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Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8)

Albert Roderich: Nemesis.

Reading edition

Illustration from Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8)
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Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers abgedruckt aus seinem Buche „Die glückliche Ehe und andere Humoresken“ (Berlin: H. Conitzers Verlag).

Nemesis.

Wie liebenswürdig im besten Sinne des Wortes war meine verehrte Freundin, die verwitwete Frau Professor Mentow, gegen uns Gäste gerade heute gewesen, wie viele hübsche und menschenfreundliche Worte waren da in unserer kleinen Gesellschaft hin und her geworfen worden, und wie war der Rotwein doch excellent! Was ist das beste bei einem guten Mittagessen? Die Cigarre nachher, behaupte ich, und deshalb hatte ich mich in den stillsten Winkel eines kleinen Nebenzimmers zurückgezogen und blies in jener behaglichen Stimmung des halb ruhenden Körpers und des halb erregten Geistes künstlerisch vollendete Rauchringe in die Luft.

Ich richtete mich, halb unwillkürlich, schnell aus meiner etwas sehr bequemen Lage auf, als die Dame des Hauses plötzlich und unerwartet vor mir stand.

„Sie sind heute so pessimistisch, so ernsthaft — Sie, der Philosoph des lebenslustigen Humors — hat Ihnen vielleicht Ihr Leibgericht, der Apfelkuchen, nicht geschmeckt?“

„Verehrte Frau, wenn Sie doch einmal in die geheimsten Tiefen meines Gemütes eingedrungen sind, so will ich Ihnen gestehen — ich habe überhaupt gar nichts von dem Apfelkuchen gegessen!“

„Nicht möglich, Sie sind krank!“

„Nein, der Kuchen war an mir vorübergegangen, ehe ich ihn überhaupt gewahrt hatte. Aber, das wundert mich nicht. Heute ist kein guter Tag für mich. Fräulein Emma von Kanten ist ja hier, und sie hat sogar bei Tische neben mir gesessen. Das kann nimmer gut gehen.“

„Sie hat wohl wegen Ihres letzten Feuilletons über die Frauenemancipation mit Ihnen gezankt?“

„Fräulein von Kanten zankt nicht mit mir, denn sie haßt mich.“

„Ah wirklich?! Und ich glaubte doch, einmal gehört zu haben, daß Sie vor Jahren zu dem Fräulein in recht — angenehmen Beziehungen gestanden haben.“

Ich wußte, daß meine sonst so diskrete Freundin viel mehr aus Teilnahme für mich als aus Neugier diese Bemerkung machte und entgegnete deshalb:

„Verehrte Frau, Sie sind wie immer gut unterrichtet, und wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen gern die Geschichte meiner — angenehmen Beziehungen zu Fräulein von Kanten; sichere ich mir dadurch doch auch vielleicht die Teilnahme Ihrer Freundesseele an meinem Geschick, wenn es heute über mich hereinbricht.“

„In der Tat, Sie machen mich begierig.“

„Also vor beinahe nun zwanzig Jahren lernte ich Fräulein von Kanten kennen. Sie war geistreich, hübsch, aus sehr angesehener Familie, und ich war ein wohlgestalteter Jüngling, der noch zu etwas mehr als zu den landesüblichen schönsten Hoffnungen zu berechtigen schien. Ich gründete gerade damals mit einem Teile des sehr beträchtlichen Vermögens meines Vaters die große Zeitung, an deren Spitze ich noch heute stehe. Das Fräulein und ich sahen einander fast täglich in einer befreundeten Familie, wir plauderten, scherzten, lachten, faßten Neigung zueinander und wußten bald, daß eine lebenslänglich wirkende Erklärung unmittelbar bevorstände. Ich weiß, jeder von uns wußte, daß auch der andere das wisse. So weit waren wir schon. Da eines Tages erschien Fräulein Emma in einer kleinen Gesellschaft mit einer Brustschleife von — meiner allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach — so sonderbarer Form und Farbenzusammenstellung, daß ich eine spottende Bemerkung darüber nicht unterdrücken konnte. Darob aber ward das Fräulein sichtlich ungehalten und behandelte mich den ganzen Abend mit stark herabgestimmter Freundlichkeit. Das trieb mich zum Nachdenken, und ich sagte mir: wen ein tadelnder Scherz so empört, der ist auch im Ernste zu tadeln. Ich habe nur ihre Schleife gering geschätzt, dafür glaubte sie mich selber gering schätzen zu dürfen. Sieh dich vor, junger Mann! Und ich beschloß, das Fräulein noch vor dem entscheidenden Worte auf eine größere Probe zu stellen.

„Wenige Tage später wollte ich die junge Dame zu einem Spaziergange abholen. Auf dem Tische ihres Zimmers lag ein allerliebster heller Frühlingshut, den Fräulein Emma eben zum ersten Male den Straßenpassanten vor die Augen führen wollte. Nicht weit davon stand eine geöffnete Flasche Wein. Meine Gedanken sprangen zu einem schnellen Entschluß zusammen. Ich goß mit geschickter Ungeschicklichkeit die Flasche Rotwein über den neuen hellen Frühlingshut.

Die Wirkung war eine betrübende, niederschlagende. Das Fräulein verfiel nach einem Momente des stieren Entsetzens in recht unangenehme Zornesausrufungen und Vorwürfe; sie stampfte sogar mit dem sonst so zierlichen Fuße heftig auf, und — mit einem Worte, sie ward in dem Augenblicke mehr als häßlich und geistlos — sie ward unliebenswürdig. So weit nun glaube ich nach gangbar menschlichen Begriffen korrekt, zum mindesten verzeihlich, gehandelt zu haben. Oder sind Sie anderer Meinung, verehrte Freundin?“

„Nach den gangbar menschlichen Begriffen haben Sie vielleicht verzeihlich gehandelt — nach den gangbar weiblichen wohl kaum.“

„Nun einerlei — in der Fortsetzung meines Tuns beging ich die tragische Schuld, die mich sicher im fünften Akt zerschmettern wird. Ich sagte dem Fräulein in der Erregung des Disputes: „Ich habe den Wein absichtlich über den Hut gegossen, um deinen Charakter kennen zu lernen! Ich habe ihn kennen gelernt!“ Da wuchsen plötzlich an die kleinen Schlangen des Ärgers und der Zanklust, die bisher aus den Augen des Mädchens züngelten, die Furienhäupter der Wut und des Zornes, und — o, all ihr Männer, die ihr freien wollt — erst prüfet, wodurch das Weib eurer Wahl zornig gemacht wird, und wie es sich gebärdet im Zorne!

„Ich eilte von dannen, und am nächsten Tage reiste Fräulein Emma von Kanten auf längere Zeit zu auswärtigen Verwandten. Es sind nun fast zwanzig Jahre seitdem vergangen, und ich habe das Fräulein seit der Zeit in langen Zwischenräumen einige Male in Gesellschaften getroffen, und jedesmal, wenn ich sie getroffen, ist mir zur selbigen Stunde irgend etwas Fürchterliches zugestoßen. Das eine Mal habe ich einer Dame die Schleppe abgetreten, das zweite Mal bin ich in einem wohlpräparierten Toaste stecken geblieben, das dritte Mal — ach, einerlei, wenn ich jene Dame sehe, ist mir wie dem Seefahrer, der das Geisterschiff des fliegenden Holländers schaut — er weiß, ihm steht ein Unheil bevor. Und heute hat sie gar neben mir gesessen — weh’ mir, was wird mir heute noch geschehen!“

Frau Professor Mentow lachte.

„Lieber Freund, Sie werden da von einer ganz gerechten, humoristischen Nemesis verfolgt. Sie haben es wahrscheinlich durch Ihren ernsthaften Scherz verschuldet, daß jene Jungfrau im Zorne zur alten Jungfer geworden ist, die jetzt für Frauenrechte kämpft, weil ihr das Frauenrecht versagt ist.“

„Ja, auch bei Tische hat sie fast ausschließlich von den Rechten der modernen Frau gesprochen, aber ich glaube, sie kämpft nicht — sie streitet nur dafür.“

„In der Tat, lieber Freund —“

Die Frau Professorin kam nicht weiter in diesem Satze, denn die Tür ward geöffnet, und einer meiner Mitgäste rief, uns gewahrend, herein: „O, hier sind Sie versteckt, und drinnen streitet man sich um Sie oder über Sie — und dann entführen Sie uns auch noch unsere liebenswürdige Frau Wirtin!“

Wir erhoben uns schnell und traten in den Salon. Die kleine Gesellschaft saß in lebhafter Unterhaltung beim Kaffee. Frau Emerich, die intime Freundin des Fräuleins von Kanten, rief mir zu, sobald sie meiner ansichtig ward: „Ah, da ist ja der Lästerer — vielleicht hat er die Gewogenheit, uns einen Kommentar zu seinen rätselhaften Äußerungen über die Frauenfrage zu geben.“

Ich nahm mich tüchtig zusammen, setzte mich mit gewaltsam erzwungener Ruhe in einen Schaukelstuhl und sagte mit vermeintlicher Gelassenheit:

„Gnädige Frau, ich glaube, Sie haben hier in diesem Augenblicke gar keine Frauenfrage, sondern eine Männerfrage behandelt.“

„Wie?! was ist das?!“

„Ja, ich glaube, die hier gemeinte Frauenfrage hat einige Ähnlichkeit mit der sozialdemokratischen: der Sozialdemokrat hört auf, es zu sein, wenn er Rentier geworden ist, und die meisten Mädchen halten die Frauenfrage für gelöst, wenn sie Gattin geworden sind. Es ist also eine Männerfrage.“

Fräulein Emma von Kanten warf mir einen vergifteten Blick herüber und sagte mit scharfer Betonung:

„O, mein Herr, wir haben hier bis jetzt ganz ernsthaft debattiert, und zwar über die Ansichten, die Sie selber in Ihrem Feuilleton über die Frauen öffentlich geäußert haben. Wenn Sie es jetzt für nötig halten, Ihre vielleicht etwas bleichwangige Argumentation mit der Schminke eines beschönigenden Scherzes zu beleben, so sage ich Ihnen im Tone der tiefsten Überzeugung: die Frau ist dem Manne ebenbürtig. Sie soll nicht seine Sklavin sein, sie ist berufen, mitzuwirken für die höchsten Ziele der Menschheit!“

„O, mein Fräulein, wenn Sie Recht hätten — wie Unrecht hätten Sie! Sie wollen dem Manne ebenbürtig sein und keine Sklavin! Wir Männer sind aber selbst Sklaven — Sklaven der Arbeit, der Verhältnisse, des Erfolges — Sklaven des Ehrgeizes, der Wissenschaft — und, da Sie uns ebenbürtig sein wollen — ist es denn ein gar so verächtlicher Sklavendienst, wenn Sie all Ihre unzähligen Liebenswürdigkeiten und Reize in einem blumendurchwirkten Fächer zusammenhalten, um dem ermüdeten Mitsklaven die lästigen Insekten der Sorgen und Mühen fortzufächeln?“

„Das heißt,“ rief jetzt die älteste der Anwesenden, „das heißt in gewöhnlichen Worten: wir sollen Köchinnen, Kinderwärterinnen und Krankenpflegerinnen werden. Und unser Herz, unser Geist, unsere Ideale?!“

„Gnädige Frau, war es nicht einst Ihr höchstes Ideal, den Mann mit Ihrer Liebe beglücken zu dürfen? Und ist es nicht jetzt Ihr höchstes Ideal, Ihre einzige Tochter recht, recht glücklich verheiratet zu sehen?“

„Allerdings!“

„Also, verehrte Frau, es ist jetzt Ihr höchstes Ideal — Schwiegermutter zu werden! Ja, glauben Sie es einem erfahrenen Idealisten — unsere irdischen Ideale sind veränderlich wie alles Irdische. Nenne mir deine Ideale, und ich will dir sagen, wie alt du bist.“

„O, er will uns auf den Flügeln seiner Phrasen entfliehen,“ rief jetzt Fräulein von Kanten, „haben Sie uns denn nicht in Ihrem Zeitungsartikel die Ebenbürtigkeit unseres Geistes abgestritten? Haben Sie nicht die Behauptung aufgestellt, es gebe keine klassische Dichterin, und wenn es eine — zwei — zehn gäbe — das wäre nichts gegen „die überwältigende Majorität der Geistesfürsten aus dem Männergeschlechte“, wie Sie sich auszudrücken beliebten.“

„O,“ fuhr Frau Emerich zornig fort, „und was er von den Erfindungen sagt! Wie boshaft! Daß die Frauen das Pulver nicht erfunden haben oder das Dynamit, das findet er natürlich — aber wir hätten doch wenigstens die Nähmaschine erfinden können! — Abscheulich!“

„Geehrte Frau,“ entgegnete ich, „die meisten Wahrheiten sind abscheulich!“

„Gut,“ rief jetzt Frau Emerich in recht erregtem Tone, „wenn Sie denn doch der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen wollen — ich kann Ihnen jetzt die Gelegenheit dazu geben. Ich habe Gedichte von einer jungen Dame bei mir, für die ich eine ruhmvolle Zukunft voraussehe. Wollen Sie in Ihrer Wahrheitsliebe die junge Dame durch Ihre einflußreiche Zeitung in die Öffentlichkeit einführen, wenn Sie die Dichterin nach Ihrer besten Überzeugung dessen würdig erachten?“

„Das will ich,“ entgegnete ich bestimmt. Frau Emerich zog eine zierliche Ledertasche hervor und nahm aus dieser einige Papiere, die sie mir hinreichte.

„Bitte, lesen Sie.“ — Und ich las einige offenbar von Damenhand geschriebene Verse über höchst abgenutzte Gegenstände in höchst gewöhnlicher Form und höchst unbedeutenden Worten. Die unvermeidlichen „Sonne und Wonne“ und „Liebe und Triebe“ waren auch vorhanden, und einmal war in strafwürdigster Dichter-Rohheit „Freude“ auf „heute“ gereimt.

Ich gab das Manuskript zurück und sagte: „Geehrte Frau, ich bedaure, Ihnen sagen zu müssen, daß nach diesen Proben und meiner Überzeugung die junge Dichterin als solche durchaus keine Zukunft zu erwarten haben wird.“

„Ah, und womit wollen Sie dies harte Urteil begründen?“

„Wenn jemand in seinem achtzehnten Jahre schlechte Verse macht — nun, der kann vielleicht im dreißigsten Jahre noch gute Verse machen — wer aber im achtzehnten Jahre Verse wie diese von so unaussprechlicher Geringwertigkeit macht — der macht sie im höchsten Alter noch ebenso nichtsnutzig. Wollen Sie übrigens meinem Urteil allein nicht trauen, so lese ich mit Ihrer gütigen Erlaubnis ein paar Verse vor.“

Und ich las mit gütiger Erlaubnis der Freundin des Fräulein Emma von Kanten ein paar Verse vor, und sämtliche Anwesende vereinten sich mit mir in der Ansicht, daß niemals unbedeutendere Worte zu überflüssigeren Versen verarbeitet worden wären. Selbst Fräulein von Kanten betonte besonders scharf, daß sie mir in diesem Falle Recht geben müsse; die Gedichte wären doch zu ungewöhnlich gewöhnlich. — Mir ward etwas unbehaglich zu Mute, als meine Exfreundin sich so kampflustig an meine Seite stellte.

„Also, meine Herrschaften,“ ergriff nun mit erhobener Stimme Frau Emerich das Wort, „dieser Mann, der selber so hoch steht in der Meinung der literarischen Welt, und der so verächtlich von unserem Frauengeiste spricht — er behauptet, daß das Weib, welches diese Verse gemacht, kein Dichter sei und es nie werden könne?!“

„Das behaupte ich.“

„Nun denn — das Weib, welches diese Verse gedichtet hat — ist — dieser Mann!“

Frau Emerich hatte sich bei diesen Worten hoch aufgerichtet und streckte ihren Arm gegen mich aus, als wollte sie mich auch körperlich zu Boden schlagen. Das unheimliche Gefühl, das mich bei der Rede der Dame befallen hatte, steigerte sich um ein Bedeutendes, als jetzt Fräulein Emma von Kanten ebenfalls ein Papier hervorzog, mir dasselbe dicht unter die Augen hielt und ausrief: „Kennen Sie diese Handschrift?“

Ich las dieselben nichtigen Verse von vorhin auf stark vergilbtem Papier in mir unheimlich bekannt scheinenden Schriftzügen.

„Diese Verse,“ wandte sich nun Fräulein von Kanten an die hocherstaunte Gesellschaft, „diese Verse, welche die Tochter meiner Freundin kopiert hat, diese Verse von „so unaussprechlicher Geringwertigkeit“ — hat vor ungefähr 20 Jahren unser großer Kritiker selbst gedichtet. Ich weiß es ganz genau, denn ich kenne die Dame, der er diese — hoffnungslosen Verse gewidmet hat!“

Da war sie wieder, die Nemesis — die erbarmungslose Nemesis!

Ich war ein wenig in den Schaukelstuhl zurückgesunken — ich schlug die Augen nieder vor all den lachenden Mienen und spöttischen Blicken. Nur auf dem Antlitz meiner liebenswürdigen Wirtin sah ich stilles Mitleid.

Endlich erhob ich mich — ein wenig langsam — ein wenig unbeholfen und sagte mit etwas unsicherer Stimme:

„Meine Damen und Herren — ich bekenne es — ich bin geschlagen, besiegt — von einer Dame besiegt, der ich allerdings vielleicht eine Buße schuldig war — nun, ich werde die Geschichte meiner Buße veröffentlichen.“

„Die ganze Geschichte?!“ fragte Fräulein von Kanten, und ihr überlegenes Lächeln verschwand unter einer leichten Falte der Besorgnis.

„Die ganze Geschichte, mein verehrtes Fräulein! Und wenn es die übrigen Herrschaften interessiert, so kann ich Ihnen den Namen der Dame gleich jetzt mitteilen.“

„Oh, ganz sicher interessiert uns das!“ rief Frau Emerich. Ich sah meine Feindin erbleichen, und Frau Professor Mentow warf mir einen zürnenden Blick zu.

Ich tat einige Augenblicke, als ob ich noch nicht entschlossen sei, mein Geheimnis preiszugeben.

„Ach bah,“ rief ich dann, „was sollte mich verhindern?! Also, verehrte Anwesende, die Dame von der ich sprach, heißt — Fräulein — Sophie Rose!“

Man war etwas enttäuscht. Man kannte natürlich diese Dame nicht.

Fräulein von Kanten atmete leise auf, und Frau Professor Mentow lächelte mir freundlich zu. Ich fuhr fort:

„Wenn auch sonst niemand von Ihnen, meine Herrschaften, Fräulein Sophie Rose kennt, so kennt Fräulein von Kanten sie sicherlich. Fräulein Sophie Rose hat ja dieser Dame meine armen Verse verraten, und ich richte jetzt an Fräulein von Kanten die höfliche Frage: Wo ist Fräulein Sophie Rose zu finden?“

Fräulein von Kanten antwortete mit anerkennenswerter Geistesgegenwart:

„Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen. Sie sind augenscheinlich im Begriffe, meine Freundin zu kompromittieren.“

„Das könnten Sie leicht verhindern, gnädiges Fräulein, wenn Sie eine Vermittlerrolle zwischen der Dame und mir spielen wollen.“

„Ah, wenn Sie im Ernste sprechen — —.“

„Mein Ehrenwort, ich spreche im Ernste; wenn ich der frohen Stunden gedenke, die ich einst gemeinsam mit — jener Dame verlebt, so überkommt mich wieder das Gefühl einer warmen Freundschaft.“

„Ah, wirklich?! Ich werde das meiner Freundin getreulich berichten. Und ich darf ihr sagen, daß Sie ihr wegen dieses wohl etwas indiskreten Scherzes mit Ihren — Jugendversen nicht grollen?“

„Ich würde gewiß nicht weiter daran denken, wenn ich hoffen dürfte, daß meine ehemalige Freundin auch die Geschichte von dem — Frühlingshut vergessen könnte.“

„Dafür stehe ich Ihnen! Der Frühlingshut! Ach, mein Herr, wir sind ja jetzt im Herbste!“

Ich reichte meiner neuen alten Freundin die Hand, und wir blickten einander zum ersten Male wieder frei in die Augen.

Bald darauf ging unsere Gesellschaft auseinander.

Meine liebenswürdige Wirtin hielt mich noch einen Augenblick zurück und sagte lächelnd:

„Nun, lieber Freund, heute haben Sie Ihre alte Sünde zu Ende gebüßt — jetzt wird es doch wohl aus sein mit der Nemesis.“

„Ich hoffe es! — Hm — übrigens, verehrte Frau, könnten wir vielleicht jetzt gleich einen Versuch anstellen — —“

„Wie das?“

„Hm — vorhin bei Tische hat mich diese Nemesis nicht zum Essen kommen lassen — haben Sie vielleicht noch ein Stück Apfelkuchen?“ —

Deutsche Dichter- Gedächtnis-Stiftung.

Illustration from Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8)
Illustration from Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8)

F 1506 d XII 11:100.000

Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, „hervorragenden Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes zu setzen“ und durch Verbreitung guter Bücher der schlechten Literatur den Boden abzugraben. Seit dem Jahre 1903 verteilt sie alljährlich an eine stetig wachsende Zahl von Volksbibliotheken sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen guter volkstümlicher Bücher. Bis Ende 1911 wurden 442.338 Bücher im Werte von Mk. 522.179.28 an Volksbibliotheken verteilt.

Die Auflage der von der Stiftung herausgegebenen Sammlungen „Hausbücherei“ und „Volksbücher“ betrug bis Ende 1911:

über 1½ Millionen Exemplare.

Abzüge des Werbeblatts, des letzten Jahresberichts, auch des Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich übersandt.

Die Stiftung erbittet jährliche oder einmalige Beiträge. Für Beiträge von 2 Mk. an gewährt die Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes ihrer „Hausbücherei“ oder „Volksbücher“ Gegenleistung.

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(zum Teil künstlerisch illustriert, für die Jugend besonders geeignete Bücher sind mit * versehen).

Bisher sind erschienen:

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(gebunden, jeder Band in sich abgeschlossen 1 Mark, Vorzugspreis für 11 Bände — beliebig gemischt — nur 10 Mark)

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Bd. 10. Dorfgeschichten (Novellenbuch Band 2): E. Wichert, H. Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. 16.-25. T.

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Bd. 18/19. Goethes ausgewählte Briefe. Herausgeg. u. eingel. v. Dr. Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. 2 Bände. 11.-15. Taus.

* Bd. 20/21. Deutsches Weihnachtsbuch. Eine Sammlung der schönsten und beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. 21.-30. Taus.

Bd. 22. Frauennovellen (Novellenbuch Band 5): Cl. Viebig, L. v. Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. Fischer. 21.-30. Taus.

Bd. 23. Kindheitsgeschichten (Novellenbuch Band 6): A. Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, A. Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. 11.-20. Taus.

* Bd. 24. Kriegsgeschichten (Novellenbuch Band 7): Carl Beyer, H. v. Keist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th. Fontane 11.-20. Taus.

* Bd. 25/26. Balladenbuch Band 2: Ältere Dichter. 6.-10. T.

* Bd. 27. Karl Immermann: Preußische Jugend zur Zeit Napoleons. Herausgeg. u. eingeleitet von Dr. Wilhelm Bode-Weimar. Mit Bild Immermanns und 3 Bildern Magdeburgs. 11.-20. Taus.

Bd. 28. Martin Luther als deutscher Klassiker, nebst einer Einführung von Dr. Eugen Lessing. Mit Bild Luthers. 11.-20. Taus.

Bd. 29/30. Deutsche Humoristen Band 4/5. (Humoristische Gedichte.) 11.-20. Taus.

Bd. 31. Deutsche Humoristen Band 6: E. Th. A. Hoffmann, B. v. Arnim, Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry F. Urban, Ludw. Thoma. 11.-20. Taus.

* Bd. 32. Max Eyth: Geld und Erfahrung (humoristische Erzählung). Mit Original-Illustrationen von Th. Herrmann und Einleitung von Dr. E. Müller-Rastatt, Hamburg. 6.-10. Taus.

* Bd. 33. Ludwig Uhland: Ausgewählte Balladen und Romanzen. Mit Illustrationen von H. Schroedter, Karlsruhe. 6.-10. Taus.

Bd. 34. J. J. David: Mährische Dorfgeschichten. Ruzena Capek. Cyrill Wallenta. Mit Einleitung von A. v. Weilen und Bild Davids. 6.-10. Taus.

* Bd. 35. Ludwig Finckh: Rapunzel. Mit Bild L. Finckhs und Einleitung von M. Lang. 11.-20. Taus.

Bd. 36. Grethe Auer: Marraksch. (6 Jahre in Marokko.) Mit Bild Gr. Auers u. Einl. von Dr. H. Bloesch.6.-10. T.

Bd. 37. Ernst Wichert: Die Schwestern. Illustriert.

Bd. 38. Musikergeschichten: K. Söhle, R. H. Bartsch, W. Schmidtbonn, E. v. Wolzogen.

Bd. 39. Emil Ertl: Der Salto mortale und andere Geschichten. Illustriert.

Vorzugsausgaben

in prächtigem, biegsamem Einband mit Goldschnitt sind zum Preise von je 4 Mark hergestellt von:

Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) Bd. 18/19 (grau, Ganzleder) Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) Bd. 29/30 (rot, Ganzleder). Bd. 38 (rot, Ganzleder) M. 3.— Bd. 39 (lila Lein. m. Gold) M. 2.—

Volksbücher (zum Teil illustriert)

* Heft 1. 50 Ged. v. Goethe. Geh. 20, geb. 50 Pf. 11.-20. T.

* Heft 2. Schiller: Tell. 21.-30. T. Geh. 30, geb. 60 Pf.

* Heft 3. Schiller: Balladen. 36.-40. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

* Heft 4. Schiller: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20. T.

* Heft 5. Schiller: Wallensteins Tod. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20. T.

Heft 4 u. 5 in einen Band gebunden 1 Mark. 11.-20. T.

Heft 6. Brentano: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen Annerl. Ill. v. W. Schulz. Geh. 15, geb. 40 Pf. 11.-20. T.

Heft 7. E. Th. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. Illustr. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 8. Fr. Halm: Die Marzipanliese. Die Freundinnen. Ill. Geh. 20, geb. 50 Pf. 11.-20. T.

* Heft 9. Fritz Reuter: Woans ick tau ’ne Fru kamm. Geh. 15, geb. 40 Pf. 11.-20. T.

* Heft 10. Max Eyth: Der blinde Passagier. Ill. v. Th. Herrmann. 21.-30. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 11. Marie von Ebner-Eschenbach: Die Freiherren v. Gemperlein. Illustr. 21.-30. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 12. Wilhelm Jensen: Über der Heide. 11.-20. T. Geh. 25, geb. 55 Pf.

* Heft 13. Ernst Wichert: Der Wilddieb. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20. T.

Heft 14. Levin Schücking: Die drei Großmächte. Illustr. Geh. 25, geb. 55 Pf. 11.-20. T.

Heft 15. Ludwig Anzengruber: Der Erbonkel u. andere Geschichten. 11.-20. T. Geh. 25, geb. 55 Pf.

Heft 16. Helene Böhlau: Kußwirkungen. 11.-20. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 17. Ilse Frapan-Akunian: Die Last. 11.-20. T. Geh. 25, geb. 55 Pf.

Heft 18. H. v. Kleist: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in Chili. Der Zweikampf. 11.-20. T. Geh. 30, geb. 60 Pf.

Heft 19. Peter Rosegger: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. Geh. 30, geb. 60 Pf. 21.-30. T.

Heft 20. Ernst Zahn: Die Mutter. 11.-20. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

* Heft 21. E.J. Groth: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. Geh. 15, geb. 40 Pf. 11.-20. T.

* Heft 22. A. Schmitthenner: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh. Schulz. 11.-20. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

* Heft 23. G. Freytag: Karl d. Große. — Friedrich Barbarossa. Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 11.-20. T. Geh. 25, geb. 55 Pf.

Heft 24. Fr. Spielhagen: Hans und Grete. Mit Illustr. 11.-20. T. Geh. 40, geb. 75 Pf.

Heft 25. St. v. Kotze: Geschichten a. Australien. 11.-20. T. Geh. 25, geb. 55 Pf.

Heft 26. Paul Heyse: Andrea Delfin. 11.-20. T. Geh. 30, geb. 60 Pf.

* Heft 27. H. Villinger: Leodegar, der Hirtenschüler. Mit Ill. 11.-20. T. Geh. 20, geb. 50 Pf.

* Heft 28. Otto Ludwig: Aus dem Regen in die Traufe. Ill. 11.-20. T. Geh. 25, geb. 55 Pf.

Heft 29. Richard Huldschiner: Fegefeuer. Mit Buchschmuck. 11.-20. T. Geh. 70 Pf., geb. 1 M.

Heft 30. Franz Grillparzer: Weh dem, der lügt! Geh. 25, geb. 55 Pf. 11.-20. T.

* Heft 31. Paula Dehmel: Märchenbüchlein. Mit 2 bunten Voll- u. 4 Halb-Bildern. Geh. 30, geb. 70 Pf.

Heft 32. Auguste Supper: Die Hexe von Steinbronn. Ill. Geh. 10, geb. 40 Pf.

Heft 33. Adolf Wilbrandt: Der Mitschuldige. Ill. Geh. 30, geb. 70 Pf.

* Schillerbuch, enth. Einleitung über Schillers Leben, die Glocke, Balladen, Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. 21.-30. T. Geb. 1 M.

Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.

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Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung Hamburg-Großborstel.

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Zweck der Stiftung ist, „hervorragenden Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes zu setzen“. Über Zweck und Tätigkeit der Stiftung gibt das Werbeblatt genauere Auskunft, das auf Wunsch in jeder beliebigen Anzahl von Exemplaren (unberechnet und portofrei) zur Verfügung steht. Auch das Verzeichnis der von der Stiftung veröffentlichten Bücher wird auf Wunsch in jeder beliebigen Anzahl unentgeltlich und portofrei versandt.

Für einen Jahresbeitrag von 2 Mark aufwärts (oder einen einmaligen Beitrag von 20 Mark aufwärts) gibt die Stiftung einen Einzelband ihrer „Hausbücherei“ oder ihrer „Volksbücher“ als Gegenleistung.

Mitglieder erhalten alle bestellten Bücher von der Kanzlei der Stiftung portofrei.

Das Geschäftsjahr der Stiftung läuft vom 1. Januar bis zum 31. Dezember.

Zuschriften werden in der Regel unpersönlich erbeten — nur mit der Aufschrift: Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel. Erwünscht ist Angabe der Abteilung, an die der Brief gerichtet ist.

Telegramm-Adresse nur: Dichterstiftung Großborstel.

Zahlungen werden erbeten an die Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel — oder durch Banküberweisung an die Hamburger Filiale der Deutschen Bank, Depositenkasse H — oder an Postscheck-Konto Hamburg 737 — oder an Konto Nr. 859.112 der k. k. Postsparkasse, Wien.

Besondere Wünsche der Stiftung an ihre Freunde:

1. Werbung von Mitgliedern, wofür das Werbeblatt (s. oben) zur Verfügung steht. Auch Zeichnungslisten (für mehrere Personen) übersenden wir gern.

2. Angabe von Adressen, an die sich die Stiftung mit der Bitte um einen Beitrag wenden könnte.

3. Schaffung von Ortsgruppen und Frauengruppen (besonders auch Damen als Vorsteherinnen erwünscht).

4. Schenkung von Büchern zur Vervollständigung der Bibliothek der Stiftung.

Zierleiste
Zierleiste
Signet der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
Signet der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
Zierleiste
Zierleiste

Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.

Fußnoten:

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