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Die Sebalduskirche in Nürnberg

IV. Das Inventar der Kirche.

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1. Altäre und Kanzel.

Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände der Kirche St. Sebald sind so zahlreich, daß man ihr die nun bald 400 Jahre währende Zugehörigkeit zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn der Nürnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, daß die Kirche noch heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverständlich gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren Zeugen erlahmte und manches kostbare Stück verloren ging. Die Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer großen Anzahl von Altären verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts durchgeführte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren historisch und vielleicht auch künstlerisch bedeutenden Gegenständen die Existenz.

Die Veränderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen geschildert.

Die Kirche hatte vor der Reformation 13 Altäre. Eine Reihe von geeigneten Plätzen für Altäre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3 Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6 Altäre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch 4 Altäre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar des Westchores verdrängte.

Die Altäre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:

Sebaldsaltar. Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierüber ausgestellte Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter Auflösung der Abkürzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):

Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium sigillum dicti domini praesentibus est appensum.

Schopperpfründe, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu dotiert durch Friedrich Schopper.

Vorchtelpfründe, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.

1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den Schriftstücken hierüber (im Stadtarchiv Nürnberg) geht hervor, daß der Altar ein Flügelaltar war, und daß sich auf den Flügeln Malereien auf Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte Prechtel zwei „Historien“. Siehe den Hauptaltar, S. 134.

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Abb. 53. Petrusaltar (geöffnet).

Nikolausaltar. Er stand in der nördlichen Apsis des romanischen Ostchores, dann im neuen Ostchor im nördlichen Umgang als linker Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).

Kandelgießerpfründe, 1406 von Hartmann Kandelgießer gestiftet.

Stephansaltar. Er stand in der südlichen Seitenapsis des romanischen Ostchores. Seit 1372 im südlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135). 1255 eingeweiht. Ablässe 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei Pfründen, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300–1307, welche 1364 bestätigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und die Pfründe des Ambrosius Stromer von 1509.

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Abb. 54. Petrusaltar (geschlossen).

Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel zwischen 1436 und 1439 für 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663 der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.

Petersaltar. Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle. Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.

1303 Ablaß, 1475 Ablaßbestätigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. Über diesen siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben Katharinenchor) genannt.

1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfründe, dieselbe wird 1360 bestätigt; 1356 stiftet Adelheid Löhneisen eine Pfründe, 1372 Berthold Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfründe der Dorothea Däschin ist nicht bekannt.

Katharinenaltar. Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des 14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.

Ablaßbestätigung 1298. Ablässe 1341, 1342. Pfründen: Schatzpfründe, gestiftet von Konrad Schatz, bestätigt 1360; Kandelgießerpfründe, gestiftet 1386. Siehe den Löffelholzaltar.

Johannisaltar. Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im Mittelschiff zwischen den zum Chor führenden Stufen (sub pulpito oder quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est).

Ablaß: 1289. Pfründen: Pömerpfründe, gestiftet 1348 von Heinrich Pömer, und die Fleischmannpfründe, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer von 1397 bis 1444.

Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltären und dem Zwölfbotenaltar beseitigt worden zu sein.

Zwölfbotenaltar. Den zwölf Aposteln geweiht. Er stand an einem Schiffspfeiler.

Ablässe 1352 und 1370. Meintaler-Pfründe, 1352 von Konrad Meintaler gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.

Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden Frauenaltäre.

Erhardaltar. Er stand im Schiff in der nördlichen Pfeilerreihe. Es ist der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nördlichen Pfeilerreihe steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der Erhardaltar um einen Pfeiler weiter östlich als jetzt. 1336 gestiftet (siehe Urkunde S. 235).

Ablaß: 1360. Pfründen: Nützelpfründe, Stiftungsjahr unbekannt; Hallerpfründe, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfründe, 1363 von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.

Kunigundenaltar. Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er stand an einem der Schiffspfeiler.

Dietlerpfründe, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfründe, 1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz]; Hallerpfründe, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die Nützelpfründe, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.

Bartholomäusaltar. Den Heiligen Bartholomäus und Pankratius geweiht. Er stand an einem der Schiffspfeiler.

Ablässe 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfründe, 1435 von Berthold Pfinzing gestiftet.

Marien- und Dreikönigsaltar, gewöhnlich Frauenaltar genannt. „Ad honorem beatae Mariae virginis et trium regum“. In der romanischen und gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der mittleren Apsis. In der späteren gotischen Zeit ist stets von zwei Frauenaltären die Rede.

Ablässe 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier Pfründen: Bretheimpfründe, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, bestätigt 1359; die Teufelpfründe, gestiftet von Konrad Teufel 1359, bestätigt 1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfründe des Paul Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfründe, gestiftet von Elisabeth Koler 1402.

Die beiden Frauenaltäre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den beiden ersten Säulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenüberstehenden Zwölfbotenaltar und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar, auf Beschluß des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.

Jakobsaltar. Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenüber.

1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablässe 1353, 1355 und 1365. Kramerpfründe, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.

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Abb. 55. Abb. 56. Abb. 57. Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß. Über dem Hauptaltar im Ostchor.

Allerseelen-Altar. In der Westkrypta. Ablaßbrief vom 3. Mai 1360, in dem die Krypta als „ergastulum“ (also etwa: Verließ, unterirdischer Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.

Im Liber privilegiorum A des Fürstbischofs Lambrecht von Bamberg (Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach welcher 1401 am 23. Mai eine Pfründe auf dem Georgsaltar in der Kirche des hl. Theobald in Nürnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist Theobald verschrieben für Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.

Die jetzigen Altäre der Kirche sind:

Der Hauptaltar. Im Ostchor.

An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehörige, 1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 für 1000 fl. in Arbeit gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.

An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und dem Bildhauer Rotermundt ausgeführter Altarbau, an dem die schon am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroße, in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figuren des Veit Stoß und seiner Schule, wieder zur Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler für Kunst und Altertum in Nürnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr anhaftenden dicken Ölfarbenüberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter Polychromierung ergänzt und im Innern des Christuskörpers folgende, nur noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Stoß bezeugende Urkunde gefunden:

Ihs Maria Adi 27 Julii 1520 jar ist diser got auff gericht durch Nicklos Wickel zw Nurnberg mit hilff Aug[ustin] — — — — — und ist gemacht von Veit Stoss zw Nurnberg kostet — — — — —.

Die von Stoß herrührende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich ursprünglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen über dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist unbekannt. Heideloff ließ durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren zudecken.

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nürnberg 1831), S. 34, bot der Kurfürst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger dem Rate von Nürnberg 1000 Dukaten für die Gruppe. Vgl. über dieselbe ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.

Die Mensa des Altars ist noch die ursprüngliche mittelalterliche und enthält die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwähnte Urkunde samt den darin aufgezählten Reliquien.

Der Tuchersche oder Nikolausaltar (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im nördlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.

Der Aufbau besteht aus Rückwand mit Gemälde, zwei flankierenden Säulen und einem von denselben getragenen Giebel. Architektur wie Bildhauerarbeit, von welch letzterer hauptsächlich der Christusknabe auf dem Giebel Erwähnung verdient, stammen von Georg Schweigger. Der Altar gehörte zur ehemaligen Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit einem Ecce homo, Ölgemälde auf Leinwand von Matthäus Merian dem Jüngeren. Unter dem Bilde die Inschrift: Er ist umb unser Sünde willen zerschlagen Esa. 53. Oben das Wappen der Tucher.

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Abb. 58. Geburt Christi. Von einem der Flügel des Löffelholzaltars.

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Abb. 59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flügel des Löffelholzaltars.

Der Muffelsche oder Stephansaltar. Im Ostchor, und zwar im südlichen Umgang an Stelle des als rechter Seitenaltar verwendeten alten Stephansaltares (siehe S. 131). 1663 von der Familie Muffel gestiftet, nachdem sein Vorgänger in die Lorenzkirche transferiert worden.

Gegenstück zu dem Tucherschen Altar und mit diesem der hauptsächlichste Überrest der Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit der Auferstehung Christi, Ölgemälde auf Leinwand von Johann Franziskus Ermel. Unter dem Bild die Inschrift: Er ist umb unser Gerechtigkeit willen wieder auferweckt. Rom. 4. Oben das Wappen der Muffel.

Der Petrusaltar. Im Ostchor an der Wand hinter dem Hauptaltar. Flügelaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (Abb. 53, 54).

Im Schrein fünf Holzfiguren, nämlich die lebensgroße Gestalt des thronenden Petrus, zu beiden Seiten zwei Engel und über seinem Haupte zwei schwebende Engel, welche wahrscheinlich die Tiara trugen. Farbig gefaßt. Ein durchbrochenes reiches Stabwerk als Baldachin schließt den Schrein oben ab. An dem feststehenden und an dem beweglichen Flügelpaar zusammen in Tempera zwölf Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, Gemälde aus der Schule des Wolgemut.

Die Türen der Predella, ursprünglich wohl mit Gemälden geschmückt, fehlen und sind durch einfache Brettertüren ersetzt. Schon 1572 fand eine Restaurierung des Altares statt. In seinem jetzigen Zustande geht er auf die Restaurierung durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg zurück.

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Abb. 60. Halleraltar (geschlossen).

Ein Gemälde auf Holz mit den Donatoren, dabei die Wappen der Topler, Haller u. a., früher an der Vorderseite der Mensa, ist jetzt an der Wand des nördlichen Seitenschiffes neben dem Turm angebracht. Eine an der rechten Seite der steinernen Mensa mit Eisen beschlagene alte Holztüre und der Raum, zu dem sie führt, läßt auf eine frühere Aufbewahrung von größeren Reliquien, eines Heiligenschreines oder dergleichen schließen.

Ein Wandgemälde mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte, um 1400 (Abb. 106), fand sich bei der letzten Wiederherstellung der Kirche hinter dem Petrusaltar und ließ sich an eine Wand des südlichen Chorumganges übertragen. Vergleiche über das Bild Gebhardt, Die Anfänge der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 14 und 20.

Der Katharinen- oder Löffelholzaltar (Abb. 43, 58, 59). Im Westchor. Schrein und Predella um 1453, das übrige des Aufbaues im Empirestil vom Ende des 18. Jahrhunderts.

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Abb. 61. Halleraltar (geöffnet).

Im Schrein zwei in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figurengruppen, links wird die hl. Katharina gerädert, rechts wird sie enthauptet. Auf den beiden beweglichen Flügeln vier Gemälde auf Goldgrund, weitere Darstellungen aus dem Leben der hl. Katharina, innen links die Disputation mit den Philosophen, rechts die Verbrennung derselben, außen links die heiligen drei Könige, rechts der hl. Georg. Die Predellanische, ursprünglich mit Holzskulpturen belebt, ist jetzt leer. Auf den Türen der Predella innen, ebenfalls auf Goldgrund gemalt, sechs Halbfiguren, links die Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto, rechts Christus mit Johannes und Thomas, außen die Familienglieder des Stifters und zwar links die männlichen mit den Wappen der Löffelholz, Löffelholz-Dietner und Löffelholz-Stromer-Sachs, rechts die der weiblichen mit den Wappen der Löffelholz-Züngel, Löffelholz-Kreß und Löffelholz-Stromer.

Unten an der Predella die Inschrift: „Anno domini m cccc liii an s. Thomas tag de Aqiin verschied frav Kunigund Wilhelm Loffelholtzin, der got gnadt.“ In dem Innenraum der Mensa fanden sich einige Knochenreste, eine Gewandspange (?) und kleine ornamentale Bauteile, jetzt im Lapidarium der Kirche. Am Empireaufsatz das Löffelholzsche Wappen.

Bezüglich der Gemälde siehe Thode, Die Malerschule von Nürnberg, S. 118 ff. Gebhardt, S. 145 ff.

Der Halleraltar (Abb. 60, 61). Im Schiff am zweiten Pfeiler der nördlichen Arkadenreihe. Es ist der in den Urkunden des Mittelalters genannte Erhardaltar und stand noch im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts am dritten Pfeiler derselben Reihe (siehe S. 132). Flügelaltar von etwa 1440–1450. Mittelbild und Innenseiten des beweglichen Flügelpaares: auf gemustertem Goldgrund Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina. Der holzgeschnitzte ornamentale obere Abschluß stammt aus der Zeit der letzten Wiederherstellung.

Auf den Außenseiten des beweglichen Flügelpaares Christus am Ölberg mit den schlafenden Jüngern, unten die Stifter mit den Wappen der Haller und Valzner und den Wappen der Haller, Koler und Seckendorf. Auf den feststehenden Flügeln zwei heilige Bischöfe, bezeichnet als Erhard (links) und Gori (rechts), vielleicht jedoch Erasmus und Blasius. Vgl. Thode, Die Malerschule von Nürnberg, Frankfurt 1891; Gebhardt, a. a. O., S. 90 ff., hält den Meister des Halleraltars für einen Vorläufer des Meisters des Tucherschen Altars in der Frauenkirche.

Auf dem Altar die minderwertigen holzgeschnitzten Statuetten einer Verkündigung, 1470–1480.

Am zweiten südlichen Chorpfeiler noch ein kleiner Altarschrein mit holzgeschnitzter Gruppe der heiligen Sippe. Außen die Verkündigung. Auf den Innenseiten der Flügel zur Darstellung des Mittelschreines gehörige Sippenbilder. Der Altar wurde bei der letzten Instandsetzung der Kirche durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg wiederhergestellt.

In den beiden Sakristeien sind noch die mittealterlichen Mensen vorhanden.

Die Kanzel am südlichen Eckpfeiler von Ostchor und Mittelschiff. 1859 nach Krelings Entwurf von Bildhauer Lorenz Rotermundt im gotischen Stil ausgeführt. Reiche Schnitzereien an Stiege, Korpus und Baldachin. Braun gebeizt, mit reicher Vergoldung der Ornamente. Auf dem Schalldeckel hohe, bis an das Gewölbe reichende Pyramide; an den fünf Seiten des im Grundriß achtseitigen Kanzelmantels die Brustbilder Christi und von vier Aposteln.

In einer Urkunde vom Jahre 1293 wird ein pulpitum erwähnt, das zwischen den westlichen Vierungspfeilern in der Längsachse seinen Platz hatte und sich somit auf dem durch die Ostkrypta bedingten, bis an das Mittelschiff reichenden Hochchor befand. Vor ihm war der Johannesaltar angebracht.

Von der gotischen Kanzel ist nichts bekannt.

1659 wurde im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche eine neue Kanzel errichtet, welche der Leipziger Bürger Benedikt Winkler stiftete und der Schreiner Leonhard Ackermann und der Bildhauer Georg Schweigger ausführten. Von dieser Kanzel hat sich nur die Figur eines auferstandenen Christus erhalten, die ehemals über dem Treppenaufgang angebracht war, auf dem Boden der Nürnberger Königlichen Kunstgewerbeschule wieder aufgefunden wurde und jetzt in einer Nische des Löffelholzchors aufgestellt ist.

2. Plastik.

Einleitung. Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts vollendete spätromanische Bau der Kirche ist auffälligerweise, abgesehen von der ornamentalen Behandlung der Kapitäle und einiger Konsolen, ohne plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis zum beginnenden 14. Jahrhundert überall vermißt. Nirgends eine Spur ehemaliger Befestigung figürlicher Darstellungen und nicht ein einziger Fund, welcher vom alten Bau herzurühren scheint. Die zum Zweck der Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlässige Erklärung des sonderbaren Umstandes ist nicht möglich.

Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschluß an die Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete sich in Nürnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger Tätigkeit, denn eine Menge von Aufträgen wurden ihr zuteil. Zunächst waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das südliche mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen an den Strebepfeilern des nördlichen Seitenschiffes, die Figuren der Jungfrauen an der Brauttüre und schließlich im Innern die Statuen der zwölf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde und einige andere Figuren anzubringen. Gewiß ein weites Arbeitsfeld, welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Können zu zeigen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die politischen sehr zu ihrem Vorteil geändert, und so hielten es die Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde für eine Ehrenpflicht, zur reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beiträge zu leisten.

Was die Qualität der Werke anlangt, so geht die größere Anzahl über die Mittelmäßigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb. 137, 138), ist zum Teil von hervorragender Schönheit. Überhaupt ist ein Streben nach Formenschönheit charakteristisch für die Gestaltung fast sämtlicher Bildwerke. Gesichtszüge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles will gefällig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere ein Kopf am nördlichen Querschiff, möglicherweise das Bildnis des Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am gegenüberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die Arbeiten gehören stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen zur Freiburger Schule.

Die Lebensfähigkeit der ersten Nürnberger Bildhauerschule währte etwa ein Menschenalter. Vom Ende der dreißiger Jahre an ging die Führung in der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz über, es folgten die Frauenkirche und der Schöne Brunnen. An plastischen Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen der Heiligen Helena und Antonius im südlichen Seitenschiff, aufzuweisen, welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt erscheinen.

Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Aufträge diesmal verhältnismäßig gering. Es scheint, daß die unmittelbar vorausgegangenen Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der Bürgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte ein anderes früher in Nürnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anlaß gab, der Plastik bedeutende Konkurrenz.

So kam es, daß von den zahlreichen zur Aufstellung von überlebensgroßen Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern der figürlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief mehr Ausbreitung dadurch, daß außen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule hat die ihr gestellten Aufgaben mit großem Geschick gelöst. Sie hat es verstanden, einer derb-kräftigen Art in der Charakteristik der einzelnen Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten durch klare Disposition anschaulich zu erzählen, und steht damit in innerster Beziehung zur Nürnberger Bildhauerschule um die Wende des 15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der Reliefkunst betätigt hat und diesen beiden Vorzügen mit ihren Weltruf verdankt.

Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zählt auch das überaus eigenartige Gehäuse des Wandtabernakels im Innern.

Polychrom sind fast alle Schöpfungen der ersten Schule: bei den Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder außen an den Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshäuschen.

Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frühzeit und aus den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts repräsentieren die Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nürnbergs während des ganzen Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik eine besondere Blüte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene hauptsächlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller Ähnlichkeit diametral entgegenstehen. Bei der ersten Schule mußten eben eine Reihe von Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine große Vergangenheit zurückblicken konnte. Die Abhängigkeit der Nürnberger Schule äußerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule ist von fremdartigen Einflüssen keine Spur mehr, die charakteristischen Eigenschaften der Nürnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die Erscheinung getreten.

Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere gefaßte Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprünglich die Seitenaltäre zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche Anzahl von Epitaphien, welche an der Außenseite in der Nähe der Begräbnisstätten der Stifter eingelassen wurden. Den Höhepunkt in der Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende 15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten Meistern der Nürnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.

Eine zusammenfassende Würdigung dieser Werke unterbleibt hier, da dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.

Bei dem nun folgenden Inventar der plastischen Werke, das sich auf eine Aufzählung und kurze Erläuterung der einzelnen Skulpturen beschränkt, werden zunächst die Arbeiten am Äußeren der Kirche und alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt werden.

A. Die Plastik am Außenbau.

Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des Christus am Kreuz (Abb. 62). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine zweite Messingtafel mit der Inschrift:

Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum, Adspicite immiti trajectum pectora ferro, Pectora foedatasque manus perfusaque tabe Ora cruentatumque caput crinesque revulsos. Cernite liventes atro squalore lacertos, Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!

Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.

Bezüglich der Sage von den „Herrgottschwärzern“ siehe M. M. Mayer a. a. O., S. 7.

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Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.

Epitaph der Ketzel von 1453. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem Fegefeuer. Darunter Inschrift: „Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got genad.“ Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Würde als Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben), als Ritter des „Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf“ des Ordens der „Equitum ensiferorum Cypri“ (Schwert, von einem S umschlungen) und als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl. Katharina). Darunter die Inschrift: „Dar nach starb sein sun Heinrich Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem got genad.“ Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der zum Heiligen Grabe zog.

Epitaph der Pfinzing von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kreß, links Pfinzing-Lauffenholz, zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. Über den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, daß ein Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb. Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.

Epitaph der Maurer von etwa 1458. Steinrelief an der Nordseite des Westchors. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes nebst den Stiftern. Darunter das Wappen der Maurer und folgende Inschrift: „Von xps gepurt xiiic und lviii iar an sant Ambrosius tag wart Herman Maurer vnd sein wirtin hie pegraben, des Sebolt Grabners anher. Anno domini xiiiic lviii iar starb Sebolt Grabner.“ Kopie. Das Original im Lapidarium der Kirche. Vgl. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 54 (doch mit unrichtiger Jahreszahl 1448).

Am ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes ein Steinrelief mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Darüber die Inschrift: „Anno M cccclxjjj jar an sant Barbara tag verschied Burckhart Semler, dem got genedig sey.“ Mit den Wappen der Semler und Tetzel. Kopie. Original im Lapidarium.

An demselben Pfeiler die lebensgroße Statue der hl. Maria mit dem Christuskind und die Statuette des hl. Christophorus, Kopien der Neuzeit. Ebenfalls Kopien sind die drei Konsolen mit den Baldachinen (eine Konsole war von jeher leer). 1330–1335. Originale der Figuren im Lapidarium.

Am nördlichen Seitenschiffe zwischen Turm und Portal das Fuggersche Epitaph von 1497. Steinrelief mit dem Schutzmantelbild Mariä. Unter dem Mantel Mariä die Familienglieder des Stifters. Darunter ein kreisrundes Medaillon mit dem Wappen der Fugger und der Inschrift: „A. D. 1497 am sontag nach Bartholomei tag starb Peter Fugger von Augsburg, der hier begraben liegt, dem gott gnädig sey. Amen.“ Siehe Edwin Redslob, a. a. O., S. 57.

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Abb. 63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs mit Darstellungen aus dem Marienleben.

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Abb. 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördl. Seitenschiff. Vorderseite.

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Abb. 65. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen Seitenschiff. Rückseite.

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Abb. 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal.

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Abb. 67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor.

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Abb. 68. Kreuztragung. Stationsrelief am Ostchor.

Links davon das Hallersche Epitaph. Steinrelief mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Links das Wappen der Haller, rechts das der Paumgartner. Unten knieende Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Haller, Paumgartner und anderer Geschlechter. Um 1420. Stark verwittert.

Nordportal, beziehungsweise nördliches Eingangsportal des nördlichen Seitenschiffes, die sogenannte Anschreibtüre. Bogenfeld mit den Reliefdarstellungen des Todes, Leichenbegängnisses und der Krönung Mariä (Abb. 63), durch eine Querleiste getrennt: unten die beiden erstgenannten, oben die letztgenannte Darstellung. Farbig gefaßt. Um 1310. Von derselben Werkstätte wie das Bogenfeld des Südportales.

Von den Kapitälen der acht flankierenden Säulen an der Portalgewandung sind zwei ornamental bearbeitet. An den übrigen befinden sich kleine menschliche Gestalten, meist in kniender und betender Stellung gegen das Bogenfeld gerichtet. Von der gleichen Hand, jedoch ohne Spuren farbiger Behandlung.

Die zwei Figuren der Verkündigung zu beiden Seiten des Portales stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dagegen waren die ursprünglichen Konsolen und die Baldachine, jetzt durch Kopien ersetzt, aus der Zeit des Portales.

Am nächsten Strebepfeiler die lebensgroße Statue eines Jünglings, die Eitelkeit der Welt darstellend (Abb. 64, 65). Der Rücken ist entblößt und von Würmern zerfressen; Kröten und Schlangen kriechen daran. Die Figur wird von der Seite gesehen. Aus der Schule der Seitenschiffe. Konsole und Baldachin sind Kopien. Etwa 1310–1315. Die gleiche Vorstellung in einem Liede Walthers von der Vogelweide und dem größeren Gedichte „Der Welt Lohn“ von Konrad von Würzburg († 1287). Unter den Werken der Plastik ist unsere Darstellung mit denen am Südportal des Domes zu Worms nah verwandt und auch mit denen an den Münsterkirchen zu Freiburg i. B., Straßburg und Basel zu vergleichen. Zeitlich stellt sie die letztentstandene dieser Figuren dar (vgl. das Referat eines Vortrages über diesen Gegenstand von K. Schaefer im Jahresbericht über das 19. Vereinsjahr des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, 1896, S. 9 ff.).

An der Mauer oberhalb des Kaffgesimses ein kleines Kreuzigungsrelief: Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu seinen beiden Seiten. Inschrift nicht mehr festzustellen. 14. Jahrhundert. Kopie. Das Original nicht mehr vorhanden.

Am ersten Ostchorpfeiler neben der Brauttüre ein Relief mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Um 1320.

Darunter auf einer Steinleiste drei Wappen: zwischen zwei Wappen der Stromer das Wappen der Haller. Kopie.

An dem gleichen Pfeiler hoch über diesem Kreuzigungsrelief der S. 42 erwähnte Kopf (Meisterkopf?).

Die Brauttüre oder „Ehetür“. In den Leibungen des Portales und unmittelbar neben demselben auf Sockeln und Konsolen die halblebensgroßen Figuren der fünf klugen (links) und der fünf törichten Jungfrauen (rechts) (Abb. 66) mit Spuren alter Bemalung. Die letzte der linksstehenden Figuren stammt aus der Neuzeit.

Die Statuen gehören der Schule des Meisters vom südlichen Portal an, ebenso die Tierfiguren an den vier Konsolen. Es zeigt sich noch die Feinheit und der weiche Fluß in der Gewandbehandlung, dagegen bereits Eintönigkeit in Haltung und Köpfen. Mit Konsolen und Baldachinen aus der Zeit des Portales, etwa 1315 bis etwa 1320.

Derselben Zeit gehören an zu beiden Seiten des Türbogens die halblebensgroßen Figuren des Adam und der Eva, die ersten nackten Gestalten in der Nürnberger statuarischen Plastik, mit den Wappen der Muffel und Vorchtel und am Scheitel des Bogens das Brustbild des segnenden Christus. In den Zwickelfeldern Prophetengestalten in Relief.

Erst gegen Ende der vierziger Jahre des 14. Jahrhunderts wurde die Brauttüre durch ein zwischen die beiden Strebepfeiler eingespanntes Maßwerk zu einer Portalhalle umgestaltet.

Die Hauptteile desselben bilden ein Spitzbogen und ein demselben eingefügter Halbkreisbogen, die äußeren Zwickel des Spitzbogens sind rechteckig eingerahmt. Die leeren Flächen sind mit zierlichen, durchbrochen gearbeiteten Ornamenten ausgefüllt und der Halbkreisbogen unten mit einem ebenfalls zierlichen, durchbrochen gearbeiteten Bogenfries besetzt. Das Gesims des Spitzbogens ist mit Krabben besetzt. Weibliche Figuren tragen die Konsolen, auf welchen das Ganze zu ruhen scheint.

Zu beiden Seiten des Maßwerks zwei dreiviertellebensgroße Figuren, neue Kopien von Statuen aus der Zeit um 1430: links die hl. Maria mit dem Christuskind, unten das Wappen der Topler, rechts der hl. Sebald mit dem Wappen der Schnöden. Die Originale befinden sich im Innern der Kirche.

An der Westwand der großen Sakristei die überlebensgroße Statue eines Christus mit den Wundmalen. Christus hält mit der Linken die Mantelenden und weist mit der Rechten auf die Seitenwunde. An der Konsole halten zwei menschliche Gestalten das Wappenschild der Rieter. Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1400. Die Figur ist eine Kopie; das Original befindet sich in der Kirche.

An der Nordseite der Sakristei Darstellung der Gregoriusmesse, daneben ein Relief der Verkündigung Mariä mit dem Helmschmuck der Muffel. Beide Reliefs, von denen das erstere heute durch eine Kopie ersetzt ist (Original im Lapidarium), befanden sich bis zur letzten Wiederherstellung der Kirche in der Nähe des Treppentürmchens am nördlichen Turm.

Links von der Brauttüre um die ganze Sakristei herum die meisten der sogenannten Wetzrillen, über deren Bedeutung sich die Wissenschaft bisher nicht klar ist. Sie finden sich auch sonst an der Kirche, namentlich an den Portalen.[VIII]

An den Pfeilern des Ostchores von der nördlichen bis zur südlichen Sakristei zehn Reliefdarstellungen aus der Passion. Die Enstehungszeit fällt zusammen mit der Erbauungszeit des Chores, demnach in die Jahre 1372–1379. Die Reliefs sind — bis auf eines — aus gleicher Schule, aber nicht von gleicher Hand. Rechteckiges Format und gleiche Größe. Jedes Relief hat einen anderen Patrizier zum Stifter, wie die beigefügten Wappen erkennen lassen.

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Abb. 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches Begräbnis am Ostchor.

Die Darstellungen sind:

1. Einzug in Jerusalem (Kopie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts). — Wappen der Welser.

2. Abendmahl. Kopie. — Wappen der Groland.

3. Ölberg. — Wappen der Geuder. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts.

4. Gefangennahme. — Wappen der Pfinzing.

5. Christus vor Pilatus. — Wappen der Geuschmid.

6. Geißelung (Abb. 67). — Wappen der Beheim.

7. Dornenkrönung. — Wappen der Sachs.

8. Kreuztragung (Abb. 68). — Wappen der Grundherr.

9. Christus am Kreuz. — Wappen der Behaim.

10. Auferstehung. — Unbekanntes Wappen.

Am Ostchor zwischen den beiden Pfeilern mit dem Pfinzingschen und dem Geuschmidschen Passionsrelief das Schreyersche Grabmal (Abb. 69). Steinrelief von Adam Kraft, vollendet 1492.

Das Relief ist dem Raum zwischen den zwei Strebepfeilern angepaßt, so daß sich das größere Mittelstück an die Wand und die beiden kleineren Seitenflügel an die Pfeiler anlehnen. Es füllt die Mauerfläche vom Sockel bis zum Gesims der Fensterbank und mißt in der Höhe über 2·50 m, in der Länge beinahe 6 m. In der Mitte vor dem Relief eine eiserne, durchbrochen gearbeitete Laterne als Ewiglichtlampe mit der Jahrzahl 1492. Eine neue kassettierte Holzdecke mit Kupferbedachung schützt das Ganze vor den Unbilden der Witterung, ein eisernes Gitter schließt nach außen ab. Von den Baldachinen, die zu beiden Seiten den Abschluß des Grabmales bilden, ist derjenige rechts erneuert. Original im Lapidarium.

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Abb. 70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler des Ostchors.

Das Relief enthält vier Darstellungen aus der Passion: auf dem rechten Flügel die Kreuztragung, auf der rechten Hälfte des Mittelteiles die Heimkehr des Volkes vom Richtplatz, auf der linken Hälfte die Grablegung und auf dem linken Flügel die Auferstehung. Die einzelnen Szenen sind nicht streng und auch nicht äußerlich voneinander geschieden, sie gehen mittels eines reichen landschaftlichen Hintergrundes unter Anwendung der Perspektive ineinander über. Die Landschaft steigt fast bis an den oberen Rand empor. Die Hauptfiguren sind dreiviertellebensgroß. Im Vordergrund unten sind die Familien der Stifter in verkleinertem Maßstab mit ihren Wappen abgebildet; die Wappen sind links Schreyer-Kammermeister, Schreyer-Link, Schreyer, Schreyer-Oertel, Schreyer-Landauer, Schreyer-Marstall, Eyb, Fuchs, Schreyer und Kammermeister, rechts Landauer-Rothenhahn, Landauer, ..?.., Schlüsselfelder-Landauer, Starck-Landauer, Landauer, wiederum Landauer und Rothenhahn. Das ganze Relief zeigt Spuren von Bemalung.

Am 11. September 1490 schloß Adam Kraft mit dem Kirchenmeister Sebald Schreyer und dessen Neffen Matthäus Landauer in Gegenwart zweier Zeugen behufs Übernahme und Ausführung der Bildhauerarbeit einen detaillierten Vertrag ab. Siehe Neudörfer, Nachrichten, herausgegeben von Lochner, 1875, S. 16 ff. und A. Gümbel im Repertorium für Kunstwissenschaft. XXV (1902), S. 360 ff. Es wurde unter anderem die Bestimmung getroffen, daß nur ein guter, ganzer und „unwetteressiger“ Stein, bei Vach (1 Stunde nördlich von Fürth) oder anderswo gebrochen, zur Verwendung gelangen und daß die Kosten für die Ausführung 160 fl. nicht übersteigen solllen. Als Zehrgeld während der Arbeit wurden 50 bis 60 fl. ausgemacht. Am 7. Mai 1492 war das Werk vollendet.

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Abb. 71. Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Schedelsches Relief über der Schautüre.

Das Kraftsche Relief ist von eminent malerisch-dramatischer Wirkung, die figurenreichste und umfassendste Komposition Krafts (vgl. Lübke, Geschichte der Plastik. 1880, II, 722). Nach Lochner hätte Kraft nach einem Gemälde gearbeitet, möglicherweise nach einem Gemälde Wolgemuts, des Freundes von Sebald Schreyer. Die Behauptung scheint der Wahrheit zu entsprechen, da die Kraftschen Schöpfungen sonst nicht in solchem Maße auf malerische Wirkung berechnet sind. Allein der Entwurf für die Komposition selbst scheint Krafts geistiges Eigentum zu sein. In der Ausführung ist den Schülern mitunter manches überlassen worden. Ausführliches bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. Berlin 1897, S. 19 bis 27 und 64.

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Abb. 72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen Seitenschiff (Kopie aus der Barockzeit).

Schon vor 1453 hatten die miteinander verwandten und befreundeten Familien Schreyer und Landauer ihr Begräbnis an der Stelle des Kraftschen Denkmals. Unten über dem Grabgewölbe liegen noch zwei Grabsteine: links der Grabstein des Hans Schreyer († 1437) mit seinem und den Wappen der Eyb und Fuchs, rechts ein Grabstein mit dem Wappen der Landauer.

Für das von Sebald Schreyer gestiftete Ewige Licht und für das Sakramentshäuschen wurde 1493 ein Ablaß gewährt. 1508 wurde der Ablaß bestätigt.

An den Strebepfeilern des Ostchores waren zwei übereinander liegende Reihen von Konsolen und Postamenten zur Aufnahme zahlreicher Figuren bestimmt, von denen jedoch nur wenige zur Ausführung gekommen sind. Der oberen Reihe gehören zwei Prophetenfiguren an, die sich in sehr vergittertem Zustande an einem Strebepfeiler der Nordseite vorfanden und von denen die eine sich jetzt im Germanischen Museum, die andere im Lapidarium der Kirche befindet.

Die untere Reihe von Konsolen ist mit allerlei satirischen und anderen Profandarstellungen, auch naturwahren Tiergestalten usw. in trefflicher Ausführung geschmückt (Abb. 70). Ein Teil derselben ist erneuert (Originale im Lapidarium). Dieser unteren Reihe gehört am siebenten Pfeiler des Ostchores, d. h. an dem Pfeiler, an welchem unten das Relief der Dornenkrönung angebracht ist, oberhalb des Kaffgesimses auf einem Sockel die lebensgroße Statue des hl. Sebald an sowie am folgenden Pfeiler die der hl. Maria, beide aus der gleichen Zeit wie die Passionsdarstellungen. Die Figuren sind durch besonders reich gebildete Baldachine hervorgehoben; ihre Hintergründe zeigen deutliche Spuren alter Bemalung, von der sich noch Engelsgestalten erkennen lassen. Ein Sockelstück auf dem Fenstergesims zwischen diesen beiden Figuren läßt darauf schließen, daß sie ehemals mit einer Mittelfigur zu einer wirkungsvollen, durch reichen Farbenschmuck ausgezeichneten Gruppe verreinigt waren.

Die neueste Wiederherstellung der Kirche hat die meisten der leergebliebenen Postamente mit Propheten, Aposteln und anderen Heiligengestalten belebt (siehe das Kapitel über die jüngste Restauration S. 90).

Über der Schautüre das eingerahmte Steinrelief des Jüngsten Gerichtes (Abb. 71). Die Komposition zerfällt in eine obere und untere Hälfte. Oben thront in der Mitte Christus, zu beiden Seiten sitzen in einem Bogen auf Wolken die zwölf Apostel. Die ausgesparten Zwickel über denselben füllen vier schwebende Engel aus, die ursprünglich mit Posaunen ausgerüstet waren. Zu Füßen Christi knien die fürbittenden Maria und Johannes, in die untere Hälfte der Komposition reichend. Diese wird durch eine Inschrifttafel in eine linke und rechte Hälfte zerlegt: hier werden die Auferstandenen von einem Engel in die Himmelspforte, welche Petrus hütet, geleitet, dort von einem Ungeheuer in den Höllenrachen befördert. Über der Inschrifttafel zwischen Maria und Johannes erheben sich die Toten. Links und rechts von der Tafel der betende Donator und das Wappen seiner Familie, nämlich das der Schedel. Die Inschrift lautet: „Anno domini MCCCCLXXXV die quarta mensis Decembris obiit peritissimvs artivm et medicine doctor Hermannvs Schedel, physicvs Norinbergensis, qui cvm sva familia hic in pace qviescit.“ Die Gedenktafel ist jedenfalls eine Stiftung des Hartmann Schedel, des berühmten Herausgebers der nach ihm benannten 1493 erschienenen Weltchronik, zu Ehren seines Sohnes. Die Entstehung dürfte in die nächsten Jahre nach 1485 fallen.

Auf einem der Grabsteine befindet sich ein Steinmetzzeichen. Die Komposition ist noch ganz mittelalterlich. Die profilierte Umrahmung ist erneuert (vgl. Redslob a. a. O. S. 58 ff.).

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (1831), S. 15, befand sich früher rechts von diesem Relief eine weitere Gedenktafel der Familie Schedel, nämlich ein eingerahmtes Holztafelgemälde mit der Geburt Christi, darüber in drei Abteilungen die Inschrift: „Hartmannus Schedel, artium ac utriusque medicine doctor, obiit anno domini m. d. xiiii die xxviiii mensis Nouembris. Magdalena Schedlin, filia Antony Haller, obiit Anno domini m. d. v. die xiiii mensis Julii. Anne Schedlin, filia Alberti Heugeli, obiit anno domini M. cccc xi mensis Septe[mb]ris.“ Das schon zu Mayers Zeit sehr verwaschene Bild war 1888 nicht mehr vorhanden; der Rahmen befindet sich im Lapidarium.

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Abb. 73. Bogenfeld im Portal des südlichen Seitenschiffes.

An der Kapelle neben der südlichen Sakristei Kruzifixus zwischen Maria und Johannes. Rundfiguren des 14. Jahrhunderts. An der Konsole des Johannes das Wappen der Groland, unter der Maria das Wappen der Zollner. Kopien. Die Originale der Maria und des Johannes befinden sich in der Kirche.

An dem nun folgenden Dreikönigsportal die Rundfiguren der heiligen drei Könige und der Maria mit dem Kinde auf Konsolen. An letzteren die Wappen der Holzschuher, Muffel und Frey (?). Die Figuren stammen aus der Zeit des Portales. Die Tympanonfüllung wird durch die Rückseite des holzgeschnitzten und polychrom behandelten Ebnerschen Reliefs gebildet, das bei der Beschreibung der Denkmäler des Innern näher behandelt wird. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Relief, um es vor den Unbilden der Witterung zu schützen, umgekehrt worden ist, früher indessen einen Schmuck des äußeren Portals, das in gleicher Weise polychrom behandelt ist, bildete.

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Abb. 74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturme.

Links vom Dreikönigsportal ein Ecce homo mit dem Wappen der Geuschmid.

Zu beiden Seiten des Portals zwei Bischöfe. Kopien. Die Originale in der Kirche.

Am ersten Fenster des Seitenschiffes Doppelrelief: oben Krönung Mariä, unten der ungläubige Thomas. Das obere Relief ist alt, das untere Kopie (Original im Lapidarium).

An der anderen Seite des Fensters ein Epitaph der Holzschuher, ursprünglich vielleicht aus der Zeit um 1430. Steinrelief mit dem thronenden Gott Vater, den Gekreuzigten haltend, in der Mitte, mit den hl. Johannes dem Täufer, Sebald und Paulus auf der linken und Petrus, Thomas und Christophorus auf der rechten Seite; vor den Heiligen die Stifter mit den Wappen der Holzschuher und Pömer links und den Wappen der Holzschuher und Pfinzing rechts; auf dem steinernen Tragbalken des Reliefs die Wappen der Holzschuher und Kreß, Holzschuher und Hummel, Holzschuher und Groland und Holzschuher und Haller. Offenbar Kopie der Barockzeit (Abb. 72).

An der Wand des nächsten Joches Relief der Auferweckung des Lazarus, durch zwei Säulen dreigeteilt. Nach M. M. Mayer, a. a. O., S. 17, trug der obere, später in Verlust geratene Teil die Jahreszahl 1520 und das Wappen der Pömer. Kopie, deren oberer Teil frei ergänzt wurde; Original des unteren Teiles im Lapidarium (Abb. 140). Vermutlich ein Werk des Veit Stoß.

An der Stirnseite des nächsten Strebepfeilers ein kleines Relief: Christus am Ölberg. Kopie. Über die Ölbergreliefs an St. Sebald und die daran erkennbare Stilentwicklung handelt im Zusammenhang E. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 14 ff.

Das von M. M. Mayer S. 17 erwähnte schon damals fast ganz verwitterte Relief mit dem hl. Sebaldus und zwei anderen Heiligen ist der Zeit zum Opfer gefallen.

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Abb. 75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm.

Südportal, beziehungsweise das südliche Eingangsportal des südlichen Seitenschiffes:

Bogenfeld mit der Reliefdarstellung des Jüngsten Gerichtes (Abb. 73). Aus der mit der Erweiterung der Seitenschiffe begründeten Bildhauerschule. Um 1310. Der Darstellung liegt die in der gotischen Zeit übliche Komposition zugrunde, sie unterscheidet sich jedoch von den übrigen Darstellungen des 14. Jahrhunderts noch durch den Mangel einer sichtlichen Hervorhebung der Horizontalteilung sowie durch das Vorhandensein des Erzengels Michael als einer stehenden Figur. Das Relief zeigt ebenso wie die säulenartige Profilierung der Leibungen Reste alter Bemalung.

Bei dem für die Komposition zur Verfügung stehenden engen Raum konnten die sonst nirgends fehlenden Engel mit den Leidenswerkzeugen nicht untergebracht werden oder wurden vergessen. Sie erhielten nachträglich in Gestalt von Statuetten ihren Platz zu beiden Seiten in der Bogenleibung auf dem Gesims der Kapitäle.

Außerdem steht noch links auf demselben Gesims die Figur des Abraham mit den Seligen im Schoß. Dem Bildhauer schwebte wahrscheinlich die Komposition des Nordportales am Bamberger Dom, der sogenannten Fürstenpforte, vor Augen.

Seitlich des Portales die nahezu lebensgroßen Statuen der hl. Katharina (Abb. 137) und des hl. Petrus. Beide stammen aus derselben Schule wie die übrigen Figuren und das Relief des Portales. Die Statue der hl. Katharina erinnert in ihrem Kostüm und mehr noch in ihrer vornehmen Haltung und in der Behandlung der Draperie an die Statuen des 13. Jahrhunderts. Der Kopf der Statue (Abb. 138) muß ein Meisterwerk des 14. Jahrhunderts genannt werden. Der Schöpfer dieser Leistung war vielleicht der Begründer der ersten Bildhauerschule von St. Sebald. Kopien. Die Originale in der Kirche.

Konsolen und Baldachine gehören der gleichen Zeit an, die figürlichen Darstellungen an den Kapitälen der Portalleibungen der gleichen Schule.

Am Treppentürmchen des südlichen Turmes ein Hochrelief mit zwei Darstellungen, oben: Christus am Ölberg (vgl. Redslob, a. a. O., S. 15 ff. und daselbst Tafel I), unten: Christus als Schmerzensmann, zu beiden Seiten knien fünf Familienglieder des Stifters, unter diesen sechs Pömersche Allianzwappen (Abb. 74). Die ganze Tafel, die Spuren alter Polychromie zeigt und leider stark verwittert ist, ist von einem kräftig profilierten steinernen Rahmen eingefaßt. Pömersche Stiftung vom Jahre 1396.

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Abb. 76. Türklopfer vom Brauttor.

Darunter die Inschrift: „Heinrich Pömer der erste alhier starb an St. Anna tag anno domini m ccc xxxj. Konrat Pömer starb an dem nehsten tag nach Kunigundis in der fasten anno domini m ccc lxj. Friedereich Pömer starb an der eilf tavsent meyd obent anno domini m ccc lxxvjj. Fraw Elspet Jorg Pömerin, her Gotfrid Schoppers tochter, starb am pfinztag nach Kungundis in der fasten anno domini m ccc lxxxxjjj.“ Ferner die Inschrift: „Steffan Pömer starb am fritag vor Martini anno domini m ccc lxxxxv. Jorg Pemer starb am pfinstag nach obersten im ccc lxvj iar.“

Nach Mayer, a. a. O., S. 18, sollen Tafel und Inschriften 1797 restauriert worden sein. Die jetzigen Inschriften sind Kopien.

Daneben eine eingerahmte Tafel mit vier Wappenpaaren übereinander. Links vier Wappen der Pömer, rechts von oben nach unten die Wappen der Rummel, Haller, Schmittmaier-Imhoff und Zollner. Um 1400.

Unter dieser Tafel das Wappenschild der Pömer-Eisvogel. Um 1400.

Am südlichen Turm eine Tafel mit zwei Reliefdarstellungen in einem mit Rosetten besetzten Rahmen. Die Tafel wird von einem Zinnenkranz bekrönt (Abb. 75). Oben: Christus am Ölberg, dabei die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer und Haller. Unten: Die Dreifaltigkeit mit den Heiligen Philipp und Simon, dabei die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer, Haller und Derrer auf der linken und den Wappen der Eglofstein und Grundherr auf der rechten Seite. Stiftung der Fütterer, und zwar von zwei verschiedenen Familien dieses Geschlechts. Um 1430.

Im Bogenfeld des südlichen Turmportales das Steinrelief der Kreuzauffindung und Kreuzprobe der Kaiserin Helena. Die Heilige steht in der Mitte der beiden figurenreichen Szenen. Rechts wird das gefundene Kreuz weggetragen, links wird durch das Kreuz eine totkranke Frau geheilt. Unten knien rechts und links die Stifter mit ihren Familien; von den Wappen derselben sind noch die der Groß und Oertel zu erkennen. Vorzügliche Arbeit um 1510.

Am südlichen Turm neben dem Portal die überlebensgroße Statue des hl. Christophorus. Der Märtyrer, ein Riese von Gestalt, trägt gesenkten Hauptes auf den Schultern das Christuskind, welches sich am Kopfe des Heiligen und an dessen baumähnlichen Wanderstab festhält, und schreitet langsam durch das Wasser. An der Konsole halten zwei Engel das Schlüsselfeldersche Wappen; dabei die Inschrift: „Heinrich Schlüsselfelder anno domini M CCCC Xlii.“ Das Werk pflegt man vermutungsweise dem Bildhauer Hans Decker, der 1449 in den Nürnberger Bürgerbüchern erscheint, zuzuschreiben. Es zeigt früh entwickelten Naturalismus. Ein mit Kupfer gedecktes Dach schützt die Statue vor den Unbilden der Witterung.

An der Südwestecke des südlichen Turmes in der Höhe der Glockenstube ein ziemlich roher, etwa lebensgroßer Kruzifixus aus der Zeit um 1400.

Am Löffelholzchor ein kleines Ölbergrelief. 14. Jahrhundert.

Außer dieser Steinplastik wäre am Äußeren der Kirche noch einiger bronzener Türklopfer Erwähnung zu tun, dreier prächtiger, den Ring haltender Löwenköpfe des romanischen Stils an der Brauttüre (Abb. 76), der Türe des Dreikönigsportales und der des südlichen Seitenschiffes, eines Türklopfers der Spätrenaissance mit stilisiertem Frauenkopf an der Tür des nördlichen Seitenschiffes.

B. Die Plastik im Inneren.

1. Die Plastik der Westhälfte.

Abb. 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff. Abb. 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff. Abb. 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff. Abb. 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff.

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Abb. 81. Statue des Apostels Bartholomäus im Mittelschiff.

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Abb. 82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen Seitenschiff.

Die Apostelstatuen im Mittelschiff (Abb. 77 bis 81). Dieselben sind Ausläufer der mit dem Umbau der Seitenschiffe begründeten Bildhauerschule und zeigen teils noch die Vorteile derselben durch glückliche Übersetzung der charakteristischen Merkmale ins Monumentale, teils auch schon deutlich den Verfall der Schule. Sie gehören der Zeit von etwa 1315 bis 1335 an. Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurden sie sämtlich von der dicken Tünchkruste, mit der eine frühere Zeit nicht nur die Wände der Kirche, sondern auch die Statuen überzogen hatte, befreit. Die alte Polychromierung mit reicher Verwendung von Gold und auch die teppichähnlichen Hintergründe kamen hierbei wieder zum Vorschein und wurden von kundiger Hand renoviert.

Die Konsolen, welche die Wappen der Nürnberger Familien Ebner, Schreyer, Tucher, Kreß, Muffel, Knebel, Baumgartner, Neumarkter, Rieter tragen, haben die Gestalt von Kapitälen teils in schlichter Profilierung, teils mit reicher Ornamentik. Nur bei einer Konsole an der südlichen Pfeilerreihe findet sich figürlicher Schmuck: zwei zierliche Engelsfiguren flankieren einen mit Draperie umrahmten weiblichen Kopf.

An einem der Pfeiler des Mittelschiffes anstatt einer Apostelfigur die Statue Johannes des Täufers aus der gleichen Werkstätte wie die Apostel.

Ebenfalls als Ausläufer der gleichen Schule sind zu betrachten die beiden Statuen der heilige Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde (Abb. 82, 83) im nördlichen Seitenschiff. Um 1330; mit den Wappen der Stromer aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Zepter der Kaiserfigur ist neu.

Desgleichen gehört dieser Schule die Statue des hl. Bischofs Erhard an einem Pfeiler der nördlichen Reihe an (Abb 84) (vgl. S. 132). Um 1335.

Hierher sind auch zu zählen als letzte und weniger gute Vertreter dieser Schule vier Statuen im Ostchor an der Nordwand desselben, nämlich ein hl. Bischof, ein Jacobus d. Ä. (später abgeändert in Sebald) und ein Apostel (siehe S. 157–159).

Nicht in die Schule der Seitenschiffportale gehört die überlebensgroße Statue eines Christus mit den Wundmalen am ersten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes. Die Behandlung des Nackten ist ziemlich flach, die der Draperie dagegen erinnert in ihrer Vornehmheit an die klassizistische Richtung der romanischen Epoche. Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1335. An der Konsole das Wappenschild der Holzschuher.

Christus als Schmerzensmann. Überlebensgroße Steinfigur mit Konsole und Baldachin. Im nördlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Nachbildung des vorigen aus der Zeit um 1380. Mit dem Wappen der Pömer.

Christus als Schmerzensmann. Halblebensgroße Steinfigur, früher am westlichen Pfeiler der südlichen Reihe, jetzt an der Nordwand des Löffelholzchores, aus der Zeit um 1400. Ohne Sockel und Baldachin. Mit dem Wappen der Ebner.

Die hl. Helena (Abb. 85). Lebensgroße Steinfigur im südlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Mit Baldachin aus der Zeit um 1350. Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, welches zwei Knappen halten, aus der Zeit um 1320.

Ebenda Maria mit dem Kinde, durch Krone und Zepter als Himmelskönigin charakterisiert. Lebensgroße Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert. Das Zepter ist neu.

Daneben die ebenfalls steinerne Statue der hl. Katharina, in der Gesamtkomposition der früher erwähnten ähnlich, doch roher und von älterem Typus. 14. Jahrhundert.

Der hl. Antonius. Dreiviertellebensgroße Steinfigur im südlichen Seitenschiff am Turmpfeiler, aus der Zeit um 1350. Baldachin fehlt. Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, gehalten von zwei Knappen, aus der Zeit um 1320.

Abb. 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördl. Seitenschiff. Abb. 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff. Abb. 85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff. Abb. 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff.

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Abb. 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft.

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Abb. 88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor.

An dem letzten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes (zugleich ehemaliger Vierungspfeiler) gegenüber der Kanzel die Statue des hl. Sebald aus der Zeit um 1390 (Abb. 86). Sebald faßt mit der Rechten den Pilgerstab und hält mit der Linken das Modell eines gotischen, aus zwei Stockwerken bestehenden Chores. Stein in farbiger Fassung. Mit Konsole und Baldachin aus Stein. Die Konsole wird von einem Engel gebildet, welcher die auf einem Wappenschilde vereinigten, mit der Legende des Heiligen verknüpften Wappen von Dänemark und Frankreich samt den Wappen der Mendel, Volckamer und Haller trägt.

Am zweiten südlichen Pfeiler des Mittelschiffes ein Steinrelief mit der Kreuztragung von Adam Kraft (Abb. 87) aus dem Jahre 1496.[IX] Das Relief war früher an der Stadtgrabenmauer am Steig beim Zeug- oder Kornhaus eingemauert und wurde nach Auflassung des Grabens zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Kirche St. Sebald verbracht, wo es an der bezeichneten Stelle als Altaraufsatz dient.

Komposition wie Ausführung erinnern stark an die Kraftschen Stationen in der Burgschmietgasse und an das Schreyersche Grabmal am Ostchor der Kirche. Der obere Teil des Rahmens ist ornamental behandelt. Höhe 2·30, Breite 1·10 m.

In der Mitte des Westchores ein eherner Taufkessel (Abb. 88), etwa um 1410 entstanden. Um den Hals sowohl wie um den Kessel laufen in Reliefs Arkadenbögen, dort 12, hier 21, mit ebensovielen Figuren: Christus am Kreuz, Maria, Johannes, Apostel, Propheten und andere Heilige. Die übrigen Teile sind durch Ringe mehrfach profiliert und mit Weinranken verziert. Vor dem Hals stehen auf Postamenten, welche mit dem Fuß des Kessels organisch verbunden sind, in gleichen Zwischenräumen vier männliche Figuren, mit ihrem Häuptern gleichsam den Kessel stützend, von denen drei aus einer und derselben Gußform gegossen zu sein scheinen. Der Innenraum des Halses, der an der Nordseite mit einer Tür versehen ist, war für Heizung eingerichtet, um das für die Taufe bestimmte Wasser an Ort und Stelle wärmen zu können.

Der Taufkessel hatte dadurch historische Berühmtheit erlangt, daß in ihm am 11. April 1361 der nachmalige König Wenzel getauft worden sein und das Taufwasser besudelt haben soll. Dabei kursierte die andere Erzählung, daß man beim Wärmen des Taufwassers im Pfarrhof bei St. Sebald mit dem Feuer unvorsichtig umging, so daß der Pfarrhof abbrannte. Daß der Pfarrhof 1361 abbrannte, ist urkundlich nachweisbar. Beruht auch jene erste Anekdote auf Wahrheit, so hat es sich damals um den jetzt nicht mehr vorhandenen Taufstein gehandelt, womit dann auch übereinstimmt, daß das Wasser im Pfarrhof vorgewärmt wurde.

Der Taufkessel verdient weniger wegen der Ausführung des einzelnen als vielmehr wegen seiner originellen Gesamterscheinung Beachtung. Er ist das älteste bekannte Denkmal Nürnberger Gießkunst. Sein ursprünglicher Standort war wie der seines aus Stein gefertigten Vorgängers im Schiff der Kirche.

1572 wurde der Kessel gereinigt und unter den Fuß eine Steinplatte gelegt. Der einfach profilierte Holzdeckel stammt aus der Zeit der Spätrenaissance.

Im östlichen Joch des südlichen Seitenschiffes in einer Nische die Büste des Pfarrers an St. Sebald Friedrich Michahelles († 1903), von Fritz Zadow in griechischem Marmor ausgeführt.

2. Die Plastik im Ostchor.

Es folgt zunächst die Beschreibung der Statuen an der Ostchorwand, und zwar derjenigen neben den Fenstern auf den vom Chorbau herrührenden Konsolen in fortlaufender Reihe von der Brauttüre an.

Rechts über der nördlichen Sakristeitüre der Apostel Jacobus d. Ä. mit Pilgerhut, Tasche und Stab, lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die „Renovierung“ der Barockzeit hat den Jacobus durch Beigabe eines Kirchenmodells in einen hl. Sebald verwandelt.

Abb. 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß. Abb. 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor. Abb. 91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor. Abb. 92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor.

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Links vom Mendelschen Fenster Christus als Weltheiland, die Weltkugel in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Holzfigur in der Art des Veit Stoß. 1657 wurde die Statue „aus dem Werkhaus in der Karthausen“ an den jetzigen Ort verbracht (Rechnungen im Freiherrlich von Tucherschen Familienarchiv). Aus dieser Zeit stammt der in Kupfer getriebene Heiligenschein. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Mendelschen Fenster der hl. Andreas mit Kreuz und Buch (Abb. 89). Überlebensgroße Holzfigur, ohne Zweifel von Veit Stoß, in der Naturfarbe mit leichter Andeutung der Farbe von Lippen und Augen. Um 1495. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Tucherschen Fenster der Apostel Johannes (Abb. 90), den Giftkelch in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Figur von gebranntem Ton. Um 1410. Hände und ein Teil der Gewandung sind neu. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Tucherschen Fenster der hl. Johannes der Täufer mit Buch und Lamm in der Linken. Überlebensgroße Steinfigur. Um 1430. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Fürerschen Fenster ein hl. Apostel mit einem Buch in der Linken. Lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die rechte Hand ist ergänzt.

Rechts vom Fürerschen Fenster der Apostel Johannes. Lebensgroße Holzfigur. Jedenfalls von einer Kreuzigungsgruppe stammend. Um 1460.

Links und rechts vom Stromerschen Fenster die beiden Holzfiguren einer Verkündigung, links der Engel und rechts Maria, knieend. Um 1460. Das Zepter des Engels ist erneuert. Am linken Sockel das Wappen der Starck, am rechten das der Imhoff.

Zu beiden Seiten des Bambergischen Fensters die fast lebensgroßen Steinfiguren der Heiligen Heinrich (Abb. 48, 49) und Kunigunde. Um 1335. Wiederum letzte Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die beiden Statuen waren vor der letzten Restaurierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen Spuren berechtigten zur Ergänzung der Figuren als Diözesanheilige. Bei Heinrich ist das Modell des Bamberger Domes, bei Kunigunde das Zepter neu.

Zu beiden Seiten des Maximilianfensters die überlebensgroßen Steinfiguren der Apostel Paulus und Petrus. Um 1375, aus der Zeit der Vollendung des Ostchorbaues die einzigen Statuen der langen Konsolen- und Baldachinreihe. Schule des Meisters des Sakramentshäuschens. Beide Apostel mit ihren Attributen. Gut erhalten. An der Konsole der Paulusstatue das Wappen der Usmer.

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Abb. 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor.

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Abb. 94. Statue der Maria von der Behaimschen Heimsuchung.

Zu beiden Seiten des Markgrafenfensters zwei überlebensgroße Holzfiguren von Veit Stoß aus dem Jahre 1495 (an den Konsolen bezeichnet und datiert). Christus als Schmerzensmann und Maria als Schmerzensmutter (Abb. 91, 92). Die Holzfarbe ist beibehalten. An den Plinten wurden bei der letzten Wiederherstellung der Kirche das Zeichen des Meisters und die Jahrzahl aufgedeckt. An der Christusstatue sind eine Hand und ein Fuß ergänzt. An der Statue der Maria ist der über den rechten Arm geschlagene Gewandzipfel nachträglich, vermutlich von Stoß selbst, angefügt. Nach den Wappen an den Konsolen stellen sich beide Statuen mit den später behandelten drei Passionsszenen darunter als eine Stiftung der Familie Volckamer dar.

Zu beiden Seiten des Pfinzingschen Fensters die unterlebensgroßen Holzfiguren eines hl. Papstes und eines hl. Bischofs aus der Zeit um 1470. Besondere Attribute fehlen. Die Statuen stammen vermutlich von einem der früheren Altäre der Kirche. Hallersche Stiftungen.

Links vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Steinfigur eines hl. Bischofs. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1335. Wiederum einer der letzten Ausläufer der mit Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Rechte Hand ergänzt. Am Sockel Wappen der Haller.

Rechts vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Terrakottafigur eines Apostels. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1390. Aus der Schule des Meisters der Tonbildwerke in der Jakobskirche. Ursprünglich für einen anderen Ort bestimmt. Zuletzt neben dem Bamberger Fenster. Rechter Fuß und linke Hand in der Barockzeit mangelhaft ergänzt.

Zu beiden Seiten des Schürstabschen Fensters die überlebensgroßen Holzfiguren des hl. Erasmus (Abb. 93) und des hl. Sebald. Um 1450. Gegenstücke, vermutlich von dem gleichen Meister. Attribute zum Teile ergänzt. Zu den Füßen beider je ein kleines Lamm, außerdem beim hl. Sebaldus das Wappen der Schürstab-Groß; am Sockel der Erasmusstatue das Wappen der Haller-Tetzel, umgeändert in ein Wappen der Schürstab-Groß.

Zu beiden Seiten des Behaimschen Fensters die überlebensgroßen Steinfiguren einer Heimsuchung, die Heiligen Maria (Abb. 94) und Elisabeth. Um 1420. Ergänzungen an den Händen der Maria und am Gewand der Elisabeth; die Hände der Elisabeth sind neu. An jeder Konsole das Wappen der Behaim.

Zu beiden Seiten des Volckamerschen Fensters die überlebensgroßen Statuen einer Verkündigung, links der Engel, rechts Maria. Wie die beiden eben aufgeführten Statuen aus der Zeit um 1420 und aus der gleichen Schule. Am Engel sind Hände und Zepter neu, an der Maria nur weniges ergänzt. An jedem Sockel das Wappen der Volckamer.

Verschiedene der erwähnten Konsolen zeigen als figürliche Darstellungen Fratzen, groteske Tiergestalten usf., die von einem freien Spiel der Phantasie zeugen.

An der Wand des Bambergischen Fensters ein Wandtabernakel (Abb. 50) aus der Zeit zwischen 1372 und 1379.[X] Der in die Mauer eingelassene Schrein ist von einem in Relief dargestellten architektonischen Aufbau umgeben, welcher sich aus Strebewerk und Baldachinen zusammensetzt und durch eine Reihe von Figuren belebt ist. Der Aufbau ist symmetrisch, die Figuren korrespondieren. Der Gegenstand der Darstellung ist nicht historischer, sondern repräsentativer Natur. Unterhalb des Schreines die Einbalsamierung der Leiche Christi durch Joseph von Arimathia im Beisein von sechs Jüngern. Zu beiden Seiten dieser Darstellung unter einem Strebebogen je ein kniender leuchterhaltender Engel; darüber links der hl. Petrus, rechts der hl. Sebald; über diesen in Baldachingehäusen sitzend zwei Propheten mit Spruchbändern; in den Zwickeln zwischen der unteren und mittleren Etage ein Pelikan und eine Löwin mit Jungen. In den beiden äußeren niedrigeren Bögen unter Maßwerk oben zwei betende Stifter; über denselben, jedoch ohne organische Verbindung mit ihnen, zwei Baldachine und von hockenden Gestalten gebildete Konsolen mit Engeln, welche die Leidenswerkzeuge halten; unmittelbar unterhalb der Konsolen die Wappen der Stifter, links das der Groland, rechts das der Muffel. Oberhalb des Schreines die Dreifaltigkeit mit Maria und Johannes dem Evangelisten; über dieser Gruppe, bereits auf der Fensterbank, geschützt durch einen dachartigen, von einer Turmspitze gekrönten Baldachin Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes dem Täufer als Fürbittern. Zu beiden Seiten dieser Komposition rechts Christus als Schmerzensmann auf einer Konsole mit einer hockenden Prophetengestalt und unter einem Baldachin, welcher Figur wohl links eine Maria als Schmerzensmutter entsprach, die jedoch nicht mehr vorhanden ist. Erhalten haben sich hier nur die ähnlich gebildete Konsole samt Baldachin.

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Abb. 95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor.

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Abb. 96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor.

Das ganze Gehäuse ist farbig gefaßt. Das Eisenbeschläge der Schreintüre ist ornamental behandelt.

Das Ganze ist, wenn auch in der Ausführung kein hervorragendes Kunstwerk, in der Komposition eigenartig. Es ist aus derselben Bildhauerwerkstatt hervorgegangen, wie die Passionsdarstellungen außen an den Ostchorpfeilern. Stiftung der Familien Groland und Muffel.

1514 hatte sich Propst Melchior Pfinzing vergeblich bemüht, das Sakramentshäuschen aus der Kirche zu entfernen. In dem Jahre, in welchem ihm der Rat erlaubte, die Quermauer zwischen der Pfarrkirche und St. Moritz abzubrechen, wollte er ein neues und größeres Sakramentshäuschen über dem St. Nikolaus-Altar errichten und hatte schon Mittel hierfür gesammelt. Allein Jakob Muffel, Jakob und Leonhard Groland als Nachfolger der Stifter des bisherigen Tabernakels widersprachen mit Erfolg und ließen das alte herrichten.

Drei Stufen führen zu dem Wandtabernakel empor; ein fünfteiliges schlichtes Eisengitter schließt das Ganze ab.

Auf dem Petrusaltar steht jetzt die Holzfigur eines Christus als Schmerzensmann aus dem 17. Jahrhundert.

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Abb. 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im Ostchor.

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Abb. 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl.

Hinter dem Hauptaltar an der Wand des Markgrafenfensters, die ganze Breite derselben einnehmend, ein Steinrelief mit drei Passionsszenen (Abb. 95) in ebenso vielen gleich großen Feldern von Veit Stoß aus dem Jahre 1499.

Von links nach rechts das Abendmahl, der Ölberg und die Gefangennahme. Christus und die zwölf Jünger in der Darstellung des Abendmahls sollen zufolge einer schlecht beglaubigten Tradition Bildnisse der Nürnberger Ratsherren von 1499 sein.

Auf der Säbelscheide des Türken oder Polen in der Darstellung der Gefangennahme das Monogramm des Veit Stoß und die Jahreszahl, die in ihrer Verschnörkelung erst 1863 von einem Maler Alexander Lesser aus Krakau hier entdeckt wurden. Im ersten Feld ist unten links der Stifter Paul Volckamer mit seinen beiden Söhnen und dem Familienwappen, im dritten Felde unten rechts seine beiden Frauen und seine drei Töchter mit den Wappen der Mendel und Haller in kleinem Maßstab angebracht.

Das Relief ist eine der wenigen Steinarbeiten des Veit Stoß.

Im Ostchor an der Wand zu beiden Seiten der Schautüre zwei Steinfiguren in Dreiviertellebensgröße mit Konsole und Baldachin. Die Statue links: Christus als Schmerzensmann aus der Zeit der Vollendung des Chorbaues mit dem Wappen der Behaim, die Statue rechts, eine weibliche Heilige mit Buch, aus der Zeit um 1400 mit dem Wappen der Volckamer.

Im Bogenfeld über der Schultüre (Dreikönigsportal, vgl. oben) ein farbig gefaßtes Holzrelief, das die von zwei Engeln gekrönte, das Christuskind säugende Madonna (Abb. 96) darstellt. Ebnersche Stiftung vom Jahre 1429.

Rechts das Bildnis der Nonne Christine Ebner, Äbtissin des Klosters Engelthal, und die Inschrift: „Die selig Cristina Ebnerin wart geborn anno domini M cc lxxvii jar vnd wart lxxix jar alt vnd starb anno domini mccc lvi an sant Johanes tag zv weinachtn vnd lebet seliglich im orden zv Engeltal do liegt sie begraben bitte gott für das geschlecht der Ebner.“

Darunter die Bildnisse von fünf Familiengliedern der Ebner mit den Jahrzahlen 1384 bis 1490 und die Inschrift: „Anno domini M cccc xxix Am Erichtag nach St. Paulitag do Starb Albrecht Ebner den gott genad. Anno domini Mcccc xxix Am Lorentzentag Starb Agnes Pömerin Sein Hausfraw der gott genad.“ Dabei die eine Renovierung des Reliefs bezeichnende Jahreszahl 1656.

Das Relief ist eine der besten Bildhauerarbeiten der damaligen Zeit (vgl. über dasselbe Redslob, a. a. O., S. 57.)

Am ersten südlichen Chorpfeiler die überlebensgroße Steinfigur einer Madonna aus der Zeit um 1380; das aus Holz geschnitzte Christuskind ist nachträglich angefügt. Mit Konsole und Baldachin. Maria ist als Himmelskönigin mit Krone und Zepter dargestellt. Die Behandlung des nackten Christuskindes, welches einen Granatapfel hält und die Beine übereinander schlägt, weist auf eine etwa 100 Jahre spätere Entstehung.

An dem ersten nördlichen Chorpfeiler die aus Birnbaumholz geschnitzte und farbig gefaßte lebensgroße Statue einer Madonna mit dem Christuskind aus der Zeit um 1410 (Abb. 97). Maria hält mit beiden Armen das nackte Kind, das die Beine übereinander schlägt und mit einem Apfel spielt. Zwei kleine Engel tragen die Krone und zwei Engel schweben um die schalenförmige Mondsichel, auf welcher die Himmelskönigin steht. Eine sternenbesäte Tafel mit großem Strahlenkranze bildet den Hintergrund. Konsole und Baldachin, in Stein gearbeitet, schließen das Ganze nach unten und oben ab. Die Statue zählt zu den besten Arbeiten Nürnbergs im beginnenden 15. Jahrhundert.

Das Bildwerk war ursprünglich als Schrein gedacht, der durch zwei Flügel geschlossen werden konnte. Es wird vermutet, daß die in der Pinakothek zu München befindlichen Tafelgemälde des Hans von Kulmbach mit den Heiligen Joseph und Zacharias die abhanden gekommenen Flügel sind.

Am dritten nördlichen Chorpfeiler die halblebensgroße Erzfigur einer Madonna (Abb. 98), die als ein Werk von Stephan Godl erkannt worden ist. Um 1515. An der hübschen Holzkonsole, die gleichfalls der Frührenaissance angehört, das verschränkte Wappen der Eseler und der Propstei von St. Sebald.

Mitten im Ostchor das Sebaldusgrab[XI] (Taf. XIV; Abb. 99). Es besteht aus zwei Hauptteilen: 1. dem zur Aufnahme der Reliquien des hl. Sebald bestimmten Schrein vom Jahre 1397 und 2. aus dem von Peter Vischer dem Älteren und seinen fünf Söhnen in den Jahren 1508–1519 in Erz gegossenen Gehäuse.

1. Der Reliquienschrein vom Jahre 1397. Die Form des Schreines ist ähnlich der eines länglichen Hauses. Eichenholz, verkleidet mit Silberblech, welches abwechselnd mit dem reichsstädtischen Wappen und dem des Schultheißen von Nürnberg in Treibarbeit gemustert ist.[XII] Auf dem First ein durchbrochen gearbeiteter ornamentaler Fries, welcher zwei Kreuzblumen auf den Giebeln verbindet.

1379 wurde der Sebaldusaltar durch einen neuen ersetzt. Auch dieser wird in der Mensa die Gebeine des Heiligen bewahrt haben. 1397 wurde für dieselben ein eigener Schrein, eine Art Sarg, beschafft und in der Mitte des Chores aufgestellt. Anscheinend war auch ein Sockel für denselben vorhanden. Alle Jahre am Tage des Heiligen (19. August) wurde der Sarg in feierlicher Prozession in der Kirche herumgetragen. „In solcher Prozession trugen die Alten Herren des Rates St. Sebaldi Sarg um, welcher mit Pappenrosen besteckt war, unter demselben schloff das Volk hin und wieder, dann sie glaubten: es würde ihnen hernach weder Kopf noch Rücken wehe tun“ (Vgl. M. M. Mayer, a. a. O., S. 31). In zwei Legaten von 1412 und 1415 hatte Klara Geuder zwei Lampen beim Sebaldusgrab gestiftet.

1461 wurde an dem Sarg ein Einbruch verübt. Seitdem fanden periodische Besichtigungen der darin enthaltenen Reliquien statt. So 1463, 1482, 1503. Über die 1503 vorgenommene Besichtigung findet sich in einer Chronik vom Ausgange des 16. Jahrhunderts (Kreisarchiv Nürnberg, Msc. XIV½, 106) folgender Bericht: „Nachdem auch in gebrauch gewest, St. Sebalds hailthumb oder gebein bißweilen zu eröffnen und zu besichtigen, als ist solches a° 1503, den 22. tag julii auch geschehen; solcher eröfnung haben beigewohnet die herren älteren des rats, der baumeister, der probst und kirchenpfleger Sebaldi; die zween loßungschreiber haben dabei knieen und ein jeder ein brennende wachskerzen halten müssen; die kirchen ist unterdessen verspert gehalten und ausen mit einer wacht beleget worden; es ist auch der kürchenmeister außer der kirchen herumgegangen, ob sich etwan ein unruhe erregen wolt; so große sorg hat man für St. Sebalds toden-gebain getragen, das ihnen nichts wiederwärtiges wiederfüre, zu dem man doch damahls die zuversicht getragen, daß er jederman helfen könnte. Im sarg sein zwo hölzerne laden gestanden und in jeder zween bündel mit roten zendel eingewickelt gelegen, die man heraus auf eine darzu bereitete tafel gehebt; in deren einer sein 18 stück großer, in der andern 91 stück mittelmäsiger und kleiner gebein, das haupt aber in einen sonderbaren silbern kästlein, in der gestalt eines brustbilds, verspert gewest, welches man zu hohen festtägen hat pflegen auf dem altar zu setzen, wigt an silber 35 mark, ist gemacht worden a° 1425. Auch ist eine ganze bildnuß St. Sebalds vorhanden, die man an festtagen an dem sarg aufgerichtet, wigt 21½ mark. Diese besichtigung diß heiligtums ist damals nicht geschehen gewest seit dem jahr 1482 und derowegen damals für gut angesehen und decretirt worden, hinfüro diese besichtigung alleweg nach verfliesung zwanzig jahren fürzunehmen, das heilthumb zu saubern und mit bisam in neuen zendel einzuwickeln, das ist aber zeit hero gar verblieben, dieweil mit ausgang der 20 jahr die änderung der religion eingefallen.“

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Abb. 99. Detail vom Sebaldusgrab.

Trotz aller Vorsicht wurde 1506 wieder eingebrochen und gestohlen. Der Einbruch hatte Reparaturen zur Folge. Vermutlich auf diese Renovierung bezieht sich die eine der beiden Inschriften, die sich auf der westlichen Schmalseite am Sockel finden. Sie lautet: „1506 IAR IST DISER SARCH FERNEIT VOR…“ Die andere Inschrift berichtet von einer Erneuerung im Jahre 1628: „ANNO DNI MDCXXIIX IST DIESER SARCH VERNEVRT WORDEN.“

2. Das Gehäuse aus den Jahren 1508–1519. Höhe 4·30, Länge 2·50 und Breite 1·40 m. Es setzt sich zusammen aus dem für den Sarg bestimmten Sockel und der Sockel und Sarg umschließenden Halle.

Die Halle besteht aus drei nebeneinander stehenden Jochen mit ebensovielen Kuppelgewölben auf acht freistehenden Pfeilern. Halle und Sockel ruhen auf einer oblongen Fußplatte, welche von 16 Schnecken und an den Ecken von 4 Delphinen getragen wird. Die Kuppelgewölbe werden von pyramidenartigen, aus Architekturmotiven komponierten Aufsätzen überhöht. Dem Sockel des Schreines sind zwischen den Pfeilern Kandelaber vorgelegt, von welchen schlanke Säulchen bis zu den Scheiteln der Gewölbebögen reichen. Das Ganze ist mit figürlichem und ornamentalem Schmuck belebt. An den vier Ecken der Fußplatte vor den Säulen sitzen griechische und biblische Helden: Herakles und Theseus, Nimrod und Simson, an der Mitte jeder Seite die Kardinaltugenden Mäßigkeit, Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit. Die vier Seiten des Sockels lösen sich in Hallen auf, welche an den beiden Schmalseiten die Statuetten des Meisters und die des hl. Sebald, an den beiden Langseiten vier Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, die wunderbare Füllung des Weinkruges, die Bestrafung eines Spötters, Sebald an brennenden Eiszapfen sich wärmend und die Heilung eines Blinden, enthalten. Vor den Eckpfeilern der Halle sind vier Sirenen, auf Säulchen sitzend, als Leuchterhalter angebracht. In halber Höhe vor den acht Pfeilern der Halle stehen ebenfalls auf vorgelegten, mit Postamenten und Kapitälen versehenen Stäben die Statuetten der zwölf Apostel, der Hauptfigurenschmuck des Sebaldusgrabes; an den stärkeren Eckpfeilern je zwei, an den übrigen Pfeilern, je ein Apostel, und zwar an der Ostseite Andreas und Petrus, an der Südseite Johannes, Jakobus der Ältere, Philipp und Paulus, an der Westseite Judas Thaddäus und Matthias, an der Nordseite Simon, Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Thomas. Baldachine beschützen die Apostel. Die Pfeiler setzen sich über dem Gewölbeansatz fort und tragen die kleinen Statuetten von Propheten und Kirchenlehrern. Oben auf der mittleren Kuppel steht das Christuskind mit der Weltkugel, eine Nachbildung des gestohlenen Vischerschen Originales vom Ausgang des 18. Jahrhunderts. Im übrigen ist das ganze Denkmal reich mit kleinen figürlichen und ornamentalen Reliefs, mit Putten und allerlei Tierfiguren ausgestattet.

Nach der stilistischen Seite ist das Sebaldusgrab eine Mischung von Gotik und Renaissance. Gotisch ist nicht nur die Gesamtanlage, sondern auch eine Reihe von Architekturteilen, ausgesprochene Renaissance fast die ganze Detailbehandlung und der figürliche Schmuck. Nach der gegenständlichen Seite zeigt sich in der Verwertung antiker mythologischer Gestalten der Einfluß des Humanismus.

In der künstlerischen Behandlung, besonders bei den Reliefs am Sockel und vor allem bei den Apostelstatuen, ist der italienische, hauptsächlich der oberitalienische Einfluß unverkennbar. Echt deutsch ist der Phantasiereichtum. Seiner Originalität verdankt das Denkmal seinen Weltruf. Es ist die bedeutendste Schöpfung der Renaissance auf dem Gebiete des Erzgusses.

Das schlichte spätgotische Gitter ist eine Arbeit des Schlossers Jorg Hames aus der Zeit der Vollendung des Vischerschen Grabmales.

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Abb. 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im nördlichen Seitenschiff.

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Abb. 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der nördlichen Sakristei.

Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474–1489). Er wandte sich an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen, jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage mit dem später ausgeführten Werke übereinstimmt. Der Plan scheiterte, wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer (1489–1505) und der rührige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von 1482–1503, ließen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Fürer kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschluß gefaßt, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach Vollendung des Fundamentes kam 1508 die östliche Hälfte der unteren Partie, 1509 die westliche Hälfte zur Ausführung. Die entsprechenden Inschriften lauten: „Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508“ und „Gemacht von Peter Vischer 1509“. 1512 war die Halle vollendet, wie aus einer Stelle bei Cochläus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen 1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist. Die Ausführung des figürlichen Schmuckes zog sich bis Frühjahr 1519 hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen zu können. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton Tucher am 17. März einen Aufruf an die leistungsfähigen Bürger erlassen hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fußplatte lautet: „Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfürste zv Eren mit hilff frumer leut vn dem allmossen bezalt.“ Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr. 29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling, also für den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Bürgerfamilien hatten Beiträge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller, Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Fürer und Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der Ältere für sich und seine Brüder 20 fl. und für seine Gattin und deren Verwandtschaft 20½ fl. usw. Siehe Baader, Beiträge. 1, 53.

Von den Söhnen Peter Vischers des Älteren war Peter der Jüngere am meisten an der Arbeit beteiligt, der möglicherweise auch der hauptsächlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war, während man eine Beeinflussung durch Vorbilder der römischen Renaissance wohl auf Peters des jüngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurückführen wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jüngere. Leipzig 1897, S. 73–121.

1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19 β 8 Heller kostete. „1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert, aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen.“ Die Einstellung der Prozession hing jedenfalls mit der Einführung der Reformation zusammen.

Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik noch die Gewölbeschlußsteine in den Seitenschiffen und im Ostchor. Außer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlußsteine finden wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des südlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit Maria und Johannes, darüber zwei schwebende Engel und die Symbole der vier Evangelisten, beim Engel des Matthäus auf den Stirnseiten des Schlußsteines noch die Löwin und den Pelikan; sodann im nördlichen Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschießenden Zentaur, eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. 100) und den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe von vier Wappen (Nürnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheißenwappen, einköpfiger und doppelköpfiger schwarzer Adler) und einen bärtigen Kopf mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nördlich wiederum einen Agnus Dei, südlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf. In der nördlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als Schlußstein bemerkenswert (Abb. 101).

Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tünche als polychrom behandelt. Von dieser ursprünglichen Polychromierung waren überall noch so bedeutende Reste erhalten, daß eine Ergänzung derselben, ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben möglich wurde. Beim Tympanonrelief des nördlichen Seitenschiffportales wurde aus archäologischen Gründen von jeder Ergänzung der aufgedeckten alten Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche, insbesondere der Verkündigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende Teile eine geringe Ergänzung.

3. Die Gemälde.

Die Tafelmalerei des Mittelaltares ist in der Kirche nicht durch erstklassige Werke vertreten. Auf diesem Gebiete ist die Sebalduskirche gegenüber ihrer Nebenbuhlerin, der Kirche St. Lorenz, zu kurz gekommen. Was sie aufzuweisen hat, sind nur Ableger der in Nürnberg blühenden Schulen des 15. Jahrhunderts. Um so mehr war die Kirche mit Wandmalereien, und zwar nicht nur mit Malereien von rein dekorativem Charakter, sondern mit einer großen Anzahl von in sich abgeschlossenen figürlichen Darstellungen ausgestattet. Dieselben gehören ebenfalls meist dem 15. Jahrhundert an und sind, was besonders hervorgehoben zu werden verdient, häufig in Öl gemalt.

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Abb. 102. Verkündigung. Holztafelgemälde im Löffelholzchor.

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Abb. 103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im Mittelschiff.

Die Tafelmalerei des 16. Jahrhunderts wird durch eine vorzügliche Arbeit der Frührenaissance und die des beginnenden 17. Jahrhunderts durch eine nicht unbedeutende Leistung repräsentiert.

Im Westchor an der Südwand hängen drei gleichgroße Gemälde: die Dornenkrönung mit den Wappen der Löffelholz und Münzmeister (um 1433), die Geißelung mit den Wappen der Löffelholz und Hummel (um 1435) und die Verkündigung (Abb. 102) mit den Wappen der Löffelholz und Zollner (um 1448). Die Darstellungen sind auf Goldgrund gemalt. Auf den Bildern unten die Familienglieder des oder der Stifter. Die angeführten Datierungen beruhen auf den Forschungen Karl Gebhardts (a. a. O. S. 86–88), der die Verkündigung dem gleichen Meister wie das Imhoff-Volckamersche Epitaph mit der Geburt Christi (sieh unten) zuschreibt und geneigt ist, auch die beiden anderen Stücke, Dornenkrönung und Geißelung, diesem „Meister der Sebalder Epitaphien“, wie er ihn nennt, zu geben.

Am ersten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Krönung Mariä nach dem Holzschnitte des Marienlebens Dürers von einem seiner Nachahmer (Abb. 103). Unten am Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Imhoff, Tetzel, Holzschuher, Tucher, Löffelholz und Pömer. Um 1525. Imhoffsche Stiftung.

An der entgegengesetzten Seite desselben Pfeilers ein Holztafelgemälde vom Jahre 1478, eine Allegorie auf die Geburt Christi darstellend. In der Mitte die Anbetung des Christkindes durch Maria, in den Ecken Moses am feurigen Busch, Aaron mit dem blühenden Stab, Gideon mit dem Vließ und die Porta clausa des Ezechiel, ferner in den Zwischenräumen der Pelikan, das Einhorn, der Phönix und der Löwe sowie die vier Evangelistensymbole. Es ist eine Wiederholung der zum Andenken des Professors Friedrich Schon († 1464) gestifteten Darstellung vom Meister des Wolfgangaltares in der Lorenzkirche (Thode, S. 53; Gebhardt, S. 80 ff.; Redslob in den: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. 1907, S. 24 ff., mit Abb.), nur mit deutschen statt mit lateinischen Inschriften. Oben am Bild folgende Schrift: „Anno domini milesimo CCCC vnd in dem lxxviij jare am freitag nach sant Valentins tag verschied der erbar mann Vlrich Starck der elter dem got gnedig vnd barmhertzig sei Amen. Vorneurt 1591. 1658.“ Starcksche Stiftung vom Jahre 1478. Infolge der inschriftlich beglaubigten Restaurierungen schlecht erhalten. Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Starck-Pirckheimer und Starck-Neudung.

Am zweiten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Verkündigung. Von einem Meister des Überganges, Anfang des 16. Jahrhunderts. Unten auf dem Bild der Stifter mit seinen Familiengliedern und die Wappen der Ölhafen und Pfinzing. Stiftung der Ölhafen.

Am zweiten südlichen Mittelschiffpfeiler Holztafelgemälde mit der Taufe Christi und anderen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Unten kniende Angehörige der Örtelschen Familie, dazu rechts das Wappen der Groß, links das der Örtel, in der Mitte die Inschrift: „Anno 1525 den 21. Julii Starb der Erbar Sigmund Orttell. Verneut An. 74.“ Murr wollte eben dieses Gemälde dem nach dem Zeugnis Neudörfers von Dürer mit Anerkennung genannten Maler Sebald Baumhauer, der in seinem Alter Kirchner an St. Sebald war, zuschreiben, doch, wie es scheint, ohne triftigen Grund.

An der Ostseite des südlichen Vierungspfeilers ein Holztafelgemälde mit der Beweinung Christi. Genaue Kopie nach dem Dürerschen Original in der Alten Pinakothek zu München, vielleicht von Georg Gärtner dem Jüngeren († 1654). Wie das Original Holzschuhersche Stiftung.

In den unteren Ecken des Bildes ist der Stifter mit seiner Familie abgebildet: links das Wappen der Holzschuher-Groland-Müntzer-Gruber(?), rechts das Wappen der Gruber. Siehe Thausing, Dürer. II. Aufl., I. Bd., S. 180 ff.

An der Ostseite des nördlichen Vierungspfeilers gegenüber der Kanzel ein Ölgemälde auf Holz, das Jüngste Gericht, freie Kopie nach dem sogenannten Kleinen Jüngsten Gericht von Rubens vom Jahre 1628. Mit Rahmen und einem Aufsatz. Imhoffsche Stiftung.

Auf dem Rahmensockel sind auf Holz gemalt die Bildnisse des Stifters, seiner Ahnherren väterlicherseits mit den Jahrzahlen 1580 und 1628, Willibald Pirckheimers und seiner Gemahlin und Albrecht Dürers mit der Inschrift: „Effigies Alberti Düreri A° 1509“; der Stifter hält eine Tafel mit einem Spruch über die Vergänglichkeit des Lebens. Diesen gegenüber Kreszentia, die Gattin Willibald Pirckheimers, kniend, hinter ihr ihr Gemahl und Albrecht Dürer stehend, letzterer mit einer Tafel, worauf die Inschrift, der zufolge die Gedenktafel Herrn Willibald Imhoff dem Älteren und dessen in Gott ruhenden lieben Voreltern von seinem Sohne Hans Imhoff zu Ehren aufgerichtet worden ist „anno salutis 1. Januarii 1628“. — Auf dem Rahmen über dem Gemälde des Jüngsten Gerichts die Inschrift: „Das Gedechtnuß des Gerechten bleibt im Segen“, auf dem Rahmen unten zwischen diesem Gemälde und der Votivtafel: „Hans Imhoff Fundator“.

Der ebenfalls eingerahmte Aufsatz enthält ein Gemälde auf Leinwand: Allegorie auf die Vergänglichkeit (Tod und zwei kräftige Knaben in der Art des Rubens). Auf dem Rahmen oben: „Memento mori“, unten MDCXXVIII.

Zur Seite des Aufsatzes zwei Pyramiden in Holz geschnitzt, oben das Wappen der Imhoff.

Die Gemälde sind wahrscheinlich Arbeiten des Jörg Gärtner des Älteren († 1640). Über das Verhältnis dieser Stiftungstafel zu der in der Rochuskapelle von 1624 Ausführliches bei Stegmann, Rochuskapelle. 1885, S. 43 ff.

Im Bogenfelde des nördlichen Seitenschiffportales eine Auferweckung des Lazarus, Holztafelgemälde von Christian Ruprecht aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Unten rechts das Wappen der von Wimpfen. Stifter des Bildes war Johann Friedrich von Wimpfen (hingerichtet zu Nürnberg am 29. August 1668).

Am dritten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der hl. Anna selbdritt zwischen den Heiligen Nikolaus und Katharina vom Meister des Imhoffschen Altares in der Lorenzkirche. Unten auf dem Bild die Stifterfiguren mit den Wappen der Imhoff und Rothflasch. Von Christian Baer restauriert. Stiftung Konrad Imhoffs aus dem 2. oder dem Beginn des 3. Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts. Vgl. Gebhardt, Die Anfänge der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 40 ff., wo wesentlich aus diesem Gemälde die Beeinflussung des Meisters des Imhoffschen Altares durch die Kunst des Gentile da Fabriano nachzuweisen versucht wird (vgl. über das Bild auch Redslob, a. a. O. S. 28).

Am zweiten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Kreuztragung in der Art des Wolgemut. Figurenreiche Darstellung mit dem an die Altenburg bei Bamberg erinnernden Kalvarienberg nach dem Stiche der Kreuztragung von Martin Schongauer (Thode, a. a. O. S. 193). Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Ebner, Tucher-Harsdörffer und Tucher-Rieter auf der linken und dem Wappen der Tucher nebst den Insignien des hl. Grabes auf der rechten Seite. Stiftung des Hans Tucher († vom Jahre 1485.

Am dritten südlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der Geburt Christi. Maria betet vor dem Christuskinde, über welches sich ein Engel beugt; links kniet Joseph, und von rechts kommen zwei Hirten herbei. Stark übermalt. Auf der Predella der Stifter mit seinen Familiengliedern (Frau, vier Söhnen und fünf Töchtern) und die Wappen der Imhoff und Volckamer. Stiftung Konrad Imhoffs wohl aus dem Jahre 1438, dem Todesjahre seiner Frau Klara, einer geborenen Volckamer (vgl. Gebhardt, a. a. O. S. 84 ff.).

An der Wand unterhalb des Mendelfensters, die ganze Breite zwischen den beiden Pfeilern einnehmend, ein Gemälde auf Holz von Hans Sueß, genannt Hans von Kulmbach, die Madonna mit Heiligen. Zum Andenken an Lorenz Tucher, Propst von St. Lorenz, gestiftet von dessen Stiefbruder Martin im Jahre 1513 (Tafel XV).

Das Gemälde ist dreiteilig nach Art der gotischen Flügelaltäre, jedoch als Votivgemälde gestiftet. Im Mittelbild thronend die Madonna mit dem Christuskind, zwei über ihrem Haupte schwebende Engel halten die Krone, zu ihren Füßen fünf musizierende Engel, seitlich des Thrones links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara, hinter derselben ein Schriftband mit dem Monogramm des Meisters und der Jahrzahl 1513. Auf dem rechten Feld die Heiligen Johannes der Täufer und Hieronymus, auf dem linken Feld die Heiligen Petrus und Lorenz, vor letzterem das Bildnis Lorenz Tuchers, dabei das Wappen der Tucher und eine Tafel mit folgender Inschrift:

D · O · M · ET · SS · V · M · Lavrencivs Tuchervs, ivr · doc · d · lav ren · prepo · ratisp · cano · cvstos et vicem tenens · vir bonvs ervditvs integer · anima deo reddita · ossa in sepvl chro gentilicio sita · bene valeas et vigila viator qvisqvis es : bulla es · vixit virtvose ann · LV · mens · VII · di · XV . mori · ann · M · D · III · octavo · calend · april sola salvs servire deo : svnt cetera fravdes ·

Die Komposition stammt von einem jetzt in Berlin befindlichen Entwurfe Dürers vom Jahre 1511; der Entwurf ist ziemlich genau, wahrscheinlich auf Wunsch des Bestellers, eingehalten, nur statt des einen musizierenden Engels wurden fünf angebracht. Die venezianische Renaissancestimmung jedoch, die sich hauptsächlich im Kolorit ausspricht, ist auf Kulmbachs Lehrer Jacopo de Barbari zurückzuführen. Das Gemälde gilt in der Kunstgeschichte als eines der besten des Kulmbach. (Siehe Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. 1890, S. 375; Koelitz, Hans Sueß von Kulmbach und seine Werke. 1891, S. 54.).

1572 wurde das Bild von Nikolaus Juvenel restauriert, neuerdings im Auftrage der Freiherrlich von Tucherschen Familie trefflich wiederhergestellt durch den Konservator Andreas Mayer in Augsburg.

Über der Schautüre ein Holztafelgemälde des Johann Kreuzfelder, eines Schülers des Nikolaus Juvenel, vom Jahre 1603 mit Szenen aus dem Leben der ersten Menschen (Abb. 104). Das Gemälde nimmt die ganze Breite der Wand mit dem Behaimschen Fenster und den Behaimschen Statuen der Heimsuchung ein. Die eigentliche Bildfläche ist seitlich abgerundet, die seitlichen Raumflächen enthalten, ebenfalls in Tafelmalerei, Stammbäume der Familie Behaim mit Wappen derselben. Am oberen Teil des Rahmens drei runde Medaillons mit Bildnissen dreier männlicher Mitglieder der Familie Behaim. Das Bild selbst zeigt in reicher von allerlei Tieren belebter Landschaft ohne äußerliche Abgrenzung die Erschaffung der Eva, Adam und Eva im Paradies und die Vertreibung aus demselben. Der niederländische durch Juvenel vermittelte Einfluß ist unverkennbar; vorzüglich sind die Akte. Behaimsche Stiftung.

Auf dem unteren Teil des Rahmens: „Gleichwie vor disem Thürlein klein / Das Endt der Welt in Stain gar fein / Ist abgebild als ist nit geringer / Der Welt Anfang durch Malers Finger / Hie fürgestelt das du Mensch dein Leben / Von Anfang mogst betrachten eben / Wie das du nur seist Staub und Erden / Zu der du auch mußt wider werden / Drum leb, auch stirb hie seliglich / So bleibst bei Gott dort ewiglich. Renov. Anno 1774.“ Mit dem „Endt der Welt in Stain gar fein“ vor der Schautüre ist das Relief mit dem Jüngsten Gericht gemeint (siehe S. 148). Die 1774 vorgenommene Renovierung war nicht umfassender Natur. Auf den anderen Teilen des Rahmens: „Paulus, Christophorus, et Fridericus cognomine Behaim, Fratres, Pauli Fridericique filii et nepotes, ob praeclaram in successiuo et duodeno ordine maiorum suorum memoriam, picturam hanc fieri et ceteris familiae suae monumentis affigi curarunt anno reparatae per Christum salutis humanae M. D. C. III. Patriam beat prudentia.“ Auf dem Rahmen in Holz geschnitzt ein Totenkopf mit einem Schriftband: „Talis terrenae vitae solet exitus esse.“

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Abb. 104. Darstellung des Paradieses. Holztaf.-Gem. von J. Kreuzfelder. Abb. 105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor.

Die ganze Gedenktafel wurde 1904 durch Andreas Mayer restauriert.

Rechts vom Eingang zur südlichen Sakristei ein Holztafelgemälde mit der Himmelfahrt Mariä von einem mittelmäßigen Maler der Dürerschen Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der Ölhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreikönigsportal ein Holztafelgemälde mit figurenreicher Kreuzigung. Erste Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Gegenüber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock gehöriges Ölgemälde auf Holz, eine Brotausteilung unter Krüppel und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: „Lege[t] ewer heillig almüssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Wöhrd und Gostenhof) sind durch gots willen.“ 16. Jahrhundert.

Auch an alten Wandmalereien besitzt die Kirche noch eine ansehnliche Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten großen Wiederherstellung unter der Tünche aufgefunden und freigelegt. Einige von ihnen mögen wohl während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in Verbindung mit Mensen Altäre gebildet haben.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle die Riesengestalt des hl. Christophorus, dazu Angehörige und Wappen der Familie Ebner-Vetter(?). Die Füße des Heiligen sowie die Baumwurzel wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller ergänzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum größten Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14. Jahrhundert, die ohne Zweifel künstlerisch weit bedeutender war, wie die oberhalb des späteren Bildes erhaltenen beiden Köpfe noch gut erkennen lassen. Darüber Spuren einer späteren Darstellung des Veronikatuches.

Beim Dreikönigsportal die Gregoriusmesse mit Maria und Johannes dem Evangelisten. 15. Jahrhundert.

Am dritten südlichen Mittelschiffpfeiler der Tod Mariä, frühes 15. Jahrhundert, dazu Reste dreier älterer Darstellungen aus der Passions- oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer Kreuzigung genauer zu erkennen ist.

Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene Maßwerkmalereien, zwischen denen sich die Wappen der Haller, Holzschuher und Stromer einfügen.

An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:

Über dem Pfinzingchörlein zwei Prophetengestalten mit Spruchbändern, aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die Deckenmalereien im Pfinzingchörlein, Darstellungen des Weltheilands und der vier Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.

Am Kaiserchörlein oben eine Inschrifttafel mit der auf die Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein Veronikatuch, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.

Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend, ein Ölgemälde, die Kreuztragung Christi mit der Figur des Herrn in der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt. Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:

„Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got gnedig….

Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger dem... nad.“

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Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende. Wandgemälde im Ostchor.

Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die Darstellung der Stadt Jerusalem leidlich gut und vollständig erhalten werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in der nördlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die Kreuztragung zum Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen, daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung eines Wallfahrtsortes mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die wirkungsvollen Gestalten der hl. Elisabeth und des hl. Martin, 15. Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links Abendmahl und Fußwaschung; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem Familienwappen, darüber die Inschrift: „Anno dm Mcccclxxlll Jar starb hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt worden, seines Aldters 79 Jahr.“[XIII] Rechts Christus am Ölberg; unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit. Starcksche Stiftung von 1423.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene, künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen aus der Apostellegende (Abb. 106), die dem Anfange des 15. Jahrhunderts angehören (siehe oben).

Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der Kreuzschleppung. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei Stifterfiguren mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.

In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts einen Johannes Evangelista unter Architektur, links eine weibliche Heilige, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.

An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu beiden Seiten der Orgel reiches grünes Rankenornament, dazwischen musizierende Engel, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.

An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, gemalte Wandbehänge mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe. Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein. Schlußsteine und Rippen sind — es handelt sich hier um die dritte Art der Bemalung — ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.

4. Die Glasgemälde.

Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem Neubau des Ostchores (1361–1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.

Notes in this chapter

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