Schlendrian (continued 2)
Reading edition
Absagebrief
von
Friedrich Stoltze.
„Jean, leb wohl! mei Vatter leidt’s net, un merr soll die Eltern ehrn; ohne Sege da gedeiht’s net, wann merr noch so glicklich wern. „Ewig zwar wern ich dich liewe, nimmermehr vergeß ich dich; doch die Eltern zu betriewe, des breng ich nicht iwer mich. „Geh net mehr am Haus voriwer, daß dich nicht mei Vatter sieht, dann ich krieh sonst Vorwerf driwer, wie ich se schon oft hab’ krieht. „Teurer Jean, du des bedenke! Gelt, du dust’s for ganz gewiß? Du den alten Mann net krenke un komm erscht, wann’s dunkel is! „Awer komm’ dorchs Hinnerpörtche! Dann mei kindlich Ehrlichkeit wääs zwar des gehääme Örtche, wo der Vorderschlissel leiht; „Doch die Eltern zu betriehe, liewer Jean, sei fern von mir! — Nää! un kräg ich’s ääch verziehe — drum komm dorch die Hinnerdir. „Stolper ja net uff de Stäge, dann mei Vatter is ze Haus; du’s um seines Schlummers wege! Liewer zieh die Stiwel aus!“
Die Wacht am Rhein
von
Friedrich Stoltze.
Die Wacht am Rhei — merr hat kää Ruh, merr heert se alsfort brille. Merr wisse’s ja, zum Deiwel zu, un ääch um Gotteswille. Heint Nacht um zwelf ehrscht schlaf ich ei, da stolpern zwää voriwer un brille laut die Wacht am Rhei, so daß ich uffwach driwer. Ich haw en ääch mein Dank gezollt: ihr Männer ihr, ihr brave! Wacht ihr am Rhei, so viel derr wollt, in Frankfort laßt mich schlafe!
Die schöne Predi’
von
Karl Stieler.
Der alte Pfarrer von Waxelmoos, der hat neuli ’predigt. Ah der schießt los! Kreuzhimmelsakra — der hat’s ihna g’sagt, all Leut’ hab’n g’woant und an jeden hat’s packt, nur oaner lahnt so an der Kirchtür dran. „No“, sag i, „kann dir denn jetzt gar nix an?“[190] „Ja“, sagt er und rührt si gar nit dabei, „Ja wissen ’s, i bin nit aus dera Pfarrei!“
Bei Wörth
von
Karl Stieler.
Der Preußen-Kronprinz fragt bei Wörth an Jager von die Boarn[191], an kloan: „Warst sechsasechz’ge aa scho mit?“ „Ja,“ sagt der sell, „dös wollt i moan. „Aber dort hamma g’habt koa Glück. I glaub allweil und b’steh’s ganz laut: Hä’n Sie uns damals aa schon g’führt, na hä’n ma d’ Preußen grad so g’haut.“
A scharfer Zeug’n
von
Karl Stieler.
Beim G’richt, da ham’s zum Zeug’n g’sagt: „Du warst dabei! Jetzt sag’s, wenn[192] hast an Hans begeg’nt?“ „Um halbe drei.“ „Kunnt’s nit dreiviertel g’wesen sein? So sag’s nur frei! Auf dös kimmt jetzt dös Ganze an!“ — — „Um halbe drei!“ „Ja, geht dei Uhr denn so akkrat? So b’sinn di nur!“ „Ja,“ sagt der Zeug’n, „akkrat geht’s nit, i han koa Uhr! „Mir hat mei Lebtag neamand nie no koane g’schenkt.“ „Wie woaß’st denn na, daß’s halbe war?“ „I hab mir’s — denkt!“
Der Taubenkobel
von
Ludwig Anzengruber.
Wonn mer en Michelbauern frogt, wie er si mit sein’ Wei vatrogt[193], so tut er zun vasteh’n oam[194] geb’n, daß s’ all’ zwoa wie dö Täuberln leb’n. Do denkt a seiner G’vattersmon: „Schaugts d’r den Taubenkobel on! I siech fürs Leben gern so poor valiabti Kesstelflickerwor’[195]! „Fahrst hin zu dö zwoa glücklig’n Leut’. Es kost’t koan Haus, machst eahna d’ Freud’!“ Er setzt sich af dö Eiserbohn, mit derer kimmt mer schnell hindon. Er trifft ins Ort, jed’s Kind woas Red’, wo Michelbauers Hütt’n steht. Doch wie er klopfen will an d’ Tür, da macht’n a Spektakel irr’. Drein geht’s wie in ’ra Reitschul’ zua, es kirrt[196] a Dirn, es fluacht a Bua, a Wickelkind is a no z’hör’n, dös d’ Seel si aus ’n Leib will plärr’n. Den G’vattern aber neugiert’s groß, er druckt dö Tür schnell aus ’m G’schloß, und is am erschten Blick scho g’wiß, daß er beim Michelbauern is. Durch d’ Stuben laft a Kinderpaarl, dös gleicht ’en Eltern af a Haarl, da kloane Bua oan Borschtwisch führt, dö Dirn’ si mit oan Holzschuach wihrt[197]. Sö jag’n anander um dö Wieg’n und wonn sa si zun fassen krieg’n, so setzt’s ganz g’hörig Pläscher[198] oh. Der G’vatter schreit: „Wos treibt ’s denn do?“ Da stengen[199] s’ steif als wie dö Schrog’n[200] und wissent onfongs nix zan sog’n, donn keift es Dirndel in da Still’n: „Na, Voda-Muada tan mer spiel’n!“
Därf ih ’s Dirndl liab’n?
von
Peter Rosegger[201].
Ih bin jüngst verwich’n hin zan Pforra g’schlich’n: „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“ — „Untasteh dih nit, bei meina Seel’, wonstas[202] Dirndel liabst, so kimst in d’ Höll’!“ Bin ih vull Verlonga[203] zu da Muata gonga: „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“ „O mei liaba Schotz, es is no z’frua[204], noch funfzehn Jahrln erst, mei liaba Bua!“ War in groß’n Nöt’n, hon ih ’n Votan bet’n: „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“ „Duners Schlangl[205]!“ schreit er in sein Zurn, „willst mein’ Steck’n kost’n, konst es tuan!“ Wos is onzufonga? Bin zan Hergott gonga: „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“ „Ei jo freili,“ sogt er und hot g’locht, „weg’n an Büaberl hon ih ’s Dirndl g’mocht!“
Just und expressi nit!
von
Peter Rosegger.
Do[206] kapriziert sih ums Geld da Wirt auf da G’stät, hiazt[207] zohl ih expressi und justament nöt! Mei Weib is von Schnaunzbort drahn[208] neama ka Freind; hiazt loß ih’n expressi stean, grod weil sie greint. Won ih a por Flügerl hät, kunt fliag’n wiar a Taub’n; zan Dirndl expressi nöt, grod weil d’ Leut’ glaub’n. Ih kriagad[209] mei Nochbars Dirn leicht olli Tog; ih nim ma s’ expressi nit, weil ih nit mog. Won ih nur d’ Miazl[210] hät; de war nit schiach[211]; ih heirat s’ expressi nöt — weil ih s’ nit kriag. —
Seelenbündnis
von
Josef Willomitzer.
Ich öffne zögernd ihren Brief. Der kleine Brief, was tut er kund? Vielleicht nimmt es Mathilde schief, daß ich sie lieb’ aus Herzensgrund. Vielleicht hat sie mein Fleh’n erhört, vielleicht ist all’ mein Glück zerstört? Ich seufzte tief, bevor mein Blick das Blatt durchlief. — Sie schreibt: „Wir wollen Freunde sein wie Goethe und die Frau von Stein!“ Da ruf’ ich jubelnd: „Frisch voran! dem Glück will ich entgegenzieh’n.“ Im Flug trägt mich die Pferdebahn zu meiner Göttin Tempel hin. „Komm an mein Herz, du süßes Glück!“ ruf’ ich ihr zu. Sie weicht zurück und staunt mich an: „Wie könnt Ihr mir so stürmisch nah’n? Wir wollen doch nur Freunde sein wie Goethe und die Frau von Stein.“ Und nun erzählt sie mir genau, was sie gelernt im Pensionat vom Seelenbündnis jener Frau mit Goethe, dem Geheimen Rat, wie tadellos und einwandfrei der zarte Bund gewesen sei. — „Mathilde, schau, was du da sagst, ist mir zu blau. So wird es nicht gewesen sein, denn Goethe, der war nicht von Stein!“ Da widersprach sie hochgemut, so ging die Rede hin und her. An Worten gab es eine Flut, ein weites sturmbewegtes Meer. Es schwoll die Flut, es wuchs der Zank, bis blutig flammend die Sonne sank .... Und kurz und gut: dann küßten wir uns in Liebesglut so ganz allein im Kämmerlein wie Goethe und die Frau von Stein.
Der Bettler
von
Richard von Volkmann-Leander.
Wintertag. Die Flocken trieben durch die enge Flucht der Gassen, und hernieder von den Dächern hängen kalt und schwer die Zapfen. Aber drin im dunkeln Stübchen, wo die Mutter mit der Tochter spinnend sitzt am warmen Herde, prasselt lustig auf die Flamme und die roten Lichter wirft sie spielend auf den blanken Estrich. Horch! da klopft es an der Türe, leise klopft es, doch vernehmlich — wär’s auch nur für Mädchenohren, die versteckt im Busch der Locken lauschen und die feinsten Dinge hören auf der weiten Erde. Zögernd auf nach kurzem Säumen hebt die Jungfrau sich vom Sitze; leise auf den Zehen schreitet sie hinaus. Da steht der Liebste vor der Tür: „Um Gottes willen, geh, die Mutter ist zu Hause! Warte doch!“ Und beide Arme schlingt sie um den Hals dem Jüngling, drückt ihn an die Brust und küßt ihn. — In das Zimmer tritt sie wieder, schüttelt sich den Schnee vom Kleide. „War’s ein Bettler?“ „Ja, ein Bettler, Mütterchen, ein armer Bettler!“ „Sag, was hast du ihm gegeben?“ „Eine Kleinigkeit nur, Mutter!“ spricht das Mädchen, und errötend beugt sie sich und schürt das Feuer, daß die Flamme lohend aufschlägt, und wie goldne Mückenschwärme tanzend über ihrem Scheitel im Kamin die Funken fliegen. „Gib den Bettlern nicht zu reichlich,“ mahnt die Mutter sorgend wieder, „denn sie kommen viel zu oft.“ Schweigend rückt den Stuhl zum Herde sich das Mädchen. Schweigend greift es wieder zur verlass’nen Spindel, und wie sie im Kreise wirbelt, wiederholt es in Gedanken still die Worte: Viel zu oft!
Ein gutes Tier...
von
Wilhelm Busch.
Ein gutes Tier ist das Klavier, still, friedlich und bescheiden, und muß dabei doch vielerlei erdulden und erleiden. Der Virtuos stürzt darauf los mit hochgesträubter Mähne. Er öffnet ihm voll Ungestüm den Leib, gleich der Hyäne. Und rasend wild, das Herz erfüllt von mörderlicher Freude, durchwühlt er dann, soweit er kann, des Opfers Eingeweide. Wie es da schrie, das arme Vieh, und unter Angstgewimmer bald hoch, bald tief um Hilfe rief, vergeß ich nie und nimmer.
Fing man vorzeiten einen Dieb...
von
Wilhelm Busch.
Fing man vorzeiten einen Dieb, hing man ihn auf mit Schnellbetrieb, und meinte man, er sei verschieden, ging man nach Haus und war zufrieden. Ein Wandrer von der weichen Sorte kam einst zu solchem Galgenorte und sah, daß oben einer hängt, dem kürzlich man den Hals verlängt. Sogleich, als er ihn baumeln sieht, zerfließt in Tränen sein Gemüt. Ich will den armen Schelm begraben, denkt er, sonst fressen ihn die Raben. Nicht ohne Müh’, doch mit Geschick, klimmt er hinauf und löst den Strick; und jener, der im Wind geschwebt, liegt unten, scheinbar unbelebt. Sieh’ da, nach Änderung der Lage tritt neu die Lebenskraft zutage, so daß der gute Delinquent die Welt ganz deutlich wiederkennt. Zärtlich, als wär’s der eigne Vetter, umarmt er seinen Lebensretter, nicht einmal, sondern noch einmal, vor Freude nach so großer Qual. „Mein lieber Mitmensch,“ sprach der Wandrer, „geh’ in dich, sei hinfür ein andrer. Zum Anfang für dein neues Leben werd’ ich dir jetzt zwei Gulden geben.“ Das Geben tat ihm immer wohl. Rasch griff er in sein Kamisol, wo er zur langen Pilgerfahrt den vollen Säckel aufbewahrt. Er sucht’ und sucht’ und fand ihn nicht, und länger wurde sein Gesicht. Er sucht’ und suchte, wie ein Narr, weit wird der Mund, das Auge starr, bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt. Der Dieb verschwand im Tannenwald.
Selbstkritik
von
Wilhelm Busch.
Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich; so hab’ ich erstens den Gewinn, daß ich so hübsch bescheiden bin; zum zweiten denken sich die Leut’, der Mann ist lauter Redlichkeit; auch schnapp’ ich drittens diesen Bissen vorweg den andern Kritiküssen; und viertens hoff’ ich außerdem auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, daß ich ein ganz famoses Haus.
Er stellt sich vor sein Spiegelglas...
von
Wilhelm Busch.
Er stellt sich vor sein Spiegelglas und arrangiert noch dies und das. Er dreht hinaus des Bartes Spitzen, sieht zu, wie seine Ringe blitzen, probiert auch mal, wie sich das macht, wenn er so herzgewinnend lacht, übt seines Auges Zauberkraft, legt die Krawatte musterhaft, wirft einen süßen Scheideblick auf sein geliebtes Bild zurück, geht dann hinaus zur Promenade, umschwebt vom Dufte der Pomade, und ärgert sich als wie ein Stint, daß andre Leute eitel sind.
Es wird mit Recht ein guter Braten...
von
Wilhelm Busch.
Es wird mit Recht ein guter Braten gerechnet zu den guten Taten; und daß man ihn gehörig mache, ist weibliche Charaktersache. Ein braves Mädchen braucht dazu mal erstens reine Seelenruh’, daß bei Verwendung der Gewürze sie sich nicht hastig überstürze. Dann zweitens braucht sie Sinnigkeit, ja, sozusagen, Innigkeit, damit sie alles appetitlich, bald so, bald so und recht gemütlich begießen, drehn und wenden könne, daß an der Sache nichts verbrenne. In Summa braucht sie Herzensgüte, ein sanftes Sorgen im Gemüte, fast etwas Liebe insofern, für all die hübschen, edlen Herrn, die diesen Braten essen sollen und immer gern was Gutes wollen. Ich weiß, daß hier ein jeder spricht: Ein böses Mädchen kann es nicht. Drum hab’ ich mir auch stets gedacht zu Haus und anderwärts: Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz.
Durch das Feld ging die Familie...
von
Wilhelm Busch.
Durch das Feld ging die Familie, als mit glückbegabter Hand sanft errötend Frau Ottilie eine Doppelähre fand. Was die alte Sage kündet, hat sich öfter schon bewährt: Dem, der solche Ähren findet, wird ein Doppelglück beschert. Vater Franz blickt scheu zur Seite. Zwei zu fünf, das wäre viel. „Kinder,“ sprach er, „aber heute ist es ungewöhnlich schwül.“
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
von
Theodor Fontane.
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand, und kam die goldene Herbsteszeit, und die Birnen leuchteten weit und breit, da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl, der von Ribbeck sich beide Taschen voll, und kam in Pantinen ein Junge daher, so rief er: „Junge, wist ’ne Beer[212]?“ Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt[213] Dirn, kumm man röwer[214], ick hebb[215] ’ne Birn.“ So ging es viele Jahre, bis lobesam der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam. Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit, wieder lachten die Birnen weit und breit, da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab, legt mir eine Birne mit ins Grab.“ Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus trugen von Ribbeck sie hinaus, alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht, sangen „Jesus meine Zuversicht“, und die Kinder klagten, das Herze schwer: „He is dod nu[216]. Wer giwt uns nu ’ne Beer?“ So klagten die Kinder. Das war nicht recht, ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht, der neue freilich, der knausert und spart, hält Park und Birnbaum strenge verwahrt; aber der alte, vorahnend schon und voll Mißtraun gegen den eignen Sohn, der wußte genau, was damals er tat, als um eine Birn’ ins Grab er bat, und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus ein Birnbaumsprößling sproßt heraus. Und die Jahre gehen wohl auf und ab, längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, und in der goldenen Herbsteszeit leuchtet’s wieder weit und breit. Und kommt ein Jung’ über’n Kirchhof her, so flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“ Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn, kumm man röwer, ick gew’ di ’ne Birn.“ So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Fritz Katzfuß
von
Theodor Fontane.
Fritz Katzfuß war ein siebzehnjähr’ger Junge, rothaarig, sommersprossig, etwas faul, und stand in Lehre bei der Witwe Marzahn, die geizig war und einen Laden hatte, d’rin Hering, Schlackwurst, Datteln, Schweizerkäse, samt Pumpernickel, Lachs und Apfelsinen ein friedlich Dasein miteinander führten. Und auf der hohen, etwas schmalen Leiter mit ihren halb schon weggetret’nen Sprossen sprang unser Katzfuß, wenn die Mädchen kamen und Soda, Waschblau, Gries, Korinthen wollten, geschäftig hin und her. Ja, sprang er wirklich? Die Wahrheit zu gestehn, das war die Frage. Die Mädchen, deren Schatz oft draußen paßte, vermeinten ganz im Gegenteil, „er nöle“, sei wie verbiestert und durchaus kein „Katzfuß“. Im Laden, wenn Frau Marzahn auf ihn passe, da ging’ es noch, wenn auch nicht grad’ aufs beste, das Schlimme käm’ erst, wenn er wegen Selter- und Sodawasser in den Keller müsse, das sei dann manchmal g’rad’zu zum Verzweifeln, und wär’ er nicht solch herzensguter Junge, der nie was sage, nie zu wenig gebe, ja, meistens, daß die Wagschal’ überklappe, so wär ’s nicht zu beleben. Und nicht besser klang, was die Herrin selber von ihm sagte, die Witwe Marzahn. „Wo der dumme Junge nur immer steckt? Hier vorne muß er flink sein, doch soll er über’n Hof und auf den Boden, so dauert’s ewig, und ist gar Geburtstag von Kaiser Wilhelm oder Sedanfeier, und soll der Stock ’raus mit der preuß’schen Fahne (mein sel’ger Marzahn war nicht für die deutsche), Fritz darf nicht ’rauf — denn bis dreiviertel Stunden ist ihm das mind’ste.“ So sprach Witwe Marzahn, und kurz und gut, Fritz Katzfuß war ein Rätsel, und nur das eine war noch rätselvoller, daß, wie’s auch Droh’n und Donnerwettern mochte, ja, selbst wenn Blitz und Schlag zusammenfielen, daß Fritz nie maulte, greinte, wütend wurde. Nein, unverändert blieb sein stilles Lächeln und schien zu sagen: „Arme Kreaturen, ihr glaubt mich dumm, ich bin der Überleg’ne. Kramladenlehrling! Eure Welt ist Kram, und wenn ihr Waschblau fordert oder Stärke, blaut zu, so viel ihr wollt. Mein Blau der Himmel.“ So ging die Zeit, und Fritz war wohl schon siebzehn; ein Oxhoft Apfelwein war angekommen und lag im Hof. Von da sollt’s in den Keller. Fritz schlang ein Tau herum, und weil die Hitze groß war und drückend, was er wenig liebte, so warf er seinen Shirting-Rock beiseite, nicht recht geschickt, so daß der Kragenhängsel nach unten hing. Und aus der Vordertasche glitt was heraus und fiel zur Erde. Lautlos. Fritz merkt’ es nicht. Die Witwe Marzahn aber schlich sich heran und nahm ein Buch (das war es) vom Boden auf und sah hinein: „Gedichte. Gedichte, 1. Teil, von Wolfgang Goethe.“ Zerlesen war’s und schlecht und abgestoßen und Zeichen eingelegt: ein Endchen Strippe, Briefmarkenränder, und als dritt’ und letztes, zu glauben kaum, ein Streifchen Schlackwurstpelle, die Seiten links und rechts befleckt, befettet, und oben stand, nun was? stand „Mignonlieder“, und Witwe Marzahn las: „Dahin, dahin, möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.“ Nun war es klar. Um so was träg und langsam, um Goethe, Verse, Mignon. Armer Lehrling, ich weiß dein Schicksal nicht, nur eines weiß ich: wie dir die Lehrzeit hinging bei Frau Marzahn, ging mir das Leben hin. Ein Band von Goethe blieb mir bis heut’ mein bestes Wehr und Waffen, und wenn die Witwe Marzahn mich gepeinigt, und dumme Dinger, die nach Waschblau kamen, mich langsam fanden, kicherten und lachten, ich lächelte, grad’ so wie du gelächelt, Fritz Katzfuß, du mein Ideal, mein Vorbild. Der Band von Goethe gab mir Kraft und Leben, vielleicht auch Dünkel .. Allgenau dasselbe, nur andres Haar und — keine Sommersprossen.
Die Gaben
von
Heinrich Seidel.
Es war ein Pastor, wer weiß wo? der predigte nur leeres Stroh, und manche Klage war geschehn. Ihn selbst zu hören und zu sehn, beschloß der Superintendent. Und als die Predigt war zu End’, da mußte er bedauernd sagen: „Die Leute haben recht, zu klagen. Wie bring’ ich ihm das glimpflich bei, daß ihm das nicht zu schimpflich sei?“ Und darum fing der gute Mann ganz heimlich und verloren an: „Ich hörte Sie und war ganz Ohr. Doch, wie bereiten Sie sich vor, mein lieber Bruder, möcht ich wissen?“ Und jener drauf: „Das kann ich missen. So mancher druckst und sinnt und schreibt — ich rede, wie der Geist mich treibt!“ „Ei, ei, was sind mir das für Sachen, so könnt’ ich das fürwahr nicht machen!“ sprach nun der Superintendent. „Das wäre nicht mein Element. Am Donnerstag schon fang’ ich an und überlege mir den Plan, am Freitag wird er dann entfaltet und durchgeführt und ausgestaltet, dann schreib’ ich alles sorglich auf und lern’ es in des Samstags Lauf. Und bin dann sicher meiner Sachen — so, denk’ ich, müßt’ es jeder machen.“ Der Pastor aber schmunzelt sehr, als ob ihm stark geschmeichelt wär’. „Ja, ja, das glaub’ ich. Sicherlich kann das nicht jedermann wie ich — das muß der Mensch so in sich haben, mein lieber Bruder — das sind Gaben!“ —
Wenn die Maiglöckchen blühn
von
Heinrich Seidel.
Nun in der schönen Frühlingszeit, da singt und klingt es weit und breit, Maiglöckchen blühn im Walde. Es jauchzt im Busch die Nachtigall, und überall mit süßem Schall die Lerchen ob der Halde. Und da nun alles tönt und klingt und Gott im Himmel Lieder singt, nimmt Hänschen die Trompete, und Fritzchen steht in guter Ruh, er singt und schlägt den Takt dazu und mächtig kräht die Grete. Der liebe Gott im Himmel spricht: „Zwar allzu lieblich klingt es nicht, doch will ich drauf nicht sehen! Ein jeder macht’s so gut er kann, und hört es sich auch mäßig an, ich kann es doch verstehen!“
Bei Goldhähnchens
von
Heinrich Seidel.
Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast; sie wohnen im grünen Fichtenpalast, in einem Nestchen klein, sehr niedlich und sehr fein. Was hat es gegeben? Schmetterlingsei, Mückensalat und Gnitzenbrei und Käferbraten famos, zwei Millimeter groß. Dann sang uns Vater Goldhähnchen was. So zierlich klang’s wie gesponnenes Glas. Dann wurden die Kinder besehn; sehr niedlich alle zehn. Dann sagt’ ich: „Adieu“ und „Danke sehr“. Sie sprachen: „Bitte, wir hatten die Ehr, und hat uns mächtig gefreut!“ — ... Es sind doch reizende Leut’.
Die achtundachtziger Weine. Ein saures Stück Arbeit
von
Johannes Trojan.
In diesem Jahr am Rheine sind leider gewachsen Weine, die an Wert nur geringe, es reiften nur Säuerlinge im Verlauf dieses Herbstes; nur Herberes bracht’ er und Herbstes — zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein ließ erhofften Segen zerronnen sein, nichts Gutes floß in die Tonnen ein. Der 88er Rheinwein ist, leider Gottes, kein Wein, um Leidende zu laben, um Gram zu begraben, um zu vertreiben Trauer; er ist dafür zu sauer. An der Mosel steht es noch schlimmer, da hört man nichts als Gewimmer, nichts als Ächzen und Stöhnen von den Vätern und Söhnen, den Müttern und den Töchtern über den noch viel schlechtern Ertrag der heurigen Lese. Der Wein ist wahrhaft böse, ein Rachenputzer und Krätzer, wie unter Gläubigen ein Ketzer, wie ein Strolch, ein gefährlicher, in dem Kreise Ehrlicher unter guten Weinen erscheint er. Aller Freude ist ein Feind er, aller Lust ein Verderber; sein Geschmack ist fast noch herber als der des Essigs, des reinen — ein Wein ist er zum Weinen. Aber der Wein, der in Sachsen in diesem Jahr ist gewachsen, und bei Naumburg, im Tale der rasch fließenden Saale, der ist saurer noch viele Male als der sauerste Moselwein. Wenn du ihn schlürfst in dich hinein, ist dir’s, als ob ein Stachelschwein dir kröche durch die Kehle, das deinen Magen als Höhle erkor, darin zu hausen. Angst ergreift dich und Grausen. Aber der Grünberger ist noch sehr viel ärger. Laß ihn nicht deine Wahl sein! Gegen ihn ist der Saalwein noch viel süßer als Zucker. Er ist ein Wein für Mucker, für die schlechtesten Dichter und dergleichen Gelichter. Er macht lang die Gesichter, blaß die Wangen; wie Rasen so grün färbt er die Nasen. Wer ihn trinkt, den durchschauert es, wer ihn trank, der bedauert es. Er hat etwas so Versauertes, daß er sich nicht läßt mildern und schwer nur ist zu schildern in Worten oder Bildern. Aber der Züllichauer ist noch zwölfmal so sauer als der Wein von Grünberg. Der ist an Säure ein Zwerg gegen den Wein von Züllichau. Wie eine borstige wilde Sau zu einer zarten Taube so verhält sich, das glaube, dieser Wein zu dem Rebensaft aus Schlesien. Er ist schauderhaft, er ist gräßlich und greulich, über die Maßen abscheulich. Man sollte ihn nur auf Schächerbänken den Gästen in die Becher schenken, mit ihm nur schwere Verbrecher tränken, aber nicht ehrliche Zecher kränken. Wenn du einmal kommst in diesem Winter nach Bomst, deine Erfahrung zu mehren, und man setzt, um dich zu ehren, dir heutigen Bomster Wein vor, dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor, daß du nichts davon verschüttest und dein Gewand nicht zerrüttest, weil er Löcher frißt in die Kleider und auch in das Schuhwerk leider. Denn dieses Weines Säure ist eine so ungeheure, daß gegen ihn Schwefelsäure der Milch gleich ist, der süßen, die zarte Kindlein genießen. Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch, so fährt er mit lautem Gezisch gleich hindurch durch die Platte. Eisen zerstört er wie Watte, durch Stahl geht er wie durch Butter, er ist aller Sauerkeit Mutter. Stand halten vor diesem Sauern weder Schlösser noch Mauern. Es löst in dem scharfen Bomster Wein sich Granit auf und Ziegelstein. Diamanten werden sogleich, in ihn hineingelegt, flaumenweich, aus Platina macht er Mürbeteig. Dieses vergiß nicht, falls du kommst in diesem Winter einmal nach Bomst.
Skat
von
Johannes Trojan.
Und als an das blaue Meer ich trat, da standen drei Männer drinnen, die spielten während des Badens Skat, und einer schien zu gewinnen. Der Skat dabei auf dem Wasser schwamm, mich aber dünkte das wundersam. Und als ich kam in die Baumannshöhl’, da fand ich wider Erwarten drei Männer unten, bei meiner Seel’, dasitzend über den Karten. Die reizten einander beim Grubenlicht — ich ging davon, mir gefiel das nicht. Und als ich kam auf des Faulhorns Höh’, wohl über Klippen und Grate, da fand ich drei Männer im ewigen Schnee, die saßen schon lange beim Skate. Der eine gab schon zum hundertstenmal — da floh ich schaudernd hinab ins Tal. Es sitzen da im geheimen Rat drei strenge Richter der Toten. Sie sollen’s sein, doch sie spielen Skat, obgleich es Pluto verboten. O sagt, wohin kann der Mensch noch geh’n, um nicht drei Männer beim Skat zu seh’n?
Hasensalat
von
Johannes Trojan.
Morgens in den Garten trat Diese, klein und niedlich, saß ein Häslein im Salat, schmaust’ und tat sich gütlich. Liese sprach: „Du armes Tier, wart’ einmal, indes ich lauf’ ins Haus und hole dir zum Salat den Essig.“ Kommt zurück schon mit dem Krug — niemals lief sie schneller — Essig gießt sie jetzt genug auf den Hasenteller. „Lieselchen, ich danke dir,“ sprach der kleine Fresser, „eigentlich doch schmeckt es mir ohne Essig besser.“
Frisch vom Storch
von
Victor Blüthgen.
O du reizende Maus! Wie gefällt dir’s hier im Haus? Hast du schon den Jakob gesehn? Gelt, die Mama ist wunderschön? Habt wohl tüchtig fliegen müssen? Hat dich der Storch denn nicht gebissen? Guck, die roten Bäckchen und Ohren! Hast unterwegs wohl arg gefroren in der Luft auf der langen Reise, immerfort über Schnee und Eise! Ach, die Hündchen! Du liebe Güte! Damit hieltest du die Zuckerdüte?
Strampelchen
von
Victor Blüthgen.
Still, wie still — ’s ist Mitternacht schon, drunten beim Fenster duftet der Mohn, duftet so leise, du merkst es kaum, schläfert mein Kind in tiefen Traum. Liese, kleine Liese, tu’s Beinchen hinein! Guckt durch das Fenster der Mondenschein, sagt es den Bäumen, die draußen stehn, daß er dein nackichtes Beinchen gesehn. Früh, wenn der Wind kommt, schwatzen sie’s aus, hört es der Spatz und die Katz’ auf dem Haus, lachen die Blumen alle so sehr, weil unsre Liese ein Strampelchen wär’!
Die Geschichte von der übermütigen Mohrenprinzessin
von
Albert Roderich.
Pelusa, die Tochter des Königs der Mohren, war schwarz im Gesicht bis hinter die Ohren; sie war wie geschnitzelt aus Ebenholz und übermütig und scheußlich stolz. Sie spielte aber vortrefflich Schach und übte darin sich jeden Tag. Einst machte bekannt sie durch ihre Bonzen und auch zugleich durch Zeitungsannoncen, es könnt’ mit ihr spielen um hohen Gewinns eine Partie Schach jeder Vollblutprinz; gewinnt er, so wird sie sein Ehegesponst, verliert er, so muß er ihr dienen umsonst, muß scheuern und putzen des Schlosses Treppen, muß Holz zerspalten und Wasser schleppen. — Es waren gekommen, auf Klugheit trutzend, von Mohrenprinzen diverse Dutzend, so viele, daß ich sie einzeln nicht zähl’, zu Wasser, zu Pferde und auch zu Kamel, Pelusa besiegte sie alle im Schach, und Hausknechte wurden die Prinzen sonach. Da kam mal ein weißer, ein Prinz vom Norden — der Name ist nicht bekannt geworden — der zeigte seinen Geburtsschein und sprach: „Bitte, melden Sie mich der Prinzessin zum Schach!“ Wie die beiden einander gegenübersaßen, da gefiel er dem Fräulein über die Maßen; anstatt, daß wie sonst vorsichtig sie spielt, hat heimlich sie nach dem Prinzen geschielt. Ihre Kunst, die bewährte, ward immer geringer, jetzt nimmt ihr der Prinz schon den zweiten Springer. Die Schranzen können sich wundern nicht satt; jetzt ruft schon der eine: „Beim nächsten Zug matt!“ Da beugte der Prinz vor Pelusa das Knie und sagte: „Mein Fräulein, ich geb’ es remis!“ grüßt hübsch in der Runde verschiedene Mal und verläßt mit zierlichem Lächeln den Saal. Da glich das Antlitz der stolzen Pelusa dem Angesicht einer schwarzen Medusa, und regungslos saß sie voll Wut und Stolz, als wär’ sie geschnitzelt aus Ebenholz. Sie wartet noch heut’ auf den Prinzen vom Norden — laß sie warten, bis sie weiß geworden.
Der Junge
von
Ferdinand Avenarius.
Wer war weggegangen, wer, sag’ mir, Frau, kam wieder her? Mit roten Backen, heisassa, unsere Jugend ist wieder da! Sieht wie ein großer Junge aus, lärmt und tollt, es ist ein Graus. Sitz’ ich bei der Arbeit sacht, hängt er mir plötzlich am Hals und lacht, macht mir das, wie sich’s gehört, Verdruß, mir nichts, dir nichts, gibt’s einen Kuß. Wehr’ ich mich endlich: „Nun aber hinaus!“ schaut er auf einmal ganz anders aus, sieht mich aus den Augen verschmitzt an, daß mir’s zum Herzen blitzt, klatscht dann plötzlich in die Hand — Himmel: von Pult und Schrank und Wand von Mucken, Motten und Hummeln brummts und hinaus zum Fenster summts! „Ich bin die Jugend,“ lacht er dazu: „Das kann ich — nun duld mich, du!“ Gut, so mag’s fortan denn sein: Wir Alten, die Jugend, wir bleiben zu drei’n!
Ein Bildchen
von
Carl Spitteler.
Den Rain hinauf, mit trotzigem Alarm fuchtelt ein Kinderschwarm. „Vorwärts! Hurra!“ Hut ab! Du schaust kein Spiel. Den Himmel zu erstürmen gilt das ernste Ziel. Er ist so nah! Siehst, wie er aus dem Grase guckt dort oben? Zwei Glockentöne, leicht vom Morgenwind gehoben, kommen vergnügt und ungezwungen dahergesungen. „Wo geht denn hier der Weg?“ „Wir wollen durch den Kindersternenhaufen über den Hügel weg die lange Kirschenblütenstraße laufen.“ Gesagt. Ein Sang, ein Flug: verschwunden in den Kirschen überm Hügelzug. Der Kindersturm aber dort unten hat einen Igel gefunden. In Anbetracht dessen ist der Himmel vergessen.
Das Brückengespenst
von
Carl Spitteler.
Am Kreuzweg seufzt’ ein Brückengeist, umringt von sieben Kleinen, mit Wanderpack und Bettelsack, und alle Kleinen weinen. „Was fehlt dir, Vater? fasse Mut, erzähle mir die Märe, was dir geschah, und ob ich dir vielleicht behilflich wäre.“ Der Alte ächzt’ und wischte sich die tränenfeuchten Lider, hernach mit kummervollem Blick gab er die Antwort wieder: „Ich lebt’ als ehrliches Gespenst im trauten Uferloche friedlich am heimatlichen Fluß unter dem Brückenjoche. Ach! war das eine schöne Zeit! Die Brücke war in Stücken, zwei Balken fehlten, einer wich, die andern hatten Lücken, der Mittelpfosten schaukelte und tanzte vor Vergnügen; kurz, selbst der strengsten Forderung konnte der Bau genügen. Und da einmal Gespensterpflicht erfordert, wen zu necken, so wählten wir die Profession, die Pferde zu erschrecken. ’s ist eine angestammte Kunst vom Urgroßvater ferne, und wenn wir drinnen Meister sind, das macht: wir tun’s halt gerne. Zwar so ein Gaul am Wägelein und solche kleine Dinge — bewahr’! dergleichen lockt uns nicht, das war uns zu geringe; dagegen eine Jagdpartie, ein Picknick meinetwegen auf heißen Rasserossen! Hah! da lohnte sich’s hingegen! Man ließ das Trüpplein ungestört tripp trapp im muntern Schritte, mit Scherz und Sang tralli tralla bis auf die Brückenmitte. Dann, auf mein Zeichen, ging es los: verborgen im Gebälke, eröffneten zugleich den Krieg die sieben süßen Schälke. Der Leopold, der Barnabas, der Klaus, der Sakranitsche klatschten den Pferden um die Knie mit Latten und mit Pritsche. Der Wenzel zerrte sie am Schweif, der Philipp, nach den Regeln, wippt’ ihnen Balken an den Bauch, die kitzelten mit Nägeln. ‚Ich komme auch!‘ rief Fridolin, ‚wart’ doch! nicht solche Eile!‘ nahm hurtig einen Span und stieß und stach die Hinterteile. War das ein Wirrwarr und Geschrei! Das hätt’st du sehen sollen! Vor Angst und Aufruhr wußte keins, ob vor- ob rückwärtswollen. Und war nun alles unterobs, dann fuhr ich wie der Teufel haushoch hervor mit „Holdridu“. Da schwand der letzte Zweifel. Links, rechts hinunter in den Fluß, plumps über das Geländer. Und lustig schwammen Sonnenschirm’ und Strohhüt’ und Gewänder. „Ach Gott! was schwatz’ ich unnütz da! Das sind vergang’ne Zeiten! Es geht jetzt alles mit Benzin, vorüber ist das Reiten. Ein Maultier von Gemeinderat — man sollt’ ihn „Unrat“ heißen — ließ all’ die schöne Herrlichkeit vandalisch niederreißen. Statt des elastischen Gebälks glotzt eine starre Mauer. Ach was! was weiß von Pietät und Heimatschutz ein Bauer. Der kennt nur seinen Marktverkehr und seine Dorfint’ressen. Ich aber irre seither nun verstoßen und vergessen mit meinen Kindern durch die Welt, ob ich vielleicht am Ende für sie — ich denk’ ja nicht an mich — Arbeit und Stellung fände. Ansprüche, große, mach’ ich nicht, sei’s eine hohle Eiche, ein Kirchhof, ein verwunsch’nes Schloß, es ist mir ganz das gleiche, ich selber würde unterdes etwa bei Spiritisten als Klopfgeist oder Gabriel zunächst mein Leben fristen. ’s ist furchtbar schwierig heutzutag’ für körperlose Seelen! Drum falls du jemals etwas weißt, so möcht’ ich mich empfehlen.“
Bruder Liederlich
von
Detlev von Liliencron.
Die Feder am Sturmhut in Spiel und Gefahren, Halli. Nie lernt ich im Leben fasten, noch sparen, Hallo. Der Dirne laß ich die Wege nicht frei, wo Männer sich raufen, da bin ich dabei, und wo sie saufen, da sauf’ ich für drei. Halli und Hallo. Verdammt, es blieb mir ein Mädchen hängen, Halli. Ich kann sie mir nicht aus dem Herzen zwängen, Hallo. Ich glaube, sie war erst sechzehn Jahr’, trug rote Bänder im schwarzen Haar und plauderte wie der lustigste Staar. Halli und Hallo. Was hatte das Mädel zwei frische Backen, Halli. Krach, konnten die Zähne die Haselnuß knacken, Hallo. Sie hat mir das Zimmer mit Blumen geschmückt, die wir auf heimlichen Wegen gepflückt, wie hab ich dafür ans Herz sie gedrückt. Halli und Hallo. Ich schenkt ihr ein Kleidchen von gelber Seiden, Halli. Sie sagte, sie möcht’ mich unsäglich gern leiden, Hallo. Und als ich die Taschen ihr vollgesteckt mit Pralinés, Feigen und feinem Konfekt, da hat sie von morgens bis abends geschleckt. Halli und Hallo. Wir haben superb uns die Zeit vertrieben, Halli. Ich wollte, wir wären zusammen geblieben, Hallo. Doch wurde die Sache mir stark ennuyant, ich sagt’ ihr, daß mich die Regierung ernannt, Kamele zu kaufen in Samarkand. Halli und Hallo. Und als ich zum Abschied die Hand gab der Kleinen, Halli. Da fing sie bitterlich an zu weinen, Hallo. Was denk ich just heut’ ohn’ Unterlaß, daß ich ihr so rauh gab den Reisepaß ... Wein her, zum Henker, und da liegt Trumpf Aß. Halli und Hallo.
Die Musik kommt
von
Detlev von Liliencron.
Klingling, bumbum und tschingdada, zieht im Triumph der Perserschah? Und um die Ecke brausend bricht’s wie Tubaton des Weltgerichts, voran der Schellenträgen. Brumbum, das große Bombardon, der Beckenschlag, das Helikon, die Pikkolo, der Zinkenist, die Türkentrommel, der Flötist, und dann der Herre Hauptmann. Der Hauptmann naht mit stolzem Sinn, die Schuppenketten unterm Kinn, die Schärpe schnürt den schlanken Leib, beim Zeus! Das ist kein Zeitvertreib, und dann die Herren Leutnants. Zwei Leutnants, rosenrot und braun, die Fahnen schützen sie als Zaun, die Fahne kommt, den Hut nimm ab, der bleiben treu wir bis ans Grab, und dann die Grenadiere. Der Grenadier im strammen Tritt, in Schritt und Tritt und Tritt und Schritt, das stampft und dröhnt und klappt und flirrt, Laternenglas und Fenster klirrt, und dann die kleinen Mädchen. Die Mädchen alle, Kopf an Kopf, das Auge blau und blond der Zopf, aus Tür und Tor und Hof und Haus schaut Mine, Trine, Stine aus, vorbei ist die Musike. Klingling, tschingtsching und Paukenkrach, noch aus der Ferne tönt es schwach, ganz leise bumbumbumbum tsching, zog da ein bunter Schmetterling, tschingtsching, bum, um die Ecke?
Ich und die Rose warten
von
Detlev von Liliencron.
Vor mir auf der dunkelbraunen Tischdecke liegt eine große hellgelbe Rose. Sie wartet mit mir auf die Liebste, der ich ins schwarze Haar sie flechten will. Wir warten schon eine Stunde. Die Haustür geht. Sie kommt, sie kommt. Doch herein tritt mein Freund, der Assessor; geschniegelt, gebügelt, wie stets. Der Assessor, ein Streber, will Bürgermeister werden. Gräßlich sind seine Erzählungen über Wahlen, Vereine, Gegenpartei. Endlich bemerkt er die Blume, und seine gierigen, perlgrauglacébehandschuhten Hände greifen nach ihr: „Äh, süperb! Müssen mir geben fürs Knopfloch.“ „Nein!“ ruf ich grob. „Herr Jess’ noch mal, sind heut’ nicht in Laune, denn nicht. Empfehl’ mich Ihnen. Sie kommen doch morgen in die Versammlung?“ Ich und die Rose warten. Die Haustür geht. Sie kommt, sie kommt. Doch herein tritt mein Freund, Herr von Schnelleben. Unerträglich langweilig sind seine Erzählungen über Bälle und Diners. Endlich bemerkt er die Blume. Und seine bismarckbraunglacébehandschuhten Hände greifen nach ihr: „Ah, das trifft sich, brauch’ ich nicht erst zu Bünger. Hinein ins Knopfloch. Du erlaubst doch?“ „Nein!“ schrei ich wütend. „Na, aber, warum denn so ausfallend, bist heut’ nicht in Laune. Denn nicht. Empfehl’ mich dir.“ Ich und die Rose warten. Die Haustür geht. Sie kommt, sie kommt. Doch herein tritt mein Freund, der Dichter. Der bemerkt sofort die hellgelbe. Und er leiert ohn’ Umstände drauf los: „Die Rose wallet am Busen des Mädchens, wenn sie spät abends im Parke des Städtchens gehet allein im mondlichen Schein ...“ „Halt ein, halt ein!“ „Was ist dir denn, Mensch. Aber du schenkst mir doch die Blume? Ich will sie mir ins Knopfloch stecken.“ Und gierig greift er nach ihr. „Nein!“ brüll’ ich wie rasend. „Aber was ist denn? Bist heut’ nicht in Laune. Denn nicht. Empfehl’ mich dir.“ Ich und die Rose warten. Die Haustür geht. Sie kommt, sie kommt. Und — da ist sie. „Hast du mich aber lange lauern lassen.“ „Ich konnte doch nicht eher ... Oh, die Rose, die Rose.“ „Hut ab erst. Stillgestanden! Nicht gemuckst. Kopf vorwärts beugt!“ Und ich nestl’ ihr die gelbe Rose ins schwarze Haar. Ein letzter Sonnenschein fällt ins Zimmer über ihr reizend Gesicht.
Auf der Kasse
von
Detlev von Liliencron.
Heute war ich zur Kasse bestellt, dort läge für mich auf dem Zahltisch Geld. Waren’s auch nur drei Mark und acht, hinein in den Beutel die fröhliche Fracht. Auf der Kasse die Zähler und Schreiber, die Pfennigumdreher und Steuereintreiber, wie sie kalt auf den Sitzböcken tronen, sichten das Gold wie Kaffeebohnen. Möchte doch lieber Zigeuner sein, als Mammonbeschnüffler im güldenen Schrein. Im Bureau ist jeder zu warten schuldig, stand ich denn auch eine Stunde geduldig. Dacht’ ich mir plötzlich, mit Verlaub, wären doch alle hier blind und taub. Der Geldschrank steht offen, rasch wie der Pfiff, tät ich hinein einen herzhaften Griff, packte mir berstvoll alle Taschen, machte mich schleunigst auf die Gamaschen, nähme Schritte wie zwanzig Meter. Hinter mir der Gendarm mit Gezeter, brächt’ mich nicht ein, so sehr er auch liefe, säß auf der schnellsten Lokomotive. Mit der Verwendung des Geldes, nun ... bin ich doch kein blindes Huhn. Stolziert’ umher wie der König von Polen, suchte mir bald ein Bräutchen zu holen. So ein Mädchen mit blanken Zöpfen könnt’ ich wahrhaftig vor Liebe köpfen. Vor dem Spiegel, auf hohen Zehen, stehn wir, wer größer ist, zu sehen. Ach, diese Nähe! Den Puls ihres Lebens fühl’ ich im Spiele des neckischen Strebens. Weiter, natürlich Wagen und Pferde, Länder und Leute, Himmel und Erde. Tausend, wie will ich mich amüsieren ... „Bitte, wollen Sie hier quittieren.“ O, wie das nüchtern und eisig klang. Nahm die drei Mark und acht in Empfang, trank bescheiden ein Krüglein Bier, trollte nach Hause, ich armes Tier, schalt meine Frau mich bis spät in die Nacht, daß ich so wenig Geld gebracht.
Trin
von
Detlev von Liliencron.
Mit Nadel un Tweern[217] keem de lütt Deern[218]. As[219] se mi nu den utneiten Knoop anneiht[220], un so flink de Finger ehr geiht, un se so neech bi mi steiht[221], denk ick, wat kann dat sien[222], man to, un ick gev ehr’n Söten[223], hallo, hallo. Auk, har ick een weg, un dat wem Släg[224], datt ick glieks dat Jammern kreeg[225], do kiekt se mi ganz luri[226] an; „häv ick wehdahn? min leve[227] Mann?“ „Ja,“ segg ick, un ganz sachen[228] fat ick se üm, greep frischen Moot[229], un nu güngt ja allns up eenmal got. As se gung, seg ick: „Lütt Deern, kumms ock mal weller[230] mit Nadel un Tweern?“ „Ja geern!“
Der Handkuß
von
Detlev von Liliencron.
Viere lang, zum Empfang, vorne Jean, elegant, fährt meine süße Lady. Schilderhaus, Wache ’raus. Schloßportal, und im Saal steht meine süße Lady. Hofmarschall, Pagenwall. Sehr graziös, merveillös knixt meine süße Lady. Königin, hoher Sinn, ihre Hand, interessant, küßt meine süße Lady. „Nun, wie war’s heut’ bei Zars?“ „Ach, ich bin noch ganz hin,“ haucht meine süße Lady. Nach und nach, allgemach, ihren Mann wieder dann kennt meine süße Lady.
Hans der Schwärmer
von
Detlev von Liliencron.
Hans Töffel liebte schön’ Doris sehr, schön Doris Hans Töffel vielleicht noch mehr. Doch seine Liebe, ich weiß nicht wie, ist zu scheu, zu schüchtern, zu viel Elegie. Im Kreise liest er Gedichte vor, schön Doris steht unten am Gartentor: „Ach, käm er doch frisch zu mir hergesprungen, wie wollt ich ihn herzen, den lieben Jungen.“ Hans Töffel liest oben Gedichte. Am andern Abend, der blöde Tor, Hans Töffel trägt wieder Gedichte vor. Schön Doris das wirklich sehr verdrießt, daß er immer weiter und weiter liest. Sie schleicht sich hinaus, er gewahrt es nicht, just sagt er von Heine ein herrlich Gedicht. Schön Doris steht unten in Rosendüften und hätte so gern seinen Arm um die Hüften. Hans Töffel liest oben Gedichte. Am andern Abend ist großes Fest, viel Menschen sind eng aneinander gepreßt. Heut muß er’s doch endlich sehn, der Poet, wenn schön Doris sacht aus der Türe geht. Der Junker Hans Jürgen, der merkt es gleich, die Linden duften, die Nacht ist so weich. Und unten im stillen, dunklen Garten braucht heute schön Doris nicht lange zu warten. Hans Töffel liest oben Gedichte. —
Lebensjuchzer
von
Detlev von Liliencron.
— — — — — — — — — — — — Darum, nach vollbrachter Tagespflicht, stülp’ ich mir meinen alten Filzhut auf, mit der unscheinbaren Sperberfeder dran, stecke mir einige blaue Scheine ein, trumpfe auf den Tisch, und alle nüchternen Gewohnheitsunkenseelen tief bedauernd, ruf’ ich voll kommender Freude: „Nu wüllt wi uns ook mal fix ameseern!“
Betrunken
von
Detlev von Liliencron.
Ich sitze zwischen Mine und Stine, den hellblonden hübschen Friesenmädchen, und trinke Grog. Die Mutter ging schlafen. Geht Mine hinaus, um heißes Wasser zu holen, küß’ ich Stine. Geht Stine hinaus, um ein Brötchen mit aufgelegten kalten Eiern und Anchovis zu bringen, küß’ ich Mine. Nun sitzen wieder beide neben mir. Meinen rechten Arm halt’ ich um Stine, meinen linken um Mine. Wir sind lustig und lachen. Stine häkelt, Mine blättert in einem verjährten Modejournal. Und ich erzähl’ ihnen Geschichten. Draußen tobt, höchst ungezogen, unser guter Freund, der Nordwest. Die Wellen spritzen, es ist Hochflut, zuweilen über den nahen Deich und sprengen Tropfen an unsre Fenster. Ich bin verbannt und ein Gefangener auf dieser vermaledeiten einsamen kleinen Insel. Zwei Panzerfregatten und sechs Kreuzer spinnen mich ein. Auf den Wällen wachen die Posten, und einer ruft dem andern zu, durch die hohle Hand, von Viertel- zu Viertelstunde, in singendem Tone: „Kamerad, lebst du noch?“ Wie wohl mir wird. Alles Leid sinkt, sinkt. Mine und Stine lehnen sich an meine Schultern. Ich ziehe sie dichter und dichter an mich heran. Denn im Lande der Hyperboreer, wo wir wohnen, ist es kalt. Ich trank das sechste Glas. Ich stehe draußen an der Mauer des Hauses, barhaupt, und schaue in die Sterne: der winzige, matt blinkende, grad über mir, ist der Stern der Gemütlichkeit, zugleich der Stern der äußersten geistigen Genügsamkeit. Der nah daneben blitzt, der große, feuerfunkelnde, ist der Stern des Zorns. Welten-Rätsel. Die Welt — das Rätsel der Rätsel. Wie mir der Wind die heiße Stirn kühlt. Angenehm, höchst angenehm. Ich bin wieder im Zimmer. Ich trinke mein achtes Glas Nordnordgrog. Kinder, erklärt mir das Rätsel der Welt. Aber Mine und Stine lachen. Das Rätsel, bitt’ ich, das Rätsel der Welt. Ich trinke das zehnte Glas. Tanzt, Kinder, tanzt, ich bin der Sultan, ihr seid meine Georgierinnen, ich liebe euch, geht mit mir zu Bett. Ich kann nicht tanzen mehr? Wie sagte doch der Sultan im Macbeth? Ich meine Shakespeare: Trunkenheit reizt zur Liebe, aber die Beine, oder was sagte er, möchten gern, aber sie können nicht. Mädchens, unterstützt mich, hebt mich, ich will eine Rede reden: Die Welt ist das Tal der Küsse, die Welt ist der Berg des Kummers, die Welt ist das Wasser der Flüssigkeit, die Welt ist die Luft des Unsinns. Was sagte ich? Ich setze mich. Noch ein Glas Grog. Vorwärts! Die Langeweile, verzeiht, Mächens, an eurer Seite, schändlich, das zu sagen, die Welt ist das Tal, das, das Tal der Langenweile. Jetzt ist Macbeth, ich lieb’ euch, Mächens, ich bin der Sultan, gebt mir Panterfelle. Die Sklaven, die Sklaven her! Zum Donner, wo bleiben die Schufte! Auf mein Lager tragt mich. Ich will schlafen. So, Macbeth, tanzen, tan—zen. gu’ Nacht, ich wer’ mü—de, gu’ Nach ... Wie—e?
Lumpenlied
von
Cäsar Flaischlen.
Für einen Trupp Karnevalmusikanten.
Melodie: „Da streiten sich die Leut’ herum“ oder „Wenn ich an meinem Amboß steh!“ Refrain gepfiffen. Ich bin ein armer Be—Bi—Ba— Bo—Bettelmusikant, doch kreuzfidel stets pe—pi—pa — po—pump ich mich durchs Land; zu spielen gibt’s allüberall, baar Geld nur leider keins, und dennoch bleib ich, was ich bin, und pfi—pfa—pfeif mir eins! Ob hier, ob dort, was verfa—fe— was verfo—fu—verfichts! ein Künstler kam sein La—Li—Le— Lo—Lebtag noch zu nichts! Und da dies ’mal jedweder Kunst betrübter Erdenlauf, so plag dich nicht umsi—sa—sunst und pfi—pfa—pfeif darauf! Auch ich hab einst von Ra—Re—Ri— von Ri—Ro—Ruhm geträumt und hab damit mich ma—me—mi— mu—mächtiglich geleimt! Drum nahm ich einen Nagel und — und hing den Kram dran auf und wurde Vi—Va—Vagabund und pfi—pfa—pfoff darauf! Ein Bettelmusike—ki—ko— ku—kant ist auch nicht schlecht und wer einmal ein Le—Li—Lo— La—Lump ist, sei’s auch recht! Zum Mi—Ma—Millio—nö—nü—när, bringt doch von uns es keins, drum bleib ich, was ich bi—ba—bin und pfi—pfa—pfeif mir eins! (Applausstrophe.) Wir machen unsern Di—Da—Du— Do—Dank dem Publiko: es bleib wie wir stets kri—kra—kru— kro—kreuzfidel und froh! Ein Mensch, der keinen Spaß versteht, merkt euch zum Schli—Schla—Schluß, bleibt ewiglich ein Rha—Rhe—Rhi— Rho—Rhu—Rhinozeruß! (Refrain und währenddessen im Gänsemarsch abziehend.)
Gigerlette
von
Otto Julius Bierbaum.
Fräulein Gigerlette lud mich ein zum Tee. Ihre Toilette war gestimmt auf Schnee; ganz wie Pierette war sie angetan. Selbst ein Mönch, ich wette, sähe Gigerlette wohlgefällig an. War ein rotes Zimmer, drin sie mich empfing, gelber Kerzenschimmer in dem Raume hing. Und sie war wie immer Leben und Esprit. Nie vergeß’ ich’s, nimmer: weinrot war das Zimmer, blütenweiß war sie. Und im Trab mit Vieren fuhren wir zu zweit in das Land spazieren, das heißt Heiterkeit. Daß wir nicht verlieren Zügel, Ziel und Lauf, saß bei dem Kutschieren mit den heißen Vieren Amor hinten auf.
Münchner Studentenlied
von
Otto Julius Bierbaum.
Ein Geschpusi muß ich haben! Alles wankt, doch das steht fest: So ein liebes, kleines Mädchen, das sich gerne haben läßt, ein Geschpusi muß ich haben! Denn ich bin nun so geschaffen, daß ich Mädchen lieben muß; nulla dies sine linea heißt: kein Tag sei ohne Kuß; denn ich bin nun so geschaffen. Ach, so was im Arm zu haben, Mund an Mund und Brust an Brust, dafür laß ich alle Alten, Cäsar, Cicero, Sallust ... Ach, so was im Arm zu haben! Zwar ich habe nur ein Zimmer, und das Zimmer ist sehr klein, doch es können darin zweie ganz unbändig glücklich sein, in dem einen kleinen Zimmer. Also komm und laß nicht warten! Auf dem Tisch steht schon ein Strauß, und das kahle kleine Zimmer sieht heut ganz verwegen aus. Also komm und laß nicht warten!
Das Häslein
von
Christian Morgenstern.
Unterm Schirme, tief im Tann, hab’ ich heut’ gelegen, durch die schweren Zweige rann reicher Sommerregen. Plötzlich rauscht das nasse Gras — Stille! nicht gemuckt! — Mir zur Seite duckt sich ein junger Has’ ... Dummes Häschen, bist du blind? Hat dein Näschen keinen Wind? Doch das Häschen unbewegt, nutzt, was ihm beschieden, Ohren, weit zurückgelegt, Miene, schlau zufrieden. Ohne Atem lieg’ ich fast, laß die Mücken sitzen: still besieht mein kleiner Gast meine Stiefelspitzen ... Um uns beide — tropf — tropf — tropf — traut eintönig Rauschen ... Auf dem Schirmdach — klopf — klopf — klopf ... und wir lauschen ... lauschen ... Wunderwürzig kommt ein Duft durch den Wald geflogen; Häschen schnubbert in die Luft, fühlt sich fortgezogen; Schiebt gemächlich rückwärts, macht Männchen aller Ecken ... Herzlich hab ich aufgelacht —: Ei, der wilde Schrecken!
Die arme kleine Idee
von
Otto Sommerstorff.
Es war einmal eine kleine Idee, ein armes, schmächtiges Wesen — da kamen drei Dichter des Weges — o weh —! und haben sie aufgelesen. Der eine macht’ einen Spruch daraus — das hielt die kleine Idee noch aus; der zweite eine Ballade — da wurde sie schwach und malade; der dritte wollt’ sie verwenden zu einem Roman in zwei Bänden — dem starb sie unter den Händen! —
Der Nebenbuhler
von
Hugo Salus.
So eine kleine Frau, wie keusch sie sei, was Gefährliches ist doch immer dabei; aus ihrer Seele geheimstem Grunde sprach meine heut’ mit ruhigem Munde: „Wenn Goethe noch lebte in unsern Tagen, Goethe könnte ich nichts versagen. Er ist so herrlich, so über die Maaßen, möcht’ mich in Demut ihm überlassen, möcht’ gar nicht denken, so er mich wollte, ob ich sollte oder nicht sollte, ich wäre sein, von Herzen sein.“ So sprach sie sich in die Verzückung hinein, indes ich armer, betrogener Gatte meine neidische dunkle Minute hatte. Dann aber seufzte ich vor mich hin: „Heil mir, daß ich ein Enkel bin.“
Fuchsenglück
von
Ludwig Jacobowski.
Zum erstenmal das Fuchsenband! Das ist ein Tag der Weihe. Ich geh’ noch außer Rand und Band und habe Mut für dreie. Die Mädels schaun mich freundlich an, das nimmt mich gar nicht wunder. Denn ein Philister ist kein Mann, das lebt so ’rum als Plunder. Was ist das Leben eine Pracht, bis in die Fingerspitze! Am liebsten ging ich heute Nacht zu Bett mit Band und Mütze.
Jüngster Frühling
von
Ludwig Jacobowski.
Nun kommt der Frühling doch Jahr für Jahr, dasselbe Blühen, wie’s immer war, von Kindern sind Plätze und Straßen voll, man weiß nicht mehr, wo man treten soll. Die Mädchen glühen vor lauter Glück, heller die Kleider und heller der Blick, und blitzt wo ein Zöpflein im Sonnenschein, da fängt es sich wohl einen Knaben ein. Und hoch aus des Himmels seligem Feld geht ein Leuchten über die Welt ... Wohl seh’ ich das alles in jedem Jahr, doch schwör’ ich, daß es nie schöner war, als gerade in diesem, in diesem Jahr.
Sonntag Nachmittag
von
Ludwig Jacobowski.
Straße glatt wie ausgefegt; selten poltert noch ein Wagen; Knaben nur, die unentwegt ihre Bronze-Reifen schlagen. Vogelruf in blauer Luft — kleine Wölkchen, weiß wie Seide — Mädchen, das der andern ruft, und schon schwatzen beide. Und nun stehn sie vor der Tür, überm Busen straff die Schürze, und ein langer Grenadier nebenan als Sonntagswürze! Daß er’s grade auf Marie, meine Wäsch’rin, abgesehen, freut mich sehr, je öfter sie beieinander stehen. Schultern breit und Taille schmal, Arme, die das Kleid zerreißen; er wie ein Laternenpfahl und kann sicher Steine beißen. Ach, das gäb’ ein gutes Paar! Daß sie Gott zusammenführe! Segen käm’ da Jahr für Jahr — unser Land braucht Grenadiere.
Peter Lügenmaul spricht:
von
Carl Busse.
Jungens, Jungens! Hinter den Hecken, wo sich im Frühjahr die Veilchen verstecken, ja, was liegt da ein putziger Käfer: ein Haulemännchen, ein Siebenschläfer! Sein weißer Bart mißt gut eine Elle, ist ebenso lang, wie der ganze Geselle. Am Rock die Knöpfe blitzen wie Sternchen, vorn im Gürtel steckt ein Laternchen, dazu noch die Kappe von rotem Tuch — genau wie die Wichtlein im Märchenbuch! Das ist auch kein andrer, das ist Zwerg Purzel, wohnt des Tages unter der Wurzel; aber bei Mond und Sternenschein gold’ne Schätze sammelt er ein. Weil ihm die Arbeit heut’ nicht geschmeckt, hat er zum Schläfchen sich ausgestreckt. Nun lacht schon die Sonne mit goldenem Schimmer, aber, was meint ihr? er schnarcht noch immer! Da bin ich verstohlen, mit Herzepochen, ihm durch die Büsche nähergekrochen, bis daß im Grünen am hellen Tag die kleine Schlafmütz’ vor mir lag. Schon hatt’ ich den feinsten Plan erdacht, wie man ihn fängt und dienstbar macht — da flog eine Mücke aus hohem Grase ihm grad’ auf die Nase! Nun hat er sich faul gedehnt und gerührt, hat wohl im Auge die Sonne gespürt. „Hatschi!“ — Gar fängt er zu niesen an. — „Gesundheit, lieber Herr Haulemann!“ Verschlafen reckt er noch einmal die Glieder, zupft am Barte und reibt die Lider; dann hat er behaglich die Blüten gekippt, zum Morgentrank den Tau genippt, so ist dem Schlemmer der himmlische Bronnen grad’ aus den Kelchen ins Maul geronnen! Da hab’ ich mich heimlich fortgedreht, daß ihr Herrn Purzel beim Frühstück seht. Und wenn ich auch Peter, das Lügenmaul, bin, ihr könnt es mir glauben: Kommt mit ... geht hin! Nur leise, leise, ... auf Zehenspitzen! Jetzt noch drei Schritte, dann seht ihr ihn sitzen ... Da ...! — Tausend, das sah ich doch vorher kommen: Jungens, er hat Reißaus genommen!
St. Niklas’ Auszug
von
Paula Dehmel.
St. Niklas zieht den Schlafrock aus, klopft seine lange Pfeife aus und sagt zur heiligen Kathrein: „Öl mir die Wasserstiefel ein, bitte, hol auch den Knotenstock vom Boden und den Fuchspelzrock; die Mütze lege oben drauf, und schütt dem Esel tüchtig auf, halt auch sein Sattelzeug bereit; wir reisen, es ist Weihnachtszeit. Und daß ich’s nicht vergeß, ein Loch ist vorn im Sack, das stopfe noch! Ich geh derweil zu Gottes Sohn und hol mir meine Instruktion.“ Die heil’ge Käthe, sanft und still, tut alles, was St. Niklas will. — Der klopft indes beim Herrgott an; St. Peter hat ihm aufgetan und sagt: „Grüß Gott! wie schaut’s denn aus?“ Und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus. Da sitzen die Englein an langen Tischen, ab und zu Feen dazwischen, die den kleinsten zeigen, wie’s zu machen, und weben und kleben die niedlichsten Sachen, hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern, fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern, packen die Schachteln, binden sie zu und haben so glühende Bäckchen wie du! Herr Jesus sitzt an seinem Pult und schreibt mit Liebe und Geduld eine lange Liste. Potz Element, wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt! Die sollen die schönen Engelsgaben zu Weihnachten haben. Was fertig ist, wird eingesackt und auf das Eselchen gepackt. St. Niklas zieht sich recht warm an — Kinder, er ist ein alter Mann, und es fängt tüchtig an zu schnei’n, da muß er schon vorsichtig sein! So geht es durch die Wälder im Schritt, manch Tannenbäumchen nimmt er mit, und wo er wandert, bleibt im Schnee manch’ Futterkörnchen für Hase und Reh. Leise macht er die Türen auf, jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf: „St. Niklas, St. Niklas, was hast du gebracht? Was haben die Englein für uns gemacht?“ „Schön Ding! Gut Ding! aus dem himmlischen Haus! Langt in den Sack! Holt euch was ’raus!“
Philisterglück
von
Anna Ritter.
Gestern standen sie im Blättchen als Verlobte. Heut’, zur Stunde der Visiten, wird die Runde abgegangen durch das Städtchen. — Freudig warten schon die Tanten. — Er im Gehrock, sie in Seide, sittsam lächelnd alle beide, mit gewinnenden Manieren führen sie ihr Glück spazieren zu den Freunden und Verwandten! Hinter ihnen wandelt Amor .... Amor — wirklich? Baß erschrocken seh’ ich ihn: ist das der böse, hübsche, kecke Liebesbengel? Fein und sittsam wie ein Engel schreitet er, die goldnen Locken glatt gescheitelt, voll Pomade. Samtne Pluderhosen decken tugendhaft des Bübchens Blöße, und die kleinen Füße stecken bis zur rundlich festen Wade ehrbar in gestrickten Socken! Schade —!
Gekränkte Unschuld
von
Anna Ritter.
Ein Rad gebrochen! — Da liegt das Heu ... Da liegt der Wagen ... und nebenbei ein blasses, schmächtiges Dirnchen steht, das heulend die Zipfel der Schürze dreht. „Was willst denn?“ Ich streichle ihm sanft das Gesicht. Da zeigt’s auf den riesigen Wagen und spricht, das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen: „Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen.“
Annesmeert[231]
von
Lulu von Strauß und Torney.
Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt, er hockt am Ofen im Stuhl gebückt, von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen, zahnlos der Mund und spärlich das Haar, auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr. Und neben ihm in den Wiegenkissen ein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum, ein Stückchen Leben, drei Tage kaum. Steht vor den beiden ein kleiner Wicht, weißblond der Krauskopf und derb die Glieder, der beugt sich über das Bettchen nieder und guckt und schneidet ein kraus Gesicht: „Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor, Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“ Der Alte streicht sich den weißen Bart, „dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward. Nu lop[233] man hen!“ Der Junge bleibt stehn. „Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“ Der Alte knurrt nur halb grämlich müd. „De wasset[235] ok noch, dat het noch Tid[236].“ Die braune erdige Bubenpfote tippt auf das Köpfchen, das runzlich rote, und rückt die Wiege ins grelle Licht: „Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“ Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt, die Fliegen summen, die Wanduhr tickt, der Blondkopf trottet zur Türe stumm, doch auf der Schwelle dreht er sich um, er zieht das Gesicht in wichtige Falten und blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten: „Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert, ick glöv, mit den sünd wi annesmeert, de het jo’n Gesicht just sao as din, dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“
Ein Kontertanz
von
Carl Müller-Rastatt.
Im Saal voll Pracht und Lichterglanz lädt die Musik zum Kontertanz. Es stehen in der Tänzer Reihn ein Jüngling und ein Jungfräulein: Compliment! „Hier fände ich mein Glück vielleicht!“ Der Jüngling denkt’s und sinnt und schweigt. Und schweigend denkt das Mägdelein: „Soll dieser wohl der Rechte sein?“ Balancez! Die Augen beider grüßen sich. Dem Jüngling wird so seltsamlich. Der Jungfrau Busen hebt sich bang. Mir scheint: die Sache kommt in Gang. Tour de main! Dem Frieden trauen soll man nie! Die Dame seines Vis-a-vis beäugt den Jüngling höchst kokett. „Sieh!“ denkt er, „die ist auch recht nett!“ Chaîne anglaise! Mit Staunen sieht die Jungfrau an den bösen, wankelmütigen Mann. Und allsogleich sie bei sich spricht: „Der Rechte ist das wieder nicht!“ Dos-à-dos! Der Jüngling merkt, daß sie sich grämt, geht in sich und ist tief beschämt. Er macht sich schnell zum Sturm bereit, daß er versöhnt die holde Maid. Le cavalier en avant! Er schneidet ihr mit Macht die Cour und schwört, daß sie alleine nur die Sehnsucht seiner Träume stillt. In ihrem Busen wogt es wild: Moulinet! Sie glaubte gern und zaudert doch. Da wird er ungestümer noch und fängt sie endlich glücklich ein. Sie flüstert schämig: „Ich bin dein.“ En avant deux! Er küßt, in heißer Lieb’ entbrannt, verstohlen ihre kleine Hand und spricht: „Ob’s stürmt, ob Sonne scheint, wir ziehn durchs Leben nun vereint!“ Grande ronde!
Qui pro quo
von
Dr. Owlglaß.
Heute griff ich hinter meinen Kasten, wo die Leier der Gefühle schwebt, neben der mit schwarz-rot-goldnen Quasten meine alte Tubakspfeife klebt. Zwar — dies will ich lieber gleich gestehen — tat ich’s zweifelhäftigen Gesichts: von des Geistes heiligem Flügelwehen spürt’ ich nämlich wenig oder nichts. Doch ich sprach: „Wozu die innren Stimmen? Soll ich warten, bis mich’s zärtlich rief? Nein, ich flöte auf den pseudonymen, auf den kategorischen Imperativ!“ — Aber sieh, die Leier hing zersprungen an der zugehörigen grünen Schnur, von der Sommerhitze tief durchdrungen! ... Weinend gab ich sie in Rep’ratur. Und so säß’ ich traurig in der Seife, von dem Kuß der Musen unberührt, hätt’ ich nicht die alte Tubakspfeife, die mich aushilfsweise inspiriert.
Er bokulirt im Hirschen
von
Arno Holz.
Ode Trochaica.
Lustig-seyn und nicht studiren, durch die Gassen kreutz und krumm nach den Mägdgens scharmutziren, lustig-seyn und nicht studiren. Dihses ist mein Bropprium! Bluhder-Hosen, Bontac-Flaschen, Wörffelgens und ein Rappihr, darzu Goldt in allen Daschen, Bluhder-Hosen, Bontac-Flaschen, Bruder-Hertz, daß lohb ich mir! Wihder blühen itzt die Pfirschen, alles ist wie Rohsen-roht, drümb, so sizz ich hihr im Hirschen, wihder blühen itzt die Pfirschen, Dabbak ist mein Himmels-Brodt! Hühnergens in Galantine stellt man mir auff meinen Disch, Blühmckens zihren die Turrine, Hühnergens in Galantine, auch die Sprottgens sind schön frisch! Kugel-Dorten, Eyer-Baben seh ich fröhlichen Gesichts, darfor bün ich stähts zu haben, Kugel-Dorten, Eyer-Baben, hola, Jung, verschütt mir nichts! Jeder Dropffen, den ich drincke, schärfft mir mehr das Capitol; komme wihder, wenn ich plincke, jeder Dropffen, den ich drincke — Himmel, Herrgott, ist mir wohl! Flöten, Lauten und Pandoren, Gott sey Danck, itzt sind sie da! Singt und springt mir in die Ohren, Flöten, Lauten und Pandoren, drey mahl hoch die Musica! Nachts mit gantz verschobner Krause steh ich dan für meiner Thür. Bün ich würcklich schon zu Hause? Nachts mit gantz verschobner Krause, ha, wie kom ich mir blohß für? Soll ich itzt Skarteken schmihren? Oder — dreh ich wihder um? Nein, ich gehe cortesiren! Soll ich itzt Skarteken schmihren? Dihses were mir zu thumm! Meine Feuer-reichen-Jahre blühn mir itzo, oder nie. Pallas hat zu kortze Hahre, meine Feuer-reichen-Jahre sind mir vihl zu werth for sie!
Die sieben Heller
von
Frank Wedekind.
Großer Gott im Himmel, sieben Heller sind mir noch geblieben! Was nur fang’ ich armer Mann mit den sieben Hellern an? Tod und Teufel, wären’s zwanzig, tanzte gleich noch einen Tanz ich auf der Bühne bunt bemalt, wo man 20 Heller zahlt! Wären’s fünfzehn! — Einen Teller Wurst kauft man für fünfzehn Heller. Hungrig bin ich so wie so; eine Wurst macht lebensfroh. Ach und wären’s auch nur zehne! Ein Schluck Bier, den ich ersehne, ist er gleich ein wenig klein, muß für zehne käuflich sein! Aber sieben, sieben ganze rote Heller, nicht zu Tanze, nicht zu Wurst und nicht zu Bier, gar zu nichts verwendbar mir! — Lehr’ mich du, o Fürst der Hölle, was tätst du an meiner Stelle, wenn im Beutel du zuletzt nur nach sieben Heller hättst? Alsbald zieht der große Weise seine düstern Zauberkreise, spuckt nach rechts und links und spricht: „Hör’ mich an, du armer Wicht! „Kommt bei Wettersturm und Regen dir ein Bettelkind entgegen, schwarz von Auge, schwarz von Haar, Busen im Entwicklungsjahr, „Wirf ihr deine sieben Heller in des Hemdes losen Göller, sag’ ihr, sie sei engelschön, schweig’ und heiß’ sie weitergehn! „Du hast Freude, sie hat Freude, freuen werdet ihr euch beide; meine Freude hab’ auch ich, segne und belohne dich!“
Wir zwei
von
Gustav Falke.
Wir haben oft beim Wein gesessen und öfter beim Grog. Beim Pfandverleiher lag indessen der Sonntagsrock. Wir haben die lustigsten Mädelgeschichten ausgetauscht, an Abenteuern und an Gedichten uns weidlich berauscht. Wir haben, o je, von unsern Schulden uns vorgeklagt. Vertranken dabei den letzten Gulden; nur nicht verzagt! Wir haben uns immer zusammengefunden, wars Wetter schlecht; und waren die gräulichen Wolken verschwunden, dann erst recht. Wir sind zwei Kirschen an einem Stengel, ein Zwiegesang, ein Kanon, wie er von Bach bis Klengel noch keinem gelang. Wir sind zwei Schelme. Wenn sie uns fangen, Philistergericht, wir müssen an einem Galgen hangen, sonst tun wir’s nicht. —
Nachtwandler
von
Gustav Falke.
Trommler, laß dein Kalbfell klingen, und, Trompeter, blas darein, daß sie aus den Betten springen, Mordio, Michel, Mordio! schrein, tuut und trumm, tuut und trumm, Zipfelmützen ringsherum. Und so geh’ ich durch die hellen, mondeshellen Gassen hin, fröhlich zwischen zwei Mamsellen, Wäscherin und Plätterin: links Luischen, rechts Marie, und voran die Musici. Aber sind wir bei dem Hause, das ich euch bezeichnet hab’, macht gefälligst eine Pause, und seid schweigsam wie das Grab! Scht und hm, scht und hm, sachte um das Haus herum. Meine heftige Henriette wohnt in diesem kleinen Haus, lärmen die wir aus dem Bette, kratzt sie uns die Augen aus. Scht und hm, scht und hm, sachte um das Haus herum. Lustig wieder, Musikanten! Die Gefahr droht nun nicht mehr, trommelt alle alten Tanten wieder an die Fenster her! Tuut und trumm, tuut und trumm, Zipfelmützen ringsherum. Ja, so geh’ ich durch die hellen, mondeshellen Gassen hin, fröhlich zwischen zwei Mamsellen, Wäscherin und Plätterin: links Luischen, rechts Marie, und voran die Musici.
Zwanzig Mark
von
Gustav Falke.
Herr Wirt, heut’ hab’ ich zwei Zehner im Sack, dafür kann ich den König nicht kaufen, und könnt’ ich ihn kaufen, zwei Zehner im Sack, den König mit Krone und Orden und Frack, ich lachte und ließ ihn laufen. Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, und die, die will ich versaufen! Und hier auf dem Tisch, heraus aus dem Sack, wie köstlich das klimpert und klappert! Zwei goldene Zehner heraus aus dem Sack, zwei silberne Flaschen, herunter den Lack, kein Tröpfchen werde verlappert. Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, doch vor allem, Herr Wirt, nicht geplappert. Denn hört es ein dritter, zwei Zehner im Sack, die Stadt gleich wird es durchlaufen, der Schneider, der Schuster, zwei Zehner im Sack, die Wirtin, die Waschfrau, o Weiberschnack, sie kommen und zetern in Haufen: zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, und die, die will ich versaufen. Und darum, Herr Wirt, zwei Zehner im Sack, was rund ist, was rund ist, muß laufen, so lauf’ denn, mein Freund, zwei Zehner im Sack, he, tummle dich, hurtig! Zwei Zehner im Sack. Zwei Witwen will ich mir kaufen. Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, und die, die will er versaufen!
Gute Nacht
von
Gustav Falke.
Das war der Junker Übermut, die Stirne frei, den schlappen Hut verwegen nur im Nacken; laut klirrten ihm die Hacken. Das war die Jungfer züchtiglich, ging stets einher, als schämt’ sie sich, als könnt’ sie beim Spazieren ihr Seelenheil verlieren. — Das war, das war, das ist, das ist, sein Rößlein ihren Hafer frißt, er sitzt zu ihren Füßen und muß im Garne büßen. Draus wirkt sie ihm ein weiches Hemd, das macht ihn welt- und menschenfremd, der Rest, daß sie ihm nütze, der Rest gibt eine Mütze. Was sagt er jetzt, Herr Übermut? Schön gute Nacht und schlaf er gut! Das Spiel hat er verloren, sein Weib gewann die Sporen.
De kloke[237] Spitz
von
Gustav Falke.
„Spitz,“ seggt[238] Fritz, „sett di hen[239], Spitz!“ „Spring,“ röpt[240] Karlin, „warst König, kriegst ’n Buddel Win[241].“ „Apport!“ kummandeert Hans. „Na? Woans[242]?“ „Ach,“ denkt de Spitz, „man hett ja sinen Witz, strengt sik ok an un deit[243], wat man kann. Awerst dree Schoolmeester to hoop[244], all upp’n mal: Sett di hen, spring, loop[245]! Da kann ja’n Pudel de Geduld bi verleern, un so’n Pudel deit so wat doch süß[246] ganz geern. Wardt’t mi to veel — Hans kiekt[247] mi all so an — nei ik ut[248]. All wat ik kann.“ „Spitz,“ seggt Fritz, „sett di hen, Spitz!“ „Spring,“ röpt Karlin, „warst König, kriegst ’n Buddel Win.“ „Apport!“ kummandeert Hans. „Na? Woans?“ „Soans,“ knurrt Spitz, un hei! weg is he, as[249] de Blitz.
Döntje[250]
von
Gustav Falke.
Dar weer mal’n lütt Hohn[251], dat harr nix to dohn, do leggt dat en Ei, dat Ei güng entwei, do keem dar’n lütt Katt rut[252], de Katt, de seeg swatt ut[253] un sä[254] to’t lütt Hohn: „Du hest nix to dohn? Denn wil ’k di wat wisen[255], ik warr di verspisen, ik freet di un denn hett all Not ’n Enn[256].“
Die zierliche Geige
von
Gustav Falke.
Ein klapperdürrer Fiedelmann stand unter einem Baume, und setzte seine Geige an und geigte wie im Traume, und sang ein leises Zwitscherlied, das rührte an die Äste, und als der letzte Ton verschied, da starb ein Spatz im Neste. Der klapperdürre Fiedelmann stand unter trocknem Kranze, und setzte seine Geige an und geigte flott zum Tanze, und geigte flott zum Erntebier, wo Rock und Schürze fliegen, ein letzter Triller, zart und zier, da muß die Großmagd liegen. Und wieder stand der Fiedelmann stocksteif vorm Pastorate, und setzte seine Geige an zur geistlichen Sonate. Ein rührend Religiosa sang von allen Himmelsschauern, ein schluchzender Morendogang — wer predigt nun den Bauern? Dann stand der fleißige Fiedelmann wohl auf der Herrendiele, und setzte seine Geige an zu raschem, scharfem Spiele. Das klang halb wie ein Trinklied froh, halb wie ein Sturm auf Schanzen, ein kurzes, keckes Tremolo, da muß der Schloßherr tanzen. Und neulich stand der Fiedelmann auch vor des Schulzen Kammer, und setzte seine Geige an und sang wie eine Ammer, und sang und sang den ganzen Tag, und sang vor tauben Ohren, an dem, der da im Fieber lag, schien jede Kunst verloren. Da trat er dicht ans Bettgestell, hub wütend an zu kratzen, doch statt des Kranken Trommelfell mußt’ ihm die Quinte platzen. Erbost schlug er sein Saitenspiel aufs Haupt dem zähen Recken, die Geige in zwei Stücke fiel, der Schulze starb vor Schrecken. Der klapperdürre Fiedelmann, da hockt er nun am Rande, und leimt sein Zeug so gut er kann, flickt Saiten, Steg und Bande, und brummt: „Das hat man nun davon, dem spielt’ ich zu manierlich, jetzt lern’ ich Baß und Bombardon, die Geige ist zu zierlich.“
Auf dem Maskenball
von
Gustav Falke.
Die Geigen girren leise, die Flöten flüstern so fein, die Masken dreh’n sich im Kreise, plump fährt die Pauke drein. Die Bläser blähen die Backen, das Bombardon poltert wie wild, da dreht sich auf zierlichsten Hacken auf einmal das zierlichste Bild. Ein Seufzer der Klarinette, ein zärtliches Ach der Obo; Tanze mit mir, Pierette! — Kein Füßchen tanzte je so. Die Geigen girren leise, die Flöten flüstern so fein, die Masken drehn sich im Kreise, ein Pfropfenknall fährt drein. Die Bläser blähen die Backen, das Bombardon winselt wie wund. Den Arm um den reizendsten Nacken, such’ ich den reizendsten Mund. Ein Seufzer der Klarinette, ein zärtliches Ach der Obo; Küsse mich, Pierette! — Kein Mündchen küßte je so.
Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
Deutsche Dichter- Gedächtnis-Stiftung.


F594 I 09: 50.000
Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, „hervorragenden Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes zu setzen“ und durch Verbreitung guter Bücher der schlechten Literatur den Boden abzugraben. Sie begann ihre Tätigkeit i. J. 1903 damit, daß sie an 500 Volksbibliotheken je 20 Bände verteilte, unter denen sich z. B. Fontanes „Grete Minde“ — M. v. Ebner-Eschenbachs „Gemeindekind“ — eine Auswahl der „Deutschen Sagen“ der Brüder Grimm — Roseggers „Als ich noch der Waldbauernbub’ war“ befanden. Die zweite Bücherverteilung umfaßte 40 Werke (in 23 Bände gebunden) in je 750 Exemplaren — die dritte 42 Bücher (31 Bände) in je 750 Exemplaren — die vierte 43 Bücher (36 Bände) in je 800 Exemplaren, die fünfte 28 Bücher (25 Bände) in je 900 Exemplaren.
Abzüge des Werbeblatts, des letzten Jahresberichts, auch des Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich übersandt. — Die Stiftung hatte 1905 erst 934 Mitglieder, im Jahre 1906 schon 3.688, 1907 6.500, Ende 1908 9.161. Sie führt diesen Aufschwung auf das allgemeine Wachsen des Kulturinteresses zurück und bittet alle Freunde, ihr durch Zusendung von Adressenmaterial an ihr Werbeamt bei der Ausnutzung dieser Wendung zum Besseren zu helfen.
Die Stiftung erbittet besonders jährliche, aber auch einmalige Beiträge. Für Jahres-Beiträge von 2 Mk. aufwärts gewährt die Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes ihrer „Hausbücherei“ oder ihrer „Volksbücher“ oder des Schillerbuches Gegenleistung. Wer 25 Mark Jahresbeitrag zahlt, erhält auf Wunsch alle im gleichen Jahre erscheinenden Bände der „Hausbücherei“.
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Alle Briefe, Anfragen usw. werden unpersönlich mit der Aufschrift „Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel“ (möglichst unter Hinzufügung der betr. Abteilung) erbeten.
Man verlange die erwähnten Drucksachen.

Gute und billige Bücher
Unter den mancherlei billigen Sammlungen, die in den letzten Jahren zur Verbreitung guter Literatur geschaffen wurden, zeichnen sich die Bücher der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung durch sorgfältige literarische Auswahl und ausgezeichnete Ausstattung aus: holzfreies Papier, schönen und großen Druck, abwaschbaren, geschmackvollen Einband. Diese Eigenschaften haben in Verbindung mit dem äußerst billigen Preise den beiden Sammlungen der Stiftung schnell große Verbreitung verschafft.
Bisher sind erschienen:
Hausbücherei
(nur gebunden, jeder Band 1 Mark)
Bd. 1. Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. Mit Bild Kleists. 7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung v. Dr. Ernst Schultze. 11.-20. Taus. 170 S.
Bd. 2. Goethe: Götz von Berlichingen. Mit Bild Goethes. Einleitung v. Dr. W. Bode. 6.-10. Taus. 178 S.
Bd. 3. Deutsche Humoristen. 1. Bd.: Ausgew. humor. Erzählungen v. P. Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und A. Roderich. 31.-35. Taus. 221 S.
Bd. 4. Deutsche Humoristen. 2. Bd.: Cl. Brentano, E. Th. A. Hoffmann, H. Zschokke. 16.-20. Taus. 222 S.
Bd. 5. Deutsche Humoristen. 3. Bd.: Hans Hoffmann, Otto Ernst, Max Eyth, Helene Böhlau. 21.-25. T. 196 S.
Bd. 6/7. Balladenbuch. 1. Bd.: Neuere Dichter. 11.-20. T. 498 S. 2 Mark.
Bd. 8. Herm. Kurz: Der Weihnachtsfund. Eine Volkserzählung. Mit Bild Kurz’. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing. 6.-10. Taus. 209 S.
Bd. 9. Novellenbuch. 1. Bd.: C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch, Fr. Spielhagen, Detl. v. Liliencron. 21.-25. Taus. 194 S.
Bd. 10. Novellenbuch. 2. Bd. (Dorfgeschichten): E. Wichert, H. Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. 11.-15. T. 199 S.
Bd. 11. Schiller: Philosophische Gedichte. Ausgew. u. eingel. v. Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers. 6.-10. T. 230 S.
Bd. 12/13. Schiller: Briefe. Ausgew. und eingel. von Prof. E. Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände in 1 Bande. 6.-10. Taus. 226 u. 302 S. 2 Mark.
Bd. 14. Novellenbuch. 3. Bd. (Geschichten aus deutscher Vorzeit): A. Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff. 11.-15. Taus. 246 S.
Bd. 15. Novellenbuch. 4. Bd. (Seegeschichten): Joachim Nettelbeck, W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen, Wilh. Poeck, Johs. Wilda. 11.-15. Taus. 179 S.
Bd. 16. Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes. Herausgeg. u. eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg. Mit Bild u. Silhouette Mörikes 6.-10. Taus. 235 S.
Bd. 17. Heine-Buch. Eine Auswahl aus Heinrich Heines Dichtungen Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg. Mit Bild Heines. 6.-10. Taus. 203 S.
Bd. 18 u. 19. Goethes ausgewählte Briefe. Herausgeg. u. eingel. v. Dr. Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. 2 Bände. 11.-15. Taus. 169 u. 197 S.
Bd. 20/21. Deutsches Weihnachtsbuch. Eine Sammlung der schönsten u. beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. 11.-20. Taus. 413 S. 2 Mark.
Bd. 22. Novellenbuch. 5. Bd. (Frauennovellen): Cl. Viebig, L. v. Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. Fischer. 6.-10. Taus. 198 Seiten.
Bd. 23. Novellenbuch. 6. Band. (Kindheitsgeschichten): A. Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, A. Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. 6.-10. Taus. 199 S.
Bd. 24. Novellenbuch. 7. Bd. (Kriegsgeschichten): Carl Beyer, H. v. Kleist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th. Fontane. 6.-10. Taus. 177 S.
Bd. 25/26. Balladenbuch. 2. Bd.: Ältere Dichter. 6.-10. T. 518 S. 2 Mark.
Bd. 27. Karl Immermann: Preußische Jugend zur Zeit Napoleons. Herausgeg. u. eingeleitet von Dr. Wilhelm Bode-Weimar. Mit Bild Immermanns und 3 Bildern Magdeburgs. 6.-10. Taus. 171 Seiten.
Bd. 28. Martin Luther als deutscher Klassiker, nebst einer Einführung von Dr. Eugen Lessing. Mit Bild Luthers. 176 Seiten.
Bd. 29/30. Deutsche Humoristen. 4. und 5. Bd. (Humoristische Gedichte.) 351 Seiten. 2 Mark.
Bd. 31. Deutsche Humoristen. 6. Bd.: E. Th. A. Hoffmann, B. v. Arnim, Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry F. Urban, Ludw. Thoma. 160 S.
Geschenkausgabe
mit prächtigem, biegsamem Einband mit Goldschnitt sind zum Preise von je 4 Mark hergestellt von:
Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) Bd. 18/19 (grau, Ganzleder) Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) Bd. 29/30 (rot, Ganzleder).
Luxusausgabe
auf Büttenpapier in Pergamenteinband ist zum Preise von 10 Mark nur von Band 25/26 hergestellt.
Schillerbuch, enth. Einltg. über Schillers Leben, die Glocke, Balladen, Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. 11.-20. T. Geb. 1 M.
Volksbücher.
Heft 1. 50 Gedichte v. Goethe. 95 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 2. Schiller: Tell. 11.-20. T. 190 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 3. Schiller: Balladen. 31.-40. T. 108 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 4. Schiller: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. 215 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 5. Schiller: Wallensteins Tod. 222 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 4 und 5 in einem Band gebunden 1 Mark.
Heft 6. Brentano: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen Annerl. 59 S. Geh. 15, geb. 40 Pf.
Heft 7. E. Th. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. 113 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 8. Fr. Halm: Die Marzipanliese. — Die Freundinnen. 124 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 9. Reuter: Woans ick tau ’ne Fru kamm. 61 S. Geh. 15, geb. 40 Pf.
Heft 10. Max Eyth: Der blinde Passagier. 11.-20. T. 68 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 11. Marie von Ebner-Eschenbach: Die Freiherren von Gemperlein. 11.-20. T. 82 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 12. Wilhelm Jensen: Über der Heide. 127 S. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 13. Ernst Wichert: Der Wilddieb. 144 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 14. Levin Schücking: Die drei Großmächte. 96 S. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 15. Ludwig Anzengruber: Der Erbonkel u. andere Geschichten. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 16. Helene Böhlau: Kußwirkungen. 11.-20. T. 68 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 17. Ilse Frapan-Akunian: Die Last. 87 S. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 18. H. v. Kleist: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in Chili. Der Zweikampf. 142 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 19. Peter Rosegger: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. 139 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
Heft 20. Ernst Zahn: Die Mutter. 11.-20. T. 66 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 21. E. J. Groth: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. v. Gg. D. Erler. 40 S. Geh. 15, geb. 40 Pf.
Heft 22. A. Schmitthenner: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh. Schulz. 64 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
Heft 23. G. Freytag: Karl d. Große. — Friedrich Barbarossa. Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 80 S. Geh. 25, geb. 55 Pf.
Heft 24. Fr. Spielhagen: Hans u. Grete. Mit Illustr. v Th. Herrmann. 174 S. Geh. 40, geb. 75 Pf.
Jedes Heft enthält ein Bildnis des Verfassers. Weitere Hefte sind in Vorbereitung.
Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
Fußnoten: