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Schriften 13

König Rother. Fragment. 1806.

Reading edition

König Rother zieht einer Jungfrau die Schuhe an.

In der Kammer ward es stille, Da sprach die Königinne: O weh, Fraue Herlind, Wie groß meine Sorgen sind Um den Herren Dietheriche, Den hätt’ ich sicherliche Verstohlen gern gesehn, Und möcht’ es füglich geschehn Um den tugendhaften Mann, Fünf Ringe lustsam Die möchte ein Bothe schier Um mich verdienen, Der den Held balde Brächte zu meiner Kammer. In Treuen sprach Herlind: Ich will mich heben geschwind, Ich geh zu der Herbergen sein, Es bringe Schaden groß oder klein, Doch pfleget er solcher Zucht Daß wir seyn dürfen ohne Furcht.

Herlind ging balde Zu einer Kammer Und nahm ein theuerlich Gewand, Wie manche Fraue hat, Darin zierte sie den Leib, Da ging das listige Weib Zu dem Herrn Dietheriche. Er empfing sie frommliche, Viel nahe sie zu ihm saß, Dem Recken sie in das Ohre sprach: Dir entbietet holde Minne Meine Frau, die Königinne, Und ist dir mit Freundschaft unterthan, Du sollt hin zu ihr gahn, Dorten will die Magd Dich selber wohl empfahn, Nur um deine Ehre, In allen Treuen Herre. Du magst das wohl gewiß sein An der Jungfrauen mein.

Also redete da Dietherich: Fraue du versündigest dich An mir elenden Manne, Ich bin auch zu Kammern gegangen Hievor da das mochte sein, Warum spottest du mein? Leider, so that man dem Armen ja, Eure Fraue gedacht der Rede nie, Hie sind so viele Herzogen Und Fürsten in dem Hofe, Daß ihr mit einem anderen Mann Euren Scherz möchtet han, Des hättet ihr minder Sünde, Ihr verdienet die Abgründe Daß ihr mich so thöricht wolltet han, Ich bin ein so armer Mann, Doch ehemals ich war Daheim ein reicher Graf.

Herlinde sprach dem Herren zu, Sie konnte ihre Rede wohl thun: O nein, mein Herre Dietherich, Nicht verdenke du also mich, Ich habe dieses, weiß Gott, nicht gethan, Mich hieß meine Fraue hieher gahn, Es nimmt sie großes Wunder, Daß du so manche Stunde In diesem Hofe seiest gewest Und sie doch niemals wolltest sehn, Das ist doch selten nur gethan Von einem so stattlichen Mann, Nur verweist mir die Rede nicht, Der Königinne wäre lieb Welche Ehre dir gescheh Wie du sie auch nie gesehn, Wolltest du aber hingehn So thätest du nichts übeles daran.

Dietherich zu der Frauen sprach: (Er wuste wohl, daß es ihr Ernst war) Hie sind so viele der Merker, Wer behalten will seine Ehre Der soll mit Klugheit gahn, Es wähnet der elende Mann Daß er nimmer so wohl thu, Daß sie es alle für gut Halten, die in dem Hofe sein; Nun sage der Jungfrauen dein Meinen Dienst, will sie ihn nehmen, Ich mag sie jetzt nicht sehen Vor der Helle des Tages, Ich fürchte, daß es erschalle Lästerlich uns Beiden, So verbietet mir das Reiche Constantin der Herre, So muß ich immermehre Flüchtig sein vor Rothere Und mag mich nirgend erretten.

Herlind wollte von dannen gahn. Der Herre bat sie da bestahn Und hieß schnell seine Goldschmiede Zween silberne Schuhe giessen, Und zween von Golde. Als er sie geben wollte Da bat er Asprianen, Daß sie nur zu einem Fuße kamen, Daß er die beiden nehme Und sie der Frauen gebe, Und einen Mantel viel gut, Zwölf Ringe Gold roth: So soll man wohl belohnen Einer Königinne Bothe. Da sprang die fröhliche Von dem Herren Dietheriche.

Herlind kam balde Zu ihrer Frauen Kammer Und sagete ihr von dem Herren, Er pflege seiner Ehren Sehre fleißigliche: Das wisset wahrliche, Ihm ist die Huld des Königes lieb, Er mag dich darum sehen nicht, Weil es sich nicht will fügen, Nun schaue an diese Schuhe, Die gab mir der Held gut Und that mir auch Liebes genug, Und einen Mantel wohlgethan, Wohl mir, daß ich je zu ihm kam, Und zwölf Ringe die ich han Die gab mir der Held lustsam, Es mochte nie auf der Erden Ein schönerer Ritter werden Als Dietherich der Degen Gott laß es mich erleben, Ich gafft ihn an ohn’ danken, Daß ich mich des immer mag schämen.

Es scheint wohl, sprach die Königinne, Daß ich nicht seliglich bin, Nun er mich nicht will sehen Magst du die Schuh mir geben, Um des Herren Hulde, Schnell ward der Kauf gethan, Sie zog den goldenen an, Dann nahm sie den silbernen Schuh, Der ging an denselben Fuß. O weh! Sprach die schöne Königinn Wie wir nun gehöhnet sind, Denn mit den Schuhen lustsam Ist ein Missegriff gethan, Ich bringe ihn nimmermehr an, In Treuen du must zurücke gahn Und bitten Dietheriche Sehre gezogenliche, Daß er dir den anderen Schuh gebe, Und mich auch sehen wolle selber Wenn er unter seinen Verwandten Je gut Geschlecht gewanne.

O weh, sprach Herlind, Wie doch der Schade nun ist Fraue unser beiden, Nun wisset es in Treuen Sollt’ ich immer Schande han Ich muß wieder zurücke gahn. Da hub die Fraue wohlgethan Ihr Kleid lustsam Hoch auf an die Knie, Denn sie gedachte der Zucht nicht, Frauelichen Ganges sie vergaß, Wie schnelle sie über den Hof gelaufen was Zu den Herren Dietheriche, Er empfing sie frommliche In allen den Geberden Als wenn er sie nie gesehen, Da wuste der Held wohlgethan Warume sie zurücke kam.

Herlind sprach zu dem Herren: Ich must immermehr In Botschäften gahn, Mit dem Schuh ist Missegriff gethan, Sie sind der Königinne Gegeben um deinetwillen, Noch sollten wir den einen haben, Das heißt dich meine Fraue mahnen, Daß du ihr den andern Schuh wolltest geben, Und sähest sie auch selber Wenn du unter deinen Verwandten Je gutes Geschlecht gewannst.

Ich thät’ es gerne, sprach Dietherich Nur die Kammerere die melden mich. Nein, sprach Herlind, Mit Freuden sie in dem Hofe sind, Die Ritter schiessen den Schaft Da ist großen Spieles Kraft, Ich will hin vor dir gahn, Nun nimm zween deiner Mann Und hebe dich viel balde Nach mir zu der Kammer, Mit dem großen Schalle Vermissen sie dein alle. Herlind wollte von dannen gahn, Da sprach der listige Mann: Nun warte des Kammerers, Ich will nach dem Schuhe fragen. Schnelle kam Asprian, Er sprach: O weh, was habe ich dir gethan, Die Wege ich nicht erleiden mehr mag, Du bemühest mich diesen ganzen Tag Immer mit neuen Mähren, Mehr als du sonst thatest, Herre, Ihrer war hier ein großer Theil geschlagen, Die haben die Knechte zu tragen, Nimm nach deinem Gefallen, Ich bringe sie dir alle. Da nahm Asprian Die anderen Schuhe lustsam, Und einen Mantel sehr gut, Und auch zwölf Armkränze roth, Und gab alles der alten Bothin, Da ging sie also verstohlen Viel sehre fröhliche Von dem Herren Dietheriche, Und sagete auch schnelle Ihrer Frauen liebe Mähre.

Des Mägdleins Schauen war sehnlich. Sich berieth der Herr Dietherich Mit Berther, dem alten Mann, Wie es mit Fuge möchte gahn. Verständig sprach der Herzoge: An dem versammelten Hofe Will ich machen großen Schall, Der zieht die Leute überall, So bemerket dich kein Mann. Er hieß die Riesen ausgahn, Selber bedeckt er sein Roß, Sich hub der Laut da auf dem Hof, Da führte der alte Jüngeling Tausend Ritter in den Ring, Widolt mit der Stangen Fuhr her mit Klange In aller der Geberde Als ob er thöricht wäre, Da überwarf sich Asprian, Der war der Riesen Spielmann, Grimme hin zwölf Klafter sprang, So thaten die anderen alle mit sammt, Er griff einen ungefügen Stein, Daß von den Merkeren kein Mann Dietherich vernahm, Da sie begunnten umher gahn.

In deme Fenstere die junge Königinne stund, Schnelle kam der Held jung Ueber Hof gegangen. Da ward er wohl empfangen Mit zween Rittern herrlich, Hin ging der Recke Dietherich, Da wurde die Kammer aufgethan, Darein ging der Held wohlgethan, Den hieß die junge Königinn Selber willkommen sein, Und sprach was er dort geböte Daß sie das gerne thäten Nach ihrer beider Ehren: Ich habe dich gerne, Herre, Um deine Biederkeit gesehn, Und um etwas anderes ist es nicht geschehn, Diese Schuhe lustsam Die sollt du mir ziehen an. Viel gerne, sprach Dietherich, Nun ihr es geruhet an mich. Der Herre zu ihren Füßen saß, Viel schöne seine Gebärde was, Auf sein Bein satzte sie den Fuß, Es wurde nie Fraue besser beschuht. Da sprach der listige Mann: Nun sage mir, Fraue lustsam Mähre auf die Treue dein So wie du Christin wolltest sein, Dein hat nun gebeten mancher Mann, Wenn es in deinem Willen sollte stahn Welcher unter ihnen allen Dir am besten gefalle.

Das saget er, da sprach die Fraue: Viel ernstlicher im Treuen Herre, auf die Seele mein, So wahr ich getaufet bin, Der aus allen Landen Die theuren Wigande Zu einander hiesse gahn, So würde doch nie kein Mann Der dein Genosse möchte sein, Das nehm ich auf die Treue mein Daß niemals eine Mutter gewann Ein Kind also lustsam, Darum mit Züchten Dietherich Mag ich lieben und ehren dich, Denn du bist in Tugenden ein ausgenommner Mann,

Sollte ich aber die Wahl han; So nähm’ ich einen Helden gut und stark Dessen Bothen kommen her in dies Land, Die noch hie leben In meines Vaters Kerker, Der ist geheissen Rother Und sitzet westlich über Meer, Ich will auch immer Jungfrau gahn Mir werde denn der Held lustsam.

Als das Dietherich vernahm, Da sprach der listige Mann: Willt du Rother minnen, Den will ich dir balde bringen, Es lebet in der Welt kein Mann, Der mir so Liebes hätte gethan, Er minderte ofte meine Noth, Das lohne ihm noch Gott, Wir genossen fröhliche das Land Und lebten fröliche mitsamt. Er war mir immer gnädig und auch gut, Es hat mich auch nie vertrieben der Held gut.

In Treuen, sprach die junge Königinn, Ich verstehe nicht die Rede dein, Dir ist Rother also lieb, Er hat dich auch vertrieben nicht, Von wannen du auch fährest Held stark, Du bist ein Bothe hergesandt, Dir ist des Königes Huld lieb, Nun verheele mir die Rede nicht, Was du mir heute wirst anzeigen, Das will ich immer verschweigen Bis an den jüngesten Tag. Der Herre zu der Frauen sprach: Nun stell’ ich alle meine Ding In Gottes Gnade und bei dir, Ja, es steht dein Fuß In Rotheres Schooß.

Die Fraue sehre erschrack, Den Fuß sie aufzog Und sprach zu Dietherich Sehre freundlich: Nun war ich doch nie so ungezogen, Mich hat mein Uebermuth betrogen, Daß ich meinen Fuß Sazte in deinen Schooß, Und bist du Rother so hehr So möchte kein König nimmermehr Bessere Tugend gewinnen, Der ausgenommenen Dinge Hast du von Meisterschaft List, Welches Geschlechtes du aber auch bist, Mein Herze sehnend, Und hätte dich Gott nun hergesendet Das wäre mir inniglicher lieb, Aber ich mag dir doch vertrauen nicht Du bescheinest mir denn die Wahrheit, Und wär’ es dann aller Welt leid So räumte ich sicherliche Mit dir das Reiche, So ist es aber ungethan, Doch lebet kein Mann So schöne, den ich dafür nähme, Wenn du der König Rother wärest.

Also redete da Dietherich, Sein Gemüthe war sehre listig: Nun hab’ ich Freunde mehre, An denen armen Herren In dem Kerker, Wann die mich sähen, So möchtest du daran verstahn, Daß ich dir wahr gesaget han. In Treuen, sprach die Königinn, Die erwerb’ ich von dem Vater mein Mit adelichem Sinne, Daß ich sie aus gewinne, Er giebet sie aber keinem Mann, Er muß sie denn auf den Leib han, Daß ihrer keiner entrinne, Bis man sie wieder bringe In den Kerker, Wo sie waren in Nöthen.

Des antwortete da Dietherich: Ich will sie nehmen über mich Vor Constantine dem reichen Morgen sicherliche Wann er wird zu Hofe gahn. Die Fraue also lustsam Küßte den Herren, Da schied er von dann mit Ehren Aus von der Kammern Zu der Herbergen balde, So wie Berther das ersah, Wie schnell der Ring zerlassen war. Da sagete der Herre Dietherich Die Mähre also wunniglich Dem theuerlichen Herzogen, Des begunnten sie beide Gott loben.

Die Jungfraue lag über Nacht Daß sie in vielen Gedanken war, Als es zu dem Tage kam, Einen Stab sie nahm Und kleidete sich in ein schwarz Gewand, Als wollte sie pilgern über Land, Eine Palme sie auf ihre Schulter nahm Als wenn sie aus dem Lande wollte gahn, So hob sie sich viel balde Zu ihres Vaters Kammer Und klopfete an das Thürlein. Auf that da Constantin, Als er das Mägdelein ansach Wie listiglich sie zu ihm sprach: Nun lebet wohl, Herr Vater mein, Mutter, ihr sollt gesund sein, Mir traumte in der Nacht Es sende des hohen Gottes Gewalt Seinen Bothen mir herab, Ich muß in den Abgrund gahn Mit lebendigem Leibe, Daran ist gar kein Zweifel, Dessen mag mich Niemand erwenden, Ich will nun das Elende Bauen immermehre Zum Troste meiner Seele.

Traurig sprach da Constantin: O nein, liebe Tochter mein, Sage mir, was du wöllest, Dich davon zu erlösen. Vater, es bleibt immer gethan, Mir würden denn die gefangenen Mann, Die will ich kleiden und baden, Daß sie Genade müssen haben An ihrem armen Leibe Ettelicher Weile, Ich begehre sie nur auf drei Tage, Dann sollst du sie wieder haben Zu deinem Kerker. Constantin der edle Sprach, daß er das gerne thäte, Wenn sie einen Bürgen hätten, Der die auf den Leib dürfte nehmen Und sie ihm wieder möchte geben, Daß ihrer keiner entrunne. Da sprach die Magd, die junge: Ich bitt’ es heute so manchen Mann Daß sie ettelicher muß bestahn Des Leib ist also tugendhaft Deme du sie mit Ehren geben magst. Da sprach Constantin: Das thu ich gerne, Tochter mein.

Es war die Stunde Nunmehr gekommen Daß Constantin zu Tische ging, Dietherich nicht unterließ Er kam mit seinen Mannen Vor den König gegangen. Da man das Wasser nahm Die Jungfraue lustsam Ging um den Tisch flehend Mit heissen Thränen, Ob sie jemand so liebes hätte gethan, Der die gefangnen Mann Auf den Leib durfte nehmen; Ihr keiner durfte sie des gewähren. Die Herzogen, die reichen, Entzogen sich allgeleiche, Bis sie zu dem Recken kam, Mit dem der Rath war gethan. Da sprach die Magd herrlich: Nun gedenke, Held Diethrich, Aller deiner Güte Und hilf mir aus den Nöthen, Nimm die Bothen auf dein Leben, Die heisset dir der König geben, Verzaget sind meines Vaters Mann, Sie dürfen sich des nicht unterstahn, Doch soll die Eitelkeit dein Mit samt mir getheilet sein, Daß ich der geniesse, Und wenn du’s gerne liessest, So erläst es dir nicht dein tugendhafter Muth, Du sollst mir das gewähren Held gut. Gerne, sprach Dietherich, Was Du geruhest an mich Das gehe mir nur an meinen Leib, Doch werde ich dein Bürge schönes Weib.

Die Bothen gab da Constantin Dietheriche auf den Leib sein, Der Herre sie da übernahm, Da folgeten ihm des Königes Mann Zu dem Kerker, Wo sie waren mit Nöthen, Die elend Verhaften Lagen in Unkräften Und lebeten erbärmliche. Berther der reiche Stund und weinete, Da er den Schall erhörete. Den Kerker man aufbrach, Darein schien da der Tag, Schnelle kam ihnen das Licht, Des waren sie gewöhnet nicht. Erwin war der erste Mann Der aus dem Kerker kam, As ihn der Vater ansah, Wie groß seine Herzens-Reue war, Herum er sich kehrte Und rang seine Hände, Er durfte nicht weinen Und war ihm doch nie so leide Seit ihn seine Mutter trug. Erwin der Held gut War von dem Leibe gethan, So wie mit Recht ein armer Mann. Sie nahmen die Grafen zwölfe Her aus dem Kerker, Und jegelich seine Mann, Die Ritter sonst so lustsam, Sie waren beschmuzt und schwarz, Von großen Nöthen bleich gefarbt, Leopold der Meister Der hatte keine Kleider Als nur ein dünnes Schürzelein, Das wand er um den Leib sein, Da war der edele Mann Zum Erbarmen gethan, Zerschunden und zerschwellt. Dietherich der gute Held Stund traurig von Leide Und wollte doch nicht weinen Um die gefangnen Mann. Berther der alte Mann Ging allenthalben Die Gefangnen betrachtend, Da reuete ihn keiner hier Mehr als seine schönen Kind. Dietherich der Herre Hieß die Bothen edel Führen zu den Herbergen sein, Nur Leopold und Erwin Die ließ man alleine gahn, Zurücke blieb kein Mann. Da sprach Erwin der edle: Leopold, traut Herre, Sahst du einen grauen Mann Mit dem schönen Barte stahn, Der mich beschauete Und viel trauerte? Herum er sich kehrte Und rang seine Hände, Er durfte nicht weinen Und war ihm doch nie so leide; Vielleicht daß Gott der gute Durch seine Barmunge Ein groß Zeichen will begahn, Daß wir kommen von dannen. Das ist wahr, Bruder mein, Es mag wohl unser Vater sein. Da lacheten sie beide Von Freuden und von Leide.

Die elenden Gäste Waren frei nicht länger Bis an den anderen Tag. Die Jungfraue ihren Vater bat Daß er sie dahin gehen liesse Sie wollte ihnen selber dienen. Urlaub ihr der König gab, Wie schnelle sie über den Hof hintrat, Zu dem Herren Dietheriche. Da hieß man allzugleiche Die fremden Ritter ausgahn, Darinne blieb kein Mann Als der Bothen Magen, Die über Meer waren gefahren. Denen gefangnen Mann Legete man gut Gewand an Und kleidete sie fleissigliche, Das kam von Dietheriche, Der Tisch war bereitet, Berther der reiche War Truchsaße, Die weile seine Kind aßen.

Als nun die Herren saßen, Ihres Leides ein Theil vergaßen, Da nahm der Recke Dietherich Eine Harfe, die war herrlich, Und schlich hinter den Umhang, Wie schnell eine Weise daraus klang. Wellicher begunnte trinken, Dem begunnt’ es nieder sinken, Daß er’s auf den Tisch vergoß, welcher aber schnitt das Brod, Dem entfiel das Messer durch Noth, Sie wurden vor Freuden sinnelos, Wie mancher sein Trauern verlohr. Sie saßen alle und hörten Woher das Spiel zu ihnen kehrte. Laute die eine Weise klang, Leopold über den Tisch sprang Und der Grafe Erwin, Sie hiessen ihn willekommen sein Den reichen Harfner Und küßten ihn sehr. Wie rechte die Fraue da sah, Daß es der König Rother war.

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