Die Reise
Reading edition
Ich bin reisefertig.
Corra ging noch einmal hinauf in ihr Zimmer, um die Jacke; die Abende werden jetzt schon kühl. Ich stehe an den Pfosten der Türe zum Vorhaus gelehnt und warte. Und das macht mir Freude, daß ich hier so stehen darf, gelehnt an den Pfosten und warten ...
Und sie lassen mir ihn, den Pfosten, die hier heroben sind und hausen. Menschen voll Güte ...!
Ich stehe an den Pfosten gelehnt und überschaue von da aus die große weite Welt.
Corra kommt. Sie hat ihre Jacke, im Gehen ruft sie dem Küchenmädchen zu, ob sie die Levkojen hineingenommen habe. Marie?
... Ja, tönt es zurück.
Levkojen? frage ich.
Ja, sagt sie und lächelt. Und so kommt es, daß meine Augen noch einmal über das Haus gleiten müssen ... Und heimlich verabschiede ich mich von den großen, weißgetünchten Schornsteinen und von dem Himmel, der gleich hinter dem Dachfirst anfängt. Die paar Wölkchen, die ganz rot dahergesegelt kommen, inbegriffen. Und dann vom Dache extra. Das hat seine helle, ziegelrote Farbe schon ein wenig eingebüßt.
— Liebe Corra, laß mich deine Jacke tragen.
— Nein, ich habe meine neue Jacke mitgenommen, du verdrückst sie mir.
Und ich lasse ab, von diesem meinem Wunsche und denke bei mir: Corra hat eine neue Jacke mitgenommen und im Geiste lege ich den Finger auf die Stirne: Die neue Jacke ...
Jetzt vergesse ich, mich noch einmal umzusehen! Nach dem Pfosten der Türe zum Vorhaus zu schauen ... Und die weißgetünchten Schornsteine? Aber alles ist schon untergetaucht und verschwunden ... Ja und das mit der Jacke war unser ganzes Gespräch. Corra geht zwei Schritte weit neben mir, dann drei ... Und jetzt geht sie gar lächerlich nahe neben mir ... Corra?
Ich werde grob und sage zu mir: Halts Maul! Und jetzt erinnere ich mich, daß sie tralala machte.
Wer nun war daran schuld, wie ich, daß sie nun wieder weit von mir in der Herbstsaat herumstieg!
Eine ganze Straßenbreite weg stiefelt (...) sie in der Ackererde.
Corra kommt zu mir herüber, legt ihren Arm auf den meinen, schaut mir ins Gesicht (...) und sagt: du, du kannst meine Jacke tragen ...
... Und sie gibt ihre Jacke ...
Die neue Jacke ...
Und sie tut das ganz offen, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Meine Arme waren lahm ... Meine Füße gingen mechanisch. Corra hängt sich sogar in mich ein.
Und sie gehen fort, eine geschlagene Stunde, miteinander ... Und, du, du kannst meine Jacke tragen, bleibt unser ganzes Gespräch ...
*