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Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen

I. Kapitel Web- und Stickarbeiten

Reading edition

1. Die Maske

Illustration from Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen: Eine Anleitung für geschickte Mädchenhände zur Anfertigung von Web- und Stickarbeiten, Malereien und allerlei Handfertigkeiten

Abb. 1.

Schnittmuster einer Maske.

Der Gipfel der Tanzstundenfreuden ist der Maskenball. Ist das Kostüm selbst entworfen und selbst genäht, so ist der Spaß besonders groß. Nun fehlt nur noch die Maske, die man ebenfalls ohne viel Mühe und Kosten selber herstellen kann. Das Grundmaterial besteht aus einem dünnen Seidenrest in entsprechender Größe. Man schneidet den Stoff nach der Zeichnung (Abb. 1) aus, den Schnitt stellt man selber her, indem man etwas über Kopfhöhe an der Wand ein Stück Papier mit Reißnägeln befestigt. Nun setzt man sich zwischen die Lampe und das an der Wand angeheftete Papier so weit entfernt, daß der Schatten des Profils in natürlicher Größe darauf fällt. Eine zweite Person umzieht nun den Schatten, der auf das Papier fällt, mit Bleistift. Der so entstandene Schnitt wird sauber nachgezeichnet. So entsteht der Maskenschnitt, der immer wieder verwendet werden kann. Er wird mit Ölpauspapier oder mit Kreide auf den Seidenstoff übertragen, die Seide wird mit der Schere ausgeschnitten und gesäumt. Nun hält man sich die Maskenform vor das Gesicht und zeichnet mit Kreide die Augenlöcher ein, die ebenfalls mit einer Schere ausgeschnitten werden. Nagelscheren eignen sich ihrer gebogenen Form wegen am besten für runde Öffnungen. Die Augenlöcher werden mit Langettenstich umsäumt, der Seidenstoff wird mit weißem Schleierstoff abgefüttert; ein Gummiband hält die Maske am Hinterkopf zusammen, es wird an den beiden äußersten Seiten fest angenäht. Wer die Maske besonders reich verzieren will, umnähe die Augenlöcher und den Rand mit Pailletten. Es ist empfehlenswert, beim Säumen sehr feinen besponnenen Blumendraht einzunähen, damit die Maske festere Umrisse bekommt. Den unteren Rand der Maske kann man mit entsprechend breiter Spitze benähen, sie verhüllt noch besser und erschwert das Erkennen. Am geschmackvollsten sind schwarze Masken mit entsprechend schwarzer Spitze; auch grüne Masken sehen hübsch aus, wenn sie zur Farbe des Kostüms passen. Wenn die Spitze nicht dieselbe Farbe wie der Seidenstoff hat, läßt man sie lieber fort, nur schwarze Spitze kann schließlich für jede farbige Maske verwendet werden, sie paßt indessen nicht zu Weiß. Wer sich besonders unkenntlich machen will und keine passende Spitze zur Verfügung hat, kann einen Volant aus dem Maskenstoff anfertigen und mit kleinen Stichen annähen; dieser Vorhang darf nicht nach kurzem Tragen der Maske abreißen, dasselbe gilt für die Spitze.

2. Handwebereien

Die Hand-, besonders die Perlweberei ist eine der beliebtesten Techniken, weil ihre Vielseitigkeit es ermöglicht, allerlei nützliche Gegenstände in dieser ziemlich einfachen Weise zu verzieren. Es gehören indessen scharfe Augen dazu, sehr viel Geduld und eine gewisse Fingerfertigkeit, die man sich aber mit einigem guten Willen aneignen kann. Wer keinen Webeapparat besitzt, kann ihn ohne viel Schwierigkeiten, fast kostenlos, selber herstellen.

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Abb. 2.

Einfacher Webeapparat aus einer Zigarrenkiste.

Eine einfache Zigarrenkiste, Fäden und Reißnägel bilden das Hilfsmaterial; damit kann man mit Leichtigkeit kleinere Gegenstände, zum Beispiel Achselträger, Gürtel, Hutbänder und Serviettenringe weben. Man schneidet Längsfäden in der gewünschten Länge, und zwar einen Faden mehr, als man Perlen in der Breite haben will. Diese Fäden werden an einem Ende verknotet, über die Zigarrenkiste gespannt und mit Reißnägeln befestigt, wie wir es auf der Abb. 2 deutlich zeigen. Damit die Fäden nebeneinander liegen bleiben, ritzt man mit einem Messer kleine Kerben in entsprechenden Abständen in das Kistenholz. Nachdem die Breite des Perlbandes festgestellt worden ist, zieht man entsprechend viel Perlen auf, verknotet den Anfangs-Aufziehfaden an einen Längsfaden, legt die aufgezogenen Perlen auf die Längsfäden, und zwar in der Art, daß jedesmal eine Perle zwischen zwei Längsfäden liegt. Dann fährt man mit der Nähnadel unter dem Längsfaden wieder durch jede Perle hindurch. Die Muster entstehen durch die verschiedenen Farben der einzelnen Perlen, und es kommt nun darauf an, bei der Farbenzusammenstellung einen recht guten Geschmack zu zeigen. Außer Glas- und Metallperlen kann man auch Holzperlen verwenden. Auf unsrer Abb. 3 zeigen wir ein paar sehr feine Achselträger aus weißen Glasperlen, die in der beschriebenen Art hergestellt worden sind. Sie sind sehr praktisch für Tanzstunden- und leichte Sommerkleider, die silbrig glitzernden Perlen wirken durchaus geschmackvoll, gar nicht auffällig, buntes Perlmaterial darf man für diesen Zweck nicht verwenden, farbige Achselträger würden bestimmt unfein aussehen. An jedem Achselträger wird an beiden Enden je ein Perlmutterknopf zum Befestigen angenäht. Auf dem nächsten Bilde sehen wir einen Lacetgürtel, der aus schildartigen Teilen besteht, die über Lacetband gewebt sind. Diese Schilder sind in drei Farben gehalten, die geschickt zueinander abgestimmt werden müssen. Bevor man einen solchen Gürtel webt, muß man genau wissen, für welches Kleid er bestimmt ist; man kann ihn hell, man kann ihn auch dunkel halten. Für dunkle Kleider soll man keine hellen Gürtel wählen, auch nicht dunkle Gürtel zu hellen Kleidern tragen. Aus diesen verschiedenen Gründen müssen die Farben vor der Herstellung sehr genau überlegt werden. Sehr fein sind Zusammenstellungen wie zum Beispiel Schwarz-Orangegelb-Weiß, Türkis-Orangegelb-Grau, Pfauenblau-Giftgrün-Schwefelgelb, Grasgrün-Weiß-Orangegelb, Lachsrosa-Grau-Weiß, Schwarz-Kobaltblau-Weiß, Tiefveilchenblau-Giftgrün-Weiß, Ocker-Tütenblau-Türkis. Rot ist so sehr auffallend, daß es lieber nicht oder sehr sparsam verwendet werden soll, Hellblau und Hellila sind ebenfalls ungeeignet für diesen Zweck. Wer besonders hübsche Muster weben will, achte auf die einfachen Kreuzstichmotive, die sich dafür stets eignen dürften, besonders, wenn man im Anfang zu leichten Übungszwecken solche Kreuzstichmuster auseinandernimmt oder auf andere Weise vereinfacht.

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Abb. 3. Achselträger in Perlweberei.

Das zweite Modell auf unsrem Bilde (Abb. 4) ist ein handgewebter Gürtel, der auch als Hutband verwendet werden kann. Er besteht aus Wollfäden und ist ebenfalls auf der Zigarrenkiste in der angegebenen Art hergestellt. Das Muster eignet sich auch recht gut für Perlenweberei; es sind vier Töne, die sehr geschickt nebeneinandergesetzt sind; der tiefste Ton ist lila, daneben steht Grasgrün, alles übrige ist kirschrot und dottergelb. Die Technik ist dieselbe, die Verwendbarkeit des Streifens sehr vielseitig, er kann unter anderem auch als Kleiderbesatz benutzt werden; in diesem Fall muß er recht schmal gehalten sein und in den Farben dem Stoff sehr geschickt angepaßt werden. Wer mit der Technik gut Bescheid weiß, kann von diesen einfachen Anfängen zu größeren Arbeiten übergehen. Handgewebte Kissenplatten und kleine Wandteppiche sind sehr beliebt und werden, wenn die Muster geometrisch gehalten sind, nicht so schnell unmodern wie andre Handarbeiten, besonders, wenn man kräftige, unvermischte Töne geschickt nebeneinandersetzt. Auf dem kleinen Zigarrenkistenapparat kann man große Gegenstände nur dann herstellen, wenn sie aus kleinen, dem Miniaturwebeapparat entsprechenden Stücken bestehen, die dann zusammengenäht werden.

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Abb. 4. Handgewebte Gürtel aus Wollfäden und Lacetband.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.

Während für Perlwebereien dünne Fäden aufgezogen werden müssen, kommt bei Wollwebereien ein stärkeres Material, zum Beispiel Bindfaden, in Betracht. Das gilt auch, wenn mit Seidenkordel gewebt werden soll. Man stopft das Muster zwischen den Fäden, in dieser Art ist das Band auf unsrer Abbildung ausgeführt.

3. Buntstickereien

Wenn man moderne Handstickereien mit solchen früherer Jahre vergleicht, vor allem mit den sogenannten „Augenpulvern“ unsrer Mütter und Großmütter, so können wir mit Leichtigkeit feststellen, daß die Handarbeiten der letzten Moden, was Technik, Grundstoff und Ausführung anbelangt, großzügiger, einfacher und dekorativer geworden sind. Und wenn wir auch, dem Geschmack der Zeit folgend, vielfach die Ideen zu unsern Mustern einer Epoche entnehmen, die in betonter Einfachheit und Gefühlseligkeit förmlich schwelgte, so borgen wir uns doch schließlich nur den vielfach veränderten Stil und die Farben; die komplizierte Technik dieses mühseligen Stich-an-Stichreihens entspricht kaum mehr unserm modernen Empfinden, und darum vereinfachen wir die Technik und die Muster. Sticken ist heutzutage kein Mittel mehr, um die überflüssige Zeit totzuschlagen, gute Handarbeiten werden immer teurer, ihr Wert steigert sich durch den Wettbewerb mit billigem Dilettantismus.

Auch wir Modernen sticken bunte Blumenkränze und farbenfröhliche Sträuße mit glänzender Seide, aber wir verwenden keine zeitraubenden dünnen Fäden, wir bevorzugen starke Seidenfäden, die schnell decken, wir können uns nicht gar so lange bei einer Blume, bei einem Blatt aufhalten wie die Stickerinnen früherer Jahrzehnte.

Während man früher farbige Muster mit den größten Ausmaßen, zum Beispiel Vorhänge mit feinsten Seidenfäden stickte, verwendet man jetzt zu verhältnismäßig kleinen Arbeiten, zu Taschen, Beuteln, Kinderhäubchen, Nähkissen, Nähbüchern, Tabletteinlagen und so weiter möglichst starkfädiges Stickmaterial.

Darum hat die Wollstickerei ganz besonderen Anklang gefunden, während die Arbeiten mit buntem feinen Garn kaum mehr verwendet werden. Dagegen verarbeitet man vielfach Wolle in Verbindung mit Seide und erzielt dadurch recht gute Wirkungen mit verhältnismäßig wenig Mitteln.

Was die einzelnen Formen der Muster anlangt, so gilt das ungeschriebene Gesetz nicht mehr, das einstmals forderte: „Der Grundstoff muß vollständig von der Stickerei bedeckt sein!“ Im Gegenteil, besonders bei größeren Handarbeiten findet man häufig eine Art „gesperrte“ Technik, der man die Absicht, Zeit zu sparen, deutlich ansieht. Solch eine Stickerei wirkt, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt ist und wenn Grund- und Stickmaterial geschmackvoll zueinander abgestimmt sind, häufig fast skizzenhaft, betont flüchtig, ohne an Wirksamkeit einzubüßen.

Als Farben des Stickmaterials kommen ständig neue Töne, gebrochen und ungebrochen, in den Handel, eine Seide leuchtender und waschechter als die andere, eine Wolle weicher und vollfädiger als die andere, und auch die Stoffe, die als Grundmaterial zur Verwendung gelangen, werden immer mehr darauf eingerichtet, die Wirkung der Stickerei zu unterstreichen, vor allem aber auch die Arbeitsdauer so viel wie möglich einzuschränken. Selbst die kleinsten modernen Handarbeiten tragen unsichtbar, aber leserlich für die Eingeweihten, das Motto: Zeit ist Geld.

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Abb. 5. Buntstickereien: Kissen, Kaffeewärmer, Arbeitstäschchen und Taschentuchbehälter.

Wir zeigen auf unserer Abb. 5 eine Anzahl solcher Handarbeiten, deren Herstellung in diesem Sinne durchaus zu empfehlen ist.

Die verschiedenen kleinen Täschchen können leicht aus Resten hergestellt werden, nur das gestickte Kissen unsrer Vorlage erfordert ein größeres Stück Stoff. Hier ist karmoisinrotes Tuch in der Größe von 32: 51 Zentimeter verwendet. Die Ecken sind mit blätterartigen Figuren bestickt, die aus einem Kelch hervorzugehen scheinen. Sie sind in bunter Wollstickerei und meist im schrägen Plattstich ausgeführt. Die Ecken zieren starke Quasten. — Sehr gut wirkt der aus feinem weißen Waschtüll gearbeitete Kaffeewärmer (im Vordergrund links). Die untere Breite mißt ungefähr 36, die Höhe etwa 32 Zentimeter. Die Zeichnung überträgt man am besten mit Blaustift auf festes weißes Papier und heftet sie dem Tüll unter; die begrenzenden Linien lassen sich auf diese Weise leicht einziehen. Größere Blumen und Flitter werden noch mit Twist oder Glanzgarn in verschiedenen Stichen ausgeführt. In die Verbindungsnaht wird ein schmaler 3 Zentimeter breiter Tüllvolant mit eingefaßt; eine Tüllrosette dient zum Anfassen. Die Grundform ist mit einfarbigem Seidenstoff überzogen. — Zu dem reizenden Arbeitstäschchen (rechts vom Kaffeewärmer) braucht man ein Stückchen Rohseide oder feines gelbliches Leinen von 18 Zentimeter Breite und 31 Zentimeter Länge. Von dieser werden 9 Zentimeter zur Tasche umgeschlagen. Den Deckel ziert eine Stickerei in bunter Wolle. Nachdem das Satinfutter angebracht ist, wird das Ganze mit zwei Fäden grüner Wolle eingestochen, über die sich dann noch solche von roter Wolle legen. Einen besonderen Ausputz bildet der 11 Zentimeter lange und 4 Zentimeter breite Zipfel, der einem alten Siegel nachgebildet ist und das Täschchen zugleich schließt. Zu diesem Zwecke muß ein Knopf auf der unteren Seite angebracht werden. — Auch der aus schwarzem Tuch hergestellte Taschentuchbehälter (rechts vor dem Kissen) ist sehr geschmackvoll. Er mißt 19 Zentimeter im Quadrat; die Ecken werden hereingeschlagen und mit kornblumenblauer Wolle bestickt. Drei Ecken werden durch Zierstiche — Bäumchen- oder Languettenstiche — zusammengefügt; die vierte dient als Schluß und wird mit einer Schlinge versehen. Zuletzt wird die Arbeit mit blauer Seide gefüttert und an den Ecken werden kleine blaue Bällchen angebracht. — Das niedliche andere Arbeitstäschchen (an der äußersten rechten Ecke unseres Bildes) ist 12 Zentimeter im Quadrat groß, erfordert also einen Streifen Tuch von 12 Zentimeter Breite und 24 Zentimeter Länge. Auf der oberen Seite ist eine bunte Wollstickerei angebracht; grüner Vorstoß umrandet das aus blauem Tuch angefertigte Täschchen, das zuletzt mit grüner Seide gefüttert und mit blauen Bändern gebunden wird.

4. Das handbestickte Kleidungsstück

Das handbestickte Kleidungsstück erfreut sich besonders bei der Jugend einer meist berechtigten Beliebtheit. Jungen Mädchen macht es Freude, ihre Schürzen, Blusen, Kleider, Gürtel, Taschen, Mützen und so weiter selber zu besticken; häufig entwerfen sie selber die Muster dafür und geben sich viel Mühe, mit einem großen Aufwand von Zeit und Kosten diese eigenen Entwürfe auszuführen.

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Abb. 6. Handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff mit farbiger Stickerei.

Gerade diese selbstentworfenen Muster und ihre Farbenzusammenstellung wirken häufig sehr dilettantenhaft; man wundert sich oft, wie viel Geschmacklosigkeiten auf einem einzigen Stück vereinigt sind. Da sieht man naturalistische Rosen und Veilchen, zu einem Strauß geordnet, und all dies auf eine Bluse gestickt, als ob es sich um ein altmodisches Sofakissen handelte. Und naturalistisch gehaltene Weinranken auf einem Gürtel, und große Schmetterlinge auf einem Kleid! Etwas Ähnliches haben wir alle schon erlebt.

Wie lächerlich wirkt solch unverstandenes Kunstgewerbe auf den Kenner. Geometrische Figuren sind für solche Ornamentik empfehlenswerter, indessen wird auf diesem Gebiet wieder häufig der Fehler gemacht, daß die Muster dadurch viel zu langweilig werden, und der Fehler wird noch größer, wenn man versucht, die Eintönigkeit der Ornamente durch krasse Farben zu vermindern. Diese Wirkung ist noch schlimmer, als wenn man eine Bluse mit Lilien bestickt, „weil es die Lieblingsblumen der Trägerin sind“.

Wer beim Besticken der einzelnen Kleidungsstücke einen guten Geschmack zeigen will, bringe nur stark vereinfachte Formen und Linien. Gewiß können Blumen und Schmetterlinge als Vorbild dienen, aber die Formen müssen so lange auseinandergenommen werden, die Linien sollen so stark stilisiert, das heißt vereinfacht sein, daß man bestimmt nicht mehr erkennen darf, woher die Motive stammen. Auch die Farben müssen dementsprechend verändert werden, und bei der Auswahl des Stickmaterials sei man stets darauf bedacht, daß ein Kleidungsstück keine Tischdecke, kein Sofakissen, kein Kaffeekannenwärmer ist. Kleidungsstücke, die dem Witterungswechsel ausgesetzt sind — auch Handtaschen gehören in dieses Gebiet —, müssen unbedingt wasch- und regenecht bestickt werden; unecht bestickte Hüte, die in den Regen kommen und tüchtig abfärben, können einen ganzen Anzug, von Kopf bis zu Fuß, gefährden.

Am besten ist es, die Handarbeit auf einem Kleidungsstück in möglichst bescheidenen Grenzen zu halten, häufig genügen einige feine Zierstiche, um es geschmackvoll zu schmücken. Wer aber durchaus mit Ornamenten prunken möchte, dem zeigen wir obiges handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff mit farbiger Handstickerei (Abb. 6), das mit seiner sparsamen, vornehmen Ornamentik durchaus mustergültig ist. Hier sehen wir, wie hochrotes Tuch, das doch stets sehr schwierig in der Verarbeitung ist, geschmackvoll und nützlich verwendet wurde. Es ist in einzelne Teile aufgeteilt, die mit Zierstichen verbunden sind; bestickte Knöpfe und zwei aufgesetzte, ebenfalls handbestickte Taschen bilden den Hauptschmuck. Statt der Knopflöcher wurden geschürzte Ösen als Verschluß angebracht. Auf den Taschen sehen wir außer den umrandenden Zierstichen flachgestickte Ornamente, die aus Rosenknospen und Blättchen umgewandelt worden sind, das heißt, man sieht dies nur, wenn man sich sehr bemüht. Die Knospe und die Blätter sind auf den Kopf gestellt, vor allem aber stark stilisiert. Das „Auf-den-Kopf-Stellen“ genügt nämlich nicht, um ein Ornament für solchen Zweck geeignet zu machen, dazu gehört schließlich doch etwas mehr. Auch die Farben sind nicht naturalistisch. Die Muster sind weiß gehalten, mit Grau und Blau umrandet. Alte und neue Zierstiche sind für dieses Überziehjäckchen zu Hilfe genommen worden, um ihm eine persönliche Note zu geben, ein Verfahren, das sehr zu loben ist, wie überhaupt unsere hübschen Zierstiche viel mehr verarbeitet werden sollten.

Hoffentlich wird unser gutes Beispiel dazu beitragen, noch mancherlei Irrtümer auf diesem Gebiet zu beseitigen oder ungeschehen zu machen.

5. Kreuzsticharbeiten

Zu den bekanntesten Handarbeitstechniken gehört der Kreuzstich. Daß er sich auch in früheren Zeiten schon einer großen Beliebtheit erfreute, davon zeugen u. a. die prachtvollen farbigen Meßgewänder in den Klöstern des Mittelalters; welch künstlerische Wirkungen wurden da durch den Kreuzstich in seinen originellen Varianten — Rosenstich, Augenstich — erzielt! Nachdem ihn verschiedene andre Techniken verdrängt hatten, kam er in der Biedermeierzeit wieder zu Ehren, eignete er sich doch wie kein andrer Stich zur Verarbeitung der farbenfröhlichen, naiven Muster jener Zeit. Ja, der Kreuzstich war weltlich geworden, aber obgleich er immer noch vielfach zu kirchlichen Zwecken verwendet wurde, fand man die hübschen Kreuzsticharbeiten mit der bunten Ornamentik doch zumeist in den besseren Bürgerhäusern. — Die Gegenwart, die so viel aus den Tagen der Biedermeierzeit entlehnt, brachte auch die Kreuzsticharbeiten wieder in Aufnahme. Stark modernisiert und stilisiert, den heutigen Begriffen und Bedürfnissen angepaßt, erkennen wir die anmutigen Motive in sichtbar veränderter Form kaum wieder.

Während man sonst auf groben, löchrigen Geweben — im Mittelalter verwendete man sogar Hanf und Leder — den Kreuzstich arbeitete, wird jetzt meist Seide und mehr oder weniger starkes Leinen gewählt. Am beliebtesten sind die bunten Rupfenarten, Leinwand, die in den feinsten Nuancen und in reicher Auswahl eingefärbt ist.

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Abb. 7. Kreuzstichmuster: Ornament.

Entwurf von Else Levin.

Wir bringen verschiedene Kreuzstichmuster, die mit einigem Geschick selbst von ungeübten Händen nachgemacht werden können, und deren Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Wir sehen in Abb. 7 ein modernes Ornament, das, nach rechts und links angesetzt, eine außerordentlich wirksame Borte ergibt. Durch Spieglung sind wir in der Lage, das Muster auf seine vielfache Verwendbarkeit hin zu prüfen. Wir können es sowohl zur Verzierung von Gürteln als auch von Decken und Kissen verarbeiten. Es eignet sich zum Schmuck für Kinderkleider, Theaterhauben, für elegante Blusen und Schürzen. Als einfaches Ornament, wie wir es hier im Bilde sehen, läßt es sich als Mittelstück für Kissenplatten in Hochformat verwerten. Man hält es am besten in drei Farben, die man dem Hintergrund harmonisch anpaßt. Sehr dekorativ wirkt die Stickerei in Schwarz, Orange und Grün auf kobaltblauem Grund, ganz gleich, ob es sich um seidenes oder leinenes Material handelt. Auf Leinen stickt man am besten mit Perlgarn, dessen Stärke sich nach der Gewebeart richtet. Zur Ausführung verwendet man, wie bekannt, Kanevas oder Kongreßstoff, ihre Fäden werden, wenn die Arbeit vollendet ist, wieder herausgezogen. Abb. 8 stellt eine Bordüre dar, die zum Schmuck von großen waschbaren Portieren und Vorhängen aller Art zur Verwendung gelangt, zum Beispiel für Vorhänge auf Balkone, Loggien, in Schlafzimmern, Dielen, vor Bücherregalen und anderen. Unser Originalmodell ist in Schwarz, Zinnoberrot und Zitronengelb auf cremefarbenem Grund gestickt und kann je nach Belieben und Zweckdienlichkeit in großem oder kleinem Format ausgeführt werden.

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Abb. 8. Bordüre für Portieren und Vorhänge.

In Abb. 9 sehen wir das Muster für eine kleinere Mitteldecke, die am besten auf nicht zu starkem weißen Leinen ausgeführt wird. In Zinnoberrot, Grün, Violett und Schwarz ist die Stickerei gehalten, doch überlassen wir es dem Geschmack unserer Leserinnen, eine andere Farbenwahl zu treffen.

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Abb. 9. Muster für kleinere Mitteldecken.

Wer die Arbeit als Nähtischdeckchen oder Kissenplatte verwenden will, dürfte sich am besten für grellfarbiges Grundmaterial — Seide oder Leinwand — entscheiden. Auf kobaltblauem Hintergrund steht sehr gut: Weiß, Giftgrün und Orangegelb, auf scharfem Grün: Zinnoberrot, Schwarz und Hellkobaltblau, auf Orange: Schwarz, Weiß und Giftgrün. Beliebig wiederholt, ergibt unsre Vorlage ein sehr originell wirkendes Füllmuster, das besonders für starke Stoffarten in Betracht kommt und für Abend-, Garten- und Dielendecken sehr zu empfehlen ist.

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Abb. 10. Flächenmuster für Perlstickerei.

Abb. 10 zeigt ein Flächenmuster, das sich auch für Perlstickerei eignet. Dieses Muster kann sehr vielfach verwendet werden, so zum Beispiel für Bänder, Gürtel, Borten, Kinderhäubchen und Kleider, Taschen, wenn man nur einen Streifen davon benutzt, sonst paßt es für Gartentischdecken, Vorhänge und Kissen. Unser Modell ist schwarz, kobaltblau, giftgrün, mit weißem Mittelpunkt auf weißem Grund gehalten.

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Abb. 11. Tulpenmuster für Mappen, Kissen und Taschen.

Entwurf von Else Levin.

Das fünfte Muster (Abb. 11) eignet sich am besten für Kissen in drei Farben, zum Beispiel Schwarz, Kobaltblau und Orangegelb. In Wolle ausgeführt wirkt es sehr stark, man kann es auch für Fußbänke, Fußkissen und kleine Vorleger benutzen.

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Abb. 12. Muster für Kreuzstich- und Filettechnik.

Entwurf von Else Pauli.

Der sechste Entwurf (Abb. 12) eignet sich auch sehr gut für Filettechnik, ein Füllmuster von vielfacher Verwendbarkeit. In Wolle gestickt empfiehlt es sich für Vorhänge, Decken, Kissen, Vorleger und Mappen, in Seide ausgeführt paßt es besser für kleinere Gegenstände, zum Beispiel Taschen, Nähkissen, Briefmappen. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen, verwendet man die rechte oder die linke Seite einzeln, so entsteht ein Motiv zur Verzierung von Häubchen, Gürteln, Mützen, Blusen; setzt man dieses Motiv nach oben und unten fort, so entsteht eine Borte, die stehend und liegend verwendet werden kann. Solche Borten eignen sich für Decken, besonders aber für Gürtel und Kinderkleidung. Je nach dem Hintergrund stickt man die Arbeit in zwei bis drei Farben; eine gute Wirkung erzielt man, wenn das Muster in Kobaltblau und Giftgrün auf schwefel- oder orangegelben Grund gesetzt wird.

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Abb. 13. Leichtes Flächenmuster.

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Abb. 14. Füllmuster.

Auf der nächsten Vorlage (Abb. 13) sehen wir ein leichtes Flächenmuster, das in Streifen zerlegt werden kann; auf diese Weise entsteht eine fortlaufende Borte, die für Kindersachen ganz besonders geeignet ist. Das Muster kann sehr farbig gehalten werden: die Schmetterlinge abwechselnd in zwei Farben in jeder Reihe, so daß vier verschiedenfarbige Schmetterlinge entstehen, in der ersten Reihe: der erste feuerrot, der zweite tütenblau, in der zweiten Reihe: der erste orangegelb, der zweite giftgrün. Die kleinen Kreuzornamente und der Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Schmetterlingen werden schwefelgelb gestickt. Diese Farbenangabe gilt für einen weißen, schwarzen, grauen oder dunkelblauen Grund, Farben, die bei starker Leinwand häufig vorkommen. Solches Leinen wird gern zu Garten- und Balkonkissen, auch für Kinderzimmer- und Dielenkissen verwendet, und gerade dafür ist das Schmetterlingsmuster ganz besonders geeignet.

Abb. 14 zeigt ein einfaches Flächenmuster in zwei Farben für Garten- und Dielentischdecken, Kissen, Vorleger, Schreib- und Sammelmappen, Kassetten. Am besten wirkt die Stickerei in Wolle oder — waschecht — in Perlgarn und Garn in drei Farben: schwarz, weiß auf orangegelbem, kobaltblauem oder giftgrünem Grund, tütenblau, schwefelgelb auf grasgrünem Grund; die Mittelstücke können einzeln für Knöpfe verwendet werden.

Die nächste Zeichnung (Abb. 15) stellt ein Flächenmuster dar, aus dem man eine Borte machen kann, sowohl eine aufrecht stehende, als auch eine sich nach rechts und links fortsetzende Borte, die sich für Taschen, Kindersachen und Deckchen recht gut eignet. Als Flächenmuster paßt sie für Kissen, Mappen, Taschen und, wie die meisten dieser Entwürfe, auch für Bucheinbände. Man stickt das Muster am besten in drei Farben: die Herzen kobaltblau auf schwarzem oder türkisgrünem Grund, die Verbindungslinien schwefelgelb, oder giftgrüne Herzen auf pfauenblauem Grund mit orangegelben Verbindungslinien. Solche Farben wirken immer gut; aber nur nicht Rot für die Herzen nehmen!

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Abb. 15. Flächenmuster. Entwurf von Else Pauli.

6. Monogramme und Buchstaben

Schon unsere Groß- und Urgroßmütter wandten dem Wäschezeichnen ein berechtigtes Interesse zu. Gehörte es doch zum „guten Ton“, jedes Stück der Aussteuer selbst zu zeichnen, und der runde Stickrahmen spielte eine wichtige Rolle im Leben der Braut.

Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren, so konnte — wie bei manchen andern Dingen — auch dem Wäschezeichnen nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht, die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen, die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“. — Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis 20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren Wirkung wegen verdrängt wurde.

Großbuchstabe E
Großbuchstabe E

Abb. 16.

Monogramm: OT
Monogramm: OT

Abb. 17.

Geschwungenes Monogramm als Wäschezeichen
Geschwungenes Monogramm als Wäschezeichen

Abb. 18.

Abb. 16–18. Monogramme.

Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte.

Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen, persönlichen Geschmack.

Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und Monogramme.

Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet man die Taschentücher mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. — Große Buchstaben oder Monogramme wählt man für Tafeltücher, während die dazugehörigen Servietten zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend verkleinert, tragen.

Abb. 19. Buchstaben für Taschen, Kassetten, Handtücher usw. Abb. 20. Buchstabe für Mappen, Taschen, Taschen­tuch­behälter, Badewäsche.

Momogramm: FA
Momogramm: FA
Großbuchstabe: H, mit verziertem Rand
Großbuchstabe: H, mit verziertem Rand

Man zeichnet jedoch nicht nur Leib- und Tischwäsche; viele andre Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen, erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben oder Monogramme, so zum Beispiel Serviettentaschen, Fächerhüllen, Behälter für Tennisschläger, Schlittschuhbeutel, Schleier- und Handschuhbehälter, Taschentuchordner, Badelaken, auch Handtaschen, Schreibmappen, Besuchskartentäschchen und so weiter.

Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände, die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden, dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch, Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren.

Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden.

7. Häkeleien verschiedener Art

Die Häkeltechnik ist in den letzten Jahren wieder modern geworden; man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten Bettdecken, die Läufer und Sofaschoner schon lange nicht mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe, dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für Kaffeedecken, Tafeltücher, Kissenbezüge, Hemdpassen, Mitteldecken zu arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen.

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Abb. 21. Gehäkelter Stern.

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Abb. 22. Gehäkelter Stern.

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Abb. 23. Gehäkelte Spitze mit Spitzensticharbeit.

Wäschestücke werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein Taschentuch oder eine Frisierjacke mit Häkelspitze verziert werden soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam — dies gilt besonders für Wäsche — wirkt. Gehäkelte Beutel sind nicht zu empfehlen, aber gehäkelte Kindertäschchen können reizend aussehen. Man häkelt auch vielfach Kinderjäckchen und Kleidchen, Mützchen und Häubchen in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte Mützen und Schale, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch Schuhchen für Babys und Bettschuhe für Großmamas; solche Arbeiten sind unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen.

Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen, die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen.

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Abb. 24. Gehäkeltes Kindertäschchen.

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Abb. 25. Zählmuster zum Kindertäschchen.

Da sind zunächst einige Sterne (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut für Taschentuchecken, für Untertaillen, etwas stärker hergestellt kommen sie, wie das Quadrat, für Kissenbezüge in Betracht. Wenn man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man eine originelle Fläche, die man für Schlummerrollen — wieder sehr modern! — Puffs, Kissen, Kaffeekannenwärmer, Kindermützchen verwenden kann.

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Abb. 26. Gehäkelte Badeteppiche.

Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche Spitze, die für Vorhänge und Decken recht gut paßt; will man sie für Leibwäsche benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für Gartentischdecken kann man sie in zwei Farben herstellen, falls dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot.

Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes Kindertäschchen, zu dem wir auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen, von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung aufbewahrt wird.

Abb. 26 stellt zwei Badeteppiche dar, einfache, bescheidene Muster, die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf praktische Werte bedacht sein, und ein Badeteppich ist auf alle Fälle ein brauchbarer Gegenstand.

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Abb. 27. Gehäkeltes Kinderkleidchen.

Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein wollenes Kinderkleid, es ist sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch; es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet wird, muß es unbedingt kleidsam wirken.

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Abb. 28 Aus Wolle gehäkelter Blumenzweig.

In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material. Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt. Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit weißen Pikots umrandet.

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Abb. 29. Große gehäkelte Wollblume.

Zum Schluß machen wir auf die hübschen Wollblumen (Abb. 28 bis 30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „Gänseblümchen“ und die große „Rundblüte“ passen zum Schmuck von Kinderkleidern und Hüten, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben anfertigen und daraus ein Sträußchen herstellen, um es in dieser Art zu verwenden. Auch zur Verzierung von Nähkörben und Kannenwärmern eignen sich diese Blumen, ganz besonders der Blütenzweig auf dem ersten Bilde.

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Abb. 30. Aus Wolle gehäkelte Gänseblume.

8. Künstlerische Blumen

In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt. Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute ist die frische Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch — gleichzeitig als Damenspende — künstliche Blumen verwendet, so sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen. Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen, am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts- und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern eine Anzahl künstlerische Blumen, von Luise Wolbrandt entworfen und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für Pelzhütchen und Pelzmützen, für einfarbige Seidenhüte, besonders wenn es sich um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man auch für Tee- und Kaffeekannenwärmer verwenden, sie passen für Kuchenschützer und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines Nähkörbchens angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte „Rosenknospen“, die als Schmuck für Gesellschaftskleider und Hüte gedacht sind; „Glockenblumen“ (Abb. 32) eignen sich für Kinderkleidung, Vasenschmuck, Tischdekoration, Kannenwärmer, Körbe. „Seidenblüten“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten „Rosenknospen“ zu verwerten. „Wollblumen“ (Abb. 34) passen für Hüte, Mützen, Kinderkleidung, zum Anstecken, ähnlich wie „Glockenblumen.“ Die tütenförmigen Blüten auf Abb. 35 sind in der Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke Glaskelche, wenn eine elegante Tischdekoration vorgesehen ist, kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die Sternblume ist die echte, rechte Ansteckblume, sie wird stets fein wirken, ganz gleich, ob sie für Muffen, Kleider, Mäntel, Hüte, Pelzkragen oder Mützen verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen Sträußchen aus Wollblümchen auf Abb. 36, das auch für Kindersachen sehr zu empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr leicht geschehen kann.

Abb. 31. Rosenknospen. Abb. 32. Glockenblüten.

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Abb. 33. Seidenblüten.

Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle, die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden, doch sollen sie nicht bäurisch wirken.

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Abb. 34. Wollblumen.

Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die, langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter, oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen.

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Abb. 35. Tütenförmige Blüten und Sternblume.

Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig größer.

Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb. 33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe. Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern.

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Abb. 36. Sträußchen aus sechsteiligen Blüten.

Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32) herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht, angebracht.

Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart.

9. Teepuppen

Die Teepuppe ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich machten, damals tauchte die Teepuppe auf, die Teepuppe in ihren vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe, diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte, nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine geschmackvolle Teepuppe ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk, ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher Teepuppe sehr viel Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas schwieriger ist.

Bild einer Teepuppe
Bild einer Teepuppe

Abb. 37. Jettchen Gebert.

Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger.

Die Teepuppe kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete Teepuppe stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug — die Tracht der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes „Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede von euch eine Teepuppe anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind.

Außer dem Oberkörper, den Armen und dem Gestell kommen bei dieser Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht, diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack — ihr müßt euch da recht gut beraten lassen — noch ein paar ungestörte Stunden dazu.

Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt, dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt; damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells. Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten, über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten, die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus weißem Mull oder Batist an — jeder geeignete Stoff kann verwendet werden —, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht. Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden, nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band, näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche, Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre, wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten. Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe nicht immer vorrätig sind, während die Teepuppenköpfe und Oberkörper in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend, in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu beschaffen sind.

Bild einer Teepuppe mit einer weißen Rose in der Hand
Bild einer Teepuppe mit einer weißen Rose in der Hand

Abb. 38. Die weiße Rose. (Aus Wiener Atelier „Lili“.)

Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter, alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört.

Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt. Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es auch aus dünnem Gold oder Silber.

Teepuppe mit langem, weitem Seidenkleid
Teepuppe mit langem, weitem Seidenkleid

Abb. 39. Karoline. (Wiener Atelier „Lili“.)

⇒ GRÖSSERES BILD

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Abb. 40. Rokoko. (Wiener Atelier „Lili“.)

Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen.

Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein junges Mädchen mit Hängelocken dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das junge Fräulein — damals, als man so aussah, hieß man Karoline —, hat Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem Arm.

Die Rokokodame der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau herabhängt.

Die Teepuppe ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt, blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt Ansprüche.

10. Nadelmärchen

In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet, und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben.

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Abb. 41. Marienkind.

Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter, die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können.

Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist, wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter. Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden, sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien, außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei übersetzt worden.

Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende Marienkind (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt, der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden.

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Abb. 42. Dornröschen.

Das andre Bild zeigt Dornröschen schlafend unter dem Rosenstrauch (Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen.

Das dritte Bild stellt Aschenbrödel dar (Abb. 43). Es hat das neue goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll. Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen wird.

Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben, das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz naturalistisch wirken.

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Abb. 43. Aschenbrödel.

Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung. Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht.

11. Kissen aus bunten Wollresten

In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern geworden, besonders beliebt sind Wollarbeiten in vielen bunten Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für Decken und Kissen, Teekannenwärmer, Kuchenschützer und Beutel am besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos.

Bild eines Mädchens, das gerade einen Stern fertigstellt
Bild eines Mädchens, das gerade einen Stern fertigstellt

Abb. 44. Die Anfertigung der Sterne.

Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster, bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt, wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten, doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen. So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau, Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne für die Arbeit verwendet werden sollen. Kissen, Kannenwärmer, Schlummerrollen, Kuchenschützer und Beutel müssen abgefüttert werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. Decken brauchen nicht abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden Kinderwagendecken, die entsprechend abgefüttert werden müssen.

Kissen, auf dem viele Sterne befestigt sind
Kissen, auf dem viele Sterne befestigt sind

Abb. 45. Das fertige Kissen.

12. Körbchen mit duftenden Rosen

Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider- und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen Gegenstände übertragen. Handschuhe, Taschentücher, Halstücher, Schals, Wäsche, Bänder können in dieser Art parfümiert werden, wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind wilde Kräuter, wie Thymian und Rosmarin, Waldmeister und Lavendel, deren Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten fernzuhalten. Da sind die jungen Triebe der Nadelhölzer, die, im Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten Gärten gibt es Zentifolien, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt, schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür: In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz. Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit, dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt werden.

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Abb. 46. Körbchen mit duftenden Rosen.

Riechbeutel und Riechkissen sind immer beliebt, immer modern; man stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien, verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in Schubladen und Kartons, zwischen Briefpapier, in Taschentuch-, Band- und Spitzenbehälter und hängt die Beutel in den Schränken und Fächern auf.

In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte Veilchenwurzel, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange vorhält. Diese Veilchenwurzel kann man im Mörser zerstoßen und mit dem Mehl die Beutel und Kissen füllen.

Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten Mode ist, ist die Seidenblume, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus und ist sehr praktisch.

Noch reizender ist ein „Körbchen mit duftenden Rosen“. Das Körbchen besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern.

Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein Körbchen mit Duftrosen (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47), damit sie nachgearbeitet werden kann.

Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt, man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein. Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen; Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen Rosen gefärbt sind.

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Abb. 47. Einzelansicht einer Rose mit gefülltem Beutelchen.

Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest. Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum, so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen.

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Abb. 48. Muster für das zugleich den Blumenkelch bildende Beutelchen.

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Abb. 49. Muster eines Rosenblattes.

Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier. Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt. Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen; solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise auftreten.

13. Wollpüppchen

Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete. Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig. Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig, man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an, sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen ausgestellt sind.

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Abb. 50. Der Werdegang eines Wollpüppchens.

Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen.

Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen, Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen „Wollblumen und andres“ (Verlag Otto Beyer in Leipzig) entnommen sind, geben sehr nette Anregungen dazu.

Die auf den Tischkarten unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten 5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß gekleideten Ruderer, eine Kolombine in Weiß und Rot, einen unternehmenden Wintersportler in rotem Gewande und weißem Schal und endlich eine flotte Tänzerin in orangefarbenem und grünem Kleidchen dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen Papier überklebt.

Die in der letzten Abb. 52 auf dem Eierwärmer tanzende Schöne trägt blonde Locken mit eingesticktem blauen Kränzchen; das Röckchen bilden 2 Zentimeter lange rosa Wollschlingen, das Leibchen und die kurzen Ärmelchen sind rund gewickelt. Der Eierwärmer wird mit einem Ring aus zwei bis drei Luftmaschen in rosa Wolle angefangen, in den sechzehn langgezogene Stäbchen geschlungen werden. Zweite Runde: mit blauer Wolle abwechselnd eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche. Dritte Runde: rosa, abwechselnd eine feste Masche in eine feste Masche der vorigen Runde, eine Luftmasche. Vierte bis dreizehnte Runde: Blau und Rosa wechselnd, wie die dritte Runde; doch von der sechsten Runde an werden statt einer Luftmasche zwei Luftmaschen gemacht. Mit der dreizehnten Runde in Rosa schließt die Form ab.

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Abb. 51. Tischkarten mit Wollpüppchen.

Der Flaschenkork (Abb. 52, rechts) ist mit einer Japanerin geziert, die 6,5 Zentimeter groß ist. Die hohe schwarze Frisur schmücken zu beiden Seiten angebrachte Blumen aus bläulich-rosa Wollschlingen. Das Kleid ist in Kimonoform gehalten. Zuerst häkelt man zum Rock in blaurosa Wolle einen Ring aus fünfzehn Luftmaschen, dessen Fadenenden man in der Taille befestigt. Durch die hinteren Glieder der Luftmaschen spannt man zur Taille und zurück blaue, gut 2,5 Zentimeter lange Fäden, ebenso für die Ärmel bis zum Ellbogen. Der Ärmelrand, der Halsausschnitt und der Gürtel, der rückwärts in Schleifen gebunden ist, sind aus rosa Wolle. Zum Schirmstock wird ein 6,5 Zentimeter langes doppeltes Stückchen Draht durch die rechte Hand gesteckt, die Enden werden zum Griff umgebogen und mit schwarzer Wolle umwickelt; zur Verzierung dient eine schwarze Schleife aus Luftmaschen. Das Schirmdach wird mit einem kleinen Luftmaschenring in dottergelber Wolle begonnen. Darein häkelt man siebzehn langgezogene Stäbchen. Die nächste und zugleich letzte Runde: je eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche; dabei häkelt man einen fein umwundenen Draht mit ein und näht alsdann das Dach am Stockende fest. Das Püppchen wird auf dem Kork befestigt, indem man den Draht des rechten Fußes durch die Metallscheibe und den Kork zieht und mit einem Knoten abschließt.

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Abb. 52. Eierwärmer und Flaschenkork mit Wollpüppchen.

14. Die Zupfpuppe

Die Selbstherstellung von Puppen dürfte für jedes junge Mädchen ein besonderer Anreiz sein, weil mit dieser Kunstfertigkeit andern viel Vergnügen bereitet werden kann. In jeder Familie gibt es Kinder, und wer besonders geschickt und erfinderisch in der Anfertigung hübscher Puppen ist, wird bald in den weiteren Kreisen einen Namen als Puppenkünstlerin bekommen und in Anspruch genommen werden. Nicht nur zu Weihnachten und zu Geburtstagen kann man seine Fähigkeiten ausnützen, es findet sich immer wieder eine Gelegenheit, Kinderheime, Ferienasyle zu beschenken, dafür sind diese selbst hergestellten Puppen sehr angebracht, und man wird sie umso lieber anfertigen und annehmen, als die Herstellungskosten sehr gering sind. Man verwendet eigentlich nur Abfälle; die Hauptsache ist dabei: ein wenig Zeit übrig haben und mit Lust und Liebe nachdenken, wie man die Puppe recht praktisch ausführen kann. —

Es kommt vor allem darauf an, daß sie beweglich ist, daß sie nicht gleich entzwei geht, daß sie auch mal tüchtig naß werden kann und daß keinerlei giftige oder gesundheitsschädliche Materialien dazu verwendet werden dürfen.

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Abb. 53. Zupfpuppe.

Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 53) das Modell einer Zupfpuppe, wie sie sein soll, die sehr leicht nachzuarbeiten ist: Grobe Sackleinewand wird in die einzelnen Fäden zerzupft; alle Fäden müssen doppelt so lang sein, wie die Puppe hoch sein soll. Dann macht man durch Zusammenlegen dieser Fäden einen Strang, er muß so dick wie ein Bein der Puppe sein. Diese Fäden dreht man ganz fest zusammen und legt sie auf die Hälfte. Aus dem oberen Teil arbeitet man den Kopf, der mit einem Zwirnfaden abgebunden wird. Man polstert den Kopf mit Watte aus und bezieht ihn mit einem viereckigen Stück Hemdentuch, das auch die Schultern bedecken soll. Die Arme werden ebenfalls aus je einem Strang hergestellt. Man legt die Bündel in Schulterhöhe an und fängt nun an, kreuzweise von der linken Hüfte zur rechten Schulter zu wickeln, dann umgekehrt die andre Seite, so fest wie möglich, damit die Puppe nicht nur beweglich, sondern auch haltbar wird. Schließlich umwickelt man die Arme mit Perlgarn oder Wolle, nicht ganz bis zum Ende, sondern läßt die inneren Fäden als Hände stehen. Nun bewickelt man den Rumpf und jedes Bein. Soll die Puppe Füße haben, so wird eine Haarnadel mit eingewickelt, in der Art, daß in jedem Bein eine Nadel enthalten ist. Das unterste Ende der Nadel biegt man als Fuß um und umwickelt diesen bis zur Spitze recht sorgfältig, damit der Draht sich beim häufigen Gebrauch der Puppe nicht frei machen kann. Schuhe und Strümpfe wickelt man mit andersfarbigem Perlgarn oder mit Wolle. Schließlich malt man das Gesicht mit Wasserfarben an: rosa Wangen, einen roten Mund, die Nase wird durch hellbraune Nasenlöcher angedeutet, die auch weggelassen werden können, blaue Augen können gepinselt oder durch Perlen ersetzt werden, braune Augenbrauen werden angemalt. Braune oder schwarze Haare stellt man aus Wollfäden her, die in den Kopf eingezogen werden. Man kann auch dicke Seiden- oder Perlgarnfäden verwenden, es gibt verschiedene Farben, vom hellsten Blond bis zum tiefsten Braun in Wolle, Garn und Seide.

Als Bekleidung kommen Hemdhöschen oder Kimonokleidchen in Betracht. Unser Modell hat ein niedliches Kleidchen mit farbiger Stickerei an, sogar ein Gürtel aus Kordonettseide, der an beiden Seiten in Ösen läuft und seitlich zu einer feschen Schleife verknüpft ist, ist vorhanden. Halsausschnitt und Ärmel sind mit bunten Stichen gesäumt. Für die Puppenkleidung kann man indessen jeden farbigen Waschstoffrest verwenden, der gerade vorhanden ist, wenn er halbwegs „kindlich“ wirkt. Kleingeblümte, gepunkte, gesternte und gestreifte oder kleinkarierte, möglichst farbige Stoffe eignen sich am besten dazu. Unser Modell trägt braune Wollfädenschuhe, die Strümpfe sind aus blauen Fäden gewickelt, je nach Belieben wird ein passendes Material, Wolle, Garn, Perlgarn, starke Seide verwertet.

Will man eine Puppe für kleine Kinder herstellen, so genügt es, sie nur bis zur Taille mit buntem Garn oder mit farbiger Wolle zu umwickeln, um auf diese Weise eine Bluse anzudeuten. Ein krauses Stoffröckchen wird angenäht, auf dem das Püppchen stehen müßte, da der untere Teil des Rumpfes an dieser Puppe fehlen würde.

Für größere Kinder, die schon mit Verständnis spielen, ist die „vollständige“ Puppe, wie wir sie auf unserm Bilde zeigen, indessen empfehlenswerter, sie hält viel aus, kann hingesetzt werden, Arme und Beine sind beweglich, und so ersetzt sie eine gekaufte, teure Puppe, wenn sie in die Hände eines echten, rechten Spielkindes gerät.

15. Lochstickerei

Die Lochstickerei ist wie alle Weißstickereien nur denen zu empfehlen, welche die Technik wirklich beherrschen. Bei andern Arbeiten entscheidet nicht zuletzt die Farbigkeit über den Erfolg der Stickerei, geschickt gewählte Töne täuschen über kleine Stichfehler hinweg. Bei der Lochstickerei, die, wenn sie unbedingt geschmackvoll wirken soll, eine Weißstickerei sein muß, kommt es vor allem auf die tadellose Technik an. Jeder holperige Stich ist deutlich zu sehen; was nutzt der feinste Stoff, wenn der Linienschwung fehlt, wenn der Grund sich kräuselt. Es ist vorteilhaft, mit kleinen Arbeiten zu beginnen, mit einfachen Mustern anzufangen.

Die Verwendungsmöglichkeit für Lochstickerei ist ziemlich vielseitig, am liebsten verwertet man sie für Leibwäsche, wo sie sich als durchaus praktisch erweist. Sie hält häufiges Kochen und Waschen aus, und eher zerreißt schließlich der Stoff als die Stickerei. Darum zieht man sie vielfach der Spitze vor, darum behauptet sie sich neben den neuen und neuesten Techniken. Eine gute Weißstickerei wird nicht so leicht unmodern; im Haushalt weiß man ihre Vorzüge zu schätzen.

Sie eignet sich besonders zur Verzierung von Bettwäsche, Überschlaglaken, Kopfkissen; Bezüge werden mit Lochstickerei bestickt, für Säuglings- und Kinderwäsche, die besonders häufig gewaschen werden muß, eignet sie sich am besten. Häubchen und Lätzchen, Kleider, Schuhchen, Unterwäsche verziert man in dieser Art, ebenso die Leibwäsche von Erwachsenen und Backfischen, solch selbstgestickter Ausputz ist unverwüstlich.

Man stickt auf Leinen und, wenn es sich zum Beispiel um Zierdeckchen, Teller-, Klapper-, Brotkorbdeckchen handelt, auf Seide, in diesem Fall mit Seide; Weiß auf Weiß wirkt am feinsten, für diese Arbeiten kann man indessen ausnahmsweise schwarze Stickseide verwenden, die durchaus waschecht sein muß.

Für Garten- und Balkondecken und Kissen benutzt man gegenwärtig am liebsten wasch- und sonnenechte bunt gemusterte Druckstoffe, wenig Handarbeiten; hier würden Buntstickereien sehr bald verblassen und von Wind und Wetter beschädigt werden.

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Abb. 54. Einsatzmuster.

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Abb. 55. Abschlußkante.

Die Lochstickerei dürfte sich vielleicht für diese Zwecke ausnahmsweise empfehlen, wenn man sie in unbedingt waschechtem Garn auf blauem Fischerleinen oder auf grauem Leinen ausführt. Diese Stoffe sind bestimmt waschbar und den Einflüssen der Witterung fast unzugänglich, das Stickmaterial müßte sehr farbig gehalten werden, um in der Natur zu wirken. Rot in verschiedenen Tönen, Gras- und Giftgrün, Blau, möglichst grell und ungebrochen, Schwefelgelb, Apfelsinengelb, das sind geeignete Farben, während Schwarz, Braun, Bronze, Grau hierfür nicht passen. Die Technik ist bekannt; das Übertragen der Muster geschieht mit Hilfe von Blaupaus- oder Graphitpapier, auch Ölpauspapier bewährt sich recht gut. Weißes oder hellgelbes Ölpauspapier verwendet man für dunkle, rotes Ölpauspapier benutzt man für helle Stoffe. Sehr eindringlich muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß ein harter, scharf gespitzter Bleistift zum Durchpausen verwendet werden soll, damit die Umrisse möglichst scharf und dünn werden, weiche Bleistifte geben verwischte Linien, für kreisrunde Formen benutzt man Geldstücke, man kann auch mit dem Zirkel korrigieren, denn ganz tadellos werden die Kugelornamente sonst bestimmt nicht. Wenn man Klapperdeckchen und ähnliche Arbeiten aus dünnem, durchsichtigen Stoff besticken will, so genügt es, die Muster unter den Stoff zu schieben und Muster und Stoff straff zu befestigen, dann zeichnet man den Entwurf nach, ohne Zuhilfenahme von Pauspapieren, die leicht abfärben und den Grundstoff unsauber machen. Man pause recht leicht und schnell, damit das Pauspapier nicht länger als nötig aufliegt.

Weißstickereien sehen in Verbindung von Klöppelspitzen sehr fein aus, das gilt unter anderem für Kaffeedecken, Mitteldecken, Kopfkissenbezüge, Kuchenschützer, Kaffeewärmer. Auch andre Spitzen kommen in Frage, wenn sie nicht zu dünn und fein sind, man kann bei dieser Technik auch Seidenbanddurchzug verwenden; besonders gute Wirkungen werden erzielt, wenn man farbige Seide oder farbigen Satin unterlegt. Dies betrifft Kissen, Kuchenglocken, Lampenschirme, Taschentuchbehälter, Schleierordner, deren Muster dadurch stärker betont werden.

Wir bringen als Vorlagen einen Einsatz und eine Abschlußkante (Abb. 54 und 55). Diese Muster sind leicht nachzuarbeiten und vielfach verwendbar.

16. Tülldecken

Tülldecken sind schließlich immer beliebt und modern; sie behaupten sich noch immer, während Filet- und Strickdecken längst wieder unmodern geworden sind. Die Tüllarbeiten werden darum so gern verwendet, weil ihre Muster an keinen Stil gebunden sind; die verschiedensten Entwürfe können dafür benutzt werden, die Arbeit ist sehr angenehm, und die Wirkung stets vornehm. Tülldurchzugarbeiten gehören zu den feinen Weißstickereien, bei denen es auf das wirkliche Können ankommt, weil hier keine bunten Farben über mangelhafte Entwürfe und unordentliche Stiche hinwegtäuschen können.

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Abb. 56. Achteckige Decke in Tüllstickerei.

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Abb. 57. Einzelansicht zur Stickerei der achteckigen Decke.

Für die hellen oder dunklen glatt polierten Holzmöbel eignen sich Tülldecken ganz besonders gut, sie wirken ebenso fein auf Salontischen wie auf Kommoden, auf Nähtischen wie in Vitrinen; diese Technik erstreckt sich aber nicht nur auf Decken, man kann sie auch für Kissen, Kuchenschützer, Kannenwärmer, für Lampenschirme, Sonnenschirme, Kleider, Schals, Taschentuchränder, Läufer, Einsätze und Abschlußborten verwenden. Je nach der Stärke des Grundstoffes richtet sich die Stärke des Durchzugfadens, und der Grundstoff richtet sich wieder nach dem Zweck der Arbeit. Früher waren die Tüllmuster viel steifer als heute; man kannte meist nur Borten und Mittelstücke, die moderne Stickerin bringt Landschaften, Tiere, Häuser, Menschen, Blumen, Obst auf den Tüll, sie vereinfacht die Muster, ohne ihre Wirkung zu beeinträchtigen.

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Abb. 58. Stickerei einer runden Tülldecke.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 56 bis 58) einige Vorlagen, die ganz besonders geschmackvoll sind; sie lassen sich leicht nacharbeiten und stellen keine allzu großen Anforderungen an die Stickerin. Auch auf unsern Bildern handelt es sich um flotte, leicht zusammenhängende Zeichnungen; diese heftet man dem Tüll unter und zieht sie mit feinem Garn nach. Bei größeren Flächen folgt man entweder mit einfachen Stichen fünf- bis sechsmal der äußeren Linie, oder man füllt die Figur mit Gitter- und Zickzackstich vollständig aus. Die achteckige Decke (Abb. 56) mißt 42 Zentimeter im Durchmesser, doch schneidet man sie 56 Zentimeter im Durchmesser, damit der 6 Zentimeter breite Saum gleich übergeschlagen werden kann. An jeder Ecke ergibt sich eine kleine Falte; der Rand des Saumes wird mit Stielstich aufgenäht.

Die im Durchmesser 1 Meter große runde Decke (Abb. 58) ist sehr reich bestickt. Die verschiedensten Modelle stellen sich uns dar: eine stolz in die Höhe ragende Burg, eine Mühle, ein Schiff auf wogender See, ein Schloß auf steilem Bergrücken, ebenso eines im Tale, dazwischen palmenartige Bäume und wolkenähnliche Gebilde. Das muß alles sehr leicht eingestickt werden, damit der Tüll sich nicht zusammenzieht. Ungefähr 10 Zentimeter vom Saume entfernt, der schmal mit der Hand genäht wird, setzt das Muster ein, das in weißem Twist ausgeführt wird. Soll die Decke einen runden Tisch zieren, fertigt man sie im gleichen Durchmesser der Tischplatte an und umgibt sie mit einem 35 Zentimeter breiten, geraden Tüllstreifen als Volant, was sehr duftig wirkt.

17. Gabelspitzen mit Häkelei

Die Gabelspitzen haben sich in letzter Zeit eine große Beliebtheit erworben, sie wirken leicht und gefällig, können schnell hergestellt werden, nehmen in der Arbeitstasche wenig Platz fort und sind, das ist die Hauptsache, vielseitig in ihrer Verwendbarkeit. Taschentücher mit Gabelspitzenverzierung sind ein praktisches Geschenk, wenn sie ein wenig elegant hergestellt werden, sie dürften bei Verlobungen und Hochzeiten, vor allem aber bei Konfirmationen viel Anklang finden. Es wird soviel Unnützes verschenkt, was viel Geld kostet, warum sollte man feine Taschentücher, noch dazu mit Handarbeit geschmückt, nicht höher schätzen, besonders wenn ihre Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Auch leichte Untertaillen mit Gabelspitzen sind zu empfehlen, für die dünnen Sommerblusen sind sie recht brauchbar; ich denke es mir sehr nett, wenn junge Mädchen sich in dieser praktischen Weise beschenken, man kann dabei sehr gut einige geeignete Stoffreste verwenden. Tellerdeckchen, Tablettdeckchen lassen sich in dieser Technik sehr geschmackvoll verzieren, man darf nur nicht übertreiben und diese Technik für alle möglichen und unmöglichen Gegenstände verwenden wollen. Das Reizvolle an dieser Technik ist ihre Vielseitigkeit, die sich auch auf das Material erstreckt. So kann man mit farbiger Wolle mancherlei Nützliches in Gabeltechnik ausführen, denn schließlich kommt es sehr darauf an, daß Zeit und Material richtig angewendet werden. Wir zeigen auf unsern Bildern einige Muster, die man leicht nacharbeiten kann, und die auch weniger geübten Anfängerinnen gelingen dürften. Da ist zunächst ein gehäkeltes Kinderhäubchen (Abb. 59). Obwohl etwas abweichend von der üblichen Form, ist dieses Häubchen doch von besonderem Reiz durch die Zusammenstellung der aus drei verschiedenen Farben gearbeiteten Gabelbörtchen. Diese sind leicht anzufertigen mit Hilfe einer Gabel, die man sich aus starkem Draht selbst biegen kann, falls man keine kaufen will. Für das Börtchen schlingt man eine Luftmasche, zieht die Häkelnadel heraus und legt die Wolle um die eine Zinke der Gabel. Dann holt man die Wolle mit der Nadel, zieht sie durch die Schlinge und häkelt eine feste Masche in die Luftmasche. Hierauf nimmt man die Nadel wieder heraus, wendet die Gabel und legt die Wolle um die andre Zinke, zieht sie wieder durch die Schlinge und macht eine feste Masche in die vorige. So arbeitet man weiter, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Aus leichtem Stoff formt man dann das Köpfchen und zeichnet gleich die Linien für die Figuren auf. Diesen folgend, setzt man die Börtchen, von der Mitte ausgehend, auf; danach faßt man die Schlingen zusammen, je zwei oder mehr, wie es die Form bedingt; aus der Abbildung ist dies deutlich erkennbar. In unsrer Vorlage ist hellgrüne, dunkelgraue und vergißmeinnichtblaue Wolle verwendet. Die ovale Mittelform ist grün, dann kommt das graue Börtchen, das wieder vom blauen umrandet wird, und zwar so, daß sich dann wieder Grün einfügt. Dem äußeren Rand folgt eine blaue Borte, der zum Abschluß graue Schlingen eingehäkelt werden. Zum Zusammenhalten dient statt Band ein 22 Zentimeter langer, aus vier Reihen fester Maschen bestehender grauer Streifen, der in der Mitte mit grünen Fäden durchzogen ist und an einer Seite angeknöpft wird. Zuletzt wird das eigenartige Häubchen mit blauer Seide abgefüttert.

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Abb. 59. Gehäkeltes Kinderhäubchen.

Illustration from Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen: Eine Anleitung für geschickte Mädchenhände zur Anfertigung von Web- und Stickarbeiten, Malereien und allerlei Handfertigkeiten

Abb. 60. Gabelspitze mit Häkelei, einem Batisttaschentuch angearbeitet.

Sehr ansprechend wirkt auch das feine Taschentuch (Abb. 60), das sowohl für ältere Damen als auch für junge Mädchen geeignet ist; es kann aus einem kleinen Batist- oder Leinenrest hergestellt werden, ist praktisch und macht wenig Kosten. Die Verzierung besteht aus einem sauberen Hohlsaum und einer mehr oder weniger breiten Spitze; wir bringen zwei Muster (Abb. 60 und 61), die dafür in Betracht kommen, die aber auch anderweit, für Wäsche, Deckchen, Häubchen, Untertaillen, Kindersachen, verwendet werden können; sie sind ein guter Ersatz für die gewebten Bändchen und leicht nachzuarbeiten. Zu der abgebildeten, reizenden Zackenspitze führt man kleine Stückchen Gabelborte mit 14 Schlingen aus. Dann häkelt man wie folgt: Erste Reihe: 1 feste Masche in die 1. Schlinge der einen Seite, 5 Lftm., 1 f. M. in die nächste Schlinge und so weiter. Wenden. Zweite Reihe: In jede Lftm. 1 f. M., nur in die mittlere zwischen der 7. und 8. f. M. der vorigen Reihe werden 3 f. M. gehäkelt. Wenden. Dritte Reihe: Auf jede f. M. der zweiten Reihe wieder 1 f. M., in die Mitte des Zackens 3 f. M. Stets beide Glieder fassen. Vierte Reihe: 3 Doppelstäbchen, deren obere Glieder miteinander abgeschlungen werden, in je 1 f. M., 5 Lftm. Unten läßt man zwischen den äußersten Stäbchengruppen dreimal je 3 f. M. aus, gegen die Mitte zu stets weniger. Bei der Mitte selbst werden 2 Stäbchengruppen dicht nebeneinander gesetzt. Dann läßt man wieder mehr aus, entgegengesetzt vom Anfang. Fünfte Reihe: 4 f. M., 1 Pikot, 4 f. M. in jeden Lftmbogen, in den der Mitte 4 f. M. und 3 Pikot, 4 f. M. Bei den ersten 2 Pikots werden die Zacken aneinander geschlungen. Nach dem letzten Lftmbogen 3 f. M. in das letzte der drei zunächstliegenden Doppelst., 6 f. M. in die äußerste Schlinge, 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 7-8 f. M. in die äußerste Schl. der inneren Seite, 1 f. M., mit der alle 14 Schl. zusammengefaßt werden, 7-8 f. M. in die nächste innere Schl., 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 6 f. M. in die äußerste Schl., 3 f. M. in das letzte Glied der 3 Doppelst. Als letzte Reihe 1 St., 1 Lftm., unten 1 M. liegen lassen.

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Abb. 61. Gabelspitze mit Häkelei.

Als Ausputz an Wäsche eignet sich sehr das abgebildete, aus zwei Reihen Gabelbörtchen bestehende Spitzchen (Abb. 61). Es ist gar nicht schwer auszuführen. Man macht zweimal die gewünschte Länge; dann verbindet man sie, indem man in je 2 Schl. der einen Borte 1. f. M. häkelt, sodann 2 Lftm. und 1 f. M. in je 2 Schl. der 2. Borte. Den einen Außenrand begrenzt man folgendermaßen: 1 f. M. in 2 Schl., 5 Lftm.; der andre Rand für die Spitze ist: Erste Reihe: 2 durch 3 Lftm. getrennte Stb. in je 2 Schl., dazwischen 5 Lftm. Zweite Reihe: 1 f. M. in den 1. Lftmbogen, 2 Lftm., 3 durch 3 Lftm. getrennte Stb. zwischen die Stb. der vorigen Reihe, 2 Lftm.; von da ab wiederholen.

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Abb. 62. Gabelspitze mit Häkelei.

Dasselbe Spitzchen, nur mit einem Börtchen, ist zur Verzierung des Batisttaschentuchs verwendet. Aus der Abb. 62 ist ersichtlich, wie einerseits der schmale Saum gleichzeitig mit tief eingestochenen f. M. erfaßt wird, anderseits je nach 3 f. M. des Saums 2 Schlingen mit angehäkelt werden. Es fällt also der Außenrand der oben beschriebenen Spitze weg.

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