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Anna Karenina, 2. Band

Sechster Teil. (continued 4)

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„Ja,“ antwortete er. „Der Brief war so befremdend. Bald war Any krank, bald wolltest du selbst kommen.“

„Es war alles wahr.“

„Daran zweifle ich auch gar nicht.“

„Doch; du zweifelst. Du bist mißgestimmt; ich sehe es.“

„Keinen Augenblick. Ich bin nur darüber ungehalten; — es ist ja wahr — du, du scheinst nicht zugeben zu wollen, es gäbe Pflichten“ —

— „Ins Konzert zu fahren“ —

— „Wir wollen nicht darüber sprechen,“ sagte er.

„Warum sollen wir nicht davon sprechen?“ antwortete sie.

„Ich will nur sagen, daß man unumgänglich notwendige Geschäfte haben kann. So muß ich jetzt wieder nach Moskau fahren wegen einer Angelegenheit meines Hauses. — Ach, Anna, weshalb bist du so reizbar? Weißt du denn nicht, daß ich ohne dich nicht leben kann?“

„Wenn es so steht,“ sprach Anna, plötzlich den Ton verändernd, „daß dieses Leben dir lästig wird — ja, du kommst auf einen Tag und fährst wieder fort — so machen es“ —

— „Anna, das ist hart. Ich bin bereit, mein ganzes Leben hinzugeben“ —

Doch sie hörte ihn nicht.

„Wenn du nach Moskau fährst, fahre auch ich mit. Ich bleibe nicht hier. Entweder wir müssen uns trennen, oder miteinander leben!“ —

„Aber du weißt doch, daß dies eben mein einziger Wunsch ist! Doch hierzu“ —

— „Ist die Ehescheidung nötig? Ich werde ihm schreiben! Ich sehe, daß ich nicht so leben kann. Aber ich werde mit dir nach Moskau gehen.“

„Das ist ja, als wolltest du mir drohen? Ich wünsche doch nichts weniger, als mich von dir zu trennen,“ sagte Wronskiy lächelnd.

Nicht nur der kalte, böse Blick eines Menschen, welcher verfolgt wird und verstockt ist, glänzte in seinen Augen auf, als er diese zärtlichen Worte sprach.

Sie sah diesen Blick und erriet richtig seine Bedeutung.

„Wenn es so steht, so ist es ein Unglück!“ sprach dieser Blick. Es war dies nur ein augenblicklicher Eindruck, aber sie hatte ihn nie mehr vergessen können.

Anna schrieb an ihren Mann einen Brief, mit der Bitte um die Ehescheidung, und reiste zu Ende des November, sich von der Fürstin Barbara trennend, welche nach Petersburg fahren mußte, zusammen mit Wronskiy nach Moskau. Täglich eine Antwort von Aleksey Aleksandrowitsch erwartend, und nach dieser die Ehescheidung, hatten sie sich jetzt wie Eheleute zusammen einquartiert.

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