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Aufzählung und Beschreibung der Acacien-Arten des Nilgebiets

2. Acacia spirocarpa Hochst., A. Rich.

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Arbor 1-50-pedalis trunco a basi ramoso ligno albido coma umbelliformi cortice griseo-albido in trunco vetusto rimoso, saepissime laevi, in ultimis ramis fusco-sub-purpurascente tomentoso; spinis valde variis horizontaliter patentibus albis subteretibus vel leviter canaliculatis, modo 1-2-pollicaribus rectissimis modo unguiformibus brevissimis hamato-recurvis alternantibus, omnibus brevissime dense-tomentosis; foliis hirsuto-tomentosis; pinnis 5-10-jugis foliolis 10-15-jugis, parvulis longitudine latitudinem 3-4 superantibus interdum glabratis acutiusculis, petiolo communi breviter canaliculato basi 1-glanduloso; inflorescentia praecoce vel coaetanea pedunculis in axillis 1-5 fasciculatis semipollicaribus hirsuto-tomentosis irregulariter plerumque infra medium bracteatis, capitulis globosis albidis; leguminibus inter semina constrictis inflatis striato-venosis dense tomentosis pallidis subcoriaceis varie contorto-flexuosis, explicatis 2-6-uncialibus, seminibus 4-12 fusco-olivaceis, crassis.

A. Var. α. minor.

Saepe frutescens 1-20-pedalis, spinis -1-pollicaribus, foliorum pinnis 5-jugis foliolis 10, inflorescentia praecoce, capitulis minutis, leguminibus 2-pollicaribus, 4-spermis coriaceo-membranaceis.

Nomen vern.: arabice Ssāmmor, lingua Bega Ssanganēb, Ssāgga.

Habitat: Deserta Nubiae et Aegypti superioris, ad oras Maris Erythraei (in Arabia usque ad urbem Moïlah 27° 40′ lat. sept., in Aegypto usque ad Ras Mrehk 25° 44′ lat. sept.).

Aprili florens, Junio fructifera.

B. Var. β. major.

Arbor 20-50-pedalis, spinis -2½-pollicaribus, foliorum pinnis 5-10-jugis, inflorescentia coaetanea, capitulis majusculis leguminibus 4-6-pollicaribus coriaceis 8-spermis.

Nom. vern.: Ssāmmor, interdum Sejal ab incolis vocatur.

Habitat: Convalles Abyssiniae, Nubiae australioris, provinciarum Taka, Sennaar et Kordofan.

Martio, Aprili florens. Aprili fructifera.

Diese Art ist fast stammlos, d.h. der Stamm ist unmittelbar an der Basis pseudo-dichotom getheilt, so dass die schirmförmige Krone auf 2-4 Aesten zu ruhen scheint. Die Rinde ist nur an den ältesten Aesten längsrissig aufgespalten. An den übrigen Aesten ist sie fest, von sehr heller, weisslicher Färbung, aber rauh und mit zahlreichen erhabenen, quergestellten Lenticellen dicht bedeckt, was den Aesten ein coniferenartiges Aussehen ertheilt. Die jüngeren Zweige sind röthlich braun und stets flaumhaarig, seltener kahl werdend.

Der Blattstiel trägt nur unter dem untersten Fiederjoche eine Drüse, welche oft fehlen kann.

Die Blüthen stehen bei der Var. α. minor zu 25 in einem Köpfchen, das 5-6 Millim. im Durchmesser nicht übersteigt; bei der Var. β. major zu 45 in einem Köpfchen, dessen Durchmesser 9-10 Millim. beträgt. Der Kelch ist breit trichterförmig, hat 5 rundliche, stark gewimperte, gelbliche Zähne und 10 gelbliche Nerven. Die noch einmal so lange Blumenkrone hat eiförmig-spitze, gelbliche Zipfel, die nicht ohne kurze Franzen sind. Die Staubfäden, doppelt so lang als die Blumenkrone, sind 35-40 an der Zahl und farblos weiss. Der Griffel ist etwas länger als die Staubfäden. Der Blüthenboden erscheint nach Abfall der Blüthen dicht mit spathelförmigen, an der Spitze löffelartig geformten, behaarten und langgewimperten Deckblättchen, welche so lang sind als der Kelch, besetzt. Der fest am Stiel angewachsene, bräunliche Bracteenring hat 2-4 Zähne und sitzt meist am unteren Viertel desselben.

Die Hülsen sind bei Var. β. major an den Einschnürungen 4-5, über den Samen 7-8 Millim. breit; bei var. α. minor an den Einschnürungen 2-3 und über den Samen 4 Millim. breit. Die elliptischen, dunkel-olivengrünen Samen sind bei Var. β. major 7 Millim. lang, 4 Millim. breit und 2 Mill. dick; bei Var. α. minor 5½ Mill. lang, 3 Mill. breit und ½ Mill. dick.

Obgleich sich beide Varietäten durch auffallende und anscheinend constante Merkmale unterscheiden, so erscheint doch kein Zweifel über ihre Zusammengehörigkeit zu einer Art zulässig, vielmehr geben sich bei Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse alle Unterschiede nur als die Folge derselben zu erkennen.

Innerhalb der Region der Tropenregen im südlichen Nubien, in Abyssinien u.s.w. entwickelt sich die Var. β. major in den stets mit reichlicher Grundfeuchtigkeit versehenen Thälern und Niederungen der periodischen Wasserläufe (arabisch Chor genannt) zu einem ansehnlichen Baum, welcher fast das ganze Jahr hindurch mit reichlichem Laubschmucke geziert erscheint, eine schirmförmige, aber mehr abgerundete, etwas unregelmässigere Krone entfaltet, und durch längere Dornen, grössere, mehrjochige Blätter, grössere Blüthenköpfe und dickere, mehrsamige und längere Hülsen von der kleineren Spielart verschieden erscheint.

Letztere, die Var. α. minor, bewohnt die dürren Wüstenthäler Nubiens und Ober-Aegyptens bis zum 25° n.Br. ungefähr, und ist daselbst das allverbreitete Charakter-Gewächs dieser Flora. Sie wird selten höher als 20 Fuss, bildet oft nur kleine Sträucher, entwickelt aber stets eine durch täuschend regelmässige Dichotomie ihrer Verzweigung hervorgerufene, schirmförmige Krone, die oben wie geschoren eine Fläche darstellt, den grössten Theil des Jahres entlaubt dasteht und nur selten an Stellen reichlicher Grundfeuchtigkeit auch in den dürresten Monaten mit Blättern auftritt.

Ich würde keinen Anstand nehmen, die Var. minor mit der indischen A. planifrons W. Arn. zu identificiren, wenn mir von letzterer eine vollständige Suite von Exemplaren zu Gebote stände. Da ich die Frucht dieser Art nicht gesehen habe und die constant kahle Beschaffenheit aller Theile der A. planifrons (bei der A. spirocarpa H. fehlt ausnahmsweise nur an den Zweigen, aber selten vollständig die Behaarung) Unterschiede andeutet, so wage ich es vor der Hand nicht, hierüber ein Urtheil zu fällen. Erwähnung verdient noch, dass der schirmförmige Wuchs auch für die A. planifrons genau so angegeben wird, als derselbe bei der A. spirocarpa vorkommt. Die am entblätterten Zweige befindlichen Blüthen, die Dornen u.s.w. der Var. minor weichen, abgesehen von der Behaarung, durch nichts von den mir zu Gebote stehenden Exemplaren aus Mysore ab.

Die Ssāmmor-Acacie ist nahe verwandt mit der A. tortilis Hayne, von dieser aber leicht durch den stammlosen, schirmförmigen Wuchs, etwas hellere Rinde, kleinere Blättchen und die dichtflaumhaarige Bekleidung der Zweige, Dornen, Blätter und Hülsen zu unterscheiden. Aus dem sehr festen und zähen weisslichen Baste verfertigen sich die Eingeborenen die nöthigen Stricke und Bänder für ihren Hausrath. A. gummifera Del. (Centurie de pl. rec. par. Cailliaud pag. 21, 22), ein Name, welcher übrigens bereits früher durch Willdenow vergehen wurde, scheint nach der allerdings sehr ungenügenden Beschreibung mit dieser Art identisch zu sein.

Erklärung der Abbildungen.

Taf. IV. Var. α. minor. 1. Fruchttragender Zweig. 2. Blüthentragendes Zweigstück. 3. Hülsen (alle nat. Gr.). 4. Blüthe nebst Fruchtknoten. 5. Blüthenköpfchen nebst Stiel. 6. Vierzähniger Bracteenring. 7. Deckblättchen (vergr.)

Taf. V. Var. β. major. 1. Blühender Zweig. 2. u. 3. Hülsen. 4. Samen (alle nat. Gr.).

Taf. VI. Ein 15′ hohes Bäumchen, nebst kleineren im Hintergrunde, von Var. α. minor, von der nubischen Küste.

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