Die Drutenau[5].
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Die Drutenau[5].
Von dem Städtchen Aue nach Mittag hin wandelt man durch ein kurzes, von hohen Bergen umringtes fruchtbares Thal, mit Wiesen und Feldern überdeckt, durch welche in sanften Krümmungen die Mulde ihre Wellen, zur Arbeit für allerhand Räderwerk, rastlos dahintreibt. Am obern Ende dieser Drutenau lag ehedem ein Eisenhüttenwerk – Auerhammer – welches in der neuern Zeit der Dr. Geitner'schen Argentanfabrik (Neusilber) Platz gemacht und dadurch der kleinen Einwohnerschaft, die das Hammerwerk im Stiche und folglich in Elend ließ, wenigstens Arbeitsgelegenheit gegeben hat. Der als erprobter Pomolog und Botaniker bekannte Eigenthümer ließ sich angelegen sein, die Schlackenhaufen, Hüttenstätte, Holz- und Kohlenräume in Obst- und Blumengärten umzuwandeln; die vom Alter zusammengesunkenen Häuser wieder aufzurichten und mit einem gefälligen Anstrich zu versehen, damit sie sich vor den fremden Blumenfreunden, wenn diese sich zu dem Gartenvereine einfinden, nicht zu schämen brauchen. Alles dies gab vielfache und lang anhaltende Arbeit, wodurch sich Mancher sein Brot erwerben konnte. Ein grasreicher Wiesengrund zieht sich gegen Abend hinauf nach dem Brünlasberg; ihn durchwässert theils die Zschorla[6], theils der Floßgraben, welcher 3 Stunden Wegs in mancherlei Krümmungen, an steilen Berggehängen, sein Wasser den Mühlen-, Berg- und Hüttenwerken in Schlema bei Schneeberg zuführt[7].
Noch lebendiger und großartiger ist das hübsche Thal durch die Anlegung der Maschinenweberei von einer Actiengesellschaft geworden, in der zeither 400 Stühle webten, die aber bald in ein beklagenswerthes Siechthum zu verfallen schien, wenn sie nicht käuflich in die Hand des Fabricanten Clauß in Chemnitz gekommen wäre.
Da in diesem sehenswerthen Etablissement keine Geheimnißkrämerei und keine Zunöthigung nach Trinkgeldern herrscht, sondern nur eine höfliche Veranlassung vorliegt, für etwanige Kranke oder Beschädigte eine Kleinigkeit in die Büchse fallen zu lassen, so sollte kein Fremder die Gelegenheit unbenutzt lassen, diese Maschinenweberei mit ihren Vorarbeiten anzusehen, weil jede Beschreibung die deutliche Vorstellung davon ausschließt. Diese 400 Stühle, welche von mehrern hundert jungen Leuten bedient werden, können in einem Jahre 40,000 Stück Shirdings, à 64 Ellen, liefern.