Gedichte.
Reading edition
Gedichte.
Seite
Der Schwester Traum 17
Mutterliebe 19
An die Freiheit 20
1. Zur Feier des 18. Junius 1824 21
2. Zur Feier des 18. Junius 1823 23
3. Zur Feier des 18. Junius 1824 23
4. Zur Feier des 18. Junius 1824 24
Turnerlust 25
Das Burschentum 26
Trinklied 27
Reiters Morgengesang 28
Soldatenmut 29
Prinz Wilhelm 30
Soldatentreue 32
Soldatenliebe 33
Hans Huttens Ende 33
Entschuldigung 35
Jesuitenbeichte 37
Regel für Kranke 38
Schriftsteller 39
Lehre aus Erfahrung 40
Amor der Räuber 40
Stille Liebe 41
Hoffe 41
Trost 43
Sehnsucht 44
Ihr Auge 45
Serenade 46
Lied aus der Ferne 46
Die Freundinnen an der Freundin Hochzeittage 47
An Emilie 48
Der Kranke 49
Grabgesang 50
Aus dem Stammbuche eines Freundes 51
Logogryph 51
Rätsel, drei 52
Scharade 53
Der Schwester Traum.
Sie schläft. – Es ist die letzte Nacht des Jahres, Und wenn die Morgenglocken wieder tönen, Grüßt eine neue Zeit das holde Kind. Man sagt, in dieser letzten Mitternacht Entsteigen ihren Gräbern manche Schatten, Die Seelen schweben von dem Himmel nieder, Die Heimat und die Freunde zu besuchen. Auch sie gedachte dieser alten Sage, Als sie im stillen, einsamen Gemach Die Ruhe suchte, und den schönen Augen Entströmten Tränen. Doch, nicht kind'sche Angst Vor der geheimnisvollen Wiederkehr Geschiedner Geister trübte ihre Blicke; Nein, die Erinnrung an geliebte Schatten, Die Wehmut um so manches teure Grab Senkte sich nieder in die stille Seele; Sie hat für sie gebetet und geweint. Sie schlummert, und es nahen die Verlornen, Die schönen Toten, ihrem stillen Lager; Die Schwestern ihrer Jugend stehen auf Von einer Welt, wo keine Blüte stirbt. Erkennst du sie? Du siehst sie nimmer wieder Als blühende, als irdische Gestalten; Nicht wie sie Blumen pflückten, Kränze banden, Nicht wie sie um den trauten Winterherd Die schaurig schönen Märchen dir erzählten, Nicht wie du ihnen unter Lust und Scherz Zum Maientag die schönen Haare flochtest: – Dies alles blieb in ihrem frühen Grab. Sie nahen dir mit geisterhaftem Schimmer, Umstrahlt von heil'gem, überird'schem Glanz. Doch, sind die Blütenkränze abgestreift, Ist ihrer Jugend Schmuck im Sarg zerfallen, Sie bringen doch die alte Liebe mit, Und sanfter, als in ihrer Erdenschöne, Und weich und zärtlich wie der Lampe Licht, Das deine milden Züge still umschwebt, Sind sie genaht, und deinem geist'gen Blick Begegnen grüßend ihre lichten Augen, Von Strahlen der Unsterblichkeit gefüllt. Sie segnen dich; von ihren heil'gen Lippen Ertönt es wie der Aeolsharfe Ton, Wenn lieblich flüsternd durch die feinen Saiten Der Hauch des Abends weht: »Geliebte Schwester, Wir denken deiner und wir sind dir nah, Und segnend schweben wir um deine Tritte; So oft dein Aug' im schönen Morgenrot, Im heitern Blau des Mittags sich ergeht, Trifft uns dein Blick; siehst du den Wölkchen nach, Die in dem Meer der Abendröte segeln, Dort schiffen wir; und auf des Mondes Strahl, Der mild und freundlich in dein Fenster fällt, Entschweben wir von deinem stillen Lager Mit deinen Tränen nach den sel'gen Höhn.« So flüstern sie und neigen sich herab, Die Stirn der teuern Schlafenden zu küssen Und dann beflügelt, eh' sie schnell erwacht, Eh' ihre Augen die Erscheinung haschen, Im milden Strahl des Mondes aufzuschweben Nach sel'gen Höhn. Ja dort, wo anders fände Die Schwesterliebe ihre ew'ge Heimat? So stürmisch nicht, nicht so voll hoher Worte Wie Bruderliebe, doch nicht minder tief, Gleicht sie dem Bergsee, der in heil'ger Stille Den Himmel und die friedlichen Gestade Getreuer widerspiegelt als der Bergstrom, Der Bild und Ufer in sein Bett begräbt. Ja, tief und selig ist die Schwesterliebe, Und zarter, rührender erscheint sie kaum, Als wenn sie über Gräbern noch sich findet Und Tote leben in der Schwester Traum.
Mutterliebe.
Mutterliebe! Allerheiligstes der Liebe! Ach! die Erdensprache ist so arm, O, vernähm' ich jener Engel Chöre, Hört' ich ihrer Töne heilig Klingen, Worte der Begeistrung wollt' ich singen: »Heilig, heilig ist die Mutterliebe!« Wie die Sonne geht sie lieblich auf, Blickt herab, den Blick voll süßen Frieden, Lächelt freundlich ihrer jungen Blüten – Und die Pflanze sproßt zum Licht hinauf. Rauhe Stürme ziehen durch die Flur, Und die junge Pflanze bebet, Doch die Sonne blickt durch die Natur, Und die junge Pflanze lebet, Neu erwärmt von ihrem Blick, und strebet Höher noch zu ihrer Sonne auf. Mutterliebe! du, du bist die Sonne! O wie leuchtest du der Blüte doch so warm! O wie heilig ist die Mutterwonne, Wenn das Kind umschlingt der treue Arm! So am Abend, so am Morgen, Nie ermattet sie, Wacht in Freuden, wacht in Sorgen Spät und früh. Sie begießt mit Muttertränen Ihrer Augen Lust, Wärmet sie mit stillem Sehnen An der treuen Brust. Süße Hoffnung schwellt die Mutterbrust, Daß die Blüte werd' zur Knospe keimen, Früchte sieht sie in den süßen Träumen. Heil'ge, reine Mutterliebe, Daß sich nie dein stiller Himmel trübe! Mutterliebe! Allerheiligstes der Liebe! Dir ertönten jener Engel Chöre; Als der Herr zur Erde niederstieg, Wollt' er an der Mutterlieb' erwarmen Und erwachte in der Mutter Armen. Sinket nieder, Schwestern, Brüder, Fleht zu dem, der Mutterlieb' gekannt, Der sie schuf, sein reinstes Seelenband. Fleht mit uns, ihr Geister unsrer Lieben, Tragt es aufwärts, unser kindlich Flehn, Tragt's hinauf zu jenen Sternenhöh'n, Werft euch nieder vor des Vaters Thron, Fallet nieder vor der Mutter Sohn, Daß auf uns er seine Gnade senke Und den süßen Trost uns immer schenke – Das segensvolle Heiligtum der Liebe, Der Mutterliebe!
An die Freiheit.
Was mir so leise einst die Brust durchbebte, Als ich zuerst zum Jüngling war erwacht, Was sich so hold in meine Träume webte, Ein lieblich Bild aus mancher Frühlingsnacht; Und was am Morgen klar noch in mir lebte, Was dann, zur lichten Flamme angefacht, Mit kühner Ahnung meine Seele füllte – Es wären nur der Täuschung Luftgebilde? Was ich geschaut im großen Buch der Zeiten, Wenn ich der Völker Schicksal überlas, Was ich erkannt, wenn ich die Sternenweiten Der Schöpfung mit dem trunknen Auge maß, Was ich gefühlt bei meines Volkes Leiden, Wenn sinnend ich am stillen Hügel saß – Ich fühle es an meines Herzens Glühen, Es war kein Traumbild eitler Phantasieen! Du, stille Nacht, und du, o meine Laute! Nur euch, ihr Trauten, hab ich es gesagt; Ertönt's noch einmal, was ich euch vertraute, Erzählt's dem Abendhauch, was ich geklagt, O sagt's ihm, was ich fühlte, was ich schaute, Und was mein ahnend Herz zu hoffen wagt; O Freiheit, Freiheit, dich hab' ich gesungen, Und meiner Ahnung Lied hat dir geklungen! Die müde Sonne ist hinabgegangen, Der Abendschein am Horizont zerrinnt, Doch du, o Freiheit, spielst um meine Wangen, Stiegst du hernieder mit dem Abendwind? Nach dir, nach dir ringt heißer mein Verlangen, Ich fühl's, du schwebst um mich, so mild, so lind. O weile hier, wirf ab die Adlerflügel! Du schweigst? Du meidest ewig Deutschlands Hügel? Wohl lange ist's, seit du so gerne wohntest Bei unsern Ahnen in dem düstern Hain: Dünkt dir, wie gern du auf den Bergen throntest Vom eis'gen Belt bis an den alten Rhein? Mit Eichenkränzen deine Söhne lohntest? Das schöne Land soll ganz vergessen sein? Noch denkst du sein; es wird dich wiedersehen, Wird auch dein Geist dann längst mein Grab umwehen.
Zur Feier des 18. Junius 1824.
I.
Seid mir gegrüßt im grünen Lindenhain, Seid mir gegrüßt, ihr meine deutschen Brüder; Auf! sammelt euch in festlich frohen Reihn, Stimmt fröhlich an des Sieges Jubellieder; Daß heut der stolze Adler niedersank, Daß sich mein Volk einlöste mit dem Schwerte Sein Heldentum, der Freiheit Ruhm, die deutsche Erde, Trag's zu den Wolken, donnernder Gesang! Trübt auch die Wolke unsres Festes Glanz, Sind auch zerschlagen schon des Siegs Altäre, Die jüngst noch, in dem jungen Siegerkranz, Der Deutsche weihte seines Volkes Ehre: Mög' Arglist auch und Trug mit finstrem Bann Dem Siegervolke noch die Zunge binden, – Begeisterung, des Jünglings Dank, soll's laut verkünden: »Wer dort gekämpft, fiel nicht für einen Wahn!« Denn auferstehen soll ein neu Geschlecht, Wir fühlen Kraft in uns, uns dran zu wagen, Zu kämpfen für die Freiheit und das Recht, Um deutsch zu sein wie in der Vorzeit Tagen! Ein hoher Sinn stieg auf aus blut'gem Streit, Es kehrt der biedre Geist der Väter wieder, Und stolzer stehn, in deutscher Kraft und frei, o Brüder, Wir auf den Trümmern der vergangnen Zeit! Drum tretet mutig in die Kämpferbahn, Noch gilt es ja, das Ziel uns zu erringen! Fürs liebe Vaterland hinan, hinan! Doch nur von innen kann das Werk gelingen, Und nicht durch Völkerzwist, durch Waffenruhm, Nein, unser Weg geht durch Minervas Hallen; Laßt uns vereint zum Ideal, zum Höchsten wallen, Erschaffen uns ein echtes Bürgertum! Ja, so ersteht ein freies Vaterland; O Bruderbund, dies hast du dir erkoren! Hebt in die Lüfte auf die treue Hand, Dem Vaterlande sei es fest geschworen! O schöne Saat! Der junge Stamm erblüht, Und schützend ragt er auf wie Deutschlands Eichen; Blüh', schöner Stamm, die Sonne kommt, die Schatten weichen, Und fern dahin die dunkle Wolke zieht.
II. 1823.
Ferne in der fremden Erde Ruhet ihr bei euerm Schwerte In des Todes sichrer Hut; Heil'ger Frieden Lohnt euch Müden, Nach des Tages heißer Glut. Frankreichs Adler saht ihr fallen, Hörtet Siegesdonner schallen, Als der Tod das Auge brach. Heil euch Lieben, Träumet drüben Von der Freiheit goldnem Tag. Selig preis' ich eure Lose In der Erde kühlem Schoße. Ach, ihr saht der Freiheit Licht, Saht sie steigen Ueber Leichen – Doch sie sinken saht ihr nicht. Fern von eurem Siegestale Denken wir beim Todesmahle Innig eurer Siegerschar, Und wir gießen, Euch zu grüßen, Tränen auf den Festaltar.
III. 1824.
So nahst du wieder, holde Siegesfeier, Die unsre Brust mit süßen Träumen füllt, Die mit der Freude dichtgewebtem Schleier Das trübe Bild der Gegenwart verhüllt: Du nahst – und alle Herzen schlagen freier, Gesang und Jubel tönet durchs Gefild, Und meiner Brüder frohe Blicke sagen: »Es war mein Volk, das diese Schlacht geschlagen!« Es war mein Volk, und nicht die frohen Binden Von Eichlaub sollten schmücken das Gelag; Wohl sollten wir Zypressenkränze winden Um mancher Hoffnung frühen Sarkophag; Doch – den Gefallnen laßt uns Kränze winden, Und einmal noch am frohen Siegestag, Weil rings um uns des Sieges Früchte welken, Laßt uns in der Erinnrung Träumen schwelgen. Drum grüß' ich dich, du Feld, wo sie gefallen, Wo froh ihr Aug' im Siegesdonner brach! Drum grüß' ich euch in euern Wolkenhallen, Ihr Tapfern, die ihr tilgtet unsre Schmach! Euch, tapfern Sängern, euch, ihr Helden, allen, Euch tönen unsre Liebesgrüße nach, Und euch, die ihr dem Auge schnell entschwunden, Der jungen Freiheit kurze Frühlingsstunden! Und hätte man den Denkstein euch zerschlagen Und eure Kränze in den Staub gedrückt: Die Blumen haben in des Frühlings Tagen Der Helden Grab mit neuem Grün geschmückt. So keimt auch unsre Hoffnung unter Klagen; Denn ob der Sturm sie Blatt für Blatt zerpflückt, Neu sproßt sie aus dem Hügel eurer Leichen, Und Gott wird wachen über ihren Zweigen.
IV. 1824.
Wo eine Glut die Herzen bindet, Wo Aug' dem Auge nur verkündet, Was Sehnsucht in dem Herzen spricht; Wo, wenn der Sturm die Form zerspaltet, Die Gottheit in den Trümmern waltet, Kennt man der Liebe Trennung nicht. Heran, ihr Brüder! Nord und Süden, Ob euch des Herrschers Wink geschieden, Laßt uns ein Volk von Brüdern sein; Schließt ja in Schönbunds weiten Auen Von allen Strömen, allen Gauen Ein Rasen unsre Brüder ein. Wohl ist der Siegsgesang verklungen, Ganz anders wird jetzt vorgesungen, Ganz andre Weisen spielt man vor; Doch tönt, von Wehmut fortgetragen, Ein Ton noch aus den bessern Tagen Und schlägt an manch empfänglich Ohr. Hört ihr auf Frühlings leichten Schwingen Den alten Ton herüberklingen Von unsrer Brüder Schlachtgefild? Der Einklang ist's von tausend Tönen, Der mächtig in Germanias Söhnen Zu der Begeistrung Wogen schwillt.
Turnerlust.
Was zieht dort unten das Tal entlang? Eine Schar im weißen Gewand; – Wie mutig brauset der volle Gesang! Die Töne sind mir bekannt. Sie singen von Freiheit und Vaterland, Ich kenne die Scharen im weißen Gewand. Hurra! Hurra! Hurra! Die Turner ziehen aus. Die Turner ziehen ins grünende Feld Hinaus zur männlichen Lust; Daß Uebung kräftig die Glieder stählt, Mit Mut sich füllet die Brust: Drum schreiten die Turner das Tal entlang, Drum tönet ihr mutiger froher Gesang: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust! O sieh, wie kühn sich der Blick erhebt, Wenn der Arm den Gegner umfaßt! Und frei, wie der Aar durch die Lüfte schwebt, Fliegt auf der Turner am Mast; Dort schaut er weit in die Täler hinaus, Dort ruft er's froh in die Lüfte hinaus: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust! Es ist kein Graben zu tief, zu breit, Hinüber mit flüchtigem Fuß! Und trennt die Ufer der Strom so weit, Hinein in den tosenden Fluß! Er teilt mit dem Arm der Fluten Gewalt, Und aus den Wogen sein Ruf noch schallt: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust! Er schwingt das Schwert in der starken Hand, Zum Kampfe stählt er den Arm; O dürft' er's ziehen fürs Vaterland! Es wallt das Herz ihm so warm. Und sollte sie kommen, die herrliche Zeit, Sie fände den tapfern Turner bereit. Hurra! Hurra! Hurra! Wie ging's dann mutig in Feind! So wirbt der Turner um Kraft und Mut Mit Frührots freundlichem Strahl, Bis spät sich senket der Sonne Glut Und die Nacht sich bettet im Tal; Und klingt der Abendglockenklang, Dann ziehn wir nach Haus mit fröhlichem Sang Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust!
Das Burschentum.
Wenn die Becher fröhlich kreisen, Wenn in vollen Sangesweisen Tönt so manches Helden Ruhm, Ja, da muß man dich auch singen, Muß auch dir die Becher schwingen, Dir, du altes Burschentum! Fragt ihr, wo die Freiheit wohne? Auf Europas weiter Zone Habt ihr nimmer sie gesehn; Nur bei alter, treuer Sitte, In der Burschen froher Mitte Mag ihr Tempel noch bestehn. Froh und frei, wie's unsre Alten Einst zu ihrer Zeit gehalten, Leben wir, so lang es gilt; Freuen uns – mit leerer Tasche, Wenn uns nur aus voller Flasche Klar der braune Nektar quillt. Nicht in marmornen Trophäen Kann die späte Nachwelt sehen, Was wir Brüder hier getan! Doch zum Denkstein unsern Siegen Häufen wir aus leeren Krügen Hohe Pyramiden an. Mit dem Humpen in der Linken Wollen wir dein Wohlsein trinken, Altes, frohes Burschentum! Mit dem Hieber in der Rechten Wollen wir dich kühn verfechten, Freies, tapfres Burschentum!
Trinklied.
Wer seines Leibes Alter zählet Nach Nächten, die er froh durchwacht, Wer, ob ihm auch der Taler fehlet, Sich um den Groschen lustig macht, Der findet in uns seine Leute, Der sei uns brüderlich gegrüßt, Weil ihn, wie uns, der Gott der Freude In seine sanften Arme schließt. Wenn von dem Tanze sanft gewieget, Von Flötentönen sanft berauscht, Fein Liebchen sich im Arme schmieget, Und Blick um Liebesblick sich tauscht, Da haben wir im Flug genossen Und schnell den Augenblick erhascht, Und Herz an Herzen festgeschlossen, Der Lippen süßen Gruß genascht. Den Wein kannst du mit Gold bezahlen, Doch ist sein Feuer bald verraucht, Wenn nicht der Gott in seine Strahlen, In seine Geisterglut dich taucht; Uns, die wir seine Hymnen singen, Uns leuchtet seine Flamme vor, Und auf der Töne freien Schwingen Steigt unser Geist zum Geist empor. Drum, die ihr frohe Freundesworte Zum würdigen Gesang erhebt, Euch grüß' ich, wogende Akkorde, Daß ihr zu uns herniederschwebt! Sie tauchen auf – sie schweben nieder, Im Vollton rauschet der Gesang, Und lieblich hallt in unsre Lieder Der vollen Gläser Feierklang. So haben's immer wir gehalten Und bleiben fürder auch dabei, Und mag die Welt um uns veralten, Wir bleiben ewig jung und neu. Denn, wird einmal der Geist uns trübe, Wir baden ihn im alten Wein Und ziehen mit Gesang und Liebe In unsern Freudenhimmel ein.
Reiters Morgengesang.
(Nach einem schwäbischen Volkslied.)
Morgenrot, Leuchtest mir zum frühen Tod? Bald wird die Trompete blasen, Dann muß ich mein Leben lassen, Ich und mancher Kamerad! Kaum gedacht, War der Lust ein End' gemacht. Gestern noch auf stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen, Morgen in das kühle Grab! Ach, wie bald Schwindet Schönheit und Gestalt! Tust du stolz mit deinen Wangen, Die mit Milch und Purpur prangen? Ach! die Rosen welken all! Darum still Füg' ich mich, wie Gott es will. Nun, so will ich wacker streiten, Und sollt' ich den Tod erleiden, Stirbt ein braver Reitersmann.
Soldatenmut.
Soldatenmut siegt überall, Im Frieden und im Krieg, Bei Flöten- und Kanonenschall Erkämpft er sich den Sieg; Sei's um ein Küßchen mit der Maid, Sei's mit dem Feind um Blut, Da ist er schnell zum Kampf bereit, Da siegt Soldatenmut! Hurra! Da siegt Soldatenmut! Wenn sich der Tanz im Wirbel schwingt Und Aug' in Auge blickt, Der Arm sich um die Hüfte schlingt Und Hand in Hand sich drückt, Da ist die Maid in kurzer Frist Dem schlanken Burschen gut; Wer lange fragt, hat nie geküßt, Da siegt Soldatenmut, Hurra! Da siegt Soldatenmut! Und wenn am heißen Sommertag Den Marsch die Hitze drückt, Und wenn das rasche Roß erlag Und müd' zur Erd' sich bückt, Hat der Soldat sich aufgerafft, Er singet wohlgemut, Wirbt durch Gesang sich neue Kraft; So siegt Soldatenmut! Hurra! So siegt Soldatenmut! Und wenn im Tal die Banner wehn Und Heer an Heer sich schließt, Und uns von den Batt'rieen Höhn Kanonendonner grüßt: Da reißt uns durch den Waffenplan Des Kampfes wilde Glut, Da mit dem Schwert, Mann gegen Mann, Da siegt Soldatenmut: Hurra! Da siegt Soldatenmut! Und wenn mein Stündlein kommen sollt', So bin ich frisch zur Hand; Ich sterb' ja nicht für eitles Gold, Ich fall' fürs Vaterland. Was ich gesollt, hab' ich getan, Und hab's gelöst mit Blut: So lebt, so stirbt für seine Fahn', So siegt Soldatenmut! Hurra! So siegt Soldatenmut!
Prinz Wilhelm.
Prinz Wilhelm, der edle Ritter, Ritt hinaus ins Schlachtgewitter, Ritt mit aus in blut'gen Strauß; Denn als man die Trommel rührte Und nach Frankreich abmarschierte, Blieb der Kronprinz nicht zu Haus. Durch des Rheines wilde Wogen Ist er schnell hindurchgezogen, Ziehet weiter ohne Ruh'. Auf die Feinde durch die Wälder, Durch die eisbedeckten Felder, Auf die Feinde eilt er zu. Bei Brienne, im dunkeln Walde Unser Jägerhorn erschallte, Unsre Trommeln wirbeln drein; In den Feind durch Sumpf und Graben Stürmt der Prinz mit seinen Schwaben, Daß der Sieg muß unser sein. Und bei Montereaus blut'ger Brücken, Als der Feind wollt' schier erdrücken Unsre kleine, treue Schar, Hat er gegen Sturmsgewalten Ritterlich den Paß gehalten, Bis sein Volk gerettet war. An der Aube, am Marnestrande, An der Seine weitem Lande Kennt man Wilhelm und sein Schwert; Epinal auf blut'gen Wegen, Troyes' heißer Kugelregen Haben seinen Stamm bewährt. Ja, wo treue Schwaben stritten, War auch in des Kampfes Mitten Unser Kronprinz stets dabei; Ja, so stritt im Schlachtgewitter Prinz Wilhelm, der edle Ritter, Furchtlos, wie sein Wort, und treu. Schlaget ein, ihr Kameraden! Wenn zum Krieg die Trommeln laden, Strömen freudig wir herbei: Denn als König zieht der Ritter Nun voraus im Schlachtgewitter, Furchtlos, wie sein Wort, und treu.
Soldatentreue.
Wohl dem, der geschworen Zur Fahne den Eid, Der sich zum Schmuck erkoren Des Königs Waffenkleid! Sei Treue verraten, Sei Ehre verbannt, Doch gehn mit dem Soldaten Sie beide Hand in Hand. Es grüßt ja zur Seite Sein Säbel ihm zu Und ruft ihm aus der Scheide: »So treu wie Stahl seist du!« Die Büchse, sie winket So freundlich und rein; So rein als wie sie blinket, Soll seine Ehre sein. Das tönt ihm so süße, Das schwellt ihm den Arm, Das macht, wie Liebchens Küsse, Soldatenherz so warm! Drum auf! Es ertönen Trompeten voll Mut! In Vaterlandessöhnen Wallt treues Heldenblut! Die Welt mag zerreißen Die Schwüre wie Spreu; Ich weiß ein Wort wie Eisen, Es heißt: Soldatentreu'.
Soldatenliebe.
Steh' ich in finstrer Mitternacht So einsam auf der fernen Wacht, So denk' ich an mein fernes Lieb, Ob mir's auch treu und hold verblieb? Als ich zur Fahne fort gemüßt, Hat sie so herzlich mich geküßt, Mit Bändern meinen Hut geschmückt Und weinend mich ans Herz gedrückt! Sie liebt mich noch, sie ist mir gut, Drum bin ich froh und wohlgemut! Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht, Wenn es ans treue Lieb gedacht. Jetzt bei der Lampe mildem Schein Gehst du wohl in dein Kämmerlein Und schickst dein Nachtgebet zum Herrn Auch für den Liebsten in der Fern'! Doch wenn du traurig bist und weinst, Mich von Gefahr umrungen meinst! – Sei ruhig, bin in Gottes Hut, Er liebt ein treu Soldatenblut. Die Glocke schlägt, bald naht die Rund' Und löst mich ab zu dieser Stund'; Schlaf wohl im stillen Kämmerlein Und denk' in deinen Träumen mein.
Hans Huttens Ende.
Laut rufet Herr Ulrich, der Herzog, und sagt: »Hans Hutten, reite mit auf die Jagd, Im Schönbuch weiß ich ein Mutterschwein, Wir schießen es für die Liebste mein.« Und im Forst sich der Herzog zum Junker wandt': »Hans Hutten, was flimmert an deiner Hand?« »Herr Herzog, es ist halt ein Ringelein, Ich hab' es von meiner Herzliebsten fein.« »Herr Hans, du bist ja ein stattlicher Mann, Hast gar auch ein güldenes Kettlein an?« – »Das hat mir mein herziger Schatz geschenkt Zum Zeichen, daß sie noch meiner gedenkt.« Und der Herzog blicket ihn schrecklich an: »So? Das hat alles dein Schatz getan? Der Trauring ist es von meinem Weib, Das Kettlein hing ich ihr selbst um den Leib.« O Hutten, gib deinem Rappen den Sporn, Schon rollet des Herzogs Auge im Zorn! Flieh, Hutten! es ist die höchste Zeit, Schon reißt er das blinkende Schwert aus der Scheid'! »Dein Schwert raus, Buhler, mich dürstet sehr, Zu sühnen mit Blut meines Bettes Ehr'!« Flugs, Junker, ein Stoßgebetlein sprich, Wenn Ulrich haut, haut er fürchterlich. Es krachen die Rippen, es bricht das Herz; Ruhig wischet Ulrich das blutige Erz, Ruhig nimmt er des ledigen Pferdes Zaum Und hänget die Leich' an den nächsten Baum. Es steht eine Eiche im Schönbuchwald Gar breit in den Aesten und hochgestalt; Zum Zeichen wird sie Jahrhunderte stahn, Hier hing der Herzog den Junker dran. Und wenn man den Herzog vom Lande jagt, Sein Nam' bleibt ihm, sein Schwert; er sagt: »Mein Nam', er verdorret ja nimmermehr, Und gerächet hab' ich des Hauses Ehr'.«
Entschuldigung.
Kam einst ein englischer Kapitan Zu Stambul in dem Hafen an, Der wollte nach der langen Fahrt Sich gütlich tun nach seiner Art Und in Stambuls krummen Gassen Vor den Leuten sich sehen lassen. Hatte auch weit und breit gehört, Wie die Türken so schöne Pferd', Reiche Geschirr' und Sättel haben; Wollte auch wie ein Türke traben, Und bestellt auf abends um vier Ein recht feurig arabisch Tier. Ziehet sich an im höchsten Staat, Rotem Rock, mit Gold auf der Naht, Schwärzt den Bart um Wange und Maul Und steigt Punkt vier Uhr auf den Gaul. Drauf, als er reitet durch das Tor, Kam es den Türken komisch vor, Hatten noch keinen Reiter gesehn Wie den englischen Kapitän; Die Knie' hatt' er hinaufgezogen Und seinen Rücken krumm gebogen, Die Brust mit den Tressen eingedrückt, Auch den Kopf tief herabgebückt; Saß zu Pferde wie ein armer Schneider. Doch der Schiffskapitän ritt weiter, Glaubte getrost, die Türken lachen Aus lauter Bewundrung in ihrer Sprachen. So ritt er bis zum großen Platz, Da macht der Araber einen Satz Und steigt; der englische Kapitän Ergreift des Arabers lange Mähn', Gibt ihm verzweiflungsvoll die Sporen Und schreit ihm auf englisch in die Ohren; Das Roß den Reiter nicht verstand, Setzt wieder und wirft ihn in den Sand. Die Türken den Rotrock sehr beklagen, Haben ihn auch zu Schiff getragen, Und seinem Dragoman, einem Scioten, Haben sie hoch und streng verboten, Er dürf's nimmer wieder leiden, Daß der Herr den Araber tät reiten. Als sie verlassen den Kapitan, Befiehlt er gleich dem Dragoman, Ihm auf englisch auszudeuten, Was er gehört von diesen Leuten. Der Grieche spricht: »Es ist nichts weiter, Sie glauben, Ihr seid ein schlechter Reiter, Wollen, Ihr sollt in Stambuls Gassen Nimmer zu Pferd Euch sehen lassen.« Des hat sich der Kapitän gegrämt Und vor den Türken sehr geschämt. Spricht zum Dragoman: »Geh hinein Und sage den Türken: es kommt vom Wein; Der Herr ist sonst ein guter Reiter, Aber heut an der Tafel, leider, Hat er sich ziemlich in Sekt betrunken, Da ist er im Rausche vom Pferd gesunken.« Der Grieche ging zum Hafentor Und trug den Türken die Sache vor. Doch diese hörten ihn schaudernd an: »Wir glaubten Gutes vom roten Mann Und dachten, er sitze schlecht zu Pferd, Weil's ihn sein Vater nicht besser gelehrt; Aber wie, von Wein betrunken, Ist er im Rausche vom Pferd gesunken? Pfui dem Giaur und seinem Glas, Allah tue ihm dies und das!« Da sprach ein alter Muselmann: »Glaubt's nicht, Leute, höret mich an! Nicht, weil der Frank' zu viel getrunken, Ist er schmählich vom Roß gesunken. Hab' gleich gedacht, es wird so gehn, Als ich ihn habe reiten sehn, Die Knie' hoch hinaufgezogen, Den Rücken krumm und schief gebogen, Die Brust mit Tressen eingedrückt, Kopf und Nacken niedergebückt. Denk' ich, wenn sein Rößlein scheut, Ihn sein Reiten gewiß gereut. Aber nein, ich will euch sagen, Warum er wollte den Wein verklagen Und stellte sich lieber als Säufer gar, Denn als ein schlechter Reiter dar: Das macht des Menschen Eitelkeit, Die ihn zu Trug und Lug verleit't. Will mancher lieber ein Laster haben, Hätt' er nur andere glänzende Gaben; Und mancher lieber eine Sünd' gesteht, Eh' er eine Lächerlichkeit verrät; Ein dritter will gar zur Hölle fahren, Um sich ein falsch Erröten zu sparen. So auch der fränkische Kapitan, Schämt sich und lügt uns lieber an, Will lieber Säufer sich lassen schelten, Als für einen schlechten Reiter gelten.«
Jesuitenbeichte.
(Nach dem Französischen.)
Ich liebte zwanzig Mädchen nach der Reihe, Und jeder war mein ganzes Herz geweiht, Und jede schwur mir heute ew'ge Treue Und brach schon morgen ihren heil'gen Eid. Da schwur und flucht' ich, keinem Weib zu trauen. »Mein Sohn, wer flucht, der sündiget. Allein Die Schuld liegt diesmal wirklich an den Frauen; Du sollst versöhnet und entschuldigt sein.« Weil ich Bestechung haßte wie die Hölle, Fand mein Minister mich zu ungeschickt, Und einem feilen Kerl gab er die Stelle, Der sich vor seinem Kammerdiener bückt; Da wünschte ich Herrn C… zum Teufel. »Mein Sohn, welch rohe Leidenschaft! Allein Bei kaltem Blut bereust du ohne Zweifel; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« Mit schönen Worten, blendendem Versprechen Hat ein bekannter Herr mich arm gemacht, Und um mich für die Tausende zu rächen, Um die mich der Verräter hat gebracht, Schalt ich Herrn V… einen Beutelschneider. »Mein Sohn, das Wort war freilich grob. Allein Die Welt nennt ihn mit diesem Namen, leider; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« Das Sakrileg, ich will's gestehen, nannte Ich ein Gesetz für Sklaven nur gemacht; Der Menschheit Schmach und des Jahrhunderts Schande, Und P…, ihn, der es ausgedacht, Schalt ich den Mörder aller freien Seelen. »Mein Sohn, das war ein derber Schimpf. Allein Du irrtest menschlich, irren heißt nicht fehlen; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« Und als ich diese arme Welt bedachte Und sah, wie alles schief und irrig geht, Wie man die Tugend und das Recht verlachte, Und wie jetzt Trug und Laster oben steht, Da – hielt ich Gott für einen leeren Namen! »Mein Sohn, du hast dich schwer verfehlt. Allein Gott ist barmherzig gegen Sünder, Amen; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« Ich liebte Eintracht in Palast und Hütten; Doch als ich schleichend wiederkehren sah Die Zwietracht an der Hand der Jesuiten, Da schwur ich ew'gen Haß Sankt Loyola, Und ew'gen Haß und Rache seinen Söhnen! »Mein Sohn, ich bin die Langmut selbst! Allein Das heißt fürwahr das Heiligste verhöhnen! Vor uns und Gott kannst du nicht schuldlos sein!«
Regel für Kranke.
Hast du mit dem Apotheker Streit, Es dem Arzt zu klagen vermeid'; Hast du über den Arzt zu klagen, Sollst du's nicht dem Apotheker sagen; Denn sind sie auch Feinde immerdar, So werden sie Freund' am neuen Jahr, Verkünden: der hat dies gesagt, Und mir hat er von dir geklagt. Wirst du nun krank in den ersten Wochen, Die Arznei sie zusammenkochen: »Recipe: Was er uns getan, Rühren wir ihm jetzt doppelt an; Zwanzig Drachmen von seinen Klagen Mit Asa foetida für den Magen. Misceatur, detur, nebst unsrem Groll, Alle zwei Stunden zwei Löffel voll.« Und stirbst du nicht in der Blütezeit Ihrer neuen Herzinnigkeit, Lassen sie dich so lange liegen, Bis sie selbst wieder Händel kriegen. *** Merke: zweier Gegner Klagen Mußt du nicht hin und wieder tragen; Weißt nicht, ob, die geschieden scheinen, Sich nachmals gegen dich vereinen.
Schriftsteller.
Es ist kein Autor so gering und klein, Der nicht dächt', etwas Recht's zu sein; Und wär' er noch so ein armer Wicht, Geht er doch stolz und aufgericht't, Daß man glaubt, der leere Hut Noch zu dem Kleinen gehören tut. Auch kein Autor auf den andern baut; Denn sei ein Paar noch so vertraut, Darfst heut den einen heruntersetzen, Willst du den andern höher schätzen, Und morgen, auf des zweiten Kösten, Läßt sich der erste nennen den Besten.
Lehre aus Erfahrung.
Hat dir ein Autor Geld geliehn Und kommt und will den Wechsel ziehn, Und kannst doch nicht sogleich bezahlen, Ihm auch keinen andern Trug vormalen, So sprich getrost: »Jetzt weiß ich schon, 's war, als die treffliche Rezension, Wie Euer letztes Werk gelungen, Stund in den Literaturzeitungen; Waret gelobt übern Schellenkönig, Und dennoch, deucht es mir, zu wenig. Aber könntet Ihr nicht noch borgen Einige Zeit?« – »Seid ohne Sorgen,« Der Autor darauf ganz freundlich spricht, »Nach meinem Geld verlangt mich nicht, Bleibet mein Freund; 's hat kein' Gefahr Könnt mich bezahlen bis übers Jahr.«
Amor der Räuber.
(Nach dem Italienischen.)
Die Unschuld saß in grüner Laube, Sie hielt ein Täubchen in dem Schoß; Und Amor kam: Gib mir die Taube, Ein Weilchen nur gib deine Taube! Die Unschuld ließ sie lächelnd los, Doch hielt sie Täubchen an dem Band, Das sich um Täubchens Flügel wand. Doch kaum hat er die weiße Taube, So schneidet er den Faden ab; Und höhnisch lachend, mit dem Raube Entflieht der Räuber aus der Laube, Und nimmer kehrt der lose Knab'; Und als ihr Täubchen nimmer kam, Ward sie dem Räuber ewig gram.
Stille Liebe.
O dürft' ich fragen, was aus ihrem Auge Oft so entzückend mir entgegenstrahlt, Was, wenn ich schnell mich ihrer Seite nahe, Die Wangen ihr mit hoher Röte malt! Ahnt sie, was meine Lippen ihr verschweigen, Was meine Brust mit stiller Sehnsucht füllt? Hofft' ich zu kühn? Ist es der Strahl der Liebe, Der so entzückend ihrem Blick entquillt? Warum hat doch ihr Händchen so gezittert, Als ich ihr gestern guten Abend bot, Und als ich ihr recht tief ins Auge schaute, Was machte sie auf einmal doch so rot? Sie hat die Rose, die ich ihr gegeben, So sorgsam ins Gebetbuch eingelegt; Warum wohl? da sie sonst so gerne Rosen Am Busen und am Sommerhütchen trägt. Warum schwieg sie auf einmal heute stille Und wußte nicht mehr, was ich sie gefragt? Hat sie gemerkt, was ich ihr gerne sagte? Ich hab' ihr's doch mit keinem Wort gesagt. O hätt' ich Mut! dürft' ich Luisen sagen, Was mich so still, was mich so tief beglückt! O dürft' ich fragen, was aus ihrem Auge Oft so entzückend mir entgegenblickt!
Hoffe!
Stimme von dem braunen Hügel, Die du oft ins stille Tal Widertönst die lauten Worte, Lieben trauten Widerhall, Stimme, die du meine Lieder, Die Akkorde meiner Zither Widertönst, erschalle, Gib nicht neckend meine Frage wieder, Gib mir Antwort, Stimm' im stillen Tale. Stiller Strom im grauen Bette, Eile nicht so schnell davon, Daß mein Ohr einmal verstände Deiner Wellen leisen Ton; Deine schönen Silberquellen Sollen traulich mir erzählen, Rausche lauter, rausche, Sprich zu meinem Ohr aus deinen Wellen, Daß ich deine Sagen mir erlausche. Die ihr an dem alten Turme Oft im Mondesschimmer webt Und in nächtlich-stiller Stunde Durch den blassen Hain entschwebt, Nebelschatten alter Helden, Ach, daß sie mir doch erzählten, Steht mir Red', ich frage, Wollt ihr nichts aus euren Tagen melden, O wie gerne lauscht' ich eurer Sage. Von den alten, öden Zinnen Schauen düster sie herab, Ach, sie blicken von den Türmen Schweigend in ein ödes Grab; Alles Edle ist verklungen, Alles hat die Zeit verschlungen, Dem Geschlecht hienieden, Das so tief in seinem Fluch gesunken, Haben keine Antwort sie beschieden! Auch des Stromes stille Wellen Haben schönre Zeit gesehen. Als noch edlere Geschlechter Bauten auf der Berge Höhen, Stolz verachtet er die Frage, Uebertönet meine Klage, Seine blauen Wogen Denken schweigend jener schönen Tage, Schweigend sind durchs Tal sie hingezogen. Und so steh' ich denn alleine In der stillen Mondesnacht, Weine um die trüben Zeiten, Ob kein neu Geschlecht erwacht? Ach, daß sich mein Volk ermannte, Daß es sprengte seine Bande! Ob ich wohl noch hoffe? Lautlos fließt der Strom vom grauen Strande, Nur das leise Echo ruft mir: Hoffe!
Trost.
Die Mißgunst lauscht auf allen Wegen, Daß sie der Liebe Glück verrät, Doch treue, zarte Liebe geht Auf tausend unbewachten Stegen; Ein Druck der Hand, ein flücht'ger Blick Sagt mir der Liebe süßes Glück. Und zog ich auch in weite Ferne, Es zog mit mir mein stilles Glück, Denn schau' ich nicht der Liebe Blick, So blick' ich auf zum Abendsterne; Wie ihres Auges stille Glut Strahlt er ins Herz getrosten Mut. Und wallen meine Tage trüber, Und dringt kein Trost von ihr zu mir, Und dringt mein Sehnen nicht zu ihr, Kein Wort von ihr zu mir herüber; – Mein stilles Glück ist nicht getrübt, Ich weiß ja doch, daß sie mich liebt. Drum klag' ich nicht in weiter Ferne, Weil Neid der Liebe Weg belauscht, Wenn auch nicht Wort mit Wort sich tauscht, Mir strahlt ein Trost im Abendsterne: Aus seinen milden Strahlen quillt Mir meiner Liebe trautes Bild.
Sehnsucht.
Die Sonne grüßt Tubingas Höhn, Der Berge Morgennebel fallen, Und leichte Frühlingslüfte wehn, Im Tal die Herdenglocken schallen, Des Neckars sanfte Welle quillt An der Gestade Rebenhügel, Es taucht die alte Burg ihr Bild In seinen silberreinen Spiegel. Wie wär' der Morgen doch so schön, Könnt' ich mit dir mich da ergehn! Und reger wogt's am Ufer hin, Wenn Mittag zu den Schatten ladet, Wenn sich durch frisches Blättergrün Die Sonne in dem Strome badet; Der Hirte zieht den Linden zu, Der Winzer steigt vom Berge nieder, Und in des kühlen Strandes Ruh' Erwachen ihre Kräfte wieder; Am Neckarstrand ruht' ich so gerne, Wär' nicht Luise in der Ferne. Der Abend senket seinen Strahl, Die Herden ziehen von den Weiden, Und fernhin durch das holde Tal Die Dörfer zu der Ruhe läuten; Da kommen Mädchen Hand in Hand Den Wiesenplan heraufgezogen; Es wölbt für sie am grünen Strand Der Lindengang die hohen Bogen; Doch jenen Linden fehlt das eine, Ich wandle ohne sie – alleine! Auf geht des Mondes Silberstrahl, Er malt den Berg mit falbem Glanze, Er ruft die Geister in das Tal, Er leuchtet ihrem Reigentanze; Ihr Berge all von Duft umhüllt, Du Tal am Strome auf und nieder, Du wärst so hold, du wärst so mild, Dir weiht' ich meine frohsten Lieder – Du wärst so schön im Abendscheine, Schlüg' sie ihr Aug' hier in das meine.
Ihr Auge.
Ich weiß wo einen Bronnen Voll hellem Himmelstau, Es glänzt der Strahl der Sonnen Aus seines Spiegels Blau; Er ladet klar und helle Zu süßer Wonne ein, Es winkt aus seiner Quelle Der Sonne milder Schein. Mir war, als sollte drunten In seiner klaren Flut Das arme Herz gesunden Von seinem bangen Mut. Ich tauchte freudig nieder Ins klare Blaue hinab, Mein Herz, das kam nicht wieder, Fand in dem Quell sein Grab. Kennst du den süßen Bronnen, So klar und silberhell? Kennst du den Strahl der Sonnen Aus seinem blauen Quell? Das ist des Liebchens Auge, Ihr süßer Silberblick, – Aus seiner Tiefe tauche Ich nie zum Licht zurück.
Serenade.
Wenn vom Berg mit leisem Tritte Luna wandelt durch die Nacht, Eil' ich zu des Liebchens Hütte, Lausche, ob die Holde wacht. Seh' ich dort die Lampe glühen In dem stillen Kämmerlein, Möcht' ich, wie der Lampe milder Schein, Spielend um die zarten Wangen ziehen. Mit des Lichtes schönsten Strahlen Zög' ich um mein liebes Kind, Farben wollt' ich um sie malen, Wie sie nur am Himmel sind; Sänke Schlummer ihr aufs Auge, Löschte sie des Lämpchens Schein, Wär' ihr letzter, süßer Blick noch mein, Und ich stürbe sanft in ihrem Hauche. Nimmer darf ich um sie weben Wie der Lampe milder Schein, Doch mein Lied darf zu ihr schweben, Darf der Liebe Bote sein. Schwebt denn, Töne meiner Laute, Zu des Liebchens Kämmerlein, Wieget sie in süße Träume ein Und dann flüstert: »Denke mein, du Traute!«
Lied aus der Ferne.
Ihr Töne meiner Saiten, Ihr tönt so sanft, so mild, Mit Träumen ferner Freuden Habt ihr mein Herz erfüllt. Des Liebchens Kuß, des Liebchens Blick, Führt mir der sanfte Ton zurück, Der eurem Hauch entquillt! O lispelt leise, leise! Dann träum' ich schönre Zeiten Und meiner Liebe Bild. Wenn auf der Berge Höhen Der Strahl des Morgens fällt, Möcht' ich mit Windeswehen Zu meiner Jugendwelt, Möcht' eilen mit des Morgens Strahl Zum blauen Berg, zum fernen Tal, Das sie umfangen hält. Vergebens, ach, vergebens! Mir blüht kein Wiedersehen In meiner Jugendwelt.
Die Freundinnen an der Freundin Hochzeittage.
In deines Festes fröhliche Gesänge Mischt sich ein trauter Ton aus alter Zeit, Es lockt dich aus dem jubelnden Gedränge Zurück noch einmal zur Vergangenheit; Die Freundschaft ist's, es sind der Schwestern Tritte, Sie pochen schüchtern an der Pforte an, Sie nahen dir, sie flüstern ihre Bitte Und fragen freundlich: Denkst du noch daran? Denkst du daran, wie wir uns einst gefunden In unsrer Kindheit holder Blumenwelt? Es waren unsres Lebens Morgenstunden, Vom Frührot reiner Freuden schön erhellt; Der Schule Mühen, alle frohen Spiele Und aller Jubel von der Kindheit Bahn, Sie steigen auf in freudigem Gewühle Und fragen mit uns: Denkst du noch daran? Denkst du daran, wie an der Kindheit Grenzen Uns eine schönre Freudenwelt empfing? Wie uns ein Leben, voll Gesang und Tänzen, Gefaßt in seinen wundervollen Ring? Und wie auch ernste deutungsvolle Tage Des Lebens Ernst und Züge zeigten an? Es war der Jugend Frühlingstag; o sage, Die Schwestern bitten: Denkst du noch daran? Wohl trittst du jetzt in ernster Frauen Kreise, Die Myrte schmückt zum letztenmal dein Haar, Du tändelst nicht mehr nach der Mädchen Weise, Du nimmst jetzt Abschied von der Jungfraun Schar. Doch blickst du künftig ernst in unsern Reigen, Schilt unsre Freuden dann nicht leeren Wahn; Denn die Erinn'rung wird dir Bilder zeigen Und lächelnd sagen: Denkst du noch daran? Du denkst daran – und zum Gedächtnismale, Als eine reine, jungfräuliche Zier, Nimm von den Schwestern die kristallne Schale, Wir reichen sie mit frommen Wünschen dir. So werden wir in deinem Herzen leben, Denn siehst du einmal diese Schale an, Dann wird dich die Erinnerung umschweben, Und freundlich sagst du: »Ja, ich denk' daran.«
An Emilie.
Zum Garten ging ich früh hinaus, Ob ich vielleicht ein Sträußchen finde? Nach manchem Blümchen schaut' ich aus, Ich wollt's für dich zum Angebinde; Umsonst hatt' ich mich hinbemüht, Vergebens war mein freudig Hoffen; Das Veilchen war schon abgeblüht, Von andern Blümchen keines offen. Und trauernd späht' ich her und hin, Da tönte zu mir leise, leise Ein Flüstern aus der Zweige Grün, Gesang nach sel'ger Geister Weise; Und lieblich, wie des Morgens Licht Des Tales Nebelhüllen scheidet, Ein Röschen aus der Knospe bricht, Das seine Blätter schnell verbreitet. »Du suchst ein Blümchen?« spricht's zu mir, »So nimm mich hin mit meinen Zweigen, Bring mich zum Angebinde ihr! Ich bin der wahren Freude Zeichen. Ob auch mein Glanz vergänglich sei, Es treibt aus ihrem treuen Schoße Die Erde meine Knospen neu, Drum unvergänglich ist die Rose. Und wie mein Leben ewig quillt Und Knosp' um Knospe sich erschließet, Wenn mich die Sonne sanft und mild Mit ihrem Feuerkuß begrüßet, So deine Freundin ewig blüht, Beseelt vom Geiste ihrer Lieben, Denn ob der Rose Schmelz verglüht – Der Rose Leben ist geblieben.«
Der Kranke.
Zitternd auf der Berge Säume Fällt der Sonne letzter Strahl, Eingewiegt in düstre Träume Blickt der Kranke in das Tal, Sieht der Wolken schnelles Jagen Durch das trübe Dämmerlicht – Ach, des Busens stille Klagen Tragen ihn zur Heimat nicht! Und mit glänzendem Gefieder Zog die Schwalbe durch die Luft, Nach der Heimat zog sie wieder, Wo ein milder Himmel ruft; Und er hört ihr fröhlich Singen, Sehnsucht füllt des Armen Blick, Ach, er sah sie auf sich schwingen, Und sein Kummer bleibt zurück. Schöner Fluß mit blauem Spiegel, Hörst du seine Klagen nicht? Sag' es seiner Heimat Hügel, Daß des Kranken Busen bricht. Aber kalt rauscht er vom Strande Und entrollt ins stille Tal, Schweiget in der Heimat Lande Von des Kranken stiller Qual. Und der Arme stützt die Hände An das müde, trübe Haupt; Eins ist noch, wohin sich wende Der, dem aller Trost geraubt; Schlägt das blaue Auge wieder Mutig auf zum Horizont, Immer stieg ja Trost hernieder Dorther, wo die Liebe wohnt. Und es netzt die blassen Wangen Heil'ger Sehnsucht stiller Quell, Und es schweigt das Erdverlangen, Und das Auge wird ihm hell: Nach der ew'gen Heimat Lande Strebt sein Sehnen kühn hinauf, Sehnsucht sprengt der Erde Bande, Psyche schwingt zum Licht sich auf.
Grabgesang.
Vor des Friedhofs dunkler Pforte Bleiben Leid und Schmerzen stehn, Dringen nicht zum heil'gen Orte, Wo die sel'gen Geister gehn, Wo nach heißer Tage Glut Unser Freund in Frieden ruht. Zu des Himmels Wolkentoren Schwang die Seele sich hinan, Fern von Schmerzen, neu geboren, Geht sie auf – die Sternenbahn; Auch vor jenen heil'gen Höhn Bleiben Leid und Schmerzen stehn. Sehnsucht gießet ihre Zähren Auf den Hügel, wo er ruht; Doch ein Hauch aus jenen Sphären Füllt das Herz mit neuem Mut; Nicht zur Gruft hinab – hinan, Aufwärts ging des Freundes Bahn. Drum auf des Gesanges Schwingen Steigen wir zu ihm empor, Unsre Trauertöne dringen Aufwärts zu der Sel'gen Chor, Tragen ihm in stille Ruh' Unsre letzten Grüße zu.
Aus dem Stammbuche eines Freundes.
Und wird dir einst die Nachricht zugesandt, Daß zu den Vätern ich versammelt wäre, So trink und sprich: »Ich hab' ihn auch gekannt!« Mach hier ein Kreuz – und gib mir eine Zähre.
Logogryph.
Kennst du das Wort, das Herzen mächtig bindet? Kennst du der Liebe trauliches Symbol? Das feste Band, das sich um Freunde windet, Des Fürsten Heil, des Vaterlandes Wohl? An Stärke muß ihm Stahl und Eisen weichen; Doch hat es einen mächt'gen stillen Feind; Streichst du des hohen Wortes erstes Zeichen, Hast du die finstre Macht, die ich gemeint. So lang die Welt steht, liegen diese beiden Im Kampf um höchstes Leid und höchste Lust; Halt fest am Ganzen, laß sie nimmer streiten In deiner stillen und zufriednen Brust.
Drei Rätsel.
1.
Es ist ein Wort, dreideutig dem Germanen; Einst war das Erste furchtbar seinen Ahnen; Der schwere Zeiger der Geschichte rückt, Der Deutsche erbt das Zepter; ihr erblickt, Wie dem erwählten deutschen Sohne Im Zweiten die gewicht'ge Krone Der Bischof auf die Stirne drückt. Es kreist im hochgewölbten Saale Das Dritte bei dem Krönungsmahle.
2.
Noch sitzt auf halbzerfallnem Throne, Noch hält die längst bestrittne Krone Die alte Königin der Welt. Ob sie wohl je vom Throne fällt? Vielleicht; doch liest du sie von hinten, So wirst du einen König finden, Der herrscht, seitdem die Welt besteht, Des Reich nur mit der Welt vergeht; Sie schießt nicht ew'ge Donnerkeile, Doch ewig treffen seine Pfeile.
3.
Einst hieß man mich die schönste aller Frauen, Selbst Könige entzweite meine Macht. Zehntausend Krieger aus Europas Gauen, Von Asiens Landen schlugen manche Schlacht, Und eher nicht war ihres Kampfes Ziel, Als bis erschlagen alle Heldensöhne Und bis ein stolzes Königshaus zerfiel; Und dennoch pries man die unsel'ge Schöne. Und wieder tönte jüngst mein alter Namen, Doch bin ich häßlich und verlassen nun, Von allen, die des Weges zu mir kamen, Will keiner lang an meiner Seite ruhn; Nur einer kam, der erste, dem nicht graut, An meinem Herd für immer still zu liegen, Der lange mir ins blasse Antlitz schaut Und bitter lacht ob meinen düstern Zügen. »Ach, darum also,« sprach er, »läßt du feiern Dein unheilvoll Gedächtnis bis auf heut, Damit du reihtest zu den alten Freiern Auch einen Heros aus der neuen Zeit? Doch lockst du mich mit keinem Erdentand, Denn Zeus zerschlug dein Ilium in Scherben; Wohlan! auch meine Trojer deckt der Sand, So laß mich denn in deinen Armen sterben.«
Scharade.
Der ersten Silb' entströmen Wein und Lieder, Und was du einsam denkst, macht sie bekannt, Oft geht sie mit dem Zwang auch Hand in Hand, Schlägt selbst in Fesseln deine freien Glieder! Doch gibt das zweite Paar dir Hoffnung wieder; Sein Feueratem weht von Land zu Land, Sprengt deines Kerkers festgetürmte Wand, Wirft deine Häscher, deine Fesseln nieder. Scheint Zwei mit Eins sich nimmer zu vertragen. So ist das Ganze doch ein hohes Wort, Woran man nur den Widerspruch getadelt; Doch hat sein Widerspruch manch großen Geist geadelt! Fürwahr! es starb des Letzten letzter Hort, Wär' es gestorben jüngst in unsern Tagen.