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Novellenbuch, 2. Band

Ewe. 1. (continued 2)

Reading edition

Michel war mit allem einverstanden. »Das Übrige ist mir ganz gleich,« meinte er, »wenn ich nur meinen Wechsel zurückbekomme. Hilft er mir nichts gegen die Ewe, so soll mich doch die Urte nicht auslachen.«

Im Dorfe logierte er sich wieder bei seinem Schwager ein und ritt mit Waren über die Grenze, sich einen Verdienst zu machen.

Einige Wochen vergingen, ohne daß sich von der Tätigkeit des Schreibers eine Wirkung zeigte. Schon wurde er ungeduldig, als er erfuhr, daß Ewe, die Altsitzerin, Jons Toleikis und die Magd Erdme aufs Amt geladen seien. Wieder einige Wochen später erhielten dieselben Personen Vorladung aufs Gericht in der Stadt, und auch ihm wurde eine solche Schrift behändigt Er wurde nicht recht klug daraus, um was es sich handelte. Als er am Termintage in den Gerichtssaal gerufen wurde, sah er links vom Richtertische die Ewe in einem abgegrenzten Raume stehen. Gegenüber hatte der Staatsanwalt seinen Platz. Nun ging ihm ein Licht auf. »Das hab' ich nicht gewollt!« rief er laut.

»Was hast du nicht gewollt?« fragte der Vorsitzende.

»Daß die Ewe deshalb als eine Diebin bestraft werden soll.«

»Aber du hast doch diese Eingabe für dich schreiben lassen?«

»Ja — weil ich meinen Wechsel zurück haben wollte.«

»Den Wechsel, den die Ewe Purwins dir weggenommen hat.«

Endrullis zögerte mit der Antwort. Er warf einen Blick: seitwärts auf das Mädchen, das die Augen fest auf ihn heftete. »Ich weiß nicht, wer mir den Wechsel weggenommen hat,« sagte er dann.

»Es wird sich ja finden,« mischte sich der Staatsanwalt ein. »Ich bitte, weiter in der Sache zu verhandeln.«

Ewe bestritt die Anklage; aber sie mußte zugeben, nach dem Wechsel gesucht und die Weste in der Hand gehabt zu haben, ohne genügend erklären zu können, was sie dazu veranlaßte. Die Gaidullene bezeugte, wie sie durch das Astloch in der Wand gesehen, daß Endrullis ein Papier in die Weste einnähte und sie dann unter das Heu schob, daß sie der Ewe Purwins davon Mitteilung gemacht und daß diese darauf in die Futterkammer getreten sei und an der bezeichneten Stelle gebückt gestanden und im Heu gewühlt habe. Weil sie aber die Tür hinter sich zugezogen, sei in der Kammer nur ein schwaches Dämmerlicht gewesen, sodaß sie nicht genau hätte sehen können, was sie dort tat. Als dann aber Ewe die Tür aufgestoßen, hätte sie in ihrer Hand die Weste bemerkt; gleich darauf sei auch die Magd Erdme vom Stall her hinzugetreten. Sie hatte ihre Aussage so eingerichtet, daß sie mit aller Sicherheit den Eid leisten konnte. Was sie nicht gefragt wurde, das hatte sie ja nicht nötig zu sagen. Die Aussagen der Dienstleute schlossen sich an. »Hat die Angeklagte gegen diese Zeugnisse etwas einzuwenden?« fragte der Vorsitzende.

»Nein,« antwortete Ewe fest, »es ist alles so richtig. Aber die Weste hat mehrere Tage da unter dem Heu gelegen — es kann auch ein Anderer den Wechsel ausgeschnitten haben.«

»Kann — kann! Hast du gegen irgendjemand gegründeten Verdacht?«

Ewe senkte finster die Augen und schwieg.

»Hast du noch einen Andern in der Futterkammer gesehen?« wandte der Richter sich an die Gaidullene.

»Nein,« bestätigte dieselbe, »ich habe keinen Andern gesehen. Gott soll mich strafen, wenn ich die Unwahrheit sage.« Es war sicher so: sie hatte keinen Andern gesehen; sie antwortete, wie sie gefragt wurde.

Ewe wischte rasch mit der Hand eine Träne von der Backe fort.

»Aber warum sollte ich den Wechsel nehmen?« rief sie, von Angst getrieben. »Ich habe mich ja niemals geweigert, den Endrullis zu heiraten. Mag er's selbst sagen.«

»Und würdest du ihn auch jetzt noch heiraten?« fragte der Richter.

Sie warf trotzig den Kopf zurück. »Jetzt —! Wenn ich seinetwegen bestraft werde ...! Er wird mich dann nicht mehr fragen, ob ich will. Ich bin ihm zu schlecht ...« Sie setzte sich auf die Bank nieder, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen, stützte den Kopf auf die Barriere und schluchzte laut.

Die Richter berieten nur kurze seit. Dann verkündete der Vorsitzende den Spruch, der Ewe Purwins zu drei Wochen Gefängnis verurteilte. »Ich bin unschuldig,« sagte sie, »aber ich sehe wohl ein, daß ich dies leiden muß.«

Sie bat, gleich ins Gefängnis gehen zu dürfen, damit man sie nicht von ihrem Hofe abhole, was ihr eine Schande wäre.

Als sie abgeführt wurde, drängte Endrullis an sie heran. »Geh nicht ins Gefängnis, Ewe,« bat er dringend. »Ich selbst werde den König bitten, daß er dich begnadigt — noch heute schreibe ich.«

Sie wendete das Gesicht ab. »Ich will nicht begnadigt sein,« sagte sie, »du glaubst ja doch nicht, daß ich unschuldig bin.«

»Ewe — wie kann ich ...?«

Sie zuckte die Achseln. »Wie kannst du —?! — Gut — geh nur. Du hast ja nun deinen Wechsel.«

Er griff nach ihrer Hand, aber sie wich ihm aus. »Geh nur!« Sie winkte Jons Toleikis heran und gab ihm Anweisung wegen der Wirtschaft. Dann folgte sie dem Gerichtsboten.

Die drei Wochen waren bis auf einen Tag vergangen. Michel Endrullis hatte in der ganzen Zeit keine rechte Ruhe gehabt. Meist ritt er in der Nacht jenseits der Grenze und schlief bei Tage. Es war ihm, als ob etwas sein Gewissen schwer belastete und ihm alle Freude am Leben verderbe. Der Wechsel war ihm ganz gleichgültig; er verwunderte sich nur darüber, daß er sich deshalb mit der Ewe hatte erzürnen können. Und wenn sie ihn genommen und vernichtet hatte — war sie nicht so gut wie sein Weib gewesen? Nun sie ihm verloren war, meinte er, sie gar nicht missen zu können. Und sie war ihm verloren ... nie konnte sie ihm verzeihen.

Am späten Abend, als er an seinem frühem Hofe vorbeiritt, stand die Urte am Heck und winkte ihn heran. »Was willst du?« fragte er, den Zügel anziehend.

»Komm auf dem Feldwege hinter das Haus, wo uns niemand sieht,« antwortete sie. »Ich will dir unter vier Augen sagen, wo dein Wechsel geblieben ist.«

»Du —?«

»Ich. Die drei Wochen sind ja wohl morgen herum? Da braucht's für dich kein Geheimnis mehr zu sein.«

Die Worte klangen ihm so feindlich, daß es ihn durchschauerte. »Was weißt du von dem Wechsel?« fragte er zitternd.

»Das sollst du dort erfahren. Man kann nicht wissen, was man hier auf der Landstraße für Zeugen hat.« Sie zeigte mit der Hand über das Haus hinweg und entfernte sich.

Er überlegte, ob er ihr folgen sollte. Einen Augenblick dachte er an die Möglichkeit, daß sie ihm einen Hinterhalt gestellt haben könnte. Mit ein paar Knechten aber meinte er's aufnehmen zu können. Er öffnete also nur sein Messer in der Tasche, sprang am Gartenzaun ab, band das Pferd an eine Latte und ging um das Gehöft herum. Dort stand schon die Urte vor der hintern Haustür. »Was hast du mir nun zu sagen?« sprach er sie an.

»Daß ich meine Rache habe,« antwortete sie. »Die Ewe hat im Gefängnis gesessen, und einer von des Königs Gardisten heiratet keine Frau, die im Gefängnis gesessen und ihren ehrlichen Namen verloren hat.«

»Und das nennst du deine Rache?«

»Mit Fug und Recht; denn du mußt wissen, daß die Ewe unschuldig ist.«

»Unschuldig! Und wer ...?«

Die Augen der Frau blitzten, wie die einer Katze, die auf die Maus lauert. »Ich habe den Wechsel aus deiner Weste geschnitten.«

Endrullis prallte zurück. »Du —?! Das ist nicht wahr. Wie konntest du wissen —?«

»Das ist gleichgültig, wie ich's erfuhr. Genug, ich hab's getan, als ihr sämtlich drüben auf der Sandscholle bei den Kartoffeln waret. Die hintere Stalltür fand ich offen. Ihr beide seid bestraft. Der Wechsel ist verbrannt. Aber damit du mir glaubst ... hier ist das ausgeschnittene Stück Zeug. Passe es nur in das Loch ein, es wird kein Fädchen fehlen.« Sie warf ihm den Lappen zu.

»Hexe, verfluchte Hexe,« schrie er auf und stürzte sich mit dem Messer gegen sie, »nimm deinen Lohn!«

Sie mochte sich auf einen solchen Angriff gefaßt gemacht haben, sprang zurück, riß die Tür auf und flüchtete hinter dieselbe. Das Messer fuhr ins Holz. Er hörte nur noch ihr heiseres Lachen.

Da stand er nun und starrte die Wand an. In seinem Kopf wirbelte es, als ob da alle Trommeln seines Regiments gerührt würden. Ewe unschuldig — doch unschuldig! Und Urte war die Diebin gewesen. Gerächt hatte sie sich an ihm und ihr. Es war nichts wieder gut zu machen. Ewe hatte ihre Strafe verbüßt. Und hatte er jetzt Zeugen gegen das boshafte Weib? Wer würde ihm glauben?

Er steckte das Stück Zeug in seine Brieftasche und führte den Fuchs an der Hand durch das Dorf zurück in seines Schwagers Stall. Seine Schwester fragte, was ihm geschehen sei; er sähe so verstört aus. Ob er denn diese Nacht nicht reite? »Nein,« sagte er, »aber morgen früh. Ich will die Ewe aus der Stadt abholen.«

»Gib dich mit der schlechten Person nicht weiter ab,« meinte sein Schwager Grillus. Er aber faßte ihn dafür bei der Brust und schüttelte ihn. »Wer sie eine schlechte Person nennt,« schrie er, »der mag sich vor mir in Acht nehmen. Ich schone Schwester und Bruder nicht!«

Er brachte eine schlaflose Nacht zu. In der Frühe ritt er fort in der Richtung nach der Stadt. »Sie wird mir glauben,« tröstete er sich.

Nicht weit von den letzten Häusern der Vorstadt sprang er ab, legte sich in den Chausseegraben und ließ seinen Gaul neben sich grasen. Ewe mußte hier vorüberkommen. Und es dauerte keine Stunde, da kam sie wirklich. Sie hatte die Schuhe und Strümpfe ausgezogen und in ein Tuch geknüpft, das sie in der Hand hielt. Sie sang leise vor sich hin ein littauisches Wiegenlied, das recht schwermütig klang, und hatte die Augen auf den Boden gerichtet. »Ewe!« rief er sie an.

Sie schrak zusammen. »Mikelis —! Was willst du hier?«

Er stand auf und trat an sie heran, das Pferd nach sich ziehend.

»Steige du auf,« sagte er, »der Weg bis zum Dorf ist weit.«

»Ich bin nicht müde,« entgegnete sie, »habe drei Wochen lang Zeit gehabt, auszuruhen.«

Das fühlte er wie einen Stich ins Herz. »Ewe,« sagte er, »Gott weiß, daß ich dir nicht habe Unrecht tun wollen.« Er ging neben ihr hin und zog das Pferd am Zügel nach sich.

»Das mag sein,« antwortete sie, »aber es nützt mir nichts: ich habe doch einmal im Gefängnis gesessen. Und dir hilft's nicht über die Schande weg, mich da hineingebracht zu haben.«

»Ewe, wenn ich dir sage —«

»Du meinst's ja auch nicht, wie ich's meine. Und wenn du mir nicht glaubst, ist mir das andere gleichgültig.«

Er legte die Hand auf ihre Hand, die das Bündel trug. »Ewe — wenn ich jetzt noch sagen könnte: ich glaube dir! Aber ich weiß nun, daß du unschuldig bist, und ich weiß auch, wer schuldig ist ...«

Sie trat einen Schritt zur Seite und blieb stehen. »Du weißt es ...?«

»Die Urte hat den Wechsel ausgeschnitten — sie hat ihre Rache haben wollen.« Er erzählte mit hastigen Worten, wie er dahintergekommen.

Ewes eben noch bleiches Gesicht überzog sich mit flammender Röte; die weißen Zähne waren fest verbissen und die Lippen ein wenig geöffnet; die Brust hob und senkte sich rasch. Das Bündel hatte sie mit beiden Händen gefaßt, und die Finger knüpften an dem Tuche. Sie sprach kein Wort, und Endrullis ließ ihr eine Weile Zeit, mit ihren Gedanken fertig zu werden. Erst nachdem sie eine Strecke vorwärts gegangen waren, fragte er: »Kannst du mir verzeihen, Ewe?«

»Verzeihen!« rief sie; »das paßt nicht mehr zu uns beiden. Früher wär's vielleicht gut genug gewesen, aber jetzt ...« Sie brach in ein heftiges Weinen aus.

Er legte den Arm um ihre Schulter. »Was hast Du, Ewe?« fragte er bekümmert.

»Gott hat es so gefügt,« schluchzte sie, »daß wir nicht mehr von einander können mit leichten Worten. Ich habe dich einmal zu lieb gehabt, und das wird bald offenkundig werden vor aller Welt. Da ist's mit dem Verzeihen nichts. Kann's nicht sein, wie es gewesen ist, so kann's doch auch nicht bleiben, wie es ist. Im Gefängnis, Mikelis, als ich ganz mit mir allein war — da ist mir's zur Gewißheit geworden ... Ach Gott, ach Gott! Warum hat das jetzt geschehen müssen?«

Er horchte auf und glaubte zu verstehen. »Ewe,« rief er, »ist's möglich —? Eine solche Hoffnung ...! Ja, dann können wir nicht mehr von einander; dann ist's nicht mehr genug, daß du mir verzeihst — dann mußt du mich wieder lieben, wie vordem ... o, mehr noch, viel mehr!« Er zog sie an sich und küßte ihr die Tränen von den Augen und Wangen.

Sie ließ es eine kurze Weile geschehen. Dann aber schob sie ihn mit Heftigkeit von sich ab und sagte: »Von einander können wir nicht — und zusammen auch nicht. Das rachsüchtige Weib, die Urte, steht zwischen uns. Es ist nur auf eine Weise gut zu machen — nur auf eine Weise. Ja, ja ... nur auf eine Weise. Wenn du ein Mann bist —!«

Sie brach ab und sah ihn mit einem herausfordernden Blick an, der ihn im Tiefsten erbeben machte. »Woran denkst du?« fragte er mit zitternder Stimme.

»Wenn du ein Mann bist —« wiederholte sie und ließ ihn wieder den Schluß erraten. Die Lippen zuckten höhnisch. »Wie bleich du geworden bist! Du bist Soldat gewesen und hast doch keinen Mut.«

»Ich habe Mut, Ewe ...«

»Aber? Siehst du! Du hast den Mut, dich und mich verächtlich zu machen. Aber den Mut, die Schande von uns abzuwenden und zu beweisen, daß du mich liebst und mir ehrlich Wort halten willst, den hast du nicht. Auch jetzt nicht — nach dem, was die Urte dir gesagt hat und was ich dir gesagt habe. Geh! Du bist kein Mann!«

»Ewe — was soll geschehen ...?«

Sie lachte auf. »Ich weiß es nicht. Weißt du's nicht, so kannst du's von mir nicht erfahren. Aber laß mich allein! Ich verzeihe dir, weil ich dich verachte.«

Endrullis riß die Jacke auf und griff in sein rotbuntes Halstuch, das ihn zu würgen schien. »Du sollst mich nicht verachten,« sagte er, die Worte aus der Kehle zwingend. »Du hast ganz Recht, Ewe — ich wäre kein Mann, wenn das ... Nur Geduld! man muß es klug anfangen. Es kann ja nicht anders sein — und die Hexe verdient's. Nur Geduld! Der Wechsel soll eingelöst werden.«

Er reichte ihr die Hand hin und schüttelte die ihrige wie zur Bekräftigung seiner Worte. »Wir gehören zu einander,« rief er, »und wenn Gott uns nicht zusammenbringt, soll's der Teufel tun. Ich fürchte mich nicht vor ihm. Nur Geduld!«

Auf der Chaussee näherten sich Fuhrwerke. »Es ist besser,« fuhr er fort, »man sieht uns die nächste Zeit nicht beisammen. Ich habe oben an der Grenze zu tun. Die Juden wollen einmal ihr Glück an einer andern Stelle versuchen, man paßt ihnen hier schon zu sehr auf. Wenn sich etwas ereignen sollte — ich bin weit weg. Lebe wohl! Wenn wir uns wiedersehen, kannst du die Hochzeit bestellen.«

Er schwang sich auf den Fuchs und jagte wie toll davon.

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9.

Acht Tage darauf fand man die Wirtsfrau Urte Endrullene des Morgens tot in ihrem Bette. Der Schädel war ihr gespalten; augenscheinlich war sie im Schlaf getroffen, und ein einziger Hieb hatte hingereicht, sie für ewig stumm zu machen.

Das Gericht wurde herausbeordert. Die Ärzte stellten fest, daß der Schlag von hinten her mit einem scharfen und wuchtigen Instrumente geführt sein mußte, einer Axt oder einem Beil. Das Handbeil, das stets auf dem Herd lag, war vermißt worden und trotz allen Suchens nicht aufgefunden. Der Knecht schlief im Stall bei den Pferden, die Magd in einer entlegenen Kammer; sie hatten in jener Nacht nichts Verdächtiges wahrgenommen, nicht einmal die Hunde bellen gehört. An dem hintern Giebel des Hauses war eine Leiter angelehnt; die Luke nach dem Heuboden stand offen, der hölzerne Riegel, welcher sonst die Lade von innen schloß, zeigte sich abgebrochen. Der Knecht meinte, es hätte keines großen Aufwandes von Kraft dazu bedurft, da das Holz morsch gewesen. Schon bei der letzten Heuernte wäre davon gesprochen worden, daß nächstens ein neuer Riegel eingezogen werden müsse. Der Heuboden war von dem übrigen Bodenraum nur durch eine leichte Holzwand getrennt; hier war am Schornstein, wo sie ohnedies nicht genau anschloß, ein Brett vom untern Nagel gelöst und zur Seite geschoben; durch die Öffnung konnte sich ein Mensch zwängen. Nun war leicht die Treppe zu erreichen gewesen, die in den Herdflur hinabführte, von dort die Schlafstube. Zurück hatte der Eindringling nicht denselben Weg genommen, sondern ein Fenster in der anstoßenden Kammer geöffnet und durch dasselbe einen Sprung ins Freie getan. Auf den Dielen waren Blutstropfen bemerkbar, die wahrscheinlich von dem Beil, das er in der Hand gehalten haben mußte, abgefallen waren. Unter dem Fenster befand sich ein Steinpflaster, das keine Fußspur festhalten konnte. Kästen und Schränke waren unversehrt bis auf eine Schieblade unten in dem großen eichenen Kleiderspind, in der die Wirtsfrau ihre Papiere aufbewahrte. Sie war mit dem richtigen Schlüssel geöffnet und offenbar durchsucht, da die Dokumente und Briefschaften teilweise auf dem Fußboden lagen. Ob irgendetwas von dem früheren Inhalte fehlte, ließ sich nicht ermitteln.

Die Untersuchung wurde mit aller Peinlichkeit geführt, ergab aber nicht das geringste Resultat. Unzweifelhaft war die Frau ermordet; sehr wahrscheinlich handelte es sich um einen Akt der Rache, aber auf den Täter führte keine sichere Spur.

Auch gegen Mikelis Endrullis lenkte sich natürlich der Verdacht, aus gewichtigen Gründen gegen ihn zunächst. Aber man wußte ja nichts davon, daß Urte ihm den Wechsel entwendet hatte, und selbst die Vermutung, daß er sich ihrer habe entledigen wollen, um Ewe Purwins heiraten zu können, wurde dadurch sehr geschwächt, daß die Nachbarn bezeugen mußten, die beiden wären im Streit geschieden. Hatte er sich dann doch auch nicht gescheut, sie auf die Anklagebank zu bringen! Dazu kam, daß er seit jenem Gerichtstage nicht mehr im Dorfe gesehen war und nachweisen konnte, sich mehrere Meilen davon diesseit und jenseit der Grenze aufgehalten zu haben. In jener Nacht war er mit zwei Fäßchen voll Schnittwaren hinübergeritten und hatte am Morgen ein Rencontre mit russischen Soldaten gehabt. Sie hatten ihn verfolgt, und sein Pferd war gestürzt; die kannten den Fuchs genau und wußten, welcher Reiter dazu gehörte, auch wenn derselbe ihnen zu Fuß im Heidegestrüpp entkommen war. Die Zeitangaben der Zeugen konnten freilich nicht für ganz zuverlässig gelten, zumal sie unter sich selbst erheblich abwichen; aber die Nacht stand fest, und es blieb höchst unwahrscheinlich, daß jemand, der abends spät und morgens früh dort gesehen war, in den wenigen Stunden, über die er sich nicht bestimmt ausweisen konnte, in dem meilenweit entfernten Dorfe tätig gewesen war. So ergab sich nicht einmal genügender Grund zu seiner Verhaftung. Nachdem viel Tinte verschrieben war, mußte doch der Staatsanwalt die Akten zurücklegen, da auf die dunkle Tat kein Licht fallen wollte.

Nun hielt Endrullis es nicht mehr für gewagt, sich wieder im Dorf blicken zu lassen. Er kehrte bei seinem Schwager Grillus ein und arbeitete für ihn. Es hieß, er habe in Rußland sein Pferd verloren und könne deshalb nicht mehr über die Grenze reiten. Die Nachbarn selbst meinten, er täte am besten, sich mit Ewe wieder auszusöhnen, da ihrer Verbindung ja jetzt kein Hindernis mehr entgegenstehe. Die Frauen übernahmen die Vermittelung und fanden Ewe nicht abgeneigt. Sie hatte ja auch in ihren Augen den besten Grund, sich dem Ausgleich nicht zu widersetzen. So kam's, daß Endrullis nach einigen Wochen wieder zu ihr zog und das Aufgebot bestellt wurde.

An dem Tage, als der Pfarrer ihre Namen von der Kanzel verkündete, waren sie in der Kirche. Endrullis kniete während des ganzen Gottesdienstes und hatte meist den Kopf auf die Arme gestützt oder die Augen fest auf das Gesangbuch geheftet. Er versuchte auch mitzusingen, aber es war, als ob der Ton nicht aus der Kehle wollte. Als sein Blick einmal auf den gekreuzigten Christus über dem Altar fiel, dem die großen Blutstropfen unter der Dornenkrone über die Stirn perlten, schauerte er sichtlich zusammen und stützte die Schulter gegen den Holzpfeiler. Noch ehe der letzte Vers gesungen war, verließ er die Kirche. Er mußte an der Bank vorüber, auf der die Gaidullene saß; sie nickte ihm grüßend zu.

Er fuhr mit Ewe nach Hause. Die Altsitzerin konnte zu Fuß gehen, da in ihrer Verschreibung Kirchenfuhren nicht vorgesehen waren. Als er die Pferde abgeschirrt und gefüttert hatte, kam sie an der Stalltür vorbei und sagte: »Es hätte deine Braunen wenig beschwert, wenn die alte Frau auf den Wagen genommen wäre.«

»Mach's ein andermal mit der Ewe aus,« antwortete er, »sie ist die Wirtin.«

»Und du willst der Wirt werden, darum halte ich mich an dich. Mit der Ewe spreche ich nur, wenn ich muß, aber dir rate ich, keinen Platz frei zu lassen, wenn du am Kirchhof vorüberfährst. Es könnte da leicht jemand aufsitzen, der den Pferden zu schwer ist.«

»Was willst du damit sagen?« fuhr er sie an. Es war zu merken, wie er erschrak und im Gesicht bleich wurde.

»Nichts, mein Söhnchen, nichts,« zischelte sie, »es ist nur ein Aberglaube — der Herr Pfarrer hält nichts davon. Die Toten sind tot und begraben. Aber ich hätte letzte Nacht schwören mögen, daß die Urte unter den Erlen am Bach heranschlich und durch die Hintertür in den Stall eintrat — in diesen Stall. Sie hatte ein weißes Tuch um den Kopf gebunden, damit der Schädel besser zusammenhielt.«

»Was geht mich die Urte an?« rief er mit gepreßter Stimme, scheu in die Ecke des Stalles blickend.

Die Alte trat auf die Schwelle. »Sie ist doch deine Frau gewesen, Mikelis, und jetzt soll die Ewe deine Frau werden, und heut war das erste Aufgebot. Da ist's doch kein Wunder, daß sie sich meldet. Die Herren haben gesagt, daß sie mit einem Beil erschlagen worden sei. Du weißt doch, wo sie ihr Beil neben dem Herd zu verwahren pflegte? Bist ja lange genug in ihrem Hause der Wirt gewesen. Kein anderer weiß das so gut.«

Er hob die Pferdeleine vom Pflock und schüttelte sie in der aufgehobenen Hand. »Fort da, du Hexe!« schrie er, ganz blau im Gesicht. »Fort da, oder ...«

Sie stand ganz ruhig. »Schlage mich nicht, Mikelis, es könnte dich gereuen,« sagte sie. »Alte Leute haben keinen festen Schlaf, und nicht immer wird man ihnen auf den Kopf sagen können, daß sie geträumt haben. Ich kann meine Zunge hüten, und wenn wir gute Freunde sind, Mikelis, nehme ich in's Grab mit, was ich weiß.«

Er ließ den Arm sinken und mühte sich zu lachen. »Was weißt du denn, was —?« fragte er spöttisch. »Hast du belauscht, was die Elstern auf dem Dach zusammen plappern, oder hat dir die schwarze Katze mit den grünen Augen etwas erzählt? Die Erdme will behaupten, daß du sie stets zu dir in's Bett nimmst.«

»Sie kommt gern zu mir — hi, hi, hi! denn ich tu' ihr Gutes. In jener Nacht aber sprang sie von meinem Bett und schlüpfte durch das Loch unter der Tür. Es ist möglich, daß sie etwas gesehen hat mit ihren grünen Augen. Die Katzen sehen auch im Dunkeln.«

»Und ein altes Weib, das mit einer schwarzen Katze verkehrt, sollte man als Hexe verbrennen — hi, hi, hi!«

»Lache nur, mein Söhnchen, lache nur — du kannst lachen. Die Urte ist tot, und du wirst die Ewe heiraten und wirst hier der Wirt werden. Du kannst lachen. Aber sicher ist sicher. Warum willst du dich nicht mit mir gut stellen? Wenn ich Frieden habe, ist alles gut. Die Ewe gibt mir unreines Getreide und schlecht geschwungenen Flachs und sandiges Kartoffelland; sie streitet mir die Eier ab, die meine Hühner legen, und schlägt die Äpfel von meinem Baum, ehe sie reif sind. Und jetzt, nachdem ich gegen sie hab' zeugen müssen, treibt sie's gar arg und möcht' mich am liebsten vom Hofe jagen. Nicht die Stelle auf dem Feuerherd gönnt sie mir, worauf ich meinen Kochtopf stelle. Sieh' zu, daß das anders wird, wenn du Wirt bist. Ich kann schweigen, aber ich kann auch sprechen.«

»Die Ewe behandelt dich, wie du's für deine Lästerzunge verdienst. Was kannst du sprechen? Sag's in Teufels Namen.«

»Du bist klug, Mikelis, aber so dumm, wie du denkst, bin ich auch nicht. Du sollst mir noch hundert Taler zahlen, damit ich nur still bin. Ich will dich etwas fragen, mein Söhnchen. Wo ist denn dein Fuchs geblieben?«

Er lachte. »Das ist kein Geheimniß. Er ist drüben gefallen, als die Grenzreiter mich verfolgten.«

»Und weshalb ist er gefallen? Er war ein kräftiges, schnelles Tier und hat dich schon manchmal gut durchgebracht. Aber in der Nacht war er so viele Meilen gelaufen, daß ihm die Kniee zitterten, und hatte überdies ein Hufeisen verloren —«

»Wer will das behaupten ...?«

»Einer, der die Fußspur im Bruchlande gesehen hat. Ich bringe täglich meine Kuh auf die Weide, wo die Erlen anfangen. Auf dem harten Wege war freilich nichts davon zu bemerken. Das Eisen am rechten Vorderhuf, mein Söhnchen. Und wie mag's gekommen sein, daß hinten an unserm Holzstall ein Brett losgerissen und nur leicht mit den Nägeln wieder eingesteckt war? Wer da hinein gegangen ist, hat sich tüchtig zwängen müssen.«

»Das kann wohl sein. Wer aus des Nachbars Stall Holz holt, mag zusehen, wie er hinein- und hinauskommt — das hast du wohl schon erfahren.«

»Glaubst du? Passe nur gut auf, wenn du der Wirt bist. Aber zum dritten und letzten will ich dich fragen; wo sind die zwei Knöpfe von deiner Jacke geblieben, Mikelis?«

Er ließ scheu einen raschen Blick über seine Brust hinabgleiten. »Zwei?«

»Ja, zwei. Es sind ihrer freilich noch genug an der Jacke.«

»Was geht es dich an?«

»Nichts. Aber wenn einer davon etwa gefunden sein sollte, was gibst du dafür? Hundert Taler sind nicht zu viel.«

Er trat vor und stieß sie gegen die Brust, daß sie von der Schwelle zurücktaumelte. »Keinen Pfennig, verdammte Hexe,« schrie er, »keinen Pfennig! Meinst du klüger zu sein als die Gerichtsherren und mich schröpfen zu können? Bin ich der Erste, dem die Knöpfe an der alten Jacke nicht festsitzen? Trolle dich und hüte dich, mir in den Weg zu kommen, wenn dir deine Knochen nicht weh tun sollen. Ich verstehe keinen Spaß.«

Die Alte humpelte fort. »Wie du willst, mein Söhnchen, wie du willst,« zischelte sie. »Aber wenn du dich anders besinnen solltest — hundert Taler sind jetzt zu wenig. Du hast mich vor die Brust gestoßen, das kostet noch fünfzig. Wenn du so viel Geld nicht gleich bei der Hand hast, ich bin auch mit einem Papier zufrieden — so einem, wie die Ewe dir gegeben hat. Du verstehst dich ja darauf. Vierzehn Tage will ich dir Zeit lassen, die Sache zu überlegen; aber vor der Hochzeit muß ich wissen, woran ich bin.«

Endrullis biß die Zähne zusammen und murmelte etwas in sich hinein. Eine Weile stützte er den Kopf gegen den Pfeiler und versenkte sich in seine Gedanken. »Unsinn!« rief er dann. »Was kann sie wissen? Sie reimt sich's zusammen. Keinen Pfennig soll sie haben, aber bei nächster Gelegenheit eine tüchtige Tracht Schläge. Merkt sie, daß man Furcht vor ihr hat, so hört sie nicht auf zu fordern.« Er sah dabei doch nicht aus wie einer, dem wohl zu Mute war.

Zu Ewe sagte er: »Das alte Weib hat nichts Gutes im Sinn. Nach ihren Jahren hätte der Teufel sie schon längst holen können.« Und nachts, als er nicht schlafen konnte, weckte er sie und erzählte ihr, was die Gaidullene gesprochen hatte. Ewe antwortete nur: »So ist's Zeit.«

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10.

Hatte die Altsitzerin sich früher oft genug über Ewe's Unfreundlichkeit zu beklagen gehabt, so änderte sich nun plötzlich ihr Benehmen ganz und gar. Sie gab ihr gute Worte, zog sie zu leichter Arbeit im Hause heran und bezahlte sie dafür über Gebühr. Auch schenkte sie ihr einen neuen Rock und ein Tuch und ein schönes Gesangbuch, und einmal sagte sie ihr: »Du kannst es gut bei mir haben, wenn du auf meiner Seite stehst. Ich kann dem Mikelis nicht überall aufpassen, und ich glaube, die Erdme gefällt ihm mehr, als der Frau lieb sein kann. Habe die Augen darauf und laß mich wissen, was du siehst. Wir wollen zusammenhalten.« Dabei zwinkerte sie listig mit den Augen.

Die Alte traute ihr doch nicht recht. Einige Tage vor der Hochzeit hatte Ewe Flinsen gebacken. Sie rief die Gaidullene hinein, gab ihr einen Topf Kaffee und bot ihr von dem Gebäck an. Sie teilte mit ihr, was sie auf dem Teller hatte, und aß selbst davon. »Sage mir, ob die Flinsen gut geraten sind,« bat sie, »ich will sie gerade so bei der Hochzeit für die Gäste backen lassen und die Eier nicht sparen.« Auf einem andern Teller lag noch mehr davon. »Ich habe zu reichlich für die Probe Mehl genommen,« fuhr sie fort, »und es bleibt mir zu viel übrig. Nimm diese Flinsen in deine Kammer mit und iß, wenn du Hunger hast.« Sie streute dick Zucker darauf und wickelte sie in ein Papier. Die Alte dankte und ging.

Aber die Freigebigkeit der Wirtin kam ihr doch sehr verdächtig vor. Sie wußte, daß sich schon mancher Altsitzer in Littauen an solchen Flinsen den Tod gegessen hatte, und der Zucker hatte so eigen geglitzert. Sie entschloß sich rasch und warf das Päckchen beim Vorübergehen in den Schweinetrog.

Wenige Stunden später hörte sie Endrullis laut fluchen und wettern. Das größte von den Tieren war dem Verenden nahe. Die Magd wußte keine andere Erklärung zu geben, als daß das Schwein eine giftige Ratte gefressen haben müßte. Die Gaidullene hielt's für geraten, sich eiligst aus dem Staube zu machen und nicht so bald wieder blicken zu lassen. Als Ewe ihre Kammer leer fand, meinte sie: »Die ist über Land gegangen und hat Wegekost mitgenommen. Wer weiß, in welchem Graben man sie findet.«

Am Hochzeitstage, als sich in dem geschmückten Hause die Gäste schon versammelt hatten und die Fuhrwerke in langer Reihe vor der Tür standen, sie nach der Kirche zu bringen, und Ewe die Glückwünsche in Empfang nahm: daß nun doch endlich alles so gekommen sei, wie es nach der richtigen Art hätte von Anfang an kommen müssen — fuhr ein städtischer Wagen auf der Dorfstraße vor. Er hielt vor dem Hause. Zwei Herren sprangen ab.

»Der Herr Kreisrichter!« lief's von Mund zu Mund, und alle Blicke richteten sich auf Endrullis, der Ewe bei der Hand hielt und scharf von der Seite ansah, als erwartete er von ihr einen Rat. »Schnell zu Pferde,« zischelte sie, »und über die Grenze!«

Er trat ärgerlich mit dem Fuße auf. »An unserm Hochzeitstage —«

»Sie kommen deinetwegen, Mikelis.«

»Sie können mir nichts beweisen. Laufe ich fort, so bin ich schuldig.«

»Aber du bist frei.«

Er blickte zum Fenster hinaus auf die Straße. Eben kam der Gensdarm angeritten. »Es ist auch zu spät zur Flucht. Ja — wenn der Fuchs noch im Stall stände —!«

Nun trat der Richter ein und sagte: »Michel Endrullis, es tut mir leid, daß ich das Hochzeitsfest stören muß. Ich will wünschen, daß ich dich und deine Braut nicht lange aufzuhalten brauche. Das Gericht hat aber guten Grund, bei dir eine Haussuchung zu halten. Ich frage dich: bist du in der Nacht, als deine abgeschiedene Frau ermordet wurde, hier im Dorfe gewesen?«

»Ich weiß nichts davon, daß sie ermordet ist,« antwortete er, finster zur Erde blickend.

»Antworte geradeaus,« forderte der Richter. »Bist du hier im Dorf gewesen oder nicht?«

»Ich bin drüben in Rußland gewesen — mein Pferd ist gefallen — es ist durch Zeugen erwiesen.«

»Und hier im Dorfe warst du nicht? Sieh mich an!«

Endrullis bemühte sich, dem Richter fest in die Augen zu sehen. »Wer sagt, daß ich hier im Dorfe gewesen bin?«

»Das sollst du später erfahren. Ja oder nein?«

»Nein! Ich kann nicht durch die Luft fliegen.«

»Wo sind die Kleider, die du damals getragen hast — in Rußland natürlich.«

Endrullis warf den Kopf zurück. »Sie sind doch schon einmal untersucht, und es hat sich nichts Verdächtiges daran gefunden.«

»Keine Blutspur, das ist richtig. Aber im Protokoll steht geschrieben, daß an der Jacke zwei Knöpfe fehlten. Die fehlten schon lange, nicht wahr? So hast du früher behauptet.«

»Was ich gesagt habe, ist wahr.«

»Zeige doch die Jacke noch einmal vor.« Sie wurde herbeigebracht. Der Richter wickelte aus einem Stück Papier einen Knopf und verglich ihn mit denen an der Jacke. »Die Knöpfe stimmen genau überein, das wirst du selbst zugeben müssen.«

»Es tragen viele Littauer solche Knöpfe, Herr.«

»Aber dieser hat offenbar hier gesessen; die Fäden sind scharf durchschnitten und passen der Zahl nach zusammen.«

Endrullis versuchte zu lachen. »Das kann ja sein, Herr. Wenn ich ihn verloren habe, kann ihn auch wohl einer gefunden haben.«

»Ganz richtig. Und weißt du auch, wo ihn einer gefunden hat?«

»Was geht mich das an?«

»An der hinteren Ecke des Holzstalls hier auf dem Hofe neben einem losen Brett der Verkleidung.«

Der Littauer besann sich einen Augenblick. Es kam nun darauf an, vorsichtige Antworten zu geben. »Warum soll er da nicht gefunden worden sein, Herr?« fragte er dann zurück. »Seit länger als einem Jahre gehe ich hier auf dem Grundstück herum und habe die Jacke immer getragen.«

»Aber der Knopf ist dort gerade am Morgen nach jener Nacht gefunden.«

»Das lügt die Gaidullene.«

»Die Gaidullene? Wie weißt du, daß von der die Rede ist.«

»Weil sie mir den Knopf für hundert Taler angeboten hat, Herr. Ich habe sie ausgelacht und fortgejagt. Dafür rächt sie sich nun durch falsches Zeugnis.«

Das ließ sich hören. »Gehen wir in den Stall,« sagte der Richter. »Ist in jener Nacht jemand an der Stelle, wo das Brett losgebrochen sein soll, eingedrungen, so wird er auch wohl einen Zweck dabei verfolgt haben. Wo ist der Stall?«

Endrullis zeigte widerwillig den Weg. Ewe, die ihn begleitete, sprach viel von der Schlechtigkeit und Rachsucht der Altsitzerin, die für ein Quartier Branntwein falsch schwöre.

Im Stall lag Holz und Torf, an einem Hauklotz eine Axt. In einer Ecke stand ein Spaten. »Steht der Spaten immer hier?« fragte der Richter. »Wozu wird er gebraucht?«

»Den Torfgrus einzusacken,« erklärte Ewe, »aber der Stall ist lange nicht gereinigt.« Endrullis war ganz still geworden.

Der Richter ließ das Holz hinauswerfen. Unter demselben zeigte sich am Boden eine Stelle, etwa einen Fuß im Geviert, von dunklerer Farbe. Die schwarze Erde lag hier obenauf nur dünn mit Holzabfällen bestreut. »Hier wollen wir nachgraben.«

Nach wenigen Minuten stieß der Spaten auf klingendes Metall. Bei diesem Klange zuckte Endrullis zusammen, und Ewe warf ihm einen ängstlichen Blick zu. Der Richter bückte sich und hob aus dem Loch ein Beil. Die schartige Seite war mit einer dunklen Masse überzogen, an welchem lange Haare hingen. »Nun —? Wem gehört das Beil, Endrullis?«

»Ich weiß es nicht. Es kann da lange gelegen haben. Das Grundstück gehört mir noch nicht.«

Der Richter zeigte das Beil den Umstehenden. »Wem hat das Beil gehört?«

»Der Urte Endrullene,« sagte der Ortsvorstand nach einigem Zögern. »Ich erkenne es an den drei Kreuzen am Stiel.«

»Und mit diesem Beil ist sie erschlagen. Wer hat es hier vergraben, Endrullis?«

»Warum fragt ihr mich das, Herr?« Die Lippen zitterten merklich beim Sprechen.

»Das will ich dir sagen,« antwortete der Richter, der sich nochmals über das Loch im Erdboden gebückt und mit der Hand die lose Erde durchsucht hatte. Er nahm jetzt einen kleinen Gegenstand auf und hielt ihn zwischen den Fingern ihm vor die Augen. »Da ist der zweite Knopf, der an deiner Jacke fehlt. Der erste war beim Zwängen durch die Brettöffnung sogleich abgetrennt und draußen niedergefallen; der zweite hing noch lose am Faden und fiel hier neben dem Beil in die Grube. Willst du noch die Tat leugnen?«

Endrullis schwieg. Seine Lippen waren blau, die Augen richteten sich stier auf den Knopf.

»Du hast das Beil in der Hand behalten,« fuhr der Richter fort, »als du aus dem Fenster sprangst, und dann hast du es nicht fortwerfen wollen, damit es nicht die Tat vor der Zeit verraten sollte. So bist du auf den Gedanken gekommen, es hier zu vergraben. Dein Pferd stand in der Nähe am Torfbruch unter den Erlen.«

Endrullis schüttelte den Kopf, aber die Stimme versagte ihm. Ewe schluchzte laut und rief: »Er ist unschuldig — sie wollen ihn verderben.«

Der Richter sprach die Verhaftung aus. Ewe hing sich an ihn und wollte ihn nicht fortlassen. Als der Gensdarm sie mit Gewalt von ihm trennte, riß sie ihren Brautkranz aus dem Haar und schleuderte ihn in die Grube. Dann brach sie zusammen.

In der letzten Stunde war sie um ihr Glück betrogen.

Aber auch jetzt noch gab sie den Mann, den sie liebte und der sich ihretwegen versündigt hatte, nicht verloren. Eines Tages rief sie Grillus zu sich und bat ihn, auf ihr Grundstück acht zu geben; es könne sein, daß sie längere Zeit ausbleibe. Sie zog dann mehrere von ihren Röcken und Jacken übereinander, packte Wäsche in ein Bündel und ging zu Fuß fort, ohne zu sagen wohin.

Sie kam nach der Stadt und umkreiste das Gefängnis, ob Endrullis sich nicht erspähen ließe. Und endlich glaubte sie wirklich mit ihren scharfen Augen hoch oben hinter dem Eisengitter eines kleinen Fensters sein Gesicht zu erkennen. Die beiden Hände hatten die Eisenstäbe erfaßt, und es reckte sich zwischen ihnen hinauf, gespenstisch bleich. Sie nahm das Kopftuch ab und winkte damit. Er schien aufmerksam zu werden und zu nicken. Aber die Entfernung war zu groß, um deutlich etwas zu erkennen oder sonst ein Zeichen der Verständigung geben zu können.

Ewe fragte einen von den Beamten, ob er nicht eine Magd brauche. Sie solle sich an den Herrn Inspektor wenden, lautete die Antwort; der habe gerade eins von den Mädchen entlassen müssen, die in der Küche arbeiteten. »Ich denke, wir haben einander schon einmal gesehen,« meinte der Inspektor, der sich flüchtig ihrer erinnerte. »Ja,« sagte sie, »und es geht mir seitdem schlecht. Wer im Gefängnis gesessen hat, bekommt schwer einen Dienst, und ich will doch gern arbeiten.« Sie wurde als Magd angenommen.

In der Küche waren meist Gefangene beschäftigt. Einige derselben hatten den Bedarf an Holz und Kohlen herbeizuschaffen, andere mußten das Brot und die großen Kübel mit den zubereiteten Speisen abholen und in die Korridore hinauftragen. Mit einem Blechmaß wurde dann in Gegenwart des Aufsehers jedem Gefangenen sein Teil in eine Schüssel eingeschöpft. Denen, die ihre Zelle nicht verlassen durften, wurde das Essen zugetragen. Ewe bewies sich so tätig und wußte sich bald soviel Vertrauen zu erwerben, daß sie bei diesen Verteilungen oft zugegen sein und dabei helfen durfte. Durch gelegentliche Fragen erfuhr sie auch, wer in den einzelnen Zellen gefangen saß. Endrullis war in der letzten rechts im obersten Gange verschlossen.

Mitunter wurden die Gefangenen, gegen welche die Untersuchung noch schwebte, vormittags von den Schließern hinab und über den Hof nach dem Gerichtsgebäude zu ihrer Vernehmung vor den Richter geleitet. Ewe wußte sich um diese Zeit in der Nähe der Ausgangstür etwas zu schaffen zu machen und lauerte, bis die Reihe einmal an Endrullis käme. Lange wartete sie vergeblich. Endlich wurde er vorübergeführt, eine Hand an einen Fuß gekettet. Er stutzte, als er sie sah, verstand aber sogleich das Zeichen, das sie ihm gab, zu schweigen. Während sie den Finger der linken Hand auf den Mund legte, hob sie mit der Rechten ein wenig den Rock. Das sollte für ihn Bedeutung haben, wie er sogleich merkte. Seine matten Augen glänzten einen Moment lebhafter.

Sie wußte, daß die Zellen der Gefangenen, die zum Verhör geführt wurden, bis zu deren Rückkehr unverschlossen zu bleiben pflegten. Die beiden Schließer begleiteten Endrullis über den Hof. Sie konnte, ohne daß es bemerkt wurde, hinaufeilen und in seine Zelle eintreten. Dort löste sie schnell die Bänder von ihren unteren Röcken, ließ sie zur Erde fallen, wickelte sie zusammen und schob das Päckchen in das Bett. Dazu brauchte sie nur wenige Sekunden Zeit. Als der Aufseher zurückkam, war sie längst wieder in der Küche bei ihrer Arbeit.

Bald darauf fand sie einmal Mittags Gelegenheit, eine kleine Feile, die sie von Hause mitgenommen hatte, in die Schüssel gleiten zu lassen, die für Endrullis bestimmt war. Sie zweifelte nun nicht, daß er in einer der nächsten Nächte die Eisenstäbe durchfeilen, die Röcke zu schmalen Streifen zerreißen und sich daran hinablassen würde. Entkam er glücklich aus dem Gefängnis, so erreichte er wohl auch die Grenze und war in Sicherheit. Drüben hoffte sie dann mit ihm zusammenzutreffen.

Eines Morgens in der Frühe, sie war kaum vor einer Stunde eingeschlafen, wurde sie durch laute Stimmen in der Nähe ihrer Schlafstube geweckt. Der Inspektor verhandelte mit einigen Leuten, die von der Straße hereingekommen waren und von einem Unglücksfalle berichteten. »Ist er tot?« fragte der Inspektor. »Mausetot,« lautete die Antwort, »er muß sich auf dem Pflaster das Genick abgestürzt haben.«

»Und aus dem obersten Eckfenster, sagt Ihr?«

»Da hängt wenigstens etwas wie ein Strick heraus. Er ist abgerissen, und das längste Stück hat er noch in der Hand. Es scheinen lauter Streifen von Weiberröcken zusammengeknüpft zu sein. Wie kann das lose Gewebe auch einen schweren Menschen tragen?«

Der Inspektor hatte sich inzwischen angekleidet und ging mit den Leuten fort; den Aufseher schickte er zur Revision der Zellen hinauf.

Ewe hatte sich im Bett aufgerichtet und gespannt gehorcht. Es war, als ob das Herz stillstand; sie atmete nicht, aber in ihrer Stirn hämmerte das Blut mit fieberhaft raschen Schlägen. Eine Minute lang waren ihr die Glieder wie gelähmt; dann trieb die Angst sie auf. Nur mit einem Rock und Tuch bekleidet, stürzte sie hinaus dem Inspektor nach.

Da lag einen Schritt von der Mauer Michel Endrullis regungslos. Die Leute richteten ihn auf, aber der Kopf sank zurück. Die Schädeldecke war zerbrochen, Blut stand vor dem Munde.

Ewe warf sich aufkreischend über den Toten. Sie hielt ihn so fest, daß es erst nach längerer Zeit den Männern gelang, sie von ihm loszureißen. Dann schien sie ganz kraftlos und ohne Willen; man mußte sie ins Haus tragen. Dort gab sie auf alle Fragen keine Antwort, kauerte in einer Ecke ihrer Kammer und wimmerte kläglich.

Sie wurde einige Wochen gefangen gehalten, dann aber entlassen, weil der Arzt ihren Geist für gänzlich verstört erklärte. Man hatte Grillus benachrichtigt, der sie nun mit einem Fuhrwerk abholte und in ihr Haus zurückbrachte.

Nach einigen Monaten gab sie einem Kinde das Leben. Es war ein Knabe, und sie nannte ihn, ehe er noch getauft war, Mikelis. Man hoffte, daß sie nun wieder zu gesundem Verstande kommen werde, und wirklich nährte und wartete sie das Kind mit größter Zärtlichkeit und Bedachtsamkeit.

Bald aber zeigte sie ein wundersam scheues Wesen. Sie ließ das Kind nicht mehr vom Arme, nachts nicht von der Seite. Im Schlafe schreckte sie plötzlich auf und riß es mit gellendem Aufschrei an die Brust. Jeden, der sich dem Kinde näherte, verfolgte sie mit lauernden Blicken. Sie schien zu argwöhnen, daß man es ihr fortnehmen wolle. Ließ die Gaidullene sich nur auf der Schwelle sehen, so geriet sie in heftiges Zittern, worauf ein Wutausbruch zu folgen pflegte. Aus ihren abgerissenen Reden ließ sich entnehmen, daß sie von der Vorstellung gequält wurde, man wolle das Kind ins Gefängnis bringen und es für seinen Vater büßen lassen. »Sie sagen, es wird keiner mehr hingerichtet,« murmelte sie, »aber so gewiß ist's doch nicht ... Er hat's getan, aber ich hab's ihm geheißen ... und deshalb meinen sie, gehört ihnen das Kind. Oben in der Zelle steht eine Wiege neben seinem Bett ... die Ketten haben sie versteckt, aber ich sehe sie unter dem Stroh liegen. Wenn einmal die Tür geschlossen ist, ist's vorbei ... und täglich schleifen sie das Beil — schirp, schirp, schirp — auf dem großen Schleifsteine. Hört nur: schirp, schirp, schirp ...«

Dann mochte ihr das Kind auch in ihren Armen nicht mehr sicher scheinen. Sie schlich heimlich mit ihm fort und versteckte es, bald in einer Kammer des Hauses, bald in einem Winkel der Klete, bald auf dem Heuboden. Mitunter mußte stundenlang gesucht werden, bis man es fand. Endlich schien die Gefahr für das junge Wesen so groß, daß man sich zu seinem Besten zu einem Gewaltschritt entschloß.

Als das Kind einmal wieder mit Mühe in seinem Versteck aufgefunden war, trug man es fort und brachte es zu ihrer Schwester, ohne daß sie es bemerkte.

Sie aber glaubte, man habe diesmal nicht hinter ihre Schliche kommen können, und gab darüber kindische Freude zu erkennen. Erst am andern Tage fing sie selbst an zu suchen, suchte in allen Winkeln und fand nichts. »Du hast das Kind gut versteckt,« sagte ihre Schwägerin, »und kannst nun ganz ruhig sein. Das finden die Herren vom Gerichte nicht.«

Ewe sah sie lange lächelnd an und nickte dann zustimmend. »Das finden sie nicht.«

Sie wurde nun ganz still und in sich verschlossen. Manchmal bewegte sie stundenlang die leere Wiege hin und her; das war ihre einzige Beschäftigung.

Nach einem Jahre fing sie an, körperlich zu kränkeln und abzumagern. Speise und Trank mußte man ihr fast gewaltsam einflößen.

Eines Morgens fand man sie tot. Die kalte Hand lag auf dem Rande der Wiege.

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Heinrich Sohnrey: Lorenheinrich.

Illustration from Novellenbuch, 2. Band: Dorfgeschichten

Heinrich Sohnrey ist am 19. Juni 1859 in Jühnde, einem Dorfe im südlichen Hannover, geboren. Ein Sonntagskind war er; aber sein Leben ließ sich nicht an wie ein Sonnentag. Mit dem ärmlichen Können, das ihm die Dorfschule mitgegeben, hatte er in der Präparandenanstalt einen harten Stand. Das namenlose Heimweh sänftigte allein die Hoffnung, der Mutter bald eine Stütze sein zu können. In Hannover auf dem Lehrerseminar litt der einsame Träumer Not am Körper und an der Seele. Er begann Geschichten und Sagen zu sammeln; der Schriftsteller, der Dichter in ihm wagten die ersten unsicheren Schritte. Sechs Dorfschullehrerjahre in Nienhagen am Solling, in der Nähe von Northeim, nicht gar weit von seinem Heimatorte, brachten zwar nicht die ersehnte Befriedigung; aber sie wiesen den Weg zu ihr. In gründlicher Erforschung des Volkstums, wie es in Sage und Lied, in Spruch und Redensart, in Sitte und Brauch aus dem Urquell hervorbricht, in unermüdlichem Sammeln, Sichten und Gestalten aller Überlieferungen aus dem Volksmunde fühlte er sich immer reicher zu seinem rechten Lebensberuf heranreifen: dem Landvolke die Urkraft seiner Eigenart wieder ins Bewußtsein zu rufen, ihm neues Vertrauen zu seiner derben Urwüchsigkeit einzuflößen und es so von der verderblichen Krankheit der Landflucht zu heilen.

Gleich in seiner ersten großen Dorfgeschichte, »Hütte und Schloß«, die mit keckem Ungestüm diese Gedanken predigt, trat neben den Dichter unvermerkt der Sozialpolitiker, der Nationalökonom; der Schulmeister mußte weichen. Zwar zwang ihn nach zweijährigem Studium auf der Universität Göttingen die Not des Lebens noch einmal ins Lehramt zurück — er wollte sich eine Familie gründen; dann aber wagte er's mit dem Beruf des Schriftstellers. Nach Fehlschlägen, die ihn und die Seinen in die äußerste Not brachten, ging auch seinem Leben endlich die Sonne auf: seine Schriften hatten Erfolg, seine volkswirtschaftlichen Bestrebungen erregten die Aufmerksamkeit des preußischen Landwirtschafts-Ministeriums, und seit 1895 ist Sohnrey Geschäftsführer des »Ausschusses für Wohlfahrtspflege auf dem Lande« und wohnt jetzt in Berlin.

»Friedesinchens Lebenslauf« und »Hütte und Schloß«, zusammengefaßt unter dem Titel »Die Leute aus der Lindenhütte«, sind sein Hauptwerk. Daneben erschienen mehrere Sammlungen kleiner Skizzen und Erzählungen aus dem Dorfleben seiner Heimat: »Verschworen — verloren«, »Die hinter den Bergen«, »Rosmarin und Häckerling«. Der letzten Sammlung, »Im grünen Klee — im weißen Schnee«, ist die wundersam schlichte Erzählung vom »Lorenheinrich« entnommen. Sie ist jener heimlichen Schönheiten voll, die wir erst sehen, wenn ein Sonntagskind uns seine Augen leiht.

W. Lottig.

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