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Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

IV. Genußmittel und Gewürze.

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Kakao

(Tafel 7).

Der Kakaobaum, zur Gattung Theobroma gehörig, ist eine im tropischen Amerika heimische Pflanze. Er wird 6-10, selten bis 15 m hoch. Der Baum treibt das ganze Jahr hindurch Blüten und Früchte, die aus dem Stamm und den älteren Zweigen unmittelbar hervorsprießen. Die Früchte haben die Form einer Gurke, sind aber nicht ganz so groß; jede Frucht enthält etwa 30-60 Samen, die Kakaobohnen.

Der Kakaobaum ist in seinem Gedeihen auf den engeren Tropengürtel beschränkt. Er verlangt starke, gleichmäßige Wärme, fruchtbaren, tiefgründigen Boden und reichliche Feuchtigkeit. Seine Kultur erfordert sorgfältige Pflege: Beschattung des jungen Baumes, Reinhaltung des Bodens, Abschneiden des überflüssigen Holzes, Düngung etc. Etwa vom 3. Jahr an treibt der Baum Blüten, doch soll man diese ausbrechen, weil durch ein zu frühes Fruchttragen der Baum geschwächt würde. Erst vom 6.-8. Jahr an kann man ernten, im 10.-12. Jahr treten die vollen Erträge ein, die bis zum 30.-40. Jahr andauern. — Für die Erzeugung von Kakao kommen hauptsächlich Amerika und Asien mit den Inseln, neuerdings auch Afrika in immer steigendem Maße in Betracht.

Die reifen Früchte werden gepflückt, die Bohnen herausgenommen und in Schuppen oder Gruben zum Gären ausgeschüttet. Die Gärung hat den Zweck, das anhaftende Fruchtfleisch zu zerstören und die in den Bohnen enthaltenen Bitterstoffe zu entfernen. Darauf werden die Bohnen gewaschen und zum Dörren ausgebreitet. Sind sie gehörig getrocknet, so gelangen sie zur Verschiffung. In großen Mühlen werden schließlich die Kakaobohnen gemahlen und dienen dann zur Herstellung des allbekannten Getränkes. Ein Teil wird zur Schokoladenbereitung verwendet. Die Bohnen liefern ferner ein Fett, die Kakaobutter, die in der Medizin vielfache Anwendung findet.

Von unsern Kolonien kommen hauptsächlich Kamerun, die Südseeinseln und Togo für die Kakaokultur in Betracht. Der Anbau geschieht meistens durch europäisch geleitete Pflanzungsbetriebe, doch bauen z. B. in Togo auch die Eingebornen selbständig Kakao an, noch bedeutender ist die Kakaokultur der Neger auf der Goldküste, von wo sie nach Togo gekommen ist; dort erzeugte sie 1906 einen Wert von 6000000 Mk., und nach einer mäßigen Berechnung glaubt man in den nächsten Jahren das 3-5 fache dieser Summe zu erreichen.

Deutschland verbrauchte im Jahre 1906 an Kakaobohnen für 41000000 Mk.

Die Ausfuhr unserer Kolonien betrug

1906:Kamerun1167000Mk.1907:2704000Mk.

„Samoa101000„„116000„

„Togo22000„„51000„

Zusammen1290000Mk.1907:2871000Mk.

Tafel 7.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Kakao

(

Theobroma Cacao

).

a) Teil eines Baumes, 1/8 nat. Gr.

b) Frucht, geöffnet, um die Samen, die „Kakaobohnen” zu zeigen, 1/5 nat. Gr.

c) Geröstete Kakaobohne, 4/5 nat. Gr.

Kaffee

(Tafel 8).

Die Heimat des Kaffeebaumes ist Afrika. Angebaut werden fast ausschließlich zwei Arten, der sogenannte arabische, der aber aus Abessinien stammt und der Liberia-Kaffee aus Westafrika. Der liberianische Kaffeebaum ist derber und größer als der arabische, letzterer liefert dagegen die feineren, besser bezahlten Bohnen. Der erstere wird bis zu 15 m, letzterer höchstens 5-6 m hoch. Der liberianische blüht fast das ganze Jahr hindurch, der arabische hat jährlich nur eine Blütenperiode, die sich allerdings durch drei Monate hinzieht. Der arabische Kaffee ist besser für höhere, der liberianische besser für tiefere Lagen geeignet.

Die Frucht des Kaffeebaumes hat die Form einer Kirsche, unreif ist sie grün gefärbt, später rot. Jede Beere enthält zwei Bohnen. Sind die Früchte reif, so werden sie gepflückt, die Bohnen herausgeschält, getrocknet und dann in den Handel gebracht.

Das Hauptanbaugebiet für Kaffee liegt in den Tropen. Der Baum verlangt guten Boden, eine gleichmäßige Wärme und Feuchtigkeit. Eine direkte Sonnenbestrahlung ist ihm in tieferen Lagen schädlich, deshalb läßt man bei Anlage von Kaffeekulturen in gewissen Abständen die Urwaldbäume stehen, oder wo solche nicht vorhanden sind, pflanzt man eigene Schattenbäume an. Auch weiterhin verlangt der Baum sorgfältige Pflege. Im dritten oder vierten Jahr ihres Alters beginnen die Bäume zu tragen, den Vollertrag liefern sie vom 6.-8. Jahr an. Im Alter von 18-20 Jahren pflegt der Ernteertrag zurückzugehen; dann müssen die Bäume durch Neuanpflanzung ersetzt werden. Der Baum liefert im Durchschnitt jährlich 1 1/2 - 2 kg Kaffee.

Die größten Kaffeepflanzungen haben Süd- und Mittelamerika, Westindien und die Sundainseln, unter denen besonders Java hervorragt. Den großen Hauptanteil an der Welternte liefert Brasilien, dessen Ausfuhr jährlich fast 390 Millionen Mark erreicht, ihm folgen Venezuela mit 48 Mill. und Niederländisch Ostindien mit 45 Mill. Mark.

Unsere Kolonien bringen noch keine großen Ernten auf den Markt, da die Kulturen teilweise noch zu jung sind. Besonders die Landschaft Usambara in Ostafrika und die Südseeinseln bieten Aussicht, in Zukunft einen bedeutenderen Teil unseres Kaffeebedarfes zu decken. In Ostafrika führen auch die Eingebornen des Seengebiets selbst angebauten Kaffee aus, und zwar beträgt diese Ausfuhr ein Drittel der ganzen Kaffeeernte des Landes. Auch in Kamerun (z. B. in Ossidinge) sind neuerdings größere Anpflanzungen von Liberia-Kaffee gemacht worden.

Deutschlands gesamte Einfuhr an Kaffee betrug 1906 170000000 Mk. Die Ausfuhr aus Ostafrika erreichte 1906 einen Wert von 423000 Mk., 1907 540000 Mk.

Tafel 8.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Kaffee

(

Coffea arabica

).

a) Zweig mit Blüten, 2/5 nat. Gr.

b) Zweig mit Früchten, 2/5 nat. Gr.

c) Frucht, halb vom Fruchtfleisch befreit, um die „Bohnen” zu zeigen, 4/5 nat. Gr.

Tee

(Tafel 9).

Es gibt zwei verschiedene Arten der Teepflanze, von denen die eine stattliche Bäume bildet, die andere strauchartig ist. Der Assam-Tee ist ein Baum, der eine Höhe bis zu 15 m erreicht. Die Blätter der Teepflanzen sind meist lederartig glänzend und dunkelgrün, die Blüte ist weiß. Die Früchte bilden eine Kapsel mit drei Fächern, deren jedes einen runden Samen enthält.

Die Heimat des Tees ist das südöstliche Asien, hier, in China und Japan, wird er auch seit den ältesten Zeiten angebaut. Er gedeiht in subtropischem und tropischem Klima. Die Tropenhitze bringt allerdings die Blätter zu größerer Entwicklung, läßt sie aber nicht die gleiche Güte erreichen wie im subtropischen Gebiet. Ausgezeichnet kommt dagegen die Teepflanze fort in tropischen Bergländern, die genügende Luft- und Bodenfeuchtigkeit gewähren.

Die Fortpflanzung geschieht durch Samen. Im Alter von 3-5 Jahren fangen die Sträucher an, Erträge zu liefern. Vollernten erhält man etwa vom 10. Jahr ab. Bei manchen Arten nimmt der Vollertrag schon vom 15. Jahr an wieder ab, andere liefern aber bis zum Alter von 30-40 Jahren und noch länger gute Erträge. In Japan soll es Teesträucher geben, die über 300 Jahre alt sind.

Zur Teebereitung dienen nur die Blätter. Diese können mit Ausnahme des Winters oder der Trockenzeit fast das ganze Jahr hindurch gepflückt werden. Je jünger und zarter die geernteten Blätter sind, desto besseren Tee liefern sie. Auf einen Hektar Teepflanzung rechnet man durchschnittlich eine Ernte von 3000 kg Teeblättern jährlich, auf den besten Pflanzungen erntet man sogar bis 10000 kg. — Die gepflückten Blätter läßt man zunächst in Schuppen welken; darauf werden sie, früher allgemein mit der Hand, neuerdings auch in Maschinen, gerollt. Von den gerollten Blättern formt man Bälle, die man in Kasten legt und durch die Sonnenhitze gären läßt. Dadurch erhalten sie den bekannten aromatischen Geruch. Nach dem Gären müssen alle Blätter noch einmal gerollt werden, und dann läßt man sie in der Sonne oder auch in Öfen trocknen. Nach dem Trocknen ist der Tee zur Verpackung und zum Versand fertig.

Die größten Teepflanzungen finden sich in Ceylon, China, Japan, Hinter- und Vorderindien und den Sundainseln. Auch in Deutsch-Ostafrika und in Kamerun sind kleine Anbauversuche gemacht worden.

Deutschlands jährlicher Bedarf an Tee beträgt etwa 4000 Tonnen im Werte von fast 8 Millionen Mark.

Tafel 9.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Tee

(

Thea chinensis

).

Zweig mit Blüten und Frucht,

3

/

5

nat. Gr.

Kolanuß

(Tafel 10).

Die Kolanuß stammt von dem zur Familie der Sterculiaceen gehörenden Kolabaume, dessen Heimat das tropische Westafrika ist. Der Baum wird 10-18 m hoch. Die rispenförmig stehenden Blüten entspringen wie beim Kakao oft unmittelbar aus dem Stamm oder aus älteren Zweigen. Aus den weiblichen Blüten bilden sich die aus 4-6 Kapseln bestehenden Früchte, die um den Fruchtstiel sternförmig angeordnet sind. Jede Kapsel enthält bis zu sechs Samen oder Nüsse. Diese erreichen fast die Größe einer Kastanie; ihre Farbe ist gelbbraun oder rötlich.

Der Kolabaum kommt in Westafrika wild vor, wird aber auch seit langem von den Eingebornen angebaut und hochgeschätzt wegen seiner Früchte, die als bestes Mittel gegen Hunger, Durst und Müdigkeit gekaut werden. Auf ihren langen, oft Monate dauernden Handelsreisen durch unbewohnte Gebiete würden die Eingebornen ohne die Kolanuß, deren Genuß für lange Zeit das Gefühl von Hunger und Durst unterdrückt und vor Ermüdung schützt, nicht auskommen.

Diese ihre erfrischenden Eigenschaften verdankt die Kolanuß vor allem ihrem hohen Gehalt an Coffeïn und Theobromin, der sogar stärker ist als beim Kaffee; aber auch wirkliche Nährstoffe wie Stärke, Zucker, Eiweiß besitzt die Kolanuß in beträchtlichem Maße.

Als Kaffee-Ersatz eignet sich Kola trotz seines hohen Coffeïn-Gehaltes nicht, da beim Rösten die Hälfte des Coffeïn verloren geht. Hauptsächlich findet es Verwendung in der Heilkunde zur Herstellung von Kola-Pillen, Pastillen, Tinkturen, Extrakten, Kola-Wein und Kola-Likören. Als Zusatz zum Kakao wird es in der Schokoladefabrikation benutzt. Auch wird seine Einführung in die Armee versucht als Stärkungsmittel bei anstrengenden Märschen und Gefechten.

Den größten Kolahandel betreibt das Hinterland der Goldküste, vor allem die Landschaft Gondja. Von hier aus geht die Kolanuß in alle Länder des Sudan, kommt jedoch selten oder gar nicht nach Europa. — Durch Negersklaven ist der Kolabaum auch nach Amerika verpflanzt worden. Dort wird er jetzt, besonders auf den Antillen, vielfach und mit gutem Erfolge angebaut. Der Baum liefert vom 8.-10. Jahre an volle Erträge, das ist etwa 4000 Nüsse jährlich; auf dieser Höhe hält er sich bis zum 50. Jahre. Westindische Pflanzer sind der Ansicht, daß, wenn der Preis der Kolanuß nur die Hälfte des Kaffeepreises erreiche, die Kolapflanzung die einträglichere sei.

In Deutsch-Togo und Kamerun wird der Kolabaum von den Eingebornen kultiviert, der größere Teil der Ernte bleibt aber im Lande oder geht über die Binnengrenze. Seit einigen Jahren haben auch Europäer in unsern Kolonien Kola-Pflanzungen angelegt, und es ist wahrscheinlich, daß die Ausfuhr der Kolanuß, die im Jahre 1907 in Kamerun schon einen Wert von 21000 Mk. darstellte, in der Zukunft bedeutend steigen wird.

Tafel 10.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Kolanuß

(

Cola acuminata

).

a) Zweig mit Blüten, 1/3 nat. Gr.

b) Zweig mit jungen Früchten, 1/4 nat. Gr.

c) Reife Frucht, 1/4 nat. Gr.

d) Same, 1/3 nat. Gr.

Vanille

(Tafel 11).

Die Vanille ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Orchideen; ihre Heimat ist das tropische Amerika. Die Pflanze rankt an Bäumen empor und bildet an diesen Wurzeln, die sie der Rinde des Baumes anlegt. Der Stamm ist 2-3 cm dick, die Blätter sind lang, dunkelgrün und fleischig. Die großen, traubenförmig gestellten Blüten sind gelblichrot und wohlriechend. Die Befruchtung der Vanilleblüten geschieht in Amerika durch ein Insekt, in anderen Erdgebieten, wo dieses Insekt fehlt, muß sie künstlich herbeigeführt werden: Man überträgt den Blütenstaub auf die weibliche Blüte mit Hilfe eines spitzen Hölzchens. Aus den weiblichen Blüten entstehen 20-30 cm lange, zylindrische Schotenfrüchte, die mit einer großen Zahl überaus kleiner, schwarzer Samenkörner gefüllt sind. Die Fruchtschoten werden gepflückt und getrocknet und bilden dann das bekannte Gewürz Vanille.

Der Vanillestrauch gedeiht fast nur in tropischen Gebieten mit möglichst gleichmäßiger Wärme. Sein Anbau erfordert große Sorgfalt und viele Arbeit. — Als Ertrag rechnet man gewöhnlich 100-200 kg marktfähiger Ware auf den Hektar. Am ältesten und auch heute noch bedeutend ist die Vanillekultur in Mexiko; doch ist die Hauptbezugsquelle jetzt die Insel Réunion, auf der die Pflanze erst in neuerer Zeit eingeführt ist und ausgezeichnete Erträge bringt. Die Ausfuhr beträgt hier jährlich 100000 kg, in Mexiko etwa 60000 kg. Das Kilogramm hat im Großhandel einen Wert von 8-10 Mk.

In Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo und Samoa sind ebenfalls Anbauversuche gemacht, die besonders für Ostafrika aussichtsreich erscheinen. Obgleich hier die Kulturen noch ganz in den Anfängen sind, lieferte das Jahr 1906 doch schon eine Ernte von 196 kg im Werte von 4500 Mk.

Tafel 11.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Vanille

(

Vanilla planifolia

).

a) Zweig mit Blüten, 1/4 nat. Gr.

b) Schotenförmige Frucht, 1/3 nat. Gr.

Zimt

(Tafel 12).

Die Heimat des Zimtbaumes ist Ceylon (Cinnamomum ceylanicum). Der Baum wird bis 10 m hoch; die Äste sind knotig und stehen fast wagerecht, die Rinde graubraun, innen gelblichrot. Fast alle Teile des Baumes sind dem Menschen nützlich: Aus den Wurzeln kann Kampfer gewonnen werden, das Holz wird in der Tischlerei verwendet, die Blätter und Blüten liefern ein Parfüm, die Wurzelschößlinge Spazierstöcke; das wichtigste ist aber die Rinde: sie gibt uns das bekannte Gewürz. Zur Gewinnung der Rinde werden die Bäume im Alter von 3-4 Jahren etwa 10-15 cm über dem Boden abgeschnitten; die Rinde wird dann vom Stamm geschält, getrocknet, zubereitet und in alle Welt verschickt. Die abgeschnittenen Baumstümpfe treiben neue Schößlinge, die in 1 1/2 bis 2 Jahren wieder geschnitten werden können. So bleibt der Baum eine Reihe von Jahren hindurch tragfähig.

Die größten Zimtkulturen hat Ceylon. Von hier wird fast der gesamte Zimtbedarf der Erde gedeckt. Die Ausfuhr Ceylons betrug 1896 über drei Millionen Pfund.

In Deutsch-Ostafrika und Kamerun hat man Anbauversuche mit Zimtbäumen gemacht. Diese gedeihen gut, haben aber bis jetzt keine nennenswerten Erträge gebracht.

Tafel 12.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Zimt

(

Cinnamomum ceylanicum

).

a) Zweig, 1/5 nat. Gr.

b) Zweigstück mit abgeschälter Rinde, 4/5 nat. Gr.

c) „Zimtstange”, d. i. getrocknete Rinde, 4/5 nat. Gr.

Zuckerrohr

(Tafel 13).

Das Zuckerrohr ist ein 3-6 m hohes Gras mit starken, knotigen Halmen, die 3-5 cm Durchmesser haben. Die Blüte bildet eine Rispe; in kultiviertem Zustande kommt die Pflanze selten zur Blüte; das Bemühen des Pflanzers geht dahin, das Blühen und Samentragen überhaupt zu unterdrücken, damit die übrigen Teile der Pflanze sich um so kräftiger entwickeln können. Die Fortpflanzung geschieht durch Stecklinge, die aus dem Halm geschnitten werden.

Das Zuckerrohr gedeiht am besten in feuchtwarmem Klima; sehr geeignet sind für den Anbau Inseln und Küstenstrecken. Es kommt in tropischem und subtropischem, zum Teil sogar noch in gemäßigtem Klima fort.

Zur Zuckerbereitung dienen nur die Halme; diese schneidet man, wenn das Rohr reif ist, am Grunde ab; die Blätter werden ebenfalls entfernt und darauf die Stengel in Bündel gebunden und in die Fabrik gefahren, wo sie auf großen Mühlen zermahlen und der Saft ausgepreßt wird. Dieser Saft wird nun auf das sorgfältigste gereinigt, gekocht und zuletzt kristallisiert.

Die größten Zuckerrohr-Pflanzungen sind in Amerika (Nord, Mittel und Süd) und Westindien, ferner im südlichen Asien, den Sundainseln, Australien, Ägypten und Mauritius. — In unsern afrikanischen Kolonien wird Zuckerrohr ganz allgemein von den Eingebornen zum eignen Gebrauch angebaut. In Ostafrika, besonders am unteren Pangani, hat diese Kultur schon früher unter dem Einfluß der Araber eine größere Ausdehnung angenommen; es gab dort eine ganze Anzahl kleinerer Zuckerfabriken. In den letzten Jahren ist die Fabrikation und damit auch der Anbau zurückgegangen, weil die Araber den Verlust der unbezahlten Sklavenarbeit nicht verschmerzen können und sie zur Anstellung freier Arbeiter weder Energie noch Kapital besitzen. Es ist aber denkbar, daß die Zuckerindustrie hier einen neuen Aufschwung nimmt, wenn sie in europäische Hände gelangt. Im Jahre 1906 führte Ostafrika Rohrzucker aus im Werte von 70000 Mk., 1907 38000 Mk., 1903 dagegen noch für 200000 Mk.

Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Rohrzucker ist schwer festzustellen, da in den Statistiken Rohr- und Rübenzucker nicht getrennt werden. Die Weltproduktion an Rohrzucker beträgt jährl. an 3400000 Tonnen (à 1000 kg), davon erzeugt Amerika 2100000, Asien 762000, Afrika 334000 Tonnen.

Tafel 13.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Zuckerrohr

(

Saccharum officinarum

).

a) Blütenlose Kulturform, 1/25 nat. Gr.

b) Blühende Pflanze, 1/35 nat. Gr.

Pfeffer

(Tafel 14).

Es gibt 10-12 verschiedene Gewürzpflanzen, die alle den gemeinsamen Namen Pfeffer tragen. Die meisten derselben sind Sträucher, teils freistehend, teils kletternd. Die in Europa am meisten zur Verwendung kommenden Arten sind der weiße und der schwarze Pfeffer, beide das Produkt derselben Pflanze (Piper nigrum), ersterer geschält, letzterer ungeschält; diese beiden werden auch „gewöhnlicher Pfeffer” genannt — und der rote Pfeffer (spanischer Pfeffer, Cayennepfeffer, Capsicum). Der gewöhnliche Pfeffer wird hauptsächlich in Indien und auf den Sundainseln angebaut. Diese Länder bringen jährlich über 30 Millionen Kilo Pfeffer auf den Weltmarkt.

Der rote Pfeffer ist auch in den deutsch-afrikanischen Kolonien überall anzutreffen und wird von den Eingebornen, die gern stark gepfefferte Speisen essen, fleißig gebaut. Man ist von seiten der Europäer der planmäßigen Kultur in größerem Umfange noch nicht näher getreten; diese dürfte aber lohnend sein, da der Pfefferstrauch leicht fortkommt und fast keine Pflege verlangt. In Sansibar hat sich seit länger als 30 Jahren eine Ausfuhr in diesem Artikel entwickelt. Auch von Sierra Leone in Westafrika werden jährlich gegen 10000 Pfund Pfeffer verschifft.

Neben dem roten Pfeffer kommen in unsern afrikanischen Kolonien noch der Malagettapfeffer (Paradieskörner, Guineakörner), der Aschantipfeffer und Xylopia aethiopica, ein Baumpfeffer, vor, die alle für den auswärtigen Handel noch Bedeutung erlangen können. — In neuerer Zeit versucht man auch den indischen Pfeffer auf den Karolineninseln anzubauen.

Deutschland verbraucht jährlich für fast 7 Millionen Mark Pfeffer.

Tafel 14.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Pfeffer

(

Piper nigrum

).

Teil einer Pflanze, an einem Baumstamm emporkletternd,

4

/

5

nat. Gr.

Ingwer

(Tafel 15).

Ingwer wird gewonnen aus den Wurzelstöcken einer Pflanze der Gattung Zingiber, deren Heimat Ostindien ist. Von den Indiern wird die Pflanze auch seit unvordenklichen Zeiten kultiviert.

Der knotige Wurzelstock wird etwa daumendick und ist in frischem Zustande fleischig. Die Stengel erreichen eine Höhe von 1-2 m; sie sind schilfartig und mit zwei Reihen langer, gerader Blätter besetzt. Die Blüten sind klein, weiß mit roten Streifen.

Der Ingwer gedeiht in den Tropen; hohe Sonnenwärme, starke Luftfeuchtigkeit und ein lockerer Boden sagen ihm am besten zu. Die Fortpflanzung geschieht wie bei der Kartoffel durch den Wurzelstock, der zu diesem Zweck in kleine Stücke zerschnitten wird; jedes Stück, das mit Augen versehen sein muß, liefert eine neue Pflanze. Diese braucht 9-10 Monate, bis sie ausgewachsen ist. Dann werden die Wurzelknollen ausgegraben oder -gepflügt, gereinigt und auf mannigfache Art verwendet. Die Wurzeln sämtlicher Ingwerarten dienen als Arznei und Gewürz und bilden in steigendem Maße einen Ausfuhrartikel nach Europa. Der gezuckerte Ingwer, eine bekannte Delikatesse, wird aus den noch weichen, halbreifen Knollen gewonnen. Diese werden, nachdem sie gereinigt sind, ganz weich gekocht, 2-3 Tage in kaltes, frisches Wasser gelegt und darauf mit kochendem Sirup zweimal nacheinander übergossen. Sind die Stücke gehörig getrocknet, so werden sie verpackt und gelangen in den Handel.

Noch viel größer ist aber der Verbrauch an Ingwer in den Erzeugungsländern; er steht dort als Gewürz im Range meist dem Pfeffer gleich. In Südasien gilt der Ingwer für so unentbehrlich wie das tägliche Brot, da man dort glaubt, die inneren Organe des menschlichen Körpers könnten ihre Tätigkeit nicht ausüben, ohne täglich durch den Genuß von Ingwer gestärkt zu werden.

Das Hauptproduktionsland für Ingwer ist Britisch-Indien, das jährlich über 10 Millionen Pfund ausführt (Wert etwa 2500000 Rupien). Von Indien hat sich aber die Kultur fast auf alle Tropengebiete ausgedehnt. So brachte Jamaica 1897 1234000 Pfd. im Wert von 660000 Mk. hervor. Auch im tropischen Afrika wird Ingwer vielfach von den Eingebornen angebaut und gedeiht vorzüglich. Nicht selten trifft man ihn verwildert an. Sierra Leone führte in den achtziger Jahren noch 1500000 Pfund aus; in den letzten Jahren ist die Ausfuhr hier gesunken. England, das den Ingwer in erster Linie zur Herstellung des Ingwerbieres verwendet, führt jährlich mehr als 100000 Zentner Ingwer ein im Werte von etwa 3500000 Mk., Hamburg etwa 633000 kg.

Man darf hofften, daß auch in unsern deutschen afrikanischen Kolonien die Ingwerkultur bald in größerem Maßstabe aufgenommen wird, da sie gute Aussichten bietet. In Ostafrika ist durch Versuche festgestellt worden, daß sie durchaus befriedigende Qualitäten liefert.

Tafel 15.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Ingwer

(

Zingiber officinale

).

a) Ganze Pflanze, 1/4 nat. Gr.

b) Wurzelstock, 4/5 nat. Gr.

Tabak

(Tafel 16).

Es gibt etwa fünfzig verschiedene Arten der zur Familie der Solanaceen gehörigen Tabakpflanze. Die meisten von ihnen sind in Amerika heimisch. Für den Anbau des Tabaks kommen aber eigentlich nur zwei Arten in Betracht: der rötlich blühende echte oder gemeine Tabak (Nicotiana tabacum), auch amerikanischer Tabak genannt, und der gelblich blühende Bauerntabak (Nicotiana rustica), auch syrischer Tabak geheißen, weil er in diesem Lande am besten gedeiht und sehr viel angebaut wird. Aus diesen beiden Arten haben sich aber wieder durch Verschiedenheit von Klima und Boden eine ganze Reihe von Spielarten herausgebildet.

In Amerika und Europa wird fast nur der gemeine oder echte Tabak angebaut. Dies ist eine einjährige Pflanze mit geradem Stengel, der bis 2 m lang wird. Die lanzettlichen Blätter sind oben dunkel-, unten hellgrün; am Fuße des Stengels werden sie bis 50 cm lang und 10-15 cm breit, nach oben hin verkleinern sie sich. Jede Pflanze hat etwa 10-20 Blätter. Die Blüten sind trichterförmig und stehen in Rispen.

Der Tabak gedeiht in der tropischen und auch in den wärmeren Teilen der gemäßigten Zone. Er bedarf einer möglichst gleichmäßigen Luftfeuchtigkeit; starke Regenfälle schaden der Entwicklung der Blätter; ebenso ist ihm stehendes Wasser sehr nachteilig. Der Boden muß deshalb leicht durchlässig sein. Die Fortpflanzung geschieht durch Samen, die in Beete gesät und deren Pflänzlinge später aufs Feld verpflanzt werden. Der Anbau des Tabaks erfordert große Sorgfalt und Pflege. Das Wertvolle der Tabakpflanze sind ihre Blätter; auf deren günstige Entwicklung muß deshalb alle Mühe verwendet werden. Die reifen Blätter oder die ganzen Pflanzen werden abgeschnitten, in Bündel gebunden und getrocknet, entweder an der freien Luft oder durch Feuerwärme in Trockenhäusern. Dann werden die Blätter vom Stengel abgebrochen und dabei zugleich nach ihrer Qualität sortiert. Die sortierten Blätter werden wieder je zu kleinen Bündeln vereinigt und so zum Gären in geschlossenen Räumen zu größeren Haufen aufeinander geschichtet. Nachdem darauf die Bündel wieder gelüftet und abgetrocknet sind, sind sie fertig zum Verpacken in Fässer und zum Versand. Für Deutschland ist Bremen ein Haupthandelsort für Tabak. In Bremen und Umgegend gibt es die größten Tabak- und Zigarrenfabriken Europas.

Der Verbrauch von Tabak und dementsprechend auch sein Anbau ist ein ganz bedeutender. Mitte der achtziger Jahre betrug die Gesamterzeugung an Tabak auf der ganzen Erde 542000000 kg, davon entfallen auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika 222 Millionen, auf Britisch-Ostindien 170 Millionen kg (Deutschland 40 Millionen kg). Deutschland führte 1906 für 102 Millionen Mk. unbearbeiteter Tabakblätter ein. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen bei uns jährlich fast 2 kg Tabak.

In den deutschen Kolonien wird Tabak vielfach von den Eingebornen angebaut, allerdings nicht einmal soviel, daß er ihren eigenen Bedarf deckt. Aber auch die Europäer haben seine Kultur in größerem Maßstabe in die Hand zu nehmen versucht. Aus Ostafrika wurden 1906 28800 kg im Werte von 27500 Mk. (1907 für 60000 Mk.) nach Sansibar ausgeführt, die aber zumeist von Eingebornen für Eingeborne erzeugt wurden. In Kamerun werden gegenwärtig Kulturversuche mit Havana-Tabak gemacht. Auf Neu-Guinea gab es Tabakpflanzungen größeren Umfangs; da aber die Arbeiterverhältnisse ungünstige waren, sind sie zum größten Teil wieder eingegangen. Die Ausfuhr ist bis jetzt gering. So verschiffte Samoa 1906 683 kg im Werte von 2049 Mk. (1907 für 3000 Mk.), die Westkarolinen 90 kg (290 Mk.), 1907 1500 kg (3000 Mk.), die Marianen 616 kg (903 Mk.); zusammen aus den deutschen Kolonien 30189 kg im Werte von 30742 Mk. (1907: 67000 Mk.).

Tafel 16.

Illustration from Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Tabak

(

Nicotiana tabacum

).

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