V. Ölfrüchte.
Reading edition
Ölpalme
(Tafel 17).
Die Ölpalme (Elaeis guineensis) ist ein für weite Strecken Westafrikas charakteristischer Baum. Sie wird 10-20 m hoch und hat eine schöne, breite Krone aus Fiederblättern. Die Blätter oder Wedel, deren 20-25 an einem Baum sitzen, erreichen eine Länge von 4-6 m, die einzelnen Fieder sind bis 1 m lang. Die absterbenden Wedel fallen vom Baum ab, lassen aber eine Narbe zurück. Jeder Baum trägt männliche und weibliche Blütenkolben. Der Fruchtstand sieht einer riesigen Traube nicht unähnlich, er wird bis 50 kg schwer und enthält 1500-2000 rote oder rotbraune Früchte, die in ihrem Innern einen harten Kern in Gestalt einer Haselnuß bergen. Die Palmfrucht besteht aus dem äußeren faserigen Fruchtfleisch, der Kern entspricht dem unserer Pflaumen. — Im 6. bis 8. Jahre seines Alters beginnt der Baum zu tragen, etwa mit dem 10. Jahre erreicht er seine volle Tragkraft, die bis zum 40.-50. Jahre anhält.
Sind die Palmnüsse reif, so wird der ganze Fruchtstand abgehauen, die einzelnen Früchte werden ausgebrochen und deren äußeres Fleisch wird getrennt. Dies geschieht, indem sie in Wasser gekocht oder durch Liegen in der Sonne erweicht und darauf in Mörsern gestampft werden. Hierbei löst sich das Fleisch von dem Kern und zugleich tritt das Öl, das in dem Fruchtfleisch enthalten ist, heraus. Dies Öl (Palmöl) wird teils von den Eingebornen im Haushalt verwendet, teils an die europäischen Faktoreien verkauft. Aber auch die übrig bleibenden Kerne enthalten ein Öl (Palmkernöl), das sogar noch wertvoller ist als das des Fleisches. Dies wird von den Eingebornen auf sehr primitive Weise durch Aufklopfen der Kerne und Auspressen des Samens gewonnen; der weitaus größte Teil der Kerne gelangt aber in den europäischen Handel. Die Ölgewinnung aus diesen geschieht dann in Europa mittels eigens dazu konstruierter Maschinen. Neuerdings bewirkt man mancherorts auch das Abschälen des Fruchtfleisches durch Maschinen, die in Afrika an den Produktionsmittelpunkten aufgestellt werden.
Der Verbrauch an Palmöl in der heimischen Industrie ist ein ganz bedeutender. Es wird hauptsächlich verwendet zur Seifen- und Kerzenbereitung und zur Herstellung von Kunstbutter.
Die Abfälle bei der Ölbereitung, Palmkuchen genannt, geben ein ausgezeichnetes Viehfutter. In ihren Heimatländern bildet die Ölpalme für die Eingebornen eine der wichtigsten Pflanzen. Das Öl dient ihnen als Speise (Palmölsuppe), zur Beleuchtung, zum Einreiben des Körpers, als Arznei, aus dem Stamm gewinnen sie Palmwein, die Blattrippen liefern Material für den Hausbau, zur Bedachung, zur Herstellung von Türen und Fenstern, aus den Blättern werden Körbe geflochten.
Die Heimat der Ölpalme ist das tropische Westafrika. Ihre Verbreitung erstreckt sich von Senegambien bis an die Nordgrenze Deutsch-Südwestafrikas. Man findet sie außerdem, wenn auch nicht in so großen Beständen, im inneren Sudan und in Ostafrika. In Westafrika bildet sie mancherorts weit sich erstreckende Wälder. Eigentlich angebaut wird sie selten; in der Regel beschränken sich die Eingebornen darauf, vor Beginn der Regenzeit die überflüssigen Wedel mit dem Buschmesser zu entfernen und die ganze Krone durch Ausbrennen von Ungeziefer etc. zu reinigen. Doch werden in Gegenden, wo die Palme nicht so häufig ist oder wo sie sich stark zu verringern droht, von den Eingebornen Saatbeete angelegt und die jungen Pflänzlinge im beschatteten Buschwalde ausgepflanzt.
Tafel 17.

Ölpalme
(
Elaeis guineensis
).
a) Jüngere Palme, 1/50 nat. Gr.
b) Fruchtstand mit reifen Früchten, 1/13 nat. Gr.
c) Reife Frucht, 4/5 nat. Gr.
d) Der noch von der Steinschicht, die oben zwei Keimlöcher zeigt, umgebene Kern, 4/5 nat. Gr.
Unsere Kolonien Togo und Kamerun besitzen in ihren ausgedehnten Ölpalmwaldungen einen großen Reichtum. Die ganze Ölgewinnung ist bis jetzt ausschließlich ein Produkt der Eingebornenarbeit; die Tätigkeit des Europäers beschränkt sich darauf, das Öl und die Kerne den Negern abzukaufen. Da aber, wie schon erwähnt, zur Gewinnung des Palmweines wenigstens in großen Teilen Westafrikas die Palmen gefällt werden, droht in absehbarer Zeit eine erhebliche Verringerung der Bestände. Um dem zu begegnen, will die Regierung den Baum jetzt an geeigneten Stellen anpflanzen. Zur Hebung der Ausfuhr dieses wertvollen Artikels ist noch wichtiger der Bau von Eisenbahnen, da aus Mangel an Beförderungsmitteln große Mengen Kerne im Innern der Kolonien zugrunde gehen. Deutschland führte an Produkten der Ölpalme ein im Jahre 1906:
Palmölfür3765000 Mk.
Palmkernöl „103000„
Palmkerne„34301000„
Zusammen 38169000 Mk.
(Davon wurden wieder ausgeführt nach anderen europäischen Ländern und Nordamerika an Palmkernöl für 11 Millionen Mk.).
Die Ausfuhr unserer Kolonien betrug 1906 aus
a.Kamerun:
Palmkerne2000000 Mk.1907:2854000 Mk.
Palmöl1000000„1907:1328000„
b.Togo:
Palmkerne680000 Mk.1907:981000 Mk.
Palmöl180000„1907:418000„
Zusammen 3860000 Mk. 1907: 5581000 Mk.
Kokospalme
(Tafel 18).
Die Kokospalme (Cocos nucifera) ist wie die Ölpalme ein Baum der Tropen. Ihre Heimat ist wahrscheinlich das südliche Amerika; sie hat sich aber von da fast über das ganze Tropengebiet verbreitet, sehr oft wohl ohne Zutun der Menschen; da sie nämlich am besten am Meeresufer gedeiht und daher hier auch am häufigsten vorkommt, werden ihre Früchte leicht durch die Meeresströmung an fremde Gestade getrieben und pflanzen sich dort fort. Ein warmes, sonniges Seeklima sagt der Kokospalme am besten zu. Besonders auf den Inseln der Südsee wächst sie ausgezeichnet. Doch gedeiht sie auch gut an den Küsten Südamerikas und des tropischen Asien und Afrika. Im Binnenlande ist ihr Anbau selten einträglich.
Die Kokospalme hat einen bis 20 m langen, schlanken Stamm, der aber meist von der starken Seebrise etwas gebeugt ist. Die Blattwedel und die einzelnen Blattfiedern sind stärker als die der Ölpalme. Männliche und weibliche Blüten sitzen an demselben Blütenstande. Aus den weiblichen entwickeln sich die Früchte, die ausgewachsen manchmal kopfgroß sind. Die Kokospalme zeigt oft an demselben Baum gleichzeitig fast alle Entwicklungsstufen der Fruchtbildung von der Blüte bis zur ausgewachsenen Nuß. Die Frucht besteht aus einer glänzend grünen Haut, einem dicken, faserigen Gewebe und der steinharten, eigentlichen Nuß; in ihr findet sich anfangs ein dünnmilchiger Saft, aus dem sich mit dem Reifwerden das harte Samenfleisch bildet.
Die Eingebornen der Tropen pflanzen die Kokospalme gern in oder bei ihren Dörfern an, meist aber in kleineren Beständen, seltener als größere Pflanzungen. Diese werden in der Regel von Europäern angelegt. — Die Aussaat geschieht durch Nüsse, die in der Regel zuerst in Saatbeete gelegt werden. Die Pflanze gebraucht 7 bis 10 Jahre, bis sie anfängt, Früchte zu tragen. Die volle Tragfähigkeit tritt meistens erst im 12. Jahre ein und dauert bis zum 60.-80. Jahre. Jährlich 4-6 mal werden die Nüsse geerntet. Auf einen Baum rechnet man jährlich 60-80 Nüsse.
Die Verwendung der Kokosnuß ist eine sehr mannigfaltige. Die Milch der jungen Früchte ist ein erfrischendes Getränk; das Nährgewebe der reifen Nuß ist nicht nur für die Eingebornen ein wichtiges Nahrungsmittel, sondern auch ein bedeutender Handelsartikel. Zur Gewinnung desselben wird der harte Kern von der Faserhülle der Frucht befreit, aufgeschlagen, das innere weiße Fleisch heraus- und in Stücke geschnitten. Die getrockneten Stücke heißen Kopra. Sie bildet einen bedeutenden Ausfuhrgegenstand. Die Kopra wird in europäischen Fabriken zu Brei zermahlen und dann aus diesem Öl und Fett gepreßt.
Kokosöl wird wie Palmöl hauptsächlich zur Herstellung von Kerzen und Seifen verwendet. Kokosseife ist die einzige, die auch im Seewasser schäumt; sie ist deshalb bei Seeleuten sehr beliebt. Ein Teil des Fettes kommt als Kokosbutter und Palmin in den Handel und wird namentlich zum Backen als Ersatz für die teure Milchbutter verwendet. Die Rückstände bei der Ölgewinnung bilden als Kokoskuchen ein vorzügliches Futtermittel. Aus der harten Schale der Nuß schnitzen die Eingebornen Trinkgefäße und allerlei Ziergeräte. Auch in Europa werden sie vielfach zu Drechslerarbeiten verwendet. Die dicke, faserige Hülle der Nuß wird in der Industrie auf mannigfache Weise verwertet, zu Tauen, Matten, Läufern, Teppichen, Bürsten, Besen, Pinseln etc. Das Holz der alten Bäume ist zur Herstellung feiner Möbel sehr geschätzt und wird besonders nach England viel eingeführt.
Tafel 18.

Kokospalme
(
Cocos nucifera
).
a) Palme mit Früchten.
b) Ganze Frucht, geöffnet, um die dünne Außen-, die faserige Mittel- und die hier nicht geöffnete, steinharte Innenschicht der Fruchtschale zu zeigen, 1/8 nat. Gr.
c) Kern, durchschnitten, von der steinharten Innenschicht der Fruchtschale umgeben; der Kern umschließt hohlkugelförmig die Kokosmilch.
In allen unsern Tropenkolonien wird die Kokospalme angebaut. Die größten und wertvollsten Bestände besitzen die Südsee-Inseln, wo sich neben den großen Besitzungen der Eingebornen auch europäisch geleitete Kokospflanzungen befinden. Auch an den Küstenstrichen Deutsch-Ostafrikas, Togos und Kameruns gedeiht die Kokospalme, sie wird hier aber fast nur von Eingebornen kultiviert, in ganz unbedeutenden Mengen auf europäischen Pflanzungen; fast die ganze Kopraausfuhr Ostafrikas und Togos sind Eingebornenprodukt. In Ostafrika sind allerdings ziemlich bedeutende europäische Kopraplantagen, sie werden aber nicht vergrößert.
Die Ausfuhr unserer Kolonien im Jahre 1906 zeigt folgende Übersicht:
Samoa9600000kg=2900000Mk.1907=1560000Mk.
Ostkarolinen625700„=123700„1907=79000„
Westkarolinen348400„=78000„1907=116000„
Palau117000„=32900„1907=„
Marianen112400„=33700„1907=„
Marshallinseln2847000„=569000„1907=407000„
Bismarckarch.4193000„=1375000„1907=1522000„
K. Wilhelmsland197000„=43300„1907=285000„
D.-Ostafrika3842000„=1087000„1907=1345000„
Togo28000„=7500„1907=11000„
Außerdem im ganzen Nüsse
für reichlich6000„1907=5000„
Zusammen6256100Mk.1907=5350000Mk.
Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra betrug 16878000 Mk.; also können wir schon jetzt mehr als ein Drittel unseres Koprabedarfes aus unsern eigenen Kolonien decken.
Schibutter
(Tafel 19).
Der Schibaum (Butyrospermum Parkii) ist im Sudan heimisch. Hier findet er sich vom äußersten Westen —Senegambien — bis an die Ufer des Nil, meist im lichten Buschwald. Der Stamm ist rauh, reich verästelt und hat eine breite, aber nicht dichte Krone. Die Frucht hat die Form einer Pflaume. Die äußere Schicht besteht aus einem weichen, wohlschmeckenden Fleisch, das von den Eingebornen gern gegessen wird. Unter dem Fleisch liegt der von einer hellgelb-braunen Schale eingeschlossene Kern; er ist in seiner Form der Eichel ähnlich, aber größer. Der Hauptwert der Pflanze beruht eben in diesem Kern, der einen sehr reichen Fettgehalt besitzt. Dies Fett ist die „Schibutter”, von den Franzosen Karité oder Galam genannt.
Die reifen Früchte werden von den Eingebornen gepflückt. Durch Klopfen wird die Schale abgetrennt; darauf zerstampft und kocht man die Kerne, wobei das Fett sich sondert und von der Flüssigkeit abgeschöpft werden kann. Die Eingebornen Afrikas gebrauchen das Fett im Haushalt zum Backen, Kochen, Einreiben des Körpers etc. In der europäischen Industrie dient es zur Herstellung von Kerzen und Seife. Es ist hierzu so geeignet wie das Palmöl, vor dem es noch den Vorzug hat, daß es nicht gebleicht zu werden braucht.
In Togo und Kamerun kommt der Schibaum in den Steppen überall wild vor. Die Eingebornen bauen ihn nicht an, weil die wilden Bestände ihrem Bedarf vollständig genügen. Der Absatz an die europäischen Faktoreien lohnt sich in den meisten Fällen schlecht, weil der Baum vorzugsweise im Innern vorkommt und der Transport an die Küste durch Träger viel zu teuer ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß mit den besseren Transportmitteln und der stärkeren Nachfrage auch das Angebot an Schinüssen sich steigern würde. Der Anbau des Baumes würde den Eingebornen keine Schwierigkeiten machen, zumal er mit sparsamem Boden und geringer Feuchtigkeit vorlieb nimmt.
Die Ausfuhr betrug 1906 aus Togo 42333 kg, Wert 28534 Mk., aus Deutsch-Ostafrika für etwa 200 Mk.
Tafel 19.

Schibutter
(Butyrospermum Parkii)
.
a) Zweig mit Blüten, 1/4 nat. Gr.
b) Frucht, 4/5 nat. Gr.
c) Geöffnete Frucht, Fruchtfleisch und Kern zeigend, 4/5 nat. Gr.
Erdnuß
(Tafel 20).
Die Erdnuß (Arachis hypogaea) gehört zur Familie der Leguminosen; ihre Heimat ist wahrscheinlich Brasilien, sie wird aber seit Jahrhunderten in fast allen tropischen Ländern angebaut.
Die Erdnußpflanze bildet ein niedriges, sich am Boden ausbreitendes Kraut mit dreizähligen Blättern und gelber Blüte. Sobald diese abgefallen ist, wächst der Blütenstiel, an dessen Ende der Fruchtknoten sitzt, in den Erdboden hinein, wo sich dann die Frucht bildet. Diese besteht aus einer in der Mitte etwas eingeschnürten Hülle mit netzartiger Oberfläche, in der zwei fast bohnengroße Samen liegen.
Die Erdnuß wird von den Eingebornen der meisten Tropenländer fleißig angebaut, da sie ein wichtiges Nahrungsmittel bildet. Sie ist mit magerem, selbst sandigem Boden zufrieden und gedeiht auch ohne große Feuchtigkeit. Man pflanzt sie gewöhnlich im Beginn der Regenzeit. Die jungen Pflanzen müssen von Unkraut freigehalten werden. Bei der Ernte wird der Boden leicht mit der Hacke oder einem andern Gerät gelockert und die Wurzeln mit den anhängenden Früchten vorsichtig ausgehoben.
Die Samen oder „Nüsse” werden geröstet, gekocht oder gemahlen und gebacken von den Eingebornen gegessen. In den europäischen Handel kommen sie wegen des ausgezeichneten Öles, das sie enthalten. Dieses dient in erster Linie zur Seifebereitung, daneben findet ein großer Teil als Speiseöl Verwendung, meist mit Olivenöl gemischt, dessen herber Geschmack durch das milde Erdnußöl gelindert wird. Dies gemischte Speiseöl kommt unter dem Namen Olivenöl oder Tafelöl in den Handel. In der Regel werden die Erdnüsse dreimal ausgepreßt. Die erste Pressung liefert das feinste Tafelöl, die zweite Öl zur Seifebereitung, die dritte Schmieröl. Die Rückstände bilden dann noch als Ölkuchen oder Futterkuchen ein nahrhaftes Viehfutter. Auch das Erdnußstroh wird vom Vieh sehr gern gefressen.
Der europäische Großhandel bezieht seinen Bedarf an Erdnüssen zum weitaus größten Teil aus Westafrika, erst in 2. Linie kommen Ostindien und Südamerika für die Ausfuhr in Betracht. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß fast die gesamte Erdnußkultur Westafrikas in den Händen der Eingebornen liegt, also ein Erzeugnis freiwilliger und selbständiger Negerarbeit ist. Um welche Summen es sich dabei handelt, zeigen folgende Zahlen: 1837 betrug die Erdnußausfuhr aus Senegambien 670000 kg, 1897 76000000 kg im Werte von etwa 15000000 Mk. Sierra Leone verschifft jährlich etwa 30000 kg, Oberguinea etwa 10000000 kg (1840: 1200 kg).
In Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika ist der Anbau der Erdnuß seit langem bekannt, und es ist zweifellos, daß ihre Kultur wegen der geringen Anbauschwierigkeiten und der großen Ergiebigkeit binnen kurzem einen bedeutenden Aufschwung nehmen wird. So haben sich im letzten Jahre in Togo die Anpflanzungen der Eingebornen fast vervierfacht, und es ist für dies Jahr schon eine bedeutende Ausfuhr von dort zu erwarten. — In den deutschen Kolonien ist übrigens auch der Anbau der Erdnüsse ausschließlich Volkskultur der Eingebornen.
Es führten aus 1906:
Ostafrika 2800000 kg — 377000 Mk.
Togo88000„—11000„
Kamerun3000„—200„
Zusammen388200 Mk.
In Togo ist auch die Ausfuhr dieses Produktes im Jahr 1907 ganz bedeutend gestiegen, und zwar auf 338000 kg im Wert von fast 40000 Mk.
Die Erdnußeinfuhr Deutschlands ist nicht sehr bedeutend, fast die gesamte Ernte wird nach Südfrankreich (Marseille) geschickt und von dort das gewonnene Öl oder die Ölprodukte weiter in den Handel gebracht.
Tafel 20.

Erdnuß
(
Arachis hypogaea
).
a) Pflanze mit Blüten und Früchten, 1/4 nat. Gr.
b) Frucht, 4/5 nat. Gr.
c) Zwei Samen, 4/5 nat. Gr.
Sesam
(Tafel 21).
Sesam ist eine Pflanze, die unserm Fingerhut ähnlich sieht. Sie erreicht eine Höhe von etwa einem Meter, hat abwechselnd stehende, längliche Blätter und kleine, weiße oder rötliche Blüten, aus denen sich eine zweifächerige Fruchtkapsel mit zahlreichen Samen entwickelt. Die Samen sind klein, platt und je nach der Abart weiß, gelb, rot, braun oder schwarz.
Das Sesam ist eine uralte Kulturpflanze, die seit unvordenklichen Zeiten in Indien angebaut wird. Auch in Vorderasien, China und in Ostafrika bildet sie eine wichtige Nutzpflanze. Außerdem kommt sie in Westafrika vor und neuerdings sogar in Amerika. Sie hat also fast das ganze Gebiet der Tropen und Halbtropen erobert. Sesam gedeiht am besten in möglichst gleichmäßig warmem Klima auf leichtem, lehmig-sandigem Boden. Sein Anbau erfordert keine große Mühe und bringt in der Regel reiche Erträge. Die ganze Kultur der Pflanze liegt in den Händen der Eingebornen.
Die Samen werden in den Anbauländern der Pflanze als Brotkorn benutzt, oder es wird das in ihnen enthaltene Öl ausgepreßt und im Haushalt als Speiseöl und zur Beleuchtung verwendet. Für den europäischen Handel kommt nur das Sesamöl in Betracht. Meistens wird der Samen nach Europa verschifft und hier erst das Öl ausgepreßt. Der weitaus größte Teil der Ernte geht nach Marseille; hier befinden sich große Sesampressen, in denen das Öl gewonnen wird. — Das Sesamöl findet Verwendung bei der Kunstbutterbereitung, der Seifenfabrikation und als Verschnitt des Olivenöls. Die Rückstände liefern Viehfutter.
Ostindien führt jährlich gegen 2 Millionen Zentner Sesamsamen und 300000 Gallonen Sesamöl aus; auch die Ausfuhr aus China und Vorderindien ist beträchtlich. Daneben ist noch die Produktion Westafrikas von Bedeutung, namentlich in Senegambien und dem Hinterland von Lagos. Letztere Stadt führte in den neunziger Jahren jährlich bis zu 700000 kg im Wert von 100000 Mk. aus.
Ostafrika scheint bis jetzt die einzige deutsche Kolonie zu sein, in der Sesam in größerer Menge angebaut wird, und zwar hauptsächlich in den Bezirken Lindi und Daressalam. Der Anbau geschieht nur durch Eingeborne. 1906 führte Ostafrika aus: 532000 kg im Wert von 113000 Mk. Die Ernte des Jahres 1904 hatte einen Wert von mehr als 374000 Mk. (1907: 131000 Mk.).
Deutschlands gesamte Sesameinfuhr beträgt jährlich 61500000 Tonnen mit 15 Millionen Mark Wert.
Tafel 21.

Sesam
(
Sesamum indicum
).
a) Teil einer Pflanze.
b) Frucht.
Telfairia pedata (Talerkürbis)
(Tafel 22).
Im tropischen Ostafrika kommt eine riesige Schlingpflanze vor, die sich an den Bäumen des Urwaldes emporrankt. Ihre Frucht hat die Form eines langen Kürbis; in der Frucht liegen, von einer netzartigen Schale umgeben, runde, platte Samen in Talergröße (daher der Name Talerkürbis). Diese Samen enthalten 59 Prozent guten Tafelöls. Von den Eingebornen wird die Pflanze angebaut; die Samen werden roh, geröstet oder gekocht gegessen; sie enthalten außer dem Öl viel Eiweiß, sind also hervorragend nahrhaft. Auch in Togo existiert eine verwandte Pflanze mit ähnlichen Früchten.
Die Telfairia würde, in größeren Mengen angebaut, einen sehr wertvollen Ausfuhrartikel bilden. Zurzeit scheitert ihre Einführung in die europäische Industrie daran, daß es noch keine Maschine zum Schälen der Samen gibt, und Schälmaschinen wiederum können erst dann gebaut werden, wenn eine größere, dauernde Anfuhr auf den Markt gesichert ist.
Tafel 22.

Telfairia occidentalis.
a) Oberer Teil einer ganz jungen Pflanze, die Form der Blätter zeigend, 1/4 nat. Gr.
b) Frucht, 1/14 nat. Gr.
c) Same, von der netzartigen Schale befreit, 4/5 nat. Gr.