Autun und Manon. Eine Erzählung.
Reading edition
Als ich eines Tages eine meiner Freundinnen besuchte, fiel es mir nicht wenig auf, eine ältliche Frau, begleitet von einem jungen Frauenzimmer, ins Zimmer treten zu sehen. Die Schönheit der jungen Dame übertraf alles, was ich bisher noch gesehen hatte, sie war ungefähr fünfzehn Jahre alt, und die Tochter des ältern Frauenzimmers, wie ich nachher erfuhr. Sie war kaum aus dem Kloster gekommen, um ihren Vater zu sehen, und sollte nach drei Monaten wieder dahin zurückkehren, weil ihre Mutter nicht gern eine so große Tochter um sich sah, da sie selbst noch Ansprüche auf Schönheit machte. Damahls sah ich zum erstenmahl eine Person, die mein künftiges Schicksal bestimmte.
Herr von Ribaupierre war Offizier, er hatte die Welt gesehen, und große Reisen gemacht, durch die er zwar an Erfahrung reicher, aber an Vermögen desto ärmer geworden war. Alle Pläne, die er zur Vergrößerung seines Vermögens entworfen hatte, waren mislungen, und zuletzt hatte er gelernt, dem Glück nicht mehr zu trauen. Bei der Belagerung von Charenton wurde er mit drei Stichen in den Leib tödtlich verwundet. Man gab ihm die letzte Ölung, und nach einer allgemeinen Beichte, erhielt er die Absolution nicht eher, bis er gelobt hatte, sich mit seiner Frau, mit der er längst schon auf einen vertrauten Fuß gelebt hatte, trauen zu lassen. Sie wurden auf seinem Bette getraut, und als er sich wieder erholte, streute man aus, daß er schon seit einem Jahre heimlich verheirathet gewesen sey. Nach sechs Wochen erfolgte die Niederkunft des Fräuleins von Ribaupierre; ihr Gemahl wollte es niemahls erlauben, daß man sie Frau nennen durfte. Sie gebahr ihm eine Tochter. Nach der Geburt dieses Kindes lebte die Mutter sehr gut mit ihrem Gemahl, aber da sie schön und jung, und Herr von Ribaupierre in seinem achtundfunfzigsten Jahre war, so bekam er bald die unheilbare Krankheit der alten Männer. Er wurde mistrauisch, und lebte in keiner großen Harmonie mit einer Frau, der man weiter keine Vorwürfe machen konnte, als daß sie mehr Aufmerksamkeit zu erregen suchte, als einer verheiratheten Frau erlaubt ist.
Als der Tod diese Ehe zerriß, war es gerade um die Karnevalszeit, und Herr von Ribaupierre besuchte einen Ball bei dem Marquis von S., der sonst ein Freund des Fräuleins Ribaupierre war. Er wußte die Nachricht von ihrem Tode, und sie betrübte ihn nicht wenig. Doch ehe man sichs versah, trat Herr von Ribaupierre in einer eleganten Maske in den Saal, wo er schöne Gesellschaft fand. Er präsentirte dem Marquis einen Beutel voll Louisd'ors; der Marquis und mehrere andere von der Gesellschaft ließen sich ins Spiel ein, und verlohren. Ribaupierre gewann ansehnlich und gestand nachher, daß dieß der einzige glückliche Tag in seinem Leben gewesen sei, indem er zugleich den Tod seiner Frau zu seinem Gewinn schlug. Da er sich im Spiel so groß angekündigt hatte, nahm man ihn für einen reichen Mann und bat ihn, sich zu erkennen zu geben. Anfangs weigerte er sich, aber als er die Maske vom Gesichte zog, erkannte ihn der Marquis, und der Schrecken preßte ihm einen lauten Schrei aus. »Wie!« sagte er, »ein Mann, dessen Frau eben verschieden, kann sich in einem solchen Aufzug sehen lassen? Unglücklicher Mann!« fuhr er fort, »sind dieses die Thränen, die Sie um eine Gattin vergießen, die eine der schönsten und tugendhaftesten Frauen der Welt war?« — »Mildern Sie Ihre Ausdrücke, mein Herr!« gab ihm jener zur Antwort, »der Verlust meiner Gemahlin ist vielleicht größer für Sie, als für mich, mir gehörte sie an, aber Sie besaßen sie, ein Vortheil wiegt vielleicht den andern auf. Ich würde weinen, wenn ich mein Geld verlohren hätte, oder wäre doch traurig geworden, und dadurch hätte ich vielleicht den Damen gefallen, die meine Betrübniß auf die Rechnung meiner verstorbenen Gemahlin geschoben hätten, aber jetzt habe ich das Recht, mich zu freuen. Ich verliehre eine Frau, die mich immer betrübte, und gewinne sechshundert Louisd'ors. Ich muß mich freuen, aber nicht Sie, Herr Marquis, Sie verlohren Ihr Geld und eine Geliebte, und hiermit gute Nacht.« So verließ er den Saal, ohne eine Antwort abzuwarten.
Der Marquis schalt ihn, als er fort war, einen Narren und rohen Menschen; er bat seine Freunde, die Zeugen dieses Auftritts gewesen waren, um Verschwiegenheit; auch seinen Bedienten gebot er Stillschweigen, und erklärte feierlich, daß er in seiner künftigen Frau so viel Klugheit möchte erwarten können, als er in der Gemahlin des Herrn von Ribaupierre gefunden. Der Wittwer, der Verstand hatte, und erfuhr, daß sein Mißverhältniß mit seiner verstorbenen Gemahlin kein Geheimniß mehr war, fürchtete, man möchte ihm Händel zuziehen, zumahl, da schon hin und wieder ein Gerede von Vergiftung entstand. Er ließ Ärzte und Wundärzte herbeirufen, und den Leichnam öffnen. Da man den Tod seiner Gemahlin natürlich fand, so ließ er sie beerdigen. Übrigens gab er selbst die erste Veranlassung, seine Gemahlin für untreu zu halten, weil er behauptete, daß niemand ihre Aufführung kenne, als er selbst. Und dieser Grundsatz ist so allgemein in der Welt angenommen, daß, sobald ein Mann selbst über die Treue seiner Frau Zweifel aufwerfen kann, es die andern zwiefach berechtigt, das Böse zu glauben.
Aber seine Tochter konnte man trotz der Äusserungen ihres Vaters nicht verkennen, sie war ihm zu ähnlich, und je größer und schöner sie wurde, desto mehr nahm diese Ähnlichkeit zu, ob er gleich selbst einer der häßlichsten Menschen war. Der Tod ihrer Mutter brachte keine Veränderung der Lage des Fräuleins von Ribaupierre hervor, denn der Vater wollte nicht die Last auf sich nehmen, über eine Tochter von siebenzehn Jahren die Aufsicht zu führen. Allein da er anfing, schwächlich zu werden, rief er sie zu sich. Sie erschien in der Welt und trug Sorge für ein Vermögen, das sie einst zu erwarten hatte. Um diese Zeit, in ihrem zwanzigsten Jahre sah ich sie zum erstenmahl wieder, seitdem ich sie bei meiner Freundin gesehen hatte. Schon damahls war ihre Schönheit bewundernswürdig, aber als ich sie zum zweitenmahle sah, hatte sie noch unendlich gewonnen. Ihr Wuchs war majestätisch, ihr jugendliches Aussehn war durch die Weiße der Gesichtsfarbe noch erhöht; schöne schwarze Augen zugleich schmachtend und lebhaft, die Nase schön geformt, ein kleiner rother Mund und alle Gesichtszüge in schönster Harmonie, machten sie zum treusten Abbilde der heiligen Jungfrau. Ihr Anstand war edel und fest, ihre Bewegungen waren lebhaft, aber von einer natürlichen Sittsamkeit begleitet, die mich entzückte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Herz verwahren können, ich gab es hin; ich liebte Manon, oder vielmehr ich betete sie vom ersten Augenblick an, als ich sie sah. Umsonst stellte ich mir die Gerüchte vor, die bei dem Tode ihrer Mutter verbreitet worden, das wenige Vermögen, was ihr zu Theil werden würde, und ich glaubte fast, obwohl sie die schönste Person von der Welt war, die ich je gesehen, sie doch mit Gleichgültigkeit anzusehn. Aber ich betrog mich, ich sah sie den folgenden Tag in der Messe; ein einziger Blick, den sie auf mich warf, der mich wähnen ließ, er fordre mein Herz, zerstörte alle meine Entschließungen. Ich entschuldigte die Mutter, ihr Vater dünkte mich nur ein Unmensch, ein Verräther, und ich urtheilte, eine Frau, die nicht vollkommen tugendhaft gewesen wäre, hätte einer solchen Tochter nicht das Leben geben können. Ich überließ mich meiner Leidenschaft, und meine Aufmerksamkeit wurde nicht gleichgültig aufgenommen. Ich sprach, sie hörte mich an, aber ohne mir eine entscheidende Antwort zu geben. Lange schwebte ich in Ungewißheit, bis ein Vorfall mich die Entdeckung machen ließ, daß Manon mich liebte, und im Ernst daran dachte, mir ihre Hand zu geben.
Eines Tages fand sich ein Geistlicher bei ihr ein, und nach manchen gleichgültigen Gesprächen kamen wir auf die Ehe zu sprechen, und was sie aufheben oder verhindern könnte. Der Geistliche sagte, daß die Kirchengesetze ehemahls strenger als jetzt gewesen wären, und erzählte einige Beyspiele zum Beweise, daß man sonst nicht einmahl erlaubt habe, daß zwei Menschen, die zusammen ein Kind aus der Taufe gehoben, sich hätten verheirathen dürfen, daß man aber jetzt keine Gewissenssache daraus mache, obgleich diese geistige Verbindung eine körperliche aufheben sollte. So sähe man, setzte er im heiligen Eifer hinzu, täglich die Erfahrung bestätigt, daß die Kinder aus einer solchen Ehe eben so gut, wie die, welche aus einer Ehe, wo die Eltern zu nahe verwandt erzeugt wären, ihr ganzes Leben hindurch mit widrigen Schicksalen zu kämpfen hätten, und auch in ihren Sitten der verderbliche Einfluß bemerkt werden könnte. Gott zeige eben dadurch, welchen Abscheu er vor solchen Verbindungen habe, weil er keinen Segen dazu gäbe, so oft man auch Lossprechungen dafür zu erlangen suche.
Noch erzählte er uns, daß er bei einem rechtschaffenen Mann im Hause wohne, dessen Frau ehestens niederkommen würde, und längst schon darauf gedacht habe, mich und Manon Ribaupierre zu Pathen ihres Kindes zu wählen. Die Niederkunft erfolgte, der Vater trug mir die Pathenstelle an, und ich so wie die Eltern des Kindes glaubten, auch Manon würde einwilligen. Aber die Rede des Geistlichen hatte tiefern Eindruck auf sie gemacht, und da der Vater kam, um sie zur Erfüllung dieser christlichen Pflicht zu bewegen, und ihr sagte, daß er auch von mir das Versprechen habe, so antwortete sie lächelnd: »Ich habe mich nur im Scherz dazu verstanden, aber um Ihres Kindes willen darf ich es nicht, denn alle Kinder, bei denen ich Pathenstelle vertrat, und deren sind schon mehr als zwanzig, sind gestorben.« Jede Überredung war fruchtlos, sie wollte nie darin willigen, mit mir die Pathenstelle bei dem Kinde anzunehmen. Ihr Betragen machte mich empfindlich, und ich machte ihr Vorwürfe über ihre Hartnäckigkeit. Aber sie lachte der Vorwürfe, und erinnerte mich unvermerkt an die Worte des Priesters. »Mein Gedächtniß ist treu!« fuhr sie erröthend fort, und verließ mich. Diese unerwartete Erklärung, so verfänglich sie auch für ein Mädchen war, war mit soviel Schamhaftigkeit begleitet, daß ich nicht wußte, ob ich mehr erstaunen, oder mehr entzückt darüber seyn sollte. Aber auf einmahl wurde das Gespräch mit dem Geistlichen mir wieder gegenwärtig, ich ernannte eine andere Pathe, und Manon war nur bei dem Gastmahl gegenwärtig.
Ich dankte ihr für eine so ausserordentliche Erklärung, wir vereinigten uns über unsere Hoffnungen und es wurde beschlossen, daß ich um sie bei ihrem Vater werben lassen sollte. Ich war unabhängig und in einem Alter, wo ich niemand mehr Rechenschaft ablegen durfte; ohne Verwandte, die ich über meine Handlungen hätte um Rath fragen müssen. Ribaupierre hätte keinesweges Ursach gehabt, über einen Antrag dieser Art beleidigt zu werden; meine Familie war der seinigen gleich, mein Vermögen weit ansehnlicher, als das seine, und ich konnte in der That noch Ansprüche auf eine weit vortheilhaftere Verbindung machen. Alles dieß ließ uns hoffen, daß er uns nicht im Wege seyn, und sogleich meinen Vorschlag annehmen würde. Aber wir betrogen uns. Er antwortete meinem Fürsprecher, daß er mir sehr für die Ehre verbunden wäre, die ich ihm erzeigen wolle, aber daß er sie nicht annehmen könne weil es ihm unmöglich sei, sich von einem großen Theil seines Vermögens zu entblößen, das nur zu seinem anständigen Lebensunterhalt hinreiche. Solle er es mit seinem Schwiegersohn theilen; so werde er sehr eingeschränkt leben müssen; ausserdem habe er auch das Wenige, was er mit großer Mühe von den Trümmern seines Vermögens gerettet, für sich selbst gerettet. Nur um ihn in seinem Alter zu pflegen, und ihm das beschwerliche Leben zu erleichtern, habe er seine Tochter aus dem Kloster gezogen, wo er sie andernfalls gelassen haben würde, und nicht, um sie in die Arme eines Mannes zu führen, der sie vielleicht gar noch abhalten könnte, für ihren Vater die schuldige Anhänglichkeit und Achtung zu zeigen. Wenn sie nicht seinem Willen gemäß handeln wolle, so wisse er zu gut, was er besäße, und daß sie nichts von ihm verlangen könne, als ihr Mütterliches. Um sein Vermögen nach seinem Tode zu erhalten, müsse sie es erst durch ihre Zuneigung gegen ihn zu verdienen suchen, wo nicht, so wisse er, woran er sich zu halten habe. Dieß sei sein letzter Entschluß, setzte er noch hinzu, und er bitte sehr, daß man gegen ihn nie mehr davon sprechen solle, seine Tochter zu verheirathen, wenn man sein Freund bleiben wolle.
Diese so bestimmte Antwort war ein entscheidendes Urtheil. Seine Tochter weinte darüber, und ich war in Verzweiflung, aber es gab kein Mittel dagegen. Ribaupierre war zu bestimmt in seinem Willen, und er hatte Zeit gebraucht, um diesen Entschluß reifen zu lassen. Das letzte Mittel, das wir ergriffen, weit entfernt, uns weiter zu bringen, wie wir es gehofft hatten, hätte uns bald unwiederruflich zu Grunde gerichtet. Wir steckten uns hinter seinen Beichtvater, der ihm vorstellte, daß seine Tochter nicht leicht eine vorteilhaftere Heirath thun könnte, daß sie bald ein Alter erreichte, worauf man Rücksicht zu nehmen nöthig hätte, und daß es hohe Zeit sei, sie zu verheirathen; daß ich darin willigte, sie ohne Heirathsgut zu nehmen, nur die Versicherung verlange ich, daß ich ihn nach seinem Tode allein beerben solle. Indem er sich einen Schwiegersohn wähle, so hätte er, statt einer einzigen Stütze, deren zwey. Selbst sein Gewissen nahm er in Anspruch und stellte ihm vor, daß er dazu verpflichtet wäre, und tausend bösen Vorfällen dadurch vorbeugen könnte; denn ein Mädchen, dem man Zwang auflegte, und das von der Leidenschaft beherrscht würde, wäre leicht auf Abwege zu bringen. Kurz, der Geistliche erschöpfte mit der größten Beredsamkeit, die ihm die geistliche Liebe nur eingeben konnte, alle Gründe für unsere Vereinigung, aber sie gelang ihm nicht. Er hatte mit einem Manne zu thun, dessen Gemüth durch sein eigenes Unglück erbittert war, den die Erfahrung belehrt hatte.
Er gäbe gern zu, sagte er, daß die Verbindung für seine Tochter dem Anschein nach vortheilhaft wäre, da er aber niemanden Rechenschaft von dem Zustand seines Vermögens gegeben hätte, so könnte es sich doch vielleicht nach seinem Tode finden, daß sie eine so vortheilhafte Parthie wäre, als ich. Ihr Alter wäre noch nicht so gefährlich, um die Sache so eifrig zu betreiben. Drey oder vier Jahre mehr würden nicht mehr Falten in ihr Gesicht bringen, und wenn sie spät heirathete, so würde sie wenig Kinder bekommen, aber sie würden gesund seyn, und von einer starken Constitution. Sie würde ihren Verstand vollkommen ausgebildet haben, besser ihre Wirthschaft zu führen im Stande seyn und nicht mehr Gefahr laufen in die Zerstreuungen der Jugend zu fallen. Was mein Anerbieten betreffe, ihm den Genuß seines Vermögens zu überlassen, so lang er lebe, so danke er gar sehr für die Gnade, ihn genießen zu lassen, was sein Eigenthum sei. Beides, den Gebrauch des Geldes, so wie das Recht daran, könne ihm niemand streitig machen, und er wolle es sich auch bis an sein Ende bewahren, denn wenn er einmal sich des Rechts entäussert hätte, nach Gefallen darüber zu gebieten, so würde sein Sohn, wie seine Tochter glauben, daß dieser Genuß ein Raub wäre, den er an ihnen begangen hätte. »So gut bin ich nicht,« sagte er, »um zu sterben, weil es ihnen Freude macht, auch sollen sie nicht die Sünde auf sich laden, Gott zu beleidigen und meinen Tod zu wünschen. Die Welt giebt Beyspiele genug von Greisen, die einfältig gewesen sind, um sich aus mißverstandener Güte für ihre Kinder unglücklich zu machen, diese sollen mir nicht zum Muster dienen. Meine Tochter soll, so ist mein Wille, immer von mir allein abhängen, ohne weder mich, noch sich selbst der Großmuth eines Schwiegersohns zu überlassen.«
»Ich betheure bei Gott,« setzte er hinzu, »daß sie nie dieser Gefahr ausgesetzt seyn soll. Ich bedarf auch der Unterstützung eines Schwiegersohns nicht, meine Geschäfte bedürfen keines Gehülfen, noch keiner rechtlichen Fürsprache, alles ist im Klaren und in Ordnung, ich habe keine gerichtlichen Verfolgungen zu befürchten, weil ich niemand einen Heller schuldig bin. Ich selbst brauche nur die Dienste meiner Köchin und eines Bedienten, um mir den Stock zu reichen, wenn ich aufstehen will. Was mein Gewissen betrifft, so bin ich kein Casuist, aber ich finde nicht, daß ich dem gemeinen Menschenverstand zuwider handle, und ich verstehe noch weniger, wie von einer Heirath meiner Tochter mein Heil abhängen sollte. Fast scheint es, daß man mich einige Abweichungen von ihrer Seite wolle befürchten lassen, um mich bei einem höhern Gericht verantwortlich zu machen, wenn ich sie nicht verheirathen wollte. Aber auf dieses habe ich nur ein Wort zu erwiedern. Ich gebe gern zu, daß die Väter oder Mütter bei einer üblen Aufführung ihrer Kinder nicht schuldlos sind, wenn sie ihre Neigungen zwingen wollen, sei es durch eine Heirath oder durch das Kloster. Aber keines von beiden hat sie von mir zu befürchten. Bin ich tod, so ist sie frey, und kann nach ihrer Neigung eine Wahl treffen. Noch weniger bin ich gesinnt, sie wieder ins Kloster zu schicken, ich habe sie für mich und weil ich ihrer bedarf herausgenommen. Indeß wenn es ihr Wille wäre, würde ich sie auch davon nicht zurückhalten, doch fürchte ich dieses nicht, da es ihr so am Herzen liegt, sich zu verheirathen. Was die Befriedigung der Bedürfnisse unserer Kinder angeht, so finde ich die Ältern sehr strafbar, wenn sie ihre Kinder in die Nothwendigkeit versetzen, zu der Börse anderer ihre Zuflucht zu nehmen. Aber bei meiner Tochter ist dieß nie der Fall gewesen, sie hat alles, was sie bedarf und noch zum Überfluß. Ich versagte ihr nichts, und war immer der Erste ihren Beutel zu füllen, ohne erst zu erwarten, daß sie mich darum bat, und sie brauchte mir nie Rechenschaft darüber abzulegen. Darum würde es nicht Noth seyn, die sie zu Ausschweifungen führte, sondern nur Sinnlichkeit, und dafür kenne ich ein untrügliches Mittel, ich werde sie niemahls aus dem Gesichte verlieren, auch ihrer Kammerjungfer, auf die ich mich verlassen kann, befehlen, sie niemahls aus den Augen zu lassen. Ich werde sie jederzeit in die Messe begleiten, und sie immer in meinem Zimmer beschäftigen, ohne sie herausgehen zu lassen, wenn sie nicht von sichern Leuten beobachtet wird. Jede Art von Andachtsübungen und Wallfahrten, die ausser meinen Wänden geschehen könnten, werde ich zu hindern wissen. Briefe erlaube ich herzlich gern zu schreiben, denn diese sind es nicht, die das Geschlecht vermehren. Auch werde ich selbst Herrn d'Autun nicht verbieten, sie zu sehen, aber dieß muß immer unter meinen Augen geschehen. Sollte ich aller Maaßregeln ungeachtet betrogen werden, so würde Manon schuldiger vor Gottes Augen seyn, als ich. Ich werde nicht um fremder Sünde willen verdammt werden, und überlasse sie ihrem eigenen Gewissen. Ich hoffe, sie ist klug und zu gut erzogen, um Thorheiten zu begehen, aber würde sie sich welcher schuldig machen, so muß sie allein dafür büßen, und sie würde in diesem Fall aller Ansprüche auf mein Vermögen verlustig werden.« —
Seine lange Antwort war hier zu Ende, aber nicht sein Gespräch mit dem Beichtvater. Er hörte ein Geräusch, und konnte nicht zweifeln, daß ich mit seiner Tochter gehorcht hätte, wie auch der Fall war; wir waren in der größten Verlegenheit, er brach in laute Schmähungen aus, und beschämte seine Tochter so sehr, daß ihre Thränen flossen. Wir zogen uns zurück, mußten aber zuvor noch eine trefliche Ermahnung hören, die er an den Beichtvater richtete, ohne das Ansehen zu haben, als spräche er mit seiner Tochter.
»Bin ich nicht recht unglücklich, mein Herr,« sagte er, »ich habe mich erschöpft, und mein ganzes Leben alle Kräfte angewendet, mehr als man mir glauben wird, und jeder Versuch schlug mir fehl. Schreckliche Unglücksfälle haben mir den besten Theil meines Vermögens geraubt, über diese klage ich nicht, Gott wollte es; ich habe vielleicht nur wenige Zeit noch zu leben, von vielen Übeln gedrückt, fast ganz gelähmt will man mich meines Vermögens berauben. Und wer ist es? Meine einzige Tochter, die mir alles verdankt, und der allein meine Güte einiges Recht auf mich nach meinem Tode giebt. Man will mich überreden, mein Vermögen wegzugeben, das ich nicht entbehren kann, und an einen Menschen, der mir vielleicht nie danken wird. Denn meine Tochter wird nicht das Privilegium haben, einen Mann zu finden, der von anderm Teig geformt ist, als wir alle, und nach uneigennützigen Grundsätzen handeln wird. Ich beurtheile ihn nach mir, ich hatte ihrer Mutter in den Tagen meiner Liebe geschworen, sie ewig zu lieben, sie war unverständig genug, mir zu glauben, und erlaubte mir alles; drey glückliche Tage dauerte diese Verblendung, nach dieser Zeit war es das Herz nicht mehr, das mich zu ihr zurückführte, es war nur ein Bedürfniß der Sinne. Auch ist es wahr, daß wenn sich nicht die Folgen dieser Liebe gezeigt hätten und ich meine Krankheit nicht tödtlich geglaubt hätte, ich sie nie, ohngeachtet meiner Schwüre und meines Versprechens geheirathet haben würde. Ich heirathete sie nur um meines Kindes willen, man machte es mir zur Gewissenssache und es war mir unmöglich, dem Jesuiten zu widersprechen, dem ich meine Beichte ablegte. Ich liebte sie nicht mehr, der Genuß hatte die Liebe getödtet. Noch ist es mir unbegreiflich, wie ich dahin gebracht werden konnte, aber man sagte mir in jedem Augenblicke, daß ich sterben müsse, und weil ich es so oft hörte, so glaubte ich es am Ende selbst. Die Furcht des Todes hatte mich meiner ruhigen Überlegung beraubt. Man sieht in einem solchem Augenblicke die Dinge aus einem ganz andern Gesichtspunkt an, als in gesunden Tagen. Meine Frau wäre tugendhaft, sagte man mir, und ich glaubte es, man knüpfte meine ewige Seeligkeit an ihre Hand. Ich nahm sie nicht aus Liebe zu ihr, sondern um das Paradies zu erwerben. Ich erwarb es nicht, weil ich noch auf der Erde bin; aber doch war ich nicht in der Hölle, sondern im Fegefeuer, wo ich dafür büßte, daß ich am Leben blieb. Sie starb endlich, und ich gestehe es offenherzig, ihr Tod machte mir Freude. Und es ist so wahr, daß ich keine Liebe für sie mehr hatte, indem ich eine Stunde nach unserer Trauung ein Testament machte, worin ich ihr sehr wenig bestimmte, und auch den Händen meiner Frau nicht die Verwaltung des Vermögens anvertrauen wollte, das ich für unsere Tochter ausgesetzt hatte. Da sie früher starb, so hebt sich dieses Testament auf. Ich lebte ziemlich ruhig mit ihr, weil ich es nicht ändern konnte, aber ohne den Gedanken an meine Tochter, die ich immer liebte und noch liebe, hätte ihre Mutter sicher kein gutes Leben bei mir gehabt. Ich verschloß meine Augen über ihr Betragen, aber nichts entging mir, und ich wollte nur das Aufsehen vermeiden, was ich nie liebte. Ich selbst wollte nicht Dinge enthüllen, die mir die Ehre befahl, zu verbergen, und die mehr auf die Tochter, als auf die Mutter nachtheilig hätten wirken müssen, zudem hat sie immer den Schein beibehalten, der mich bei dem Betragen meiner Frau das Wesentlichste dünkt, denn das Übrige ist unbedeutend.«
»Ich sage es Ihnen, ehrwürdiger Vater,« fuhr er fort, »und unter dem Siegel der Beichte, daß ich immer unglücklich war; sey es in meiner Jugend durch meine Anstrengung und durch meinen Verlust, oder in spätern Jahren durch meine Heirath, indem meine Frau das Geheimniß besaß, mich wüthend zu machen, und doch die Herrschaft in Händen zu behalten; jetzt bin ich es durch meine Kränklichkeit und durch eine Tochter, die mir so viele Verbindlichkeiten schuldig ist, und mich doch verlassen, mich entblößt zurück lassen will, vielleicht mich gar als ihren Verfolger ansieht. Aber weil es ihr so wenig kostet, sich von mir loszureißen, so will ich auch versuchen, mich von ihr loszumachen, und das erstemahl, daß mir wieder jemand, durch sie veranlaßt, von einer Hochzeit spricht, oder die erste Thorheit, die sie begeht, wird mich bestimmen, sie zu verlassen. Ich werde an einen Ort flüchten, dem ich alles, was mir übrig geblieben ist, übergeben, und wo ich das Glück finden werde, ruhig sterben zu können.« Ich weiß nicht, ob er mehr sagte, denn seine Tochter zog sich zurück, sehr gebeugt durch ihre Neugierde, und darüber, daß ich alles mit gehöret hatte, sie bewog mich also, mich auch zurückzuziehen.
Wir hatten alle Ursache zu glauben, daß er die Bosheit haben würde in uns wechselsweise Widerwillen gegen einander zu erregen. Manon sollte durch sein Beispiel mir abgeneigt werden, und ich ihr durch das Beispiel ihrer Mutter. Diese Gedanken brachten uns in eine solche Verwirrung, daß wir es nicht wagten, uns anzusehen. Endlich kam der Beichtvater heraus und theilte uns das Resultat seiner Unterhaltung mit, so weit sie die Heirath betraf; von Manons Mutter, so wie von allem, was uns betrüben konnte, schwieg er. Er sagte uns nur, wir sollten nicht mehr an eine Heirath denken, weil es verlohrene Zeit und Mühe seyn würde. Er wollte selbst nicht rathen, noch mit Herrn von Ribaupierre darüber zu sprechen, er wäre zu fest und unerschütterlich in seinem Entschluß; und würden wir darauf bestehen, ihn zu einer Sinnesänderung zu bewegen, so würden wir uns selbst am meisten schaden. Er würde niemahls mehr für uns mit Herrn von Ribaupierre sprechen und sollte er auch hundert Jahre leben. »Gott bewahre!« rief ich aus. Und ich weiß selbst nicht, mit welcher Miene ich es muß gesagt haben, denn der Beichtvater und das Fräulein schlugen ein lautes Gelächter auf.
Der Vater ließ seine Tochter bald nach dem Gespräche des Geistlichen rufen. Sie bat mich noch den Abend wieder zu kommen, ich könnte, wenn das Wetter zum Spaziergang nicht günstig wäre, an ihrer Thüre sie aufsuchen, und so verließ ich sie.
»Glaubst Du,« sagte er zu seiner Tochter, als sie in sein Zimmer trat, »daß die Welt ihrem Ende schon so nahe sey, daß ein Priester Deine Sache ausfechten soll, wie ehemahls bei Deiner Mutter der Fall war. Entsage diesem Wahn, denn man hat nicht alle Tage eine so andächtige Krisis. Laß Dir's nicht einfallen, mich in meinen Handlungen zu leiten, ich bin zu alt, um Lehren anzunehmen, ich selbst gebe Dir keine. Ich lasse Dir Deinen Willen, Dich nach Deiner Phantasie zu betragen, aber beobachte Dich wohl, damit ich nicht Ursache finden kann, mich über Dich zu beklagen. Es war anfangs mein Entschluß, Dir den Umgang mit Deinem Geliebten d'Autun zu untersagen, aber es möchte bei den Leuten zu viel Gerede machen, und ich habe meine Meinung geändert. Deine Mutter gab viel Anlaß zum Geschwätze, und den will ich ersparen. Willst Du daher, daß ich an Dich denken soll, so erinnere mich selbst nicht daran. Betragt euch klug, Du sowohl, wie Dein Geliebter, und so, daß die Welt so wie ich mit eurem Betragen zufrieden seyn kann. Du kennst mich zu gut, und weißt, daß die Sprache eines Pädagogen meinem Charakter nicht angemessen ist. Ich sagte Dir nie etwas über diesen Punkt, ich glaube, daß Du immer weise gewesen bist, und hoffe, Du wirst es auch ferner seyn. Ich werde niemahls wieder über diese Sache mit Dir sprechen, aber gieb mir nie Gelegenheit zum Handeln, es brauchte nur eines Augenblickes, Dich unglücklich zu machen, und Du würdest ihn Dein ganzes Leben hindurch beweinen.« Nach dieser Anrede schwieg er, und hielt Wort, denn seit dieser Zeit öffnete er den Mund über diese Angelegenheit nicht mehr. Ich mußte mich dann entschließen, entweder das Vaterland zu verlassen, oder als ein treuer Romanenheld mein Leben im Gewebe der Liebe hinzuträumen, bis zu dem Tode des Herrn von Ribaupierre.
Ich hatte alle Ursache zu glauben, daß ich geliebt würde. Jede Gunst, die nicht strafbar war, wurde mir erlaubt, ich sahe Manon täglich, und wir machten sogar Spaziergänge mit einander. In Ribaupierre's Hause war ich willkommen, er bezeigte mir seine Freundschaft durch tausendfache Ausdrücke, ob er gleich wohl im Herzen überzeugt war, daß, wenn es in meiner Macht gestanden hätte, ich ihn gern in eine andere Welt gesandt haben würde.
Familien-Geschäfte nöthigten mich nach A. zu reisen, und ich hoffte in längstens sechs Wochen wieder in Paris zu seyn. Ich bat Manon beim Abschiede mir ihr Bild zu geben, und gab ihr das meinige zuerst, wie sie es gewünscht hatte. Es war in einer einfachen emaillirten Dose, mit einem Spiegel in der Mitte, dem Bilde gegenüber. Das ihrige erhielt ich erst am letzten Tage vor meiner Abreise. Es war auf Emaille vortreflich gemahlt und sehr ähnlich. Eine Einfassung von Perlen umgab es, und eine zweite auf der andern Seite den Spiegel. Die Dose war auch emaillirt und stellte auf der einen Seite Dido vor, die den Scheiterhaufen besteigt, mit dem Dolch in der Hand; das Meer mit Schiffen bedeckt war im Hintergrunde und deutete auf die Flucht des Aeneas, um den Rand waren die Worte eingegraben: Ihrem Beispiele würde ich folgen; die andere Seite auf dem Rücken des Spiegels stellte einen Reiter vor, dessen Pferd in vollem Lauf war, vor ihm her flog ein Amor und that, als wollte er den Zügel halten, und es von einer Stadt entfernen, die im Hintergrunde war, und wo man mehrere weibliche Figuren erblickte. Unten standen die Worte: Nichts hält einen Liebhaber auf, den die Liebe leitet.
Das Geschenk war von großem Werth, der Gedanke sinnreich, der Reiter legte mir ans Herz, bald zurückzukehren, und die Gelegenheit zu vermeiden, wo ich ihr die Treue brechen könnte, Dido versicherte mich der ihrigen bis zum Tode. Ich reiste ab, und konnte nicht so schnell zurückkehren, als ich hoffte; meine Reise verzögerte sich stets und statt sechs Wochen blieb ich viele Monate abwesend. Aber ohngeachtet dieser langen Abwesenheit kam ich doch mit mehr Leidenschaft zurück; auch Manon, schien mir's, zeigte mehr Lebhaftigkeit in den Ausdrücken ihrer Liebe, als vor meiner Abreise. Ich schrieb ihr mit jedem Posttage, und erhielt auch jede Woche Briefe von ihr; auch fügte ich von Zeit zu Zeit kleine Geschenke hinzu, die sie mehr an mich erinnern sollten.
So bekannt mir ihr Verstand durch unsere Gespräche war, so übertrafen doch ihre Briefe alle Vorstellung. Selten hatte wohl ein Frauenzimmer einen leichtern, mittheilendern Verstand. Sie denkt nicht nach über das, was sie sagen will, und doch ist alles, was sie sagen kann, richtiger und schöner gesagt, als andere denken. Ihr Styl ist bestimmt, natürlich und pathetisch, mit einem gewissen rührenden Ausdruck begleitet, der tausendmahl mehr das Herz ergreift, als ihr belebtes Gespräch, das der Ton ihrer Stimme und die schönsten Bewegungen ihres Körpers begleiten. Ich war so erfreut, eine solche Geliebte zu besitzen, daß ich, um mich bei einigen Damen in der Provinz zu rechtfertigen, die es nicht artig fanden, daß ich bei ihnen so gleichgültig wäre, Manons Bild zeigte. Die reiche Aussenseite erregte ihr Erstaunen, aber mehr noch wunderten sie sich über die Schönheit, die sie verbarg, und sie sagten mir, daß die Devisen, die darauf ständen, wohl nicht von ihr erfunden seyn könnten. Sie setzten hinzu, es müsse eine vollkommene Person seyn, wenn sie so viel Geist als Reize besäße. Ich erwiederte hierauf, daß gewiß alles von ihrer Erfindung sey, und um sie zu überzeugen, so zeigte ich ihnen einen Brief, den ich eben empfangen hatte. Manon schrieb mir:
»Wenn ich mir selbst glaubte, so schriebe ich Ihnen nicht, denn ich bin in allem Ernst böse auf Sie. Nichts ist für mich so beleidigend, als die Freiheit Ihres Geistes in Ihren Briefen, und diese vollkommene Gesundheit, deren Sie sich rühmen. Tausendmahl sagten Sie mir, daß Sie mich liebten, und ich glaubte es. Sie versprachen mir in einem Monat zurückzukehren, und unter dieser Bedingung ließ ich Sie abreisen. Schon sind vier Monate seit dieser Zeit verflossen, und nach einer solchen Abwesenheit sind Sie doch noch vergnügt und wohl. Wie glücklich sind Sie, ein Herz und einen Verstand zu haben, die bei einer solchen Abwesenheit die Probe aushalten! Wie ungleich bin ich Ihnen in diesem Punkt! Ich bin eifersüchtig bis zum Wahnsinn, ich wünsche selbst, daß Sie von aller Welt gehaßt werden möchten, daß Sie von allen Seiten zurückgestoßen, genöthigt würden, zu mir zurückzukehren. Aber diese Gesinnung ist für Sie zu beleidigend, als daß ich ihr Dauer wünschen könnte, und schon in diesem Moment sage ich mir, daß, jemehr Sie geliebt werden, jemehr werde ich meine eigene Neigung rechtfertigen. Ich möchte, daß alle Mädchen, um Sie zu sehen, meine Augen borgten, aber ich möchte, daß Sie nur mich ansähen! Allen Ihren Geliebten wünsche ich Verdienste, damit das Opfer, das sie Ihnen brächten, dem meinigen eine Folie unterlegte. Aber glauben Sie nicht, was ich da sage, meine Eigenliebe spricht aus mir, und ich verlange kein Opfer, sondern nur Liebe. Könnten Sie es thun, so sagen Sie mir's nicht, ich würde versuchen, mich selbst zu betrügen. Aber wo finde ich ein Mittel Ihre Nachläßigkeit, Ihren Kaltsinn in Ihren Briefen, Ihre lange Abwesenheit und die treffliche Gesundheit, zu entschuldigen? Beinahe ist es mir zur Gewißheit geworden, daß Sie untreu sind; die Schönheiten in der Provinz haben mich verdunkelt, der gegenwärtige Gegenstand ist immer anziehender, als eine abwesende Geliebte. Sie haben nichts als ein Bild, das nur eine Idee und Farbe ist; ich möchte verzweifeln, daß ich es Ihnen geben konnte. Sie vergleichen es nun mit Ihren Schönen, diese gefallen Ihnen, und ich nicht mehr! Wann werden Sie zurückkehren? Soll ich Sie nicht mehr sehen? Werden Sie mich vergessen? — Wenn Sie mich so lieben, wie Sie sagten, wie Sie mir's überreden möchten, würden Sie nicht die Liebe allem andern vorziehen? Können Sie mir kein Zeichen geben, als die Schrift, die mich vielleicht betrügt? — Leben Sie wohl, ich bin so bewegt, daß meine Ungeduld auf dem Papier sichtbar wird. Ich hatte beschlossen, mit Ihnen zu zanken, aber der Gedanke an Sie ist mir lebhafter geworden und hat meinen Zorn verlöscht. Mlle. M. hat heute ihr Gelübde abgelegt, nun ist sie endlich Nonne geworden! Wie glücklich ist sie, wenn ihr Herz frei ist! Aber wie unglücklich ist sie, wenn sie an B. denkt, nur mit einem Theil der Gefühle, die in meinem Herzen erwachen, wenn ich an Sie denke!«
Dieser Brief vollendete bei den Damen die Schilderung des Fräuleins Ribaupierre, sie waren davon entzückt, und ohne daß ich es selbst wollte, gewannen sie mein Zutrauen. Ich suchte meine Geschäfte so viel wie möglich zu beschleunigen, und doch mußte ich noch länger als zwei Monate nach Empfang dieses Briefes dort bleiben, und unter der Zeit machten die Briefe, die ich von Manon erhielt, den größten Stoff meiner Unterhaltungen aus. Man wünschte mir Glück über meine Wahl, man munterte mich selbst auf gegen ein solches Mädchen, die es so verdiente, nie die Treue zu verletzen.
Ich bekam in der letzten Zeit meiner Abwesenheit einen Nebenbuhler. Herr von Melville war es, der Sohn eines Officier de la maison du Roi. Er ließ sich einfallen, dem Fräulein seine Liebe zu zeigen, aber es war ein Jüngling, der kaum aus der Klasse gekommen war, wo er die Rechte studiert hatte, und dabei so albern, wie ein Pariser, der niemals andere Aussichten gehabt hatte, als den Kirchthurm seines Kirchspiels. Manon machte sich über ihn lustig, und schrieb mir in einem Ton von demselben, der selbst der Gravität eines Cato ein Lächeln hätte abzwingen können.
Ich kam nach Paris zurück mit mehr Liebe im Herzen, als da ich abreiste, und in der Absicht alles Mögliche zu versuchen, um unsere Heirath zu Stande zu bringen. Der alte Ribaupierre hatte einige meiner Briefe über diesen Gegenstand gesehen und hatte seine guten Vorkehrungen getroffen. Wer begreift nicht, mit welcher Freude wir uns zum erstenmahl wieder umarmten! Wir vergossen heiße Thränen und ich blieb beinahe unbeweglich zu den Füßen meiner Geliebten liegen. Ich entschloß mich fest den letzten Versuch zu wagen, und unsere Heirath, koste es auch, was es wolle, zu vollziehen. In der Absicht ging ich am folgenden Morgen aus, Herrn von Ribaupierre zu besuchen, während seine Tochter in der Messe war, ich wählte mit Absicht diesen Zeitpunkt.
Ich warf mich ihm zu Füßen und bat ihn um die Hand seiner Tochter, ich erbot mich, sie ohne Vermögen, ohne irgend eine Verbindlichkeit von seiner Seite, und ohne alle Hoffnung auf seine Erbschaft zu heirathen. Nur seine Einwilligung verlangte ich, er selbst solle die Ehepakten aufsetzen, ohne daß ich je etwas von ihrem Vermögen hoffen wollte, sollte er seiner Tochter alle mögliche Vortheile von meiner Seite zusichern, auch wollte ich es selbst öffentlich bekennen, daß er ihr eine Aussteuer gegeben habe, die er selbst bestimmen solle.
Wie konnte ich mehr thun? Er schien über meine Heftigkeit verlegen, aber da er nicht unvorhergesehenes Spiel spielte, da er einige Briefe von mir an seine Tochter gesehen hatte und darauf vorbereitet war, so antwortete er mir, daß meine lange Abwesenheit ihn habe glauben lassen, ich denke nicht mehr an seine Tochter, und daß sich die Dinge seit meiner Abreise sehr geändert hätten. Ich habe mich, sagte er, in eine Verbindung mit einem meiner ältesten Freunde eingelassen, dessen Sohn meine Tochter gewiß eben so liebt, wie Sie, und der ihr, wie ich glaube, auch nicht mißfällt. Ich habe sie ihm versprochen, und alle Geister der Hölle könnten mich nicht dahin bringen, mein Wort zurückzunehmen. Gleichwohl will ich meiner Tochter Neigung keine Gewalt anthun, willigt sie nicht in die Verbindung, die ich für sie einging, so darf man nicht mehr daran denken. »Fahren Sie fort,« rief ich aus, und warf mich noch einmahl ihm zu Füßen, »und weil Sie endlich Ihre Einwilligung geben, daß sie heirathen soll, so geben Sie sie mir, wenn sie es will.«
Die Bewegung, in der ich war, ließ mich noch manche Gründe hinzufügen, die mir entfallen sind, aber von denen er so lebhaft gerührt wurde, daß er versprach, sie mir zu geben, wenn sie sich für mich erklärte; erkläre sie sich aber für den andern, so solle ich eine andere Verbindung suchen. »Ich will es gern,« sagte ich, »denn ich glaube nicht, daß es schwer seyn wird, Ihre Tochter zur Erklärung zu bewegen, und ich bin ihrer Einwilligung gewiß.« »Desto besser für Sie,« war seine Antwort, »aber hüten Sie sich, sich selbst zu täuschen. Sie kennen die Frauen nicht, sie sind feiner, als Sie wohl glauben, und bewahren sich oft solche Ausflüchte auf, daß auch der feinste aller Männer sie nicht voraussehen kann.« »Ich hoffe nicht,« war meine Antwort, »daß das Fräulein welche finden könnte, die mich betrüben würden.« »So ist es gut für Sie,« sagte er noch, und ich konnte nichts weiter von ihm heraus bringen. Aber da er es der Wahl seiner Tochter überließ, so hatte ich gewonnen Spiel. Er wollte meine Eifersucht erwecken, ich fühlte sie in mir erwachen, aber sie wurde bald wieder zerstreut.
Ich erwartete Manon in einem Zimmer des untern Stockwerks; sie war verwundert, mich so früh bei sich zu sehen, denn ich ging nur des Nachmittags gewöhnlich zu ihr. Aber noch mehr wuchs ihr Erstaunen, als ich ihr sagte, was mich zu ihr führte. »Sie wollen uns verderben,« sagte sie, »der Schritt, den Sie gethan haben, ohne mich zu fragen, kann sonderbare Folgen haben, Sie hätten dahin nicht kommen sollen, ohne mich vorher zu fragen, und ohne meine Einwilligung zu erwarten.«
Ihre Antwort brachte mich auf, und ich sagte ihr, daß ich die Folgen nicht fürchtete; und wäre etwas zu befürchten, so wäre es nicht für sie. »Der Ton, in dem Sie mit mir sprechen,« fuhr ich fort, »läßt mich wohl glauben, daß Ihr Vater nicht unrecht hatte, wenn er Ihren Ausspruch zu meinem Vortheil bezweifelte, und allem Anschein nach bestimmen Sie sich dem neuen Liebhaber, von dem Ihr Vater mir sprach.« Ich sprach in einem so hohen Tone, und war so lebhaft, daß ich nicht weiß, ob ich nicht gar in Schmähungen ausgebrochen wäre, wenn Manon mir Zeit gelassen hätte. »Mein Vater hat Ihnen dieses gesagt!« rief sie aus, und hob die Hände zum Himmel; »sagte er Ihnen, daß ich einen neuen Liebhaber hätte?« — »Er sagte mir mehr, er sagte auch, daß Sie ihn liebten.« »Hören Sie mich,« sagte sie ruhig, »dies läßt mich einen neuen Kunstgriff seiner Art argwöhnen. Ich habe Ihnen niemals Anlaß gegeben, Mißtrauen in meine Offenheit zu setzen. Hier könnten wir keine Erklärung haben, ohne behorcht zu werden, finden Sie sich heute um drey Uhr im Garten des Arsenals ein, wir können dort unter vier Augen sprechen; ich werde mich mit Ihnen auf eine Weise erklären, die Sie befriedigen wird.« Diese Worte waren mit solcher Unbefangenheit und Aufrichtigkeit gesprochen, daß ich mich ergab und die Zusammenkunft annahm. Unsere Unterredung dauerte lange, und ich erzählte ihr Wort für Wort, was ich ihrem Vater gesagt hatte, und seine Antwort.
»Ich weiß nicht,« sagte sie, »was ich Ihnen darauf erwiedern soll, ich bin in einer größern Verlegenheit als Sie. Die Ehrfurcht, die ich ihm schuldig bin, verhindert mich, etwas gegen ihn zu sagen; aber so viel ich davon urtheilen kann, so betrügt er uns; er weiß zu gut, daß ich niemals in eine andere Heirath einwilligen würde, als mit Ihnen, und unter der Bedingung will er mich nicht verheirathen, so lange er lebt. Was den Liebhaber betrifft, den er mir giebt, so weiß ich nicht, auf wen ich rathen soll; denn seit Ihrer Abreise sah ich niemanden, als den jungen Melville. Sein Vater ist der Freund des meinigen, aber die Art, mit welcher ich Ihnen von ihm schrieb, läßt mich hoffen, daß Sie das Mährchen nicht glauben. Selbst mein Vater sieht ihn noch wie ein Kind an. Hätte sein Vater mit dem meinigen gesprochen, wovon ich nichts weiß, so giebt es dafür ein gutes Mittel. Da er Ihnen sagte, daß ich die Ihrige werden sollte, wenn ich darein willigen würde, so wird die Sache bald zu Ende seyn; denn ich bin bereit, ihm meine Gesinnungen zu erklären, so bald es Ihnen gefällt; ob er sie gleich weiß; denn ich habe mich mehr als einmal darüber erklärt, aber ich werde es vor ihm, wie vor der ganzen Welt thun, wenn es nöthig seyn sollte, und heute noch, wenn Sie wollen. Ich glaube nicht, daß man bestimmter sprechen kann. Sagen Sie, was Sie wollen, das ich thun soll, ich werde es ohne Anstand thun. Glauben Sie mir, eilen Sie, ihn zu einer bestimmten Erklärung zu bringen, weil er sein Wort gab; setzen Sie ihn in die Nothwendigkeit, es zu halten, und aus diesem Grunde geben Sie zu, daß ich zu ihm und in seiner Gegenwart spreche.« Ich hielt sie beim Wort, und bat, daß es in demselben Augenblick geschehen möchte.
Wir stiegen zusammen in die Kutsche, die sie hergeführt hatte, es war ein Fiacre, sie hatte mit Fleiß weder den Wagen ihres Vaters, noch den meinigen angenommen. Wir kamen in der Meinung an, ihn beide zu sprechen, und plötzlich Ja oder Nein von ihm zu hören; aber wir hatten mit einem Manne zu thun, der sich nicht, wie wir glaubten, zu beherrschen wußte. Die Wärme, mit der ich zu ihm am Morgen sprach, und die heftigen Äusserungen meiner Liebe, die aus meinen Worten hervorleuchteten, hatten ihn überrascht und eine vorübergehende Empfindung des Mitleidens bei ihm erregt, deren sich selbst die bösen Geister nicht erwehren können. Er hatte mich angenommen und bereute es in dem nächsten Augenblick schon wieder, denn er wollte seine Tochter niemals verheirathen. Er suchte also Mittel auf, das Versprechen aufzuheben, das er eingegangen war, sie mir zu geben, wenn sie es wollte; aber doch wollte er auch nicht, daß ich seine Tochter zuerst unsers Bruchs beschuldigen sollte; denn er sah mich doch als ihren künftigen Gemahl an, ob er es gleich nicht bei seinem Leben erlauben wollte. Sein Wille war nicht, mich wegzustoßen, sondern nur wegzuschieben. Aus dieser Absicht war er wirklich während meiner Abwesenheit in Traktaten mit Melville, dem Vater, getreten, ob er gleich in der That seiner Tochter niemals einem Mann von so geringen Verdiensten geben wollte, und der so wenig in guten Umständen war. Da er nicht zweifelte, daß ich ihn bald nöthigen würde, zum Entschluß zu kommen, da ich seine Tochter in seiner Gegenwart zu einer Erklärung gegen mich treiben würde, so beschloß er, uns zuvor zu kommen.
Er wußte unsre Zusammenkunft, und kaum war seine Tochter aus dem Hause, so schickte er zu dem alten Melville, einer dringenden Angelegenheit wegen, ihn einzuladen. Der Sohn, der eben dem Fräulein einen Besuch abstatten wollte, fand sich zu gleicher Zeit mit seinem Vater zufällig an der Thür. Sobald Ribaupierre sie ankommen sah, beschloß er, sie eben so gut zum Besten zu haben, wie mich und seine Tochter. Nach den ersten Höflichkeitsbezeugungen sagte er dem alten Melville, daß er über das nachgedacht, was sie zusammen über die Heirath ihrer Kinder ausgedacht hätten; da er sich alt und gebrechlich fühle, so hätte er beschlossen, die Sache so bald als möglich zu beendigen. Der junge Melville konnte, wie wir nachher vernahmen, diese Rede nicht ohne Kitzel hören, er ließ seinem Vater nicht einmal Zeit zur Antwort, sondern sprach zuerst, und so wenig man seinen Verstand aus den Reden erkennen konnte, so viel Liebe sah man doch darin für das Fräulein. Er schlang sich um den Hals seines neuen Schwiegervaters, und sagte ihm, daß es neues unerwartetes Glück für ihn sey, aber daß er es mit dem besten Herzen annähme. Der Vater, der mäßiger in seinen Ausdrücken war, dankte dem alten Ribaupierre eben mit solchem Vertrauen, als wenn er wirklich gute Absichten gehabt hätte, und da seine Anträge ihm sehr vortheilhaft waren, so nahm er sie auf der Stelle an. Man sprach schon von den Artikeln des Ehecontracts. Melville beraubte sich zur Gunst seines Sohnes seiner Bedienung und trat sie ihm ab. Sie bewilligten alle Forderungen, die ihnen Ribaupierre machte, und die Sache wurde mit solchem Ernst betrieben, daß sie als geschehen angesehen werden mußte, und wo auch Ribaupierre selbst sich nicht mehr hätte zurückziehen können, wenn seine Tochter eingewilligt hätte; aber er wußte sehr wohl, daß sie dieses nicht thun würde, und alles geschah nur in der Absicht, um ihr selbst einen solchen Streich zu spielen, daß sie genöthigt werden sollte, sich dem zu widersetzen, was er wünschte, da er ihr immer betheuert hatte, keine Gewalt zu brauchen. Er bereitete sich also, ohne irgend Gefahr zu laufen, eine Komödie, die unnachahmlich war, weil die Spieler so natürlich ihre Rollen spielen mußten, und sie so wenig eingelernt hatten, als falschen Schmuck kannten.
Wir kamen eben dazu, als sie noch bei der Aufsetzung der Artikel von dieser vorgeblichen Heirath beschäftigt waren. Melville's Anblick, den ich nicht kannte, brachte mich für einen Augenblick zum Schweigen, doch blieben sie mir beide nicht lange fremd; Melville's Anrede an das Fräulein unterrichtete mich bald von ihren Absichten. »Mein Fräulein,« sagte er zu ihr, »wollen Sie mir erlauben, Ihnen meine Freude über das Glück zu zeigen, dessen mich Ihr Vater versichert hat, da er mir Ihre Hand giebt? Ich glaube Sie zu gehorsam, um von Ihnen Widerspruch zu erwarten.« In einem solchen beleidigenden Ton hätte er noch lange fortgeredet, wenn ich ihn nicht unterbrochen hätte. »Sie sagen, Herr von Ribaupierre giebt Ihnen sein Wort auf die Hand seiner Tochter?« »Ja, mein Herr,« war seine Antwort. »Nun dann,« erwiederte ich, »Herr von Ribaupierre versprach mir es noch diesen Morgen, es auf seiner Tochter Entscheidung ankommen zu lassen. Ich habe eben so gut Ansprüche auf sie und eben so gegründete, und doch überlasse ich es ihrer Wahl, und Sie, mein Herr, da Sie sie zu gehorsam glauben, als daß Sie Widerspruch von ihr befürchten, sind gewiß zu klug und edelgebohren, und selbst zu rechtschaffen, um ihr Zwang anzuthun, und sich nicht dem zu unterwerfen, was ihre Meinung entscheiden wird. Sprechen Sie nun selbst, mein Fräulein,« redete ich sie an, »diese Gelegenheit ist zu schön und zu günstig.« Sie erröthete, aber sie blieb keinen Augenblick unschlüssig. Sie fiel ihrem Vater zu Füßen, ohne Melvilles anzusehn, und ich hörte von ihr alles, was ein kluges, frommes, rechtschaffenes und geistvolles Mädchen sagen kann; von dem Ausdruck der heftigsten Leidenschaft begleitet, hatte sie ihren Worten noch mehr Gewicht gegeben. Sie endigte damit, daß sie ihrem Vater die Versicherung gab, daß sie niemals etwas thun würde, was der Tugend zuwider und was sein Misfallen erwecken könnte; aber sie bat ihn sehr, daß er sie nicht zwingen möchte, indem er ihre Hand ohne ihre Neigung vergeben wollte.
Auch ich faßte meinen Entschluß, und ob ich gleich die Betrügerei ahndete, so unterließ ich nicht, so gut zu meinem Vortheil zu sprechen, daß selbst der alte Melville, der ein sehr rechtschaffener Mann war, sich zu unserm Beschützer aufwarf. Er sagte dem alten Ribaupierre, wenn ihm die Gesinnungen seiner Tochter und die meinigen bekannt gewesen wären, so würde er niemahls an diese Verbindung gedacht haben. Man könnte nichts besseres thun, als zwei Menschen zu verbinden, deren Herzen schon so fest an einander gekettet wären; dies sei der Rath, den er ihm als rechtschaffener Mann gäbe, und um dessen Befolgung er ihn als Freund bäte.
Ribaupierre, der eine solche Bitte nicht erwartet hatte, war einen Augenblick darüber verlegen. Aber da er schon längst seinen Entschluß gefaßt hatte, so sagte er ohne Umschweife, daß seine Tochter ein unverschämtes Mädchen wäre, in einem solchem Tone in Gegenwart so vieler Menschen zu sprechen; sie verletzte die ihm schuldige Ehrfurcht, und die Zurückhaltung, die sie sich selbst schuldig sey, so daß er nichts besseres thun können, um sie zu bestrafen, als sie zu lassen, wer sie wäre. Er würde ihr niemals Zwang auflegen, weil er es ihr versprochen, aber er würde auch seine Einwilligung nicht geben, weil sie es wünschte. »Aber Sie versprachen mir ja, sie mir zu geben, wenn sie darein willigen würde, und nun fordere ich Sie selbst auf, mir Wort zu halten,« sagte ich. »Das sind Kleinigkeiten,« war seine Antwort. »Sie hielten mir damahls den Degen in die Seite, und ich vergaß es, daß ich Manon schon an Herrn von Melville versagt hatte.« — »Ich gebe Ihnen Ihr Wort zurück,« sagte dieser, »das soll Sie nicht abhalten, mit diesem Herrn in Verbindung zu treten.« »So wird es auch nichts,« sagte Ribaupierre erzürnt, und drehte sich nach der entgegengesetzten Seite seines Bettes um, und machte es uns in der That unmöglich, noch eine Antwort herauszubringen.
Der alte Melville wußte nicht, was er davon denken sollte, der Sohn wollte verzweifeln, seine Hoffnungen verschwinden zu sehn; das Fräulein verließ uns mit Thränen in den Augen, aber ich konnte nicht länger schweigen, da ich die ganze Betrügerei entdeckt hatte. »Sie wissen, mein Herr,« sagte ich, »daß ich schon längst an Ihre Tochter gedacht habe, Sie wissen auch, daß ich ihr nicht gleichgültig bin; Sie lassen Herrn von Melville zwischen uns treten und geben ihm den Vorzug. Ich habe nicht die Ehre ihn zu kennen, aber meine Eigenliebe schmeichelt mir genugsam, um zu meiner Gunst jeden Unterschied aufzusuchen, der sich zwischen uns finden mag; ich glaube, daß dieser Herr mir sie nicht streitig machen könnte, wenn ich ganz von ihm gekannt wäre; ich möchte wenigstens mich um seinetwillen in nichts verändern, auf welche Art es auch seyn möchte. Es wird mir schwer, mich auf eine solche Art zu erklären, aber die Ungerechtigkeit, die Sie an mir begehen, zwingt mich dazu. Wie es auch sey, mein Herr, was Sie bewegen kann, so zu handeln, so werde ich dem Beispiel Ihrer Tochter folgen, ich werde schweigen, weil ich fürchten muß, daß die Leidenschaft, die in mir erweckt ist, mich die Grenzen der Ehrfurcht überschreiten lassen möchte, die ich dem Vater eines Mädchens schuldig bin, das ich liebe, ja ich möchte sagen, das ich bis zur Raserey liebe.« Ich verließ das Zimmer in der That und suchte sie auf. Sie weinte, und ich bedurfte des Trostes, aber ihr Schmerz rührte mich stärker, als der meinige. Wir sagten uns, was uns in den Mund kam, aber wir beschlossen nichts, als uns ewig zu lieben, was auch der harte Vater ersinnen möchte, uns zu trennen. Sie ließ mir eine zärtliche Furcht in ihrem Herzen lesen, daß ich doch abgeschreckt werden könnte, aber ich versicherte sie vom Gegentheil, und gelobte ihr ewige Liebe und Treue.
Die beiden Melvilles verließen das Haus. Ich fürchtete, einem Zwist nicht ausweichen zu können, aber ich betrog mich. Der Vater war rechtschaffen, er sagte mir, die Art, wie ich die Sache genommen, habe ihn nicht beleidigt, auch nicht die Verachtung, mit der ich von seinem Sohn in seiner Gegenwart gesprochen hätte; er schrieb alles auf Rechnung meiner Leidenschaft, und sagte: es wäre unvernünftig, auf Vernunft in der Verzweiflung der Liebe zu rechnen. Diese Äußerungen mußten mich Entschuldigungen auffinden lassen, und das Fräulein that noch einen nachdrücklichen Schritt; denn nachdem sie sich über die Nothwendigkeit ihrer festen Erklärung entschuldigt hatte, so setzte sie hinzu, indem sie ihr Gespräch an den Sohn richtete: »Sie wissen sehr wohl, mein Herr, daß man nicht Herr seines Herzens ist; hätte ich Sie früher als Herrn von Autun gekannt, Ihre Verdienste würden mein Herz gerührt haben; aber Sie erschienen mir, da mein Herz schon von einem andern Gegenstand erfüllt war. Ich könnte Ihnen nichts geben, als meine Achtung; Sie sind zu rechtschaffen, um es übel aufzunehmen, was ich Ihnen sage, auch verzeihen Sie mir die Bitte, die ich im Beiseyn Ihres Vaters an Sie thue, nie mehr einen Anlaß zu irgend einer Art von Aufsehen zu geben.« »Ich verstehe Sie wohl,« sagte der Vater, »Sie haben mein Ehrenwort, daß er Sie niemals wieder belästigen soll. Und ich befehle ihm, in diesem Augenblick von Ihnen auf ewig Abschied zu nehmen. Niemals,« fuhr er fort, und wendete sich zum Sohn, »muß ein rechtschaffener Mann irgendwo überflüßig scheinen. Du spieltest hier eine schlechte Rolle, setze dich niemals wieder dieser Gefahr aus, und versprich es dem Fräulein in meinem Beiseyn, sie niemals wieder zu besuchen. Da deine Liebe nicht gut aufgenommen wurde, so sey wenigstens dein Gehorsam gegen sie in ihren Augen ein Verdienst.« Wir schieden nach vielen wechselseitigen Höflichkeitsbezeigungen von einander.
So war ich von meinem Nebenbuhler befreit, ohne deswegen glücklicher zu seyn! Jeder Versuch war uns abgeschnitten; und wir hofften nur von der Zeit allein noch eine günstige Wendung. Manons Vater sprach mit seiner Tochter kein Wort mehr, weder von Melville, noch von mir; es war, als hätten wir nie gelebt. Er machte weder ihr noch mir ein finsteres Gesicht; ich ging beständig zu ihm. Er beobachtete aber so ein tiefes Stillschweigen über alles, was uns anging, daß wir uns in der größten Verlegenheit befanden. Wir hatten indeß nichts mehr von ihm zu befürchten; er hatte uns ermüdet und zurückgestoßen, und mehr verlangte er nicht.
Er hatte sein Versprechen erfüllt, er wollte unsere Verbindung aufheben, ohne daß seine Tochter mir den kleinsten Anlaß zur Unzufriedenheit geben sollte. Er sah mich als den Mann an, den er ihr bestimmte, aber ich wußte nicht, daß er mich wirklich liebte; und doch war es so; denn er bewieß es mir einige Monate nachher, auf eine sehr großmüthige Weise.
Ich hatte längst eine Stelle zu kaufen gesucht, jetzt fand sich eine erledigt; aber die Rede war nun von der Bezahlung. Ich hatte ohngefähr zwey Drittheile von dem nöthigen Gelde; aber ich hatte mich verbindlich gemacht die ganze Summe auf einen einzigen Termin zu bezahlen. Zu meinem Unglück starb in dieser Zeit der Banquier, der mehr als zwanzig tausend Thaler von mir hatte; und da die Sachen so standen, daß man außer Stande war, mir sogleich die ganze Summe auszuzahlen, so hielt ich mein Geld für verlohren, oder wenigstens sehr dem Zufall überlassen. Ich suchte Geld aufzutreiben, wo ich nur konnte, aber mein Credit war nicht groß genug, um eine so große Summe aufzubringen, zumahl zu einer Zeit, wo die Banquerotte so häufig waren. Ich weiß nicht, durch welchen Zufall Ribaupierre es erfuhr; denn seine Tochter wußte nichts von mir, und es wurde ihr erst bekannt, da sie ihr Vater zu mir schickte. Er borgte Geld, wo er nur welches bekommen konnte, selbst einen Theil seines Silberzeugs setzte er zum Pfande, und als ich mir es am wenigsten vermuthen konnte, so sah ich Manon in mein Zimmer treten. Sie brachte mir zwölf tausend Thaler, und sagte, ihr Vater habe erfahren, das ich Geld bedürfe, und hätte ihr aufgetragen, von mir zu erfahren, wenn es nicht hinreiche, er bürge für mich, und würde alle Kräfte aufbieten, mir das nöthige zu verschaffen. Es war mehr als ich zu meinem Vorrath noch bedurfte. Sie sagte, sie hätte befürchtet, der Vater würde ihr einen neuen Streich spielen, da sie gesehen, daß er auf einmal alles Silber verkauft hätte. Aber jetzt wäre ihre Freude desto größer, da sie seine Absichten entdecke.
Diese Großmuth von seiner Seite erweckte in meinem Herzen eine tiefe Rührung, da ich zumal in einer Lage war, wo mir baares Geld so unentbehrlich war. Er sandte mir die Summe am Morgen des nämlichen Tages, an welchem ich die Zahlung leisten sollte. Meine erste Sorge war, ihm zu danken. Ich zeigte ihm ganz, wie groß meine Dankbarkeit sey, und sagte ihm offenherzig, aus welcher Verlegenheit er mich gerissen habe. Er unterbrach mich in meinen Danksagungen, und ohne die Art und Weise zu ändern, mit der er mich sonst behandelte, sagte er mir ganz trocken: »ich solle nun gehen, meine Geschäfte zu beendigen. Man lerne seine Freunde in der Noth vorzüglich kennen, und er wäre der meinige mehr als ich dächte, ob er gleich überzeugt wäre, daß ich ihn im Herzen oft verwünscht hätte. Kommen Sie zum Abendessen wieder,« sagte er noch. Da ich sahe, daß er ohne Zwang mit mir umging, so behandelte ich ihn auf eine ähnliche Weise. Ich ging meinen Geschäften nach, und endigte sie nach Wunsche.
Ich brachte den Abend in Ribaupierre's Hause zu, und wollte noch immer in meinen Danksagungen fortfahren, aber er unterbrach mich. »Ey zum Henker,« rief er, »weil Sie so oft wieder dasselbe Lied beginnen, so muß ich auch reden. Ist's nicht wahr, daß wenn ich Ihnen meine Tochter nebst meinem Vermögen gegeben hätte, so hätte ich Ihnen keinen Dienst geleistet, weil ich es hernach nicht mehr hätte thun können, oder Sie hätten es wohl nicht nöthig gehabt? Und hätten Sie meine Tochter ohne Vermögen erhalten, wie Sie sie verlangten, so würden Sie glauben, es sey Ihr eigenes Gut, was ich Ihnen gegeben, und nicht das meinige? Und ist es nicht auch noch wahr, daß Sie mir jetzt mehr Verbindlichkeit haben, als wenn Sie mein Schwiegersohn wären? Ist es nicht so, daß Sie mehr Dankbarkeit empfinden, und mit einem Wort mehr gerührt sind.« Ich gestand es ihm zu. »Nun das ist's eben, was ich meine, lieber Freund,« erwiederte er, indem er mich treuherzig auf die Schultern klopfte. »Sey immer Herr des Deinigen, und überlaß Deinen Kindern, wenn Du welche hast, Dir den Hof zu machen, ohne sie und Dich selbst je in den Fall zu setzen, daß Du ihnen den Hof machst. Es ist sehr angenehm, sein eigner Herr zu seyn, Du wirst auch einst Kinder haben, handle auch mit ihnen, wie ich mit Dir handelte, so wirst Du immer gefürchtet und geehrt seyn.«
So viel ich auch gegen seine Moral einzuwenden hatte, so mußte ich sie doch sehr vernünftig finden, und wenn alle Eltern mit ihren Kindern so handelten, so würden die Kinder mehr Achtung und Ehrerbietung vor ihnen haben. Denn er sagte sehr wahr, daß die Kinder immer ihre Eltern wiederfänden; aber die Väter und Mütter nicht immer ihre Kinder; und dann sey es auch beschämend von denen abzuhängen, die uns das Leben verdanken; aber im Gegentheil wäre es sehr natürlich und ein heiliges Gesetz, daß wir von denen abhängen, die wir als die Urheber unsers Daseyns verehren.
Ich mußte den Mann bewundern, der mir willig sein Vermögen anvertraute, und mir doch seine Tochter versagte, weil er den festen Entschluß hatte, sich nicht zu entblößen: denn im Grunde liebte er mich, und mit einem solchen Zutrauen, daß nie davon die Rede war, daß ich ihm eine schriftliche Sicherheit geben sollte. Denn als ich ihm einen Theil des überflüssigen Geldes zurück gab, und für das übrige eine schriftliche Versicherung brachte, so nahm er jenes zwar wieder; fragte mich aber dabei, ob ich dächte früher als er zu sterben, und setzte hinzu, daß Leute von Ehre einer solchen Vorsicht nicht bedürften, die ihren Ursprung immer dem Mißtrauen zu danken habe.
Indem diese Gelegenheit mir bewieß, welchen Antheil er an meinem Glücke nahm, erfolgte noch ein Vorfall, der mir seinen Antheil an meiner Person zeigte.
In dem Hause, wo ich wohnte, fand sich ein schönes junges Mädchen, und da ich keine eigene Haushaltung hatte, so aß ich bei der Dame meines Hauses. Man sagte das Mädchen sei von einer guten Familie, auch hatte sie wirklich sehr gute Sitten, und nicht gemeinen Anstand. Sie hatte oft Verrichtungen in meinen Zimmern, und machte sich noch öfter darin zu thun, als nöthig war. Ich war jung, die Leidenschaft für Manon hatte meine Sinne aufgeregt, das Mädchen war leichtfertig, und froher Laune, wir kamen weiter als es die Sittsamkeit erlaubte, und sie spürte die Folgen unsers Verständnisses, das eine lange Zeit, ohne Aufsehen zu machen, fortdauerte. Man hatte keinen Verdacht auf mich, aber endlich wurde es doch entdeckt. Ribaupierre, der weitläuftige Verbindung hatte, und überall Freunde, war auch davon unterrichtet, als das Mädchen ihrer Niederkunft nahe war, und wußte, daß sie mir einen Rechtshandel auf den Hals bringen würde, da sie mich schon bei den Gerichten verklagt hatte. Wirklich war schon der Verhaftsbefehl ausgefertigt. Ribaupierre erzählte mir, daß ihm alles bekannt sei, und stürzte mich durch dieses Geständniß in die größte Verlegenheit, in die ich je in meinem Leben gekommen bin. Zwar wollte er mit mir nicht in Gegenwart seiner Tochter darüber sprechen, aber sie behorchte uns. »Es ist nur eine Kleinigkeit,« sagte er, nachdem er seine Rede geendigt hatte, »aber sie könnte Ihnen doch durch ihre Folgen Kummer machen, wenn Sie verhaftet würden, und es würde noch dazu schlimmen Eindruck machen, da Sie im Begriff sind, eine Stelle zu erhalten, zu der man einen Mann von makellosem Rufe verlangt. Bleiben Sie bey mir, hier wird man Sie nicht suchen, und man wird Zeit gewinnen, die Sachen auf einem guten Wege einzuleiten; doch ist's immer gut, zu wissen, ob Sie nicht in Ihren Versprechungen zu weit gegangen sind, da Sie das Mädchen zuerst zu einem solchen Umgang beredeten, oder ob Sir ihr Geschenke gemacht haben?« »Ich versprach nichts,« war meine Antwort, »aber dreißig Louisd'ors gab ich ihr.« Lachend sagte er: »Hier ist eine Todsünde theuer genug bezahlt! Gaben Sie ihr seit der Zeit nichts mehr?« »Nein, denn sie wollte nichts mehr annehmen, ob ich es ihr gleich verschiedene male angeboten habe.« »So hatte sie ihre Absichten,« war seine Antwort, »aber mag es seyn, daß beim erstenmal das Interesse sie zu einem solchen Schritt brachte, das Vergnügen leitete sie in der Folge, und zu Ihrem Nachtheil. Aber lassen Sie mich machen, wir werden uns gut herauszuziehen suchen, bleiben Sie hier, und erwarten mich.« Er ließ eine Sänfte holen, und ohngeachtet seine Tochter und ich ihn baten nicht auszugehen, denn er hatte seit sechs Monaten das Zimmer nicht verlassen, weil er die Erlaubniß hatte, in seinem Hause Messe zu hören, so hörte er auf unsere Bitten nicht und verließ das Haus.
Es ist mir noch jetzt unbegreiflich, daß er in einem Zeitraum von zwey Stunden wieder zu Hause war, und zwar mit einem Dokument in Händen. »Sehen Sie,« sagte er und zeigte mir's, emplastrum contra contusionem; »nun kann Ihre Schöne Sie nicht mehr festhalten, und Sie können sie in ihrer Wohnung einziehen lassen. Aber ich hoffe, Sie sind kein solcher Bösewicht, um das arme Geschöpf ins Gefängniß zu schicken, die Furcht müssen Sie ihr indeß einflößen, da es in Ihrer Gewalt ist. Alle Gerichtsdiener wissen, daß Sie einen Verhaftsbefehl gegen sie in Händen haben, sie wird es bald selbst erfahren. Lassen Sie sie kommen, sie wird mit sich reden lassen, und wir werden sie bringen können, wozu wir nur Lust haben.« Er ließ in der That einen Unteroffizier holen, von dem er wußte, daß er ein Freund des Mädchens war. Er gab den Verhaftsbefehl in seine Hände, aber kein Geld, um nicht das Ansehn zu haben, als wolle er ihn bestechen; er versprach ihm nur nach Beendigung seines Geschäfts eine Belohnung. Der Sergeant that was er erwartet hatte. Er gab dem Mädchen Nachricht, sie sah sich in großer Verlegenheit, denn sie fühlte wohl, daß man ihr unangenehme Händel zu ziehen könnte, wenn sie darauf bestehen wollte, mich ohne meinen Willen zu heirathen, indem sie es zugleich gegen den Willen von Leuten thun wollte, die unendlich reicher und mächtiger waren, als sie. Nun wurde mit ihr von einem Vergleich gesprochen, und Ribaupierre betrieb die Sache mit einem solchen Feuer, daß alles innerhalb zwey Tage abgethan war. Es ist wohl wahr, daß es mir einiges Geld kostete, und daß ich versprechen mußte, mich des Kindes anzunehmen, aber das starb bald nach der Geburt. Ribaupierre und seine Tochter thaten noch mehr zu ihrer eigenen Beruhigung; sie verheiratheten das Mädchen.
Diese Geschichte aber hatte doch zwischen Manon und mir Zwist erregt, sie behauptete, daß ich die Treue gegen sie verletzt habe, und wurde nicht eher ganz beruhigt, bis das Mädchen mit ihrem Mann Paris verlassen hatte. Ribaupierre lachte darüber. Er war keinesweges zum Vortheil des andern Geschlechts gestimmt; und pflegte sich bei solchen Unterhaltungen eben nicht zu mäßigen, noch seine Worte in seiner Tochter Gegenwart genau abzuwägen. »Es ist ein schrecklicher Zustand,« sagte er, »wenn die Mädchen sich von der Sinnlichkeit hinreißen lassen, zumal in ihrer Jugend. Aber die Beyspiele so vieler Unglücklichen dienen ihnen nicht zu Warnung, ob sie sie gleich täglich vor Augen haben, im Gegentheil, je mehr Unglückliche es giebt, die sich ihren Begierden überlassen, desto mehr Nachahmerinnen finden sie. Ich stelle mir vor,« setzte er hinzu, »sie sagen zu sich selbst, diese und jene haben ihre gute Ehre verlohren, und ihren guten Ruf, aber sie hatten nicht Verstand genug, ihr Geheimniß zu verwahren, wie so manche andere, deren man gar nicht erwähnt. Auch selbst Weiber gaben uns Beispiele, daß man nicht nöthig habe, den Männern die Treue zu halten, und ungeachtet sie die größten Gefahren bei ihrer Niederkunft ausstehen, so vergessen Sie leicht die vorhergegangenen Schmerzen, und folgen den Trieben ihrer Sinnlichkeit. Die Neugierde ist der erste Schritt zur Ausschweifung, das Nachdenken erweckt die Sinne; endlich unterliegt man aus Schwachheit, und nun ist der erste Schritt gethan, der unwiederbringlich weiter fortreißt.« Ribaupierre sprach in diesem Ton fort, der seiner Feinheit keine Ehre machte, aber doch seiner guten Laune; es war unmöglich ihn über diese Gegenstände mit Ernsthaftigkeit anzuhören. Selbst seine Stimme änderte sich, er hatte einen gewissen schreienden Ton, der das Gespräch noch belustigender machte. Seine Tochter verließ das Zimmer, so oft sie merkte, daß er in einen solchen Ton fallen wollte, aber er besaß das Geheimniß, sie zum Bleiben zu zwingen, denn er pflanzte sie an eine Ecke des Tisches, wo sie nicht herauskonnte. Sie mußte sich endlich gewöhnen ihn anzuhören, erst antwortete sie ihm sogar, und vertheidigte ihr Geschlecht, so gut sie konnte, ohne ihn jedoch in seiner Meinung irre zu machen.
»Aber,« sagte sie einmal zu ihm, »wenn Sie von der Schwachheit meines Geschlechts so überzeugt sind, warum erlauben Sie, daß ich auf Treu und Glauben leben darf, wie ich lebe? Warum glauben Sie nicht, daß ich auch Thorheiten begehen könne, wie jede andere? Glauben Sie, daß ich eine Ausnahme von der Regel sey, und mich allein gut zu betragen wisse, Sie, der allen Glauben an die gute Aufführung eines Mädchens verloren hat? Würde mich jemand abgehalten haben, mich schlecht aufzuführen, wenn ich die Neigung dazu hätte, da Sie mir alle Freiheit ließen? Selbst der Umgang mit Herrn d'Autun könnte weit führen, er würde mich nicht auf den rechten Weg zurückbringen, oder ich müßte mich sehr betrügen.« »Dieß würden Sie nicht,« sagte ich, »und ich möchte Ihnen offenherzig in Ihres Vaters Gegenwart gestehen, daß Sie Unrecht haben, nicht auch durch Ihr Beispiel die Meinung zu bestätigen, die er von Ihrem ganzen Geschlecht hat.«
»Davon ist nicht die Rede,« sagte Ribaupierre, »jeder handelt in der Welt nach seinen Einsichten. Ich bin weder Spanier, noch Italiener, oder Türke, und baue auf die Enthaltsamkeit der Frauen nicht sonderlich, wenn sie durch Schlösser verwahrt sind. Die gute Aufführung eines Mädchens hat keinen Werth, wenn sie nicht ihrer eigenen Tugend überlassen bleibt. Es ist eine Eigenthümlichkeit der Menschen, besonders der Frauen, mit Wärme gerade nach demjenigen zu streben, was verboten ist. Dieß ist gewiß der Grund, daß es in Spanien und Italien mehr verdorbene Sitten giebt, als in Frankreich, und mehr Libertins, als bei uns, wo die Frauen Freiheit haben, und wo sie sehr selten die ersten Schritte thun. Die wahre Tugend der Frauen besteht in dem Widerstande, den sie der Versuchung entgegen setzen; und eben deswegen sind die Französinnen, die ihre Reinheit bewahren, viel mehr zu preisen, als Frauen anderer Nationen, die ich vorher nannte; denn sie sind durch ihre freiere Geselligkeit stets der Versuchung ausgesetzt, da im Gegentheil die andern ihre Sittlichkeit nur den Mauern verdanken, die sie einschließen.«
»Wenn ich,« sagte er zu uns beiden, »da ich euch nicht verheirathen wollte, dir Manon verboten hätte d'Autun zu sehen, hättest du mir gehorcht? gesteh es aufrichtig. Wenn ein Mädchen heimliche Zusammenkünfte mit ihrem Geliebten hat, ohne den Willen ihrer Eltern, so muß sie die Zeit dazu stehlen; aber sie verliert dann auch keinen Augenblick. Der Geliebte bringt seine Angelegenheiten viel weiter in einer Viertelstunde, als er es bringt, wenn er seine Geliebte täglich sehen kann. Nur in solchen Fällen hätte ich fürchten müssen, daß du zu sehr den Neigungen deines Herzens folgen möchtest; aber da ich dich mit ihm leben ließ, und ganz nach deiner Phantasie, so bin ich gewiß, daß er nun seine Zeit zu nichts schlimmern verwendet, als zu klagen, oder mich zu verwünschen, und schwerlich hättet ihr eure Zusammenkünfte unter andern Umständen eben so unschuldig gehalten.«
»Ich war auch jung wie ihr. Ich liebte ein Mädchen, mit der ich mich ehelich verbinden wollte. Ich wurde von ihr geliebt, und so dreust und kühn ich gegen die andern Frauen war, so war sie die Einzige, die mir Achtung einflößte. Vielleicht hat mich die Liebe, mit der ich sie liebte, auch verschämt gemacht, und nie hat mich meine Kühnheit zu weit verleitet. Ich weiß also aus Erfahrung, daß man ein Mädchen, um dessen Hand man sich bewirbt, mit ganz andern Augen ansieht, als eine andre. Habe ich mich betrogen?« sagte er zu mir, »hätten Sie die Zeit außer meinem Hause auch auf eine so unschuldige Art zugebracht?«
»Ich weiß nicht,« sagte ich, »aber das weiß ich, daß ich die Ehrfurcht gegen das Fräulein nie würde verletzt haben, und daß sie sich immer gleich anständig betragen haben würde!«
»Und ich glaube es nicht;« sagte er.
»Aber was für ein Vergnügen kann es Ihnen machen, uns der Gefahr auszusetzen, einer Versuchung zu unterliegen? Warum willigen Sie nicht in unsre Verbindung? da Sie sie nicht mißbilligen.«
So endigte sich immer unser Gespräch, und Ribaupierre brach entweder von der Materie ab, oder er sagte, daß wir nicht zu eilen hätten.
So verlebten wir die Zeit, jeden Augenblick konnte ich zu ihm gehen, ich aß täglich bey ihm, und es fehlte nichts daß ich wirklich sein Schwiegersohn war, als daß ich mit der Tochter in einer solchen Entfernung lebte. Vergebens erschöpfte ich meine Beredsamkeit bey ihr, und suchte durch alle Gründe die ich finden konnte, uns einander näher zu bringen, aber sie blieb unbeweglich, und ließ sich zu nichts bereden.
Ich hatte eine Art zu leben, die mir selbst unbegreiflich war. Täglich sah ich einen Mann, dessen langes Leben mir Kummer machte, und den ich nicht hassen konnte. Alles abgerechnet was er für mich gethan hatte, so empfing er mich immer wie seinen Sohn, und belustigte mich durch seine gute Laune, und witzigen Einfälle. Täglich fand ich mich in der Gesellschaft eines Mädchens, die ich bis zur Raserey liebte, und von der ich mich geliebt glaubte, und doch fühlte ich keine dieser stürmischen Empfindungen, die die Liebe in uns erweckt, wenn die Leidenschaft sich des Herzens bemächtigte. Es ist als wenn nach so vielen fruchtlosen Versuchen, das Herz und die Sinne sich der Gewohnheit unterworfen hätten, sich von der Vernunft leiten zu lassen, die über beide ihre Herrschaft ausübt.
Nachdem wir lange auf diese Weise fort gelebt hatten, überfiel den alten Ribaupierre unerwartet eine solche Schwäche, der die Natur in wenig Augenblicken unterlag. Er hatte lange genug gelebt, um nicht vom Tode überrascht zu werden, und er bereitete sich zu diesem Schritte als ein Christ. Da er fühlte, daß er nicht wieder genesen könne, so wollte er auch mit mir sich aussöhnen, und mich in seinem Herzen lesen lassen. Nachdem er die letzte Oelung empfangen hatte, ließ er mich und seine Tochter an sein Bette rufen.
In wenig Worten, und ohne sich zu schmeicheln, erzählte er mir sein Leben. Ich sah darin eine stete Folge von erlittenen Verlusten und Unglücksfällen; aber bey aller Schuld, die er durch eine unordentliche Lebensart auf sich geladen hatte, bemerkte ich doch einen unerschütterlichen Grund von Rechtschaffenheit; gewiß war er einer der biedersten Menschen; wäre er es weniger gewesen, er würde unermeßliche Reichthümer erworben haben, die er aber lieber verachtete, als daß er gegen sein Gewissen gehandelt hätte. Er gestand mir, daß die Überzeugung, daß er nicht zum Glück gebohren sey, ihn gezwungen hätte, sich gegen alle Zufälle zu verwahren. Zwar hätte er nie im Ernst gezweifelt, daß ich und seine Tochter ihn gut behandeln würden, wenn er unsre Heirath bewilligte; aber er gestand mir doch, daß die Furcht vor der Zukunft in seinem Herzen zu groß und unüberwindlich gewesen sey. »Ich gebe Ihnen nichts, wenn ich Ihnen meine Tochter gebe, sie gehört Ihnen schon an, aus vielen Gründen. Verzeiht mir beide, daß ich mich so lange eurer Verbindung widersetzte, aber ich verdiene mehr Entschuldigung als Verzeihung, ich konnte eine Schwachheit in mir nicht unterdrücken, die die Annäherung des Todes allein bekämpft. Ich weiß, Sie lieben Manon aufrichtig, und ich kann sie in keinen bessern Händen zurücklassen, als in den Ihrigen. Sie sey Ihnen auch um Ihrer selbst willen empfohlen, auch um meinetwillen darf ich hinzusetzen, es ist die Bitte eines Sterbenden, der Ihnen mit Wahrheit betheuert, daß er Sie immer unendlich geliebt und geschätzt hat. Gebt Euch die Hände, sagte er: ich hoffe, sie wird Ihnen nach der Heirath eben so theuer seyn, als sie es bisher war, und niemals Anlaß geben, daß Sie Ihre Wahl bereuen. Ich bitte Gott, daß er Euch seinen Segen gebe, den meinigen gebe ich Euch, aber, indem er sich zu seiner Tochter wendete, unter der Bedingung, daß du durch Tugend dich dessen würdig machst, und durch eine wahre unverbrüchliche Anhänglichkeit an Herrn d'Autun. Danke Gott, daß er dir einen solchen Mann bestimmte, hege alle die Zärtlichkeit gegen ihn, die er verdient, und alle Dankbarkeit für die Ehre die er dir erzeigt; denn er könnte natürlich auf eine höhere Verbindung Ansprüche machen. Bewahre ihm alle Treue und Ergebenheit und Ehrfurcht, die eine tugendhafte Frau ihrem Mann schuldig ist; dieß sind die Bedingungen, unter denen ich dir meinen Segen gebe.«
»Gehen Sie nun,« sagte er zu mir, »wiederholen Sie meinem Beichtvater was ich Ihnen sagte, und fragen ihn, ob es erlaubt ist, Sie in meinem Zimmer zu trauen? Ich habe keine Forderung mehr an die Welt zu machen; ich stürbe völlig beruhigt, wenn ich Euch noch verbunden sehen könnte, und meine Tochter vor meinem Tode noch unter sicherm Schutz, und in einer Verbindung, die vielleicht manchen Hindernissen ausgesetzt seyn könnte, wenn ich nicht mehr bin. Eilen Sie, wenn Sie wollen, daß ich noch diesen Wunsch erfüllt sehe. Ich fühle meine Kräfte, und habe nur noch wenige Stunden zu leben.«
Es war, als wenn er voraus sähe, was nach seinem Tode geschehen könnte. Gern hätte ich diese gute Stimmung benutzt, aber ich glaubte nicht, daß es schon so weit mit ihm wäre; denn seine Sinne waren noch ungeschwächt, sein Urtheil bestimmt, seine Gespräche reichhaltig, und zu dem hatte er eine starke Stimme, und lebhafte feurige Augen. Sein Zustand schmerzte mich aufrichtig, die Thränen seiner Tochter, die aus einem wahrhaft gerührten Herzen flossen, durchdrangen mich. Ich bewunderte die Ruhe, mit der ihr Vater ihr Trost einsprach; kein Zeichen von Ungeduld gab er von sich, kein Wort verrieth einen Wunsch in die Welt zurückkehren zu können. Ich sprach in seiner Gegenwart mit dem Beichtvater, und er bestätigte alles was ich sagte. Der Geistliche durfte uns aber ohne die Einwilligung des Erzbischoffs von Paris nicht trauen; doch versicherte er, daß er gar nicht zweifle, sie unter diesen Umständen zu erhalten. Wir baten ihn, sich selbst hin zu bemühen. Er that es, nachdem er vorher unsern Namen und Stand aufgezeichnet hatte, und ließ bei dem Kranken einen andern Geistlichen. Auch wir blieben bei ihm, und ich sah in dem Sterbenden eine wahre Ergebung und eine ungeheuchelte Entsagung aller irrdischen Dinge, mit einem Wort solche Gesinnungen, wie sie sich jeder wünschen sollte.
Die Erlaubniß zu unserer Trauung kam zu spät, eben als er seine Augen geschlossen hatte; sie wurde uns unnöthig, denn der Geistliche wollte nun nicht davon Gebrauch machen. Er sagte, der Erzbischof habe nur die Erlaubniß ertheilt, um das Gewissen eines Sterbenden zu beruhigen, und um sein Herz von weltlichen Angelegenheiten loszumachen; aber der letzte Seufzer desselben habe alle diese Ansichten verändert, wir wären nicht mehr in der Lage uns den gewöhnlichen Ceremonien der Kirche entziehen zu dürfen.
Ich erschöpfte vergebens meine Beredsamkeit, so wie auch die Tante des Fräuleins; man bot dem Geistlichen eine ansehnliche Summe, um ihn dahin zu bringen, uns den Segen zu geben; aber alles war umsonst.
Ich führte nun Manon in mein Haus, und bat die Freundin, bei der ich sie zum erstenmale sah, ihr Gesellschaft zu leisten, ich selbst ging zu Ribaupierre's Wohnung zurück, wo sich die Tante mit ihrem Sohn nebst noch mehreren Verwandten des Verstorbenen befanden. Sie betrachteten mich alle als Herrn des Hauses, und überließen meiner Einsicht alle Einrichtungen. Ich ließ versiegeln, ordnete das Leichenbegängniß an und die Seelenmessen, und nahm alle Kostbarkeiten in meine Verwahrung. Manon unterschrieb alles, was ich wollte, und verließ sich ganz auf mich. Ihre Erbschaft machte wenig Umstände, sie war die einzige Tochter und Erbin, also waren keine Einsprüche zu befürchten. Bald war sie in alle ihre Rechte eingesetzt, und als ich sie wieder in ihr Haus zurückführte, war sie so erschöpft, und bewegt, daß ich nicht wagen durfte, mit ihr sobald von unserer Heirath zu sprechen.
Ihre Tante aber erklärte ihr in meiner Gegenwart, daß sie sich nicht sobald nach dem Tode ihres Vaters verheirathen dürfe, weil diese Eilfertigkeit zu vielen Gesprächen Anlaß geben könnte. Sie war die erste, die darein willigte, und ich mußte nachgeben, so schwer es mir auch fiel; zumal da dringende Geschäfte mich wieder nach A— riefen. Da die Tante dafür hielt, daß es sich für ein unverheirathetes Frauenzimmer nicht schicke, mit so vielen Bedienten allein zu wohnen, so rieth ich ihr, die Zeit meiner Abwesenheit bei der Tante zuzubringen, wo die lebhafte Gesellschaft zugleich ihren Kummer zerstreuen würde.
Nach vierzehn Tagen ging ich zum letztenmal vor meiner Abreise zu ihr; ich sah sie Briefe schreiben, und auf die Post geben. Dieß beunruhigte mich nicht, da ich wußte, daß sie Herr über ihr Vermögen war, und, weil ein Theil davon in einer entfernten Provinz stand, leicht Veranlassungen zum Schreiben haben konnte. Aber ich entdeckte doch, daß ein Brief darunter war, dessen Aufschrift sie mir verbergen wollte. Will man einem Liebhaber etwas verheimlichen, so ist dieß gerade ein Mittel, seine Neugierde zu erregen. Unser Verhältniß erlaubte mir die Frage an sie zu thun, an wen dieser Brief gerichtet sei? aber ich that sie nicht, und begnügte mich damit, daß ich einen Handschuh fallen ließ, und den Kopf erhob, indem ich ihn aufnahm. Da die Adresse umgekehrt lag, so konnte ich nur den Namen Rosier lesen, ohne zu sehen, nach welchem Ort er gerichtet war; ich hatte niemals einen ähnlichen Namen gehört, und bekümmerte mich nicht weiter darum.
Ich trat meine Reise an, nach deren Beendigung unsere Heirath vollzogen werden sollte; der Abschied war zärtlicher als das erstemahl. Dießmahl war ich wie ein Mann, der vor Begierde brennt, sich des Besitzes zu erfreuen. Ich sah in A— nur Menschen, mit denen ich Geschäfte hatte, selbst einen Theil meiner Ansprüche und Rechte opferte ich auf, um meine Geschäfte nur schnell zu beendigen, und war vierzehn Tage früher wieder in Paris, als man mich erwartete.
Ich ging sogleich zu Manon, noch eh ich in meine eigne Wohnung trat. Sie war nicht zu Hause. Es kamen zwei Briefe an sie an. Da ich ihre Geschäfte zu besorgen gewohnt war, so ließ mich die Kammerfrau die Briefe in Empfang nehmen. Ich empfahl ihr meine Ankunft zu verschweigen, weil mir's einfiel, einen Brief von meiner Hand in einen von diesen einzuschieben, um sie in Verlegenheit zu setzen, und mich über sie lustig zu machen. Die Kammerfrau versprach das Geheimniß zu bewahren, und ich ging in meine Wohnung, um mich umzukleiden. Ich war überzeugt, daß die Briefe nur von Geschäften handelten, die ihre Erbschaft beträfen, und daß sie nicht darüber böse werden könnte, wenn ich einen davon aufbräche. Ich zauderte also nicht lange. Der Brief war mit dem Namen Rosier unterschrieben. Dieß erinnerte mich an die Sorgfalt, die sie angewandt hatte, mir einen Brief mit dieser Aufschrift zu verbergen. Meine Gedanken verwirrten sich, und ich wußte keinen Ausweg. Der Inhalt des Briefs machte mich schaudern. Man schrieb ihr:
»Mit der größten Freude, mein Fräulein, empfing ich Ihren Brief vom neunzehnten, und ich erfuhr, daß Sie nicht mehr unter der Tyrannei eines Vaters seufzen müßten. Tausendmal habe ich Ihre Gefälligkeit für ihn bewundert, und Ihre Tugend, mit der Sie seine üblen Launen ertrugen. Ich glaubte nicht, daß die kindliche Liebe so weit gehen könnte. Endlich sind Sie frey, ich danke Gott täglich dafür um meinet- und Ihrentwillen. Ich bleibe nur noch kurze Zeit hier, spätestens in vierzehn Tagen hoffe ich zu Ihnen zu kommen, und in Ihrer Nähe alle Freuden zu genießen, die eine glückliche Liebe verspricht; nach so vielen Durchkreuzungen des Schicksals und nach den Hindernissen, die ein glücklicherer Nebenbuhler, von einem Manne begünstigt, von dem Sie abhängig waren, uns in den Weg legte. Mag er seyn, wer er will, dieser Nebenbuhler, so schwöre ich es Ihnen zu, er ist verloren bei meiner Ankunft, oder meine Mutter wird mich von dem schrecklichen Anblick befreien, Sie in seinen Armen zu sehen. Sie wollen mein seyn, nichts wird mich von meinem Glück abhalten, und ich werde Ihnen Beweise geben, daß niemand zärtlicher und treuer geliebt hat, als Ihr
Rosier.«
Könnte der Schmerz tödten, so wäre ich in diesem Moment gestorben. Eine ganze Stunde blieb ich fast ohne Bewußtseyn, so hatte mich dieser unerwartete Schlag betäubt. Aber die Wuth folgte dem Schmerz bald nach. Ich horchte nur auf die Stimme der Rache, und entschloß mich, diesem Menschen zuvor zu kommen, der mir den Tod drohete, ehe er mich gesehen hatte. Ich nahm die Feder, aber ich weiß nicht, was ich in der Bewegung niederschrieb. Ich sandte Manon die Briefe zu, auch den meinigen. Ich stieg wieder aufs Pferd und nahm den Weg nach Grenoble; ich hatte den Plan, jenen Rosier selbst ausfindig zu machen, und zu sehen, ob er eben so tapfer in der Nähe als in der Ferne wäre. Der Zorn gab mir Flügel; in dreißig Stunden war ich dort. Ohne auszuruhen machte ich Anstalt den Menschen aufzusuchen, wo ich nur hoffen konnte, Nachrichten von ihm einzuziehen; aber ich konnte ihn nicht finden. Endlich von den vielen mißlungenen Versuchen abgeschreckt, mehr noch als wüthend über die Untreue meiner Braut durchreiste ich das Lioner Gebiet und den Wald, und ging nach A— zurück, wo ich entschlossen war zu bleiben, bis die Zeit das Andenken an Manon in meinem Herzen getilgt haben würde. Vier Monate blieb ich dort, aber ich erreichte nicht meinen Zweck. Ich wäre länger geblieben, hätte mich meine Stelle nicht gezwungen nach Paris zurückzukehren.
Manon, die meine Ankunft sogleich erfuhr, kam gleich den andern Tag zu mir in mein Haus, aber ich ließ mich verläugnen und verbot meinen Bedienten, sie je zu mir zu führen, so oft sie auch kommen möchte. Sie schrieb mir einigemal, aber ich schickte die Briefe unerbrochen zurück, auch ihr Bild und alle Briefe, die ich von ihr hatte, schickte ich ihr wieder. Ihre Verwandten machten viele fruchtlose Versuche zu unserer Aussöhnung, aber diese Verrätherey war zu schwarz in meinen Augen, als daß ich hätte leicht verzeihen können. Ich suchte aber ihren Rosier nicht mehr auf, denn ich hielt es für die beste Rache, die ich nehmen konnte, sie beide zu verachten.
So lebte ich eine geraume Zeit mit dem Anschein einer ruhigen Kälte, aber doch merkten meine Freunde, daß mein Herz ein schwerer Kummer drückte. Einer von ihnen, der mir am nächsten war, und mein Vertrauen mehr besaß als die andern, nahm sich das Herz, in einem Gespräch meine Verhältnisse mit Manon zu berühren, da wir einmal mehr als gewöhnlich auf eine vertrauliche Art zusammen sprachen.
Ist das Fräulein, sagte er, dir untreu, so billige ich dein Verfahren sehr. Sie verdient alsdann nicht, daß ein rechtschaffener Mann an sie denkt; aber ich, der ich nicht so befangen urtheile, wollte fast schwören, daß ein Mißverständniß zum Grunde liegt. Wie hätte sich in der That so ein Verhältniß entspinnen können, mit diesem Herrn Rosier, den du niemals gesehen hast, da du doch täglich bey ihr warst. Warum sollte sie zwey Menschen zugleich ihre Hand versprochen haben? Warum dir ihr Versprechen nicht halten, nachdem sie so viele Schritte zu deinem Vortheil gethan hatte? Warum hätte sie dich so oft aufgesucht? was wäre aus Rosier geworden? und warum sollte sie dir noch schreiben? Warum, wenn sie dir untreu ist, eine Versöhnung mit dir versuchen wollen? Dahinter steckt ein Geheimniß, und ich bin sicher, daß zum wenigsten eine Übereilung von deiner Seite, und ein Spiel des Zufalls von der ihrigen zum Grunde liegt, oder sie ist die größte Betrügerin, die in der Welt ist.
Seine Gründe machten auf mein Herz einigen Eindruck. Ich dachte der Sache tiefer nach, und bat ihn endlich, wenn er Manon spräche, die Unterredung auf mich zu leiten. Thue was du kannst, um die Wahrheit zu entdecken. Als ich ihr neulich begegnete, machte mich ihr Blick, der gerade auf mich gerichtet war, stutzen, und zerstreuete einen Theil meines Zorns, darum möchte ich nicht gern mit ihr selbst sprechen, weil ich meinem Herzen nicht traue; aber suche Du sie auf.
Ich werde heute Gelegenheit haben sie zu sehen, sagte mein Freund, da ich ihren Verwandten besuchen muß, und erlaubst du es mir, so will ich suchen Manon zu sprechen und das Gespräch auf dich lenken.
Er ging, und ich erwartete mit Unruhe seine Zurückkunft. Kaum war er wieder ins Zimmer getreten, so ging ich hastig auf ihn zu. Welche Nachrichten bringst du mir? Hast du mir gute zu bringen? Nein, sagte er lächelnd; aber ich soll dich schelten in Manons Namen, die sehr unschuldig an jenem Briefe ist, den du an sie gerichtet glaubst. Man liebt dich immer und ist auch deiner Liebe gewiß. Man hält dich nur für einen Thoren und unhöflichen Menschen, aber man läßt dir Gerechtigkeit widerfahren, und ist bereit dir die Hand zu geben. Hier ist das Bild der Braut wieder zurück, und auch der schöne Brief, den du ihr schriebst. Du sollst den ganzen Irrthum erfahren, so bald du sie sehen wirst.
Nun, nachdem ich das wußte, was meinem Herzen am nächsten lag, so erzählte er mir den Inhalt und die Wendung seines Gesprächs.
Bei seinem Eintritt ins Zimmer war Manon sehr erfreut ihn wieder zu sehen, denn er war lange abwesend gewesen. Er sagte ihr, da er sich als ein Fremdling wieder in seinem Vaterlande fände; so wäre er sehr glücklich gewesen, Herrn d'Autun zu begegnen, der ihn sehr gütig aufgenommen habe, und ihm dadurch gezeigt hätte, daß er noch die alte Freundschaft für ihn habe. Es ist, setzte er hinzu, ein rechtschaffener Mann, dem ich gern dienen möchte. Sie können es, sagte Manon, wenn Sie ihm seine Vernunft wiedergeben, die er seit acht Monaten verloren hat. — Mir schien er ganz vernünftig, erwiederte mein Freund. — Und doch ist er von Sinnen, sagte sie; Sie werden mir Recht geben, wenn Sie hören, welcher Thorheiten er sich gegen mich schuldig machte. — Ich weiß, sagte mein Freund, was zwischen Ihnen beiden vorgefallen ist. — Hat er Ihnen die schönen Träumereyen erzählt, die er sich in den Kopf gesetzt hat? fragte Manon. Anfangs hatte ich Mitleid mit ihm, fuhr sie fort. Ich that mein möglichstes ihm die Wahrheit zu enthüllen, und ließ mich's nicht verdrießen, mehrere Mahl zu ihm zu gehen, ob er gleich so unhöflich war, mich an seiner Thür abzuweisen. Dieses Betragen hat der Welt ein großes Ärgerniß gegeben, man sprach viel davon, aber es hat mich doch nicht abschrecken können. Ich schrieb ihm einen Brief nach dem andern, aber auch diese schickte er mir unerbrochen zurück. Ja, er treibt es noch weiter, er sucht mich zu beleidigen, wo er mir begegnet, und ist weit entfernt nur die gemeinste Höflichkeit zu zeigen, die sein Geschlecht dem meinigen schuldig ist; und dieß alles um eines Briefes willen, dessen Inhalt ich ihm hundertmahl habe erklären wollen, ohne daß er mich hören wollte. Sagen Sie selbst, fügte sie noch hinzu, ist es nicht zum Erstaunen, daß ein Mann, der thörigt genug ist, nach Dauphiné zu reisen, um sich mit einem Nebenbuhler zu schlagen, es abschlagen kann nur einen Schritt der Aussöhnung gegen ein Mädchen zu thun, das er liebt? Denn wie sehr er sich auch überreden mag, daß er mich hasse, so betrügt sich doch der arme Freund. Ich kenne ihn zu gut, um an eine Veränderung seiner Gesinnung zu glauben. Ich für meinen Theil verberge meine Neigung nicht, obgleich ich sehr große Ursache hätte, sie zu unterdrücken. Ich wollte seine Eifersucht wecken, um eine Erklärung herbei zu führen, aber ich verlohr meine Zeit fruchtlos. Nur von mir hing es ab mich zu verheirathen, und auf eine vortheilhafte Art; aber ich kann nur an ihn denken, und sterbe unverheirathet, wenn ich ihm meine Hand nicht geben kann. Ich sehe ihn nicht allein als meinen Verlobten an, weil es meines Vaters letzter Wille war, sondern weil ich ihn liebe. Lange habe ich seine Veränderung beweint, oder vielmehr seine Halsstarrigkeit; ich habe noch keinen Trost finden können! Aber es muß aufhören. Sie sind sein Freund, haben Sie Mitleid mit unserm Zustand. Ich bin es müde, mich unnützer Weise so zu quälen. Erzeigen Sie uns diese Gefälligkeit, ihn nur zu fragen, wann er meine Rechtfertigung hören will; es wird bald geschehen seyn; ich brauche nur zu wiederholen, was ich ihm schon oft geschrieben habe. —
Aber wenn Sie sich nicht versöhnen, wie dann? fragte mein Freund. — So werde ich Ihnen danken, daß Sie in mir den Entschluß befestigt haben, ins Kloster zu gehen, ehe noch diese Woche zu Ende ist. Aber ich hoffe wir knüpfen wieder an, denn ich bin sicher, daß er mich liebt wie ehemals; und Sie sollen sehen, in welchem hohen Grade ich ihn liebe, da sogar dieser Brief nicht meine Liebe vermindern konnte.
Sie gab ihm den Brief, den ich damals in der Wuth schrieb, und dessen Inhalt mir jetzt selbst fremd war, da ich ihn mit einer mehr ruhigen Besinnung durchlas.
»Der Zufall,« schrieb ich: »entdeckt mir Ihre Treulosigkeit. Den Brief Ihres theuren Liebhabers sende ich Ihnen zurück, dem ich selbst die Antwort bringen werde über das was mich darin angeht. Sie haben ihm ohne Zweifel gesagt, daß ich ein Feiger sei, weil er mein Verderben beschließt, ohne mich zu kennen. Ich muß diesen neuen Mars sehen. Mein Leben bringe ich ihm, oder nehme das seinige. Ich will Sie nicht von ihm trennen, Sie verdienen es nicht; ich würde mich betrüben, einen solchen Schritt um einer Treulosen willen gethan zu haben. Er soll sehen, daß Sie nicht die Wahrheit sagten, wenn Sie ihm sagen konnten, daß ich keinen Muth hätte. Ich habe doch so viel, um mich an Ihnen zu rächen, und Sie zu verachten als ein unwürdiges Wesen. Sie verdienen weder Mitleid noch Haß. Leben Sie wohl. Ihr Schicksal wird mich rächen. Alles was ich von Ihnen erhielt, schicke ich zurück. Ihre Briefe habe ich verbrannt. Ihre Gunstbezeugungen sind mir nicht mehr werth, als die der leichtsinnigsten Ihres Geschlecht.«
Sie sehen daraus, sagte Manon zu meinem Freunde, nachdem er den Brief gelesen hatte, daß Ihr Freund zu leicht Verdacht geschöpft hat, und Sie sehen wohl auch, daß ich ihn billig nicht wieder aufsuchen sollte; aber ich liebe ihn zu sehr, um nicht Mitleiden mit dem Kummer zu haben, den er sich selbst bereitet. Ich vertraue Ihnen den Brief an, lassen Sie ihn Ihren Freund noch einmahl lesen. Ich sah ihn längst als meinen Gemahl an, und nur in dieser Rücksicht kann ich ihm seine üble Laune vergeben. Aber wenn er noch einmahl meine Güte mißbrauchen könnte, so versichern Sie ihm, daß es das letzte Mahl seyn wird.
Aber erlauben Sie mir zu bemerken, sagte mein Freund zum Fräulein Ribaupierre, der Brief, den d'Autun öffnete, war an Sie gerichtet, er stimmte mit Ihren Begebenheiten zusammen; er war von einem begünstigten Liebhaber, und ich sehe nicht ein, warum Autun nicht sollte Feuer gefangen haben. — Es ist wahr, daß der Brief an mich gerichtet war, aber es ist nicht wahr, daß er für mich war. Ich werde ihm, sobald er es verlangt, den Mann zeigen, der ihn schrieb, und das Frauenzimmer, dem er galt. Sie sind jetzt verheirathet, und ich bin nicht länger verpflichtet ihr Geheimniß auf Unkosten meiner Ruhe zu bewahren; sie sind in Paris, und in ihrer Gegenwart will ich mich erklären. Mein Freund wird ihm gern seine Handschrift zeigen, und er wird zugleich erfahren, warum die Briefe an mich gerichtet wurden. Ich hoffe, er wird kommen und meine Rechtfertigung hören, und wir werden als Freunde auseinander gehen.
Aber was soll ich ihm sagen, wenn er nicht kommen will? fragte der Freund lächelnd. — Daß ein Platz im Irrenhaus seiner wartet, sagte Manon gleichfalls lächelnd; und um ihm zu bezeugen, daß Sie auf meinen Befehl sprechen, so bringen Sie ihm seinen schönen Brief mit meinem Bilde zum Pfande. Geben Sie es ihm zurück, und sagen ihm, daß er ein Thor war, mir es zurück zu schicken. Ich bewahre das seinige stets, und werde es behalten, so lange ich lebe.
Ich sehe wohl, sagte mein Freund, daß Ihre Aussöhnung leicht gemacht seyn wird; wenn Sie ihn lieben, so schwöre ich Ihnen zu, daß er Sie nicht weniger liebt, und daß nur ein verliebter Groll ihn zurück hält.
Gestehen Sie offenherzig, sagte Manon, daß er ein Schwärmer ist, und sich jetzt bittere Vorwürfe macht, die Mittel verschmäht zu haben, die ich ihm darbot, um seinen Irthum aufzuklären. Bringen Sie ihn zu mir, sobald er will, wenn er meiner Versicherung Glauben beimißt.
Wie glücklich war ich über den Versuch meines Freundes, und über den glücklichen Erfolg seiner Bemühungen. Ich eilte zu Manon, warf mich ihr zu Füßen. Von Ihnen will ich meine Verzeihung hören, schönste Manon, rief ich aus; in Ihren Blicken lese ich Ihre Unschuld, und mein Irthum bringt mich zur Verzweiflung.
Es ist Ihnen alles vergeben, sagte sie, und umarmte mich mit Thränen. Nicht an mir ist es, ungerechte Ansprüche zu machen, ich will alles vergessen, und indem ich es Ihnen zusage, so bitte ich Sie, sich ins künftige nicht so leicht durch den Schein täuschen zu lassen.
Ich habe ihr Wort gehalten. Wir sind glücklich, und ich sehe nicht mehr in die Vergangenheit zurück, als um mein Schicksal zu preisen, das mir selbst meine Irrthümer lieb macht, weil ich durch sie den Werth meines jetzigen Glücks doppelt fühle.