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Carlos und Nicolás

Carlos und Nicolás auf dem Meere (continued 2)

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Dann fuhr sie wieder langsam weiter ...

Nach dem Nachtessen saß Herr Dr. Bürstenfeger mit Carlos und Nicolás im Rauchzimmer.

Auf dem Sofa saß die Dame aus Patagonien, neben ihr der Herr mit der Reisemütze.

„Heute nacht gehe ich nicht zu Bett!“ sagte sie.

„Das Klügste wäre, wir blieben alle auf“, bemerkte er.

Lange saß man schweigend.

Plötzlich rief Carlos aus: „Es tutet ja schon lange nicht mehr!“

In dem Augenblick kam der Herr aus Coruña hereingelaufen und rief laut und freudig: „Meine Herrschaften, der Nebel zerteilt sich!“

Alles eilte auf Deck. Man sah weit hinaus ins Meer. Hell erleuchtete Schiffe fuhren vorüber.

Gibraltar erstrahlte in tausend Lichtern.

„Herr Dr. Bürstenfeger, sehen Sie, Europa!“ riefen Carlos und Nicolás.

Bald leuchteten sämtliche Sterne am Himmel.

Ein großer Dampfer fuhr mit Musik nahe an der Lombardia vorbei.

Herr Dr. Bürstenfeger stand noch eine Weile mit Carlos und Nicolás auf Deck, dann ging er hinunter in den Salon, und von Begeisterung erfüllt, setzte er sich ans Klavier und spielte Beethovens Eroika ...

Zwei Tage später war man in Barcelona.

Schon frühmorgens war ein großer Teil der Emigranten ausgeschifft worden.

Etwas später stiegen die Passagiere der ersten Klasse aus.

Herr Dr. Bürstenfeger und Carlos und Nicolás standen auf Deck.

„Schade, daß wir nicht an Land können, weil das Schiff so kurze Zeit hält“, sagte Herr Dr. Bürstenfeger.

„Ist es denn in Deutschland nicht schöner als hier?!“ bemerkte tief enttäuscht Carlos.

„Barcelona ist eine schöne spanische Stadt, freilich ist dies hier von der Ferne aus schwer zu beurteilen“, antwortete Herr Dr. Bürstenfeger.

„Aber Deutschland ist doch viel schöner?!“

„Es wird euch dort schon gefallen“, antwortete Herr Dr. Bürstenfeger.

Jetzt stieg die schöne Dame mit den Purpurlippen in Begleitung eines jungen Exdeputierten aus Buenos Aires als Letzte in die unten wartende Barkasse.

Unzähliges Handgepäck folgte.

Die Barkasse stieß ab.

Die schöne Frau sah Carlos und Nicolás oben an der Reling stehen und warf ihnen zum Abschied Kußhände zu.

Carlos und Nicolás winkten mit den Taschentüchern und schrieen aus Leibeskräften: „Adieu, adieu, auf Wiedersehen!“

„Schon gut, schon gut, jetzt hört mal endlich auf!“ sagte Herr Dr. Bürstenfeger ärgerlich und legte ihnen die Hand auf die Schulter ...

* * *

Zwei Tage später in der Frühe fuhr die Lombardia in den Hafen von Genua ein.

Beinahe alle Passagiere waren auf Deck.

An der Reling standen Herr Dr. Bürstenfeger und Carlos und Nicolás, neben ihnen das Handgepäck und die Kiste mit den Affen.

Die Knaben dachten: Wie schön, bald sind wir in Mufflingen!

Herr Dr. Bürstenfeger murmelte: „Genua, Königin des Meeres, letzte große Station vor meiner Heimat!“

Auf Zwischendeck standen zwischen Koffern, Ballen und zusammengerollten Matratzen die Emigranten zum Aussteigen bereit.

Ganz vorn an der Spitze lehnte an der Reling ein alter Mann.

Vierzig Jahre war er von seiner Vaterstadt fortgewesen. Arm wie er fortgezogen, kehrte er jetzt wieder zurück.

Die Lippen aufeinandergepreßt, blickte er schon lange auf das sich nahende Genua.

Plötzlich breitete er die Arme aus, und laut weinend rief er, daß es über das ganze Schiff ertönte: „Genova mia Genova!“

Auf den Hafendocks spazierte Fräulein von Pfnühls guter Bruder. In Angst und Sorge wartete er auf seine Schwester. Er wußte, daß sie sich dem Trunk ergeben hatte, und stand bereits mit einer Alkoholentziehungsanstalt Mitteldeutschlands in Verbindung.

— Ende —

Illustration from Carlos und Nicolás

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