III. Südfrüchte.
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Dattelpalme.
Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) bildet einen schlanken, bis 20 m hohen Stamm; einzelne Exemplare sollen sogar eine Höhe bis zu 40 m erreichen. Die Krone besteht aus 40-80 Wedelblättern, die bis zu 4 m lang werden. Meist bildet sich in jedem Jahr ein neues Blatt, während ein altes abstirbt; dies fällt nicht ab, wird aber, wenn die Bäume sich in Kultur befinden, von Menschenhand entfernt. Die Blüten der Dattelpalme sind eingeschlechtig, es sind also männliche und weibliche Bäume zu unterscheiden. Die Blütenstände beider Bäume bilden Rispen, jede Rispe enthält beim männlichen Baum etwa 12 000 Blüten, beim weiblichen 100-200 Fruchtansätze.
Die Dattelpalme wird von altersher im nördlichen Afrika und im südwestlichen Asien angebaut; hier ist deshalb wohl ihre Heimat zu suchen. Sie gedeiht überall auf trocknen Gebieten der Subtropen, bringt aber nur in besonders bevorzugten Gebieten schmackhafte Früchte. Die Fortpflanzung geschieht selten durch Samen, in der Regel durch Wurzelschößlinge. Im 6.-8. Jahre blüht der Baum zum erstenmal, aber erst im 20. Jahre liefert er volle Erträge; diese können bis zum 70. oder 80. Jahre andauern; von da an wird der Ertrag geringer und im Alter von 100 Jahren stirbt der Baum ab. Als Durchschnittsernte rechnet man auf einen Baum 50 kg jährlich.
Der Nutzen der Dattelpalme ist ein mannigfaltiger. Die Früchte dienen in den Anbauländern den Eingebornen roh, getrocknet oder gekocht als Hauptnahrung; in Körbe gepreßt oder in Sand gegraben können sie zwei Jahre aufbewahrt werden; selbst in der brennenden Sonnenhitze verderben sie nicht. Deshalb bilden Datteln auf den Karawanenreisen ein unentbehrliches Proviantmittel. Auch nach Europa werden jährlich große Mengen ausgeführt. — Aus den Früchten wird durch Pressen der Dattelhonig gewonnen, der gegoren ein weinartiges Getränk darstellt; ein solches erhält man auch aus dem Stamm durch Anzapfen. Die Herzblätter liefern den wohlschmeckenden Palmkohl; aus den Wedeln fertigt man Gewebe und Taue, die widerstandsfähig gegen Salzwasser sind und deshalb in der Schiffahrt Verwendung finden.
Außer in ihrer Heimat wird die Dattelpalme jetzt auch in Mexiko, Kalifornien, Australien und Südafrika kultiviert. Von unsern Kolonien kommen für ihren Anbau in erster Linie Südwestafrika, Togo und Ostafrika in Betracht; in einigen Gegenden Südwestafrikas kommt sie ganz vorzüglich fort und liefert auch befriedigende Ernten, selbst noch in Höhe bis 1000 m.
Banane
(Tafel 6).
Dieser Pflanze begegnet man unter zwei Namen, Banane und Pisang, die als je besondere Art unterschieden werden, und zwar pflegt man unter Banane die kleinfrüchtige, roh genossene und unter Pisang die gröbere, großfrüchtige Sorte zu verstehen. Diese Unterscheidung ist botanisch unrichtig. Beide Pflanzen sind nur Spielarten derselben Gattung Musa sapientum.
Die Banane ist eine bis 6 m hohe Staude mit weichem, aus den Blattscheiden gebildetem Stamm, der auf der Spitze eine palmenartige Blattkrone trägt. Die prächtigen, großen Blätter werden bis 4 m lang und 1/3-1/2 m breit. Die Blüten sitzen an einem langen, meist hängenden Kolben.
Die Bananenstaude bringt nur ein Fruchtbüschel hervor, das aber mit seinen Früchten 30-50 kg schwer wird und 60-100 Einzelfrüchte enthält. Nachdem die Frucht gereift ist, stirbt die Pflanze ab. Die Banane pflanzt sich nur durch Stecklinge fort. Die Samenbildung ist durch die langjährige künstliche Kultur, bei der alles Gewicht nur auf die möglichst reiche Entwicklung des Fruchtfleisches gelegt wird, ganz unterdrückt worden.
Die Heimat der Banane ist die asiatische Inselwelt; sie wird aber wegen ihrer vorzüglichen Früchte jetzt fast im gesamten Tropengebiet angebaut. In manchen Gegenden Afrikas nährt sich die Bevölkerung beinahe ausschließlich von Bananen; auch in Mittel- und Südamerika wie auf den Südseeinseln bilden sie ein wichtiges Nahrungsmittel. Bis in die neueste Zeit war die Banane in Europa wenig bekannt, weil es wegen der geringen Haltbarkeit der reifen Früchte nicht gelingen wollte, sie in ansehnlichem Zustande auf den europäischen Markt zu bringen. Infolge der verbesserten Transportverhältnisse ist dieser Übelstand fast ganz gehoben, und die Bananenausfuhr ist bedeutend gestiegen. Allein die Vereinigten Staaten von Nordamerika führen jährlich für fast 20 Millionen Mark Bananen ein.
Die Früchte werden roh, geröstet oder gekocht genossen. Die unreifen Bananen liefern ein Mehl, aus dem man Bananenbrot backt. Aus einer der Banane verwandten Art, der Musa textilis, gewinnt man eine ausgezeichnete Faser, die als Manilahanf in den Handel kommt; sie wird besonders von den Philippinen in großen Mengen ausgeführt.
Unsere sämtlichen Kolonien mit Ausnahme von Südwestafrika und Kiautschou erzeugen Bananen in bedeutenden Mengen, und die Kultur dieser Pflanze kann noch weiter ausgedehnt werden, zumal sie wenig Arbeit erfordert und den Eingebornen seit langem bekannt ist. Die Ausfuhr nach Europa ist wegen der weiten Entfernung natürlich schwierig, doch dürfte die Gewinnung von Bananenmehl in größerem Maßstabe aussichtsreich sein. Manilahanf wird schon, wenn auch noch in kleineren Mengen, aus unseren Kolonien nach Europa verschifft.
Weitere Südfrüchte, die in unsern Kolonien gedeihen und für die Zukunft vielleicht größere Bedeutung erlangen werden, sind u. a. Ananas, Apfelsinen, Limonen, Zitronen.
Tafel 6.

Banane
(
Musa sapientum
).
a) Baum mit Fruchtstand, 1/60 nat. Gr.
b) Einzelne Frucht, 1/4 nat. Gr.
c) Abgeschälte Frucht, 1/4 nat. Gr.