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Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen

II. Kapitel Malerei

Reading edition

18. Stoffmalerei

In letzter Zeit wird die Stoffmalerei wieder sehr gepflegt; das bedeutet aber noch lange nicht, daß jeder, der ein wenig mit Pinsel und Farben umzugehen versteht, sich nun hinsetzt und nach seiner Meinung wunderschöne Muster auf irgend einen Stoff malt und sich einbildet, daß diese Stoffmalerei nun auch praktisch verwendet, das heißt getragen werden soll. Denn die meisten Stoffmalereien gehören in das Gebiet der Mode. Schals, Halstücher, Taschentücher, Fächer, Hutbänder, Schärpen, Blusenbändchen, Sonnenschirme werden in dieser Technik verziert, es kommen indessen dafür auch Vorhänge, Scheiben- und Schrankgardinen in Betracht. Die gut beherrschte Technik läßt eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit zu, nur müssen Stoff, Farben und Muster geschickt miteinander in Einklang gebracht werden. Sehr beliebt sind bemalte Lampenschirme. Die Stoffmalerei muß unbedingt fach- und sachgemäß beherrscht werden, ehe man von kleineren Versuchen zu größeren Arbeiten übergeht. Es gehört viel Geschmack und Erfahrung dazu, um festzustellen, welche Farben, welche Technik sich für die einzelnen Stoffe eignet, ob das Grundmaterial nicht überhaupt lieber unbemalt bleiben soll oder aber eine andre Technik dafür in Betracht kommt.

Es gibt nur wenige praktische Winke, die sich indessen immer wieder bewähren. Dünne lichtdurchlässige Stoffe, wie Mull, Japonseide, Tüll, feines Leinen, bemalt man am besten mit Wasserfarben, Ausziehtuschen und Beizen. Spiritusbeizen sind dafür ungeeignet, da sie nach dem Auftrocknen hart und glänzend werden. Bei Lampenschirmen, Schals, Scheibengardinen, Sonnenschirmen kommt es darauf an, „durchsichtig“ zu malen, hierzu eignen sich tintenartige Farben am besten. Deckfarben sind mit Vorsicht zu gebrauchen, da sie leicht kreidig wirken und wenig Leuchtkraft besitzen, „durchsichtig“ wirken sie keinesfalls.

Illustration from Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen: Eine Anleitung für geschickte Mädchenhände zur Anfertigung von Web- und Stickarbeiten, Malereien und allerlei Handfertigkeiten

Abb. 63. Schärpen, Hut- und Blusenbänder in Stoffmalerei.

Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.

Auf alle Fälle soll man jede Farbenart vor der Verarbeitung auf dem Stoff, für den die Malerei bestimmt ist, sorgfältig ausprobieren. Es ist dabei zu beobachten, daß manche Farben vom „Liegen“ einen helleren oder dunkleren Ton annehmen. Das Muster muß sehr aufmerksam gewählt werden. Geometrische Figuren verlangen eine sichere Hand und viel Übung. Wenn auch die Mode gegenwärtig eine gewisse Unregelmäßigkeit der Formen bevorzugt, so darf sie doch nicht übertrieben werden, außerdem sieht der Kenner sofort, wo die gewollte oder vielmehr vorgeschriebene unregelmäßige Linie aufhört und die aus Ungeschicklichkeit entstandene falsche Linie anfängt.

Am besten gelingen Stoffmalereien auf lichtem Grund, da hier jede Farbe unverändert bleibt. Das Mischen der Farben muß geübt werden, man kann durch geschicktes Mischen sehr gute Wirkungen hervorbringen. Die gemalte Silhouette auf Seide, Karton oder Papier ist gegenwärtig sehr beliebt, nicht nur in Tiefschwarz, sondern auch in verschiedenen Farben. Sie eignet sich besonders gut zum Schmuck von Tischkarten, Exlibris, Glückwunschkarten und gelingt am besten, wenn man sie in Ausziehtusche ausführt.

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Abb. 64. Bemalte Stoffe.

Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.

Wenn man durchsichtigen Stoff oder dünnes Papier (Pergament) bemalen will, legt man das Muster darunter, spannt die zu bemalende Fläche ganz glatt darüber, befestigt sie mit Reißnägeln und führt die Arbeit recht sorgfältig aus. Ein Reißbrett ist die beste Unterlage, für die Umrisse verwende man die dünnen, spitzen Konturenpinsel, das Arbeitsmaterial muß sachgemäß zusammengestellt werden.

Im allgemeinen soll man die Stoffmalerei recht sparsam anwenden, es dürfen bestimmt nicht verschiedene Stücke in dieser Technik in einem Zimmer zu sehen sein, das würde langweilig wirken; dasselbe gilt von stoffgemaltem Modebeiwerk. Wer einen Fächer oder einen Sonnenschirm in dieser Technik trägt, braucht durchaus nicht einen „dazu passenden“ Schal zu benutzen; die Wirkung würde verloren gehen.

Wir zeigen auf unserem ersten Bilde (Abb. 63) eine Anzahl handbemalter Bänder, entworfen und ausgeführt von Annemarie Irmler; sie eignen sich besonders gut für Hüte, je nach Größe und Breite der Muster kann man sie auch für Schärpen und Blusenbändchen verwenden. Das zweite Bild (Abb. 64) stellt originelle bemalte Stoffe derselben Künstlerin dar, sie sind unter anderem für Vorhänge, Decken, Kissen, Lampenschirme gedacht.

19. Malerei auf Ton

Auf kunstgewerblichem Gebiet hat sich neuerdings eine besondere Vorliebe für Bauernkunst geltend gemacht. Die Bevorzugung einfacher Formen, satter, ungebrochener Farben erstreckt sich auch auf die verschiedenen Zweige der Keramik. So finden wir in vielen Häuslichkeiten, die bisher ausschließlich Sammelplätze für chinesische Vasen, japanische Schalen, irgendwo ausgegrabene Urnen oder altvenezianische Gläser waren, heimische Bauerntöpfereien in den verschiedensten Formen und Farben, die mit Stolz als „alt“ und „echt“ vorgezeigt werden. Diese bunten, irdenen Gefäße, die früher im besten Falle in der ländlichen Küche eine mehr als bescheidene Aschenbrödelrolle spielten, sind urplötzlich „salonfähig“ geworden; einfache Krüge und Teller, die in der Abgeschiedenheit irgend eines Bauernhauses ein still verborgenes, häufig schlechtgekittetes Dasein führten, finden sich im Zimmer einer vornehmen Stadtwohnung wieder.

Unsere farbenfreudigen lieben Leserinnen wollen nun sicherlich wissen, wie man die Tonteller, Töpfe und Schalen selber bemalt, die sich so sehr gut zum Schmuck ihres Stübchens eignen. Ich habe einige dieser Teller, Töpfe und Schalen, auch ein paar Krüge selber zur Probe nach meinen Entwürfen bemalt, weil ich die Technik ganz genau kennenlernen wollte, und erzähle nun, wie es gemacht wird. Vorher möchte ich euch aber warnen, diese Gegenstände der Feuchtigkeit auszusetzen, denn Ton zieht Wasser, und als Blumenbehälter dürft ihr sie ganz bestimmt nicht verwenden. Am besten wirken sie als Wanddekoration, auch als Behälter für Nadeln und andre Kleinigkeiten eignen sie sich recht gut; wenn ihr ein Bordbrett habt, dann sieht es recht lustig aus, wenn ihr eine Reihe bunter Teller eng nebeneinander aufbaut. Die großen Teller kann man für Obst verwenden, für Äpfel, Birnen, Apfelsinen; für feuchtes Obst oder Beeren ist solche Schale kein passender Aufenthalt, all dies klebt leicht an, und die Tonsachen können nicht abgewaschen werden, wenn sie mit Temperafarben bemalt und mit Temperalack überzogen sind. Man könnte sie ja schließlich auch mit Email- oder Ölfarben wasserfest bemalen, aber die kleinen Ornamente würden in diesen Techniken nicht so hübsch wirken, Tempera scheint dafür geeigneter zu sein. Die Blumentöpfe sollen die nicht sehr geschmackvollen Papierhüllen ersetzen, sie müssen immer ein wenig größer als die bepflanzten Töpfe sein, damit ein genügender Zwischenraum für die Luftzufuhr vorhanden ist. Direkt bepflanzt dürfen die bemalten Töpfe niemals werden, denn der Lack schließt die Luft ab, und die Pflanze würde ersticken. Auch als Behälter für Bindfaden, Garn und ähnliches Material kann man diese bemalten Töpfe benutzen; am besten ist es, wenn sie ziemlich hoch aufgestellt werden, damit man die bemalten Wände sieht und nicht den Innenraum.

Als Grundmaterial kommen zunächst die bekannten Tonformen in Betracht, die vor dem Bemalen gründlich mit heißem Sodawasser und einer Wurzelbürste gereinigt werden müssen; sie dürfen erst dann mit den Farben in Berührung gelangen, wenn sie vollständig wieder trocken sind, da im andern Fall auf einen günstigen Erfolg nicht gerechnet werden kann. Zum Malen benutzt man Aquarelldeckfarben, wie Guasch- oder Temperafarben; Ölfarben lassen sich in diesem Fall nicht gut anwenden, da die Motive dafür zu klein sind und leicht klecksig wirken könnten. Über die Ausführung ist nicht viel zu sagen. Man streicht zunächst den Grundton auf; erst wenn dieser völlig aufgetrocknet ist, beginnt man mit dem Aufzeichnen der Ornamente. Kreise werden am besten mit dem Zirkel übertragen, die übrigen Formen zeichnet man mit Holzkohle auf, die, wenn die Arbeit fertig ist, wieder ohne jede Schwierigkeit fortgewischt werden kann. Man spitzt sie recht scharf, um feine Linien zu erzielen. Die Ornamente werden am besten mit einem kleinen Borstenpinsel gemalt, nicht zu naß, eher trocken. Dabei achte man vor allen Dingen darauf, daß die Farben, eine nach der anderen, gut auftrocknen, da sie sonst leicht ineinanderlaufen; der Ton speichert nämlich die Feuchtigkeit ziemlich lange auf. Wer nicht daran gewöhnt ist, mit dem Borstenpinsel zu arbeiten, muß Marderhaarpinsel benutzen, diese werden aber durch den rauhen Ton ziemlich stark angegriffen. Stumpfe Pinsel verwendet man zum Grundieren, spitze zum Konturieren. Die gutgetrockneten, fertigen Arbeiten werden mit Spiritus-, Braselmann- oder Temperalack schnell und sorgfältig überstrichen. Man gebraucht dazu einen weichen, kurzen Pinsel, der unter der Einwirkung des Lackes sehr schnell hart wird. Mit Brennspiritus gewaschen, erhält er jedoch seine frühere Geschmeidigkeit bald wieder.

Blumentopf mit Bauernmalerei
Blumentopf mit Bauernmalerei

Abb. 65. Blumentopf mit Bauernkeramik.

Wir wollen nun in aller Kürze die Farbenzusammenstellungen der einzelnen Abbildungen angeben, da die gute gegenseitige Abstimmung die erste Bedingung zur Erzielung einer geschmackvollen Wirkung ist.

Der erste Topf (Abb. 65) ist tiefkobaltblau angestrichen; die Ovale sowie der ziemlich breite Rand werden grasgrün gemalt. In den Ovalen steht eine weiße Blume mit grüner Mitte, schwarzem Stengel und schwarzen Blättern; sämtliche Punkte werden in Schwefelgelb ausgeführt.

Auf dem nächsten Bild (Abb. 66) sehen wir zwei größere Teller, mit Ornamenten und Blüten verziert. Der linke ist orangegelb grundiert. Den äußersten breiten Rand malt man kobaltblau. Das Ornament darin hält man orangegelb und weiß. Das Mittelstück ist kobaltblau grundiert; sämtliche Punktmuster werden grasgrün gemalt.

Zwei bemalte Teller
Zwei bemalte Teller

Abb. 66. Teller mit Bauernkeramik.

Der rechte Teller wird umbrabraun gestrichen. Die Blumen sind abwechselnd lachsrosa und schwefelgelb, mit orangegelben und grasgrünen Tupfen. Die Blätter werden grasgrün gemalt. Der äußerste Rand des Tellers ist tiefkobaltblau grundiert; sämtliche Punktornamente hält man kobaltblau.

Die folgende Abbildung (Abb. 67) zeigt drei kleine Tonteller, die mit stilisierten Blüten, sowie mit einfachen Ornamenten verziert sind. Auf dem ersten Teller sehen wir ein blütengeschmücktes Mittelstück als hauptsächlichste Verzierung. Der Hintergrund wird schwefelgelb angestrichen, das Mittelstück tiefschwarz. Das Punktmuster am Rande wird teils kobaltblau, teils grasgrün gehalten. Die Blumen malt man lachsrosa mit orangegelber Mitte und umbrabraunen Punktornamenten. Die Stengel und Blätter sind grasgrün gehalten. Das tiefschwarze Mittelstück ist von einem Bandornament in Grasgrün und Dunkelkobaltblau umgeben.

Der zweite Teller ist tiefschwarz grundiert. Die Blüten werden hellkarminrot mit einem Zusatz von ein wenig Weiß gemalt. Sie haben einen orangegelben Blütenboden und sind orangegelb getupft. Die Stengel bestehen aus grasgrünen Punkten, wie auch die Blumen durch einzelne grasgrüne Punkte voneinander getrennt sind. Auf dem Mittelstück des Tellers steht ein Kreis aus schwefelgelben Punkten.

Den dritten Teller streicht man kobaltblau an, der breite Rand wird tiefbraun grundiert. Das Mittelstück wird begrenzt durch ein kleines Punktornament, abwechselnd in Karminlack, hell- und dunkelgrün. Den zweiten äußeren Rand bildet ein Punktmuster in Tiefschwarz. Das nächste Punktornament wird abwechselnd weiß und orange gemalt. Am äußersten Rand steht ein Tupfenmuster in Grasgrün und Weiß.

Der nächste Topf (Abb. 68) ist schneeweiß grundiert. Die Trauben werden rotbraun gemalt, die großen, sehr stilisierten Blätter tiefgrün, die Strich- und Punktornamente kobaltblau.

Drei bemalte Teller
Drei bemalte Teller

Abb. 67. Teller mit Bauernkeramik.

Auf dem letzten, tiefkobaltblau grundierten Blumentopf (Abb. 69) stehen rotbraune Blumen mit grasgrüner Mitte und grasgrüne Blätterornamente mit ebensolchen punktierten Stengeln. Das Ornament auf dem oberen Rand wird in Schwefelgelb ausgeführt.

Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß die natürlichen Farben der einzelnen Teller bei der photographischen Aufnahme vielfach ganz anders gekommen sind, als sie auf unser Auge wirken. Blau erscheint in der Reproduktion fast hell, während manches leuchtende Gelb tiefdunkel wird. Auf diese Weise ist es erklärlich, daß unsre Farbenangabe von dem Aussehen der Bilder mehrfach abzuweichen scheint. Den Besitzerinnen eines photographischen Apparates sind solche Farbenumkehrungen längst wohlbekannt.

Zwei Blumentöpfe mit Bauernmalerei
Zwei Blumentöpfe mit Bauernmalerei

Abb. 68 u. 69. Blumentöpfe.

Wir fügen ein Gruppenbild (Abb. 70) hinzu, auf dem sowohl Tonkrüge und Teller als auch Holzspankörbchen und ein Schlüsselbrett zu sehen sind. Der erste Krug ist gelb grundiert, die Ornamente sind feuerrot, schwarz und giftgrün gehalten, der andere Krug ist kobaltblau mit schwarzen Schlangenlinien, orangegelben, weißen und karminroten Tupfen. Der große Teller ist feuerrot mit Schwarz, Schwefelgelb, Kobaltblau hell und Orangegelb. Der erste der kleineren Teller ist in zwei Farben grundiert, in Grasgrün und Kobaltblau. Die Zierlinien sind orangegelb, die Tupfen und Kreise schwefelgelb, karmin- und feuerrot. Der nächste Teller hat schwarze, orangegelbe, schwefelgelbe, karminrote Muster auf giftgrünem Grund. Der vierte Teller ist kornblumenblau angestrichen, die Ornamente werden ziegelrot, giftgrün, weiß und schwefelgelb gemalt. Der letzte Teller in der Reihe ist pfauenblau gehalten, die Ornamente sind karminrosa, weiß, orangegelb und giftgrün. — Das längliche Spankörbchen ist rehbraun grundiert, die Muster sind schwarz, karminrot und schwefelgelb gemalt. Zum Schluß wird eine flotte rot- oder grasgrünseidene Schleife am Bügel befestigt. Das runde Körbchen ist giftgrün mit schwarzen und kobaltblauen Ornamenten. Das Schlüsselbrett ist mit lila Holz-Spiritusbeize angestrichen, darauf stehen die stilisierten Blüten und Kränzchen, die Schlangenlinien, Blätter und Tupfen in Zinnoberrot, Karminrot, Weiß, Grasgrün, Schwefelgelb, Kobaltblau hell und dunkel und Orangegelb. Zum Schluß wird ein seidenes, farbiges Band zum Aufhängen mit einem Ziernagel an beiden Seiten befestigt und ein paar Messinghaken für die Schlüssel eingeschlagen.

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Abb. 70. Bemalte Tonkrüge, Teller, Holzspankörbchen und Schlüsselbrett.

Entwurf von Else Levin.

20. Holzmalerei

Was ich euch auf diesen Bildern zeige, das ist Holzmalerei, eine Technik, die ihr gewiß alle kennt. Auf dem Lande, in waldreichen Gegenden, zum Beispiel in Schlesien, in Thüringen, meist im Gebirge, gehört diese Holzarbeit zu den Heimarbeiten, von denen ganze Familien im Winter, wenn es keine andre Beschäftigung gibt, leben. Selbst ganz alte Leute und kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, müssen dabei helfen, und es kommt, da der Absatz im Vergleich zu dem Angebot sehr klein ist, eine schlecht bezahlte Industrie zustande, deren Erzeugnisse meist auf Märkten, in Basaren, in Warenhäusern, in den Verkaufsständen der Badeorte verkauft werden. Die Muster vererben sich in den einzelnen Ortschaften seit undenklichen Zeiten von den ältesten Leuten auf die Kinder und Kindeskinder, in manchen Familien werden bestimmte Farben immer wiederholt; das ist erklärlich, da es sich meist um Massenartikel handelt, die in größeren Mengen möglichst schnell an den Aufkäufer geliefert werden müssen. So kommt es schließlich dahin, daß die Spanschachteln und Körbe — dies sind die hauptsächlichsten Erzeugnisse — nach einer gewissen Schablone behandelt werden. So werdet ihr bestimmte Muster, Rosen, Tulpen, Vögel, Herzen und so weiter immer wieder antreffen, vielleicht ein wenig verändert in Größe und Farbe, aber im Grunde sehr gleich, der Tradition der einzelnen Bauernkünstler entsprechend. Es gibt, wie überall, auch hierbei Ausnahmen, aber im allgemeinen ist es so, daß die älteren Familienmitglieder die Hauptmotive malen, die Jungen und Mädel den Rand und die einzelnen Kleinigkeiten, Striche und Punkte pinseln und die fertigen Arbeiten firnissen. Zu den verschiedenen Hilfeleistungen, die dabei notwendig sind, werden dann die Kleinsten hinzugezogen.

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Abb. 71. Eierbecher aus Holz und bemalte Hühnereier.

In den letzten Jahren hat das Interesse für die praktischen Holzarbeiten mit ihrer lustigen Bemalung bedeutend zugenommen, man kann es wohl der gesamten Richtung zuschreiben, die von den Siedlungen, den Einfamilienhäusern mit dem ländlichen Zuschnitt ausgeht. Die einfachen Möbel erfordern einen angemessenen Raumschmuck, die farbig gehaltenen Truhen, die Korbarbeiten und Spansachen eignen sich ganz besonders dafür. In jedem Haushalt gibt es schließlich einen Platz für die einzelnen Kleinigkeiten, besonders da sie durchaus praktisch verwendbar sind. Aus diesem Grunde zeige ich euch einige Modelle (Abb. 71 bis 74), die ich aus der Erinnerung an früher gesehene Holzmalereien selber entworfen und ausgeführt habe; sie sind ein wenig „städtisch frisiert“ und durchweg sehr einfach in der Technik. Besonders nützlich erweisen sich die Schachteln und Körbe in den verschiedenen Größen als Behälter für Obst, das für Geschenkzwecke hübsch untergebracht werden soll. Auch selbstgebackene kleine Kuchen, zum Beispiel Zuckerplätzchen, Pfeffer- und Mürbekuchen, Marzipan und Konfekt sehen, wenn es sich um geringere Mengen handelt, sehr appetitlich aus, wenn sie zu festlichen Gelegenheiten in selbstbemalten Spankörben oder -schachteln (Abb. 74) versandt werden. Später, wenn von dem süßen Inhalt nichts mehr vorhanden ist, treten sie ihren Dienst im Haushalt an. Als Löffel- oder Schlüsselkörbchen, als Knopfschachteln, als Behälter für Näh- und Stopfsachen sind sie sehr handlich, das hölzerne Osterei wird ein nützliches Stopfei, und schließlich finden sich in jeder Häuslichkeit Kleinigkeiten, die eine feste Unterkunft brauchen können. Indessen paßt die lustige Holzmalerei auch für andre Gegenstände, zum Beispiel für Kalenderrückwände, für Schlüsselbretter, die ohne viel Mühe und Kosten aus Zigarrenkistenholz selber hergestellt werden können. So kann man auch praktische Bindfadenbehälter aus Holzschachteln anfertigen, und schließlich kommt man selber auf alle möglichen neuen Gedanken, umso eher, als die Technik sehr anregend ist und sich sehr schnell erlernen läßt.

In dieses Kapitel gehören auch die einfachen Schablonen, die man selber schneiden kann, um größere Gegenstände, zum Beispiel Truhen und Kästen zu verzieren. Wir kennen sie alle, denn die zünftigen Maler benutzen sie im allgemeinen zum Ausschmücken der Küchenmöbel, eine Arbeit, die ihr sicher schon oft beobachtet habt. Was die Holzmalerei anbelangt, so ist es am besten, mit einfachen Mustern zu beginnen und nach und nach schwerere Motive zu verwenden, dies gilt auch für die Schablonen.

Abb. 72. Spandose mit Temperamalerei. Abb. 73. Untersetzer aus Holz.

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Außer dem Grundmaterial sind zunächst gute Farben nötig. Man verwendet Tempera- oder Guaschfarben, am besten in Tubenform, die sowohl in großen als auch in kleinen Versuchstuben in den Kunstgewerbehandlungen und Drogerien erhältlich sind.

Zum Malen benutzt man verschiedene Pinsel. Als Grundierpinsel sind stumpfe, runde oder flache Borstenpinsel zu empfehlen, deren Größe und Stärke sich nach dem Umfang des zu streichenden Hintergrundes richtet. Grundierpinsel sind in den verschiedenen passenden Größen zu beschaffen und in den einschlägigen Kunstmaterial- und Drogengeschäften erhältlich. Dasselbe gilt von den Malpinseln; Borstenpinsel sind für diese Zwecke am geeignetsten. Zum Flächenausmalen benutzt man spitze Borstenpinsel, zum Schablonieren verwendet man stumpfe, runde Borstenpinsel, Konturen sind mit spitzen Borstenpinseln zu malen. Handelt es sich um kleine Gegenstände, für die nicht viel Farbe nötig ist, so kommen auch Haarpinsel in Betracht, besonders zum Konturieren. Borstenpinsel werden in ganz feinen Nummern nicht geführt, dagegen gibt es Haarpinsel mit ganz dünnen Spitzen, sehr dünnhaarig, mit Nummer 1 beginnend. Ganz besonders feinhaarige Pinsel, zum Beispiel Marderhaarpinsel, die als Aquarellpinsel bekannt sind, eignen sich zum Malen mit Tempera- oder Guaschfarben nicht. Sie würden durch die rauhe Farbe sehr strapaziert werden und bald abbrechen; man verzichtet daher auf dieses Material.

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Abb. 74. Holzmalerei: Körbchen.

Pauspapier: Für dunklen Grund verwendet man helles, rotes, gelbes oder weißes Ölpauspapier, für hellen Hintergrund benutzt man schwarzes oder rotes Ölpauspapier, auch schwarzes Graphit- und blaues Pauspapier kommt in Betracht. Für kleine Gegenstände genügt Schreibmaschinenpaus- oder Durchschlagpapier, das für hellen Grund zu verwerten ist.

Lack: Die fertige Arbeit wird mit Spirituslack überzogen, um die Farben haltbarer zu machen und ihre Leuchtkraft zu erhöhen. Man verwendet Temperalack, der sowohl offen in Drogengeschäften, als auch geschlossen in Flaschen in den Kunstmaterialienhandlungen und Drogerien zu kaufen ist. Ölfarbenfirnis ist für diese Zwecke nicht zu benutzen, dagegen kann man, wenn feiner Spiritus oder Spiritus vini und Schellack zur Verfügung steht, selber Lack herstellen, der sich billiger als der gekaufte Lack stellt. Statt des teuren feinen Spiritus kann auch im Notfall Brennspiritus benutzt werden, wenn er nicht gar zu schlecht ist. Man füllt eine gut gereinigte, helle Medizinflasche mit Spiritus, schüttet Schellack hinein, daß ein Fünftel der Flasche knapp bedeckt ist und läßt sie fest verkorkt stehen, bis sich der Schellack aufgelöst hat. Dabei ist zu beachten, daß die Flasche nicht nur peinlich sauber, sondern auch vollständig trocken sein muß, da die geringste Spur von Wasser den Lack trüben und unbrauchbar machen würde. Aus diesem Grunde dürfen Lackierpinsel niemals mit Wasser in Berührung kommen, man kann sie nur mit Spiritus reinigen.

Schablonen: Schablonen für einfache Borten sind in den Drogenhandlungen und Materialgeschäften fertig käuflich. In den meisten Fällen wird man es vorziehen, selber Schablonen nach eigenen Entwürfen anzufertigen. Zum Schneiden der Schablonen verwendet man Schablonen- oder Ölpapier, in einschlägigen Geschäften erhältlich. Das Schablonenpapier wird in beliebigen Mengen verkauft, auch zentimeterweise. Zuerst wird das Muster aufgepaust und dann auf einer Glas- oder Porzellanunterlage mit einem spitzen Messer ausgeschnitten.

Malnäpfe und Palette: Malnäpfe aus Porzellan sind in den verschiedensten Größen in den einschlägigen Geschäften erhältlich und können durch Eierbecher oder Untertassen ersetzt werden, da die Tempera- und Guaschfarben sich restlos abwaschen lassen. Das Wasser, das zum Anrühren der Farben benutzt wird, wird in Gläsern und Tassen zur Verfügung gehalten, die dafür im Handel befindlichen Glasbehälter würden die Arbeit unnütz verteuern und kommen für euch kaum in Betracht. Zum Farbenmischen wird eine Porzellanpalette einer Blechpalette vorgezogen, da letztere im Gebrauch mit Wasserfarben leicht rostet und dann eine Behandlung mit Salzsäure durchmachen muß, um wieder gebrauchsfähig zu werden. Holzpaletten sind dafür unverwendbar, doch können flache Porzellanteller benutzt werden.

Mallappen aus alten Servietten, Handtüchern und so weiter halte man in größeren Mengen zur Verfügung; dicke weiche Stoffe sind für derartige Zwecke am brauchbarsten.

Die Technik: Die einfachen Muster sind meist der Pflanzen- und Tierwelt entnommen und werden in passender Größe auf den zu bemalenden Gegenstand übertragen. Zunächst wird die Farbe des Hintergrundes angerührt. Tempera- und Guaschfarben trocknen immer einen Schein heller auf, was bei der Farbenskizze, die auf Papier stets gemacht werden sollte, zu berücksichtigen ist. Man rührt die Farben sehr dickflüssig an, da sie sonst nicht decken und streifig auftrocknen. Es empfiehlt sich auf alle Fälle, lieber ein wenig mehr Farbe als zu wenig anzurühren, da selbst sehr geübte Malerinnen den ersten Ton kaum wieder treffen. Darum sollt ihr nur mit ungebrochenen Tönen arbeiten, dadurch wird viel Mühe und Farbe gespart, ohne die gute Wirkung der Arbeit zu beeinträchtigen. Schwarz, Weiß, Ziegel-, Zinnober-, Feuer-, Mohn-, Karminrot, Kornblumenblau, Kobalt hell und dunkel, Delfterblau, Gras-, Smaragd-, Giftgrün, Apfelsinen-, Orange-, Schwefel- und Zitronengelb wird am liebsten für solche Malerei verwendet. Ein kräftiges Violett wirkt, nicht zu oft benutzt, recht gut, Braun, Grau oder ähnliche Halbtöne sind am besten zu vermeiden.

Ist der Hintergrund vollständig aufgetrocknet, so wird das Muster leicht aufgepaust; man paust mit einem spitzen, harten Bleistift über Pauspapier. Dann malt man, indem die größten Flächen zuerst aufgesetzt werden und nach und nach die kleineren Ornamente an die Reihe kommen. So malt man bei einer Blume erst die Blütenblätter, dann den Kelch und schließlich die Staubfäden. Da die Ornamente fast immer stark vereinfacht sind, und es sich auch meist um Flächenmalerei handelt, ist die Technik sehr einfach und sollte daher von euch recht oft geübt werden. Etwas mühseliger als das Ausmalen ist das Konturieren, das mit sicherer Hand ausgeführt werden muß, um die gute Wirkung der Arbeit nicht zu zerstören. Ein „Ausbessern“ mit Farbe ist niemals empfehlenswert, daher soll man die Arbeit vor Wassertropfen beim Malen schützen, da Wasserflecke sehr auffallen und von euch kaum zu beseitigen sein dürften. Man mache einen Versuch, die Fleckenränder mit einem feuchten, farbenfreien Pinsel zu bestreichen, dadurch erreicht man ein Verblassen der Flecke.

Ehe die Arbeiten lackiert werden, müssen sie sehr gut trocknen, da sonst der Lack verdirbt; man mache niemals den Versuch, lackierte Gegenstände am offenen Feuer zu trocknen, der Lack würde abspringen und die Malerei mitreißen. In der Sonne kann man derartige Arbeiten unbedenklich trocknen, auch die lauwarme Herdplatte ist für diese Zwecke ausnahmsweise zu empfehlen. Man muß die Gegenstände stets zum Trocknen aufstellen, damit sich der Lack nicht stellenweise verdickt. Beim Lackieren achte man darauf, daß der Lack strichweise, von oben nach unten, von links nach rechts, ein Streifen in den andern verlaufend, wie die Farbe beim Grundieren, aufgetragen wird. Nur auf diese Weise ist eine gleichmäßige, glatte Lackfläche zu erzielen. Sollen die Arbeiten verschickt werden, so achte man darauf, daß sie bestimmt völlig trocken sind, da sonst die Verpackung ankleben und die Malerei verderben würde.

21. Porzellanmalerei

Während in früheren Jahren immer wieder die alten, oft außerordentlich geschmackvollen Muster für Porzellanmalerei verwendet wurden, hat man sich in letzter Zeit von der Überlieferung freigemacht und mit Erfolg versucht, neue Muster zu ersinnen, die natürlich nur dann gut wirken können, wenn auch die Form der Porzellanerzeugnisse modern ist. Es wäre ja geradezu widersinnig, etwa eine Schale in Rokokoform mit Mustern von heute zu bemalen, und es wäre ebenso stilwidrig, wenn man für eine moderne Schirmkrücke ein Empiremuster benutzen wollte.

Die Handmalerei ist ein sehr beliebtes kunstgewerbliches Gebiet, das leider nur allzuviel von „Dilettanten“ mißbraucht wird. Es gibt deren immer noch viel zu viel, die, ohne mit den einfachsten Kenntnissen der Technik vertraut zu sein, sich an die schwierigsten Aufgaben heranwagen und den gesamten Freundeskreis immer wieder mit mißlungenen Erzeugnissen ihres Fleißes überraschen. Die Porzellanmalerei muß wie jede andre Technik auch richtig erlernt werden.

Das kalte Weiß des harten Stoffes verlangt einen stark ausgeprägten Farbensinn. Es ist nicht gerade leicht, die Form der Stücke mit den Mustern und Farbtönen in ein richtiges Verhältnis zu bringen, es ist sogar oft recht schwierig zu entscheiden, ob Füll- oder Einzelornamente, geometrische Formen oder Blumenmuster besser zur Anwendung gelangen. Die Arbeiten von Emmy Seyfried, die unsere Abb. 75 bis 77 zeigen, mögen in diesem Sinne als Anregung dienen. Sie geben ein gutes Beispiel, in welcher Art moderne Porzellanerzeugnisse bemalt werden sollen. Wer sich also mit dieser Art Malerei ernsthaft beschäftigen und nicht nur einen müßigen Zeitvertreib daraus machen will, wird sicherlich mit Interesse einige Ratschläge aufnehmen, die sich in jahrelanger Übung immer wieder bewährt haben und fleißige Anfängerinnen vor unnötigen Mißerfolgen schützen werden.

Die Gefäße, die man bemalen will, müssen zunächst mit warmem Wasser gereinigt werden, damit die kleinsten Staubspuren verschwinden. Mit kaltem Wasser soll das Porzellan vor dem Bemalen möglichst gar nicht in Berührung kommen. Ebenso wichtig wie gute Farben ist gutes Dicköl, ohne das überhaupt nicht auf Porzellan gemalt werden kann. Je nach der Größe des Stückes werden ein bis zwei Tropfen Dicköl mit einem reinen Leinenläppchen so lange auf der zu bemalenden Fläche verrieben, bis es von den Poren des Porzellans aufgesogen ist, also die Fläche nicht mehr ölig wirkt. Leinwand eignet sich dafür am besten, weil sie keine Fasern hinterläßt. Der Gegenstand muß nun über Nacht stehen bleiben und ist dabei vor Kälte und Staub zu schützen.

Drei verschiedene bemalte Tassen
Drei verschiedene bemalte Tassen

Abb. 75. Tassen in Porzellanmalerei von Emmy Seyfried, München.

Auf flache Stücke wird jetzt das Muster mit Bleistift aufgezeichnet, Pausen befestigt man mit Wachs. Dies gilt besonders für gerundete Formen, also für Tassen, Dosen, Tellerwände, Krüge, Obstschalen, Deckel und dergleichen. Der Bleistift muß hart und scharf gespitzt sein, damit die Umrißlinien dünn und fein ausfallen; breite, weiche Striche stören sehr erheblich. Je besser das Öl eingezogen ist, desto besser gelingt die Arbeit des Musteraufzeichnens, eine klebrige, fette Fläche erschwert es sehr. Will man verschiedene Stücke, zum Beispiel eine ganze Garnitur, bemalen, so ist es ratsam, alle Teile zusammen vorzubereiten, sowohl was das Reinigen und Einölen als auch das Aufzeichnen anlangt. Man spart dadurch Zeit und Farben.

Die Pinsel sind stets sehr sauber zu halten. Jede Anfängerin muß darüber sich klar sein, daß sie für andre Malereien nicht mehr in Frage kommen. Ferner gehören zum Porzellanmalen außer dem Dicköl noch Nelken- und Terpentinöl, die man zum Verdünnen der Farben benutzt. Man rührt diese an, indem man eine volle Messerspitze Farbe zusammen mit je einem Tropfen Dicköl, einem Tropfen Nelkenöl und zwei Tropfen Terpentinöl mischt. Ist die Farbe noch zu dick, so wird zu gleichen Teilen Terpentin- und Nelkenöl beigefügt, denn Dicköl würde sie noch mehr verdicken. Auf alle Fälle soll man aber sparsam mit den Ölen umgehen, da zuviel Fettigkeit die Arbeit erschwert.

Man malt wie bei der Aquarelltechnik, legt also sehr leicht an, beginnt mit den hellsten Tönen und spart weiße Stellen aus, so daß der Ton des Porzellans stehen bleibt. Will man Schattentöne einsetzen, so muß die bemalte Stelle zuerst über einer Spiritus- oder Petroleumlampe abgebrannt werden. Dann läßt man sie erkalten; bleibt sie warm, so verlaufen die Farben; diese dürfen auch niemals zu dunkel aufgesetzt werden, da sie nach dem Brennen zu hart und wenig vornehm wirken würden. Ränder auf runden Gegenständen, auf Tellern, Schalen, Dosen und dergleichen, werden am besten auf der Ränderscheibe gezogen; es ist nicht ratsam, sie freihändig zu ziehen, da sie weder glatt noch sauber ausfallen würden. Umrißlinien zieht man mit der Feder und recht dünner Farbe nach, feine Linien und Striche müssen sehr sorgfältig aufgesetzt werden. Man muß überhaupt sehr aufmerksam malen, um keine Fehler zu begehen, denn das Ausbessern ist recht mühselig; verunglückte Muster soll man lieber fortwischen und mit dem Einölen, Trocknen, Aufzeichnen und Malen von neuem beginnen. Anfänger sollten auch am besten zweimal brennen; die fortgebrannten Töne werden nochmals übermalt, andernfalls dürfte kaum der richtige Ton zu erzielen sein.

Die fertigen Arbeiten übergibt man einem einschlägigen Geschäft zum Brennen, damit die Malereien fest und wasserdicht werden. Selbst bei größter Eile dürfen sie aber erst dann zum Brennen gebracht werden, wenn die Malerei vollkommen trocken geworden ist. Die Verpackung muß sehr sorgfältig geschehen. Als erste Hülle verwendet man Seidenpapier; als zweite empfiehlt es sich, Watte oder Pflanzendaunen zu verwenden. Dann folgen weiche Papiere und Holzwolle. Harte Bogen, Pappe, Sägespäne und ähnliche Verpackungen kommen nicht in Frage.

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Abb. 76. Potpourridose. Entwurf und Ausführung von Emmy Seyfried, München.

Die erste fertige, das heißt gebrannte Arbeit dürfte kaum den Erwartungen entsprechen, denn die meisten Farben werden nach dem Brand recht verblaßt wirken. Purpurrot und Veilchenblau sind die einzigen Töne, die dem Brand gut standhalten. Alle Anfänger machen dieselben Fehler und erleben daher auch die gleichen Enttäuschungen. Aber bald lernt man aus den Mißerfolgen die richtigen Lehren zu ziehen, denn wie auf allen Gebieten der Kunst, muß man auch bei der Porzellanmalerei das rein Handwerkliche nach und nach richtig erlernen. So werden sich ganz von selbst allerlei Erfahrungen einstellen; man wird bald merken, daß das Abbrennen über der Lampe das Ineinanderfließen der Farben verhindert, daß man aus diesem Grunde alle nebeneinander zu setzenden Töne nacheinander abbrennen muß, ehe man weiter malen kann, und daß im Gegensatz dazu alle Töne, die ineinanderlaufen sollen, naß nebeneinander aufzutragen sind.

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Abb. 77. Schreibgerät von Emmy Seyfried, München.

Als Erstlingsarbeit empfiehlt es sich, einen Teller zu bemalen, der als Versuchsgegenstand mit verschiedenen Farben in recht vielen Tönen und Schattierungen bedeckt wird; zugleich kann man sich dabei in Umrißlinien, in kleinen und größeren Musterteilen üben. Solch einen Probeteller teilt man sternförmig ein und schreibt die aufgetragenen Farben sorgsam auf. Ist der Teller dann gebrannt, so erweist er sich als Farbenmesser außerordentlich nützlich. Überhaupt ist es nicht nur für Anfänger sehr ratsam, sich stets Vermerke über die Wirkungen neuer Farben und Mischungen vor und nach dem Brennen zu machen. So wird man am besten alle Schwierigkeiten überwinden, allerhand Erfahrungen sammeln und Fortschritte machen. Will man bemalte Arbeiten verschenken, so wähle man besonders dann, wenn es sich um Anfängerarbeiten handelt, recht leichte Muster und kleine Stücke; diese müssen aber sehr sorgfältig ausgeführt werden, denn bei schwierigen Mustern liegt die Möglichkeit des Mißlingens sehr nahe, und verunglückte Arbeiten eignen sich, wie ihr einsehen werdet, kaum zum Verschenken.

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Abb. 78. Porzellananhänger mit Malerei. Aus den Porzellan-Werkstätten Ph. Rosenthal, Selb in Bayern.

Zu den einfachen Kleidern, Blusen und Jumpern trägt man vielfach Porzellananhänger mit Malerei, die, besonders wenn es sich um Handmalerei handelt, sehr flott und geschmackvoll wirken. Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 78) eine Anzahl solcher hübscher Anhänger, alle verschieden geformt, alle verschieden bemalt. Moderne Blumenmuster, sehr farbig gehalten; sie passen sowohl für leichte Sommer- als auch für schwere Winterkleidung und sind durchaus kleidsam, weil sie jugendlich und anspruchslos wirken. An einem schwarzen oder farbigen Seidenband getragen, kommen die feinen Motive auf der weißen Porzellanfläche am besten zur Geltung. Die reizvollen Entwürfe stammen aus den Werkstätten von Kurt Severin, sie sind in der Porzellan-Manufaktur von Ph. Rosenthal, Selb in Bayern, ausgeführt worden.

22. Malerei mit Emailfarben

Emailfarben sind in Blechdosen in den einschlägigen Geschäften erhältlich, sie decken wie Ölfarben, werden wie diese mit Terpentinöl verdünnt und mit einem Borstenpinsel auf den Grund aufgetragen. Am besten wirken einfache geometrische Muster in dieser Technik. Wir zeigen auf unserm Bilde ein Tablett (Abb. 79) aus Metall, das durch langen Gebrauch sehr unansehnlich geworden, mit Emailfarben aufgefrischt und wieder gebrauchsfähig wurde. Für solche Zwecke sind diese Farben ganz besonders zu empfehlen; sie sind haltbar, vertragen Wasser und passen für Gebrauchsgegenstände, die gereinigt werden müssen. Tablett, Untersetzer, Blumenkübel, Blumenkästen kann man mit dieser Malerei verzieren, auch Glasgegenstände, zum Beispiel Teller, Gläser, Flaschen, am besten mit Punktmustern, wie wir sie auf unserm Muster zeigen. Die Innenfläche des Tabletts ist briefkastenblau angestrichen, der Rand weiß. In der Mitte steht ein großer schwarzer Punkt, um diesen gruppieren sich neun orangefarbene Punkte. Dann folgt ein Kreis von kleinen Punkten in Grasgrün, der nächste Kreis ist schwefelgelb, der letzte kirschrot gehalten. Innenwand und Innenfläche sind durch zwei Punktreihen in Mohnrot und Orangegelb miteinander verbunden, der äußere Rand des Tabletts zeigt ein Ornament in Kirschrot, das aus Punkten und kleinen geraden Strichen besteht.

In dieser einfachen Art kann man Gläser, Flaschen und Glasteller verzieren. Es genügt, am oberen Rand ein paar Reihen bunter Punkte in verschiedenen Größen anzubringen, wie wir es auf dem Tablett sehen; in den einschlägigen Geschäften sind Glasschalen in verschiedenen Größen erhältlich, die mit Strickdeckchen bezogen wurden, als dies modern war. Solch glatte Glasschälchen sind für die Emailmalerei sehr geeignet, man verwendet sie als Konfektteller, sie eignen sich indessen auch für den Toilettentisch als Nadelbehälter. Auch Glasflaschen kann man mit Emailfarben bemalen, es gibt Likörflaschen, die sehr hübsch geformt sind, auch Toilettewasserflaschen haben häufig geschmackvolle Formen; solche Flaschen sind zum Bemalen zu empfehlen, es kommt aber nicht darauf an, daß sie gar zu bunt gehalten werden, es ist besser, mit Mustern und Farben zu sparen; das gilt auch vom Bemalen der kleinen Parfümflaschen, die oft so gut geformt und leicht geschliffen sind, daß es sich lohnt, sie zu bemalen und neu zu füllen.

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Abb. 79. Tablett in Emailfarben.

Zum Aufzeichnen der Muster auf Glas kann man Wachs-Signierkreide Nummer 770 und 772 verwenden; andernfalls genügen Tusche oder Tinten, die von der Emailfarbe bedeckt, schließlich nicht mehr zu sehen sind. Glasteller und Schalen werden auf der linken Seite bemalt, dafür wäre unser Muster auf dem Tablett ebenfalls geeignet. Es kommen ausschließlich Strich- und Punktmuster für Malerei mit Emailfarben in Betracht, die man nicht nur für Glas und Metall, sondern in der beschriebenen Weise auch für Holz und Porzellan verwenden kann.

23. Osterkarten mit Malerei

Ostern wird gern im Familienkreise gefeiert, und ein paar farbige Tischkarten mit österlichen Motiven in der Art unserer Vorlagen tragen viel dazu bei, die Festfreude zu erhöhen, die vom Schmuck der Tafel stark beeinflußt wird. Für Kartengrüße eignen sich unsre Vorlagen (Abb. 80 und 82 sind auf die Hälfte verkleinert, Abb. 81 ist Originalgröße) ebenfalls, sie können auch von weniger geübten Händen ohne viel Mühe hergestellt werden.

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Abb. 80. Eiförmige Oster-Tischkarte.

Als Grundmaterial verwendet man weißes, nicht zu starkes Kartonpapier; man malt am besten mit Aquarellfarben oder Ausziehtuschen; Ausziehtuschen lassen sich wie andre Farben mischen, indessen malt man in diesem Fall am besten mit klaren, unvermischten Tönen. Die Muster werden mit Schreibmaschinen- oder Pauspapier und einem scharf gespitzten, sehr harten Bleistift auf den Grund übertragen; man malt mit einem spitzen Marderhaarpinsel und zieht die Konturen mit einer Zeichenfeder nach. Eine neue Börsenfeder genügt ebenfalls. Wer sehr geübt ist, kann mit einem Konturenpinsel die Umrisse zeichnen.

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Abb. 81 Osterkarte: Hühnchen.

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Abb. 82. Osterkarte: Krähender Hahn im Kranz aus Blumen und Eiern.

Die eiförmige Karte (Abb. 80) ist mit einer Girlande in Biedermeierart verziert. Da sind allerlei altmodische Blumen, Veilchen, Studentenblumen, Tulpen und andre sehr farbige Blüten, die recht bunt zueinander abgestimmt werden. Briefkastenblau, Feuerrot, Rosa, Karminrot, Lila, Schwefelgelb, Orangegelb sind die Hauptfarben; die Blütenböden werden in abstechenden Farben gehalten. Die Blätter und Stiele sind gift- und grasgrün, ebenso die Blütenkelche; die Blattrippen zeichnet man schwarz wie die Konturen.

Die Hühnchenkarte (Abb. 81) zeigt ein Küken in einem Kranz, der aus bunten Ostereiern und Blumen besteht. Das Hühnchen ist hellgelb, mit feuerrotem Schnabel und Kamm, die Augen und Füße sind braun, die Krallen grün. Der Kranz ist sehr bunt, rot, blau, grün, gelb in verschiedenen Tönen.

Der Hahn, der den Ostergruß kräht (Abb. 82), steht ebenfalls in einem Kranz aus bunten Eiern, Blumen und Blättern; der Hahn ist tiefschwarz mit hellbraunen Füßen, die Schuppen sind mit schwarzen Strichen angegeben. Der Schnabel ist gelb, ebenso die Augen mit schwarzem Mittelpunkt, Kamm und Bartlappen sind feuerrot.

Die Ostereikarte und die Hahnkarte passen am besten für die Speisenfolge, die Kükenkarte eignet sich mehr zur Tischkarte, alle drei Muster können als Osterkarten verwendet werden.

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