← Table of contents
Meine Tante Anna

Front matter (continued 4)

Reading edition

So dachte ich, als eines Tages an die Türe gepocht wurde, und der Professor über die Schwelle unsres Wohnzimmers trat. Er blieb zu meinem Erstaunen mitten im Zimmer stehen und erging sich in einer Rede in lateinischer Sprache, die ich nicht verstand. Alsdann schloß er: »Sagt Cicero – was ungefähr soviel heißt als: Was lange währt, wird endlich gut. Nota bene, ich bin an die Knabenschule in Konstanz berufen. Gott sei Dank, das Mädle-Unterrichten hört auf. Das zimperliche Geschlecht ist mir fatal. Trotzdem ist es meine Absicht, als Ehemann meine neue Stellung anzutreten. Merkt der geneigte Leser was?«

Er legte den Finger an die Nase und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.

»Ich habe mir nämlich ein Weib erkoren«, sprach er feierlich.

Ich gratulierte ihm herzlich.

»Ja, wissen Sie«, fiel er mir in die Rede, »wen ich mir erkiese – zum Weib erkiese? Sie – einfach Sie.«

»O Gott«, entfuhr es mir.

»Sie sind überrascht, ich merk's, sehr überrascht, aber hoffentlich angenehm überrascht, denn wenn der Mann ein Weib erkiest, so ist das eine Ehre für sie. – Nun, so reden Sie – Heiratsanträge sind nicht mein Gusto.«

»Herr Professor,« stotterte ich, »seien Sie mir nicht böse, aber – ich heirate nicht.«

»Waas«? schrie er. »Wenn Sie aber doch einer will.«

»Auch dann nicht. Ich fühle mich glücklich in meinem Beruf.«

»So – hm –.« Er besann sich einen Augenblick, und ich wurde mit Vergnügen gewahr, daß ihm die Sache durchaus nicht tiefer ging.

»Dann nehme ich die Schwester«, sagte er; »holen Sie Ihre Schwester.«

»Warum meine Schwester?« fragte ich, mit aller Mühe meine Lachlust unterdrückend, »Fräulein Plump ist doch viel jünger.«

»Ja, aber so zutunlich; ich mag zutunliche Frauenzimmer nicht leiden.«

»Sie will Ihnen eben zeigen, daß sie Ihnen gut ist.«

»So – hm – vielleicht verstehen Sie das besser,« meinte er nach einer Pause, »das weibliche Geschlecht ist mir eine Terra incognita. Aber es macht sich besser, wenn ich als Ehemann in Konstanz auftrete; man hat mir das geraten; auch habe ich das Wirtshausessen satt. Glauben Sie, daß die betreffende Person etwas vom Kochen versteht?«

»Wenigstens erzählt sie mir oft, was für gute Speisen sie sich köchelt, und ihr Aussehen straft ihre Worte nicht Lügen.«

»Ja«, nickte er, »sie ist ein korpulentes Frauenzimmer« …

Kurz und gut, er besann sich ein paar Tage, und jetzt sind sie verlobt. Fräulein Plump ist glückselig, und wir sind noch nie so gut gestanden wie jetzt, indem wir ihr alle möglichen Ratschläge für die künftige Einrichtung geben, und täglich kommt sie und schreibt Theresens Kochrezepte ab. Fast dauert sie mich ein wenig, denn der Professor behandelt sie nicht anders, als er bisher seine Dienstmagd behandelt hat. Aber sie ist fügsam wie ein Hündlein.

»Die Rastatter sind jetzt ganz anders geger mich, seit sie wisse, daß ich Frau Professor werd'«, erzählte sie.

Dortel brachte dieser Tage mit verweinten Augen die Suppe auf den Tisch. Als ich sie fragte: »Wo fehlt's, Dortel?« bekam ich die Antwort: »I bin so neidig auf d' Plumpe – der Professor hätt' doch auch eins von meine Fräule nemme könne.« –

Wir mußten herzlich lachen und suchten sie zu trösten. Sie bleibt aber dabei, daß er eins von »uns hätt' nemme könne.« –

Du fragst, ob sie mich in J…heim ganz vergessen hätten. Bewahre, immer von Zeit zu Zeit kommen Nachrichten von der Baronin. Eine besonders erfreuliche kam mir von Hannerl, die mir eine sechs Seiten lange Dankepistel schrieb, indem sie behauptet, nur mir und meiner Lehrmethode habe sie es zu verdanken, daß man sie im Institut als Lehrerin zurückbehalten und sie nun ihr Auskommen habe und den Eltern eine Stütze sein könne. Auch ihr Vater, der Lehrer, schrieb mir: »Wie sollen wir Gott genugsam danken und nächstdem Ihnen, der vortrefflichen, Geist und Gemüt gleichwertig ausbildenden Lehrerin unseres Kindes, daß selbiges noch in jungen Jahren so großer Ehren teilhaftig geworden, nebst des Verdienstes, sich hoher Bildung zu erfreuen. Oh, ich kann es oft nicht fassen, so ist meine Wonne groß, da Bildung die Sehnsucht meines Lebens ist gewesen von klein auf, indes die Mittel fehlten.«

Daß es solche Menschen gibt, Caton, das ist nach meiner Ansicht der größte Segen Gottes, denn wie soll die Welt existieren ohne sie – was würde aus den Großen, den Reichen, den geistigen Arbeitern, ohne diesen mächtigen Wall – den Braven in der Welt! – Dem guten Acker sind sie vergleichbar, auf dem uns das köstliche Lebensbrot wächst.

Rastatt, 10. September 1843.

Endlich kann ich Deinen Wunsch erfüllen und Dir einen Modebrief schreiben. Groß waren die Vorbereitungen für den Tag in Baden, der mir ja auch ein Wiedersehen mit Monz und zugleich die Bekanntschaft mit seiner Frau bringen sollte. Da wir nicht als völlige Landpomeränzle in dem eleganten Baden erscheinen wollten, entschlossen wir uns, etwas tiefer in meinen nicht mehr so leeren Beutel zu greifen, und schafften uns neue Kleider an. Zum erstenmal seit dem Tod der Eltern wieder farbige, und zwar wählten wir dunkelblauen Barege, der leicht ist und darum angenehm, weil die Röcke jetzt von größerem Umfang sind. Die Gigot-Ärmel sind zu Grabe getragen. Man hat aber doch noch die Wahl zwischen dem ganz enganliegenden und dem etwas gepufften Ärmel, welch letzteren ich mir erwählte, ebenso die etwas losere, mit einem Gürtel zusammengefaßte Taille. Therese hat sich für Schnepptaille und enge Ärmel entschieden. Eine große Rolle spielt die Mantille. Aus Mutters achteckigem schwarzen Kaschmirschal ließen sich prächtig zwei Mantillen herstellen, eine für Dich und eine für Therese. Für die Deine muß aber noch eine Ausgarnierung erfunden werden. Meine Mantille wurde aus meinem ehemaligen blauen Seidenkleid, das ich aus Nancy mitgebracht, verfertigt. Therese hat sich nicht wenig den Kopf zerbrochen, bis sie die Form herausbekam. Aber es gelang. Die Mantille ist wohl etwas schmal, aber mit langen Enden. Rüschen vom selben Stoff sind der Aufputz.

Uns wunder wie fein wähnend, fuhren wir am letzten Sonntag mit der Frühpost nach Baden. Ach, wie verblaßte die Pracht unserer Gewänder gegen die, welche wir auf der Promenade vorfanden! Schleunigst ließen wir das letzte Fünkchen Eitelkeit von dannen fahren und sperrten Mund und Augen auf beim Anblick all der herrlichen Erscheinungen, die vor uns auf und ab promenierten. Denke Dir ein schwarzes Atlaskleid, unten mit einem wohl eine halbe Elle breiten Besatz von Zobelpelz. Um die Mantille einen ebensolchen, nur etwas schmaler. Reifartig, in schweren Falten steht der Rock von der Person ab; die Wespentaille hat einen viereckigen Ausschnitt, und aus dem hoch mit Federn garnierten Hut wallen langgeschweifte Seitenlocken fast bis auf die Mitte der Taille. Weite, bauschige Röcke, wo man hinsieht, die Hüte nicht mehr das halbe Gesicht zudeckend, sondern der Rand weit offen bis in die Mitte des Kopfes, so die Frisur und den Kopfputz freilassend, der oft aus ganzen Rosengärten besteht. Sehr viel sieht man die sogenannte Ferroniere, ein dünnes Goldkettchen, welches ein kleines Juwel, eine Perle oder dergleichen in der Mitte der Stirne festhält. Ach, Caton, es ist mir nicht möglich, aus dem Chaos von übertriebenen Toiletten noch mehr zu beschreiben. Ich wurde bald des Schauens müde und kann Dir nur sagen, für unsereins ist hier nichts zu suchen, also hat es gar keinen Wert, sich weiter in die mysteriöse Welt der Mode zu versenken. Ich plauderte mit meinem lieben Lenchen, freute mich der trauten Freiburger Sprache, und wir schwelgten in der Vergangenheit bei den lustigen Walzerweisen der Kurkapelle. Wir sind auch durch die Spielsäle gegangen, ach, und mir wurde wund ums Herz beim Anblick dieser eleganten Herren und Damen, so jung noch und oft so alt, die für nichts Sinn hatten, als den Haufen Goldes, das der Croupier einstrich oder einem Gewinner hinzählte. Welch eine Welt! Sie widerte mich bis ins Innerste an, ein seltsames Heimweh ergriff mich nach dem Guten, dem Schlichten und wahrhaft Schönen in der Welt. Ich drängte Therese und Lenchen zu den Spielsälen hinaus und ruhte nicht, bis wir fort vom Konversationshaus auf einem herrlichen Bergwald ankamen, von dem aus man das einzig schöne Tal inmitten seiner Berge liegen sieht. Nie habe ich die Natur so geliebt als jetzt, nachdem ich einen Blick getan in diese trostlose, oberflächliche Welt von Modepuppen und Hasardspielern.

Jetzt führe ich Dich in den Gasthof der drei Könige, wo wir zu einem frühen Nachtmahl geladen sind von Geheimrat Monz und Gemahlin.

Das Rendezvous war längst zwischen uns ausgemacht, aber sie hatten unterwegs ein Malheur mit der Post und kamen darum erst heute statt gestern an.

Monz war immer ein wenig feierlich, jetzt ist er der Geheimrat in seiner unantastbaren Würde. Seine Haare sind etwas grau geworden, aber seine Augen blicken mit der alten Schärfe durch die Brillengläser, und auch sein Lächeln, das nie zum herzlichen Lachen wird, ist sich gleichgeblieben.

Seine Frau, die mit residenzlicher Würde ihren prachtvollen Federnhut trägt, im ganzen aber einen behaglichen, gutlaunigen Eindruck macht, begrüßte mich mit den Worten: »Also so sehen Sie aus – wirklich ganz anders, als ich gedacht hätte – Sie glauben nämlich nicht, wie neugierig ich war, die Frau kennenzulernen, die sozusagen meinem Mann den Weg zu seinem ferneren Wirken wies.«

Ein wenig erstaunt, wandte ich Monz den Blick zu.

»Ja, ja,« nickte er, »Sie waren mir eine liebe, äußerst interessante Schülerin; Ihre unbedingte Anerkennung hat mich allerdings auf die große Empfänglichkeit der weiblichen Psyche aufmerksam gemacht. Sie waren damals in Freiburg eine Ausnahme, jetzt sind meine Unterrichtsstunden in der Mädchenschule ein Ereignis für die Jugend. Als Königlicher Geheimrat bin ich mit der Oberaufsicht der höheren Mädchenschulen betraut. Aber noch bin ich nicht zufrieden, möchte ich mehr erreichen.«

Er sprach und sprach, zuweilen ärgerliche Blicke auf einen vorübereilenden Kellner oder fremde Ankömmlinge werfend, die sich unterstanden, in der Nähe unseres Tisches laut zu sprechen.

Mir war recht wunderlich zumute; ich fragte mich: Hat er denn früher schon dieses Gönnerhafte an sich gehabt, das mir jetzt so unangenehm auffällt?

»Jetzt kommt die eigentliche Sache,« sagte er, »die Sache, um die es sich handelt – nämlich, ich bin mit der Bildung einer neuen höheren Mädchenschule beschäftigt. Eine horrende Arbeit, selbstverständlich. Was aber würden Sie sagen, Fräulein Villinger, wenn ich in dieser Angelegenheit an Sie gedacht hätte?«

»Wieso?« fragte ich. »Ich habe doch meine Töchterschule in Rastatt.«

»Das lassen Sie natürlich sein,« sagte er, »das wollen wir schon machen. Einer kleinen Prüfung müßten Sie sich bei mir freilich noch unterziehen. Dann aber sollen Sie unter meiner Leitung zu einer geradezu exemplarischen Lehrerin heranreifen. Das ist meine Überzeugung. Nun, was sagen wir zu diesem Vorschlag?«

Nur mit Mühe konnte ich annähernd artig antworten: »Ich bin aufrichtig überrascht, Herr Geheimrat, aber meine jetzige Stellung ist mir so lieb, daß ich sie um keinen Preis aufgeben möchte.«

»Ist das Ihr Ernst – Anna Villinger – sind Sie denn nicht mehr die Alte?«

»Nein, ich bin viel älter geworden,« gab ich ihm lachend zur Antwort, »älter und selbständiger, Herr Geheimrat.«

»Selbständiger?« fiel er mir in die Rede. »Eine Frau ist von Natur nie selbständig, dazu ist der Mann da, mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und seiner geistigen Überlegenheit, die sich eine Frau niemals zu erringen vermag. Liebe Freundin, Sie befinden sich meines Erachtens auf einer abschüssigen Bahn, und ich rate Ihnen, die Hand zu ergreifen, die sich Ihnen wohlwollend entgegenstreckt.«

Gottlob, Lenchen kam, um uns zur Post abzuholen.

Als wir den Gasthof verließen, hing sich mir die Geheimrätin an den Arm.

»Das freut mich jetzt so, Fräulein Villinger,« hub sie an, »daß Sie eine eigene Meinung haben und nicht wie ein Taschenmesser vor meinem Mann zusammenklappen. Die Frauenzimmer verderben ihn mir ganz mit ihrer Bewunderung, und wissen Sie, das verträgt keiner auf die Dauer, drum ist ihm die heutige Niederlage recht gesund. Es ist sonst gut mit ihm auskommen, und ich war recht glücklich, wenn die dummen Frauenzimmer ihn in Ruh ließen. Bleiben Sie wirklich bei Ihrer Meinung?« fragte sie.

»Durchaus.«

Sie schüttelte mir die Hand: »Alle Achtung.«

Monz sagte, indem er mir in den Postwagen half: »Sie besinnen sich noch anders, ich weiß, bitte recht baldigen Bescheid.«

Wir fuhren davon.

»Ach Gott, Nannele, ich war in Todesangst«, sagte Therese.

Ich lachte sie aus: »Glaubst du wirklich, ich habe Lust, meine schöne Selbständigkeit an den Nagel zu hängen und wieder Schülerin zu werden?«

Nein, wirklich, Caton, so war er nicht, so war er früher nicht. Es überkam mich eine plötzliche Angst, so daß ich Therese bat, mir doch ja immer zu sagen, wenn ich unrecht habe, damit ich nicht auch solch ein Narr werde.

Sie lachte und versprach's.

Es ist aber gar nicht zum Lachen, denn da der Lehrer seinen Schülern gegenüber notwendigerweise stets recht haben muß, so liegt die Gefahr nicht weit, sich dieses Immer-recht-haben-Wollen als etwas Selbstverständliches anzugewöhnen. Monz soll mir als abschreckendes Beispiel dienen.

Rastatt, den 7. Juni 1844.

Die Kinder singen im Hofe:

»Und ich wett mit dir um ein halb' Maß Bier, Und die Eisenbahn isch noch nit hier, und du hascht kei Geld, und du kriegscht kei Geld, und du darfscht nit mit nach Friedrichsfeld.«

Aus dem Unterland, wo die Eisenbahn jetzt fährt, kommt das Versle angeflogen.

Jetzt geht sie von Karlsruhe nach Offenburg, und schon im nächsten Jahr soll sie bis Freiburg gehen.

Weißt du noch, Caton, wie wir als Kinder von Menschenflügeln träumten? Sollte das jetzt noch schwerfällige Dampfroß der Anfang sein, aus dem in späteren Zeiten sich allmählich ein leicht flatterndes Flügelpaar entpuppt? Einstweilen wollen wir indes mit dem, was uns jetzt beschert ist, zufrieden sein. O Gott, beglückt bis in die letzte Faser unsres Herzens. Welch ein Umschwung für die Menschen, die nach einem Wiedersehen schmachten – o Caton, Luftschlösser steigen aus dem Grunde meiner Seele in bisher ungeahnter Pracht auf. Die Möglichkeit eines Wiedersehens rückt näher und näher. Sechzehn Jahre fast liegen seit unserm letzten Beisammensein im Elternhaus. Die Jugend ging, aber die Liebe blieb.

Siehst Du, was alles aus der sparsamen Führung eines Haushaltes entstehen kann an Freude und Glück, wenn der Sparpfennig langt? Heil unsrer Therese, die es versteht, am rechten Fleck hauszuhalten, ohne Engherzigkeit, aber mit dem Überblick einer erfahrenen Hausfrau. So haben wir die Ellenbogen frei, brauchen nicht ängstlich zu rechnen, sondern dürfen uns mit unaussprechlicher Genugtuung sagen: Auch für die Freude ist etwas übrig. Habe ich einen solchen inneren Jubel jemals mit achtzehn Jahren erlebt wie jetzt in meinen dreißiger Jahren?

Nämlich wir wollen im nächsten Frühjahr – ach, Caton, der heiße Wunsch unsres Herzens –, wir wollen unser Freiburgle wiedersehen – die Ostergesänge im Münster wieder hören, in das freudige, weltbezwingende Halleluja mit den Sängern auf dem Chor einstimmen – die geliebten Gassen durchschreiten – unsre Gäßle, Caton – und am Grabe der Eltern beten. –

Aber bis dort ist es noch lang, und inzwischen haben wir wieder viel erlebt. Freilich behauptet Therese, ich mache aus jedem Stecknadelknöpfle ein Erlebnis, aber diesmal ist es etwas Wichtiges – denn gibt es etwas Wichtigeres, als daß meine Schule nicht länger unter dem Joch unwürdiger Lehrer zu seufzen hat, sondern einem schönen, erfreulichen Aufblühen entgegensieht unter dem Einfluß des ernsten, wohlwollenden Mannes, der mir nun zur Seite steht – eines Mannes, der allein schon durch sein Wesen Respekt einzuflößen vermag.

Auch mit der noch sehr jungen Hilfslehrerin kann ich zufrieden sein, um so mehr, als ich selbst noch bildend und fördernd auf sie einwirken kann, uns also ein freundliches Band verknüpft.

O Caton, und der Professor hat ein überaus herziges, ganz prächtiges Fraule. Sie wohnen in der Herrenstraße, zunächst dem Schloß, und täglich sehe ich sie mit ihren fünf Buben am Lyzeum vorbei in den Schloßgarten ziehen. Von der zierlichsten Gestalt, wie ein junges Mädele, hört man sie lachen und schelten inmitten ihrer die Mutter eng umdrängenden Buben, von denen sie einer schon überragt.

Eines Tages trafen wir uns im Schloßgarten, der Professor war mit dabei und machte mich mit seiner Frau bekannt. Gleich beim ersten Blick nahmen wir uns an und plauderten miteinander, als kennten wir uns schon Jahre. Sie ist eine Schwäbin mit prachtvollen braunen Augen, die so viel Herzensgüte und Heiterkeit ausstrahlen, daß man schon froh wird bloß durch ihren Blick. Kurzum ein Mensch – und ein lieber, lieber –

O Caton, Du weißt nicht, aber jetzt kann ich Dir's gestehen, so manchesmal, wenn ich vom Schloß in die Gassen hinunterschritt, die breit sind und still wie ausgestorben, suchte mein Blick wohl in jedes dieser niedrigen Häuslein einzudringen mit der sehnsüchtigen Frage: Braucht denn hier niemand Wohlwollen, niemand Liebe und Mitempfinden in Freud und Leid? – O ihr geschlossenen Häuser und Seelen, klagte es in mir, euer Kinder Wohl vertraut ihr mir an, aber um mein Wohl kümmert sich auch nicht eine Seele.

Und jetzt, siehst Du, Caton, jetzt hat das Fraule allem ein Ende gemacht. Es kommt die Treppe herauf, wie 's jüngste Mädele und will alles wissen und will immer helfen und tut, als ob's gar nicht mehr sein könnt, ohne täglich im Sibyllenbau einzukehren, sein Herz auszuschütten und mich zu dem Aussprechen meiner Gedanken zu bewegen. – Mein Ölbild von Baron Ö., das über der Komode hängt, sah sie lange an. »Dieser Mann hat Sie geliebt,« sagte sie. Ich fuhr ganz erschrocken auf: »Wie kommen Sie auf diesen Gedanken?« Sie lächelte: »Das ist nicht schwer. Aber wie schön, daß er's nicht merken ließ, und Sie's nicht merkten.«

Gottlob, Gottlob – ach wie versinkt das alles im Zusammensein mit den prächtigen Buben und ihrem flinken Mütterle, an dem sie mit rührender Liebe hängen.

Vor dem Vater haben sie einen gewaltigen Respekt, vielleicht gerade, weil er sich nicht viel mit ihnen abgibt, sondern die Erziehung der Söhne der Frau überläßt. Er muß Ruhe haben, denn neben seinen vielen Schulstunden arbeitet er an einem naturwissenschaftlichen Werk für die Jugend, und manchmal teilt er mir ein wenig aus seinen Arbeiten mit – immer ein Fest für mich.

So leb ich ferner nicht mehr einsam in meinem verwunschenen Schloß, dessen Geistern nachspürend, die einst in Fleisch und Blut seine Räume durchwandelt. Ade sage ich ihnen, macht dem warmen Leben Platz, den kräftigen Fußtritten junger Gesellen und dem herzlichen Lachen des liebenswürdigsten Mundes.

Rastatt, den 21. April 1845.

Es hat Dich wundergenommen, liebe Caton, daß ich Dir von Freiburg keinen Brief schrieb. Du dachtest, von da müsse einer kommen, wie noch nie einer da war. Ich habe es eigentlich auch gedacht, aber es kam anders.

Das Gefühl der Sehnsucht, das Gefühl der unbeschreiblichen Ungeduld, die Heimat wiederzusehen, wurde durch die Erfüllung nicht gesteigert. So schnell, ja, bänglich schnell uns der Zug dahintrug, es ging uns noch immer nicht schnell genug. Aber die Ängstlichkeit der Mitreisenden steckte uns doch auch ein wenig an. Sie fuhren alle, wie wir, zum ersten Male mit der Eisenbahn, und so oft der Zug mit einem plötzlichen Ruck an einer Station hielt, schrien sie laut auf und stießen mit den Köpfen gegeneinander. Zwei alte Damen waren von einem Eisenbahnunglück so überzeugt, daß sie während der ganzen Fahrt mit hochgezogenen Knien auf ihrem Sitz saßen und uns aufforderten, das gleiche zu tun, man habe ihnen gesagt, daß, wenn es ein Unglück gäbe, man wenigstens auf diese Weise seine Beine rette.

Du kannst Dir denken, wie uns war, als wir von Hermann, den wir zum ersten Male in Uniform sahen, von Baurittels und Fromherzens am Bahnhof begrüßt wurden – ach und die alte Heimatluft wieder atmeten. Wir weinten schrecklich – das war unsere erste Leistung. Der junge Mann mit den zweisternigen Epauletten, den rabenschwarzen Haaren und dem rabenschwarzen Bärtchen, dessen Augen so braunlachend in die Welt schauen, und dessen Wangen dasselbe leuchtende Rot zeigen wie das der Schwester Caton – solltest Du glauben, es brauchte eine ganze Weile, bis ich mit unserm Hermännle wieder ins alte Geleise kam?

Vieles war ja, wie wir's uns ausgemalt, Therese und ich. Sie wohnte bei Baurittels, ich bei Fromherzens, aufgehoben wie in Abrahams Schoß. Und als wir drei Geschwister am Grabe der Eltern standen – laß mich über diese Stunde schweigen. –

Ohne die Meinen suchte ich später zwei wohlbekannte Kreuze auf und wunderte mich, wie verwittert und verblaßt mich die Namen der einst so innig geliebten Freundinnen: Maria von Verleb und Amalie Kozlowska – anblickten.

Stille Wehmut ergriff mich, aber der Schmerz, der damals mein Jungmädchenherz so gewaltsam an dieser Stelle erschütterte – damit war's vorbei.

Auch vor Rottecks Grab stand ich, der Zeit seines Wirkens gedenkend, die ich erleben durfte, und die vielleicht das Beste in meinem Inneren wachgerufen. Ach, daß ich diesen feinsinnigen, edlen Volksfreund nicht mehr am Leben fand, um ihm zu sagen, wieviel Gutes er mir und so vielen andern getan – Schmach meiner Heimat, wenn sie ihm kein Andenken bewahrt. –

Auch polnische Namen fand ich da und dort auf einem Grabstein. Wie diese Zeit wieder vor mir auftauchte – Grotecki – Du weißt, wie's einmal um mich stand, Caton! – Da liest man zuweilen, wie alte Frauen in Tränen zerfließen, wenn sie dem Mann ihrer ersten Liebe wieder begegnen. So etwas kommt gewiß nur in Romanen vor. Wenn Grotecki plötzlich vor mir auftauchte, was wär dann? Ich weiß nichts mehr von jener Leidenschaft, die mich einst durchschauert, ich begreife sie nicht mehr. – Gott, dieses Erkalten, wie entsetzlich für jene, die ihrer Leidenschaft zum Opfer geworden! – Arme Prinzessin von Ahlden, winkst du mir auch wieder aus deinem alten Schloß im Norden, wo dir soviel Zeit gegeben war, deiner unseligen Liebe zu gedenken? Hast du sie gesegnet, oder begreifst du sie auch nicht mehr – arme Prinzessin von Ahlden. –

Ach, die vielen bekannten Namen auf dem Friedhof, wie fehlten sie mir in den Gassen. Fremde Gesichter auf allen unsern Wegen. Therese sagte: »Man fühlt sich ja gar nimmer daheim.«

Wir wohnten ja nicht beisammen, und doch trafen wir immer wieder zu jeder Tagesstunde in Oberlinden zusammen, vor unsrer einstigen Wohnung. Dann berieten wir, wollen wir in den Flur treten, wollen wir die liebe, liebe Treppe hinaufgehen und an irgendeine Tür klopfen, mit der Bitte, eintreten zu dürfen, nur um einmal wieder einen Blick in unsre ehemaligen Stuben zu tun? – Aber dann hatten wir wieder Angst, es könne drinnen alles so ganz anders sein als früher, und das würde uns doch mehr kränken und enttäuschen – so daß wir schleunigst den Flur verließen und wieder auf die Gasse traten und davongingen mit einem letzten schüchternen Blick zum Altan hinauf. Und Therese sagte: »Erwartest du nicht auch immer, es müsse etwas kommen?«

»Ja, Therese – ach ja.«

»Und dann kommt man wieder und wieder, und es ist immer dasselbe.«

»Immer dasselbe – was soll denn auch kommen, Therese?«

»Richtig, da seid ihr wieder.« –

Hermanns Stimme war's, des Bruders liebe, lebensfrohe Erscheinung, und es war so, als führe er uns aus den düstern Schatten der Vergangenheit in die frische, lebendige Gegenwart hinein.

Noch eins. Bei meiner Rückkehr von Freiburg fand ich ein Geschenk des Barons vor, ein ganz köstliches Aquarell: Clothilde als schönes, schlankes Mädchen an der Seite eines hochgewachsenen, bildhübschen Offiziers. Darunter steht: »Elferl und Hampelmann im siebenten Himmel.«

Über den beiden aber schwebt ein Engelchen, das des kleinen Rudis Züge trägt.

Es hat mich tief ergriffen.

Rastatt, 1. Mai 1845.

Liebste Caton!

Petersens Vorschlag soll uns recht sein, da er es für durchaus nötig findet, daß Du in aller Ruhe die Ferien ohne Deine Söhne mit uns genießest. Du weißt ja, wie sehr sich die Schwestern Deines Mannes freuen, ihren geliebten Neffen für eine Weile die Mutter ersetzen zu dürfen, also kannst Du Deine Reise, wenn auch mit dem unausbleiblichen Trennungsschmerz, aber doch sorgenlos antreten. Gesegnet sei die Eisenbahn, die Dich schon in wenigen Tagen ans Ziel bringt, das mit der Post kaum in zehn Tagen zu erreichen war.

Mach' Dir's um Gottes willen nur recht klar, daß die Eisenbahn nicht so gefällig ist wie die Post und auf ihre Reisenden wartet. Nun, Petersen wird Dir wohl alles genugsam einprägen. Ach, ich bin ihm so dankbar, es gibt keine Worte, die ihm meinen so heißen Herzensdank genugsam auszudrücken vermöchten. Nicht leicht wird es ihm werden, auf Wochen das geliebte Weibele entbehren zu müssen, damit endlich, endlich die so lang getrennten Schwestern sich wiedersehen. Und nicht genug des Glücks – der teure Schwager holt Dich in den Herbstferien ab und kommt nicht allein, kommt mit unsern heißgeliebten Neffen.

Die beiden, bisher hinter Schloß und Riegel liegenden Wohnräume sind weit geöffnet, und die Sonne durchwärmt die nicht länger kahl und leer stehenden Zimmer, die wir, einem seligen Vogelpärle gleich, zum behaglichsten Nestle einrichten, und es ist wundernett, wie oft Therese und ich unter der Türe zusammenstoßen mit irgendeinem Gegenstand, weil wir immer wieder etwas finden, das unserm Schwesterle zur Fremde dienen soll. Und dann lachen wir. Und weißt Du, wer mitlacht und alles Fehlende an Möbeln und Teppichen und Sonstigem herbeischleppt, daß wir uns nur wehren müssen, aber ohne Erfolg? – 's Fraule, Caton, das liebe, herzige Fraule! – Und wie gut kommt uns ihre Hilfe, denn wir müssen gleich beide Zimmer einrichten, da auch Hermann nicht erwarten kann, die langentbehrte Schwester zu begrüßen.

»Sag, Tante Anna, spreche am End' deine Neffe Hochdeutsch?« fragte gestern der Älteste vom Fraule. Und als ich nickte: »Das werden sie wohl« – erklärte er: »Dann prügeln wir sie so lang, bis sie's nimmer tun.«

Ich stifte jetzt schon Frieden.

O Caton, mit der Briefschreiberei hat's nun ein Ende.

Du große Güte Gottes – ein Wiedersehen, ein Beieinandersitzen und wieder ganz jung werden. Mutter würde sagen: »Du Närrle.« – Und so ist mir auch, ich muß, bevor ich in die Klasse trete, meinem Gesicht erst den nötigen Ernst geben; ich muß mich selber ganz fest in die Hand nehmen und die Grammatik dazu, denn ich möchte am liebsten den Kindern sagen: »Denkt euch, Caton kommt – und Caton ist wie die Sonne, die alles lebendig macht – und – und – und – kurzum.«

Therese läßt Dir sagen, Du sollst Dir wegen der Sommertoiletten keine grauen Haare wachsen lassen. Wir haben nämlich durch Lenchen – Du, wie sich Lenchen freut – also durch sie Gelegenheit, aus einem bescheidenen Geschäft in Baden die schönsten Stoffe zu bekommen, zum billigsten Preis. So wartet Deiner ein gelblich-brauner Barege; der Rock ist schon fertig, sehr weit, die Erde berührend; aber ob Du noch eine Wespentaille hast, das ist ein wenig die Frage, und darum kann die Taille erst bei Deinem Hiersein fertiggemacht werden. Die Mantille aus Mutters achteckigem Schal liegt, wie Du weißt, schon bereit. Du wirst staunen über Theresens Meisterwerk. –

Wir werden überhaupt staunen, uns ältlich wiederzufinden, nachdem wir uns zuletzt jung und blühend in die Augen geschaut. Aber haben wir nicht auch gewonnen an Lebenseinsicht und Herzensreife, und werden es nicht einzig schöne Tage und Abende sein, an denen wir einander von neuem kennenlernen?

O Caton, und wenn wir Arm in Arm durchs Schloß schreiten – denn ich hab' es ganz in Besitz genommen, kenne Weg und Steg, verkehre im Geiste mit seinen Fürsten und Fürstinnen; und was einst ihnen gehörte, gehört jetzt mir, dem Habenichtsle, aus keinem andern Grund, als weil ich lebe und mich von ganzer Seele an dieser Herrlichkeit erfreue.

Dem Besitzlosen gehört die Welt nicht weniger als dem andern – denn was das Auge umfassen und das Herz zu lieben vermag, gehört ihm an.

O Caton, mir ist, als müsse ich an die Brust schlagen mit der zagenden Frage: Gott, Gott, ist es nicht zuviel der Wonne auf meinen Teil, daß ich sagen darf:

Auf Wiedersehen Du meine Herzensschwester.

Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin

Die neuesten Romane

Die Opferschale

Roman von Ida Boy-Ed

Die Dichterin hat sich in ihrem neuesten Werke von den gewaltigen Erscheinungen und Begebnissen unseres Weltkrieges anregen lassen. Alles, was in diesem großzügigen Buche geschieht, was das Schicksal der Menschen lenkt und entscheidet, entwickelt sich aus dem furchtbaren Völkerringen. Und doch ist es kein Kriegsroman im allgemeinen Sinne, sondern ein echter Zeitroman mit tiefbewegenden Herzensgeschichten edler und tapferer Frauen, der eindringlich empfinden läßt was die Dichterin dem Buch als Leitmotiv mitgeben wollte: Unsere gewaltige Zeit trägt die Frau über ganze Strecken ihrer Entwicklung und Kämpfe hinweg, fort von irreführenden Wegen, vorbei an falschen Zielen, um sie wieder auf den Thron der reinen Weiblichkeit zu erheben.

In künstlerischem Geschenk-Einband 5 Mark. Elegant broschiert 4 Mark.

Die das Leben zwingen

Zwei Erzählungen von Sophie Kloerss

Die Verfasserin schildert in der inhaltschweren ersten Geschichte aus schwerer Zeit »Niemand hat größere Liebe« die Not Ostpreußens vor einem Jahrhundert. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Pfarrer eines kleinen Dorfes am Kurischen Haff, ein Held, der in Wort und Schrift das Volk zum Kampfe gegen den Korsen aufrüttelt. Ihm zur Seite eine echte deutsche Frau mit unerschütterlichem Glauben an des Vaterlandes kommende Größe. Ein Hauch der Wehmut zieht durch den Schluß. – Der sich anschließende gediegene Roman »Der Hoferbe« spielt an der mecklenburgischen Wasserkante. Er behandelt den Zwiespalt in einer Bauernfamilie, der aus dem starren Willen der Eltern entsteht, das Schicksal ihrer Kinder gewaltsam gestalten zu wollen.

In künstlerischem Geschenk-Einband 4 Mark. Elegant broschiert 3 Mark.

Das Barbiermädel

Soldaten-Roman aus Österreich von Johannes Thummerer

In dem Welttrauerspiel ein Rest von Übermut sich zu bewahren, ist eine köstliche Kunst. Und diesen Übermut so zu äußern, daß er nicht kränkt, sondern erfreut, das ist dem Verfasser trefflich gelungen. In seinem Roman tummelt sich eine Fülle lebensvoller Hechtgrauer, Deutsche und Slawen, alle mit einem Stich ins Humorvolle, aber im Kern tüchtige Kerle. Und dazwischen als wahrhafte Heldin da tapfere Lieserl, das den vermeintlichen Zusammenbruch seiner Liebesseligkeit in nimmermüde Vaterlandsliebe ummünzt, sich als Krankenpflegerin ihren Schatz wiedererobert. Ein Buch voll Wärme und Licht.

Elegant broschiert 1 Mark.

Romane

König und Kärrner.

Roman von Rudolph Stratz. Ein Preislied auf den sonnigen Humor der fröhlichen Pfalz und die quellende Riesenkraft der deutschen Friedensarbeit. Geheftet 4 Mark. Künstlerisch gebunden 5 Mark.

Der große Rachen.

Roman von Olga Wohlbrück. Ein moderner Berliner Roman, der mit packender Anschaulichkeit, bezwingender Darstellungskraft und fesselndem Humor die Spielwut schildert, die Lust und Leidenschaft zum Totalisator, die Existenzen verschlingt und Familien zugrunde richtet. Geheftet 4 Mark. In künstlerischem Einband 5 Mark.

Die werdende Macht.

Roman von Otto von Gottberg. Die Geschichte der Liebe und jungen Ehe eines Seeoffiziers. Aus der lebendigen Wirklichkeit vor Ausbruch des Krieges. Wir lernen alle Typen unserer Kriegsschiffe kennen, den schweren Dienst an Bord, die Stählung zu den kommenden Heldentaten. Geheftet 3 Mark. In künstlerischem Geschenk-Einband 4 Mark.

Die Wacht im fernen Osten.

Roman von Richard Küas. Ostasiatischer Roman, der in Schanghai und Tsingtau spielt. Im Mittelpunkt das Geschick eines Deutschen, dessen Träume vom Weltbürgertum der Weltkrieg vernichtet. Geheftet 3 Mark. Künstlerisch gebunden 4 Mark.

Unter den Blutbuchen.

Roman von Emmi Lewald. Die Schicksale junger Mädchen in einer Kleinstadt. Voll Humor und Tragik zugleich. Von der bekannten Verfasserin meisterhaft geschildert. Geheftet 3 Mark. Künstlerisch gebunden 4 Mark.

Cornelie Arendt.

Roman aus Alt-Berlin von Felix Philippi. Eine spannende Erzählung vom Menschenglück und Menschenleid aus dem Berlin der sechziger Jahre mit seinem eigenartigen Zauber trauter Heimlichkeit, verschwiegener Reize und verträumter Schönheiten. Geheftet 2 Mark. In künstlerischem Einband 4 Mark.

Hotel Gigantic.

Roman von Felix Philippi. Das buntbewegte internationale Leben und Treiben in einer der größten und prunkvollsten Karavansereien der Schweiz bei Ausbruch des Weltkrieges. Inmitten der Handlung der Kampf einer verführerisch schönen Spionin gegen einen deutschen Diplomaten, der mit wichtigen Dokumenten nach Berlin unterwegs ist. Geheftet 3 Mark. Künstlerisch gebunden 4 Mark.

Der Rosenhof.

Roman von Lisa Wenger. Die Geschichte einer Jugendliebe. Nach Leiden und Freuden, Entfremdung und Trennung endlich die Vereinigung. Geheftet 3 M. Künstlerisch gebund. 4 M.

Kriegs-Abenteuer

Seine Hoheit – der Kohlentrimmer.

Die Kriegsheimfahrt des Herzogs Heinrich Borwin zu Mecklenburg. Von Johann zur Plassow. Der Herzog, der als naturfreudiger Sportsmann alljährlich gerne einige Wochen unter den Cowboys verbringt, wird drüben vom Ausbruch des Krieges überrascht. Die Engländer erschweren die Rückkehr des in Amerika wohlbekannten Fürsten durch Aussetzen eines Fanggeldes von 2000 Pfund. Zahlreiche Spione heften sich dem kostbaren an die Fersen. Aber mit stählernder Willenskraft kämpft sich der Herzog durch alle Schwierigkeiten und Gefahren hindurch, er scheut nicht vor der mühseligsten Arbeit, nicht vor der schmutzigsten Verkleidung zurück und gelangt über New York, Kirkwall und Kristiania glücklich in die bedrohte Heimat. Die Erzählung besticht durch ungekünstelte frische Wiedergabe. Mit zwei Aufnahmen. – Preis 1 Mark. Vorzugs-Ausgabe: geheftet 3 Mark, gebunden 4 Mark.

Kriegsgefangen – über England entflohen!

Von Lt. d. R. Robert Neubau. Der Verfasser, der nun schon seit Monaten als Offizier im Osten kämpft, war in französische Gefangenschaft geraten. Schlicht und vom Geiste reiner Vaterlandsliebe durchdrungen, erzählt er seine Schicksale in Feindesland und die ihm mit geradezu indianerhafter List gelungene Flucht. – Inhalt: Gefangen – Im Gefangenenlager in der Bretagne – Die deutsche Zeitung aus Paris – Arbeit und Unterhaltung – Fluchtgedanken – Der Fluchtplan zunichte – Im Arrest – Das schwere Los des Hafenarbeiters – Neue Fluchtgedanken – Die Flucht – Auf einem englischen Dampfer versteckt – Vierundzwanzig Stunden im Warenstapel auf dem Kai – Englische Wachtposten überlistet – An Bord nach England – Aus dem englischen Hafen nach Schweden – Heimwärts. – Preis 1 Mark.

Fremdenlegionär Kirsch.

Von Kamerun in den deutschen Schützengraben. Von Hans Paasche. Wahrheitsgetreue Erzählung der abenteuerlichen Erlebnisse des tapferen jungen Deutschen. Dem Buche sind authentische Bilder und Dokumente beigegeben. Inhalt: Bei Kriegsausbruch in Kamerun – Meuterei an Bord der »Marina« – In englischer Kriegsgefangenschaft an der Goldküste – Die Flucht durch den afrikanischen Busch – Wie ich den Franzosen in Dahome in die Hände fiel – Als Kohlentrimmer von Dahome nach Senegambien – Als Rekrut der Fremdenlegion nach Marokko – Von Marokko nach Bordeaux – Beim Ersten Fremdenregiment in Bayonne – Fluchtversuch in den Pyrenäen – Vor dem Kriegsgericht – Im Gefängnis – Nach Lyon – Auf dem Schießplatz von La Valbonne – Fluchtversuch nach der Schweiz – In den französischen Schützengräben – Im Hexenkessel auf französischer Seite – Als Ueberläufer in den deutschen Schützengraben. – Geheftet 1 M. Elegant gebunden 2 M.

Deutsche Helden der Luft

Immelmann †. Meine Kampfflüge.

Selbsterlebt und selbsterzählt von Oberleutnant Max Immelmann. – Das mit 25 Originalaufnahmen versehene Buch enthält die Erlebnisse eines unserer ruhmreichsten Kampfflieger, von ihm selbst lebendig und packend in Briefen an seine Mutter geschildert. Immelmann hatte die Herausgabe dieser Briefe noch kurz vor seinem Tode vorbereitet und sie, »um der Jugend Enttäuschungen zu ersparen, die nüchternen Aufzeichnungen eines Fliegers« genannt. Aber sie sind weit mehr: nämlich das unvergängliche Denkmal glänzender Taten, wie sie früher die kühnste Einbildungskraft nicht für möglich gehalten hätte. Preis 1 Mark. Gebunden 2 Mark.

Doppeldecker »C 666«.

Als Flieger im Westen. Von Oberleutnant Heydemarck. Der Verfasser will aus dem unmittelbaren, täglichen Erleben uns in der Heimat und den feldgrauen Kameraden ein Bild von der Tätigkeit der Fliegerei geben. Er greift einen kleinen, aber interessanten Abschnitt heraus: Die Fernaufklärung. – Inhalt: Vorwort – Fernaufklärung – Durch die Wolken – Bomben auf Bahnhof Yvocourt – Minus 30° – Gehetzt – Nachtflug – Bange Minuten – Und doch! – Motorpanne – In den Nebel hinein – Der letzte Flug von »C 666«. – Geheftet 1 Mark. Elegant gebunden 2 Mark.

»Z 181«. Im Zeppelin gegen Bukarest.

Von dem Ersten Offizier eines »Z«-Luftschiffes. Einer unserer jungen Zeppelin-Offiziere hat als erster die Erlaubnis erhalten, seine Erlebnisse bei einem erfolgreichen Luftangriff gegen Bukarest zu erzählen. Natürlich gibt er keine Phantasieschilderungen, sondern Tatsachen; er schreibt als Fachmann, aber mit der Lebendigkeit und Anschaulichkeit eines Schriftstellers. Und der Leser erlebt mit tiefer Anteilnahme die höchst dramatischen Augenblicke eines Luftangriffes. – Geheftet 1 Mark. Gebunden 2 Mark.

Kriegs-Album der »Woche«

Enthält aus der Fülle der photographischen Berichterstattung mehrere hundert Bilder der heldenhaften Kämpfe unserer verbündeten Armeen und die amtlichen Meldungen der Heeresleitungen.

Erster Band (22. Sonderheft der »Woche«): umfaßt die Zeit vom Beginn des Krieges bis Ende November 1914. In künstlerischem Einband 3 Mark.

Zweiter Band (23 Sonderheft der »Woche«): umfaßt die Zeit von Anfang Dezember 1914 bis Ende April 1915. In künstlerischem Einband 3 Mark.

Dritter Band (24. Sonderheft der »Woche«): umfaßt die Zeit von Anfang Mai bis Ende Oktober 1915. In künstlerischem Einband 3 Mark.

Vierter Band (25. Sonderheft der »Woche«): umfaßt die Zeit von Anfang November 1915 bis Ende April 1916. In künstlerischem Einband 3 Mark.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings