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Geschichte der Englischen Sprache und Literatur

Dritte Periode. (continued 2)

Reading edition

Mandeville. Der älteste englische prosaiker ist Sir John Mandeville, geboren zu St. Albans im jahre 1300. Nachdem er eine gute erziehung erhalten, machte er in den jahren 1322 bis 1356 viele reisen im Orient und beschrieb sie nach seiner rückkehr. Sein tod soll in Lüttich um das jahr 1371 erfolgt sein. Seine reiseabenteuer enthalten neben authentischem, was er selbst sah und erlebte, viele fabeln und wundergeschichten des mittelalters. Das buch ist oft gedruckt worden, am besten 1725 zu London in 8., welcher druck der neuesten ausgabe von J. O. Halliwell mit einleitung, anmerkungen und glossarium, 8. London, 1839, zu grunde gelegt worden ist. In der vorrede zu seinem werke zählt Mandeville die von ihm unternommenen reisen und besuchten länder im Orient auf und giebt an, dass sein buch hauptsächlich für diejenigen geschrieben sei, welche die heilige stadt Jerusalem und die heiligen örter in dessen nähe besuchen wollten. Schliesslich erwähnt Mandeville, dass er sein buch zuerst in Latein geschrieben, es darauf in das Französische und aus dieser sprache wiederum in die englische sprache übersetzt habe, „that every man of my nacioun may undirstonde it.“ Von den vielen handschriftlichen exemplaren von Mandeville’s „Voiage and Travaille“ stammen einige noch aus dem vierzehnten jahrhundert. Es folgt eine probe seiner sprache:

202And ȝee schull undirstonde that whan men comen to Jerusalem her first pilgrymage is to the chirche of the Holy Sepulcr wher oure Lord was buryed, that is withoute the cytee on the north syde. But it is now enclosed in with the ton wall. And there is a full fair chirche all rownd, and open above, and couered with leed. And on the west syde is a fair tour and an high for belles strongly made. And in the myddes of the chirche is a tabernacle as it wer a lytyll hows, made with a low lityll dore; and that tabernacle is made in maner of a half a compas right curiousely and richely made of gold and azure and othere riche coloures, full nobelyche made. And in the ryght side of that tabernacle is the sepulcre of our Lord. And the tabernacle is VIII. fote long and V. fote wyde, and XI. fote in heghte. And it is not longe sithe the sepulcre was all open, that men myghte kisse it and touche it. But for pilgrymes that comen thider peyned hem to breke the ston in peces, or in poudr; therefore the Soudan hath do make a wall aboute the sepulcr that noman may touche it. But in the left syde of the wall of the tabernacle is well the heighte of a man, is a gret ston, to the quantytee of a mannes hed, that was of the holy sepulcr, and that ston kissen the pilgrymes that comen thider.

Johann von Trevisa. Ein anderer prosaiker der damaligen zeit ist Johann von Trevisa. Er übersetzte und erweiterte Higden’s Polychronicon in englischer sprache auf den wunsch von Thomas Lord Berkeley, dessen kaplan er war, und soll seine übersetzung 1387 vollendet haben. Sein buch wurde von dem ersten englischen buchdrucker, Caxton, im jahre 1482 mit einer fortsetzung bis zum jahre 1460 gedruckt, allein Trevisa’s text ist von Caxton nicht bloss durch auslassen und einschieben von wörtern verändert, sondern dessen alte sprache vollständig modernisirt worden. „Ich, William Caxton, eine schlichte person,“ sagt der drucker, „habe mich bemüht, erst das besagte buch Polychronicon ganz zu überarbeiten und habe das grobe und alte (rude and old) Englisch, d. h. gewisse worte, welche jetzt weder gebraucht, noch verstanden werden, zu ändern.“ Und doch war noch kein ganzes jahrhundert verflossen, seit Trevisa das Polychronicon in das damalige Englisch übersetzte, ein beweis, wie schnell sich die sprache im munde des volkes vor ihrer feststellung durch gebildete schriftsteller und den buchdruck veränderte. Ausser dem genannten werke übersetzte Trevisa mehrere andere werke in seine muttersprache, von denen noch einige handschriftlich vorhanden sind.203

Wycliffe. Die veränderung in der sprache des englischen volkes unter Eduard III. hatte nicht allein politische, sondern auch kirchliche gründe. Eine neue, gegen Frankreich gerichtete politik befreite England von der herrschaft der französischen sprache, eine neue kirchliche richtung sollte es von der übermacht des römischen stuhles und damit von dem drucke der besonders zu kirchlichen zwecken verwandten, aber vom volke nicht verstandenen lateinischen sprache erlösen. Die vergebung englischer pfründen an fremde, besonders italienische geistliche, sowie die erpressungen der päpstlichen legaten waren schon längst ein gegenstand der beschwerde geworden, so dass unter Eduard III. und seinem enkel Richard II. von dem parlamente mehrere gesetze gegen diese übelstände erlassen wurden. Bei diesem streben gegen die päpstliche macht fand könig und parlament eine mächtige hilfe in John Wycliffe, geboren 1324, einem gelehrten geistlichen und professor der theologie im Baliol-College zu Oxford, wo er bald nach dem jahre 1372 gewisse lehren und einrichtungen der römischen kirche, welche seit der eroberung durch die Normannen in England unbestritten gegolten hatten, anzugreifen begann. In diesem streite wirkte Wycliffe durch rede und schrift und schrieb eine anzahl aufsätze, einige von ihnen in englischer sprache, gegen die übermacht des papstthums, den reichthum der höheren geistlichkeit, die verweltlichung des clerus, das überhandnehmen der mönche, während er zugleich durch sein hauptwerk, eine übersetzung der bibel in die landessprache, dem volke die beweismittel in die hände zu geben suchte, auf welche er sich in seinen streitschriften gegen seine mächtigen gegner unter der höheren geistlichkeit stützte. Diese vollständige übersetzung des alten und neuen testamentes, welche Wycliffe in seinen letzten lebensjahren mit hilfe einiger freunde zwar nicht aus den originalen, sondern nur aus der lateinischen vulgata ausführte, ist sowohl in theologischer als sprachlicher beziehung ein werthvoller überrest des englischen mittelalters. Wycliffe wurde mehrere male wegen ketzerei verfolgt und in die grösste persönliche gefahr versetzt, aber er entging theils durch günstige umstände, theils durch die freundschaft des herzogs von Lancaster (auch Chaucer’s und Gower’s freund) der gefahr und starb endlich 1384 als landpfarrer, nachdem er aus dem College entfernt und gezwungen worden war, einige seiner ketzereien zu widerrufen. Vierzig jahre nach dem tode Wycliffe’s wurden seine gebeine zufolge eines beschlusses des concils von Constanz ausgegraben und verbrannt, und die asche in einen bach geworfen. Sein geist wich aber nicht mehr aus England, obwohl seine anhänger, die Lollarden, von dem später die krone erlangenden hause Lancaster verfolgt und geopfert wurden, um für den schwankenden thron in dem clerus eine stütze gegen den adel zu gewinnen.

Die ganze bibelübersetzung Wycliffe’s ist noch handschriftlich vorhanden, allein nur das neue testament ist gedruckt worden, zuerst in fol. im jahre 1731, redigirt von dem Rev. John Lewis, später in 4. im jahre 1810, redigirt von dem Rev. H. H. Baber, endlich in 4. im jahre 1841 in Bagster’s English Hexapla. Die herausgabe des alten testamentes von der Clarendon druckerei auf kosten der universität Oxford und unter redaction des Rev. J. Forschall und Sir Fr. Madden ist längst verheissen, aber das werk noch nicht erschienen. Von den streitschriften Wycliffe’s sind ebenfalls einige gedruckt, die übrigen handschriftlich aufbewahrt worden. Wycliffe’s styl ist zuweilen etwas roh, besitzt aber kühnheit und kraft des ausdruckes, wodurch sich sein grosser einfluss auf das volk erklärt; die sprache erscheint härter und älter als Mandeville’s, welches vielleicht dem stoffe zuzuschreiben ist. Folgendes ist eine probe aus dem alten testamente Exod. chp. 15.

204Thanne Moises song, and the sones of Israel, this song to the Lord; and thei seiden, Synge we to the Lord, for he is magnified gloriousli; he castide down the hors and the stiere into the see. My strengthe and my preisyng is the Lord, and he is maad to me into heelthe, this is my God: y schal glorifie hym the God of my fadir, and y schal enhaunce hym: the Lord is as a man fiȝter, his name is almiȝti.

Chaucer’s Prosa. Auch Chaucer nimmt eine stelle unter den ältesten englischen prosaikern ein. Er gab den Engländern eine übersetzung des Boethius de Consolatione Philosophiae, welche Caxton unter dem titel: „The Boke of Consolacion of Philosophie, which that Boecius made for his Comforte and Consolacion“ ohne datum in folio veröffentlichte. Ein zweites werk Chaucer’s in prosa soll eine Treatise on the Astrolabe sein, welche er im jahre 1391 an seinen sohn Lewis richtete. Mit welchem rechte diese abhandlung gerade Chaucer zugeschrieben wird, ist indessen nicht recht klar. Sie befindet sich auch in der brüsseler handschrift No. 1591, welche ausserdem noch einen kalender und astronomische und medicinische aufsätze enthält. Aus dieser handschrift (Mone’s quellen und forschungen Bd. I. S. 549 ff.) möge die vorrede dieser Chaucer zugeschriebenen abhandlung hier eine stelle finden:

Litel Lowys my sone I perceyve wel by certeyn evidences thyn abilite to lerne sciences towchynge noumcers and proporcions and as wel considere J thi bisy prayere in special to lerne the tretys of the astrelabie. Thanne for as moche as a philosophre seith. he lappeth hym in his frend that condescendith to the rightful prayeres of his frend? therfore haue J yeue the a suffisant astrelabie as for owre orizonte compawned after the latitude of Oxenforde. upon whiche by mediacion of this litel tretys J purpose to teche the a certeyn noumbre of conclusions perteynynge to the same instrument. J seye a certeyn [noumbre] of conclusions for thre causes. The firste cause is this. Trust wel that alle the conclusions thet han ben fownden or ellis possibly myghten be fownden in so noble an instrument as is an astrelabie, ben unknowe parfitly to eny mortal man in this region as J suppose. Another cause is this. that sothly in eny tretys of the astrelabie that J haue seen ther ben somme conclusions that wolen not alle thynges parfourmen here byhestis. and somme of hem ben to harde to understonde and to conceiue to thi tendre age of X yeer. This tretys divided in V parties wole J schewe thee under fulligte rules and nakede wordes in englisch, for latyn canst thow yitt bul smal my litel sone. But netheles it suffiseth to thee these trewe conclusions in englisch as wel as suffiseth to these noble clerk is i grekes these same conclusions in greke. and to Arabyens in arabik. and to Jewes in ebrue and to latyn folk in latyn. whiche latyn folk hadden hem first owt of othere diverse langages and writen hem in here owne tonge that is to seye in latyn. and god wood that in alle these langages and in many othere mo. han these conclusions ben suffisanntly lerned and taugt. And yitt by diverse rules rigt as diverse pathes leden diverse men the rigt weye to Rome. Now wole J pray mekely every discrete persone that redeth or hereth this litel tretis to haue my rude enditynge excused and my superfluite of wordes for two causes. The firste cause is. for that curious enditynge and hard sentence is ful heuy att ones for swich a child to lerne. and the secunde cause is this. that sothly me semeth betre to write to a lernere twies a good sentence than he forgete it ones. And yitt Lowis gif it so be that J schewe the in my ligt englisch as trewe conclusions towchynge this matere, and not oonli as trewe. but as manye and as sutil conclusions as ben schewid in latyn in eny comon tretys of the astrolabie, konne me the more thank. And pray we. god saue the kyng that is lord of this langage. and alle that hym feith bereth and obeyeth euerich in his degre the more and the lasse. But considere wel thal J ne usurpe not to have fownde this werk of my labour or of my engyne. J neam but a lewid compilatour of the labours of olde astrologiens and have it translated in myn englisch oonly to thi doctrine. And with this swerd oonly schal I sleen envie.

Ein anderes werk Chaucer’s ist The Testament of Love, offenbar eine nachahmung der abhandlung des Boethius, welche Chaucer in seinen letzten lebensjahren schrieb. Beide letzteren schriften Chaucer’s sind in den alten ausgaben seinen gedichten beigefügt. Auch zwei seiner Canterbury Tales, nämlich The Tale of Meliboeus und The Parson’s Tale sind in prosa geschrieben. Die erstere ist eine ziemlich genaue übersetzung einer französischen sowohl in prosa als in versen vorhandenen erzählung „Le Livre de Melibee et de Dame Prudence“ und in einer schwunghaften, rhetorischen prosa geschrieben; die letztere, welche die Canterbury Tales beschliesst, ist eine lange moralische abhandlung über und gegen verschiedene sünden. Obwohl sonst nicht gerade interessant, giebt diese Parson’s (Persenes) Tale eine gute schilderung der sitten damaliger zeit.

Fortescue. Der nächste prosaiker, dessen styl und sprache schon einen bedeutenden fortschritt verräth, ist der oberrichter der King’s Bench unter der regierung Heinrich’s VI., Sir John Fortescue, welcher von 1430 bis 1470 blühte. Ausser mehreren lateinischen abhandlungen benutzte Fortescue auch die volkssprache zu einer schrift, betitelt: The difference between Absolute and Limited Monarchy, as it more particularly regards the English Constitution, worin er eine vergleichung des zustandes der Franzosen unter einer absoluten regierung mit dem der Engländer in einer beschränkten monarchie anstellt, welche, manche seltsame ansichten und arge übertreibungen abgerechnet, sehr zum vortheil seiner landsleute ausfällt und ausserdem ein lebendiges bild von den damaligen sitten liefert.

R. Fabian. Die früheren reimchroniken verwandelten sich nun ebenfalls in prosaische, zuweilen sehr langweilige tage- oder jahrbücher, deren einziger werth in der ängstlichen genauigkeit der aufzeichnung gleichzeitiger begebenheiten besteht. Die chronisten machten dabei gewöhnlich keinen unterschied zwischen wichtigen und unwichtigen vorfällen, sondern verzeichneten, was gerade vorfiel und sie interessirte. Einer der ersten dieser chronisten in prosa ist der Alderman und Sheriff von London Robert Fabian, welcher im jahre 1512 starb. Er schrieb eine allgemeine englische geschichtschronik unter dem titel „The Concordance of Stories,“ welche verschiedene male, zuletzt im jahre 1811 von Sir Henry Ellis gedruckt und herausgegeben worden ist. Obgleich Fabian die alten fabeln des Geoffrey of Monmouth von neuem wieder in umlauf brachte, ist jedoch seine chronik gleichzeitiger begebenheiten besonders bezüglich der stadt London genau und sorgfältig.

John de Irlandia. A. Cadiou. Auch in Schottland ward die volkssprache gegen ende des 15. jahrhunderts zur prosa verwendet. Der erste beweis hiervon ist ein zum gebrauche königs Jacob IV. von einem priester John de Irlandia im jahre 1490 verfasster abriss der practischen theologie, welches buch augenscheinlich in der urschrift des autors in der advocatenbibliothek zu Edinburgh aufbewahrt wird. Dieses werk, sagt John Leyden, welcher einige auszüge daraus in der einleitung seiner ausgabe von The Complaint of Scotland gegeben hat, giebt eine probe der schottischen sprache jener zeit; styl und orthographie nähern sich mehr der modernen weise, als man erwarten sollte. Eine moralische abhandlung, unter dem titel The Porteous (manual) of Nobleness von Andrew Cadiou aus dem Französischen in schottische prosa übersetzt, wurde im jahre 1508 in Edinburgh gedruckt, ist aber mit ausnahme des schlusses verloren gegangen. Dieser ist von Leyden in seiner einleitung (seite 203-208) und von David Laing in seiner sammlung The knightly Tale of Golagrus and Gawayne, Edinburgh, 1827 abgedruckt worden.

IV. Die Einführung der Buchdruckerkunst.

Caxton. Die buchdruckerkunst war beinahe dreissig jahre erfunden, ehe sie ihren weg nach England fand. Endlich sicherte sich ein londoner kaufmann einen ehrenplatz in der geschichte der englischen cultur, indem er aller wahrscheinlichkeit nach der erste seiner landsleute war, welcher die neue kunst erlernte, und sicherlich der erste, welcher ein englisches buch druckte oder die buchdruckerkunst in England ausübte. Dieser mann war William Caxton, geboren, wie er selbst erzählt, in the weald of Kent, ungefähr um das jahr 1412. Dreissig jahre später findet sich sein name unter den mitgliedern der gesellschaft der kaufleute (mercers) zu London. Als kaufmann scheint Caxton mehrmals die Niederlande besucht zu haben, zuerst in eigenen geschäften, dann 1464 mit einem anderen kaufmann im auftrage Eduard’s IV., um einen handelsvertrag mit dem herzog von Burgund zu verabreden. Caxton trat sogar in die dienste der herzogin von Burgund. Während er sich in Deutschland, oder in den Niederlanden aufhielt, muss er die neue kunst des buchdrucks kennen gelernt haben und soll das von ihm aus dem Französischen des Raoul le Favre in das Englische übersetzte buch The Recuyell of the Histories of Troye fol. im jahre 1471 zu Ghent gedruckt haben, „whyche sayd translacion and werke“, wie der titel besagt, „was begonne in Brugis in 1468, and ended in the holy cyte of Colen, 19. September 1471“, welche worte sich jedoch nur auf die übersetzung beziehen. Von Knight, dem letzten lebensbeschreiber Caxton’s, sind jedoch gewichtige gründe vorgebracht worden, welche es mindestens sehr zweifelhaft machen, ob das genannte buch von Caxton gedruckt worden sei.205 Das früheste als unzweifelhaft ächt angenommene werk Caxton’s ist eine übersetzung von ihm selbst aus dem Französischen, betitelt: The Garne and Playe of the Chesse, ein folioband, welcher am letzten märz 1474 beendigt worden sein soll. Man nimmt gewöhnlich dieses buch als das erste an, das in England gedruckt worden sei, und setzt mithin in dieses jahr die einführung der buchdruckerkunst in England. Vollständig gewiss ist aber nur, dass Caxton 1477 seine presse in der Almonry unweit Westminster-Abbey aufgestellt hatte, wo er in diesem jahre The Dictes and Notable Wyse Sayenges of the Phylosophers, eine übersetzung aus dem Französischen von Anthony Woodville, Earl Rivers, in folio druckte. Von dieser zeit ab übersetzte und druckte Caxton mit unermüdlichem fleisse bis zum jahre 1490, welches datum sein letzter druck trägt. Sein tod erfolgte wahrscheinlich im jahre 1491 oder 1492. Noch vor seinem tode liessen sich mehrere buchdrucker in London nieder, wahrscheinlich, wenigstens zum grossen theil, Caxton’s frühere gehilfen, welche er von dem festlande nach England gezogen hatte. Theodore Rood, John Lettow, William Machelina und Wynkyn de Worde, sämmtlich fremde, und Thomas Hunt, ein Engländer, waren die unmittelbaren fortsetzer der kunst Caxton’s. Zu St. Albans richtete ein Schulmeister, dessen namen nicht überliefert worden ist, eine presse ein, und zu Oxford begann man im jahre 1478 ebenfalls zu drucken. Es scheint sogar, dass die englischen drucker bald das festland mit ihren werken versorgten, denn zu ende einer lateinischen übersetzung der briefe des Phalaris, welche im jahre 1485 zu Oxford gedruckt wurde, befinden sich folgende zwei verse:

Celatos, Veneti, nobis transmittere libros Cedite; nos aliis vendimus, o Veneti.D

Natürlich druckten Caxton und seine unmittelbaren nachfolger zunächst solche bücher, welche gesucht waren und einen grossen leserkreis fanden; ihr eigener vortheil musste sie diesen weg führen. Eine aufzählung der drucke Caxton’s wird also nicht allein den besten beweis von dem unermüdlichen fleisse und umfassenden geiste dieses mannes geben, sondern uns zugleich den literarischen character seiner zeit am treuesten schildern. Geistlichkeit und adel waren damals noch beinahe allein die gebildeten klassen des volkes; sie gaben auch den ton in der literatur an, welche der kirchlichen und ritterlichen romantik huldigen musste, wenn sie freunde und leser finden wollte. Die klassische literatur des alterthums, welche einen weltlichen gelehrtenstand voraussetzt, dann aber nicht bloss einzelnen klassen, sondern dem ganzen volke seine schätze erschliesst, äusserte noch keinen directen einfluss auf die englische literatur, sondern höchstens einen mittelbaren durch das medium der französischen, welche damals eine hauptquelle für englische schriftsteller war. Caxton’s drucke umfassen folgende werke: The Pilgrimage of the Soul (aus dem Französischen); Liber Festivalis, or, Directions for keeping Feasts all the Year; Quatuor Sermones (in englischer sprache); The Golden Legend (eine sammlung lebensbeschreibungen der heiligen) in drei ausgaben; The Art and Craft to know well to Die (aus dem Französischen); Infantia Salvatoris; The Life of St. Catherine of Sens; Speculum Vitae Christi, or Mirror of the Blessed Life of Jesu Christ; Directorium Sacerdotum; A Book of Divers Ghostly Matters; The Life of St. Wynefrid; The Provincial Constitutions of Bishop Lyndwood of St. Asaph (lateinisch); the Profitable Book of Man’s Soul, called the Chastising of God’s Children. Alle diese bücher behandeln religiöse und kirchliche stoffe; die folgenden gehören nach ihrem inhalte in das gebiet der ritterlichen romantik: The History of Troy (wenigstens von Caxton übersetzt, wenn nicht gedruckt); The Book of the whole Life of Jason; Godfrey of Boloyn; The Knight of the Tower (aus dem Französischen); The Book of the Order of Chivalry or knighthood (aus dem Französischen); The Book Royal, or the Book for a King; A Book of the Noble Histories of king Arthur and of Certain of his knights; The History of the Noble, Right Valiant, and Right Worthy knight Paris and of the Fair Vienne; The Book of Feats of Arms and of Chivalry (aus dem Französischen); The History of king Blanchardine and Queen Eglantine his Wife. Von englischer nationalliteratur druckte Caxton: The Tales of Canterbury (in zwei ausgaben), The Book of Fame, Troylus and Cresseide und einige kleinere gedichte,—sämmtlich von Chaucer; The Confessio Amantis, that is to say, in English, the Confession of the Lover, von Gower; The Work of Sapience; The Life of our Lady von Lydgate; ausserdem einige andere kleinere gedichte gemeinschaftlich mit Chaucer’s. Dabei möge bemerkt werden, dass Caxton die werke Chaucer’s in seiner zweiten auflage aus einem besseren und richtigeren manuscripte entlehnte, als in der ersten ausgabe, welche er nach einer mangelhaften handschrift veranstaltete. Dieses erste beispiel der kritik bei der ausgabe eines englischen buches war nothwendig geworden, wie Caxton in der vorrede zur zweiten auflage so ehrlich ist unumwunden einzugestehen, „for to satisfy the auctor, whereas tofore by ignorance I erred in hurting and defaming his book in divers places, in setting in some things that he never said ne made, and leaving out many things that he made which been requisite to be set in it.“ Von den klassikern wurden folgende übersetzungen auf Caxton’s presse gedruckt: Cicero über das Alter und die Freundschaft; Boethius’ trost der philosophie, von Chaucer; Aussprüche der Philosophen; Virgil’s Aeneis; Cato Magnus und Cato Parvus; Subtle Histories and Fables of Aesop. Auch geschichtswerke fing Caxton zu drucken an: The Chronicles of England; The Description of Britain; The Polychronicon; The Life of Charles the Great (zwei ausgaben) und The Siege of the Noble and invincible City of Rhodes. Endlich gingen noch einige bücher allgemeinen inhalts aus Caxton’s presse hervor: The Game of Chess; The Moral Proverbs of Christine of Pisa; The Book of Good Manners; The Doctrinal of Sapience (aus dem Französischen); The History of Renard the Fox (aus dem Deutschen) und A Booke for Travellers. Endlich druckte Caxton noch die gesetze (Statutes) des ersten parlaments von Richard III. und der drei ersten parlamente Heinrich’s VII.

Mit der einführung der buchdruckerkunst schliesst die geschichte der altenglischen sprache und literatur. Die sprache, welche, so lange sie nur im munde des volkes lebte, in rechtschreibung und ausdruck individuell und dialektisch geschwankt hatte, erhält nach kurzer zeit festigkeit und sicherheit in orthographie und grammatik; die literatur, deren poetische unmittelbarkeit und natürlichkeit verständigem fleisse und prosaischer überlegtheit wich, wird dadurch zur belehrung und bildung geschickter. Das geistige leben des englischen volkes tritt in der folgenden periode deutlicher und allgemeiner hervor.

Druck von C. H. Storch & Comp. in Breslau.

Footnotes

Transcriber’s Footnotes

Language Families

Keltisch

Keltisch ____________|______________________ _________/__________ \ / \ Gælisch Gallisch Brittisch _______|__________ | / | \ __________|________ Irisch Ersisch Manksisch / \ _oder_ Cornisch Welsch Caldonach \________________________/ | Bretonnisch

Germanisch

+Alt-Germanisch.+ _Alt-Deutsch_ | _________________|_______________ / \ Alt-Hochdeutsch Alt-Niederdeutsch | | Möso-Gothisch, _________|________________ Alemannisch, / | \ Fränkisch Altsächsisch, Altfriesisch, Angelsächs. | | | | Neu-Hochdeutsch Niederdeutsch, Holländisch, Englisch (mit seinen mundarten.) (mit ihren mundarten.) _Alt-Skandinavisch_ auf Dänemark, Norwegen, Schweden, Island, den Orkney-, Schetland-, Faroer-Inseln. | _____________________|_____________________ / \ Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, Orkney-, Schetland-, Faroer-Mundart.

Technical Notes

In the printed book, some passages show the letter “g” in boldface. Footnote 154 describes „ein eigenthümliches g“ with enough detail to identify it as the letter yogh (ȝ). Yogh has therefore been substituted for boldface g in these passages only.

The letter thorn (þ) is rarely capitalized and almost never in boldface. This is probably typographic, but has not been changed. All brackets are in the original, as is the apparently random capitalization of bibliographic words such as “Band” and “Seite.”

Headnotes (“Das Angelsächsische”, “Der Scóp”) were printed across the top of each page. They are shown here as sidenotes, positioned beside the most appropriate paragraph. Those that functioned mainly as text headers are shown full-width.

Handling of translations and parallel versions was inconsistent in the original: some were shown in side-by-side columns, while others were printed consecutively. Texts and translations are here shown side by side wherever possible, with prose passages broken into shorter units. Page numbers in the right margin mean that the second (right) column was originally printed after the first (left) column. Significant changes in layout have been footnoted.

Notes in this chapter

Explore with AITake your curiosity a little further.

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