← Table of contents
Du deutsches Kind! Eine Gabe für unsere Jugend

Die Pfirsiche.

Reading edition

Ein Landmann brachte aus der Stadt fünf Pfirsiche mit, die schönsten, die man sehen konnte. Seine Kinder aber sahen diese Frucht zum erstenmale. Deshalb wunderten und freuten sie sich sehr über die schönen Äpfel mit den rötlichen Backen und dem zarten Flaum. Darauf verteilte sie der Vater unter seine vier Knaben, und einen erhielt die Mutter.

Am Abend, als die Kinder in das Schlafkämmerlein gingen, fragte der Vater: „Nun, wie haben euch die schönen Äpfel geschmeckt?“ „Herrlich, lieber Vater!“ sagte der Älteste. „Es ist eine schöne Frucht, so säuerlich und so sanft von Geschmack. Ich habe mir den Stein sorgsam bewahrt und will mir daraus einen Baum erziehen.“ „Brav!“ sagte der Vater; „das heißt haushälterisch auch für die Zukunft gesorgt, wie es dem Landmanne geziemt!“

„Ich habe den meinigen sogleich aufgegessen,“ rief der Jüngste, „und den Stein fortgeworfen, und die Mutter hat mir die Hälfte von dem ihrigen gegeben. O! das schmeckte so süß und zerschmilzt einem im Munde.“ „Nun,“ sagte der Vater, „du hast zwar nicht sehr klug, aber doch natürlich und nach kindlicher Weise gehandelt. Für die Klugheit ist auch noch Raum genug im Leben.“

Da begann der zweite Sohn: „Ich habe den Stein, den der kleine Bruder fortwarf, aufgehoben und zerklopft. Es war ein Kern darin, der schmeckte so süß wie eine Nuß. Aber meinen Pfirsich habe ich verkauft und so viel Geld dafür erhalten, daß ich, wenn ich nach der Stadt komme, wohl zwölf dafür kaufen kann.“ Der Vater schüttelte den Kopf und sagte: „Klug ist das wohl, aber kindlich und natürlich war es nicht.“

„Und du Edmund?“ fragte der Vater. Unbefangen und offen antwortete Edmund: „Ich habe meinen Pfirsich dem Sohne unseres Nachbars, dem kranken Georg, der das Fieber hat, gebracht, er wollte ihn nicht nehmen. Da habe ich ihn auf sein Bett gelegt und bin hinweggegangen.“

„Nun!“ sagte der Vater, „wer hat denn wohl den besten Gebrauch von seinem Pfirsich gemacht?“ Da riefen sie alle drei: „Das hat Bruder Edmund getan!“ Edmund aber schwieg still. Und die Mutter umarmte ihn mit einer Träne im Auge.

A. Krummacher.

Getreide-Garben
Getreide-Garben
Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings