Zweites Kapitel. Gemmen und Verwandtes. (continued 2)
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§. 5. Gelbe Gemmen und verwandte Gesteine.
A. Unsere Gattung Topas.
Der Juwelier bezeichnet meist alle gelben Edelsteine mit dem Namen Topas, wie gelben Korund, gelben Spinell u.s.w.; mineralogisch ist die Gattung durch Krystallform, Härte, Schwere und chemischen Gehalt scharf begrenzt, hat verschiedene Farben.
Ceylon, wie ganz Indien, so reich an allen andern Edelsteinen, hat merkwürdiger Weise gar keine Topase, oder wenn sie sich hier finden sollten, was hier und da behauptet wird, so erscheinen sie wenigstens als höchste Seltenheit; was der Juwelier orientalischen Topas nennt, ist meist gelber Korund, der sary jakut der Orientalen.
In Sachsen finden sich die schönen weingelben Topase (früher Chrysolith genannt), die dem Oriente und Alterthume wohl fremd waren. In Brasilien sind rothe, grüne und wasserhelle Topase ziemlich häufig, die im gemeinen Leben oft als Rubin und Sapphir bezeichnet werden. In Siberien gewinnt man in jüngster Zeit viel Topas, besonders im Ural bey Miask, der meist wasserhell ist, und bey Mursinsk von meist bläulicher und grünlicher Farbe. Diesen siberischen Topas wird das Alterthum gekannt haben, verband ihn wahrscheinlich mit Smararagd oder Beryll, mit welchem letztern er häufig zusammen vorkommt; da hier aber keine gelben Topase vorkommen, so wird das Alterthum und der Orient schwerlich gelbe Edelsteine mit dem Namen Topas bezeichnet haben. In Jekatharinenburg in Siberien, wo viel siberische Topase geschliffen werden, nennt man diese—ich weiss nicht weshalb—tjeschelowes, tjejelowjesi, was heissen soll: die schwerwiegenden (von wjes das Gewicht und tjesolui schwer); als topazi aber bezeichnet man die farbigen Abänderungen des Bergkrystalles.
In der Sanscrit-Litteratur ist ein Name für den gelben Topas (der Mineralogen) gar nicht zu erwarten; wenn daher Wilson, Pott und Andere den Namen von gelben Edelsteinen, wie: pita, pitasara, pitaspatica, pitamane mit Topas übersetzen, so wird diess—mineralogisch genommen—unrichtig seyn; diese Edelsteine werden zum gelben Korund oder einer andern Mineralgattung gehören; dasselbe ist der Fall mit pitaçma und gomedaka im Bengalischen, mit manikang, kunig, puresjeragan im Malaiischen, pusperajan im Ceylonesischen u.s.w., die alle wohl irrthümlich mit Topas übersetzt werden.
tobadsch heisst im jetzigen Türkischen unser Topas, welches Wort aus den europäischen Sprachen entlehnt seyn mag, obwohl top und adsch türkische Sylben seyn können, was ich nicht weiss; auch soll man ihn sofja taschi und sirtcha (welches Wort persischen Ursprunges seyn soll) nennen, auch kibris elmasi (Diamant von Cypern) und kibris taschi (Stein von Cypern), die zum Bergkrystall gehören werden.
Das Wort topas, das aus Aegypten stammen mag (wo es unsern Flussspath bezeichnet haben mag), ist in alle europäischen Sprachen übergegangen; topas im Englischen, Schwedischen, Magyarischen; topaas im Holländischen; topazio im Spanischen und Italienischen; topass im Polnischen, Windischen, Czechischen.
B. Der topazion der Alten und der pitdan der Hebräer.
paz im Hebräischen wird mit topazion übersetzt. tuphasjon im Syrischen. παζον (wie paz im Hebräischen), τοπαζιον (wie tuphasjon) im Griechischen, topazius der Römer. Ueber diesen Stein haben wir durch griechische Schriftsteller verständige Nachrichten, sind nicht allein auf den kritiklosen Plinius angewiesen.
Strabo 16, 198 sagt: der topazion von der Insel Ophiodes bey Aegypten ist ein goldgelber (χρυσοειδης), durchsichtiger Stein, welcher derartig glänzt (leuchtet), dass man ihn am Tage nicht sehen (unterscheiden) kann; nur während der Nacht wird er von den Einsammlern bemerkt. Diodor. Siculus III. 3 sagt: der topazion ist glasartig (ὑαλω παρεμεφρης), goldgelb (εγχρυσον), findet sich in Felsen; wegen des Sonnenlichtes kann man ihn am Tage nicht sehen, bey Nacht leuchtet er im Dunkeln. Agatharchides sagt dasselbe, nennt ihn einen undurchsichtigen, glasartigen, gelben Stein; Orpheus de lapidibus wiederholt das Gesagte, bemerkend: dass er zu magischen Zwecken diente.
Plin. 37. 32 führt aus dem Juba an: die Insel Topazon habe ihren Namen von topazin, oder—wie ein Manuscript liest—opazum, was in der Sprache der Trogloditen (d.i. in der ägyptischen) suchen heisse. Die Arsinoe, Gemahlin des Ptolomaeus Philadelphus habe aus diesem Steine eine Statue von 4 cubitus Höhe (5' 7" rheinländisch) erhalten, die in dem delubrum aufgestellt sey. Als Arten unterscheide man: den prasoides und chrysopteros von lauchgrüner Farbe.
In der neuern Zeit hat Bruce (Reise nach den Quellen des Nils I. Pag. 255) die Topasinsel (die in der Landessprache Jibbel siberget oder zumrud heisst) besucht; er fand hier Stücke von einem grünen, adrigen, wolkigen, zerbrechlichen Gestein, nicht so hart als Quarz, die siberget und bilur vom Volke genannt wurden. Ob hier ein neuerer Reisender genauere Untersuchungen gemacht hat, ist mir nicht bekannt geworden.
Der τοπαζιον der in grossen Massen vorkam, glasartig und weicher war, wie alle Gemmen, gelbe und grüne Farben hatte, zeichnete sich dadurch aus: dass er, von der Sonne am Tage beschienen, in der Dunkelheit leuchtete, d.i. phosphorescirte. Kein Fossil phosphorescirt so stark und so leicht als der Flussspath in gewissen Abänderungen, besonders der meist smaragdgrüne Chlorophan aus Siberien; liegt dieser im Sonnenlichte, und man bringt ihn dann ins Dunkle, so leuchtet er so stark, dass man nahe Gegenstände dabey erkennen kann.
Wohl ohne Zweifel war hiernach der topazion unser Flussspath, besonders unser Chlorophan oder stark phosphorescirender Flussspath; dieser hiess topazion, wenn er gelb war, chrysoprasius bey gelbgrüner Farbe (aus dem man auch Gefasse [Gefässe] und grössere Gegenstände verfertigte), und bey grüner Farbe pazion, prasion, prasoides.
Diese Namen sind allmählig auf ganz verschiedene Gesteine übertragen worden; der topazion auf unsern Topas; der Chrysopras auf unsern Chrysopras, einen politurfähigen grünen Quarz, und der prasion auf unsern Prasem, einen grünen gröberen Quarz.
Sonderbarer Weise stehen Flussspath und Topas in einer gewissen innern Relation, sie enthalten beide, wenn auch in verschiedenen Quantitäten, Flusssäure und nach den Beobachtungen von Freisleben (geognostische Arbeiten V. Pag. 232) gehen beide in einander über.
pitdah im Hebräischen war einer der 12 Edelsteine im Schmucke des Hohenpriesters bey den Juden, der im Griechischen mit τοπαζιον übersetzt wird, im Syrischen mit sorjo, im Chaldäischen mit jarkan, jarukta (d.i. grünlich), im Arabischen mit asphax. Braun (de vestitu sacerd.) sucht zu zeigen: wie durch eine leichte, in den semitischen Sprachen häufige Verwechselung der Buchstaben aus topaza, topza, topda, pitdah wird, welche Etymologie ich ganz dahin gestellt seyn lasse. War der topazion der Griechen unser Flussspath, so kann er nicht wohl der pitdah der Hebräer gewesen seyn, denn ein Stück Flussspath würde sich neben den andern kostbaren Edelsteinen im Schmucke des Hohenpriesters nicht gut ausgenommen haben.
Ich sollte meinen: es möchte ein Zusammenhang Statt finden zwischen pitdah im Hebräischen, mit pita im Sanscrit und den indischen Sprachen, womit man die gelben indischen Edelsteine bezeichnet, den gelben Korund, Spinell u.s.w. (der Topas der Juweliere, nicht der Mineralogen), dafür spricht auch: dass im Persischen der pitdah durch laal übersetzt wird, der unser Spinell oder Zirkon war.
C. Der Bernstein.
Der Bernstein, obwohl ein fossiles Baumharz, gehört doch zu den Mineralien, und vorzugsweise zu den Schmucksteinen. Er ist von gelber Farbe, die sich ins Weisse verliert, oft einen Stich ins Rothe hat; durchscheinend, oft ganz durchsichtig und stark electrisch. Er findet sich zwar in vielen Gegenden, am häufigsten, schönsten, und in grössten Stücken nur an der Ostseeküste, vorzüglich an der preussischen und bey Palmünken, theils in der Erde, meist als Auswurf des Meeres, hier ist er seit den allerältesten Zeiten gewonnen, und auffallender Weise scheint seit Jahrtausenden eine fast gleiche Quantität Bernstein ausgeworfen zu werden, der Ertrag sich nicht zu mindern. Die kleinen, schlechten Stücke dienen, besonders im Oriente, zu Räucherwerk; übrigens wird der Bernstein als Schmuck verarbeitet, der jetzo, wie in ältester Zeit, im Orient und Occident ein sehr gesuchter und verbreiteter Artikel ist. In den germanischen alten Gräbern findet man sehr vielen und sehr schönen Bernstein, der bey den Römern und bey den Griechen in allerältester Zeit sehr allgemein als Schmuck diente. Der Bernsteinhandel war vorzüglich in den Händen der Phönizier, die bis in die Ostsee schifften und dem ganzen Oriente diesen gesuchten Artikel zuführten. Der Bernstein umschliesst nicht selten kleine Insekten und Pflanzen, die sich auf das Vortrefflichste erhalten haben. Schon im Alterthume beachtete man diese, wie die electrische Eigenschaft.
pe im Chinesischen; mila-pe der gelbe, hue-pe und chu-pe der röthliche;—hupa im Mandschu, auch chupa und boissile;—bhour-len, burlem im Tibetanischen, auch wird spasa-schela hierher gehören.
Wie im Sanscrit der Bernstein heisst, habe ich nicht gehörig ermitteln können; tailasphatica (d.i. Oehlkrystall) soll Bernstein seyn, dieser ist aber nicht krystallinisch; auch tringrahin (d.i. Grasanzieher), was auch Turmalin seyn kann; mir scheint es wahrscheinlich, dass man den Bernstein unter pita begriffen hat, womit man gelbe Edelsteine bezeichnete.
ivgit kajungar saet im Gröländischen;—amber kerning im Malaiischen (ob aus dem Englischen?);—sath im Armenischen, auch kahribar (wohl aus dem Persischen), pazmakoum wird mit electrum übersetzt;—kawake im Japanischen;—kahruba, kuhroabo, auch kepur im Hindu (wohl aus dem Persischen);—kahrub, karabe, kahruba im Persischen (von kah und rubah, d.i. der Räuber von Spreu, wegen der electrischen Anziehung);—amber ist das wohlriechende Harz, der ambra ambrosiaca;—karabe, kahrab, karabah im Arabischen;—kehribar im Türkischen;—karaweh im Georgischen;—keherbai im Bucharischen;—charbe im Aethiopischen;—prud im Alt-Slawischen;—jantar, yantare im Russischen und Serbischen;—jantar im Polnischen, auch bursztyn;—gantar im Czechischen, auch cistee, czistec, aksteyn;—giantaras im Litthauischen;—sihtars, dsinters im Lettischen;—jantar im Illyrischen, auch kechribari (aus dem Walachischen);—gentar in der ausgestorbenen Sprache der alten Preussen, die an der Ostsee wohnten, von wo der Bernstein und mit ihm der Name in die entferntern Länder ging;—gyantar im Magyarischen, auch sarga gyenta;—cistec im Mährischen und Slavonischen.
burzhen im Kärnthischen, auch okstar (was mit jantar zusammenhängen mag);—bureen im Krainerischen und Windischen, auch smolski kamen;—burstin im Illyrischen, Bosnischen, Ragusanischen und Croatischen, hier auch burcham und okstar;—börnstein im Alt-Teutschen; gewöhnlich, vielleicht irrthümlich leitet man das Wort von bernen, d.i. brennen ab; ein Zusammenhang mit den erwähnten slawischen Wörtern scheint vorhanden, ob diese aber slawischen Ursprunges sind, lasse ich dahin gestellt seyn.—Auch agtsteen, aidstain, was von aiten, d.i. brennen herkommen soll;—bornsteen, barnsteen, brandsteen im Holländischen;—bernstein im Dänischen, auch rav.
raf im Lappländischen;—reef, rief im Alt-Finnischen; raf im Schwedischen;—gles, glys im Alt-Schwedischen;—rafur, rafr, raf im Isländischen; auch glar;—rypte in der Edda.
kichrimbar, chirimbaru, kirimbarjü im Walachischen;—kechrembari im Neu-Griechischen.
glesum in der Sprache der alten germanischen Aestyer (nach Tacitus, Germ. 46), die an der Ostsee wohnten und der keltischen Nationalität angehörten. Das Wort wird zusammenhängen mit glain im Wälschen, das Durchsichtige, das Juwel, die Hals- und Rosenkranz-Perle oder Kugel (als Halsschmuck diente der Bernstein vorzugsweise bey den keltischen Völkern);—gles, glas, glesum im Friesischen und längs der Ostseeküste;—glaes, glaere, glayre, glies im Angelsächsischen;—glesum im Alt-Esthnischen, nach neuerer Mundart: merre kiwwi d.i. Strandstein.
goularz im Bretonischen;—gwefer im Wälischen (von gwef, klar);—omar im Gälischen, ombra im Irischen;—ambar, ambre im mittelalterlichen Latein; αμπερ, αμπρα im mittelalterlichen Griechisch, damit bezeichnete man vorzüglich den nordischen Bernstein (den von der Küste des mittelländischen Meeres, mit σουκινον);—amber im Englischen;—amber jaune, auch succin im Französischen, früher auch carabe (der arabische Name);—ambar, auch succino, carabe im Spanischen;—ambra gialla, auch succino im Italienischen;—alambre, auch charabe und electro im Portugiesischen.
sakel im Alt-Aegyptischen, wie Plinius anführt;—sakal im Koptischen;—sakal im Hebräischen, war ein Ingredienz zum Räucherwerk, wohl ohne Zweifel Bernstein;—tharschisch im Hebräischen, wird—wie Bredow (historische Untersuchungen II.) auszuführen sucht, der Bernstein (als Schmuckstein) gewesen seyn; auch könnte vielleicht der schechlet hierher gehören.
Die jetzigen Bernsteinhändler sortiren ihre Waare nach der Grässe der Stücke; die vierte Art, wo die Stücke klein sind, unter einem Lothe wiegen, heisst cakon, sakon, tschakon, welche Namen Ähnlichkeit mit sakal haben; es könnte diess eine alte germanische Bezeichnung seyn, die nach Aegypten übertragen wäre.
sachal im Syrischen, nach Plinius auch harpax.
electro, ilectro im Phönizischen;—ηλεκτρον im Griechischen, wohl aus dem Phönizischen, da man durch die Phönizier den Bernstein erhielt; man unterschied: leyk-chry-electron und subalternikon, den weissen, gold- und feuergelben, μακατος scheinen grosse Bernstein-Klumpen gewesen zu seyn. Hiervon stammen unsere Namen: electrisch, Electricität u.s.w.;—electrum der Römer, auch succinum (vielleicht von succus der Saft der Gewächse, weil der Bernstein ein Baumharz ist), man unterschied den weissen (candidum), rothgelben (fulvus) und hochrothen; der myrmecites und cantharius, wird Bernstein mit Insekten gewesen seyn.
sacrium im Alt-Scythischen nach Plinius, aber wahrscheinlich ist dieser Name nicht correct geschrieben, er könnte mit sakal zusammenhängen; Schlözer schlägt vor satrium, was mit sihtars im Lettischen Aehnlichkeit hat.
§. 6. Blaue Gemmen und verwandte Gesteine.
Die wichtigste blaue Gemme ist der Sapphir, die aber mineralogisch nur eine Art des Korund ist (s. oben). Blaue Abänderungen haben auch andere Edelsteine, als der Spinell, Zirkon, Turmalin u.s.w.
A. Unsere Gattung Peliom.
Ein blauer, krystallisirter Edelstein, zuweilen mit einem sternfarbigen Lichtscheine, etwas weicher als Sapphir, diesem sonst höchst ähnlich und erst neuerlichst mineralogisch von ihm getrennt. Bey den Juwelieren heisst der hellere—Wassersapphir, der dunklere—Luchssapphir. Er findet sich in Indien, Siberien, Spanien, Brasilien u.s.w., war den Alten und Orientalen gewiss bekannt, aber nicht vom Sapphir unterschieden.
peliom, dichroite, cordierite, iolite im Französischen und ähnlich in allen neuern Sprachen.
B. Die Gattung Lasurstein mit Ultramarin.
Der Lasurstein ist ein, seit den ältesten Zeiten bekannter lasurblauer, unkrystallisirter, undurchsichtiger Schmuckstein, der zum Theil in bedeutenden Stücken einbricht, häufig krystallisirten Schwefelkies eingemengt enthält, sich nur in der Bucharey, am Baikal-See, im Badakschan findet. In den Mineralsystemen hat er einen sehr wechselnden Platz gehabt; Guyton glaubte zuerst 1801, dass das geschwefelte Eisen der färbende Stoff sey.
tschingt-chan im Chinesischen, ist der dunkle, zuisang der hellere.
nilaa (d.i. der blaue) im Hindu;—whidurga in Bengalen;—vaidurga, viduradscha im Sanscrit, auch nilopala (der blaue Edelstein), balaradscha, balawajadscha, balasurga, gawarka, kaitawa, keturatna, abrahoha.
lazuwerdi im Malaiischen, auch godschasm;—ladwery im Türkischen (latschmore ist Veilchenblau);—ladschiwerd im Persischen, auch langswerd und lazuard, mit den Arten: a) bedadschi;—b) gurdschi;—c) dermari;—d) kermar.—(lazur ist das Ultramarin). Am Fundorte, in Badakschan unterscheidet man 3 Arten: a) ladschword nili, den indig-blauen;—b) -asmani den hellblauen;—c) suvsi, den grünlichen;—landschiwer im Arabischen, auch asurad, zemech, zumelazuli (von azul, der Himmel), alzagur, hagiar alzemar, maha (lazur ist Ultramarin);—lasrad im Syrischen, auch satphiros (von saphilo, blau).
samper im Aethiopischen, auch sofor, sophor;—saphir im Chaldäischen, auch esphor; schabsis wird mit sapphirus übersetzt;—saphir im Hebräischen; bey den Rabbinen auch sampurian, sampurina;—σαπφειρος der Griechen (daher unser Name Sapphir für einen ganz andern Stein);—sapphirus der Römer;—ζαφιρυς im Mittelalter, auch ζηφυρος, ζαφηρη, cyaneus, lazur, lazurium, lapis armenius;—llasur im Wälschen, azura im Gälischen;—πετρα λαζουλη im Neu-Griechischen; lapis lazuli im neuern Latein.
iasurick im Russischen, auch lazourewoi kamene; lazur im Polnischen; lasura im Windischen;—sagasilje im Bosnischen;—lazukö im Magyarischen;—azur im Französischen;—azurstone im Englischen;—lazursteen im Holländischen, Dänischen, Schwedischen.
Anhang.
Unser Ultramarin.
Aus dem Lasursteine bereitet man die schönste, aber sehr kostbare blaue Farbe—das Ultramarin—die bey den Chinesen schon längst, besonders in der Porzellanmalerei angewendet wurde; die orientalischen Völker kannten sie, auch wahrscheinlich die alten Griechen, die sie λαζουριον genannt haben mögen; häufiger benutzte man ein blaues Kupferglas (s. unten Kupfer) und die Smalte, d.i. Kobaltglas (s. dieses). In der neuern Zeit war es Vanuccio Biringoccio, der 1545 die Bereitung des Ultramarin lehrte (den er sehr von der azurra del Alemagno (Schmalte), unterschied).
lazur im Arabischen;—λαζουριον, λαζουρι der spätern Griechen;—lazurium im mittelalterlichen Latein, auch color graecus;—ultramaro im Spanischen;—ultramarino im Portugiesischen;—outre-mer im Französischen;—ultramarine im Englischen, Schwedischen u.s.w.
C. Unsere Gattung Cyanit, oder Disthène, auch Sapphirspath, Sappare.
Ein krystallisirtes Fossil, meist von schön himmelblauer Farbe, auch weiss und geflammt, in langen rhomboedrischen Prismen, oft durchsichtig, stark glänzend, sehr hart und fast ohnschmelzbar. Aus Indien kommen, wenn auch nicht häufig, geschliffene Cyanite, die man gern für Sapphir verkauft, auch Sapphirspath nennt. In Europa findet er sich weniger schön, in Glimmerschiefer eingewachsen, hat keine technische Anwendung. Den sogenannten blauen Schörl aus Tyrol fixirte Werner 1785 als die Gattung Cyanit, entlehnte den Namen von Cyanos der Griechen, der unser Kupferlasur war. Saussure analysirte das Fossil, und nannte es 1789 Sapparre.
Der Orient und das Alterthum wird den Cyanit gekannt, und wohl mit dem Sapphir (dem nila und jakut) verbunden haben; wir wissen aber nicht, unter welchem speciellen Namen.
disthène der Franzosen, auch saparre, früher beril feullété und schörl bleu;—disteno im Italienischen und Spanischen;—kyanite im Englischen;—kyanit im Schwedischen, Dänischen, früher auch egkö im Magyarischen.
D. Der Amethyst.
Er ist ein violblauer, durchsichtiger, meist krystallisirter Quarz, der viel zu Siegelringsteinen und verschiedenen Schmuckgegenständen dient. Er ist häufig in Indien und Ceylon, wo er von besonderer Schönheit gefunden wird, auch, aber weniger schön, in Europa. Er hat nur geringen Werth.
tsi-chy-yng im Chinesischen;—sevandi im Ceylonesischen;—seandi, scuandi im Malabarischen; pudi und permata-puti heisst ein Edelstein, der wahrscheinlich auch Amethyst ist; zebugaong auf Awa.
dschamschat im Arabischen, auch giamest, dschamsat, dschemeat, gebellecum mit 4 Arten, a) wo lebhaftes Himmelblau und Roth gleichmässig vereiniget sind; b) wo das Rothe vorsticht; c) wo das Blau vorherrscht; d) wo die Farben getheilt sind. Wenn man Wein aus Bechern von diesem Steine trinkt, soll man nicht berauscht werden.
tabheagh, tabhaya im Chaldäischen, auch wird enegla, een egla (d.i. Kalbsauge) mit Amethyst übersetzt;—achlama, ahlama im Hebräischen.
amothostos, ametestinos im Aethiopischen;—amethystos, im Koptischen. (Aus Aegypten mag der Name zu den Griechen gekommen seyn, von diesen zu den Römern und zu uns);—dschemist im Türkischen, auch dschebellokun, dgebilkon, dschalzagum;—amyethos im Armenischen, mit Granat übersetzt, mag hierher gehören;—amothostos im Syrischen;—αμεθυστος im Griechischen, auch im Neugriechischen.
amethystus der Römer mit mehreren Arten, nach der Intensität der Farbe; die eine Art hiess nach einem indischen Worte (sacon) sacondion, sapenus, auch pharanites.
σοκονδιος hiess im Mittelalter ein Edelstein, der nicht näher characterisirt wird, aber der sacondion des Plinius seyn wird, vielleicht mit sevandi im Ceylonesischen zusammenhängt.
metist, ametist im Russischen;—amatyst, auch upren im Czechischen; ametyst im Polnischen;—ametiszt, közonseges, ametisztus im Magyarischen;—amethnit, amethistu im Walachischen;—amatisto im Italienischen und Spanischen;—ametisto im Portugiesischen;—amethyste im Französischen;—amethyst im Englischen, Schwedischen und übrigen neuern Sprachen.
§. 7. Weisse Gemmen und verwandte Steine.
Hierher stellt man gewöhnlich auch das Katzenauge, das schon oben erwähnt ist.
A. Der Opal, Edelopal.
Er ist ein unkrystallinisches Kieselhydrath, meist von weisser Farbe, ausgezeichnet durch das herrlichste Farbenspiel, das bey keinem andern Mineral derartig vorkommt, daher er ein beliebter Schmuckstein ist. Er spielt mit blauen, gelben, rothen und grünen Farben, kommt nur in kleinen Nieren vor, so, dass ein nussgrosser Stein zu den höchsten Seltenheiten gehört. Er findet sich nicht in Indien, sondern allein in Ungarn bey dem Dorfe Czerwenizka zwischen Kaschan und Eperies, in kleinen Partien eingewachsen in ein porphyrartiges Gestein. Ungarn (sonst Dacia) war in alter Zeit ein cultivirtes, blühendes Land, mit wichtigem Bergbau. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass vor der römischen Zeit schon die Opalgruben betrieben wurden; aber nachweisen lässt es sich nicht. Der Opal, der sich an ein Paar andern Punkten findet, ist ohne Bedeutung, nur eine mineralogische Seltenheit.
Ob man im Alterthume und Orient den Edelopal gekannt, ihn aus Ungarn bezogen hat, ist zwar wahrscheinlich, aber noch zweifelhaft. Wenigstens im Mittelalter (vermuthlich also auch früher) muss die Opalgräberei hier stark betrieben seyn, ging aber in der spätem Zeit ganz ein, denn der alte ungarische, walachische und moldauische Nationalschmuck der Frauen prangte stets mit den schönsten Opalen, diess ist auch der Fall mit den sehr alten Pocalen und Waffen der dortigen Gegenden. In jenen Zeiten (daher auch wohl früher) werden diese Steine durch griechische Kaufleute nach Asien verführt seyn, und von da kamen sie vielleicht, unter dem Namen der orientalischen Opale, auf andern Wegen nach Europa zurück. Die Opalgräberey hat dann Jahrhunderte hindurch gelegen, war fast ganz in Vergessenheit gekommen; erst seit 1775 begann sie wieder bey Cherwenitza (zwischen Kaschan und Eperies), wird seit 1788 regelmässig betrieben. Jetzo gehen fast alle gewonnenen Opale nach England, man kann sie fast nur von daher erhalten.
Aus der griechischen Zeit scheinen Opale auf uns gekommen zu seyn, werden wenigstens in manchen Sammlungen von Antiken erwähnt, auch hat man Glasflüsse, dem natürlichen Steine täuschend ähnlich.
Der Name Opal stammt wahrscheinlich aus dem Sanscrit, wo opalo, auch upala überhaupt ein Juwel, kostbarer Stein heisst; nur in Zusammensetzungen ein bestimmtes Mineral (wie nilopala, d.i. blauer, unser Sapphir).
Im Polnischen heisst upala das Feuer; aber daher kann der schon den Römern bekannte Name wohl nicht stammen.
pandumrittika im Sanscrit (d.i. blasse Erde) übersetzt Wilson mit Opal; wadschraba im Bengalischen übersetzt Carey mit the precious opal;—komala, kumala im Malaiischen (vielleicht mit opala verwandt) ist ein Edelstein von ausserordentlicher Schönheit, von Gestalt der Wassermelone, und dem Glanze der Sonne; aber es ist unbekannt, welchen Stein man damit bezeichnete.
οπαλυς, οπαλλιος der Griechen und opalus der Römer kann der Beschreibung nach nur unser Edelopal gewesen seyn, wenn wohl als Fundort vorzugsweise Indien angegeben wird, von woher auch wahrscheinlich der Name kam. Dass man in Griechenland und Aegypten Edelopale hatte, sie auch auf das Vollkommenste in Glas nachmachte, leidet wohl keinen Zweifel. paederos oder paederonta der Römer, der nach Plinius sangenon in Indien, tenites in Aegypten hiess, scheint ein ähnlicher, aber schlechterer Stein gewesen zu seyn; der hexecontholithus des Plinius hatte auch viele Farben, so auch der πανταρβας, den Ctesias erwähnt, über die sich gar keine Conjectur machen lässt.
Im Mittelalter hiess der Edelopal ορφανος, orphanus (vielleicht durch einen Schreibfehler aus opalus entstanden) und im Teutschen (wohl durch Uebersetzung) der Weese, Weise (d.i. vaterlose), Wieselstein, auch Firmamentstein.
Im Italienischen und Portugiesischen nannte man ihn früher auch girasole und scambia, womit eigentlich unser Mondstein und Adular, auch der Sternsapphir bezeichnet wurde.
opal, telköbanykö im Magyarischen;—opalul im Walachischen;—opal nastojaschtschi im Russischen, opal auch in den andern slawischen Sprachen;—opale noble im Französischen;—opalo nobile im Spanischen und Portugiesischen;—opal precious im Englischen.
B. Der Halbopal und Hydrophan.
Der Halbopal, gemeine Opal, Jaspopal ist ein Kieselhydrat ohne Farbenspiel, weiss, gelb, roth, braun, zuweilen mit Holzstructur, ein in gemeinen Opal versteinertes Holz (wood opal im Englischen); er nimmt eine ziemliche Politur an, wird aber doch nur sehr wenig technisch, zu Bijouterie-Gegenständen verwendet. Ob er im Alterthume und Orient benutzt, und wie er genannt wurde, wissen wir nicht.
opal fatty, opal jel im Magyarischen;—obyknowenny opal, polu opal im Russischen;—semio-opal; common opal, jasper opal im Englischen;—quarz resinite commun, jaspe opal im Französischen.
Der Hydrophan ist ein Kieselhydrat von weisser Farbe, das, in Wasser oder Oehl gelegt, dieses einsaugt, dann durchsichtig wird, und zuweilen mit den schönsten Farben wie der Edelopal spielt, nur aber eine Zeit lang. Wird er in Wachs getränkt, so erlangt er die Eigentümlichkeit beym Erwärmen durchscheinend zu werden, auch Farben zu erhalten.
Wohl wird der Orient und das Alterthum dieses Fossil gekannt haben, wir wissen aber nicht, unter welchen Namen.
Früher nannte man ihn lapis mutabilis, Weltauge, oeil du monde im Französischen, auch hydrophane.
C. Der Bergkrystall und Krystall.
a) Krystall im Allgemeinen.
Ein Mineral in bestimmten geometrischen Formen, abgesehen von dem Material und dem chemischen Gehalte.
spatika im Sanscrit, ferner katscha (was auch Glas heisst); agrigarbha, agrimani (krystallisirter Edelstein), atschtschha (durchsichtiger Krystall). Dem spatika sehr verwandt klingt das teutsche und französische spath, das englische spaad, spar, d.h. ein Fossil mit blättriger Textur, nach welcher es leicht theilbar ist; gleichwohl stammen diese Worte wohl schwerlich direct aus dem Sanscrit, sondern wohl aus dem Keltischen, hängen zusammen mit ysparth im Wälschen, der Theil, die Separation, ysparthu (W.) theilen, separiren.
spatika im Bengalischen.
palumban im Malaiischen, auch palingu, nilur, intang.
shela im Tibetanischen (was auch Glas heisst); auch rdo-shela (d.i. Steinglas); rana-shela, natürlicher Krystall (bazhu-shela ist ein künstlicher Krystall aus Glas);—wani im Armenischen.
balur, hablur im Persischen;—bulur im Bucharischen;—bellur im Kurdischen;—beluro, belurcho im Syrischen.
ebna barut im Aethiopischen (bedeutet auch Hagel);—mahewe im Abessinischen;—elgabisch im Hebräischen, auch gabisch (das zugleich Eis bedeutet.
kerustallin, keristallon im Chaldäischen; keristalinon ist krystallinisch;—kristall, krustall im Albanischen;—cristallu im Walachischen;—criostall im Gälschen;—crisial im Wälschen;—cristal im Bretonischen;—χρυσταλλος im Griechischen;—χρυσταλλι im Neugriechischen;—crystallus im Lateinischen;—kristall im Isländischen, Lappländischen, Schwedischen, Englischen, Französischen;—crystall im Portugiesischen, Spanischen, Dänischen, Holländischen;—cristallo im Italienischen;—krystal im Polnischen, Czechischen, Windischen und Croatischen;—kristoa im Bosnischen;—golot im Ragusanischen, auch im Windischen;—kristolas im Litthauischen;—krystally im Magyarischen.
b. Der Bergkrystall.
Ein reiner, durchsichtiger, meist wasserheller Quarz, der, sehr häufig als Schmuckstein dient, meist die falschen Diamanten (faux diamans) bildet, wenn sie nicht Glas sind. Häufig erscheint er gefärbt, und trägt dann verschiedene Namen; der violblaue heisst Amethyst, ist schon erwähnt;—der gelbe heisst Citrin, hyacinth d'Espagne, topaze occidentale; der rauchgraue Rauchtopas, topaze enfumé;—der fast schwarze morion;—der, welcher Amiath, Rutil oder dergleichen umschliesst: Haarstein, Nadelstein, cheveux de Venus, fleches d'amour. Im Alterthume brauchte man den Bergkrystall sehr häufig, besonders zu Petschaften, schliff auch Brenngläser u.s.w. davon.
pe-chy-yng im Chinesischen, der ganz durchsichtige;—tse-chy-yng, der bläuliche;—choui-tsing im Japanischen;—rdo-shela, auch tschujschel im Tibetanischen;—vellor im Kaschmirischen.
palinga, auch keys im Ceylonesischen; sudu palinga ist der wasserhelle;—kana palinga, der helle Rauchtopas;—tilla palinga, der dunklere;—taripo, der weisse, undurchsichtige Milchquarz bey röthlicher Färbung,
batu palumban im Malaiischen; wille palinga, der wasserhelle, mangel palinga, der helle Rauchtopas, tilia palinga, der dunkle.
spatica im Sanscrit;—spatika, phatika, katscha, kantscha im Bengalischen.
bulur im Bucharischen;—büllur, bellur im Türkischen;—balur im Persischen;—belur im Arabischen;—bellur im Kurdischen;—be'ur im Syrischen;—ibna barad im Syrischen.
abagjegh, wanakn, akn wani im Armenischen;—gabisch (was auch Eis bedeutet), und kerach im Hebräischen;—kerustallin im Chaldäischen.
criostal im Gälischen, auch gloine (d.i. Glas) shoillur und gloine shinealta;—κρυσταλλος im Griechischen;—κρυσταλλοπετρα im Neugriechischen;—crystallus im Lateinischen, mit vielen Abänderungen; iris war der dreiseitige Bergkrystall, der als Prisma diente; der erros oder zerios war diesem ähnlich; haephaestites waren Geschiebe, die als Brenngläser dienten;—morio war unser Rauchtopas, der nach Plinius in Indien prammion hiess, der alexandrinus und cyprinus waren röthlich;—crystallus montanns [montanus] im mittelalterlichen Latein;—kristallssteirn im Isländischen;—rockcrystall im Englischen;—bergkrystall im Schwedischen;—bjergkrystall im Dänischen;—bergglas im Holländischen;—cristall de roche im Französischen;—cristallo di rocca im Italienischen;—cristall de roca im Spanischen und Portugiesischen.
krystally, hegyi kristaly im Magyarischen.
krysztal gorny im Polnischen;—krysztal, auch prohleden im Czechischen;—kirchel beym böhmischen Bergmann;—hornoi chroustalle im Russischen; in Siberien nennt man die gefärbten Bergkrystalle topas; den Rauchtopas duim-tschatui [or: duimtschatui] topas (von duim der Rauch).
Es ist mir unbekannt, warum man in Teutschland den dunkeln Bergkrystall topas genannt hat, wie es auch in Siberien geschiehet.
§. 8. Die 12 Gemmen im Schmucke der Hohenpriester bey den Hebräern.
Da wir in der Bibel die ältesten schriftlichen Nachrichten über Schmucksteine finden, und zwar über diejenigen, welche die Hohenpriester der Hebräer bey feierlichen Gelegenheiten an ihrem Gewände trugen, so gewährt es ein wichtiges Interesse, diese näher zu erörtern.
Ueber der Kleidung trug der Priester ein gesticktes Brusttuch (Coschen), auf dem sich das Gemmenschild befand, mit 12 in Gold gefassten, farbigen, geschliffenen Edelsteinen, auf denen die Namen der 12 Stämme eingeschnitten sich befanden. "Aaron—heisst es—soll die Namen der Söhne Israels tragen auf dem Brusttuche des Gerichtes, wenn er ins Heiligthum gehet, zum Gedächtniss von Jehova jederzeit."
Da diese Steine durch die eingeschnittenen Namen gleichsam die 12 Stämme repräsentirten, und da sie 3 und 3 in einer Reihe in einem Schilde auf der Brust getragen wurden, so scheint es mir wahrscheinlich, dass man Steine gewählt haben dürfte, die ziemlich gleicher Grösse waren, denn es würde sich schlecht ausgenommen haben, wenn neben einem grossen sich ein kleiner Stein befunden hätte. Es scheint mir daher gar nicht wahrscheinlich, dass in dem Brustschilde sich die Edelsteine befunden hätten, die nur in kleinen Stücken vorkommen, für uns die kostbarsten sind, wie Diamant, Rubin, Sapphir, um so mehr, da man im Alterthume diese harten Edelsteine nicht in der Art künstlich schliff und facettirte, als bey uns, sie mehr als natürliche Krystalle trug; eher dürfte zu vermuthen stehen: dass hierzu vorzugsweisse sogenannte Halbedelsteine verwendet gewesen seyn mögen, die schön gefärbt waren, sich leicht bearbeiten liessen und eine gewisse Grösse hatten, wie edler Sard, Onyx, Plasma u.s.w.
Weil es heisst: dass kostbare Steine dazu verwendet werden sollten, so gehet Braun von der Meinung aus: dass die kostbarsten Edelsteine zu suchen hätte, wie Demant, Rubin, Sapphir u.s.w., die er bey zweifelhaften Namen präsumirt, was aber wohl nicht der richtige Gesichtspunkt seyn mag.
Diese 12 Steine lassen sich ohnmöglich mit scharfer Sicherheit mineralogisch bestimmen, nur aus den Namen und deren Uebersetzung ins Griechische, Syrische u.s.w.—bey denen aber zuweilen die Stellen oder Nummern der Steine verwechselt, selbst andere Namen dafür gesetzt sind—können wir die Deutung versuchen. Es ist nicht zu verwundern, wenn bey diesem dunkeln Gegenstande sehr verschiedene Ansichten geltend gemacht sind, und ein Paar neue Conjecturen zur Prüfung vorzulegen, wird erlaubt seyn.
Am ausführlichsten haben bey uns diesen Gegenstand behandelt: Braun: de vestitu sacerdotum hebr. 1680; J. Bellermann: Die Urim und Thummim. 1824.
Die 12 Steine sind folgende.
1. Odem. Sarder nach Luther und Braun, Karniol nach Bellermann.
Im Griechischen allgemein durch σαρδιον übersetzt; im Syrischen sumoko, samukta, d.i. roth; im Arabischen jakut akmar (d.i. rother jakut, unser Rubin); im Persischen jakut; im Samaritanischen samuk; im Chaldäischen samkan, achmon; im Koptischen sardinon.
Das Wort odem kommt nicht weiter im Alterthume vor; Braun will eine Aehnlichkeit mit demium oder dionium finden, wie Plinius eine Art des Sard nennt, die aber sehr zweifelhaft seyn möchte. Mit dem orientalischen Namen des Sard hat odem keine Relation, eher mit ount im Aegyptischen und Koptischen, unch im Chaldäischen, woher ονυξ im Griechischen, der Sardonyx oder mehrfarbige Sard. Die arabische Uebersetzung mit Rubin dürfte gar nicht passen.
Am wahrscheinlichsten dürfte seyn: dass der odem der edle rothe Sard aus der Bucharey (nicht unser gewöhnlicher Carniol) oder vielmehr der mehrfarbige Sard (unser edler Onyx) war, beide Gesteine sind mineralogisch gleich, nur durch die Färbung verschieden.
2. Pitdah. Topas nach Luther, Braun und Bellermann, was auf jeden Fall schon desshalb irrthümlich seyn wird, weil das Alterthum keine Topase, wenigstens keine gelben gehabt hat, die wir theils aus Sachsen, theils aus Amerika erhalten.
Im Griechischen durch τοπαζιον übersetzt, im Syrischen sorgo, jarkan, jarketa (d.i. grün), krustallos, im Arabischen azfar, im Persischen laal, im Samaritanischen dactab, im Koptischen topazion. Die Rabbinen nennen ihn grün.
Prüft man die Nachrichten über den παζιον und τοπαζιον der Griechen als Mineralog, so drängt sich die Ueberzeugung auf, dass hierunter nur unser Flussspath und zwar der stark phosphorescirende (der Chlorophan) verstanden seyn kann, der besonders auf der Insel Topaza im arabischen Meerbusen, auch wohl in Aegypten selbst vorkam, theils gelb, theils grün war. Die Phosphorescenz, das Leuchten im Dunkeln, wenn er von der Sonne beschienen war, machte ihn merkwürdig; aber als Schmuckstein auf einem pectorale, wo diese Eigenschaft nicht hervortreten konnte, möchte sich ein Stück Flussspath nicht gut ausgenommen haben.
Das Wort pitdah kommt nicht weiter im Alterthume vor, hat auch keine Relation zu einem andern Mineralnamen, als mit pita (d.i. der gelbe) im Sanscrit, und dass dieser Name in das Alt-Hebräische übergegangen seyn könnte, ist gar nicht ohnmöglich. Indische Edelsteine mit indischen Namen können ganz wohl über Aegypten nach Palästina gekommen seyn. Unter pita im Sanscrit scheint man gelbe Edelsteine zu verstehen, auf ähnliche Art, als unsere Juweliere unter Topas. pita im Sanscrit wird nicht unsere mineralogische Gattung Topas seyn, sondern vorzugsweise gelber Zirkon, gelber Spinell und gelber Kanelstein (Essonit), die auch in grösseren Stücken vorkommen, einen starken demantartigen Glanz haben.
3. Bareket. Smaragd nach Luther, Braun und Bellermann. σμαραγδος im Griechischen übersetzt, ismaragd im Syrischen, smaragdos im Koptischen, samurod im Arabischen, smorad und barketh im Persischen, barkad im Samaritanischen.
Der Zusammenhang mit bareket, barekat, barkat im Hebräischen, mit maragd, marakta, smaragdos (s. oben Smaragd) wie die Uebereinstimmung der Uebersetzungen, lassen nicht wohl zweifeln, dass hier wirklich unser Smaragd zu verstehen ist, und zwar der ägyptische, der in alter Zeit von hier aus durch den ganzen Orient verführt wurde. In Aegypten bricht der Smaragd in bedeutenden Säulen, die keinen weitern Schnitt bedürfen, leicht zu graviren waren, sich ganz in das Pectorale eigneten.
4. Nophec. Rubin nach Luther, Braun und Bellermann. Diese Deutung scheint mir schon desshalb unwahrscheinlich, weil Rubine nur in kleinen Krystallen oder Körnern vorkommen, etwas grosse Rubine ausserordentlich selten und kostbar sind, aber ein kleiner Rubin, wie man ihn an Fingern oder im Halsbande trägt, sich im Pectorale, zwischen grossen, flach geschnittenen Steinen, nicht besonders ausgenommen haben würde.
Uebersetzt im Griechischen durch ανθραξ, im Syrischen barkan, barkatha; im Koptischen anthrax; im Arabischen cochli; im Persischen caugeschem (Ochsenauge), im Rabbinischen cochalim.
nophec hat mit keinem andern Mineralnamen Aehnlichkeit; eine Verwandtschaft könnte vielleicht mit pecham Statt finden, wie die glühende Kohle im Hebräischen heisst, die im Griechischen anthrax ist.
Der Edelstein ανθραξ im Griechischen wird unser edler Granat gewesen seyn, der wohl das Ansehen von glühenden Kohlen hat, was beym Rubin nicht der Fall ist, der Granat kommt in grossen Krystallen und Geschieben vor, lässt sich leicht bearbeiten, ist nicht selten, und dürfte für das Pectorale passender als der Rubin erscheinen.
5. Sapphir. Nach Luther, Braun und Bellermann unser Sapphir, was aber ein offenbarer, völliger Irrthum seyn wird. Unser Sapphir, der sich schwer bearbeiten lässt, würde schon seiner Kleinheit wegen nicht wohl passend gewesen seyn.
Uebersetzt mit σαπφειρος im Griechischen, saphilo, schabsio, saphirinon im Syrischen, saphiros im Koptischen, maha im Arabischen.
Der sapphirus der Römer, Griechen, Chaldäer u.s.w. war ohne Zweifel unser Lasurstein, dieser passt vortrefflich zu den andern Steinen in das Pectorale, durfte wohl nicht fehlen.
6. Jaholon. Diamant nach Luther und Braun, Onyx nach Bellermann. Braun conjecturirt hier Diamant, vorzüglich aus dem Grunde, weil er meint: Einer der 12 Steine müsste doch ein Diamant gewesen seyn, weil man doch wohl den kostbarsten der Edelsteine mit verwendet haben würde, wogegen aber einzuwenden ist: dass sich ein kleiner Diamant zwischen den grossen bunten Steinen nicht besonders ausgenommen haben würde, daher im Gegentheile ein Diamant wohl nicht zu vemuthen steht.
Uebersetzt mit ονυχιον, σαρδονυξ im Griechischen, onixion im Koptischen, nekehto, sabchalon, cadcodin im Syrischen, baraman im Arabischen, jachlam im Persischen.
Jaholom hat mit keinem bekannten Mineralnamen Verwandtschaft, eine solche dürfte nur vorhanden seyn mit kas (d.i. Stein), dscholon oder tschilon im Kalmückischen (woher unser Name kascholong), wie der ein- und mehrfarbige Sard und Onyx heisst, der nur in der Kalmückei vorkommt; seit den ältesten Zeiten ging er von hier durch den ganzen Orient, wird auch unter diesem Namen nach Aegypten und Palästina gekommen seyn, die Araber bildeten den Namen in dschas, die Perser in dschesi um.
Wie dem auch sey, so werden wir uns an die griechische Uebersetzung halten müssen; ονυχιον und σαρδονυξ war unser Onyx, der gestreifte, mehrfarbige Sard. Odem und jaholom gehörten beyde zum Sard, es kann nicht viel darauf ankommen, welches der einfarbige oder mehrfarbige war.
7. Leschem. Lynkurer nach Luther, Hyacinth nach Braun und Bellermann.
Unser Hyacinth kommt nur in kleinen Krystallen und Körnern vor, wesshalb mir seine Verwendung im Pectorale nicht wahrscheinlich ist.
Uebersetzt im Griechischen mit λιγυριον (bey Versetzungen der Steine mit ὑακινθος), im Koptischen mit ligirion; im Syrischen koncenum; im Chaldäischen kinkire, kancirinon, kankarin; im Arabischen gasala, im Persischen jeschem, d.i. leschem.
Der Name leschem giebt nirgends ein Anhalten; wir können daher nur die Uebersetzung berücksichtigen. Der λιγυριον der Griechen war—wenn man die auf uns gekommenen Nachrichten mineralogisch prüft—unser electrischer Turmalin, meist von rother Farbe, der häufig in Indien, auch in ziemlich grossen Krystallen vorkommt, als Gemme dient, sich leicht bearbeiten lässt, sich hübsch ausnimmt, wohl in das Pectorale passte. Die Conjectur auf unsern Hyacinth scheint mir keinen einigermassen haltbaren Grund zu haben.
8. Sch'bo, schebo, Achat nach Luther, Braun und Bellermann.
Im Griechischen übersetzt mit αχατης, im Koptischen achates; im Syrischen karkedno (chalcedon) und targa (Türkis); im Arabischen sebog, sejag; im Persischen scheber, schebo.
Der hebräische Name giebt für sich gar kein Anhalten, möglich wäre eine Verwandtschaft mit schesch, das gewöhnlich mit Marmor oder Alabaster übersetzt wird, aber grosse Aehnlichkeit hat mit dschez im Türkischen, dschas im Arabischen, dschede im Tartarischen, wie der mehrfarbige Sard oder Sardachat heisst. Der αχατης der Griechen war unser Achat, und für einen Achat wird man daher den schebo wohl anzusprechen haben.
9. Achlama. Amethyst nach Luther, Braun und Bellermann.
In der griechischen Uebersetzung αμεθυστος, in der syrischen en eglo (d.i. Kalbsauge), in der chaldäischen en egla; in der arabischen pirusag (d.i. Türkis); in der persischen cangesehem (d.i. Stierauge und achlama); in der koptischen amethistus.
Vom hebräischen Namen findet sich bey keinem andern Steine und in keiner andern Sprache irgend ein Anklang, es bleibt daher nichts übrig, als die griechische Uebersetzung anzunehmen, und zwar um so mehr, da der αμεθυστος, d.i. unser Amethyst ganz gut hierher passt, und man denselben hier zu vermuthen hat.
10. Tharsisch. Türkis nach Luther, Chrysolith nach Braun und Bellermann, Bernstein nach Bredow (historische Untersuchungen II.).
Uebersetzt im Griechischen theils mit χρυσολιθος, theils ist θαρσεις beybehalten; im Koptischen chrysolidos; im Syrischen thorschisch, crum jammo, crum jamma raba (d.i. das köstlichste des grossen Meeres); im Chaldäischen perusag (Türkis) und krumtassim; im Arabischen asrak (d.i. blau), im Persischen marvarid (d.i. Perle).
Der hebräische Name hat in keiner andern Sprache ein Analogen, ist uns ganz unverständlich, wir haben daher die griechische Uebersetzung vorzüglich zu berücksichtigen; aber auch den Uebersetzern mag der Name schon unverständlich gewesen seyn, da mehrere derselben den Namen θαρσεις beybehalten.
Der χρυσολιθος ist auch ein ganz zweifelhafter Stein; aber der Name zeigt auf die gelbe Farbe, und es scheint, dass man verschiedene politurfähige Steine darunter begriffen hat, desshalb hat es einige Wahrscheinlichkeit, dass der tharsisch ein gelber Stein gewesen seyn mag.
Der Türkis hätte in das Pectorale gepasst, wenn wohl etwas grosse Stücke auch sehr selten sind; aber ihn für den tarsisch anzusprechen, scheint mir kein rechter Grund vorhanden zu seyn; der Chrysolith passt wohl wegen seiner Kleinheit nicht recht in das Pectorale, während der Bernstein hierzu ganz passend war; soll ich eine Conjectur aussprechen, so möchte ich den tarsisch mit Bredow für Bernstein halten.
11. Schoham. Onyx nach Luther und Braun, Beryll nach Bellermann. Im Griechischen übersetzt durch βηριλλιον; an andern Stellen, wo der Name vorkommt, und von andern Uebersetzern durch σαρδονυχον, ονυχον, σοομ (d.i. schoham); im Syrischen mit berulo, burlo, burlat chalo, im Arabischen und Persischen durch ballur, im Samaritanischen durch hhabar, hhacam.
Der hebräische Name hat nur etwa Aehnlichkeit mit schnm, den Champollion in der ägyptischen Hieroglyphen-Sprache liest und mit jaspe rouge übersetzt, der zum Sarder gehören wird. Hätte dies seinen Grund, so spräche es für die Uebersetzung von sardonyx, und, da der Sard roth, weiss, braun, schwarz und mehrfarbig ist, so könnte er auf dem Pectorale vielfach angewendet seyn. Braun leitet schoham her von schacham im Chaldäischen, d.i. schwarz (sachma im Arabischen), und es giebt auch schwarzen Sard.
Für die Uebersetzung mit βηριλλιον, d.i. unser siberischer Beryll, spricht zwar keine Analogie, aber sie ist vorhanden, und wir können sie nur aus wichtigen Gründen verwerfen. Der siberische Beryll war dem Alterthume auf jeden Fall gut bekannt, ist ein beliebter Schmuckstein, findet sich in grossen Krystallen, die auf das Pectorale wohl gepasst haben, und wir werden daher wohl zur Zeit den schoham als Beryll anzusprechen haben.
12. Jaschpeh. Jaspis nach Luther, Braun und Bellermann. Im Griechischen übersetzt mit ιασπις, im Syrischen mit jaschpeh, ziaspum, panture, apanturin (woher wohl unser avanturin); im Arabischen jaschaph, jazba, im Persischen jaschpeh.
Der Name lässt nicht zweifeln, dass hierunter unser Plasma oder edler orientalischer Jaspis verstanden wurde.
Uebersicht.
3. Bareket.Smaragd nach Luther, Braun, Bellermann, Keferstein. 2. Pitdah.Topas nach Luther, Braun, Bellermann,Gelber Zirkon oder ein ähnlicher Edelstein nach Keferstein. 1. Oden.Sarder nach Luther und Braun,Carneol nach Bellermann,Sard, d.i. edler Carneol nach Keferstein.
6. Jaholom.Diamant nach Luther und Braun,Onyx nach Bellermann und Keferstein. 5. Sapphir.Sapphir nach Luther, Braun, Bellermann,Lasurstein nach Keferstein. 4. Nophec.Rubin nach Luther, Braun, Bellermann,Granat nach Keferstein.
9. Achlama.Amethyst nach Luther, Braun, Bellermann, Keferstein. 8. Schebo.Achat nach Luther, Braun, Bellermann, Keferstein. 7. Leschem.Lyncurer nach Luther,Hyacinth nach Braun und Bellermann,Turmalin nach Keferstein.
12. Jaschpeh.Jaspis nach Luther, Braun, Bellermann,Plasma (edler Jaspis) nach Keferstein. 11. Schohan.Onyx nach Luther und BraunBeryll nach Bellermann und Keferstein. 10. Tharsisch.Türkis nach Luther,Chrysolith nach Braun und Bellermann,Bernstein nach Bredow und Keferstein.