Neunter Abschnitt. Des Dichters Alter. Seine Religionsansichten. Sein Tod.
Reading edition
Es ist eine Reihe von mehr als dreißig Jahren, durch die wir unsrem Dichter seit den ersten Liedern, denen sich die Zeit ihrer Entstehung nachweisen läßt, d. h. vom Jahr 1198 an, unter dem Fingerzeig der Geschichte gefolgt sind, und schon jene Lieder tragen den Ausdruck männlicher Reife. Wir haben ihn sagen gehört, daß er vierzig Jahre und drüber von Minne gesungen. Sonach ist nicht zu zweifeln, daß er ein ansehnliches Alter erreicht habe.
Wie wenig sein Leben durch äussere Glücksumstände begünstigt war, darüber läßt er sich bald schmerzlich, bald launig vernehmen. Auf letztere Weise in Folgendem:
Frau Sälde theilet rings um mich Und kehret mir den Rücken zu, Da kann sie nicht erbarmen sich; Nun rathet, Freunde, was ich thu'! Sie steht ungerne gegen mir, Geh' ich hinfür, ich bin doch immer hinter ihr, Sie geruhet nicht mich anzusehen; Ich wollte, daß ihr Aug' an ihrem Nacken stünde, So müßt' es ohn' ihren Dank geschehen. (I 119a)
Frau Sälde, Frau Glück, die Segensgöttin. gegen mir, mir zugewendet, ohn' ihren Dank, gegen ihren Willen.
In ähnlichem Tone hat er seinen letzten Willen aufgesetzt. Er will, eh' er hinfährt, sein fahrend Gut und Eigen austheilen, damit Niemand darum streite, dem er es nicht zugedacht. All sein Unglück bescheidet er Jenen, die sich dem Haß und Neid ergeben; seinen Kummer den Lügnern; seinen Unverstand denen, die mit Falschheit minnen; den Frauen: nach Herzeliebe sehnendes Leid (I 115b).
Eben die Ungunst des Geschickes, womit er vielfältig zu kämpfen hatte, konnte frühzeitig seinen Sinn auf das Höhere lenken. Die manigfachen Erfahrungen einer langen Lebensbahn waren geeignet, ihm die Nichtigkeit der irdischen Dinge aufzudecken. Mit dem vorrückenden Alter sehen wir ihn auch immermehr in das Gebiet ernster und frommer Betrachtung hingezogen. Wenn wir an einem Theile seiner Minnelieder die Wärme der Empfindung vermißten, so finden wir die Heimath seiner tieferen Begeisterung da, wo es von Sachen des Vaterlandes und der Religion sich handelt. Sein Zeitgenosse Reinmar der Alte ist so sehr Minnesänger, daß er auch noch als Pilgrim seiner Gedanken nicht Meister wird: den Gott, dem er dienen soll, helfen sie ihm nicht so loben, wie er es bedürfte (I 72a)[85]. Unser Dichter dagegen hat mit dem ungetheiltesten Eifer die Sache des Kreuzes ergriffen.
Jetzt, da er sich am Abend seines Lebens befindet, wird es angemessen seyn, eben die religiöse Seite seiner Dichtungen völlig hervorzuheben. Das Irdische schwindet ihm, so wie beim Sinken der Sonne die Thäler sich in Schatten hüllen und bald nur noch die höchsten Gipfel beleuchtet stehen.
Den Vorzug der wahren und daurenden Freuden von den eiteln und flüchtigen bezeichnen nachstehende Lieder:
Ich bin Einer, der nie halben Tag Mit ganzen Freuden hat vertrieben. Was ich je daher der Freuden pflag, Der bin ich hier entblöst geblieben. Niemand kann hie Freude finden, sie zergeh', Wie der lichten Blumen Schein. Darum soll das Herze mein Trachten nach falschen Freuden nimmermeh. (I 114a)
sie zergeh', sie zergehe denn.
O weh! wir müssigen Leute, wie sind wir versessen Zwischen zwei Freuden nieder an die jämmerliche Statt! Aller Arbeit hatten wir vergessen, Da uns der kurze Sommer sein Gesind' zu werden bat. Der brachte uns fahrende Blumen und Blatt, Da trog uns der kurze Vogelsang. Wohl ihm, der nur nach steten Freuden rang! Weh gschehe der Weise, die wir mit den Grillen sangen! Da wir uns sollten warnen gegen des kalten Winters Zeit. Daß wir viel Dummen mit der Ameise nicht rangen, Die nun viel würdiglich bei ihren Arebeiten leit! Das war stets der Welte Streit: Thoren schalten stets der Weisen Rath. Man sieht wohl dort, wer hie gelogen hat. (I 103b)
versessen, falsch gesessen. zwei Freuden, der irdischen und der ewigen. Da uns &c. Als uns der flüchtige Sommer einlud, sein Gefolge zu seyn. fahrende Blumen, vergängliche, unstete, gleich den fahrenden Leuten (Vgl. Man. I 70a 7, I 170a 7); das Bild entspricht dem obigen Gesinde. Blatt, Blätter. gegen, vor. leit, liegt.
Wie der Dichter dem Minnesang absagt, den er so lange Zeit geübt, wie er von der vergänglichen Minne sich zu der ewigen wendet, ist schon oben gezeigt worden.
In einem Zweigespräche mit Frau Welt (I 111b) nimmt er von dieser seiner bisherigen Pflegerin feierlich Abschied. Sie spricht ihm zu, bei ihr zu bleiben; er soll gedenken, was sie ihm Ehren bot und wie sie ihm seinen Willen ließ. Frau Welt! erwidert er, ich habe zu viel gesogen, ich will entwohnen, es ist Zeit. Gott gebe dir, Frau, gute Nacht! Ich will zur Herberge fahren.
Welt! ich habe deinen Lohn ersehen, -- sagt er in einem ähnlichen Gedichte (I 122b) -- was du mir giebst, das nimmst du mir. Wir scheiden alle nackt und bloß von dir. Ich hatte Leib und Seele tausendmal gewagt um dich, nun bin ich alt und hast mit mir dein Spiel, und zürn' ich des, so lachest du. Lach' uns noch eine Weile so! dein Jammertag wird bald auch kommen.
Traum und Spiegelglas -- heißt es anderswo -- gelten bei der Stete dem Winde gleich. Laub und Gras, das stets meine Freude war, dazu Blumen manigfalt, die rothe Heide, der grüne Wald, der Vögelein Sang, der Linde Süssigkeit, haben ein traurig Ende. Den thörichten Wunsch zur Welt, ich sollt' ihn lassen, damit er nicht meiner Seele große Noth bringe. Der Busse wäre hohe Zeit. Nun fürchte ich siecher Mann den grimmen Tod, daß er kläglich über mich komme. Vor Furcht bleichen mir die Wangen. Wie soll ein Mann, der nichts denn sündigen kann, hohen Muth gewinnen? Seit ich an weltlichen Dingen Uebel und Gut zu erkennen begann, griff ich, wie ein Thor, zur linken Hand recht in die Glut und mehrte stets dem Teufel seinen Sieg. Ich war mit sehenden Augen blind und aller guten Dinge ein Kind, wie ich auch meine Missethat der Welt hehlte. Heiliger Christ! mache du mich rein, eh' meine Seele versinke in das verlorne Thal! (I 141b)
Mit tiefschmerzlicher Empfindung ist die Nichtigkeit des Irdischen besonders in dem großen Klaggesange dargelegt, den der Dichter anstimmt, nachdem er in späteren Jahren in das Land seiner Geburt zurückgekommen ist. Alles findet er umgewandelt, er wird an der Wirklichkeit irre, ihm ist jetzt das Leben ein Traum. Lautes Wehe erhebt er über die Verderbniß und den Unbestand der Welt. Er will sich hinüber retten in das Heilige.
O weh! wohin verschwanden alle meine Jahr'? Ist mein Leben mir geträumet oder ist es wahr? Das ich stets wähnte, daß es wäre, war das icht? Darnach hab' ich geschlafen und so weiß ich's nicht. Nun bin ich erwachet, und ist mir unbekannt, Was mir hievor war kundig, wie mein' andre Hand. Leute und Land, dannen ich von Kinde bin geborn, Die sind mir fremde worden, recht als ob es sey verlorn. Die meine Gespielen waren, die sind träge und alt, Bereitet ist das Feld, verhauen ist der Wald, Nur daß das Wasser fließet, wie es weiland floß. Fürwahr! ich wähnte, mein Ungelücke würde groß. Mich grüßet mancher träge, der eh' mich kannte wohl; Die Welt ist allenthalben Ungenaden voll. Wenn ich gedenke an manchen wonniglichen Tag, Die mir entfallen sind, wie in das Meer ein Schlag: Immermehr o weh! O weh! wie jämmerlich die jungen Leute thunt, Denen nun viel traurigliche ihr Gemüthe stund! Die können nichts, denn sorgen; o weh! wie thun sie so? Wo ich zur Welt hinkehre, da ist Niemand froh. Tanzen, Singen, zergeht mit Sorgen gar. Nie Christenmann noch sah so jämmerliche Jahr'. Nun merket, wie den Frauen ihr Gebände staht! Die stolzen Ritter tragen dörfliche Wat. Uns sind unsanfte Briefe her von Rome kommen, Uns ist erlaubet Trauren und Freude gar benommen. Das mühet mich inniglichen sehr, wir lebten sonst viel wohl, Daß ich nun, für mein Lachen, Weinen kiesen soll. Die wilden Vögel betrübet unsre Klage, Was Wunder ist, wenn ich davon verzage! Was spreche ich dummer Mann durch meinen bösen Zorn? Wer dieser Wonne folget, der hat jene dort verlorn Immermehr, o weh! O weh! wie uns mit süßen Dingen ist vergeben! Ich sehe die bittre Galle mitten in dem Honige schweben. Die Welt ist aussen schöne weiß, grüne und roth, Und innen schwarzer Farbe finster, wie der Tod. Wen sie nun verleitet habe, der schaue seinen Trost! Er wird mit schwacher Buße großer Sünde erlost. Daran gedenket, Ritter! es ist euer Ding. Ihr traget die lichten Helme und manchen harten Ring, Dazu die festen Schilde und das geweihte Schwerdt. Wollte Gott, ich wäre solches Sieges werth! So wollte ich nothiger Mann verdienen reichen Sold, Doch meine ich nicht die Huben, noch der Herren Gold: Ich wollte selber Krone ewiglichen tragen, Die möchte ein Söldener mit seinem Speer bejagen. Möchte ich die liebe Reise fahren über See, So wollte ich danne singen: wohl! und nimmermehr: o weh! (I 141b f.)
icht, irgend etwas. kundig &c. bekannt, geläufig, wie der einen Hand die andre. von Kinde, von Kindheit auf. Ungenaden, Ungunst, Mißgeschick. Immermehr, immerfort. thunt, thun. stund, geworden, beschaffen ist. zur Welt, auf der Welt. unsanfte, unerfreuliche; die Bannbriefe. mühet, betrübet, quälet. vergeben, Gift gegeben. schwacher, geringer. euer Ding, eure Sache. Ring, Panzerring. Huben, Grundstücke, Lehengüter. möchte, könnte. bejagen, erjagen, erwerben.
Es kann mit Recht gefragt werden: was, nach der Verschmähung des Irdischen, dem Dichter das Göttliche sey, das ihn entschädige und erhebe?
Das zuletzt ausgehobene Gedicht benennt uns den Kampf unter der Fahne des Kreuzes. Es ist bemerkenswerth, wie der Dichter, der sonst um das Gold der Fürsten geworben, jetzt, dieses verschmähend, selbst eine Krone, die himmlische, erwerben möchte. Das heilige Land ist ihm die durch Gottes irdischen Wandel verklärte Erde; der Kampf um dieses Land eine höhere Weihe, ein Uebertritt vom Dienste der Welt in den des Himmels; der Tod in diesem Kampfe der geradeste Pfad nach dem Reiche Gottes.
Große Verehrung widmet Walther der Königin der Engel, deren keuscher Leib den umfieng, den Höhe, Breite, Tiefe, Länge nie umgreifen mochte (I 133a).[86]
Er theilt diese besondre Verehrung der heiligen Jungfrau mit den andern Dichtern seiner Zeit. Sie hieng selbst mit dem Minnesange zusammen. »Der Welt Hort -- sagt Reinmar von Zweter (II 143a) -- liegt gar an reinen Weiben, ihr Lob, das soll man höhen und treiben; was Gott je erschuf, das übergelten sie, es ward geboren sein selbes Leib von einer Magd, das gab er ihnen zu Steuer.« Und es geht wohl aus dieser Ansicht von der höheren Weihe der Frauen hervor, wenn derselbe Dichter meint: »flüchtete sich ein Wolf zu Frauen, man sollte ihn um ihretwillen leben lassen.« (II 152b)
Auch über den Kriegsheeren schwebte die heilige Jungfrau. In seinem Kreuzgesange (I 125b) ruft Walther die Königin ob allen Frauen an[87]. »St. Marie, Mutter und Magd, unsre Noth sey dir geklagt!« sangen die Heere, wenn sie in die Schlacht zogen (Horneck, Cap. 440 682 83).
Ein vorzüglicher Grund des Mariendienstes im Mittelalter lag in dem Glauben, daß Gott keine Fürbitte seiner Mutter unerhört lasse. Walther singt: »Nun loben wir die süße Magd, der ihr Sohn nimmer nichts versagt! Sie ist des Mutter, der von Hölle uns löste. Das ist uns ein Trost vor allem Troste, daß man da zu Himmel ihren Willen thut.« (I 126a). Aus andern Dichtern könnten ähnliche Stellen angeführt werden. So wie aber der Sohn die Mutter erhört, so wird hinwider die Mutter bei dem Namen des Sohnes gemahnt. »Hilf mir durch deines Kindes Ehre, daß ich meine Sünde büsse!« ruft Walther zu ihr (I 133a)[88].
Es war sonst schon Anlaß, seine Gedichte mit Gemälden zu vergleichen. Wie zuvor den Kirchenzug des Königs oder den Ausgang einer herrlichen Frau, so stellt er uns jetzt geistliche Bilder auf aus der Geschichte Mariens und ihres göttlichen Sohnes. Besonders schön sind zwei derselben, die Kreuzigung und der Tod Jesu, rührend durch die bloße Darstellung, ohne allen Erguß der Empfindung:
Sünder! du sollt an die große Noth gedenken, Die Gott um uns litt, und sollt dein Herz in Reue senken! Sein Leib war mit scharfen Dornen gar versehret, Und noch ward manigfalt sein' Marter an dem Kreuze gemehret. Man schlug ihm dreie Nägel durch Hände und auch durch Füsse. Jammerlichen weinte Maria, die Süsse, Da sie ihrem Kinde das Blut aus beiden Seiten fließen sach. Traurigliche Jesus von dem Kreuze sprach: »Mutter! ist doch euer Ungemach Mein zweiter Tod. Johann! du sollt der Lieben Schwere büssen!« (I 133a)
sach, sah. Schwere büssen, Kummer stillen.
Der Blinde sprach zu seinem Knechte: »Du sollt setzen Den Speer an sein Herze! so will ich die Marter letzen.« Der Speer gegen all der Welte Herren ward geneiget. Maria vor dem Kreuze trauriglichen Klage erzeiget; Sie verlor ihr' Farbe, ihr' Kraft, in bitterlichen Nöthen, Da sie jämmerlich ihr liebes Kind sah tödten Und Longinus den Speer ihm in sein' reine Seite stach. Sie sank unmächtig nieder, daß sie nicht hörte und nicht sprach. In dem Jammer Christe sein Herz brach. Das Kreuz begunnte sich mit seinem süßen Blute röthen. (Ebd.)
letzen, endigen. Longinus, der h. Longinus ist, nach der Legende, der Kriegsknecht, welcher die Seite Jesu mit dem Speer öffnete. Von dem niederströmenden Blute soll ein Blinder geheilt worden seyn.
Niemand wird sich wundern, den Dichter in den Vorstellungen seiner Zeit befangen zu finden. Aber auch in freier Bewegung zeigt sich uns derselbe.
Von eigener Aufrichtigkeit ist nachfolgende Beichte:
Viel hochgelobter Gott! wie selten ich dich preise! Da ich von dir doch beides habe, Wort und Weise, Wie wag' ich so zu freveln unter deinem Reise! Ich thu' nicht rechte Werke, noch hab' ich wahre Minne Zu meinem Nebenchristen, Herre, noch zu dir. So hold noch ward ich ihrer keinem je, als mir. Gott Vater und Gott Sohn, dein Geist berichte meine Sinne! Wie sollt' ich den wohl minnen, der mir übel thut? Mir muß der immer lieber seyn, der mir ist gut. Vergieb mir andre meine Schuld! ich will noch haben den Muth. (I 131a)
Von Walthers freimüthigen Aeußerungen gegen die Priesterherrschaft ist umständlich gehandelt worden. Wenn er zum Kampfe für die Erlösung des heiligen Grabes eifrig ermuntert, so ist er darum nicht eben von blindem Hasse gegen nichtchristliche Mitmenschen beherrscht. »Räche, Herr! -- betet er -- dich und deine Mutter an denen, die eures Erblandes Feinde sind! Laß dir den Christen gleich wenig gelten, als den Heiden! Du weißt wohl, daß nicht die Heiden allein dich irren, die sind wider dich doch öffentlich unrein; zeige die in ihrer Unreine, die es mit jenen heimlich gemein haben.« (I 103a)[89]. Als den Vater aller Menschen erkennt er den Herrn, wenn er ausruft: »Ihm dienen Christen, Juden und Heiden, der alle lebende Wunder nährt.« (I 128b) Um Vieles duldsamer und freidenkender, als der Freigedank (V. 481-84), den es gewaltig verdrießt, daß Gott Christen, Juden und Heiden gleiches Wetter giebt.
Am reinsten aber und über allen Wahn der Zeit erhaben erscheint seine Anbetung da, wo er vor Gott sich niederwirft, als dem Unbegreiflichen, den zu erforschen alle Mühe bei Tag und bei Nacht verloren ist, den keine Predigt und keine Glaubenssatzung erklärt:
Mächtiger Gott! du bist so lang und bist so breit. Gedächten wir daran, daß wir unsre Arebeit Nicht verlören! Dir sind beide ungemessen: Macht und Ewigkeit. Ich weiß an mir wohl, was ein Andrer auch drum trachtet, Doch ist es, wie es stets war, unsern Sinnen unbereit. Du bist zu groß, du bist zu klein; es ist ungeachtet. Dummer Gauch, der daran betaget oder benachtet! Will er wissen, was nie ward geprediget noch gepfachtet? (I 102b)
unbereit, unzugänglich. ungeachtet, unermessen, ungeschätzt. daran betaget oder benachtet, Tag oder Nacht darauf wendet, damit hinbringt (Vgl. II 112a). gepfachtet, in Satzungen gefaßt, von Pfacht, Satzung, Gesetz.
Unsre Blicke sind dem Dichter in das Gebiet des Unendlichen gefolgt und hier mag er uns verschwinden. Es ist uns keine Nachricht von den äußeren Umständen seiner letzten Zeit geblieben, gleich als sollten wir ihn nicht mehr mit der Erde befaßt sehen, von der er sich losgesagt, und von seinem Tode nichts erkennen, als das allmählige Hinüberschweben des Geistes in das Reich der Geister.
Davon jedoch ist Kunde vorhanden, wo seine irdische Hülle bestattet worden. In der Würzburger Liederhandschrift, aus der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts[90], findet sich die Nachricht, daß Herr Walther von der Vogelweide zu Würzburg zu dem Neuenmünster in dem Grasehofe begraben liege. In einer handschriftlichen Chronik aber ist eine liebliche Sage mit Folgendem aufbewahrt: im Gange des Neuenmünsters, gewöhnlich Lorenzgarten genannt, sey Walther begraben unter einem Baume. Dieser habe in seinem Testament verordnet, daß man auf seinem Grabsteine den Vögeln Waizenkörner und Trinken gebe; und, wie noch jetzt zu sehen sey, hab' er in den Stein, unter dem er begraben liege, vier Löcher machen lassen zum täglichen Füttern der Vögel. Das Kapitel des Neuenmünsters aber habe dieses Vermächtniß für die Vögel in Semmeln verwandelt, welche an Walthers Jahrestage den Chorherrn gegeben werden sollten, und nicht mehr den Vögeln. Im Gange des vorbesagten Gartens, gewöhnlich im Kreuzgang, sey von diesem Walther noch Folgendes, in lateinischen Versen, in Stein gehauen, zu lesen: »Der du bei Leben, o Walther, der Vögel Weide gewesen bist, Blume der Wohlredenheit! Mund der Pallas! du starbest. Damit nun deine Frömmigkeit den himmlischen Kranz erlangen möge, so spreche, wer Dieses liest: sey Gott seiner Seele gnädig!«[91]
Name und Wappen des Dichters mögen zu jener Sage Anlaß gegeben haben.
Der Truchseß von Sankt Gallen betrauert den Tod Walthers auf ähnliche Weise, wie dieser den Tod Reinmars beklagt hat: Uns ist unsres Sanges Meister, den man eh' von der Vogelweide nannte, auf die Fahrt, die nach ihm uns Allen unerlassen bleibt. Was frommet nun, was er eh' der Welt erkannte? Sein hoher Sinn ist worden krank. Nun wünschet ihm um seines werthen, hofelichen Sanges willen, daß sein der süsse Vater nach Gnaden pflege! (Pf. Hds. 357 Bl. 20b).
Anmerkungen zur Transkription
Folgende typographische Fehler sind berichtigt:
Seite 015 2. Absatz "Kreuzfahrt 11)" geändert in "Kreuzfahrt 11)."
Seite 031 Erläuterung "Kaisers Bruder etc." geändert in "Kaisers Bruder etc.,"
Seite 033 Erläuterung "Benehmen-" geändert in "Benehmen "
Seite 033 Erläuterung "betro gen" geändert in "betro-gen"
Seite 039 2. Absatz "fodert" geändert in "fordert"
Seite 042 letzte Zeile "Dicht " geändert in "Dichter"
Seite 045 2. Absatz "nnd" geändert in "und"
Seite 063 2. Absatz "spricht er:« ihrer" geändert in "spricht er: »ihrer"
Seite 071 in Fußn 40 "Wohtgethane" geändert in "Wohlgethane"
Seite 078 2. Absatz "fodert" geändert in "fordert"
Seite 111 1. Absatz "Maruer" geändert in "Marner"
Seite 111 1. Absatz "meldet, das er" geändert in "meldet, daß er"
Seite 112 2. Absatz "Zusammenhang 70)" geändert in "Zusammenhang 71)"
Seite 115 1. Absatz "Anfoderungen" geändert in "Anforderungen"
Seite 120 1. Absatz "rittcrlichen" geändert in "ritterlichen"
Seite 126 in Fußn 76 "sollen wir strehen" geändert in "sollen wir streben"
Seite 127 in Fußn 76 "Reimar von Zweter" geändert in "Reinmar von Zweter"
Seite 134 2. Absatz "Ein seltsames ..." geändert in " "
Seite 134 nach Gedicht " " geändert in "Ein seltsames ..."
Seite 142 1. Absatz "Seit Zeitgenosse" geändert in "Sein Zeitgenosse"
Seite 148 1. Absatz "(II 143a) liegt gar" geändert in "(II 143a) -- liegt gar"