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Gesänge und Inschriften

AUSGEHEND VON PAUMANOK

Gustav Landauer translation

1.

Ausgehend vom fischförmigen Paumanok, wo ich geboren bin, Wohlgezeugt, und erzogen von einer vollendeten Mutter, Wandrer bisher in vielen Landen, Freund des Pflasters und Volksgedrängs; Siedler in meiner Stadt Manahatta oder auf Savannen des Südens, Oder Soldat im Lager oder mit Ranzen und Flinte, oder Gräber in Kalifornien, Oder ruppig daheim in Dakotas Wäldern, Wildbret zur Nahrung, der Trunk aus dem Quell, Oder zurückgezogen zu Sinnen und Grübeln in tiefer Verborgenheit, Fern vom Gerassel der Mengen Pausen der Wonnen einlegend, Vertraut mit dem frisch freien Spender Missouri dem Strömenden, vertraut dem gewaltigen Niagara, Vertraut mit den Büffelherden, die dort in den Ebenen grasen, dem zottig breitbrüstigen Stier, Mit Erde, Felsen, Maiblumen bekannt, Sterne, Regen, Schnee mein Staunen, Fertig mit dem Lauschen auf Spottvogelweisen und der Ergründung des Bergfalkenflugs, Im Ohr noch den unvergleichlichen Ruf der Einsiedeldrossel von Sumpfzedern im Morgengraun, Rühr ich, einsamer Sänger des Westens, die Trommel für eine neue Welt.

2.

Americanos! Erobrer! Marken der Menschheit! Vorderste! Marken der Zeit! Freiheit! Massen! Für euch ein Programm von Gesängen. Präriengesänge, Gesänge des langgestreckten Mississippi und hinab zur mexikanischen See, Gesänge von Ohio, Indiana, Illinois, Iowa, Wisconsin und Minnesota, Gesänge entspringend im Mittelpunkt Kansas und von da gleichgerichtet nach allen Seiten, Schießend in feurigen Pulsen ohn Ende, überall Leben zu wecken.

3.

Nimm meine Blätter, Amerika, nimm sie Süd und nimm sie Nord, Heißt sie überall willkommen, denn sie sind eure eigenen Sprossen, Schließt einen Ring um sie, Ost und West, denn sie möchten um euch einen Ring schließen, Und ihr Vorgänger geht freundlich mit ihnen um, denn sie sind freundlich zu euch. Ich drang in alte Zeiten, Ich saß forschend zu Füßen der großen Meister, Jetzt wenn's sein könnt o möchten die Meister wiederkehren und mich erforschen. Im Namen unsrer Staaten soll ich die Antike verschmähen? Nein doch, sie sind der Antike Kinder, gekommen, um sie zu rechtfertigen.

4.

Gestorbene Dichter, Philosophen, Priester, Märtyrer, Künstler, Erfinder, begrabne Regierungen, Sprachgestalter an andern Küsten, Einstmals gewaltige Völker, nun verfallen, abberufen oder vernichtet, Ich trau mich nicht weiter, eh ich dankbar gut geschrieben, was zu uns von euch her geschwommen kam, Ich hab es durchlaufen, bewundre es willig, (eine Weile hingegeben,) Glaube, daß nichts je größer sein kann, nichts mehr Verdienst haben als es hat, Betrachte es alles gespannt lange Zeit, geb dann ihm den Abschied, Ich stehe an meiner Stelle hier im eigenen Tag. Hier Volk aus Frauen und Männern, Hier der Welt Erbschaft und Erbinschaft, hier die Flamme der Stoffe, Hier Geistigkeit Übersetzerin, frei-anerkannte, Immerstrebende, sichtbarer Formen Finale, Erfüllerin, lang Erharrte, zur rechten Zeit nun Kommende, Ja, hier naht meine Herrin die Seele.

5.

Die Seele, Nun und immer und nun und immer – länger als braune und feste Scholle – länger als Wasser ebbt und flutet. Ich will die Gedichte der Stoffe machen, denn ich glaube, sie werden die geistigsten Dichtungen sein, Und ich will die Gedichte von meinem Leib und der Sterblichkeit machen, Denn mich dünkt, so beschaffe ich mir die Gedichte von meiner Seele und Unsterblichkeit. Ich will ein Lied für diese Staaten machen, daß kein einziger Staat unter keinen Umständen einem anderen Staat unterworfen sein kann, Und ich will ein Lied machen, daß Einvernehmen und Art bei Tag und Nacht sein soll zwischen all diesen Staaten und zwischen je zweien von ihnen, Und ich will ein Lied machen für die Ohren des Präsidenten, voller Waffen mit drohenden Spitzen, Und hinter den Waffen zahllose mißvergnügte Gesichter; Und ein Lied mach ich von dem Einen, der aus allen gebildet ist, dessen Haupt über allen ist, Dem krallenbewehrten funkelnden Einen, Kriegerisch entschiedenen Einen, der allumfassend über allen ist, (So hoch sonstwer das Haupt trägt, dies Haupt ist über allen.) Ich will unsre Zeitgenossen anerkennen, Ich will der ganzen Geographie des Erdballs spürend nachgehn und jegliche Stadt groß oder klein geziemend grüßen, Und Gewerbe! Ich will in meine Gedichte setzen, daß in euch Heldentum ist zu Wasser und Land, Und ich will alles Heldentum melden von amerikanischem Standpunkt aus. Ich will das Lied der Kameradschaft singen, Ich will zeigen, was diese allein schließlich kitten muß, Ich glaube, diese sollen ihr eigenes Bild männlicher Liebe finden, das sie an mir bewähren, Ich will drum lodernd das Feuer aus mir flammen lassen, das gedroht hat, mich zu verzehren, Ich will forttun, was dies schwelende Feuer zu lang niedergehalten hat, Ich will ihm zügellos Freiheit lassen, Ich will das Evangelium-Gedicht von Kameraden und Liebe schreiben, Denn wer wenn nicht ich soll Liebe verstehn mit all ihrem Leid und Lust? Und wer wenn nicht ich soll Dichter der Kameraden sein?

6.

Ich bin der Gläubige, baue auf Gaben, Alter, Rassen, Ich entsteige dem Volk in seinem eigenen Geist, Was hier singt, ist unbedingter Glaube. Omnes! omnes! mögen andre wegsehn, wovon sie wollen, Ich mache auch das Gedicht vom Bösen, ich huldige auch diesem Teil, Ich bin selbst just so böse wie gut und wie mein Volk ist – und ich sage, es gibt in der Tat nichts Böses, (Oder wenn's derlei gibt, so sag ich, es ist just so bedeutend für euch, das Land oder mich wie irgendwas sonst.) Ich auch, Nachfolger vieler und Vorgänger vieler, bin Stifter einer Religion, ich begebe mich auf den Kampfplatz, (Kann sein, ich bin bestimmt, die hellsten Rufe da auszustoßen, des Siegers gellendes Jauchzen, Wer weiß? es mag noch aus mir dringen und über alles steigen.) Kein Ding ist für sich selber da, Ich sage, die ganze Erde und alle Sterne am Himmel sind um der Religion willen da. Ich sage, keiner ist noch je halb fromm genug gewesen, Keiner hat noch je halb genug verehrt oder angebetet, Keiner hat angefangen zu denken, wie göttlich er selber ist, und wie sicher die Zukunft ist. Ich sage, die wirkliche und dauernde Größe dieser Staaten muß ihre Religion sein, Sonst gibt es keine wirkliche und dauernde Größe; (Charakter nicht noch Leben des Namens wert ohne Religion, Kein Land, kein Mann oder Weib ohne Religion.)

7.

Als ich in Alabama meinen Morgengang machte, Sah ich, wie das Weibchen des Spötters auf seinem Nest im Dornstrauch auf seiner Brut saß. Ich sah auch das Männchen, Ich blieb stehn, um es ganz nahe zu hören, wie es die Kehle blähte und fröhlich sang. Und als ich so stand, kam es mir, daß, warum er wirklich sang, nicht dort allein zu finden war, Nicht bloß für sein Weibchen oder für sich und nicht für alles, was das Echo zurückrief, Sondern zart, verborgen, weither von drüben, Ererbtes Gebot und heimliche Schenkung den Neugebornen.

8.

Demokratie! Nah bei dir bläht sich nun eine Kehle auf und singt fröhlich ihr Lied. Ma femme! für den fernen Nachwuchs und unsern eignen, Für die zu uns gehörigen und die da kommen sollen, Will ich jauchzend, um für sie bereit zu sein, nun Jubellieder hinausschmettern stärkre und stolzere als je auf Erden gehört worden sind. Ich will die Lieder der Leidenschaft dichten, um ihnen ihren Weg zu bereiten, Und eure Lieder, verstoßne Verbrecher, denn ich banne euch sanften Blicks in meine Verse und nehme euch mit mir so gut wie die andern. Ich will das wahre Gedicht der Reichen dichten, Für Körper und Geist alles zu holen, was haftet und Fortgang hat und nicht vom Tode verworfen wird; Ich will Egoismus ausströmen und zeigen, wie er in allem steckt, und ich will der Sänger der Persönlichkeit sein, Und ich will zeigen, daß Mann und Weib beide einander gleich sind, Und des Geschlechts Organe und Akte! zieht euch in mir zusammen, denn ich bin gewillt, von euch mit tapferer heller Stimme zu künden und euern Ruhm zu melden, Und ich will zeigen, daß hier Unvollkommenheit heute nicht ist und künftig nicht sein kann, Und ich will zeigen, daß alles, was irgendwen trifft, schöne Ergebnisse zeitigen mag, Und ich will zeigen, daß nichts Schöneres zustoßen kann als der Tod, Und ich will einen Faden durch meine Gedichte spinnen, daß Zeit und Begebenheiten ein Ganzes sind, Und daß alle Dinge des Weltalls völlige Wunder sind, eins so tief wie das andre. Ich will nicht Gedichte schreiben in bezug auf Teile, Sondern ich will Gedichte, Gesänge, Gedanken schreiben in bezug auf Zusammen, Und ich will nicht in bezug auf einen Tag singen, sondern in bezug auf alle Tage, Und ich will kein Gedicht machen noch den geringsten Teil eines Gedichts, der nicht Bezug auf die Seele hat, Weil ich die Gegenstände des Weltalls beschaut habe und finde, es gibt keinen und nicht das geringste Stückchen von einem, das nicht Bezug auf die Seele hat.

9.

Hat einer begehrt, die Seele zu sehen? Sieh, deine eigne Gestalt und Haltung, Personen, Wesen, Tiere, die Bäume, die fliehenden Ströme, die Felsen und Wüsten. Alle halten geistige Lust und lassen sie wieder los; Wie kann der wahre Leib je sterben und je begraben sein? Von deinem wahren Leib und jedermanns und jedenweibs wahrem Leib Entrinnt Stück für Stück den Händen der Leichenwäscher und birgt sich in passenden Sphären, Und nimmt mit, was ihm zugewachsen vom Augenblick der Geburt bis zur Stunde des Todes. So gut wie die Lettern, die der Setzer gefügt hat, den Druck, die Bedeutung, den Sinn wiederholen, Kehrt eines Manns Wesen und Leben oder eines Weibs Wesen und Leben in Leib und Seele zurück, Unbekümmert vor dem Tod und nachher. Siehe, der Leib umschließt die Bedeutung und ist der Sinn und umschließt die Seele und ist sie; Wer du auch seist, wie göttlich und stolz ist dein Leib und jedes Stück von ihm!

10.

Mit mir, doch fest verbunden, doch vorwärts eile, eile. Für dein Leben hänge an mir, (Zureden müßte man mir vielleicht oft, eh ich bereit, mich dir wirklich zu geben, aber was liegt daran? Muß nicht oft der Natur zugeredet werden?) Kein gezierter dolce affetuoso ich, Bärtig, sonnverbrannt, graunackig, störrisch hab ich erreicht, Daß man, komm ich daher, mit mir um die echten Preise des Weltalls ringt, Denn solche biete ich jedem, der standhält, sie zu gewinnen.

11.

O trauter Camerado! O endlich du und ich, und nichts als wir. O nun ein Wort zum Weiterschreiten, zwecklos klar! O Überschwengliches – beweislos, wild, Musik! O sieghaft oben bin ich – so auch du; O Hand in Hand – o heilsame Lust – o Neuer, der Liebe und Sehnsucht gewonnen! O fest verbunden zu eilen – zu eilen, vorwärts zu eilen mit mir.

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