Entstehungszeit der Scene in Auerbachs Keller.
Reading edition
Die Frage, wann diese Scene gedichtet sei, läßt sich leicht und sicher beantworten. Zunächst gibt uns das das Flohlied einen deutlichen Fingerzeig; es kann nicht vor dem 11. Dezember 1774 entstanden sein; denn erst seit dieser Zeit war dem Dichter die Aussicht auf den Hofdienst eröffnet worden, hatte der Gedanke daran für ihn Bedeutung gewonnen. P. Hoffmann hat nachgewiesen, daß das Goethische Lied mit Schubarts Fabel ohne Moral: Der Hahn und der Adler in Zusammenhang steht[439]. Die Rolle, die bei Goethe der Floh spielt, hat bei Schubart weniger geeignet der Hahn ein. Goethe hat sich nicht gescheut, hier mit volkstümlichen Scherze in Fischarts Geiste zu ändern. Schubarts Fabel erschien im 7. Stück der Deutschen Chronik Bd. 1. S. 55 f. vom 21. April 1774. Jedenfalls ist also nach diesem Zeitpunkt und auch nicht eher als bis das Thema für den Dichter eine Beziehung erhalten hatte, das Flohlied gedichtet.
Einen weiteren Anhalt geben das Rattenlied und die ihm unmittelbar folgenden und vorausgehenden Auslassungen; sie führen uns mitten hinein in die Lilische Epoche, wie Fritz Jacobi einmal die Zeit von Goethes Liebe zu Lili Schönemann genannt hat[440]. Wann er aber solcher Stimmung war, daß er sich durch bittere Selbstverspottung von der Qual seines Zustandes zu befreien suchte, das zeigt die angeführte Briefstelle vom 17. September 1775. Es sind die letzten Wochen vor seiner Flucht nach Weimar, in denen seine Pein auf das höchste gestiegen war. Vergebens war er im Sommer in die Schweiz geflohen[441]. Mit der Rückkehr begann auch der jähe Wechsel in der Stimmung, das Zweifeln und Quälen, die schwebende Pein wieder. Die Briefe an die Gräfin Stolberg geben davon beredtes Zeugnis[442]. Ihren Höhepunkt erreichten die qualvollen Kämpfe im Herzen des Dichters mit der Herbstmesse[443]. Damals ist das mit dem Rattenlied stimmungsverwandte Gedicht Lilis Park entstanden, das »mit genialer Heftigkeit das Widerwärtige erhöht und durch komisch-ärgerliche Bilder das Entsagen in Verzweiflung umzuwandeln trachtet«[444]. Es ist uns nur in seiner späteren Fassung erhalten; von der früheren dürfen wir wohl annehmen, daß sie den Scherz noch derber aufgetragen habe und auch dadurch dem Rattenlied verwandt gewesen sei.
Alles drängt uns so zu der Annahme, unsere Scene sei im September 1775 geschrieben. Nun enthält Goethes Brief vom 17. September die Angabe: »Ist der Tag leidlich und stumpf herumgegangen; da ich aufstund, war mir gut, ich machte eine Scene an meinem Faust«. Nachdem er dann berichtet, was er weiterhin getrieben habe, folgt die angeführte Umschreibung des Rattenliedes. Man hat daher allgemein sich zu der Ansicht erklärt, die Scene in Auerbachs Keller sei in der Morgenfrühe des 17. September 1775 gedichtet[445]. Neuerdings wird diese Vermutung bezweifelt, so von E. Schmidt,[446] weil Goethes Improvisation auf dem Zürchersee am 15. Juni 1775.
Ohne Wein kanns uns auf Erden Nimmer wie dreihundert werden[447] ...
nur aus dem Rundreim:
Uns ist gar kannibalisch wohl Als wie fünfhundert Säuen!
zu verstehen sei. Allein jener Scherz, der doch gewiß nicht darauf berechnet war, mit unserer Scene in der Hand aufgenommen zu werden, beruht hier wie dort auf einer volkstümlichen Wendung, die dem Dichter jederzeit geläufig war. Die Auslassung in jener ersten Fassung ist selbst ein Scherz; die Ergänzung selbstverständlich[448]. Außerdem ist nicht zu verkennen, daß wir es an beiden Stellen mit weiter nichts zu thun haben als mit einer Umschreibung des ebenso volksbeliebten Ausdrucks »sauwohl«, den Goethe gerade in dem Tagebuch der Schweizerreise verschiedentlich anwendet[449]. Eine übermütig lustige Stimmung, nur selten gemischt mit der Erinnerung an sein Weh, spricht uns aus den wenigen abgerissenen Blättern dieses Tagebuchs an; noch später konnte er mit ihnen seiner Schilderung der Reise frische Unmittelbarkeit und Lebendigkeit geben[450]. Doch mag eine andere Beziehung zwischen jenen Reiseaufzeichnungen und der Scene in Auerbachs Keller obwalten. Ist es nicht möglich, daß die noch frische Erinnerung an die tollen lärmenden Stunden, die er mit seinen Reisegesellen erlebt, so daß es denn einmal heißt: »Gejauchzt bis 12«[451] mit dazu beigetragen habe, dem lärmenden, albernen Treiben der Studenten in Auerbachs Keller die Farbe des Lebens zu verleihen? Man denke auch an die Wirtshausscene in Mannheim, die sich gleich beim Antritt der Reise zwischen Goethe und den beiden Grafen Stolberg abspielte[452]. Einer von ihnen, Fritz Stolberg, war dazu in ähnlicher Lage wie Goethe;[453] auch er konnte also zu dem komischen Bilde Siebels beisteuern. Der burschikose Ton, der unter ihnen geherrscht haben muß, ist uns noch heute vernehmbar, wenn wir den Brief vom 4. Oktober 1775 lesen, den Goethe nach der Reise an Fr. L. von Stolberg und Genossen geschrieben hat[454]. Merck hatte ihn vorher gewarnt und gar manchmal bildete er sich ein, der Darmstädter Freund zupfe ihn am Kragen[455]. Der Dichter brauchte also nur den Ton ihres gemeinsamen Treibens etwas niedriger zu stimmen, die Farbe etwas derber aufzutragen; auch Erinnerungen an studentisches Unwesen, wie er es selbst, zuletzt noch im Sommer 1772 in Gießen, gesehen hatte, mögen Anteil an unserer Scene haben; auch darüber hatte Merck bekanntlich seinen größten Abscheu bezeugt[457].
Über die Entstehungszeit der Scene besteht demnach kein Zweifel. Sie gehört in die zweite dramatische Epoche des jungen Goethe der Frankfurter Jahre. Shakespeares Geist schwebt über ihr; wir spüren die Nähe des Egmont, der sich damals ebenfalls bildete. Sie zeigt uns den Übergang von dem Vers der satirischen Dialoge zu der Prosa dramatisch bewegter Handlung, für die der Dichter erst später die entsprechende metrische Form fand. Die Scene ist jedenfalls nach der Schweizerreise gedichtet mit großer Wahrscheinlichkeit im September 1775. Es ist darum ganz entsprechend, den 17. September als den Tag ihrer Entstehung anzunehmen, obwohl der Beweis dafür nicht mit völliger Sicherheit erbracht werden kann. Man könnte vielleicht einwenden, die Lieder auf die sich die Zeitberechnung vor allem stützt, seien vor der Ausbildung der Scene selbst gedichtet; aber dann wäre das Rattenlied im September verfaßt, und die Scene könnte dann nicht viel später entstanden sein. Völlig verkehrt wäre aber anzunehmen, die Lieder seien etwa nachträglich in die Scene eingetragen worden; denn die beiden ersten Teile derselben verlangen von Anfang an durchaus die Lieder und verlören ohne sie ihren inneren Zusammenhang[458].
Nach alledem sind wir zu der Annahme berechtigt, daß die Scene in Auerbachs Keller im September 1775, vielleicht in der Morgenfrühe des 17. September vom Dichter mit rascher, glücklicher Hand hingeworfen sei.
FUSSNOTEN
[212]
Vergl. meine Doktordissertation: Untersuchungen über Goethes Faust I. Der erste Monolog und die Erdgeistscene. Gießen 1892.
[213]
S. a.a.O. S. 7.
[214]
D.W. T. 4. B. 18. W. Bd. 29. S. 83 f.
[215]
a.a.O. T. 2. B. 6. Bd. 27. S. 15.
[216]
Scherer. Aus Goethes Frühzeit. S. 74.
[217]
D.j.G. 2. 28.
[218]
a.a.O. 3. 449.
[219]
a.a.O. 3. 322.
[220]
Ein für Wagner höchst charakteristischer Zug, der ihn sofort im Gegensatz zu Faust erscheinen läßt. W. kennt keine andere Begeisterung als am fremden Feuer; und auch sie ist ihm nichts weiter als eine nützliche Schulübung. Dasselbe setzt er auch ohne weiteres bei seinem Herrn voraus.
[221]
D.j.G. 3. 686.
[222]
a.a.O. S. 687.
[223]
Paralip. 1 zu Faust. (W. 14. S. 287.)
[224]
Von gleicher Verachtung für eine Dichtung, die eigens für die Bühne schreibt, um durch ihre äußerlichen Mittel zu wirken, schreibt Goethe im Anhang zu Mercier a.a.O. S. 687: »Wer übrigens eigentlich für die Bühne arbeiten will, studiere die Bühne, Wirkung der Fernemalerei, der Lichter, der Schminke, Glanzleinewand und Flittern, lasse die Natur an ihrem Ort, und bedenke ja fleißig, nichts anzulegen, als was sich auf Brettern zwischen Latten, Pappendeckel und Leinwand, durch Puppen, vor Kindern ausführen läßt.«
[225]
Vergl. Andreä bei Herder W. 11, S. 118:
Drum wünsch ich, daß all meine G'sellen Ihn'n auch abtrennen lan die Schellen.
[226]
Ganz anders dachte bezeichnender Weise z.B. Bahrdt über Deklamation und Aktion; Leben. 2, S. 148.—Über die berüchtigte Stelle seiner Homiletik (1773) und die Beziehung, die unsere Stelle offenbar darauf haben muß.
[227]
Vergl. auch Sauers Einleitung zu den Stürmern und Drängern, Kürschner, Deutsche Nationallitt. Bd. 79 I. S. 33 f
[228]
D.j.G. 3. 686.
[229]
a.a.O. 2. 40.
[230]
a.a.O. 3. 686.
[231]
a.a.O. 3. 245.
[232]
a.a.O. 2. 212.
[233]
Br. 2. Nr. 338. S. 282.
[234]
Paralip. 1. W. 14. S. 287.
[235]
Vergl. Dauer im Wechsel. (W. 1. S. 120.) zur Zeit der dritten Beschäftigung mit Faust gedichtet.
[236]
Schon im Journal der Reise von 1769: Sich vor einer Gewohnheits- und Kanzelsprache in Acht zu nehmen, immer auf die Zuhörer sehen, für die man redet, sich immer in die Situation einpassen, in der man die Religion sehen will, immer für den Geist und das Herz reden: Das muß Gewalt über die Seelen geben! oder nichts gibts! Hier ist die vornehmste Stelle, wo sich ein Prediger würdig zeigt. Hier ruhen die Stäbe seiner Macht.—W. Bd. 4. S. 370.
[237]
Herders Ansichten in dieser Sache hatte Goethe bereits in Straßburg erfahren, wo er auch Gelegenheit hatte, die Art seines Vortrages kennen zu lernen. Er schreibt darüber: Seine Art zu lesen war ganz eigen; wer ihn predigen gehört hat, wird sich davon einen Begriff machen können. Er trug alles ernst und schlicht vor; völlig entfernt von aller dramatisch-mimischen Darstellung, vermied er sogar jene Mannigfaltigkeit, die bei einem epischen Vortrag nicht allein erlaubt ist, sondern wohl gefordert wird: eine geringe Abwechselung des Tons u.s.w. (D.W. T. 2. Bd. 10. W. 27. S. 341.)—Über den Geist, der in dieser Hinsicht im Straßburger Kreise herrschte, berichtet er mit Anführung der alten Lesart aus der Wagnerscene: »Schon früher und wiederholt auf die Natur gewiesen wollten wir daher nichts gelten lassen als Wahrheit und Aufrichtigkeit des Gefühls, und der rasche derbe Ausdruck desselben,
Freundschaft, Liebe, Brüderschaft, Trägt die sich nicht von selber vor?
war Losung und Feldgeschrei, woran sich die Glieder unserer kleinen akademischen Horde zu erkennen und zu erquicken pflegten. (a.a.O. T. 3. B. 11. W.B. 28. S. 57.) Herders Fragmente las er in Wetzlar zum ersten Mal und nichts genoß er daraus inniger, »als das wie Gedank und Empfindung den Ausdruck bildet.« (Br. 2. N. 88. an Herder Mitte Juli 1772. S. 18.)
[238]
F.G.A. N. 60. den 28. Juli 1872—S. 392. Z. 25 ff.—393. 3. ff. 22 ff.—Vergl. Haym, Herder Bd. 1. S. 601 ff.
[239]
Vergl. noch a.a.O. S. 393. 26 f. 35 f. 395. 15.
[240]
Thomas, essais sur le caractère etc.—Die Rezension wird von R. Steig, Vierteljahrschr. f. Litt.-Gesch. 5, 223 ff. für Herder nicht in Anspruch genommen.
[241]
a.a.O. S. 666.
[242]
W. Bd. 7. S. 219.
[243]
Vergl. noch D.j.G. 2. 216. v. d. Hellen, S. 49. Br. 2. N. 216. S. 155.
[244]
D.j.G. 3. 207. vergl. auch 2. 202 f.
[245]
Br. 2. 266 a. S. 327.
[246]
Ein Ton, den besonders Voltaire angeschlagen hatte; vergl. z.B. 15. Haym, Herder Bd. 1. S. 544.
[247]
F.G.A. S. 222. 18 ff. (Vergl. auch 223. 36 ff. N. 24. den 28. April 1772.)
[248]
a.a.O. S. 271. 6 ff. (N. 41. den 22. Mai 1872.) Die Abneigung, in diesen Geheimnissen zu lesen, ist Goethe zeitlebens geblieben; vergl. das Gespräch mit Luden vom 19. August 1806. (Gespr. 2. S. 82.)
[249]
a.a.O. S. 270. 7 ff.
[250]
a.a.O. S. 295. 5 ff.
[251]
a.a.O. S. 321. 6 f. (Nr. 49. den 19. Juni 1772.)
[252]
D.j.G. 2. 206 ff.
[253]
Noch 1776 klingt dies Thema nach und an die Fauststelle an in dem Schreiben an Herder, da es sich um seine Berufung nach Weimar handelte:
Und im Grund weder Luther noch Christ Im mindesten hier gemeinet ist, Sondern was in dem Schöpsen-Geist Eben lutherisch und christlich heißt.
Br. 3. N. 404 vor 20. Februar 1776? S. 33. 5 ff.
[254]
F.G.A. S. 453. 35 ff. (N. 69. den 23. August 1772.)
[255]
a.a. O. S. 455. 36.—Vergl. auch Hamann 2. S. 289.
[256]
a.a.O. S. 356. 2. (N. 54. den 7. Juli 1772.)
[257]
a.a.O. S. 482. 36. (N. 73. den 11. September 1772.)
[258]
Vergl. die oben angeführte Stelle. (F.G.A. S. 222. 32 f.)
[259]
a.a.O. S. 553. 20 ff. (N. 54 den 7. Juli 1772.)
[260]
a.a.O. S. 354 35 ff.
[261]
a.a.O. S. 230. 28 ff. (N. 35. den 1. Mai 1772.)
[262]
a.a.O. N. 355. 37 f.
[263]
a.a.O. S. 490. (N. 74. den 15. September 1872.)—vielleicht auch S. 477. 4 f. (N. 72. den 8. Sept. 1772.)
[264]
D.j.G. 2. S. 391.—Noch später nennt er in der Farbenlehre bei der Charakteristik des 18. Jahrhunderts es das selbstkluge.
[265]
W. Bd. 6. S. 203 f.
[266]
Vergl. Suphan in der Vierteljahrschr. f. Litt.-Gesch. Bd. 1. S. 527.
[267]
In den Zusätzen zum dritten Abschnitte;—vergl. Haym, Herder, Bd. 1. S. 538 ff.
[268]
W. Bd. 28. S. 281.
[269]
D. W. am Anfange des 17. B. W. Bd. 29. S. 37.
[270]
B. 7. W. Bd. 27. S. 146.
[271]
Von 1765. S. 128-131.—Die »bedeutende« Stelle ist von Heyne.
[272]
W. Bd. 27. S. 226 f.
[273]
a.a.O. S. 682 ff. (N. 103. den 25. Dez. 1772 u. 104 den 29. Dez.). Das Werk heißt: Erfahrungen und Untersuchungen über den Menschen.—(Vergl. auch Scherer in der Einl. S. XC.)
[274]
a.a.O. S. 688. 4 ff.
[275]
D.j.G. 2. S. 226. Vergl. auch 3. S. 439. die Verse im ewigen Juden:
Es waren, die den Vater auch gekannt. Wo sind sie denn? Eh, man hat sie verbrannt.
—und Br. 2. N. 270. vom 23. Dez. 1774. S. 218. 7 ff.—Der junge G. hat also doch »thöricht« geschrieben, (V. 238 = 591.) und nicht »kühn«, wie Vischer, G. Faust, N. Beiträge u.s.w. N. 272 annahm. Es ist aber ja gar nicht so bös gemeint, daß er Vischers Strafrede verdient hätte.
[276]
D.j.G. 2. S. 16 ff.
[277]
Vergl. Rosenkranz, G. u. seine Werke, Königsberg 1847. S. 406.—Der nüchterne Verstand, der doch für die Ärmlichkeiten seiner Forschung schwärmen kann, u.s.w.
[278]
So Herder in den F.G.A. S. 456. 34.
[279]
Herder W. 1. S. 256.
[280]
Goethe Br. 2. Nr. 85. (Ende 1771.) S. 12. 14 ff.
[281]
W. Bd. 28. S. 161. (D. W. 37. B. 12.)
[282]
Vergl. auch Br. 2. N. 116. vom 25. Dez. 1772. S. 51. 4 ff.
[283]
Neudruck S. 63. 24 ff.: solch ein Bursch, den die lungensüchtigste Imagination nicht krüppelhafter zusammenstoppeln kann das non plus ultra von Armseligkeit, der Plauderer, Nichtswisser; die Nachlese des menschlichen Verstandes!—s. G. J. 1. 181.—Noch schärfer nimmt ihn Müller von Itzehoe in seinem Roman Siegfried von Lindenberg (Kürschner Bd. 57. S. 360 f.) vor:——Der Lumpensammler am Parnaß, der ohne Unterlaß vor den Thüren der Gelehrten herumschleicht, und hinter ihren Gärten, dort das Kehricht, und hier den Misthaufen durchwühlet, ob er irgend einen kassierten Brouillon oder sonst einen verworfenen Lumpen von einem Gedicht aufstöbern kann u.s.w.
[284]
Das hat im Grunde Weiße, Kritik und Erklärung des G.F. Leipzig 1837. S. 85 schon richtig erkannt, wenn er in unserer Scene bei aller schlagenden Kraft und epigrammatischen Schärfe im Grunde nur die Gemeinplätze der sogenannten Genieperiode findet.
[285]
Man darf auch die erste Scene von Erwin und Elmire zum Vergleiche herbeiziehen, in der Olympia mit unmutigem Eifer die moderne Erziehung bekämpft und alle Einwendungen ihrer Tochter zurückweist; (z.B. die Art des Einwands d.j.G. 3. 508. Unsre Kenntnisse, unsre Talente!). Erwin reicht in seinen Anfängen bekanntlich bis 1773 zurück.
[286]
Gegen die äußerliche Verwendung der Parallelstellen wendet sich mit Recht z.B. Braitmaier Goethekult. u. Goethephilologie, Tübingen 1892. S. 23.
[287]
G. J. 6. S. 309. u. V. J. Schr. f. Litt.-gesch. 1. S. 525 ff.
[288]
W. Bd. 7. S. 304 unten.—Vergl. auch Huther, Herder im Faust, (Z. f. d. Ph. Bd. 21. S. 329 f.) der ganz irrig von gekräuseltem Schnitzelwerke spricht und in Folge dessen den Ausdruck völlig falsch erklärt.
[289]
Noch deutlicher ist das Bild in den Entwürfen von 1773. Bd. 7. S. 189: Möglich? ich glaube vielmehr, es wäre die einzige wahre, wenn sie uns nicht gerade abgekehrt und das gekreiselte, schwache Schnitzwerk der Philosophie, an dem uns aber das rechte Gefäß gerade vor der Hand abbricht, uns vorstünde.
[290]
Vergl. auch Koegel in der Viertelj.-schr. f. Litt.-gesch. 1. S. 60.
[291]
W. 1. S. 365.
[292]
Auch eine Phil. d. Gesch. u.s.w. Hempel. W. B. 21. S. 159.
[293]
Br. 3, N. 514. vom 16. Sept. 1776. S. 111.
[294]
Br. 3. N. 729 vom 5. Aug. 1778.—S. 238.—
[295]
Wagner 1. S. 188. 290. 339.
[296]
Wieland an Merck am 3. Aug. 1872.
[297]
D.j.G. 1. S. 116 u. W. Bd. 9. V. 53. S. 5.
[298]
Br. 2. N. 272. S. 221.
[299]
v.d.H. S. 207.
[300]
D.j.G. 3. S. 580.
[301]
F.G.A. S. 540. 9. (N. 82. den 13. Okt. 1772.)
[302]
D.j.G. 2. S. 209.
[303]
Br. 1. N. 51. S. 200.
[304]
Vergl. auch die wohl auch Goethische Wendung: den Sand aufgeraffter Formeln und Floskeln gaffenden Jünglingen vom Katheder ins Gesicht werfen. (F.G.A. S. 426. 34 ff. N. 65. den 14. Aug. 1772.)
[305]
W. Bd. 7. S. 219.
[306]
D. W. T. 2. Bd. 10. (W. Bd. 27. S. 541.)
[307]
V.-j.-schr. f. Litt.-gesch. Bd. 1. S. 528.
[308]
F.G.A. S. 271. 6 ff.
[309]
W. 2. S. 19.
[310]
S. 18.
[311]
Ein abschreckendes Beispiel jener Sucht, überall angebliche Parallelstellen aufzuspüren, die dem Dichter natürlich bei seinem Werke vorgeschwebt haben, auf die man hin kecklich die Entstehungszeit ganzer Scenen festsetzt, gibt Huther in dem oben angeführten Aufsatze. Er versteigt sich zu der Behauptung: der Dichter dramatisiert von hier an bis zum Ende der ganzen Scene die von Herder in den Provinzialblättern geführte Polemik gegen den von Spalding in dessen Buch von der Nutzbarkeit des Predigtamtes vertretenen theologischen Rationalismus u.s.w. (a.a.O. S. 330.). Ähnlich macht es z.B. auch Biedermann mit dem Satyros; Stellen Basedowscher Schriften sind nach ihm die Vorlage für einzelne und darunter gerade die schönsten und empfundensten Stellen jener Dichtung. Geht das so fort mit dieser kläglichen, ganz undichterischen Auffassung der Werke unseres Dichters, so ist er bald nur noch als der zu betrachten, der eine Reihe Prosaschriften der Zeit in schöne Verse gebracht!
[312]
an W. v. Humboldt d. 17. März 1832.
[313]
F.G.A. S. 579 unten u. 580. 1 ff. (N. 88 d. 3. Nov. 1772.)
[314]
Vergl. meine Dissertation S. 76 ff.
[315]
V. 1770-1867.
[316]
V. 249—266 = 1868—1895.
[317]
Vergl. V. 403.
[318]
Darum hat auch später, nachdem der erste Teil gestrichen war, diese Frage (V. 196 f.), die dadurch am Ende der Einleitung steht, dort keine rechte Stelle mehr und ihre alte Bedeutung damit eingebüßt.
[319]
Goethes F. in ursprünglicher Gestalt u.s.w. S. XXV.—Ähnlich auch Weltrich, wenn er den Witz hier studentisch grün nennt (Magazin für d. Litt. d. In- u. Ausl. Jahrg. 57. (1888.) S. 254). Vergl. ferner Seuffert Vj.-schr. f. Litt.-gesch. 4. 340.
[320]
E. Schmidt: ebenda.
[321]
Grenzboten, Jahrg. 46 (1887) 4. S. 16 (K. Fr. Bahrdt).
[322]
Laus Metaphysices in consessu Metaphysicorum recitanda; ebenfalls in einer Form abgefaßt, die in den Kämpfen des Humanismus und der Reformation viel gebraucht worden war. Über Klotz vergl. z.B. Ebeling, Geschichte der Komischen Litteratur in Deutschland seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Bd. 1. S. 210 ff.
[323]
Ein bezeichnendes Beispiel dazu ist seine »lächerliche Nachahmung des Winckelmannischen Enthusiasmus bei der Bewunderung der Venus Kallipygos!« (Lessing, Entwürfe zur Fortsetzung der Briefe antiquarischen Inhalts Nr. XCV; W. Bd. 13. Hempel.)
[324]
Prutz in Raumers Historischen Taschenbuch 1850. S. 662.
[325]
S. 284 f. Nr. 43. den 29. Mai 1772.
[326]
S. 670 f. Nr. 101. den 18. Dezember 1772.
[327]
W. Bd. 4. S. 3 ff. vergl. Haym, Herder u.s.w. Berlin 1880. Bd. 1. S. 248 ff.
[328]
S. 297 f. N. 45. den 5. Juni 1772; vergl. Scherer S. LXXXI.
[329]
Ebeling a.a.O. S. 402.—E. Schmidt in d. Allgem. Deutschen Biographie.
[330]
D.W. T. 3. B. 14. W. Bd. 28. S. 294 ff.
[331]
D.W. T. 3. B. 13. W. Bd. 28. S. 186.
[332]
Vergl. Kawerau a.a.O. S. 17.
[333]
K. Fr. Bahrdt, Geschichte seines Lebens u.s.w. 1. 387.
[334]
a.a.O. 2. 7.
[335]
Vergl. v. Gehrens Artikel bei Ersch und Gruber u. besonders Erhards Anmerkung über die Erfurter Zeit.
[336]
Bahrdt, Gesch. s. Lebens u.s.w. Bd. 2. S. 32.
[337]
a.a.O. S. 182 f.
[338]
Br. an Bahrdt. 1. 168 f. Vergl. Scherers Einl. zu Seufferts Neudruck der F.G.A. S. XLVIII ff.
[339]
S. 29 ff. N. 5 d. 17. Januar 1772.
[340]
a.a.O. S. XLIX.
[341]
a. a. O. S. XVII.
[342]
N. 49 den 19. Juni 1772.
[343]
Scherer S. LXXXII denkt an Herder; vergl. Minor Studien 110 f. Steig in der Vjschr. f. Litteraturgesch. 5. 223 weist sie dagegen Herder nicht zu.
[344]
a.a.O. S. 319. Z. 32 ff.
[345]
Leben 2. S. 244; über den Jahrgang 1773 der F.G.A. vergl. Scherer a.a.O. S. LXXIV.
[346]
Frank in Raumers Histor. Taschenbuche 1866. S. 232.
[347]
Briefe an B. 2. 157 f. 172.
[348]
Vergl. auch Lebensgesch. 2. S. 149.
[349]
D.j.G. 2. 380 ff.; vergl. D.W. T. 3. B. 13. W. 28. S. 236.
[350]
Aus Goethes Frühzeit, S. 34 f.; dazu F.G.A. S. XXX. Der Marktschreier ist dann aber Deinet, nicht aber der Gießener Schmid, der nur unter der Maske des Wagenschmiermanns zu suchen ist.
[351]
D.W. T. 3. B. 14. W. 28. S 258.
[352]
a.a.O. B. 13. Daß ihn Goethes Angriff empfindlich getroffen und er ihn auch so bald nicht vergaß, beweisen die Bemerkung in seiner Allgem. Theolog. Bibliothek II. 323 und die später entworfene Charakteristik Goethes im Kirchen- u. Ketzeralmanach aufs Jahr 1781; vergl. Frank a.a.O. S. 238. 287.
[353]
Daß er ihn nicht so bald verlernt habe, bezeugt er selbst in seiner Lebensgeschichte 2 S, 12 f.
[354]
Vergl. die V. 1232 f. = 3540 f. der Gretchentragödie:
Sie fühlt, daß ich ganz sicher ein Genie, Vielleicht wohl gar ein Teufel bin.
[355]
Man beachte überhaupt die Ähnlichkeit des Prologs mit der Schülerscene in der äußeren Anlage: Besuch bei einem Professor.
[356]
Br. an Bahrdt 2, S. 167. 169.
[357]
D.W. T. 2. B. 6. W. 29. S. 41 f.
[358]
a.a.O. S. 42.
[359]
Br. 1. No. 4; den 13. Oktober 1765. Nachschrift. S. 11. Z. 5 ff.
[360]
a.a.O. N. 6. S. 14. Z. 17 ff. und No. 7. S. 17. Z. 14 ff.
[361]
F.G.A.N. 101, den 18. Dezember 1772. S. 667. Z. 31 ff.
[362]
Vergl. das Gedicht Elysium an Uranien: (D.j.G. 2. 22 ff.) Uns gaben die Götter Auf Erden Elysium. Dazu seinen Schluß: Ach, warum nur Elysium!—Daß die Poesie des j.G. nicht allzusehr in Empfindsamkeit zerfloß, dafür sorgte schon Shakespeares gewaltige Erscheinung. Man lese nur den Schluß der Shakespeare-Rede! (a.a.O. 2. 43.)
[363]
Vergl. Haym, Herder 1. 577. Mit dem ganzen Menschen zu wirken, zu leiden, zu genießen—dieser Drang war in tieferen Geistern wie Hamann, erwacht. Er machte sich in der Dichtung des jungen Goethe in ergreifenden Offenbarungen Luft.
[364]
F.G.A. N. 78 vom 29. September 1772. S. 517. Z. 15 ff. vergl. Scherer S. LXXXIX.
[365]
a.a.O. N. 104 vom 29. Dez. S. 688 oben. Vergl. Scherer S. XC.
[366]
D.W. T. 3. B. 11. W. 28. S. 9. f.
[367]
a.a.O. B 15. W. 28. S. 338 f.
[368]
Vergl. z.B. Schubarth, Über Goethes F. Berlin 1830. S. 228.
[369]
Erweitern ist ein charakteristischer Lieblingsausdruck des jungen Goethe der Jahre 1771-1775; z.B. d.j.G. 2. 40. (zum Shakespearetag): »ich fühlte aufs lebhafteste meine Existenz um eine Unendlichkeit erweitert;« a.a.O. 3. 419 (Klavigo). Möge deine Seele sich erweitern—ähnlich ebenda 377 oben; 3. 305 (Werther) s. Geist zu erweitern; 3. 449 (Prometheus): »Vermögt ihr mich auszudehnen, erweitern zu einer Welt.« (Vergl. dazu F. G. A. S. 518. Z. 2. in einer offenbar Goethischen Rezension: Das Ausdehnen der eignen Existenz—)—Br. 2. N. 266. S. 212 unten (v. 5. Dez. 1774.): »und dieses enge Dasein hier zur Ewigkeit erweitern«. (Vergl. auch die ähnlichen Wendungen Br. 2. N. 88. S. 173. 15 f. d.j.G. 3. 162. Könnt ich doch ausgefüllt einmal u.s.w.)
[370]
So wandte man sich in jener fordernden Epoche schließlich an das Genie, »das durch seine magische Gabe den Streit schlichten und die Forderungen leisten würde«. (D.W. T. 3. B. 15. W. 28. S. 340.)
[371]
Vergl. Br. 2. N. 266 v. 5. Dez. 1774 S. 212:
Ich zittre nur, ich stottre nur, Ich kann es doch nicht lassen, Ich fühl, ich kenne dich, Natur, Und so muß ich dich fassen.
[372]
D.W. T. 3. B. 11. W. 28. S. 7.
[373]
a.a.O. S. 360.
[374]
Br. 1. No. 6 den 21. Oktober 1765. S. 14 Z. 15. D.W. T. 2. B. 6. W. 27. S. 53.
[375]
v.d.H. S. 40 (Lavater I. 21. 17-19.). Dieser Satz steht in einer der Zugaben, die Goethe nach v.d. Hellen am 23. Januar 1775 abschickte, (a.a.O. S. 28.)
[376]
D.W. a.a.O. S. 53.
[377]
S. schon das Leipziger Gedicht: Die Freuden (d.j.G. 1. 103), dazu Br. 1. N. 63 v. 14. Juli 1770. S. 239. 33 ff.—D.W. T. 1. B. 4 W. 26. S. 187. Da ja selbst Naturforscher öfter durch Trennen und Sondern als durch Vereinigen und Verknüpfen, mehr durch Töten als Beleben sich zu unterrichten glauben.
[378]
D.j.G. 2. 206.
[379]
a.a.O. 3. 694. (Gebet.)
[380]
In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in einer Verbindung mit dem Ganzen steht,———es ist nur die Frage: Wie finden wir die Verbindung dieser Phänomene, dieser Begebenheiten? (Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt. 1773. Hempel, W. 34. S. 70.)
[381]
Mit schließlicher Beziehung auf die alte Lesart im F. an unserer Stelle sprach sich G. später also aus: Unsre Naturforscher lieben ein wenig das Ausführliche. Sie zählen uns den ganzen Bestand der Natur in lauter besonderen Teilen zu und haben glücklich für jeden besonderen Teil auch einen besonderen Namen. Das ist Thonerde, das ist Kieselerde! Das ist dies und das ist das! Was bin ich aber nun dadurch gebessert, wenn ich auch alle Benennungen innehabe? Mir fällt immer, wenn ich dergleichen höre, die alte Lesart aus F. ein: Encheiresin u.s.w. Was helfen mir denn die Teile? was die Namen? Wissen will ich, was jeden einzelnen Teil so hoch begeistigt, daß er den andren aufsucht, ihm entweder dient oder ihn beherrscht, je nachdem das allem ein- und aufgeborene Vernunftgesetz den zu dieser, den zu jener Rolle befähigt. Aber gerade in diesem Punkte herrscht überall das tiefste Stillschweigen.
[382]
W. 1. 255.
[383]
Br. vom 21. Januar 1832 an Wackenroder. (Müller, Goethes letzte litterarische Thätigkeit. S. VIII.)
[384]
Vergl. Hamann W. 4. 27: Ja wißt ihr endlich nicht, Philosophen, daß es kein physisches Band zwischen Ursache und Wirkung, Mittel und Absicht gibt, sondern nur ein geistiges, nämlich des Köhlerglaubens?—(S. auch Herder W. 6. 202 f. 266 f.)
[385]
F.G.A. S. 580. Z. 25 ff. u. S. 666 oben.
[386]
D.j.G. 2. 231.
[387]
Den verfluchten Mechanismus unsrer mit aller Macht neuen Philosophie, wie es Hamann nennt. (W. 1. 413.)—»Allein—heißt es in einer gewiß Goethischen Rezension, die wir schon oben anziehen konnten—man muß nicht durch das System, und hätte mans auch selbst gemacht, sondern mit bloßen, leiblichen Augen in den Menschen sehen.« (F.G.S. 517. Z. 9. ff.—»Systemateley« bildet er weiter unten dafür; vergl. Scherer S. LXXXIX.) Ebenso spricht auch wohl Goethe S. 521. Z. 21 f.: Er müßte wissen, daß die Natur zu allen Systemen zum Voraus Nein gesagt———(s. Scherer S. LXXXIX). In der Baukunst (D.j.G. 2. 297.) spottet er über die Atmosphäre des Systems; vergl. auch a.a.O. S. 124. Z. 3 f.—
[388]
Zu dem vom Dichter gebrauchten Bilde, vergl. a.a.O. S. 224:—es mag den Jüngern dabei der Kopf gedreht haben, wie selbigen ganzen Abend, denn sie verstunden nicht eine Silbe von dem, was der Herr sagte.
[389]
Das Fragment hat hier bereits bezeichnender Weise geändert, da damals die Satire auf akademische Verhältnisse für den Dichter in den Hintergrund getreten war.—In den F.G.A. S. 482 (Schreiben über den Homer N. 73) spricht G. von dem unbedeutendem Tone Professorlicher Tugendlichkeit. Man beachte auch, wie in dieser Rezension der Professortitel spottend wiederholt wird. (S. 481. Z. 8. 28, 482. Z. 5, 10, 16. 483. Z. 6.)
[390]
Zu V. 415. 416 = 2021. 2022 vergl. den ähnlichen Rat für Faust: (V. 2062; zuerst im Fragment V. 541.) Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben; s. auch Paralip. 9. W. 14. 289.—Zu V. 411. 412 = 2017. 2018: »Doch der den Augenblick ergreift, daß ist der rechte Mann.« Vergl. v.d.H. S. 188. Lavater II. 254. 12 über Scipio: Unbeweglich in seinen Verhältnissen ist der Mann, stets den Augenblick ergreifend, u.s.w. (Dazu v. d. Hellen S. 186 und Br. 2. N. 354 an Lavater vom 8. September 1775. S. 286. Z. 19.)
[391]
a.a.O. S. 614. Z. 34 ff. vergl. Scherer XC.—S. auch Herder zu Dalbergs Betrachtungen über das Universum: Eben die Kontrarietät im Menschen ist das Siegel Gottes in unserer Natur, der Baum der Erkenntnis Gutes und Böses in einen ewigen Baum des Lebens verwandelt. (Hempel W. Bd. 17. S. 462.)
[392]
a.a.O. S. 554. Z. 24 ff. 555. Z. 2 ff.
[393]
a.a.O. S. 672. Z. 8 ff.; vergl. Scherer S. LXXXVII.
[394]
a.a.O. S. 665. Z. 25 ff.; vergl. auch Br. 2. N. 180 an Rüderer, Herbst 1773. S. 120. Z. 15 f.—Dazu Haym, Herder, Bd. 1. 499 f.
[395]
Vergl. Herder zu Dalbergs Betrachtungen über das Universum: (Hempel Bd. 17. S. 460) alle Philosophie also, die von sich anfängt und mit sich aufhört, ist von ihrer Muhme, der Schlange.
[396]
Das verkennt z.B. Düntzer, Deutsche Nationallitteratur Bd. 93. Goethes Werke XII. S. 83.
[397]
Auch in seinem Götz hat z.B. der junge Dichter dem Jugendlichen in sich selbst Ausdruck verliehen, indem er den Haupthelden jugendliche Nebenpersonen zur Seite gab. (Georg u. Franz.)
[398]
W. Bd. 14. S. 287. (Paralip. 1.)
[399]
Vjschr. f. Litt.-gesch. 4. 336 f.
[400]
W. Bd. 11. 103 ff.
[401]
Man vergleiche auch, wie in den Biblischen Fragen Vater und Sohn einander gegenüberstehen, und wie der erstere den sehr selbstbewußten Sohn, der eben von der Universität zurückgekommen ist, in ähnlicher Weise zu belehren sucht. (D.j.G. 2. 231.)
[402]
Man vergl. Erwins Verkleidung als Eremit in Erwin u. Elmire, den Krugantino in Klaudine von Villa Bella und die Vermummung des Hauptmanns im Pater Brey.
[403]
Vjschr. f. Litt.-gesch. 4. 317 ff.
[404]
Gespr. Bd. 7. S. 10.
[405]
339. 340 = 1902. 1903, aber seit dem Fragment an andrer Stelle.
[406]
a.a.O. S. 322.
[407]
Vergl. Pniowers Einwand a.a.O. S. 323.
[408]
V. 1904 ff.:
Ich bin dabei mit Seel und Leib Doch freilich würde mir behagen Ein wenig Freiheit und Zeitvertreib An schönen Sommerfeiertagen.
[409]
V. 1909.
[410]
Pniower a.a.O. S. 326 meint V. 317 ff. sei die Ausdrucksweise so unklar, daß die Interpretation der Worte auf nicht geringe Schwierigkeiten stoße. M. aber, der den studentischen Tisch im Gegensatz zu der Mutter Tisch spottend beschreibt, will mit den Versen »Hammel und Kalb küren ohne End, als wie unsers Herr Gotts Firmament«, doch nur sagen, der Student müsse sich Hammel- und Kalbfleisch so endlos wählen, wie auch das Himmelsgewölbe es sei.
[411]
a.a.O. S. 327.
[412]
In Götz (A.) ist es in 16 Fällen, in G. (B.) aber über 40 mal ausgelassen; denn gerade seit 1773 schöpft G. mehr als je aus der Sprache des Volks und des 16. Jahrhunderts.
[413]
a.a.O. S. 332 f.—Es geschieht seiner offenbar Erwähnung in dem Br. an B. Jakobi v. 29. Nov. 1773 (2 N. 187. S. 128. Z. 4 ff.) »Auf Faßnacht könnts anmarschieren«—meint der Dichter; dasselbe in dem Sylvesterbrief an B. Jacobi (2. N. 197. S. 138. Z. 9). Im März 1774 ist aber das versprochene Fastnachtstück immer noch nicht fertig (Br. 2. N. 213 an J. Fahlmer S. 153. Z. 5 ff.); auch schließlich auf Ostern noch nicht; s. Br. 2. N. 215. S. 154. Z. 13 ff. u. N. 217. S. 158. Z. 16 ff. So erhielt das Stück schließlich die Bezeichnung: Ein Fastnachtsspiel auch wohl zu tragieren nach Ostern u.s.w.. G. überließ es bekanntlich Klinger mit den übrigen Farcen des Neueröffneten moralisch-politischen Puppenspiels zur Veröffentlichung.
[414]
Was auch Pniower S. 333 annimmt; s. dagegen Düntzer, Neue Beiträge z. Goetheforschung. 1891. S. 199 ff.
[415]
Gegen Pniower a.a.O. S. 225.
[416]
D.j.G. 3. 180.
[417]
a.a.O. 3. 494 ff.
[418]
S. Abeken, Goethe in den Jahren 1771-1775. S. 270 f.
[419]
D.j.G. 2. 212.
[420]
Br. 2. N. 348. S. 282. Z. 12 ff.
[421]
Gespr. 2. 76.
[422]
Vjschr. f. Litt.-gesch. 4. 339.
[423]
Aber nicht nur stehen diese beiden mit einander in innerem Zusammenhang, sondern sie spinnen auch den Faden, weiter, der sich bereits durch die erste Hauptmasse zieht. Faust d.h. der geniale, hochstrebende Mensch gerät mit seinem Lebens- und Schaffensdrang in Widerstreit mit den Schranken seiner Natur; er begehrt von jenem erfüllt das Unmögliche und wird überall abgewiesen. In den beiden folgenden Scenen kämpft nun der schöpferische Geist des Dichters, den er nicht nur Faust, sondern sogar dem Teufel gegeben hat, gegen das Unschöpferische, Unfruchthare, Leblose an. Dem gleichen Geiste sind demnach die erste Hauptmasse und die Wagner- und Schülerscene entsprungen. Wir drücken den Kern ihres Inhalts so aus: Das Schöpferische im Menschen d.h. das Göttliche im Widerstreit mit den Grenzen seiner menschlichen Natur (1. Monolog u. Erdgeistscene; vergl. auch Werther.)—Das Schöpferische im Kampf mit dem Unschöpferischen, das, insofern es anmaßlich alles erfüllt, dem Genialen auch eine Art Schranke errichtet, die es zwar mit leichter Mühe niederreißt, die aber ebenso rasch wieder hergestellt wird. (Wagner- u. Schülerscene.)
[424]
Seuffert a.a.O. S. 342.
[425]
Treffend bemerkt Schiller in dem Br. vom 26. Juni 1797: »Der Teufel behält durch seinen Realism vor dem Verstand, und der Faust vor dem Herzen recht.« Darauf Goethe am nächsten Tage: »So werden wohl Verstand und Vernunft, wie zwei Klopffechter, sich grimmig herumschlagen, um abends zusammen freundschaftlich auszuruhen.«—Man vergl. auch Hebbels Wort: Gott teilt sich nur dem Gefühl, nicht dem Verstande mit; dieser ist sein Widersacher, weil er ihn nicht erfassen kann. Das weist dem Verstande den Rang an. (Tagebücher 1. S. 109.)
[426]
Auf eine ursprüngliche Verbindung zwischen Erdgeist und Teufel hat bekanntlich zuerst Ch. H. Weiße, Kritik und Erläuterung des Goetheschen Faust, Leipzig 1837. S. 86 ff. aufmerksam gemacht; er zog aber bereits den falschen Schluß, dem Erdgeist sei eine wiederholte Erscheinung und überhaupt eine wesentlichere Rolle zugedacht gewesen.
[427]
Vergl. G. J. 3. 341.
[428]
Vergl. z.B. K. Fischer, Goethes Faust (3. Aufl.) Bd. 2. S. 28.
[429]
Br. 2. N. 335. S. 292. Z. 23 ff.
[430]
D.j.G. 3. 189.
[431]
a.a.O. S. 190.
[432]
S. 191.—Vergl. auch Pniower, Zwei Probleme des Urfaust, Vjschr. f. Littgesch. 3. 149.
[433]
D.W. T. 3. 15. W. 28. S. 315 ff.
[434]
Vergl. Br. 2, N. 273 vom 28. Dez. 1774; N. 278 vom 13. Jan. 1775; N. 320 vom 14. April; auch N. 328 vom 3. Mai; N. 334 vom 4. Juni; N. 342 vom 1. Aug. und schließlich N. 361 Mitte Oktober 1775 mit der Meldung seiner Ankunft.
[435]
D.W. T. 3. B. 15, W. 28. S. 322 oben.
[436]
Vergl. das Volksbuch von 1587 Neudruck S. 185.—Diese Rolle ist ihm übrigens bereits im Fragment als seiner nicht würdig wieder genommen.
[437]
Vergl. den Weinrebenzauber Vjschr. f. Littgesch. 1. 470. u. Schröer in seiner Ausgabe 1. 143.
[438]
Volksbuch von 1587. Neudruck S. 130; V. des christl. Meinenden Neudr. S. 15.
[439]
Vjschr. f. Littgesch. 2. 160.
[440]
Briefe an u. von Merck (Wagner 2. 123.)
[441]
Br. 2. N. 343 vom 3. August 1775. S. 273. Z. 16 ff.
[442]
Vergl. Br. 2. N. 340 vom 25. Juli; N. 343 vom 3. August; N. 355 vom 14.-19. Sept. 1775.
[443]
D.W. T. 4. B. 19. W. Bd. 29. S. 158. Sie begann am 10. September.
[444]
D.W. T. 4. B. 19. W. Bd. 29. S. 159 unten.—Vergl. auch das Schema zu B. 17. a.a.O. S. 213, in dem G. das Gedicht in die Zeit der Michaelismesse setzt; dagegen früher v. Loeper Anm. 730 zu D.W. und in der Ausgabe der Gedichte 2. 335, der sich, ehe aber noch jenes Schema bekannt geworden war, für die Zeit der Ostermesse entschieden hatte.
[445]
Vergl. z.B. K. Fischer, Goethes Faust nach seiner Entstehung u.s.w. 2. Aufl. 1887. S. 241 ff.
[446]
In seiner Ausgabe des ältesten F. S. XXIII; ebenso Pniower Vjschr. f. Littgesch. 2. 147.
[447]
Tageb. Bd. 1. S. 1.
[448]
Düntzers Erklärung der Stelle, es sei an die Steigerung zu dreihundertfaltiger Kraft des Trinkers zu denken, wird wohl niemand beitreten wollen. (Ztschr. f. d. Phil. Bd. 21. 1889. S 374.)
[449]
a.a.O. S. 4. Z. 17. Daß es der Erde so sauwohl und so weh ist zugleich; (wozu man die edlere Fassung dieses Gedankens in dem zweiten, Ende 1775 geschriebenen, Teil des ewigen Judens d.j.G. 3. 411. vergleiche:
Fühlt, wie das reinste Glück der Welt Schon eine Ahnung von Weh enthält.)
S. 6. Z. 23. Sauwohl u. Projekte.
[450]
D.W. T. 4. B. 18. W. Bd. 29. S. 103 ff.
[451]
Tageb. 1. S. 5. Z. 10 u. D.W. a.a.O. S. 117.
[452]
D.W. a.a.O. S. 95.
[453]
a.a.O. S. 94;—auch in den Br. 2. N. 340. S. 270. Z. 12 ff. N. 343. S. 273. Z. 13 ff. 274. Z. 14 ff.
[454]
a.a.O. N. 358. S. 298.
[455]
D.W. a.a.O. S. 95.
[456]
Bezieht sich vielleicht darauf, die Stelle in dem Brief v. 4. Okt. a.a.O. S. 398. S. 4 ff.: Ich hab euch drei dramatisiert. Gr. Christian Truchseß, Gr. Leopold und Junker Kurt. Wo ihr auf dem großen Krönungssaal zu Frankfurt in naturalibus hingestellt sind. (?!)]
[457]
Vergl. D.W. T. 3. B. 12. W. Bd. 28. S. 170: »Denn wie es angeborene Antipathien gibt, so wie gewisse Menschen die Katzen nicht leiden können, anderen dieses oder jenes in der Seele zuwider ist, so war Merck ein Todfeind aller akademischen Bürger, die sich nun freilich zu jener Zeit in Gießen in der tiefsten Rohheit gefielen. Mir waren sie ganz recht: ich hätte sie wohl auch als Masken in einem meiner Fastnachtsspiele brauchen können, aber ihm verdarb ihr Anblick bei Tage und des Nachts ihr Gebrüll jede Art von gutem Humor.«
[458]
S. Pniower. Vjschr. f. Littgesch. 2. S. 146 ff.—K. Fischer. Goethes Faust (3. Aufl.) Bd. 2. S. 48.