Vorbemerkung. (continued 2)
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Der General Tilly aber ist unterdessen mit trefflich vielen Laufgräben zugleich nicht allein auf das neugemachte Werk um der (die) Zollschanze und auf den Trotz Kaiser und Reduit am krakauer Thurm, sondern auch zu dem halben Mond auf dem krakauer Werder und den neuen Reduiten auf dem Marsch dergestalt avancirt und fortgefahren, also daß man in einer Nacht den Trotz Kaiser, die Reduit am krakauer Thurm und den halben Mond auf dem Werder quittiren und verlassen müssen.
Endlich auch, als die Kaiserlichen bis in den Graben des neuen Werks vor der Zollschanze kommen waren, und es daher länger zu halten unmöglich, hiergegen der von Falckenberg verspürete, wenn dieses Werk verlassen, daß solches dem Gegentheil eine bequeme Brustwehr und großen Vortheil zur Gewinnung der Hauptschanzen vor dem Zoll geben würde: hat er für rathsam erachtet, nicht allein das neu aufgeworfene Werk, sondern auch die Zollschanze zugleich — weil dergleichen auch in der Belagerung Ao. 1550 geschehen — zu übergeben und das Volk auf andere Posten, um desto besserer Verwahrung der Stadt, zu verlegen oder zu vertheilen. Welches Falckenberg also dem Rathe — der deswegen und anderer hochbesorglichen Gefahr halber in der Nacht um 11 Uhr zusammen gefordert war — vor- und angetragen, auch darauf des Raths Consens, — als der es zu seiner Discretion, wiewohl etliche wenige, die Zollschanze etwas zu halten, gemeinet, anheim gestellt sein lassen — bekommen und erlangt hat. Wie man nun das Volk abgeführt, die Zugbrücke vor dem Zollhause hinter sich aufgezogen und ein Joch von der langen Brücke abgeworfen gehabt, ist bei dieser Retirade die Klappe oder das kleine Zugbrücklein, so neben dem Zollhause hergangen, vergessen, und weil die Kaiserlichen strackes Fußes gefolgt, noch dieselbe Nacht von ihnen ein Joch von der Brücke — die Stadt des schwedischen Succurses desto mehr zu entblößen — abgebrannt worden. Der General Tilly zwar mag nicht gemeint haben, daß diese Haupt- oder Zollschanze so bald würde verlassen werden, sintemal er noch desselbigen Tages zuvor, durch Verspillung vieles Krautes und Loths, mit halben Carthaunen, die unterweilen mit Sprengkugeln geladen gewesen, trefflich Breche geschossen. Weil aber der Wall mehrentheils Thon oder Kleierde, machten die Kugeln und Granaten wenig Schaden, nur daß etliche harte Erdklöße den Inliegenden bisweilen auf die Köpfe fielen. Dafern nun das zuletzt umher angefangene neue Werk nicht Ursach gegeben hätte, dem Gegentheil diese Schanze, als die mit Pallisaden und Sturmpfählen, auch etwas morastigen Graben ziemlich verwahret, einzuräumen, ohne allen Zweifel noch viel Zeit und Kosten zugezogen hätte.
Bei sothanem Wesen aber, und als man diese große Macht und übel aussehendes Werk verspüret, haben ihrer Viele wiederum etwas stutzig werden und dahin zielen wollen, ob nicht etwa Mittelspersonen, oder Ihre Churfürstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg und die E. Hansastädte, könnten vermocht und also bei kaiserl. Maj. ein Stillstand der Waffen und endliche Aufhebung erhalten werden. Jedoch weil vermittels vieler von neuem wieder ausgesprengten guten Zeitungen, insonderheit daß Capitain Sparenberg, vom Könige in Schweden abgeschickt, einen Kerl über die Elbe sollte gesandt und dem von Falckenbergen zuentboten haben, gleich der König mit der Armee allbereits in der Mark, auf Magdeburg zu, begriffen, ihm solches voranzudeuten, abgeordnet und bei seiner Seelen gebeten hätte, die Stadt Magdeburg möchte sich getrost halten, er wollte sie bald königlich entsetzen etc. Demnach hat dieses und dergleichen die Gemüther der gemeinen Bürgerschaft etwas wieder besänftiget, hergegen Derer Meinungen, so sich auf Anstand und Interposition hochgedachter Churfürsten und Städte gründen wollen, verdrücket und ausgelöschet, welches um so viel mehr Kraft erreichet, daß zugleich die mehresten Prediger in den Kirchen ihre Gemeinden fleißig ermahnet, sich solcher Gedanken und Reden, daß man wiederum mit denen Päpstischen oder Feinden des Evangelii zu tractiren anfangen und in Vereinigung treten wolle, zu entschlagen und abzustehen, sintemal, sagten sie, solche Leute keine Hoffnung noch Vertrauen zu Gott, als der sein Wort gewiß erhalten, und der Stadt in so gerechter Sache wohl beispringen würde, haben könnten, sondern lieber dem Teufel dienen und ihr Vaterland dem abgöttischen Papstthum in den Rachen stecken wollten.
Der General Tilly aber, sobald derselbe diesen Vortheil mit der Zollschanze und andern Werken dieser Oerter einbekommen, hat er bei Westerhausen[19] eine Schiffbrücke über die Elbe geschlagen, und sich mit der größten Macht auf die andere Seite der Stadt gewendet, auch gegen der (die) Sudenburg, die der Markgraf etwas retranchiren und befestigen lassen, zu approchiren angefangen. Als aber der von Falckenberg solche große Force und Macht verspüret gehabt, und daß dagegen ein solcher schlecht verwahrter Ort zu erhalten unmöglich fallen würde, ist er, für sich und zugleich wegen des Markgrafen, zu Rathhause erschienen mit dem Andeuten und Bericht, wie nach so gestalten Sachen die Bürger und Soldaten daselbst mit dem, was sie mit sich hereinzubringen vermöchten, müßten in die Stadt eingenommen und die übrigen annoch unabgebrochenen Häuser der Sudenburg — damit der Feind desto mindern Vortheil daraus empfände — mit Feuer belegt und in Brand gesteckt werden. Der Rath aber, so zwar fleißig und, wofern es möglich zu unterlassen, vorgebeten, hat solches endlich, bei sothaner Gefahr und Extremitäten, müssen dahin gestellt sein und ihm, dem von Falckenberg, nach seiner Discretion darein schalten und walten lassen. Darauf einen Tag zuvor alles Hausrath und dergleichen in die Alte Stadt geschleppt und den 21. Aprilis gegen Abend diese Vorstadt Sudenburg Magdeburg — darin eine feine Kirche und kein einziges Haus, mit Stroh gedeckt, zu befinden gewesen — nebst angehängtem Flecken S. Michael angezündet und in die Asche gelegt worden. Was nun von armen und kranken Leuten gewesen, und die sobald keine Herberge gewußt, haben sich mit ihrer Armuth und Bettpuchen (geringen Habe und ärmlichen Betten) in den Kreuzgang[20] bei S. Nicolai Kirchen lagern und allda, was ihnen etwa durch fromme Leute gegeben worden, erwarten müssen. Den 22. Aprilis ist eine Partei von den Falckenbergischen aus der Neustadt ausgesträufet (ausgestreift), hat einen ligistischen General-Adjutanten nebst andern Personen gefangen bekommen, welcher berichtet gehabt, daß der Graf Pappenheim die andere Vorstadt, Neustadt Magdeburg, noch denselben Tag — wenn es nicht an Kraut und Loth, so noch nicht ankommen gewesen, ermangelt — hätte angreifen wollen, darauf auch der von Falckenberg ferner fortgefahren und diese jetzt genannte Vorstadt gleichergestalt den 23. Aprilis — zwar auf Vertröstung, daß er bei des Königs in Schweden Ankunft die Bezahlung solcher und anderer Häuser vermitteln wolle — abbrennen und einäschern lassen, wiewohl das Armenhaus, der Schwiesau genannt, nebst etlich wenig andern Häusern dennoch bestehend geblieben, das darin liegende Kriegesvolk, wie auch was aus der Sudenburg in die Alte Stadt genommen worden, so sich ingesammt auf 1100 Mann verstreckt, haben etliche vermögende des Raths, auf des von Falckenberg’s Credit und Wiederbezahlung, dergestalt unterhalten, daß sie etliche 100 Thaler aufgebracht und jedem gemeinen Soldaten die Woche 20 ggr. richtig bezahlen lassen, davon sie, weil annoch von allen in der Stadt genug ums Geld zu bekommen gewesen, ihren Unterhalt gar wohl haben können, und weil sie täglich auf den Wällen oder in Bereitschaft liegen müssen, ist, ihnen Quartiergeld zu geben, keine Noth gewesen. Die Bürger aber haben in den Vierteln über das vor (für) die Soldaten Speck, Würste, Bier und dergleichen zusammen geschossen und ihnen auf die Wälle gebracht. Ihre Officiere sind durch den von Falckenbergen, als welcher bei denen Kaufleuten Getreide, Bier, Tuch und Seidenwaaren auf sein Credit haben können, unterhalten worden. Allein die Reiterei, deren noch auf 250 gewesen, hat anfangs niemand — aus Furcht, daß sie es auch in der Altenstadt, also wie in der Neustadt geschehen, mit den Leuten in den Quartieren machen würden — einnehmen wollen, daher sie eine Nacht und 2 Tage auf der Straße halten müssen, bis ihnen der Rath endlich Quartiere verschafft und der von Falckenberg die Ordre gegeben, daß sie ja sowohl, wann’s die Noth thäte, mit ihren Bandelierröhren und Pistolen als andere Bürger (gleich den andern Bürgern) und Soldaten zu Walle gehen und fechten sollten.
Des folgenden Tages, als den 24. Aprilis, sind der von Falckenberg und andere hohe Officiere auf das Rathhaus kommen und haben, mit Zuziehung etlicher aus dem Rath, die Bestell- oder Besetzung der Posten ausgetheilt, also daß zwölf Viertel der Bürgerschaft den Wall cent um die Stadt und das Fischer-Viertel, nebst noch zwei Vierteln, den (das) Fischerufer und (die) ganze Wasserseite bis in den Fährgarten[21] zu besetzen auf sich genommen; die übrigen drei Viertel sind in der Stadt auf dem Markt zur Reserve und Hinterhalt gelassen worden. Der Generalmajor Amsteroth hat das Commandement über die beiden halben Monde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer-Thor, ingleichen über das Hornwerk vor dem Kröckenthor — worin der Stadt Compagnie unter dem Capitain Major Lucas Huttenheim — und neue Bollwerk bei der Neustadt — darauf und in beiden gedachten halben Monden Falckenberg’s eigen Volk gelegen — geführet und verwaltet. Dem Obristen Lieutenant Trosten wurde das Kronwerk aus dem Marsch, das Retranchement auf dem Werder vor der Graalsbrücke und (der) halbe Mond vor der kurzen Elbbrücke (jetzigen Strombrücke) zugeordnet. Der Hr Administrator hat mit seiner Leibcompagnie und des Obristen Lieutenants Bönnies Regiment, 400 Mann stark, das neue Bollwerk und Ravelin bei der Sudenburg in Defension und Obacht genommen; dem andern Stadt Capitain, N. Schnellen, ist mit seiner Compagnie die Streitmauer und Gewölbe, so um und unter dem Heydeck, zu verwahren; der Reiterei aber, vor dem (für den) von Falckenberg in Reserve zu bleiben, anbefohlen worden, womit also die Besatzung um und um ausgetheilt und jeder Ort der Gebühr nach versehen gewesen. Die Bürgerschaft hat man — mitgerechnet die Witwen — auf 2000 stark und der erwachsenen Söhne, Knechte und Handwerkspursche auf 3000 stark geschätzet.
Um diese Zeit geschah unter andern auch ein starker Ausfall gegen die Kaiserlichen oder Ligistischen, so auf dem Marsch, da sonst die Vogelstange gestanden, in Laufgräben lagen, dazu des Obristen Lieutenant Trosten Volk und eine der Stadt Compagnie gebraucht worden. Die schlugen die Tillyschen aus den Approches daselbst, mit Ruinirung zweier Compagnien ihres Volkes, also daß, wofern zur selben Zeit nicht eben des Feindes Wacht, so ablösen wollen, angekommen, die Ligistischen ganz vom Marsch abgetrieben wären. Auf der Stadt Seite sind allein 15 verwundet und 5 erschlagen, hergegen aus der andern Seite über 100 niedergemacht worden. Nachdem aber der Tilly die obgenannten beiden Vorstädte vor Magdeburg erobert gehabt, hat er sich bald mit sehr großer Macht und unnachläßlichem vielen Approchiren, dazu er theils Soldaten, theils die Bauern vom Lande gebraucht, zur Haupt- oder Alten Stadt genähert und zwar folgender Gestalt und also, daß er dem Grafen Wolfen von Mansfeld die Post (den Posten) bei der Sudenburg, als von der Elbe bis an und cent (rings) um den Heydeck her, zugetheilet; der Graf von Pappenheim hat den Ort bei der Neustadt, von der Elbe an bis zum Krökenthor und da herum, in Aufsicht bekommen. Der Marsch und die ganze Seite über der Elbe ist der ligistischen Armee anbefohlen; was aber die West- oder Feldseite der Stadt, als zwischen dem Heydeck und Krökenthor, anlanget, mit starker Reitermacht, so hinter allen Hügeln und Gründen mit ganzen Regimentern gehalten, versehen und bewahret worden. Diese jetzt genannten Generale nun haben, sobald sie mit ihren Laufgräben etwas näher kommen, unterschiedliche Batterien verfertigen und mit vielen groben Stücken oder halben Kanonen gegen der Stadt wärts bepflanzen lassen. 1) Der Graf von Mansfeld eine Batterie mit 5 halben Carthaunen nahend an der Sudenburger Stadtmauer in einem Garten gegen den Heydeck über, von welcher er anfangs auf das Bollwerk, der Heydeck genannt, Breche zu schießen angefangen; aber weil solches wenig geschafft, hat man von dahero den Wall entlang, nämlich vom Heydeck bis an das Schrotdorferthor, flanquiret und, weil die Kugeln nur gleichsam über das Bollwerk geworfen worden, ist der auf dem Walle liegenden Wacht oft Schaden damit geschehen, denn die Kugeln theils Leuten die Beine, den Leib, den Hintern und dergleichen hinweg gelaufen, sind auch wohl gar in der Corps de Garden Stuben gekommen und der Wacht dadrinnen sehr schädlich gewesen. 2) Haben sie von einer Batterie hinter der Sudenburg heftig nach dem Domthurme geschossen, und solches daher, daß der Obrist Lieutenant Boy von diesen Thürmen mit langen gezogenen Röhren in die kaiserlichen Laufgräben geschossen und oft Schaden damit unter sie (ihnen) soll gethan haben, wiewohl solcher nimmermehr so groß gewesen, als dieses herrliche Gebäu und sonderlich der eine Thurm hiermit ist zernichtet und übel zugerichtet worden. 3) Hat dieser Graf von Mansfeld noch eine Batterie, so etwas näher nach dem Ulrichsthor, auf dem Acker daselbst aufwerfen und damit den Wall und (die) Thürme an der Stadtmauer allhierum etwas beschießen lassen. 4) Der Graf von Pappenheim ist an seinem Orte bei der Neustadt auch nicht wenig mit Erbauung einer Batterie nahe am Stadtgraben, der Hohenpforte gegenüber, bemüht gewesen. 5 u. 6) Sind durch denselben noch 2 Batterien, die eine nahe an der Elbe, wo jetzt die Contrescarpe in Form eines halben Mondes hingelegt, die andere, ihr gegenüber, jenseits der Elbe erbauet und damit das Rondel und dessen Streitmauer beschossen und gefällt worden, auf welchen drei Batterien der Pappenheim insgesammt 17 halbe Carthaunen gehabt. Endlich und 7) hat man von den Batterien vor dem Zoll nur noch eine gelassen und von derselben bisweilen auf das neue Werk auf dem Marsch, bisweilen in die Stadt und unter die Schiffmühlen gespielt.
Diesem nach ist auf Seiten der Stadt sowohl mit Musquetaden als grobem Geschütz wiederum nicht stille gehalten, insonderheit aber des Nachts ohne Aufhören auf des Gegentheils Approchen gefeuert worden, und als Pappenheim von der gedachten fünften Batterie, so hinter der neustädter Stadtmauer war, die Scharten am Rondel und das darauf stehende Geschütz sehr verletzt, hat man von dem dabeiliegenden neuen Bollwerke 2 halbe Carthaunen auf einen gewissen Ort dieser gemeldeten Stadtmauer also gerichtet, daß nach Abbrennung dieser beiden Stücke die Kugeln ein großes Stück der Mauer durchschmettert und das Steinwerk den Constablern und Leuten allda Arm und Bein, auch die Affüten des Geschützes heftig zerschlagen und zum Theil bis in die Elbe geschleudert haben, so daß von dieser Batterie nachmals kein einziger Schuß mehr geschehen.
Es haben aber selbigesmal die beiden aus dem Rathe verordneten Schutzherren[22] dem regierenden Bürgermeister entdeckt, daß sie fast jedes Tages dieser Zeit her von 18 bis 20 Tonnen Pulvers, deren jede 1 Centner gewogen, ausgereicht. Nun wären aber nur noch 5 Tonnen vorhanden, und obgleich aus dem Salpeter, dessen annoch auf 250 Centner in Vorrath, täglich 2 Centner vermacht würden, so wolle doch solches nirgends zureichen. So wären auch die Lunten[23] dergestalt in Abgang gekommen, daß eine ganz andere Ordnung und Sparsamkeit darin müsse gehalten werden, welches oberzähltermaßen an den von Falckenberg zu berichten, mir, dem Autori, durch den worthaltenden Bürgermeister im Rath aufgetragen worden. Es hat sich der von Falckenberg sehr darob entsetzt und gesagt, daß ihm dieses längst geahnet, indem sich fast Keiner einreden und das unzeitige Schießen mit dem groben Geschütz unterlassen wollen.
Ob nun wohl vor der Zeit dieses Unwesens die Stadt etwa 600 Centner Pulvers und 500 Centner Salpeter in Vorrath gehabt: so sind doch in der Bloquirung Ao. 1629 auf 200 Centner davon verschossen worden, sintemal zur selben Zeit das Schießen mit Stücken nach einem Trüpplein von 5 oder 6 Reitern, wenn sie gleich auf 3000 und mehr Schritt von der Stadt gehalten, auch sehr gebräuchlich gewesen. 100 Centner haben I. F. Gn. und der von Falckenberg zur Besetzung der umliegenden Städte, Schanzen und Reduiten bekommen; unter Bürger und Soldaten in der Stadt ist auch den Sommer und Winter durch über ein paar Hundert Centner gereicht und aufgewendet worden, also daß zu der Zeit, da es zur harten Belagerung gediehen, von dem Pulver, welches man unterdessen wiederum gemacht, nicht über 150 Centner in Vorrath, solches aber auch alles binnen wenig Tagen, bis auf die gedachten 5 Tonnen, verschossen gewesen.
Damit es aber nicht ganz an Pulver mangele, hat der von Falckenberg in Mörsern, so die Apotheker[24] dazu hergeliehen, den Salpeter stoßen und also mit Hilfe des Rathes Pulvermühle[25] täglich 5 Centner Pulvers machen, hiergegen das Schießen mit dem Geschütz einstellen lassen, weshalb denn auch die Kaiserlichen ihre Batterien an Ort und Ende desto füglicher verfertigen und der Stadt desto mehr Abbruch thun können.
Hierauf schickte den 24. April/4. Mai der General Tilly einen Trompeter von Westerhausen, allda das Hauptquartier damals war, mit drei Schreiben — das eine an den Hrn Administrator, das andere an den von Falckenberg, das dritte an den Rath und sämmtliche Gemeine in die Stadt. Das Schreiben an den Rath war kürzlich des Inhalts: daß die Magdeburger allbereits mehr, als ihnen lieb, befunden hätten, in was für merklichen Schaden sie um der bisher gegen die röm. kaiserl. Maj. unverantwortlichen Obstinacität und öffentlicher Rebellion willen mit den Ihrigen gerathen, und es so weit gekommen, daß in seinen Händen stünde, die Stadt mit Hab und Gut, Weib und Kindern in völligen Ruin zu stürzen. Er wolle aber nicht dafür halten, daß sie in solcher Halsstarrigkeit ersoffen sein würden, und gemeinet sein sollten, sich der schuldigen kaiserlichen Devotion und von Derselben dependirender Clemenz zu unterwerfen, wie denn die Gnadenthür noch offen stünde. Diejenigen, so die Stadt zu defendiren angenommen, beförderten nicht der Stadt Wohlfahrt, sondern vielmehr des ganzen Landes Ruin.
Den 25. April des alten Calenders geschah ein Ausfall des Morgens früh auf die Kaiserlichen, so vor dem Heydeck lagen. Sie wurden daselbst aus den Laufgräben geschlagen und ihr Schanzzeug in den Stadtgraben geworfen. Desgleichen that der Generalmajor Amsteroth zu Mittage, da er mit etlichen Kähnen etwa 40 Mann um das Rondel bei der Neustadt setzen und von den daselbst in den Approchen arbeitenden Soldaten über 16 erschlagen ließ. So ward auch in der folgenden Nacht von dem neuen Werke allhier über die Brustwehr der Fausse braye in den Graben gestiegen, dabei die Kaiserlichen etwa 40 Mann verloren und die aus Magdeburg ziemliche Beute von versilberten Degen und Partisanen bekommen haben. Dagegen wurden dieser Zeit her der Stadt alle Nächte 30 bis 45 Granaten und Feuerkugeln verehrt und eingeworfen. Zwar die Feuerkugeln anlangend, daraus sind etliche Männer[26] mit nassen Säcken und Häuten bestellt gewesen, die Achtung darauf geben müssen, wohin die Kugeln gefallen, dahin sie stracks gelaufen und dieselben gedämpfet haben, also daß dadurch geringer Schaden geschehen; allein ist einer Kuh im Fallen der Kopf von solcher Kugel abgeschlagen worden. Die Granaten aber, wenn sie in die Häuser gefallen, haben alles zerschmettert, und Thüren, Fenster, auch wohl oben die Decke und (den) Boden ausgeschlagen; was aber auf die Bollwerke und Wälle geworfen worden, hat großen Tumult und Auflauf unter dem Volk gemacht, bisweilen auch Schaden gethan.
Der Rath und Ausschuß sind unterdessen mit Beantwortung auf obermeldetes Tillysches Schreiben sehr bemühet und Einer dieser, Jener anderer Meinung gewesen, also daß es sich bis den 30. April alten Calenders damit verzögert, und weil Alles mit Einwilligung des Hrn Administrators, Falckenberg’s und ihrer Anhänger geschehen müssen, ist des Raths Antwort also erfolgt: Daß nämlich die Stadt fast 6 ganzer Jahre, ohne einige gegebene Ursach, von ihren Mißgünstigen aufs äußerste verfolgt und ihr die Nahrung abgeschnitten wäre, auch noch letztlich in Religionssachen; deswegen die Stadt zu ihrer hochnothwendigen Defension, nicht zwar gegen die kaiserl. Maj., sondern wider die, so Ihrer Maj. Willen und Befehl entgegen, solches alles vorgenommen, verursacht worden, inmaßen der Rath Ihrer kaiserl. Maj. solches sub dato den 10. November Ao. 1630 ausführlich zu erkennen gegeben, welches Schreiben, weil es im offenen Druck, sie mit übersendeten. Die Stadt wäre entschlossen, das ganze Werk zugleich an beide Churfürstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg, auch der conföderirten Hansastädte Unterhandlung zu stellen und sich auf Deroselben Vorschläge und Vermittelung aller Billigkeit nach zu accommodiren. Weil aber Niemand sicher sich hinaus begeben könne: als gelangte ihr Bitten, Se. Excell. der Hr General Tilly wolle ihnen auf die Ihrigen Paß und Repaß, hin und her zu reisen, ertheilen und inmittels nicht approchiren und Gebrauchung der Waffen in Ruhe stehen etc.
Hierauf vermeinte die gemeine Bürgerschaft, es wäre nun stracks Stillestand gemacht, und daß dem General Tilly ja so viel — aus Furcht wegen des Königs in Schweden Ankunft — an solchem Armistitio gelegen, als immermehr gemeiner Stadt damit gedient sein möchte; so verhofften auch der von Falckenberg und die an seiner Seite, nicht allein hierdurch das Werk etwas in die Länge und Harre zu bringen, sondern auch desto füglicher an königl. Maj. in Schweden abzuschicken und, nebst Berichtung des allgemeinen magdeburgischen Zustandes, den Succurs oder Entsatz zu befördern.
Den 212 Mai hat der General Tilly durch einen Trompeter dem Rath folgender Gestalt geantwortet: Daß die Stadt Magdeburg, ihre Abgeordneten zu ihm zu schicken, so lange Bedenken gehabt, bis daraus mit beiden Churfürstl. Durchl. zu Sachsen und Brandenburg sowohl, als auch den Hansastädten das Werk communicirt und berathschlagt wäre, und deswegen Paß und Repaß zu Abordnung ihrer Gesandten begehrten. Dieweil aber aus seinem vorigen Schreiben zu ersehen, daß er nichts anders (von der Stadt verlange), als der röm. kaiserl. Maj. sich zu submittiren, als (so) zweifele er nicht, höchstgedachte Churfürstl. Durchl. sammt berührten Hansastädten würden solches gar nicht improbiren (mißbilligen) können; die angeregte Communication solle ihm zwar nicht zuwider sein, thäte auch die Pässe zu dem Ende überschicken, besorgte aber, (daß es damit zu spät,) weil zu sothaner Abordnung und Berathschlagung viel Zeit erfordert werde, die Sachen aber nunmehr dahin gerathen, daß sie keinen längeren Verzug leiden könnten, derowegen es viel besser, wenn sich die Stadt jetzo bald resolviren und bequemen thäte. Jedoch stelle er der Stadt alles anheim, sintemal ihr Heil und ihre Wohlfahrt hierunter am meisten periclitirte; inmittels würden sie (die Magdeburger) niemand anders, als sich selbst, die Ungelegenheit, so aus solcher Verzögerung erfolgen könnte, (zu) imputiren und bei(zu)messen (haben). Er bliebe erbötig, wenn des Raths Gesandten abzureisen willens, daß sich die Trompeter so bald dahin (in die Stadt) verfügen sollten.
Den 414 Mai ist dieser (der eben erwähnte) Trompeter wiederum zu Tilly mit des Raths Antwort „daß nämlich die Gesandten zur Reise parat und fertig, und sobald Se. Excellenz die Trompeter schicke, sich auf den Weg machen wollten“ abgefertigt worden.
Als nun unterdessen der König in Schweden die Festung Spandau vom Churfürsten von Brandenburg erlangt und zu Potsdam angekommen war, haben sich die Kaiserlichen zu Brandenburg und von andern Orten aus der Mark alle näher und vor Magdeburg begeben, daherum sie in unterschiedlichen Feldlagern gelegen, also: 1) zu Westerhausen war das Hauptquartier und nicht weit von da nach der Stadt zu die Schiffbrücke, zu beiden Seiten des Elbstromes etwas beschanzt. 2) Des Grafen von Mansfeld Armee lag bei Fermersleben. 3) Des Grafen von Pappenheim auf der Wiese vor dem rothenseeischen Holze bis an die Neustadt. 4) Der katholischen Liga Armee auf dem krakauer Werder, Marsch und in der Zollschanze oder (den) da herum neugemachten Werken. 5) Die Reiterei aber war auf die nächsten Dörfer um die Stadt logirt (gelegt). Welches Volkes, wie nach der Stadt Eroberung der kaiserl. General-Proviantmeister Andreas Liebholt Autori berichtet hat, sollen 33,000 zu Fuß und 9000 zu Roß gewesen sein. Demnach aber, wegen sothaner Beschaffenheit, des Kriegesvolkes täglich mehr und mehr vor der Stadt angekommen, als haben sie auch die Belagerung, beides durch unnachlässiges Schießen aus groben Geschützen, als Verfertigung trefflicher vieler Laufgräben — die theils bis nahe an den Stadtgraben, theils auch durch die neuen, unausgebrachten Graben bis an den Wall gegangen — mit großem Ernst getrieben und fortgesetzt; und obgleich der von Falckenberg zu desto bequemeren Ausfällen in der Fausse braye des Bollwerks bei der Neustadt sich an zwei Orten versenken, und also einen Durchgang oder Stollen unter die Brustwehr durch bis in den Stadtgraben treiben ließ; so konnte er doch, wegen so starker Besetzung der Laufgräben, wenig Nutzen schaffen, sintemal stracks bei der ersten Probe der Capitain Wüstenhof mit den mehrsten bei sich habenden Soldaten das Leben darüber einbüßen mußte, daher denn denen von der Stadt durch solche große Macht und zugleich wegen des Mangels an Pulver alle Mittel zur Resistenz und Gegenwehr abgeschnitten waren; dahergegen die Kaiserlichen aus Hamburg, Braunschweig und andern Orten des Pulvers überflüssig bekommen und man alle Tage an 12, 15 bis 18 hundert Schüsse aus groben Stücken, so auf der Stadt Wälle, Thürme und Häuser gerichtet, zählen mögen.
Es ist aber, wie allbereits oben gemeldet, die Stadt zu dieser Zeit vornehmlich an dreien Oertern angegriffen und so hart belagert worden, nämlich und vorerst auf dem Marsch, da der katholischen Liga Volk gelegen und Willens gewesen, sich des Kronwerks daselbst und des Ravelins vor der kurzen (jetzigen Strom-) Brücke zu bemächtigen. Weil sie aber mit den Laufgräben auf dieser Insel sich nicht wohl wenden können, indem dem Gegentheil entweder von dem gedachten Kronwerke selbst oder von dem Walle der Stadt in die Linie konnte gesehen werden, haben sie mit dem Approchiren dieses Orts stillehalten und nachlassen müssen.
Für das Andere hat der Graf von Mansfeld seinen Posten in der Sudenburg gehabt, allda er mit Laufgräben nach dem neuen Bollwerke und Ravelin allhier, vornehmlich aber auf den Heydeck zugegangen, welches Bollwerk von 5 Seiten, davon die eine ganz nicht mag flanquirt oder bestrichen werden, gegen welche Seite hin er sich hinter des Grabens Futtermauer versenket, ein Loch dadurch gebrochen und mit 2 großen Stücken auf die Fundamentmauer des Heydecks Breche geschossen, in Meinung, es wäre gleich wie in den Epaules cent um (ringsum) also gewölbt, und wann diese Mauer oder (dieser) Fuß also eingeschossen, müsse der Wall nachschießen, den Graben füllen und ihm einen Weg zum Anlauf machen. Als aber der Graf Unrecht vermerkt, ließ er das Geschütz wiederum in die Höhe bringen, die Streitmauer dagegenüber niederfällen und den Graben durch das durchgebrochene Loch über das Wasser her, etwa 1½ Ruthe breit mit Reis und Erde füllen, wodurch also eine Gallerie oder nur ein Weg, an dieses Bollwerk zu gehen und dasselbe mit Leitern zu besteigen, gemacht und erlangt worden. Und obwohl der von Falckenberg sich sehr bemühete, diesem zu wehren, auch deswegen einen Koffer oder Kasten von starken Eichenbohlen fertigen, darin Musquetiers stellen und auf dem Wasser bis um die Ecke flößen ließ, so ist es doch alles — weil man vom Walle diesen Ort nicht defendiren und beschießen mögen — vergebens und umsonst gewesen.
Drittens hat der General Pappenheim die Stadt von der Nordseite, allda die Vorstadt Neustadt-Magdeburg gelegen, attaquirt und angegriffen, wozu ihm nicht allein die alten Mauern und Keller von solcher abgebrannten Stadt zum großen Vortheil gekommen, sondern vornehmlich des neuen Bollwerks wegen. Denn als bei angehendem Kriegeswesen in diesen Erz- und Stiftern die alte Stadt Magdeburg Ao. 1625 die Häuser der beiden oftgedachten Vorstädte Neustadt und Sudenburg um den Graben der alten Stadt herum abbrechen und, auf Anleitung des bestallten Baumeisters Michael Rudolff’s, drei neue große Bollwerke, als ein großes allhier und zwei in der Sudenburg erbauen ließ, ist die Bürgerschaft nicht allein wegen der Gefahr — daß man die alten, zu beiden Seiten hoch ausgemauerten, Graben ausgefüllt und eben in der Kriegeszeit dem Feinde gleichsam eine Bahn in die Stadt eröffnet habe — sondern auch des vielen Schanzens und Arbeitens halber sehr überdrüßig und schwierig geworden, daher auch die Werke unvollkommen und die Arbeit beliegen geblieben, vornehmlich aber an diesem Orte in der Neustadt, da der Graben um das neue Bollwerk nirgends zu rechter Tiefe gebracht, also daß man auch vorne auf der Spitze desselben mit Pferden bis auf und in die Fausse braye reiten können. Ueberdies war die Außenkante des Grabens mit der Epaule parallel und die Erde noch nicht ausgebracht, daher man in den Graben die Face entlang mit dem großen Geschütz nicht streichen können, und was dergleichen Fehler mehr, die auch zwar bei diesem Kriegeszustande noch wohl hätten können verbessert, aber wegen der andern Schanzen und Außenwerke, darin ein Theil der schwedischen Armee, wenn sie käme, liegen sollte, müssen unterlassen werden, welches alles nachmals dem Pappenheim zum großen Vortheil und sicherer Verfertigung einiger Gallerien und Approchen bis in die Fausse braye dieses Bollwerks gediehen. Denn nachdem er die ganze Neustadt zwerch durch, von der Elbe an bis an und um das Hornwerk vor dem Krökenthore, mit trefflichen vielen Laufgräben durchwühlet, und damit hin und wieder bis an die Contrescarpe der alten und neuen Gräben gekommen war, hat er
1) in dem Winkel, da, wie gemeldet, die Außenkante des Grabens mit der Epaule parallel gelaufen, durch die Contrescarpe zu sappiren und über den Graben eine, zu beiden Seiten mit Schanzkörben besetzte, Gallerie zu machen angefangen — dazu ihm denn zugleich die alte Futtermauer des Stadtgrabens nicht wenig Sicherung gegeben — und damit den Belagerten alle Flanquen und Defensiones entzogen würden, mußte von der Batterie gegenüber nicht allein der Wall über der Hohenpforte sammt dem Thurm, so dabei im Stadtgraben — darauf 2 Stein-Carthaunen — zur Breche geschossen, sondern auch noch der hohe Thurm hinter dem Wall herunter geschossen und also gefället werden, daß er den Wall entlang geschlagen und denen von der Stadt den Stand und Platz des ganzen Walles daselbst, und also der daher kommenden Flanque, beraubt hat. 2) Weil auf der Spitze dieses neuen Bollwerks der wenigste Theil des Erdreichs aus dem Graben gebracht gewesen, ist der General Pappenheim durch fünf unterschiedliche Approches über oder durch diesen Graben bis an und in die Spitze der Fausse braye gegangen, und hat also die ganze Face der Fausse braye, so im Anlegen auf 40 Ruthen lang zwischen die obgedachte Gallerie und diese Approches begriffen, die darin gelegten Sturmpfähle mit Spaten untergraben, ausheben, auch endlich etliche hundert Sturmleitern, die dann nicht über 4 Ellen lang sein durften, anlegen und also alles zum Sturm fertig machen lassen. 3) Ist auf der andern Seite dieses Bollwerks quer durch den Graben approchirt und zwischen die beiden Hörner in die Gordine (courtine) minirt worden. 4) Weil der Elbstrom den alten Stadtgraben vor dem Rondel allhier allezeit ums dritte oder vierte Jahr dergestalt vollgeschlämmt, daß man von der Elbseite nicht allein in den Graben gleiches Fußes, sondern auch sicher unter dem hohen Ufer bis an das Rondel, gehen können, als hat der General Pappenheim, nachdem er zuvor die Streitmauer herunter schießen lassen, einen Weg oder Appareille von Erde bis so hoch die Brustwehr der Fausse braye aufgeführt, und sich also auch an diesem Ort einen bequemen Eingang gemacht, durch welchen er nicht allein in der (die) Fausse braye, sondern rings um das Rondel bis unter das Fischerufer kommen können. 5) Wurde auch durch den von Pappenheim das Hornwerk vor dem Kröckenthor mit zweien Laufgräben, so durch die Contrescarpe sappirt und bis in die Berme des Walles getrieben waren, hart angegriffen. Er machte aber an diesem Orte wegen der Granaten und stätigen Musquetaden, auch daß der Ort konnte besser flanquirt werden, seinen rechten Eintritt nicht erlangen, welches denn um so viel desto weniger, weil dieses Werk nicht mit so vielen Laufgräben beschanzet, da hergegen vor dem ofterwähnten Bollwerk bei der Neustadt der Laufgräben viel hinter einander gemacht und alle so voll Musquetire gelegt waren, daß, wenn sich nur einer von den Belagerten hinter der Brustwehr ein wenig hervor blicken lassen, wohl 6 oder 8 Schüsse zugleich auf ihn geschahen; und ob man gleich solch des Pappenheim’s Vortheil mit dem Geschütz von der Stadt ziemlich hätte verhindern können, so war doch dieses, wegen obgedachten Mangels des Pulvers, ganz verboten.
Anlangend die vierte oder Westseite der Stadt, als vom Krökenthor bis zum Heydeck, die ist allein von Reitern — welche mit ganzen Regimentern in den Gründen und hinter den Misthaufen Wacht gehalten, und, wegen Mangel an Pulver, mit dem Geschütz nicht abgetrieben werden können — dergestalt beschlossen gewesen, daß auch an diesem Ort kein Mensch aus- und einkommen mögen.
Bei sothanem Zustande aber, und als die von der Stadt mit Verlangen erwarteten, daß der General Tilly, vermöge seines Schreibens de dato den 212 Mai, die 3 Trompeter, so der Stadt Gesandten zu beiden Churfürstl. D. D. Sachsen und Brandenburg und den Hansastädten begleiten sollten, anschicken würde, hat er den 919 Mai also an den Rath mit diesen Worten geantwortet:
P. P. Ob wier zward nicht ungemeinet gewesen, die begehrte päße uff die benante persohnen abermals zu übersenden, aldieweil Jedoch die sachen mit der Stadt nunmehr Zu solchen Extremiteten gerathen, daß dieselbe einige Verzögerung ohne die höheste gefahr nicht erleiden Können, wie Ihr selbsten vor augen sehet und spüret, als wird die bedeutete abschickung gar zu spät fallen, auch allerdings vergäblich geschehen; Nachdem dan Kein ander noch besser mittel ist, als das ihr bey so beschaffenen Dingen, hindan gesetzet aller anderen considerationen, Kurtze resolution faßet. So haben wier euch hiemit Zum vberfluß nochmals wolmeinendlich erinnern vndt treulich ermahnen wollen, daß Ihr euren Zustandt vndt in was augenscheinlicher leib vndt lebensgefahr, auch verlust aller wolfahrt Ihr vndt die eurigen vnfeilbar gerathen werdet, wohl vndt reiflich behertzigen vndt darauff Jetzo so bald Ihrer Röm. Kayserl. May., vnsern allergnädigsten Herrn vndt vorgesetzten höchsten Obrigkeit, vffligender schuldigkeit nach euch allergehorsambst submittiren, welches fals noch heilsame media beuorstehen, dadurch Ihr euch vndt die eurigen conserviren, auch eine solche capitulation treffen Könnet, worzu Ihr sonsten nimmermehr gelangen werdet. Doferne nuhn diese vnsere wolmeinende vndt treuhertzige ermahnung Ihr bey euch gelten laßet, gereichet solches zu angeregten euren eigenen besten, wo nicht, mußen wier es an seinen orth gestellet sein laßen; werden aber vor Gott vndt der welt woll entschuldiget, vndt in vnserm Christlichen gewißen gesichert sein, daß nicht wier, sondern Ihr selbsten vndt die Jenigen, so euch in eurer halstarrigkeit stercken, eures vnglücks vnd verderbens die eintzige vrsach seind, vndt deren verandwortung, so dannach bey dem allerhochsten, vndt dero werthen Posterität hernächst schwer fallen wird, allein vff sich laden werden, vns allerseits göttlicher Protection treulich befehlende.
Datum Westerhausen den 818 May Ao. 1631.
Als nun der Rath diese abschlägige Antwort bekommen und zugleich gesehen, in was Gefährlichkeiten die Stadt gestanden, hat er den Trompeter verharren (warten), den folgenden Tag — war der 919 Mai — die ganze Bürgerschaft in ihrer Viertelsherren Häuser zusammen fordern und dieselbe sämmtlich befragen lassen, ob man nämlich zum General Tilly Gesandten schicken und sich mit ihm in Tractaten einlassen solle oder nicht, worauf sie dann in theils Vierteln durch die mehresten Stimmen geschlossen, daß man schicken und tractiren solle, theils Viertel haben Alles zu des Raths Willen und Gutachten gestellet; theils aber, und sonderlich die Personen, so von Anfang zu diesem Werke gerathen und Beförderung dazu geleistet, ganz keine Tractaten eingehen, sondern noch alle Stunden und Augenblicke des Königs in Schweden Succurs erwarten wollen, also daß auch theils, unter des Johann Ludwig’s Viertel begriffene, Bürger — weil sie in dieser Sache ihren Viertelsherrn verdächtig gehalten — etliche ihres Mittels zum präsidirenden Bürgermeister noch desselbigen Abends abgefertiget und ihm durch dieselben — dafern etwa ihr Votum der Viertelsherr nicht aufrichtig dem Rathe vorgetragen — diese Resolution, daß sie mit dem Tilly ganz nicht tractiren, sondern sich lieber bis auf den letzten Mann wehren wollten, berichten lassen. So waren auch dieser Tage kurz zuvor abermals die Prediger der Altstadt zu Rathhause gewesen — darunter Dr. Christianus Gilbertus, Prediger zu Sct Ulrich, das Wort und Directorium geführet — den Rath als ihre liebe Beicht- und Pfarrkinder zur Großmüthigkeit und Beständigkeit ermahnende, mit Vertröstung, daß Gott der Allmächtige die Stadt in so gerechter Sache, die allein zu Erhaltung dessen Ehre und Lehre gemeinet, gewißlich schützen und beschirmen werde, dafern man nur beständig bleiben und sich mit den Katholischen in keine Tractaten oder Bündnisse einlassen würde, und was dergleichen Worte mehr vorgelaufen, damit der Rath vom Accordiren abgemahnet worden. Ob aber die Prediger ingesammt alle einerlei Meinung hierin gewesen, oder ob nicht etliche auch die Gedanken dabei gehabt, weil gleichwohl noch (weder) der Kaiser noch auch der General Tilly die Reformation in der Religion bei der Stadt niemals gesucht, sondern nur die allerunterthänigste Devotion und Submission begehrt — daß man die Stadt und so viele tausend Menschen auf sogar augenscheinliche Extremitäten nicht setzen, die Religion lieber beim Accord vorbehalten und also Gott, der durch seine Allmächtigkeit, auch ohne so grausamen Ruin, die Stadt bei seinem Wort und (seiner) Lehre erhalten könne, trauen solle, zumal ja, auf den Fall solcher äußersten Drängniß und darauf erfolgenden Ueberwindung, es doch um so viel mehr mit der Religion würde gethan und verloren sein, solches ist aus allerhand Umständen wohl vermuthlich. Es hat aber ohne Zweifel, gleich wie auch bei den andern Ständen geschehen, einer dem andern folgen und, damit er nicht als ein ungetreuer Hirt, der in der Zeit der Anfechtung abtrünnig werden wollte, angesehen würde, mit in die Reihe treten müssen.
Der Rath ist des angeregten 919 Tages Mai zu Nachmittage, wiewohl in geringer Zahl, abermals wiederum zusammen gekommen, da dann unter andern vom Autore berichtet worden, daß nunmehro die Sturmpfähle aus dem Bollwerk bei der Neustadt entlangs der Face ganz ausgegraben und also die in der Fausse braye liegende Besatzung alle Stunde und Augenblick vom Feinde überfallen werden könnte; derowegen man eine Resolution fassen müsse, damit es nachmals nicht zu spät falle etc. Darauf der Syndicus Dr Johann Denhardt geantwortet: er wäre nicht allein des Raths, sondern der ganzen Stadt Syndicus und müsse nach seinem besten Verstande und wegen so vieler tausend hierunter Periclitirenden Wohlfahrt reden. Was dann gleichwohl die Stadt machen wolle, wenn sie kein Pulver mehr hätte, und sonst dem Gegentheil nicht widerstehen könnte, also daß man sie (den Feind), bis auf den Wall kommen lassen müsse. Der Rath solle es bedenken, und so viel Menschen nicht in den äußersten Ruin und in Gefahr stürzen etc. Also ist von denen damals beisammen gewesenen Rathspersonen wiederum votirt, und daß man zum Tilly schicken und tractiren wolle, geschlossen, auch Raths wegen Autori solches alles nebst dem, was er wegen des Feindes Avantagi gesehen, an den von Falckenberg zu hinterbringen, aufgetragen und anbefohlen worden.
Hierauf hat Hr Falckenberg Anordnung gemacht, daß noch gegen die Nacht ein Ausfall geschehen und die Kaiserlichen des Ortes vom Walle und aus dem Graben getrieben werden sollten, welches aber ganz verblieben und zu keinem Effect gekommen. Die Ursachen zwar sind unbewußt, jedoch so dieser Ausfall wäre zu Werke gerichtet worden, hätten dadurch die Kaiserlichen in ihrem Vorhaben — weil sie, wie man auch nach der Eroberung von ihnen vernommen, desselben Abends, die Sturmleitern angesetzt und Alles zum Anlauf fertig gemacht gehabt — ohne allen Zweifel große Confusion und Verhinderniß bekommen u. s. w. Sonst hat auch des gedachten Abends der von Falckenberg den regierenden Bürgermeister ersuchen lassen, daß in der Sache, die vorhabende Tractation und Accord betreffend, ohne sein Wissen nichts vorgenommen, sondern gegen den künftigen Morgen, früh zu 4 Uhr, der Rath zusammen erfordert werden möchte, alsdann wolle man conjunctim zu den Tractaten schreiten und sich darin vereinbaren, wie dann auch zu dem Ende der Rath, Ausschuß und (die) Viertelsherren an einem, der Hofmarschall Falckenberg, Ambassadeur Stalmann und des Administrators Räthe andern theils folgenden Tages, als den 1020 Mai zu bestimmter, früher Zeit auf dem Rathhause erschienen und zusammen gekommen sind. Der Rath hat aus seiner Mitte den Bürgermeister Georg Kühlewein, den Syndicus, item Hrn Conrad Gerhold und Autorem zu dem von Falckenberg — so nebst dem Stalmann und Hrn Administratoris Räthen in einer besondern Stube gewesen — diese Tractaten zu vollstrecken und alsofort mit dem Trompeter, Gesandten an den General Tilly zu schicken, deputirt und abgeordnet. Als man sich nun hierin unter einander bereden wollen, hat Hr Falckenberg angefangen, alle des Königs zu Schweden hochbetheuerte Zusagen und Versprechungen des so lang vertrösteten Entsatzes wegen länglich zu erzählen und denenselben nochmals festiglich inhäriret und vertrauet, mit fernerer Anzeigung, daß ja die Gefahr, wie etliche vermeinten, noch nicht so groß, und weil man sich nunmehr des Entsatzes stündlich, ja augenblicklich vermuthete, wäre keine Stunde, die man sich länger hielte, mit keiner Tonne Goldes zu bezahlen etc. Indem er aber also von diesem und dergleichen wohl bei einer Stunde lang geredet, ward indem der Secretarius aus dem Rathe geschickt, welcher berichtet, daß durch die beiden Männer, so auf dem Dom und Sct Jacobthurm Wacht zu halten bestellt, dem Rath angezeigt wäre, wie die Kaiserlichen aus allen Lagern sehr stark in die beiden Vorstädte Neustadt und Sudenburg ankommen und sich hinter die Approches, alte Mauern und Keller begeben thäten. Unlängst hernach kam ein Bürger vom Walle mit Anzeigung, daß es im Felde hinter allen Hügeln und Gründen voller Reiter hielte; so hätte man auch sehr viel Volkes in die Vorstädte marschiren gesehen. Hierauf der von Falckenberg geantwortet: er wollte, daß sich’s die Kaiserlichen unterstehen und stürmen möchten, sie sollten gewiß also empfangen werden, daß ihnen übel gefallen würde. Hat ferner in seinem Gespräch und Voto fortgefahren, bis der Wächter auf Sct Johannisthurm Sturm geblasen und die weiße Kriegesfahne ausgesteckt. Da denn Autor nicht länger sitzen, sondern hingehen und sehen wollen, was passirte. Und als er in die Fischergasse gekommen, hat er gesehen, daß die Croaten — so um das Rondel bei dem kleinen Wasser durchgeritten waren, wie davon besserhin wird gesagt werden — schon der Fischer Häuser stürmten und plünderten. Darauf Autor sich eilends zu Rathhause verfügt und mit kurzen Worten dem Rath angedeutet, daß es unvonnöthen, da zu sitzen, denn der Feind schon in der Stadt, welches Allen gar unglaublich vorgekommen. Und als indessen auch des Falckenberg’s eigene Pagen zu Rathhause kommen und berichteten, daß die Kaiserlichen schon auf dem Walle bei der Neustadt sein sollten, ist er aufgestanden, zu Pferde gesessen und hin, des Obristlieutenants Trost Regiment vom Marsch abzufordern, geritten. Da er aber mit dem Volke bei der Hohenpforte angekommen und die Kaiserlichen allbereits daherum in den Gassen der Stadt angetroffen, hat er zwar heftig in sie gesetzt und (sie) anfangs ziemlich zurückgetrieben. Weil sie aber je mehr und mehr Volk zu Hilfe bekommen, auch allbereits mit Reiterei in der Stadt gewesen, ist der von Falckenberg nebst dem Obristlieutenant Trost allda todt geblieben und ihr Volk zertrennt und geschlagen worden. Und obwohl der Obrist Uslar mit seiner Reiterei, und was sonst noch zur Reserve vorhanden gewesen, auch zusammen gekommen und Falckenbergen entsetzen wollen, ist es doch viel zu spät und vergebens gewesen. Der Rath ist mehrentheils auf dem Markte, in einem oder (dem) andern Ordre zu ertheilen — wie denn alsofort etliche Trommelschläger, um einen Accord anzuhalten, an die Orte, da die Kaiserlichen hereingekommen, zwar ausgeschickt, aber mit solcher Antwort, daß Keiner davon wieder zurückgekommen, versehen worden — bestehend geblieben, bis endlich, als die Feinde immermehr hereingedrungen, ein jeder gesehen, wohin er sein Refugium nehmen und sich aufs beste salviren mögen. etc.
Es ist aber, was die eigentliche Bestürm- und Eroberung der Stadt anlangt, damit in folgender Gestalt daher gegangen:
Als, wie obgedacht, der Graf von Pappenheim sich der Fausse braye des Bollwerks bei der Neustadt dergestalt bemächtigt gehabt, daß er 1) durch die Gallerie, 2) durch die bis auf die Spitzen des Bollwerks gemachten fünf Approchen nicht allein bis auf den Wall gekommen, die Sturmpfähle entlangs der ganzen Face ausgegraben und seine Sturmleitern in großer Menge den Abend zuvor nach allem Belieben anschlagen und also im Hui mit etlichen Hundert zugleich über die Brustwehr der Fausse braye herüber den Falckenberg’schen Knechten einfallen können, sondern auch 3) am Rondel bei der Elbe eine Appareille oder aufgeführten Weg von Erde — durch welchen man zugleich in diese Fausse braye steigen und auch hin um das Rondel bis unter das Fischerufer gehn mögen — aufwerfen und verfertigen lassen etc. Desgleichen als der Graf von Mansfeld auf seinem Posten bei der Sudenburg, sonderlich aber vor dem Heydeck mit Ausdämmung des Wassergrabens und Fällung der Stadtmauer daselbst auch fertig gewesen; demnach hat der General Tilly — wie solches die Relationen von diesem Handel besagen — mit seinen Generalen und Obristen Rath gehalten, wie man die Sachen angreifen solle; dabei er dann sehr gezweifelt, ob ein Sturm zu versuchen wäre, sintemal ihm nicht mag unwissend gewesen sein, was erstlich den Heydeck belangt, daß solcher ein sehr hohes Bollwerk und, wenn gleich die Streitmauer ersteigen und eingenommen, man doch noch nicht auf dem Bollwerke wäre. Fürs andere, obschon am Bollwerke bei der Neustadt der von Pappenheim sich der Fausse braye wohl bemächtigen könnte, so wären doch um den Fuß des Walles Pallisaden gesetzt, daß man auf das Bollwerk und den Wall, ohne durch ein enges Pförtlein, welches durch den Thurm zum Eingang in der Fausse braye gemacht, nicht kommen können. Jedoch als ein kaiserlicher Obrister stark dazu gerathen und das Exempel von Mastricht herbei gebracht, da die Wacht in der Morgenstunde geschlafen, hat man geschlossen, daß 1) der Graf von Pappenheim nebst seinem eigenen und dann den Gronsfeldischen, Wangler’schen, Savellischen etc. Regimentern das Bollwerk bei der Neustadt, 2) Herzog Adolph von Holstein das Hornwerk vor dem Krökenthor, 3) Graf Wolf von Mansfeld mit seinen Regimentern den Heydeck und (das) Ravelin bei der Sudenburg — welches Ravelin damals noch keinen Graben hatte, sondern allein auf der Brustwehr der Fausse braye mit Pallisaden besetzt war, sammt andern Werken allda: 4) Die Ligistischen das Kronwerk oder (den) Durchschnitt auf dem Marsch und 5) zwei kaiserliche Regimenter die beiden Halbmonde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer Thore anfallen sollten und sollte der Sturm also zugleich, wenn eine Losung mit dem Geschütz gegeben, geschehen. Aber der General Tilly hat denselbigen Morgen noch einmal Kriegsrath gehalten, wiewohl den vorigen Abend beschlossen und abgeredet gewesen, gleich mit dem Tage anzufallen, so gar hat man an gutem Effect gezweifelt, darauf es sich dann mit dem Anfall bis nach 6 Uhr verzögert. Da hat der Pappenheim den Anfang gemacht, ist in großer Furie — durch Hilfe der obbeschriebenen Bequemlichkeiten — von allen Enden um das Bollwerk zugleich herüber die Brustwehr in die Fausse braye zu den darin liegenden Falckenbergischen Soldaten gefallen, und weil denselben von der kaiserlichen starken Vergatterung in die Laufgräben, weniger von ihrem vorhabenden Sturm keine Advertissement und Wissenschaft beschehen, daher nur die Schildwachten allein ihre Lunten — weil bei der Stadt zu so langwierigem Kriege ein solcher Vorrath, daß so viel Volks ihre Lunten brennend halten können, nicht gewesen — entzündet gehabt, welche aber einen solchen mächtigen und plötzlichen Einfall des Feindes zu resistiren, viel zu ohnmächtig gewesen und, was etwa von den andern zum Gewehr gegriffen und seine Lunte zünden wollen, darauf ist stracks chargiret und geschossen worden, also daß die Falckenbergischen Officiere und Knechte bald in Confusion gerathen und sich mit großer Unordnung durch das obgemeldete enge Pförtlein retiriren und zurückwenden müssen.
Ob nun wohl diejenigen 700 Falckenbergischen Knechte sammt ihren drei Obristwachtmeistern Waudrich, Mackensee und Stauder — als denen das Bollwerk und (die) Fausse braye zu besetzen zugeordnet — und dann die Bürger, so das Rondel und den Wall bei der hohen Pforte bewachen sollen, damals nicht alle zur Stelle gewesen, denn theils in Bereitschaft auf Sct Jacobs-Kirchhof und der Orte liegen müssen, theils mögen auch wohl Pässe zu kaufen vergünstigt sein worden, so hält Autor, als der alle Tage sonst an diesen Ort, indem er Bauherr bei der Stadt gewesen, gekommen und gesehen, was etwa vorgelaufen und wie stark der Ort besetzt worden, nicht dafür, daß auf Seiten der Stadt der Mangel an wenigem Volke, wie etliche vermeint, gewesen und deswegen die Kaiserlichen so leicht, mit Verlust geringen Volkes, die Stadt an diesem Ort bestiegen und gewonnen hätten. Es ist auch nicht vermuthlich, daß der von Falckenberg unter seinen eigenen Soldaten, — welche ohne dies wegen Mangel an Unterhalt nicht herunter gehen durften, sintemal jeder Knecht vom 24. April an, ohne was die Bürger an Victualien zugeschossen, alle Tage 3 Groschen empfangen — so schlecht Ordre solle gehalten, und die mehrsten auf einmal herunter gehen lassen, sondern es müssen nachfolgende Umstände, und wie weit die Belagerer in ihrem Vortheil gediehen, vornehmlich betrachtet werden. 1) Daß, obgleich dem von Falckenberg dieser Bericht auf dem Rathhause zugekommen, wie nämlich der Feind aus allen Lagern in die Vorstädte und Approchen (sich) zusammenzöge etc., er dennoch den Officieren und Knechten auf den Wällen kein Avertissement geschehen, noch auch keine Piken oder Morgensterne und dergleichen in der Fausse braye beihanden gewesen. Daß also daher, wegen des unversehenen und starken Einfalls der Kaiserlichen, denen in der Fausse braye liegenden Falckenbergischen Soldaten zum Gewehr zu greifen, die Lunten anzuzünden und zugleich zu widerstehen unmöglich gewesen. 2) Als sich diese durch das enge Pförtlein retiriren müssen, ist Freund und Feind zugleich mit einander eingegangen, und haben die auf dem Bollwerk und Rondel liegenden Soldaten und Bürger nicht gewußt und wissen können, was dabei zu thun sei, denn sie den Falckenbergischen die Retirade nicht wehren dürfen. 3) Ist auch wohl etwas die Betstunde, so eben damals ein markgräfischer Feldprediger auf dem Bollwerk allhier gehalten, dem Feinde zu statten gekommen. Und dann 4) das Retranchement oder der Abschnitt — welches der von Falckenberg kurz zuvor auf diesem Bollwerk, weil er sich einer Minir- und Untergrabung besorgt, machen lassen — den durch das oftgemeldete Pförtlein herauf kommenden Kaiserlichen als eine gute Brustwehr zum Vortheil gediehen, dahinter sie sich stellen und desto besser auf die Falckenbergischen, so das Bollwerk besetzt und daselbst Predigt gehalten, Feuer geben können. 5) Sind durch die obgedachte Opereille viel kaiserliches Volks heraufgestiegen, die nicht allein in der Fausse braye, sondern zugleich um das Rondel hinter der Streitmauer herum gelaufen und unter das Fischerufer gekommen, wozu 6) der von Pappenheim zwei Kompagnien Croaten um dieses Bollwerk durchs Wasser, welches eben zu der Zeit sehr klein war, zu reiten commandirt, die dann, sobald sie durch das Thor, welches die Fischer vorher nicht zumachen lassen, sondern selbst verwahren wollen, unter dem Fischerufer hinein gekommen, alles dergestalt von Bürgern und Soldaten in Confusion gebracht, daß, eher und zuvor Falckenberg mit dem Succurs angelangt, die Kaiserlichen die Oberhand gekriegt und also die Stadt an diesem Ort mit wenigem Verlust ihres Volkes erobert und gewonnen haben.
Der Graf von Mansfeld aber, so auch zur selbigen Zeit beides an dem Heydeck — allda der Graben ausgedämmt und die Streitmauer hernieder geschossen gewesen — und Ravelin vor dem Sudenburger Thore Leitern anwerfen und stürmen lassen, hat damit wenig ausrichten können, denn die Seinigen solchen Vortheil nicht gehabt; derowegen sie dieser Orten viel Volks einbüßen und den Kürzern ziehen müssen. Betreffend das Hornwerk vor dem Kröckenthore und die beiden Halbmonde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer-Thore, die sind zwar auch hart bestürmt, aber von außen her nicht genommen, noch übermeistert worden; sondern als die Kaiserlichen sich des ganzen Walles von der Neustadt und Elbe an bis hierher bemächtigt, ist alle ihre Gegenwehr unmöglich gewesen, als daß sie nur Gnade und um Quartier bitten müssen. Das Kronwerk auf dem Marsch und Ravelin vor der kurzen Elbbrücke hat der Hr Administrator unter währendem Sturm ganz zu verlassen, und von einem Joch dieser Brücke die Bohlen und Balken abzuwerfen, befohlen, und wiewohl, bei so eilfertiger Retirade, die Balken mehrentheils beliegend geblieben, haben dennoch sich die Kaiserlichen, wegen der im Brückthor und Möllnhofe bestellten Bürgerwacht, herüber zu gehen nicht unterstehn dürfen, bis endlich die Stadt ohne das ganz überwältigt gewesen, da denn auch viel Reiter, als sie auf jener Seite der Elbe solches gesehen, aus Begierde zur Beute durch die Elbe geritten und theils im Wasser ersoffen sind.
Als nun gedachter maßen durch den General Pappenheim eine ziemliche Anzahl Volkes auf den Wall bei der Neustadt und da herum in die Gassen der Stadt gebracht, auch der von Falckenberg erschossen und das Feuer an allen Enden eingelegt worden, da ist es mit der Stadt geschehen und alle Resistenz zu spät und vergebens gewesen. Denn ob sich gleich von Bürgern und Soldaten an etlichen Orten etwas wieder gesetzt und zur Wehr gestellt, haben doch die Kaiserlichen indessen immer mehr und mehr Volkes, auch Reiterei genug — weil der Graben auf der Spitze dieses Bollwerks noch nicht ausgearbeitet und der neue Wall sehr flach, also daß sie auch darüber in die Stadt reiten können — zu Hilfe gekriegt, endlich das Kröckenthor eröffnet und also die ganze Armee der kaiserlichen und katholischen Liga von Hungarn, Croaten, Polacken, Heyducken, Italianern, Hispaniarden, Franzosen, Wallonen, Nieder- und Oberdeutschen etc. hier eingelassen. Da ist es geschehen, daß die Stadt mit allen ihren Einwohnern in die Hände und Gewaltsamkeit ihrer Feinde gerathen — die denn alle heftig und grausam, theils aus gemeinem Haß gegen die augsburgischen Confessions-Verwandten, theils daß man mit Drathkugeln geschossen und sonst etwa von den Wällen, wie es zu gehen pflegt, geschmählet, erzürnt und erbittert gewesen. — Da ist nichts als Morden, Brennen, Plündern, Peinigen, Prügeln gewesen. Insonderheit hat ein Jeder von den Feinden nach vieler und großer Beute gefraget. Wenn dann eine solche Partei in ein Haus gekommen, und der Herr etwas zu geben vermocht gehabt, hat er sich und die Seinigen so lang salviren und erhalten können, bis eine andere, die auch was haben wollen, wieder angekommen. Endlich aber, wenn es alles hingegeben und nichts mehr vorhanden gewesen, alsdann ist die Noth erst angegangen. Da haben sie angefangen zu prügeln, ängstigen, gedrohet zu erschießen, spießen, henken etc., daß, wenn’s gleich unter die Erde vergraben oder in tausend Schlössern verschlossen gewesen, die Leute dennoch hervorsuchen und herausgeben müssen. Unter welcher währenden Wütherei dann, und da diese so herrliche, große Stadt, die gleichsam eine Fürstinn im ganzen Lande war, in voller brennender Gluth und solchem großen Jammer und unaussprechlicher Noth und Herzeleid gestanden, sind mit gräulichem ängstlichen Mord- und Zetergeschrei viel tausend unschuldige Menschen, Weiber und Kinder kläglich ermordet und auf vielerhand Weise erbärmlich hingerichtet worden, also daß es mit Worten nicht genugsam kann beschrieben und mit Thränen beweint werden.
Es hat aber diese trübselige Zeit nicht viel über zwei Stunden lang in der Stadt gewähret, indem durch den unversehens zustoßenden Wind das Feuer — so zwar anfangs der Graf von Pappenheim, den Bürgern und Einwohnern zur Perturbation und Schrecken einzulegen solle befohlen, nachmals aber die gemeine Soldatesque hierin keine Discretion und Aufhören gewußt haben — dergestalt überhand genommen, daß um 10 Uhr Vormittags alles im Feuer gestanden, und um 10 Uhr gegen die Nacht die ganze Stadt, zusammt dem schönen Rathhause und allen Kirchen und Klöstern, völlig in der Aschen und Steinhaufen gelegen. Daher denn das kaiserliche Kriegesvolk, wenn es nicht selbst verbrennen wollen, wiederum aus der Stadt entweichen und sich in ihre (seine) Feldlager retiriren müssen.
Also hat man diese weitberühmte, vornehme Stadt und Zierde des ganzen Landes in einem Tage in Feuer und Rauch aufgehen und ihre übrig gebliebenen Einwohner mit Weib und Kindern gefangen vor dem Feinde hintreiben gesehen, daß das Geschrei, Weinen und Heulen gar weit ist gehört und die Lohe und Asche von der Stadt bis in Wanzleben, Egeln und weitere Orte durch den Wind verführet worden.
So viel nun derer von Magdeburg vom Feuer und Schwert verschont geblieben, hat ein Jeder, zu Erhaltung seines und der Seinigen Lebens und Ehre, solches ranzioniren und, nach Advenant der Person, theils wohl mit 1000 und mehr Reichsthalern wieder kaufen und bezahlen müssen; und ob er gleich nicht gehabt, so ist er doch so lange, bis von andern fremden Leuten entweder auf Schuldforderung, Bitt oder Credit das Ranzionsgeld erlegt oder sonst genugsame Versicherung gemacht, angehalten und wohl gar gefänglich verwahrt worden. Betreffend die gemeinen Handwerksleute, Tagelöhner, Knechte und Jungen, wie auch Soldaten, so auf schwedischer und der Stadt Seiten gedient und nichts zu geben vermocht, haben entweder der Feinde Beute und Bündel eine Zeitlang nachtragen, allerhand Dienste thun, oder wohl gar selbige annehmen und sich unterhalten lassen müssen. Mit den Weibern, Jungfrauen, Töchtern und Mägden aber, die keine Männer, Eltern oder Verwandten gehabt, so ihrenthalber Ranzion erlegen, noch bei hohen Officieren Hilfe oder Rath suchen können, ist es mit vielen fast übel abgelaufen, sind theils genothzüchtigt und geschändet, theils zu Concubinen behalten worden, wiewohl dennoch auch viele, die dergleichen Freunde und Mittel nicht gehabt, wunderlich bei Ehren sind erhalten und von theils ehrliebenden Soldaten durch Redlichkeit dessen, der sie gefangen bekommen, ehrlich losgelassen oder wohl gar geheirathet worden. Die andern aber, sonderlich die zuvor sich schon leichtfertigen Handels gebraucht, wie denn hiervon die Feinde damals sehr fleißige Nachforschung gehalten, sind auch in solcher Unzüchtigen Hände gerathen und haben sich mit im Lande müssen herumführen lassen.
Was J. F. Gn den Hrn Administrator anbelangt, ist derselbe unterweges auf der Straße, als sie an die Oerter hinreiten und den Kaiserlichen begegnen wollen, von ihnen angetroffen, mit Partisanen und Musketen übel geschlagen und in den Schenkel geschossen worden, bis endlich ein Lieutenant sich derselben angenommen und in des von Pappenheim Gezelt tragen lassen. Des folgenden Tages hat man J. F. Gn nach Wolmirstädt geführt und allda im Gefängnisse curirt. Der Hofmarschall Falckenberg ist, nachdem er geschossen und in eines Bürgers Haus bei Sct Jacob getragen worden, in der Feuersbrunst nebst andern Erschlagenen mit verbrannt und also geblieben. Dem Ambassadeur Stalmann aber hat es geglückt, daß er etliche Tage hernach im Lager bei Fermersleben, durch Hilfe eines ihm wohlbekannten Juden, die eisernen Bande an Händen und Füßen entzweifeilen und bei der, wie man sagt, erpracticirten Anzündung dieses Lagers ausreißen und zum Könige in Schweden flüchten können. Aus dem Rath sind der Bürgermeister Martin Brauns und die Rathsherren Dietrich Brewitz, Caspar Steinbeck und Martin Bauermeister umgekommen; die andern 3 Bürgermeister Georg Schmidt, Georg Kühlewein und Johann Westphal; nebst dem Rathsherrn Otto Gericken und vielen andern Leuten, haben sich mit den Ihrigen in Hrn Johann Alemann’s Haus begeben, allda sie endlich, nach vielfältiger ausgestandener Leib- und Lebensgefahr, durch den kaiserlichen General-Krieges-Commissarius Hrn von Walmerode — welcher eben des Johann Alemann’s Hausfrauen zu salviren dahin gekommen — errettet und hinaus nach Schönebeck in Sicherung gebracht worden. Herr Conrad Gerold und andere mehr, die so auf der schwedischen Seite gewesen, haben gesehen, daß sie sich stracks bei den kaiserlichen Soldaten ranzionirt, und sind durch und zum Könige aus Schweden gegangen. Dr Christianus Gilbertus, Hermannus Cummius und Heinrich Pöpping aber — als welcher auch droben gedacht worden — lange Zeit von den Kaiserlichen wegen dessen, daß sie mit unter dem schwedischen Wesen gesteckt haben sollten, gefänglich behalten und allererst, als die Kaiserlichen die Stadt wiederum verlassen müssen, liberirt worden, wiewohl Pöpping kurz vorher an der rothen Ruhr, mit großer Wehklagung und Betraurung dessen, daß er die Stadt Magdeburg hätte verführen helfen, soll gestorben sein, wie solches der Cummius und die Weiber, so ihn in der Krankheit gewartet, berichtet haben.
In der Domkirche sind wohl in die 4000 Menschen gewesen, die sich darin retiriret und verkrochen gehabt, und obwohl anfangs etwas von kaiserlichem Volke hinein gekommen, die etliche Leute niedergemacht und 2 Weibespersonen darin sollen geschändet haben; so ist doch bald Schildwacht vor die Thüren gesetzet und ferner Gewalt verhütet worden. Der Domprediger Reinhard Backe hat sich auch in diese Kirche salvirt, welchem zwar anfangs die Jesuiten und andere katholische Geistliche hart zugesetzt und übel angefahren; jedoch soll er seine Gegenantwort dergestalt gethan und so viel beigebracht haben, daß sie ihn als einen lutherischen Prediger — der seine Zuhörer zur Gottesfurcht, Ehrbarkeit und einem stillen, geruhigen Leben angemahnt, die Bosheit und Widersetzlichkeit gestraft gehabt — müssen passiren und gewähren lassen.
Belangend die Anzahl der Erschlagenen und Umgekommenen in der Stadt, weil nicht allein das Schwert, sondern auch das Feuer viel Menschen aufgefressen, kann man dieselbe nicht eigentlich wissen, denn nicht allein bald nach dieser erbärmlichen Einäscherung der General Tilly die verbrannten Leichname und sonst Erschlagenen von den Gassen, Wällen und andern Plätzen auf Wagen laden und in’s Wasser der Elbe fahren lassen, sondern man hat auch fast ein ganzes Jahr lang nach der Zeit in den verfallenen Kellern viel todte Körper zu 5, 6, 8, 10 und mehr, die darin erstickt und befallen gewesen, gefunden und weil die, so auf den Gassen gelegen, sehr vom Feuer verzehrt und von den einfallenden Gebäuden zerschmettert gewesen, also daß man oft die Stücken mit Mistgabeln aufladen müssen, wird Niemand die eigentliche Summam benennen können. Insgemein aber hält man dafür, daß mit eingeschlossen die beiden Vorstädte und was von der kaiserlichen Soldatesque — als von denen nicht allein im Sturm hin und wieder viel geblieben, sondern sich auch mancher verspätet, im Keller oder Hause zu lange gesucht oder sonst verirrt gehabt — umgekommen und verbrannt, es auf 20,000 Menschen, klein und groß, gewesen, die bei solchem grausamen Zustande ihr Leben enden oder sonst am Leibe Schaden leiden müssen. Die abgestorbenen Leichname, so vor das Wasserthor hinaus in die Elbe geführt worden, haben, weil an dem Orte alle Wege ein Kräusel oder Wirbel ist, nicht bald hinwegfließen können oder wollen, also daß viele da lange herumgeschwommen, die theils die Köpfe aus dem Wasser gehabt, theils die Hände gleichsam gen Himmel gereckt und dem Anschauer ein fast grausam Spectakel gegeben haben, davon denn viel Geschwätzes gemacht worden, gleich als hätten solche todte Leute noch gebetet, gesungen und zu Gott um Rache geschrieen, wie denn ebenermaßen man von vielen Gesichtern, Gespenstern und dergleichen Dingen zwar sagen, aber von Niemand im Grunde der Wahrheit bejahet werden wollen.
In dieser erschrecklichen Feuersbrunst sind 1) alle Kirchen und Gotteshäuser der Alten Stadt bis auf das Mauerwerk gänzlich verbrannt und in die Asche gelegt, darunter vornehmlich gewesen Sct Johannis, die größte und höchste Kirche, deroselben zwei hohe Kirchspitzen mit Blei und das Dach über der Kirche ganz mit Kupfer gedeckt gewesen. Dann Sct Ulrich, die schönste, worin die herrlichsten Epitaphia und Gemälde gestanden, so Vornehme von Adel und aus den Geschlechtern der Stadt darin zum Gedächtniß setzen und sich oft manches von 1 bis in 2 und 3 tausend Thaler kosten lassen. Desgleichen Sct Catharinen, so in der Feuerbrunst 1613 auch abgebrannt, aber wenig Jahre zuvor ganz neu wieder mit Dach und hohen Thurmspitzen auferbauet gewesen. Sct Jacob, so zwar auch in der ersten Belagerung 1550 viel Schaden erlitten, hat nun, sammt der Kirche zu Sct Peter und der zum heiligen Geist, denen andern sämmtlichen gleich werden müssen. In welchen sechs Haupt- und Pfarrkirchen nicht allein alle Sonntage, sondern auch mehrentheils die Werkeltage über gepredigt und der Gottesdienst verrichtet worden, daher die Alten solche 6 Pfarren zu mehrern Unterschied in nachfolgende Reime begriffen:
zu S. Ulrich die Reichen — zu S. Johannis die Säuberlichen — zu S. Catharinen das Dunkelgut — zu S. Jacob die Armuth — zu S. Peter die Fischer — zum heiligen Geist die Tischer.
2) Sind die beiden Collegiatstiftskirchen S. Nicolai und Sebastiani, item die Kirche Petri und Pauli sammt andern Cellen und Klausen auf dem Neuen Markt wie nicht weniger in der Altenstadt die Klosterkirche der Augustiner, so das Geschlecht der Feuerhacken allhier gebauet und gestiftet, ingleichen das Barfüßerkloster, woraus nach der Reformation der Rath eine Schule angerichtet, dann das Jungfernkloster Marie Magdalene, die Kirche zu S. Gertraud, die zu S. Annen sammt allen Hospitalien, Armenhäusern, Capellen und dergleichen dem Feuer und Rauch zu Theil geworden.
3) Hat auch die Hitze des Feuers das schöne, wohlerbauete Rathhaus, woran viele alte Monumente, Bilder und Wappen in Stein gehauen und sonst gemalt gestanden, zusammt dem neuerbauten Zeughause, item die Thürme und Thore der Stadt mit ihren Zug- und andern Brücken — allein ausgenommen die Sudenburger Brücke — nicht vorbei gehen mögen, also daß noch des Nachmittags, als des Raths Pulvermühle und von derselben die andern Schiffmühlen angesteckt worden, auch die kurze Elbbrücke der Asche zu Theil werden müssen.
Endlich und 4) sind alle Wohnhäuser der Stadt, worunter manches schönes Gebäude zu befinden gewesen, als vornehmlich Thomas Mauritz Haus[27], nahe beim güldenen Arm, welches er, als der letzte von seinem Geschlechte, zum Gedächtnisse erbauet und über 20,000 Thlr. gekostet. Item der von Quitzow Haus am Neuen Markte, der Anhaltische Hof[28] und alle andere dergleichen adelige und bürgerliche stattliche Häuser gänzlich verbrannt und in Asche gelegt, also daß noch ein weniges von Häusern am Neuen Markt, zusammt der Domkirche und U. L. Frauenkloster sind bestehend geblieben, welches etwa von der katholischen Geistlichkeit, als die die Soldaten zum Löschen soll angetrieben haben, mag sein erhalten worden. Wie denn auch die Fischer unter dem Ufer ihre Häuser behalten haben.
Sobald sich aber die Hitze und Gluth in etwas gestillet, hat der kaiserliche General von der Artillerie, welcher ein Freiherr von Schönberg und bald nachmals in der Schlacht vor Leipzig geblieben, alle Braupfannen, Glocken und anderes Kupfergeschirr zusammen auf unterschiedliche große Haufen führen und für sich als seine Beute verwahren lassen. So hat sich auch überdies eine unglaubliche Anzahl von Eisenwerk, eisernen Oefen, messingenen Grapen, Becken, Leuchtern etc., auf den abgebrannten Stätten und, insonderheit noch in den Kellern, viel Zinnwerk und dergleichen befunden, so theils auch von der kaiserlichen Soldatesque zusammengebracht und hin und wieder distrahirt worden; nicht weniger haben auch bald hernach theils die Bürger selbsten, so der Zeit in der Stadt geblieben und vornehmlich die, welche sich des Wassers und Schiffens gebrauchet, diese Metalle zusammengelesen und von den Soldaten um ein ganz schnödes Geld an sich gebracht und heimlich nach Hamburg und andere Oerter verführet, also daß sie theils davon viel reicher, als zuvor, geworden sind. Den mehreren Theil aber von den Braupfannen, zerbrochenen Glocken und andern Metallen, so obgemeldeter General von der Artillerie und andere Kaiserliche sammeln lassen, haben sie nachmals zusammt mit der Stadt quittiren und den Schwedischen überlassen müssen.
Sonst ist über dieses alles viel herrlicher und unwiederbringlicher Hausrath und allerhand stattliches bewegliches Eigenthum von alten Büchern, Schriften, Monumenten, Gemälden und dergleichen, so theils Vornehme von Adel in die Stadt geflüchtet, theils auch den vornehmsten Bürgern zuständig und nicht mehr für Geld zu bekommen gewesen, mit verbrannt und also der Soldatesque an ihrer Beute abgegangen. Man hat auch in gar vielen Kellern im Bier und Wein bis an die Knie gehn mögen, weil der Uebermuth und Frevel des gemeinen Kriegsvolkes so groß gewesen, daß, wenn etwa ein Eimer Biers oder Weins aus einem Fasse gezapft worden, sie den Zapfen nicht wieder einstecken wollen, und also das Bier und (den) Wein hinlaufen lassen. Die stattlichsten Kleider, Decken, Seidenzeuge, goldene und silberne Passementen (Borten, Tressen), allerhand Leinen und anderes Hausgeräth haben die Marketender um ein ganz liederliches (Geld) an sich gebracht und ins ganze Erzstift Magdeburg, in das anhältische und braunschweigische Land mit ganzen Wagen voll verführt und verkauft. Man hat auch die goldenen Ketten, Ringe, Kleinodien und anderes Gold- und Silbergeschirr von den gemeinen Knechten mehr denn zehnmal wohlfeiler, als um den rechten Werth desselben, kaufen und erhandeln können.
Wo der Stadt Archive, Briefe und Siegel, Privilegien, Register, Protocolle und andere Urkunden hingekommen, weiß man nicht, sintemal die Vornehmsten des Raths und der Bürgerschaft, so viel deren noch vom Feuer und Schwert übrig geblieben, in einem Jahre nicht wieder in die Stadt gekommen oder (in derselben) unterkommen können. Ob nun solche Documente, Briefe und Handfesten von Jemand aufgehoben, weil alles in Gewölben gelegen und schwerlich verbrannt ist, stehet dahin; gleichwohl ist der Stadt hierin auch ein unwiederbringlicher Schaden geschehen. Was in den Kellern noch gewesen, haben sich die Tillyschen Soldaten, die auf den wüsten Brandstellen Hütten gebauet, zu Nutze gemacht.
Es sind auch die vorlängst schon hierauf wartenden geistlichen Herren und andere der katholischen Religion zugethane Ordenspersonen, Mönche und dergleichen, den Dom — welcher auf dem weiten, geräumigen Platz des Neuen Marktes sammt etlichen Häusern allda unabgebrennt stehen geblieben — zu reformiren hineingekommen und haben sowohl in diesem, als andern (Kirchen) neue Anstalt zu machen, angefangen.
Der König in Schweden, indem er vermuthet, es würde über diesen traurigen Fall, daß die Stadt bei Zeiten nicht secundirt worden, ungleiche Gedanken abgeben, hat lassen ein Manifest ausgehen, darin er anfänglich der Magdeburger Verstoßen in ipso principio et limine angeführt, und dann, daß sie auf die neuen Werbungen und dergleichen Kriegsnothwendigkeiten keine erklecklichen Geldposten auszahlen wollen etc. die Ursache gelegt, wie dessen Chemnitius im ersten Theile seiner schwedischen Kriegesbeschreibung, Fol. 162 gedenkt.
Nachdem nun dieses unaussprechliche Unglück über diese Stadt, so vormals der ersten deutschen Kaiser Residenz gewesen, also ergangen, und die am Leben gebliebenen Magdeburger, so hier, so dahin zerstreuet worden, hat es von den Auswärtigen, zu welchen die vertriebenen Magdeburger gekommen, viel Nachfragens gegeben, wie es zugegangen, daß die Stadt in solchen Jammer und (solche) Noth gerathen sei, ob sie sich etwa nicht gewehrt oder den Soldaten nicht gehörigen Unterhalt gegeben, daß sie fechten können? oder ob die Bürger wären verzagt gewesen und vom Walle gelaufen? oder ob sie es verschlafen hätten? oder ob sie wären so gottlos gewesen, daß sie Gott so strafen müssen? oder wie es sonst so geschehen? etc. Da denn der Eine diese, der Andere eine andere Ursache vorgewendet. Insgemein aber, weil zwei Parteien in der Stadt waren — die eine, so die Conjuncturen mit dem Hrn Administrator rieth und beförderte, die andere, so solche widerrieth und das daraus zu besorgende große Unheil gleichsam verkündigte, legte ein Theil die Schuld auf den andern und waren also, vor wie nach der Eroberung, ganz heftig wider einander. Die, so das Unglück prophezeihet hatten, konnten es offenbar vor Augen stellen, daß es so erfolgt, wie sie gesagt; die andern aber, so das Werk angesponnen und durch Verführung des gemeinen Mannes so zu Wege gebracht, gaben es auf die, so nicht mit eingestimmt; die wären gut kaiserlich gewesen, hätten mit ihnen (den Kaiserlichen) unter einer Decke gelegen, ja gar den Zustand mit der Stadt dem Feinde verrathen, sonst wäre die Sache anders gelaufen etc.
Dieses ist also der rechte, wahre Verlauf mit der Eroberung dieser guten Stadt Magdeburg, welchen sich Niemand, da anders die Wahrheit soll berichtet werden, kann lassen zuwider sein.

Fußnoten:
Dampf-Schnellpressendruck von E. Baensch jun. in Magdeburg.