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Die Jungfrau von Orleans

ZWEITER AUFZUG

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Gegend von Felsen begrenzt

Erster Auftritt

Talbot und Lionel, englische Heerführer. Philipp Herzog von Burgund. Ritter Fastolf und Chatillon mit Soldaten und Fahnen

TALBOT. Hier unter diesen Felsen lasset uns Haltmachen und ein festes Lager schlagen, Ob wir vielleicht die tüchtgen Völker wieder sammeln, Die in dem ersten Schrecken sich zerstreut. Stellt gute Wachen aus, besetzt die Höhn! Zwar sichert uns die Nacht vor der Verfolgung, Und wenn der Gegner nicht auch Flügel hat, So fürcht ich keinen Überfall.—Dennoch Bedarfs der Vorsicht, denn wir haben es Mit einem kecken Feind und sind geschlagen. (Ritter Fastolf geht ab mit den Soldaten)

LIONEL. Geschlagen! Feldherr, nennt das Wort nicht mehr. Ich darf es mir nicht denken, daß der Franke Des Engelländers Rücken heut gesehn. —O Orleans! Orleans! Grab unsers Ruhms! Auf deinen Feldern liegt die Ehre Englands. Beschimpfend lächerliche Niederlage! Wer wird es glauben in der künftgen Zeit! Die Sieger bei Poitiers, Crequi Und Azincourt gejagt von einem Weibe!

BURGUND. Das muß uns trösten. Wir sind nicht von Menschen Besiegt, wir sind vom Teufel überwunden.

TALBOT. Vom Teufel unsrer Narrheit—Wie, Burgund? Schreckt dies Gespenst des Pöbels auch die Fürsten? Der Aberglaube ist ein schlechter Mantel Für Eure Feigheit—Eure Völker Hohn zuerst.

BURGUND. Niemand hielt stand. Das Fliehn war allgemein.

TALBOT. Nein, Herr! Auf Eurem Flügel fing es an. Ihr stürztet Euch in unser Lager, schreiend: "Die Höll ist los, der Satan kämpft für Frankreich!" Und brachtet so die Unsern in Verwirrung.

LIONEL. Ihr könnts nicht leugnen. Euer Flügel wich zuerst.

BURGUND. Weil dort der erste Angriff war.

TALBOT. Das Mädchen kannte unsers Lagers Blöße, Sie wußte, wo die Furcht zu finden war.

BURGUND. Wie? Soll Burgund die Schuld des Unglücks tragen?

LIONEL. Wir Engelländer, waren wir allein, Bei Gott! Wir hätten Orleans nicht verloren!

BURGUND. Nein—denn ihr hättet Orleans nie gesehn! Wer bahnte euch den Weg in dieses Reich, Reicht' euch die treue Freundeshand, als ihr An diese feindlich fremde Küste stieget? Wer krönte euren Heinrich zu Paris, Und unterwarf ihm der Franzosen Herzen? Bei Gott! Wenn dieser starke Arm euch nicht Hereingeführt, ihr sahet nie den Rauch Von einem Fränkischen Kamine steigen!

LIONEL. Wenn es die großen Worte täten, Herzog, So hättet Ihr allein Frankreich erobert.

BURGUND. Ihr seid unlustig, weil euch Orleans Entging, und laßt nun eures Zornes Galle An mir, dem Bundsfreund, aus. Warum entging Uns Orleans, als eurer Habsucht wegen? Es war bereit, sich mir zu übergeben, Ihr, euer Neid allein hat es verhindert.

TALBOT. Nicht Eurentwegen haben wirs belagert.

BURGUND. Wie stünds um euch, zög ich mein Heer zurück?

Lionel. Nicht schlimmer, glaubt mir, als bei Azincourt, Wo wir mit Euch und mit ganz Frankreich fertig wurden.

BURGUND. Doch tats euch sehr um unsre Freundschaft not, Und teuer kaufte sie der Reichsverweser.

TALBOT. Ja teuer, teuer haben wir sie heut Vor Orleans bezahlt mit unsrer Ehre.

BURGUND. Treibt es nicht weiter, Lord, es könnt Euch reuen! Verließ ich meines Herrn gerechte Fahnen, Lud auf mein Haupt den Namen des Verräters, Um von dem Fremdling solches zu ertragen? Was tu ich hier und fechte gegen Frankreich? Wenn ich dem Undankbaren dienen soll, So will ichs meinem angebornen König.

TALBOT. Ihr steht in Unterhandlung mit dem Dauphin, Wir Wissens, doch wir werden Mittel finden, Uns vor Verrat zu schützen.

BURGUND. Tod und Hölle! Begegnet man mir so?—Chatillon! Laß meine Völker sich zum Aufbruch rüsten, Wir gehn in unser Land zurück. (Chatillon geht ab)

LIONEL. Glück auf den Weg! Nie war der Ruhm des Briten glänzender, Als da er seinem guten Schwert allein Vertrauend ohne Helfershelfer focht. Es kämpfe jeder seine Schlacht allein, Denn ewig bleibt es wahr! Französisch Blut Und englisch kann sich redlich nie vermischen.

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