IX. Indische Menschen (continued 2)
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Ich schätzte nun aber Kalru als Dschamadar sehr, und es lag mir viel daran, die Wette zu gewinnen, um ihn so wenigstens von den begangenen Sünden rein zu waschen. So drohte ich ihm denn mit der Auslieferung an die britischen Behörden und versprach ihm zum Schluß vor Zeugen, daß ich alle Folgen selbst auf mich nähme, wenn er in derselben Nacht noch irgend etwas aus dem Zelte des Polizei-Inspektors zu stehlen vermöge. Endlich stellte ich ihm noch eine ganze Flasche Eingeborenen-Schnaps in Aussicht, und er versprach mir, sein Bestes zu tun, um mir meine Wette zu gewinnen.
In der Frühe des nächsten Morgens kommt er, mit tausend Bitten um Vergebung und sich vor Unterwürfigkeit auf der Erde wälzend, an mein Bett. Dabei hält er mir ein weißes Bündel hin, von dem er sagt, daß er nur auf meinen ganz ausdrücklichen Befehl hin gewagt habe, es aus dem Zelte des Polizei-Inspektors zu entwenden. Es war das Betttuch des Inspektors, das Laken, auf dem er am vergangenen Abend fest und sicher eingeschlafen war!
Niemand begriff, wie es möglich gewesen sei, einen so außerordentlich frechen Diebstahl auszuführen. Endlich gestand Kalru, daß er auf meinen Befehl in das Zelt des Polizei-Sahib geschlichen sei — dies war für einen geschmeidigen Jäger kein so großes Kunststück, sobald er unter der Zeltwand ein Loch zum Durchschlüpfen gegraben hatte —, als der Polizei-Dschokitar, der Wächter des Zeltes, tief geschlafen habe. Im Zelt habe er sich neben das Bett des Inspektors auf den Boden gesetzt und sich überlegt, was er nun wohl am besten mitnehmen könne? Ein indisches Zeltbett ist schmal wie eine Schiffskoje. Statt der Matratze liegt man auf einem „Ressai“, einem dünnen, kühlen Kissen, das von einem Gurtnetz getragen wird, und über das das Laken gebreitet ist.
Kalru setzte sich nun neben den im Nachtanzug schlafenden Polizei-Inspektor und begann, behutsam das Laken der Länge nach bis an den Rücken des Schläfers zu einer dünnen, festen Rolle zusammenzurollen. Diese etwa einen Zentimeter dicke Rolle mußte vom Schläfer bei einer Bewegung lästig empfunden werden, und Kalru rechnete damit, daß er sich aus diesem Grunde im Schlafe auf die andere Seite drehen würde.
Er wartete geduldig, bis diese von ihm vorausgesehene Bewegung gemacht war, worauf er das Laken nur auf der anderen Seite bis zum Rande zusammenzurollen brauchte, um mit seiner Beute das Zelt verlassen zu können.
