschiedenen Farben in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, Kartonpapier, ebenfalls farbig, als Hintergrund für die Muster und irgend ein gutes Klebemittel.
Man klebt ohne Aufzeichnung das Muster auf den Hintergrund und bedeckt ihn nach und nach mit den Ornamenten, die man, genau wie bei der Reißtechnik, besonders für den Anfang, dem Pflanzen- und Tierreich entnimmt. Auch Landschaften und Stilleben eignen sich für diese Technik, wenn schon einige Übung vorhanden ist. Am hübschesten wirken einfache Blumenstücke, Einzelblüten, Ranken, in mehreren Farben, möglichst vereinfacht in der Form.
Die Verwendungsmöglichkeit der Ausschneidetechnik ist sehr verschieden, man kann allerlei damit anfangen. Als Wandschmuck unter Glas, einfach mit Kaliko gerahmt, sind sie, wenn sie nicht in Mengen auftreten, eine sehr reizvolle Zierde für das Jungmädchen-, Fremden- und Kinderzimmer, für Gartenhäuschen und Diele, besonders, wenn es sich um fortgeschrittene Arbeiten handelt. Sehr hübsch wirken sie als Verzierung von Gratulationskarten; man kann Widmungsblätter für Gästebücher, Lichtschirme, Notizbücher, Bucheinbände, Telegramm- und Sammelmappen damit schmücken, sie passen für Erinnerungsbücher, als Einlagen für Tablett und Untersetzer, wo sie unter Glas gerahmt werden. Wer es versteht, kleine Untersetzer mit Goldband zu umranden, kann die Ausschneidetechnik für die runden oder ovalen Einlagen verwenden, auch auf Kassetten für Briefpapier, Taschentuchbehältern und Handschuhkästen kann man farbige Ausschneidebilder anbringen.

Abb. 85. Blumen in Ausschneidetechnik.
Wer diese Technik gut beherrscht, wird immer wieder Möglichkeiten finden, sie geschmackvoll anzuwenden, man muß es indessen vermeiden, allzuviel davon gleichzeitig aufzuhängen oder aufzustellen, weil sonst die Wirkung des einzelnen in Frage gestellt wird.
Wir zeigen auf unsern Bildern drei Originale, die ganz besonders hübsch sind und sich für diese Technik außerordentlich gut eignen. Hier zeigen sich die Feinheiten der Ausschneidearbeit sehr genau, es sind vorzügliche Muster für Anfänger und Vorgeschrittene.
Das erste Muster (Abb. 85) ist am einfachsten: eine flächig angelegte Blüte. Die schönen Farben sind im Druck leider nicht zu sehen, bei einiger Vorstellungsgabe wird es aber auch Anfängern möglich sein, sich die Farbenwirkung des Musters zu denken. Auf ockerfarbenem Grund — Kartonpapier — stehen die großen Blüten in Bischofslila, die Blume, die sich uns voll zuwendet, hat einen Mittelpunkt in der Farbe des Hintergrundes, die andre Blüte liegt in einem zinnobergrünen Kelch, der mit dem Stengel verbunden ist, und der auch mit den gefiederten Blättchen und dem Stiel der großen Hauptblüte zusammenhängt. Das bedeutet, daß die beiden Stengel, das Blatt und der Kelch, ohne abzusetzen, zusammen ausgeschnitten worden sind. Die Knospe steht seitwärts, auch hier sind Stiel, Blatt und Kelch aus einem Stück geschnitten, die Knospe ist hellila, sehr matt, das im Schatten liegende Blütenblatt ist bischofslila, die Staubgefäße, die ein wenig durchblicken, sind ockergelb wie der Hintergrund, stechen daher wenig vom Grundton ab.
Die Arbeit ist folgendermaßen eingeteilt: zuerst wird alles, was bischofslila gehalten ist, aufgeklebt, dann folgt alles, was grün ist, darauf das Zartlila und schließlich das Ockerfarbene.
Die Umrisse der einzelnen Blüten und der Knospe sind nicht glatt, sondern sehr bewegt, was nicht mit schief und krumm zu verwechseln ist, nur die Stengel müssen gerade Linien zeigen und recht gleichmäßig geschnitten werden. Man muß darauf achten, daß die Stengel stets unter den Blumen liegen.

Abb. 86. Rose in Ausschneidetechnik.
Das zweite Bild (Abb. 86) zeigt eine Rose auf schwarzem Grund, sehr streng stilisiert, man sieht nur die notwendigsten Linien. Die Blüte ist in vier Tönen gehalten, Hellrosa, Rosa, Dunkelrosa und Krapplack. Das Mittelstück der Blume ist rosa, es ist die größte Fläche, die zuerst aufgeklebt wird. Man sieht auf der Photographie die Verteilung der übrigen Farben, am dunkelsten wirken die überschlagenen Teile. Nun wird der Stengel aufgeklebt, er ist am oberen Teil, unter dem Kelch, hellbraun; zum Schluß werden die grünen Teile aufgeklebt, der untere Teil des Stengels, an dem das Blatt am feinen Stiel steht, alles aus einem Teil, und zu allerletzt der grüne Kelch, der über den untersten Teil der Rosenblüte geklebt wird.

Abb. 87. Strauß in Ausschneidetechnik. Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.
Am hübschesten wirkt der mehrfarbige Strauß (Abb. 87), der für Vorgeschrittene gedacht ist. Die Aster auf der rechten Seite ist dunkellila, mit einem schwefelgelben runden Mittelstück, das aufgeklebt wird. Daneben steht die orangegelbe Studentenblume, etwas seitlich und tiefer die Herbstaster, in zwei Tönen lila, sehr hell und ein wenig dunkler, aber nicht etwa dunkellila; in dem dunkleren Lilaton sind die kleinen Korbblütler oberhalb des Straußes gehalten; sie haben je einen schwefelgelben Mittelpunkt und sind besonders stark vereinfacht in der Form. Alle Stengel und Blätter sind zinnobergrün, möglichst aus einem Stück geschnitten und sorgsam über- und nebeneinander geklebt. Das Bukett steht auf einem holzbraunen Hintergrund aus Kartonpapier. Mit wenigen Farben, es sind nur sechs Töne, ist hier eine gute malerische Wirkung gegeben, wie überhaupt die Ausschneidetechnik eine praktische Vorübung zur Malerei ist, denn sie übt den Blick und den Farbensinn, man bekommt eine sichere Hand, wenn man häufig solche Arbeiten ausführt, die Phantasie wird ungemein angeregt und die Sorgfältigkeit ebenfalls gefördert.
Einige Handwerkskniffe, welche die Arbeit erleichtern, gibt es auch bei dieser Technik: So kann man größere runde Formen mit dem Zirkel leicht angeben, wenn das Augenmaß noch nicht sehr ausgebildet ist; für kleinere Kreise verwendet man Geldstücke oder Spielmünzen. Für runde Ausschnitte empfiehlt es sich, gebogene Nagel- oder Stickscheren zu verwenden, sie erleichtern die Arbeit nicht unbeträchtlich. Ein besonders brauchbares Klebemittel ist Dextrin, ein aus getrockneten Roßkastanien hergestelltes Mehl, das in beliebiger Menge in kaltem Wasser aufgelöst und zu einem mehr oder weniger dicken Brei glatt verrührt wird. Man trägt das Klebemittel mit einem Pinsel auf, unter möglichster Schonung der Papierränder, um jedem Verschmieren vorzubeugen.
Die reizvollen Muster eignen sich auch zum Malen. Als Material verwendet man Haarpinsel, Guasch- oder Temperafarben; auch als Vorlagen für kleine Flachstickereien kann man die zierlichen Blumenmuster verwenden. Am besten passen sie indessen für die Ausschneidetechnik, für die sie gedacht sind.
Wie die meisten der kunstgewerblichen Arbeiten, ist auch die Ausschneidetechnik vor hundert Jahren ganz besonders gepflegt worden. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ging sie zurück; man findet in Familienerinnerungen, in Stammbüchern hin und wieder noch mancherlei hübsche Ausschneidearbeiten; es gibt Bildchen und Kassetten dieser Art, die durch ihr Alter einen gewissen Wert bekommen haben, die Farben sind zwar meist verblichen, aber die Technik ist noch genau zu erkennen, und man kann sehr deutlich an solchen Arbeiten von Urgroßmutters Hand den Unterschied zwischen der damaligen Arbeitsweise und der heutigen erkennen. Damals hat man die Einzelheiten viel mehr hervorgehoben, heute arbeitet man viel einheitlicher, geschlossener. Eines ist jedenfalls dabei geblieben: die peinliche Sauberkeit und Genauigkeit, ohne die keine gute Wirkung erzielt werden kann.
26. Teller und Schalen aus Luftschlangen
Luftschlangen sind wohl bei allen jungen Mädchen beliebt. Lustige Erinnerungen an Silvesterabende oder an Tanzstundenbälle sind damit verknüpft; Luftschlangen sind für viele der Inbegriff der Ausgelassenheit, denn meist treten sie in Erscheinung, wenn das Vergnügen seinen Höhepunkt erreicht hat. Das ist allgemein bekannt, durchaus nicht allgemein bekannt aber ist die Tatsache, daß die bunten Luftschlangen ein vorzügliches Material für mancherlei sehr brauchbare Basteleien sind, daß man hübsche Gegenstände aus ihnen herstellen kann, die wenig kosten und vielfach verwendbar sind.

Abb. 88. Schälchen aus Luftschlangen.
So kann man tiefe und flache Tellerchen und Schalen aus Luftschlangen herstellen; einige Muster zeigen wir auf unsern Bildern (Abb. 88 und 89). Die niedlichen Arbeiten erweisen sich auf dem Näh- und Toilettentisch, auf der Diele sehr nützlich, sie dienen zum Aufbewahren von Knöpfen, Nadeln, Schreibfedern, Stopfmaterial; ein wenig Nähzeug kann man darin unterbringen; auch für kleine Kuchen, die nicht fettig sind, eignen sich die anspruchslosen Behälter. Wer ein paar Süßigkeiten, zum Beispiel Pfeffernüsse oder Pfefferminzplätzchen als Erfrischungen für die Reise verschenken will, wer zum Geburtstag oder zu Weihnachten Marzipan und ähnliche, vielleicht selbstgebackene Leckereien verschicken möchte, wird mit diesen farbenfrohen Behältern sicherlich viel Freude machen; solch zierliche Behälter wirft man nicht achtlos fort, wenn sie geleert sind, wie das bei den gekauften, manchmal sogar sehr geschmackvollen Schachteln geschieht, weil man kein Interesse an den leeren Behältern mehr hat. Die Teller und Schalen aus Luftschlangen stellen indessen eine nette Handarbeit dar, die sich vielfach verwenden läßt, und die, wenn sie schließlich unansehnlich geworden ist, durch eine sicherlich ebenso hübsche Neuheit auf diesem Gebiet ersetzt werden kann.

Abb. 89. Schälchen aus Luftschlangen.
Die Technik ist sehr einfach, man kann — selbst ohne Übung — kaum etwas daran verderben. Zunächst wickelt man die Luftschlangen von außen zu einer großen Fläche oder Scheibe auf, nicht von innen, das wäre falsch; das ganze Stück braucht nicht vollständig aufgewickelt zu sein, bevor man mit der Arbeit beginnt. Man legt die Scheibe auf den Tisch, dreht mit der rechten Hand und hält mit der linken den Mittelpunkt der Scheibe und das Ende der Papierschlange fest. Die Farben kann man nach Belieben wählen, je bunter die Arbeit wirkt, desto besser; darum empfiehlt es sich, eine große Farbenauswahl bereitzuhalten. Die Farbenreihe kann beliebig unterbrochen werden. Die Enden werden — zum Schluß — aneinander geklebt. Die Arbeit besteht darin, daß man eine Scheibe vorsichtig mit den Händen dreht und so lange formt, bis Schalen, Töpfchen, Teller entstehen. Ist die notwendige Höhe des Gegenstandes erreicht, so hört man mit dem Schieben auf. Für Nadelschälchen wird eine kleinere Scheibe gebraucht als für Konfektteller; allzu groß darf der Kreis niemals werden. Diese Technik eignet sich nicht für umfangreiche Gegenstände. Die fertigen Stücke bestreicht man mit farblosem Lack oder mit Wasserglas. Wasserglas ist in Drogerien erhältlich, es ist im Küchengebrauch bekannt, weil man Eier darin einlegt. Da Wasserglas feuerfest ist, kann man die damit bestrichenen Schalen als Aschbecher benutzen. Solch bunte Aschbecher eignen sich recht gut für Vielliebchengeschenke und können wie die übrigen Schalen und Tellerchen als farbenfröhliche Tischdekoration zu festlichen Gelegenheiten verwendet werden.
27. Bast- und Stroharbeiten
Bast- und Stroharbeiten waren lange Zeit durchaus aus der Mode gekommen, sehr mit Unrecht, denn mit beiden Materialien kann man sehr viel anfangen, wenn man Farbensinn, Geschmack und Fingerspitzengefühl hat. In alten Vitrinen sieht man noch hin und wieder mancherlei bunte Stroharbeiten, deren Hauptreiz in der guten Form, in der praktischen Verwendbarkeit des Gegenstandes, in der feinen Farbenzusammenstellung liegt. Da gibt es Fingerhutbehälter, Kassetten, Federkästen, kleine Tablette, Dosen und andre Kleinigkeiten, die besonders als Reiseandenken sehr geschätzt wurden. Diese nicht sehr umfangreiche Industrie kam in der Biedermeierzeit, die all diesen feinen Heimarbeiten sehr günstig war, besonders hoch, dann verfiel sie und endete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, schließlich wurde sie ganz vergessen. Es kamen die hübschen Japanwaren auf, die aus denselben Materialien hergestellt waren; ihr sehr geringer Preis sorgte für eine außerordentliche Verbreitung. Wer kennt sie nicht, die Kästchen und Matten, die Untersetzer und Körbchen aus dem Osten. In Dorf und Stadt haben die Japanwaren Anklang gefunden. Es ist gar nicht so lange her, daß die deutsche Heimindustrie sich auf ihre alte Überlieferung besann. Wo früher Bast- und Stroharbeiten angefertigt wurden, hat man an die Vergangenheit angeknüpft, und in manchen Gegenden, besonders in Süddeutschland, ist diese Industrie wieder lebendig geworden. Es handelt sich indessen hierbei meistenteils um ein feines Kunstgewerbe; Kunstgewerblerinnen machen die Entwürfe, die von Heimarbeiterinnen ausgeführt werden. Man sieht wieder reizende Gegenstände in Stroh und Bast, Teller, Schalen, Körbchen, Blumentopfbehälter, Untersetzer, praktische Dinge, die nicht so billig sein können wie die Japanwaren, sondern vielmehr als Einzelstücke eine persönliche Note zeigen und daher ihren Preis halten müssen.

Abb. 90. Anfertigen von Schälchen aus Stroh und Bast.
Auf den Messen sah man in letzter Zeit ausgezeichnete Bast- und Strohgegenstände dieser Art, sie bürgern sich wieder im Haushalt ein, sind ein geschätzter Raumschmuck und werden auch als Liebhaberarbeiten gern nachgearbeitet, da die Technik nicht sehr schwierig ist. Wenn die Stücke gut aussehen sollen, müssen sie sehr sorgfältig ausgeführt sein, sonst hat es gar keinen Zweck, damit zu beginnen, es wäre schade um das Material, das in den einschlägigen Geschäften zu beziehen ist. Man versuche, recht buntes Material zu bekommen. Der Bast ist in einzelnen farbigen Strähnen erhältlich, er kommt aus dem Ausland.
Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 90 bis 95) mehrere ganz besonders hübsche Arbeiten in Stroh und Bast, die nicht nur gut aussehen, sondern auch unbedingt brauchbar sind.
Die Untersetzer (Abb. 92, 93 und 95) können sowohl in der Wohnung als auch im Garten benutzt werden; sie sind als Schutz für die Tische gedacht. Auf lackierten, gestrichenen, furnierten Platten sind die schmiegsamen Bastuntersetzer sehr angebracht, man legt sie unter Schüsseln und Teller mit heißen Speisen; auf dem gedeckten Tisch sehen sie reizend aus, ihre Vielfarbigkeit, ihre zierlichen Formen schmücken die Tafel in einer ganz besonderen Weise. Wenn man sie unter Blumentöpfe legen will, achte man darauf, daß ein wasserdichter Blumenuntersetzer unter den Topf gestellt wird, denn es ist besser, wenn die Bastteller nicht feucht werden. Im allgemeinen ist der Bast echt eingefärbt, aber es lohnt nicht, damit Experimente zu machen, außerdem leiden die Formen durch Nässe. Unter Vasen, Körbe, Schalen und dergleichen kann man sie unbedenklich legen; sie erweisen sich als sehr praktisch, wenn man bei plötzlichem Besuch nicht den Tisch decken möchte und Erfrischungen auftragen will. Wenn man die Bastgegenstände naturfarben hält, kann man sie, wenn keine Pappe dazu verwendet worden ist, noch vielseitiger benützen, denn dann sind sie „waschecht“, es findet sich stets Gelegenheit im Haushalt dazu.

Abb. 91. Bast- und Stroharbeiten; flache Schale. Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.
Sehr brauchbar sind auch die selbst hergestellten Bastkörbchen (Abb. 94), die ohne Henkel als Schalen zu benutzen sind. Für Näh- und Stopfsachen kommen sie in Betracht, wenn man sie in entsprechender Größe anfertigt, sonst eignen sie sich für Obst und Backwerk, besonders für den Frühstückstisch. Wenn man einen passenden Glasbehälter hineinstellt, kann man die Schalen und Körbchen nicht nur für Obst und Konfekt verwenden, sondern auch für Blumen; man ersieht daraus, wie vielfach die Verwendbarkeit dieser Gegenstände ist.

Abb. 92. Schüssel-, Flaschen- und Gläseruntersetzer.
Aus den Werkstätten: Trude Study.
Auf unsern Bildern zeigen wir mehrere Beispiele von besonders hübschen, einwandfrei ausgeführten Arbeiten in diesen Techniken.
Da sind Untersetzer in verschiedenen Größen und Ausführungen, und ein Körbchen, das auch als Schale gedacht ist, wenn der Henkel fortbleibt.
Als Technik kommt zunächst das Wickeln in Betracht; in dieser Art sind die drei Teller in verschiedenen Größen und das Körbchen ausgeführt.
Man wickelt über Papierbindfaden, über Bast oder Stroh. Man legt den Bindfaden zu einer Schlinge und überwickelt zunächst die doppelte Stelle, dann die Rundung und weiterhin das Ende des Fadens mit Achterstich auf der vorhergehenden Runde fest, wie es auf dem Körbchenbild an einigen kleinen Beispielen gezeigt ist. Man kann auch den Bindfaden ein paarmal umwickeln und ihn erst dann auf der letzten Runde festmachen. Die bunte Musterung erzielt man durch Anlegen eines farbigen Bastfadens, der an der Musterstelle an den Anfangsfaden angelegt wird. Soll der Teller hochwandig ausgeführt werden, so zieht man die Schnur aus Bast oder Stroh straff an. Zum Schluß schneidet man die Enden der Bastfäden ab, der Bindfaden wird schräg abgeschnitten, um einen allmählichen Übergang zu erzielen.
Eine andre Technik ist die Bastflechterei, wir zeigen auf zwei Bildern einige geflochtene Untersetzer (Abb. 92 und 93). die in folgender Weise hergestellt worden sind:
Man schneidet einen Stern aus fester Pappe, umwickelt die Zacken strahlenförmig mit Bast, auf der oberen Seite, in der Art, wie wir bei den bekannten Teneriffaspitzen oder Sonnenspitzen sehen. Dann stopft man den ganzen Stern möglichst dicht mit Bast zu. Man kann bunte Kanten einstopfen; der Rand wird mit einem Bastfaden umstochen, die fertige Arbeit feuchtet man leicht an und preßt sie zwischen schweren Büchern, damit die Teller flach aufliegen.

Abb. 93. Likörglas- und Flaschenuntersetzer aus Bast.
Aus den Werkstätten: Trude Study.

Abb. 94. Henkelkörbchen.
Auf unsern Bildern (Abb. 92 und 93) sehen wir Bastuntersetzer, deren Grundmaterial aus mehreren Pappkreisen besteht, die in der Größe voneinander abweichen und mit Bastfäden fest miteinander verbunden sind. Das in der Mitte entstandene Loch ist mit Spinnen aus Bastfäden ausgefüllt. Einige dieser Spinnen sind ganz einfach gehalten, andre sind leicht gehäkelt und zierlich geschlungen, das Mittelloch auf dem einen Teller ist mit Hardangerstichen zugeflochten. Diese Teller sind besonders reizvoll, weil ihre Farben sehr hübsch zusammengestellt sind. Das sechseckige Modell ist in Schwefelgelb gehalten, die sternförmigen Zierstiche sind papierblau, der Stern in der Mitte ist in derselben Farbe gearbeitet. Der Hardanger Teller ist dreifarbig: orangegelb, grasgrün und bronzebraun. Die vier Teller auf dem nächsten Bild (Abb. 93) sind ebenfalls mehrfarbig, der kleine Likörglasuntersetzer ist schwarz mit altrosa Umrandungsstichen und altrosa Stern. Der große Flaschenuntersetzer rechts daneben ist abwechselnd lila und bronze gewickelt, mit lila Stern und Verbindungsstichen. Der unterste Teller ist grün und blau mit grünem Stern und blauem Sternornament auf grünem Grund. Der erste Teller auf dem Bild — linksstehend — ist zweifarbig geflochten, die Konturstiche sind in der helleren, der Stern in der dunkleren Farbe gehalten. Will man solch einen Teller verschenken, so ist es empfehlenswert, aus mehreren eine größere oder kleinere Serie herzustellen. Ein Dutzend Likörglasuntersetzer, drei große Flaschenuntersetzer, sechs mittlere Teller in verschiedenen Formen, das würde am besten wirken, besonders wenn alle Arbeiten in verschiedenen Farben gehalten sind. Wer drei Flaschenuntersetzer verschenkt, kann auch die Formen wechseln; für Schüsseluntersetzer wähle man besonders große Formen, hierfür eignen sich auch ovale Muster, die ebenso ausgeführt werden. Will man Gläseruntersetzer anfertigen, so achte man genau auf den inneren Ausschnitt, man nehme ein Bier-, ein Likör-, ein Wasserglas als Muster dafür. Ist das Mittelloch zu klein oder zu groß, so wird das Glas schlecht auf der Spinne stehen; will man das Loch in Hardangertechnik verschließen, so achte man besonders darauf, daß das Muster nicht zu dick wird, für Gläser kommen diese Muster überhaupt nicht in Betracht; Gläser würden umkippen, aber für größere, nicht so leichte Gegenstände jeder Art, Schüsseln, Teller, Blumentöpfe eignen sie sich recht gut. Statt des Spinnetzes kann ein einfacher Stern in den Mittelpunkt hineingearbeitet werden.

Abb. 95. Schüsseluntersetzer.
Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.
Solch Bastteller kann man jederzeit verwenden, sie eignen sich als Damen- und Herrenspenden bei Gesellschaften und Lotterien, als Geschenke „für die neue Wohnung“, sie passen zu Verlobungs- und Hochzeitsgeschenken, müssen aber in diesem Fall serienweise hergestellt werden, damit sie recht dekorativ wirken.
28. Untersetzer mit gepreßten Blumen
Starkfarbige Blumen, die nicht allzu schnell verblassen, eignen sich am besten für die zierlichen Untersetzer, die im Haushalt vielfach praktisch verwendet werden können. Um die Tischplatten zu schützen, benutzt man die niedlichen Glasuntersetzer als Kannenteller und Gläsertellerchen, wenn die Tafel aus Zeitmangel nicht gedeckt werden kann; Vasen, Konfektschalen, Obstschüsseln stellt man darauf. Solch farbiges Kleinkunstgewerbe wirkt sehr ansprechend und gibt geschickten jungen Mädchen immer wieder Gelegenheit, sich auch auf diesem Gebiet nützlich zu machen.
In der Biedermeierzeit war das Blumenpressen eine vielfach geübte häusliche Kunst; man findet noch heute in alten Poesie- und „Stammbüchern“ gepreßte Sträußchen und Kränze, die mit viel Liebe und Sorgfalt zusammengestellt und sorgfältig gepreßt und eingeklebt worden sind. In vergilbten Briefen rascheln noch manchmal die einstmals duftenden Zeugen mancher ernsten und heiteren Stunden, und wer sich darauf versteht, wird sich immer wieder wundern, daß die gepreßten zarten Veilchen, die dünnstengligen, feinen Vergißmeinnichtblüten die Jahrzehnte überdauert haben, während von den Menschen, die sie gesammelt und gepreßt haben, kaum eine Erinnerung mehr vorhanden ist.

Abb. 96. Untersetzer mit gepreßten Blumen.
Zum Pressen und Aufkleben eignen sich kleine Blüten und Blätter am besten, die schönste, bunteste Betunie, die reizendste Aster, sie kommen dafür nicht in Betracht, während Dotterblumen, Veilchen, Vergißmeinnicht, Leberblümchen und andre Feld- und Wiesenblumen sich recht gut dafür eignen. Man preßt sie zwischen reinem Löschpapier, beschwert die Blätter mit dicken Büchern oder Steinen und achtet darauf, daß die Fläche, auf der die Blüten liegen, gerade ist. Wenn die Blumen trocken sind, beginnt das Ordnen, denn für einen Untersatz genügen nicht ein bis zwei Blümchen, da muß schon ein kleines Füllmuster zusammengestellt werden.

Abb. 97. Wandbild mit gepreßten Blumen.
Der Untersetzer (Abb. 96) besteht aus einem kreisrunden oder ovalen Rähmchen, statt des Bildes wird die Fläche mit den getrockneten Blumen eingesetzt. Weiße, gelbe, schwarze Holzrähmchen mit Glas eignen sich am besten für diesen Zweck. Man kann indessen auf diesen fertigen Rahmen verzichten und den Untersetzer selber herstellen, indem man unter das Glas einen starken, entsprechend geschnittenen Pappbogen legt; auf die Pappe spannt man ein passendes Stückchen Seide, einfarbig, in Lila, Grün, Braun oder Papierblau, darauf befestigt man die Blumen; darüber wird die Glasscheibe gelegt, die Papprückwand wird mit sauberem Packpapier beklebt, und zum Schluß umzieht man das Glas mit einer nicht zu breiten Goldborte, so daß ein Rahmen entsteht. Solche Goldborten und Brokatborten werden vielfach in Möbelhandlungen, bei Dekorateuren verwendet, meist als Abschluß von Vorhängen und Decken; die Reste eignen sich für Untersetzer sehr gut. Wenn die Blumen nicht mehr gefallen, trennt man den Rand auf und erneuert den Inhalt. Es gibt eine Sorte farbiger Strohblumen, die für diesen Zweck sehr empfohlen werden können, auch Immortellen sehen sehr hübsch unter Glas aus, sogar der bescheidene Mauerpfeffer kann dafür verwendet werden. Bei einiger Übung kommt man schließlich selber darauf, welche Blüten sich für diesen Zweck am besten eignen, und das Zusammensetzen von Mustern ist so reizvoll und anregend, daß alle, die einmal damit begonnen haben, nach und nach eine besondere Fertigkeit erlangen und selbst die verschiedensten Möglichkeiten ersinnen, um ihre zierlichen Versuche anzubringen.
In früheren Jahren war es üblich, den Myrtenkranz der Braut unter Glas zur Erinnerung für Kinder und Kindeskinder aufzuheben. Solch sentimentaler Zimmerschmuck ist unmodern geworden, indessen gibt es einen unauffälligen, geschmackvollen Ersatz dafür, den sich die Freundinnen einer Braut merken sollten. Aus einigen Zweigen vom Myrtenkranz kann man in der beschriebenen Art ein kleines Wandbild (Abb. 97) herstellen, ein Untersetzer würde dafür nicht in Betracht kommen. Wenn die Brautjungfer solche hübsche Überraschung im Heim der jungen Frau anbringt, wird die Freude groß sein; in dieser Weise können mancherlei Erinnerungen an frohe Feste und gemeinsam verlebte Tage festgehalten werden.
Die Gold- oder Brokatborte über Glas als Rahmen kann vielfach Verwendung finden; für Liebhaberphotos, Künstlerkarten, kleine Stickereien, Silhouetten, Klebebilder ist diese Art der Umrahmung sehr zu empfehlen.
29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik
Statt der üblichen Spitzen- und Stickereiklapperdeckchen wird man bei passender Gelegenheit gern selbstausgeschnittene Klapper- und Tellerdeckchen aus Papier verwenden, besonders, wenn es sich um improvisierte Feste handelt, bei denen es mehr auf die lustige Stimmung als auf die feierliche Aufmachung ankommt. Das wären sommerliche Gartenfeste, kleine Tanzgesellschaften im Freien, Geburtstagsfeiern von jungen Leuten, Geselligkeit im größeren Kreise von guten Bekannten; vor allem müssen in diesem Rahmen die häuslichen Kostüm- und Maskenbälle genannt werden, bei denen die Tafel scherzhaft und möglichst originell gedeckt werden soll.
Da die Herstellung der ausgeschnittenen Klapperdeckchen (Abb. 98 und 99) wenig Zeit und Kosten in Anspruch nimmt, eignen sie sich für diese Zwecke sehr gut, sie bringen eine persönliche Note in die Tischdekoration und können in mancherlei Abarten ausgeführt werden.

Abb. 98. Klapperdeckchen in Ausschneidetechnik.
Man faltet das in der gewünschten Größe quadratisch zugeschnittene Papier — Butterbrotpapier ist dafür sehr brauchbar, auch Pergament- und Kaffeefiltrierpapiere kommen in Betracht — in entsprechender Weise dreimal in der Diagonale und schneidet dann mit einer scharfen Schere die beliebigen Muster: Dreiecke, Kreise, Streifen und so weiter hinein. Beim Auseinanderfalten ist das ganze Papier symmetrisch mit Mustern bedeckt. Will man nur den Rand verzieren, dann darf man nur den Rand des zusammengefalteten Papiers ausschneiden. Man kann auch mit dem Zirkel Muster aufzeichnen und danach die Formen schneiden. Nach Belieben wird man die ausgeschnittenen Muster farbig unterlegen; man klebt gelbes, orangefarbenes, grünes oder tütenblaues Glanzpapier dahinter; wo es angebracht ist, kann man die Klapperdeckchen auch aus farbigem Glanzpapier herstellen. Das gilt für lustige Gesellschaften, wenn die gesamte Tischdekoration auf Farbe eingestellt ist, wenn unter anderem Papierketten, Konfetti und Lampions dabei eine Rolle spielen.

Abb. 99. Klapperdeckchen.
In derselben Weise wird man selber Tortenpapier herstellen; gekaufte gute Tortenpapiere sind nicht billig, und zum selbstgebackenen Kuchen paßt eine selbsthergestellte Unterlage recht gut. Sie eignet sich für Obst und Konfekt, auch für selbstgebackenes Marzipan; es sieht sehr hübsch aus, wenn ein Körbchen, eine Platte in dieser anspruchslosen Weise verziert ist. Für solches Tortenpapier eignet sich dünnes, weißes Zeichen- oder auch Pergamentpapier am besten, wenn es nicht vorrätig ist, genügt schließlich Butterbrotpapier.
Mit Hilfe solcher mehr oder weniger einfachen Ausschnittmuster kann man sich sehr praktische Untersetzer herstellen. Man klebt die ausgeschnittenen Papiere auf Pappe, legt eine passend zugeschnittene Glasscheibe darauf und rahmt den Untersetzer, der beliebig rund oder eckig gehalten werden kann, mit Kaliko ein. Beim Photographen bekommt man ausgesonderte Glasplatten, sie eignen sich sehr gut dafür. Sehr hübsch sehen sechs- und achteckige Untersetzer aus, in jeder Glaserei wird diese Form beliebig zugeschnitten. Die Wirkung ist am besten, wenn runde Ausschnittflächen eckig und eckige Muster rund eingerahmt werden.
In der Ausschnitt-Technik stellt man auch hübsche Schrankpapiere her. Wenn sie recht sorgfältig ausgeführt werden, dürften sie bestimmt viel origineller und geschmackvoller als die üblichen gekauften „Papierspitzen“ wirken; man verwendet sie am liebsten für Schränke im Kinderzimmer und in der Küche.
30. Perlarbeiten
Die Perlarbeit wurde erst kürzlich wieder aufgenommen. In früheren Jahren ist das glitzernde, blitzend bunte Material nur als Kinderspielzeug gewertet worden. Damit soll indessen nicht gesagt werden, daß unsere Zeit die Perle entdeckt hat, im Gegenteil, vor hundert Jahren machten die Frauen so reizende Perlarbeiten, daß wir Modernen diese Art nie erreichen werden, schon darum nicht, weil man im Jahrhundert des Autos, des Luftschiffes, im Zeichen der Eile und der damit verbundenen Rekorde gar nicht die Ruhe hat, solche zeitraubende Augenpulver zu fabrizieren. Auch in die kleinsten Dörfer kommt die moderne Technik und nimmt den stillen Menschen die Gemächlichkeit, die unbedingt erforderlich ist, wenn man langwierige, kniffliche Arbeiten ausführen will. Diese Ruhe hatte man vor hundert Jahren, und darum sehen wir in alten Vitrinen noch heute wunderfeine Perlarbeiten, die unter einigermaßen ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen entstanden sind. Wer von euch hat nicht schon einmal Urgroßmutters Klingelzug bewundert, der im Glasschrank neben Urgroßvaters Perlenbörse zur Erinnerung aufbewahrt ist. Da sind Schreibmappen und feine Geldtäschchen, Brotkörbchen mit perlgesticktem Boden, Nähtischeinlagen, auf denen Schäferinnen mit Schafen und Hunden aus ganz kleinen, bunten Perlen spazieren gehen. Lichtmanschetten, die das Tropfen der Kerzen auf den Fußboden und auf den Tisch verhindern sollten, arbeitete man aus großen, langen, goldenen und silbernen Perlen; Tabletteinlagen aus winzigen, farbigen Glasperlen waren keine Seltenheit, selbst Huthalter und Handtuchständer wurden mit Perlen gestickt, meist in Verbindung von Gobelinstickerei, schwimmende Schwäne, in einem Kranz von Efeu- und Weinblättern und vollen Trauben — aber das war schon in der Verfallzeit, in den siebziger Jahren. Vor hundert Jahren arbeitete man viel geschmackvoller; reizende Bilder wurden aus Perlen hergestellt, kleine, feine Landschaften und Stilleben, die häufig mit bunten Papieren in Klebetechnik gerahmt wurden. Die großen Reisetaschen mit der Inschrift „Bon voyage“, denen wir in den alten Lustspielen begegnen, wurden vielfach mit Perlen bestickt, man bestickte unter anderem Kassetten und Zeitungshalter, Sofakissen, Fußbänke, Nähkissen, Brieftaschen, Serviettenringe und Taschentuchbehälter mit Perlen; natürlich wurde die Perlarbeit in ihren verschiedenen Techniken auch für die Mode — besonders die Damenmode — herangezogen. Noch heute bewundern wir die feine Arbeit, Blumen und Früchte, Stilleben, Landschaften, Hunde und Katzen, Vögel und Lämmchen, Liebespaare, Amoretten und sentimentale Ornamentik, zum Beispiel rankenumsponnene Säulen, Köcher und Pfeile mit Herzen auf den alten Pompadours und Ridiküls, die von unseren Urgroßmüttern sehr gern getragen wurden. Gleichzeitig waren auch Perlarmbänder modern, breite oder schmale, meist schwarze Samtbänder, die mit Silberperlen benäht wurden; auch Hut- und Halsbänder in dieser Art kamen auf und waren — den überlieferten Bildern nach zu schließen — außerordentlich kleidsam. Später wurde diese Mode sehr vergröbert, aus den zierlichen „Amibändchen“ wurden geschmacklose, perlenstrotzende Samt- und Seidenbänder, die mit schlechten Mustern „geschmückt“ waren. Schließlich, als mit dieser Mode wirklich kein Staat mehr zu machen war, geriet sie — mit Recht — in Vergessenheit, und ebenso wie diesem Modebeiwerk erging es den anderen Perlarbeiten, die ebenfalls sehr zurückgegangen waren. — Sie hatten das Schicksal aller Modesachen: solange sie in der Minderheit auftreten, teuer und gut ausgeführt sind, gefallen sie sehr; dann dringen sie in die breite Masse, indem sie billiger hergestellt und demnach zur Imitation werden, und diese Wandlung führt zu ihrem mehr oder weniger schnellen Ende.

Abb. 100. Muster für Perlarbeiten.

Abb. 101. Zwei Serviettenringe aus farbigen Holzperlen.
Wenn die Perlarbeiten in den letzten Jahren wieder aufgekommen sind, so bedeutet dies durchaus nicht, daß die alten Muster und Techniken wieder hervorgeholt wurden; man knüpfte zwar an die erprobte Tradition an, ging und geht heute indessen sichtlich andere Wege. Handgestrickte und handgehäkelte Perlbeutel für Theater und Besuchszwecke werden zwar wieder gearbeitet, bewegen sich aber, wenn sie geschmackvoll und vornehm sind, in so hohen Preislagen, daß sie nicht einmal für die gute bürgerliche Gesellschaft in Betracht kommen, die Herstellung ist zu teuer. Als Handarbeit — wie irgend eine andere — kommen sie auch nicht in Frage, weil die Technik zu anstrengend und zu zeitraubend für heutige Verhältnisse ist. Nur wenn die Perlen sehr klein sind, und das Muster ganz besonders fein ist, sieht solch Beutel gut aus, und wer hat schließlich ein Interesse daran, solch mühseliges Stück zu arbeiten, umso weniger, als das Material sehr kostspielig ist, wenn andere Techniken zeitgemäßer, angenehmer und billiger sind. Man braucht heutzutage auch keine Klingelzüge mit und ohne Perlen mehr, die Brot- und Kuchenkörbchen mit Perlenboden empfinden wir Modernen als unhygienisch, Taschenbücher und Schreibmappen, Brieftaschen und Geldbeutel können unserer Auffassung nach gar nicht fest und handlich genug sein. Perlenverzierungen bedeuten Rücksicht nehmen, Zeit verlieren; da muß man andere Gegenstände wählen, um die Perlen anzubringen.
Für die Halsbänder hat die Mode einen guten Ersatz gefunden, die langen farbigen Perlketten, die so hübsch schlank machen, und die zu den einfachen Kleidern sehr gut passen. Man hat auch Holzperlketten in den Handel gebracht, aber sie sind lange nicht so reizvoll wie die Ketten aus bunten Glasperlen, die es mit Korallen- und Bernsteinketten aufnehmen können. Wer geschickt ist und Farbensinn besitzt, kann solch feine Perlenketten selber ohne viel Mühe und Kosten auffädeln, wir bringen auf unseren Bildern entsprechende Muster, die leicht nachzuarbeiten sind.
Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 100 bis 105) zunächst einige handgezeichnete Proben für die verschiedenen Arten, große und kleine Perlen aufzufädeln. Auf dem ersten Muster, das sich sowohl für Hutbänder als auch für Gürtel eignet, zieht man zwei längliche und eine runde Perle in der Länge des zu arbeitenden Gegenstandes auf, fädelt wieder zurück, nimmt nun zwei längliche Perlen auf und sticht durch die runde, schon aufgezogene Perle zurück. Statt der zwei langen Perlen kann man auch vier runde Perlen in abstechender Farbe nehmen (siehe Abb. 100 b). Dieses Muster eignet sich für farbige Glas- und Holzperlen, man verwendet es nicht nur für Gürtel und Hutbänder usw., sondern auch zum Schmuck von Lampenschirmen, Näh- und Papierkörben, man kann daraus Serviettenringe und ähnliche Perlarbeiten herstellen. Handelt es sich um Modesachen, so beachte man die Farbenzusammenstellung; allzu grelle Farben kommen dafür überhaupt nicht in Frage. Für Wandervogelkleider sind solche Ketten ein sehr hübscher Schmuck, für die Stadtkleidung werden Holzperlenketten weniger getragen. Die beschriebene Technik kommt aber auch für Glas- und Bernsteinperlen in Betracht; schließlich gibt es nicht nur die kleinen runden, bunten Glasperlen, für die Modeindustrie hat man große und kleine, längliche, runde, eckige, einfarbige und bemalte oder irisierende Perlen in den Handel gebracht. All diese Perlen lassen sich für Ketten und Gürtel und für kettenartige Verzierungen in der Art verwerten, wie wir sie auf unseren fünf Zeichnungen so anschaulich zeigen, daß eine allzulange Erklärung sich erübrigt, denn die Technik ist immer dieselbe, es wechseln nur Formen und Farben, und schließlich ergeben sich bei einiger Übung und Geschicklichkeit vielerlei Möglichkeiten.

Abb. 102. Perlenhutband.
Die Herstellung der Serviettenringe (Abb. 101) geschieht in folgender Weise:
1. Zwei runde, eine lange, eine runde Holzperle werden aufgereiht, dann fährt man mit der Nadel wieder durch die beiden zuerst aufgezogenen runden Perlen zurück, reiht weitere drei runde Perlen auf, sticht durch die lange Perle zurück, fährt durch die obere der drei runden Perlen und beginnt wieder von vorn, bis der Serviettenring die richtige Größe hat.
2. Man reiht eine lange, drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange Perle, reiht drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange Perle, reiht wieder eine runde Perle auf und so weiter (Abb. 100 d). Man kann statt der langen Perle auch eine runde Perle in abstechender Farbe nehmen und die einzelne, zuletzt aufgezogene, runde Perle fortlassen (Abb. 100 e).
Eine einfarbige lila Kette, die auch als Hutgarnitur gedacht ist, bringen wir auf unserer Abb. 102, um einen fertigen Gegenstand dieser Art vorzuführen; man ersieht daraus, daß die Technik sehr einfach ist.
In derselben Art sind die Serviettenringe aus Holzperlen ausgeführt (Abb. 101); auf der Abbildung sehen wir ein Modell als Einzelaufnahme und daneben ein anderes Modell „im Betrieb“. Es liegt wie ein Armband um die Serviette; beide Muster sind voneinander verschieden und können auch als Kinderarmbänder verwendet werden; hier sind Holzperlen sehr angebracht, wenn man keine schwarzen Holzperlen verwendet, die immer sehr stark an Trauerschmuck erinnern.

Abb. 103. Farbige Schmuckketten von Liselotte Volk.

Abb. 104. Farbige Ketten aus Glasperlen.
Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.
Auf dem dritten Bilde (Abb. 103) sehen wir eine geschmackvolle, etwas komplizierte Kette aus bunten Glasperlen und eine einfache Kette aus farbigen Holz- oder Glasperlen. Die erste Kette besteht aus einfarbigen kleinen Glasperlen, die auf eine lange Schnur aufgereiht sind; sie ist leicht verschlungen und hat als Abschluß größere bemalte venezianische Perlen; aus der größten Abschlußperle hängt eine volle, lange Troddel herab, die aus denselben Perlen besteht, die für die verschlungene Kette verwendet worden ist. Die Abbildung ist so deutlich, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist. Nur über die Farbe der Kette soll gesprochen werden. Ein tiefes Porzellanblau, nicht etwa Marineblau, ist immer kleidsam, Hellblau wäre sehr geschmacklos, dagegen ist Pfauenblau, Violett, Gelb, besonders Dunkelgelb sehr originell, und Grün, ganz gleich ob Türkisgrün oder Giftgrün, Blattgrün oder Jadegrün, wird immer hübsch und vornehm wirken. Lapislazuli ist sehr begehrt, das ist ein weiches, warmes Blau, ebenso Bronzebraun hell. Nur keine Gold- oder Silberperlen! Das würde nach Zirkus aussehen. Zwischen die großen venezianischen Perlen können ein paar kleine, runde Perlen gesetzt werden, wie wir es auf der Photographie sehen. Wenn die Kette blau ist, wählt man für die runden Perlen Grün oder Bronzebraun, ist sie grün, so wäre Blau oder Weiß angebracht, ist sie gelb oder bronzebraun, so wähle man Grün oder Schwarz. Die venezianischen Perlen sind buntfarbig, irisierend, man kann ebensogut längliche wie kugelige oder auch eckige, große Abschlußperlen verwenden, dunkle wirken feiner als helle, große Perlen. Die daneben abgebildete Kette soll eine Anregung geben, wie man Perlen richtig aufzieht. Man sieht hier Perlen in verschiedenen Größen, Formen und Farben. Die drei größten Perlen werden als Mittelstück verwendet, von kleineren, länglichen Perlen unterbrochen, dann folgt je eine ganz kleine, runde Perle. Und nun wird genau abgezählt, daß die Perlen bis zum Schluß in richtiger Reihenfolge nebeneinander stehen, sonst sieht die ganze Kette nach nichts aus und hängt immer schief. Den Abschluß bilden die kleinsten Perlen, die der Farbe nach richtig abgestimmt werden müssen. Solche Kette kann man sowohl aus Holz-, als auch aus Glasperlen herstellen, es gibt sehr schöne böhmische Glasperlen in feinen Farben, Grün, Bernsteingelb, Granatrot, meist durchsichtig, aber auch perlmutterartig. Besonders für Kostümfeste eignen sich solche Ketten sehr gut. Wer Zeit und Geschmack hat, kann seine Kette selber aufziehen und wird viel Geld sparen, denn die fertigen, sogenannten böhmischen Bauernketten sind ziemlich teuer. Sie eignen sich auch als Schmuck für Wandervogelkleider, denn zum Wandern wird man am besten nur Schmucksachen tragen, die nicht kostspielig sind und keine wertvollen Erinnerungsstücke darstellen.
In der Art, wie die einfache Kette auf dem Bilde dargestellt ist, kann man auch Bernstein-, Korallen- und Perlmutterketten aufziehen. Es gibt dafür in den einschlägigen Geschäften gewachste und gedrahtete Aufziehschnur in Weiß, Gelb und Rot, sowohl für Korallen, Granaten, als auch für Bernstein und Perlmutter geeignet. Blaue und grüne Perlen zieht man am besten auf weiße Schnur; an den käuflichen Fäden, die meterweise aufgewickelt sind, ist ein Draht zum Aufreihen angebracht, andernfalls muß man eine Aufziehnadel verwenden. Es ist immer notwendig, gute, feste Schnur zu verarbeiten; eine Kette wird beim Tragen mehr strapaziert, als man annehmen sollte; wenn sie reißt, ist es fast niemals möglich, alle Perlen zu retten.
Das nächste Bild (Abb. 104) veranschaulicht uns drei hübsche Ketten aus farbigen Glasperlen, die sowohl für Erwachsene als auch für Backfische und Kinder gedacht sind. Die erste Kette besteht aus weißen, undurchsichtigen Glasperlen; es werden je siebzehn dieser Perlen aufgezogen, dann folgen je drei größere, runde, grüne Glasperlen, und nun folgt ein Muster aus denselben Perlen, je zwei davon, in der Mitte eine große, längliche, dunkelblaue Perle. Diese Farbenzusammenstellung wirkt immer jugendlich und kleidsam. Die zweite Kette ist sehr ähnlich; der Unterschied besteht darin, daß die weißen Perlen auf einer dreifachen Schnur stehen und diese drei Ketten zusammengedreht sind. Auch die dritte Kette ist nach diesem Rezept angefertigt, nur ist die Anordnung der verschiedenen Perlen in verschiedenen Größen ein wenig anders. Man ersieht dies aus dem Bilde sehr deutlich; was die Farben anbelangt, so sind dafür die zuerst angegebenen Töne, Lapislazuli, Türkis, Porzellanblau, Grün in den verschiedenen Schattierungen, Bronze, Gelb, auch Altgold sehr zu empfehlen, vielleicht wird ein helles Rot ebenfalls gern gewählt werden, doch sind andere Farben praktischer, weil man sich Rot sehr leicht über sieht, außerdem ist es sehr auffallend und kann nicht zu jedem Kleid, zu jeder Bluse getragen werden.

Abb. 105. Probe zu Perlarbeiten.
Auf dem letzten Bild (Abb. 105) sehen wir Proben zu Perlarbeiten, sowohl für Ketten als auch für Armbänder und anderen Schmuck. Man hat in den letzten Jahren verschiedene Untersetzer aus Perlen eingeführt, die sich auf der gedeckten Tafel sehr bewähren; man verwendet sie zum Abstellen heißer Schüsseln und benutzt sie auch gern zum Schutz der Tischplatte, damit Vasen und Blumentöpfe, Teller und so weiter nicht die Politur verderben. Für solche Zwecke eignet sich der Stern in zwei Farben sehr gut; man kann ihn aus Glasoder Holzperlen ausführen und auch verschieden geformte Perlen dazu verwerten. Die beiden anderen Muster zeigen eine praktische Art, mehrfarbige Glas- oder Holzperlen aufzureihen; das erste Muster kann ebenfalls als Untersetzer verwendet werden, wenn man größere Glas- oder Holzperlen dafür benutzt. Je mehr wir uns mit dieser Technik beschäftigen, desto mehr Muster fallen uns ein. Eigentlich kommt es doch nur darauf an, verschiedenfarbige Perlen in verschiedenen Größen geschickt miteinander zu verbinden; es wäre indessen geschmacklos, Holz- und Glasperlen gemeinsam zu verwenden.