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Märchen und Sagen

Front matter (continued 4)

Reading edition

Hans Scharpsteker was negentein Jåhr old un würklich een hübscher junger Snidergesell mit roden Backen un hellen smachtigen Oogen. Up allen Börgerhochtiden hedd he den Vördanz, speelde ook een beten up der Cither, un sung de schönsten Arien; so datt de jungen Fruen un Jumfern en man den schönen jungen Snider nömden, olde ernsthafte Lüd äwerst koppschüddelten un seden: he is een Geck as sin Vader, een upgeblasener Narr.

Nu begaff sick etwas, dat den jungen Snider in de Welt dref; un he schull nu vörsöken un pröwen, wat de Siegerhuw em bedüd't hedd. In Soltwedel was een grot Vagelscheten, un de olde Klas Scharpsteker schot dat beste Stück van dem Vagel herunner un wurd Schützenköning. In der Stadt lewde een older vörsapener Poet un gewesener Scholmeister, de alle wichtigen Begebenheiten der Stadt un Doodsfälle un Hochtiden in groten Familien to besingen plag, de dichtete nu ook up den Köning Klas een langes Gedicht, dat fung mit dissem Versch an:

O Klas! du kühner Klas! de Natelspitz un Degen Un Fürruhr Flint un Büss geschickt weet to bewegen, Wat büst du för een Held! wo spelst du mit Geschütz! Gewiß, du Snider stohlst vam Himmel mal den Blitz!

Dit Gedicht sach woll ut as een Lofgesang, was äwerst heel anners meent un spelde vörblömt up veele scharpstekerische Pral- un Narren-Reden an, un makte veel Gelach un Gerede in der Stadt. Een Schalk, de sick äwer Meister Scharpsteker erlustigen wull, hedd et bi dem Poeten bestellt un em een paar Daler dåvör gewen.

Nu satt unser Hans Niklas mit veelen siner Kamraten mal in eenem Bierhuse, un då seten ook een paar Schohknechte, un de fungen an äwer dat Königsgedicht un äwer de Sniders to spotten un nömden se nich anners as de Herren Natelspitzen. As de jungen Sniders dat hürden, wullen se weggahn; äwerst eener van en stödd Hansen an un sede: Hans, lied dat nich un giff dem vörwegnen Schohmaker eens! Un Hans fatede sick een Hart, sprung up, un slog dem eenen Schoster achter de Ohren, datt se een helles Klinglikling sungen. De beeden Schosters wullen nu mit ehren harden Pickfüsten ook utlangen, äwerst de Sniders hedden to flinke Beenen, un weren wips as de Wind ut der Stuwe.

Disse Hansische Ohrfieg gaff eenen groten Uplop un Upruhr in der Stadt un de Schosters un Schohknechte dheeden sick tosam un drauden alle Sniders as de Flegen un Müggen dood to slan, wenn de sick vör en blicken leten. Un don fuhr eene grote Angst in de armen Kledermakers; denn wo schullen ehre finen Händekens dat woll mit den knotigen un knorrigen Füsten der Schohknechte upnehmen? In disser groten Noth funden se keenen annern Rath, as datt Hans Scharpsteker dat Feld rühmen un as de Sündenbuck för alle in de wiede Welt henin jagt warden schull. Un de olde Klas roth sülwst dåto. Un sine Moder snürde em unner dusend Thranen sin Bündel un sin Vader bröcht en des Nachts, as alle Schosters slepen, heemlich ut dem Dure un sede em: Holl di frisch, min dapprer Jong! un lat di dat erste halwe Jåhr nich merken, datt du een Snider büst; denn de Schelms, de Schohknechte, künnen di nahspören. Un hier hest du, wovan du unnerdessen lewen kannst—un he drückte em föftig Daler in de Hand. Un de beiden seden eenanner Adje.

Un Hans ging mit sinen föftig Dalers ganz lustig in de Welt henin un lewde de ersten Weken går vörgnögt un wanderde dör veele dütsche Länder un Städer un danzte mit mennigen hübschen Jumfern; un dat Wanderlewen geföll em woll. Äwerst he hedd nich an sines Vaders halwes Jåhr dacht, un nah säwen Weken was sine Tasch leddig. As em nu de letzte Daler ut dem Büdel sprung, was he grad in eener Stadt in der Slesie, de Öls het. Då was to der Tid eene Bande Kumödijanten van der Årt de van Stadt to Stadt un van Flecken to Flecken herümtehn un unnerwielen woll in Schünen un Schaapställen spelen. Un Hans dachte in siner Noth: jung un flink büst du noch, to kleden vörsteihst du die ook, un noch hest du schöne nüe Kleder, un de Beenen mit Manier hen un her to slenkern un eenen bunten Danz uptoführen un eene fine Aria to singen un up der Cither dåto to klimpern—o dat's di man een Spaß; un in eener Stadt as disse künnst du en woll een Ballet vördanzen. Un so nam he sick eenen Mod un ging to dem Hauptmann äwer de Kumödijanten un sede: ick will ook Kumödijant warden. Un se nehmen en mit Froiden an, denn he was schier un hübsch, so as se keenen mank sick hedden.

Un Hans nam sick in sinem nüen Handwerk binnen weinig Weken so up, datt he Könige un Prinzen un vörnehme Vörleewde un towielen ook Düwel un Gespenster un annere sonne uterordentliche Meister un Helden spelde un datt alle Kumödijantinnen sick in den schönen Scharpsteker vörleewden. Äwerst dit swinne Glück wurd sin Unglück. Denn een van sinen Kamraten, to siner Tid een Student un een rechter Raufbold, kreg de Swartsucht, as he Hansen dem Wiwervolk so in dem Schot sitten sach, un sprack em eenen Awend nah der Kumödi, as se bi'm Win seten, also hart to: Hans Wippstart, de du alles Trittvägelholt beflügst, morgen, wenn de Dag gragt, müßt du't mit mi up den Säbel vörsöken, den du hüt as Kaiser Artaxerxes so vörwägen swengt hest; willen mal sehn, ob ick diner Königin Esther een paar Thranen utlocken kann. Disse Rede düchte unserm Hans tor Untid spraken, un he bedacht sick nich lang, nam eenen van den blanken Röcken, worin he Könige un Helden to spelen plag, un sine Cither un sinen Stock, un so mit recht flinken Schreden ut dem Dur herut, eh dat Morgenroth noch ut dem Osten blenkerde. Denn em was jümmer, as hürde he üm de Ohren Säbel swirren un Pistolen knallen. He ging äwerst den Weg up Polen to.

Wat schull he nu anfangen? Snidern? ja Snidern? Dat kam em nu veel to gemeen vör, nachdem he so oft Kaiser un Köning west was un de schönsten verleewden Prinzessinnen üm sinen Hals hedd bummeln föhlt. He nam denn sine Cither un sung dåto, un so wanderde he dör't Land. Äwerst de Polacken, bi den keen Spill äwer den Dudelsack geiht, makten nich veel Wesens van em, un he müßt oft mit reisenden Handwerksburschen ut eener Schöttel eten un in slichten un luftigen Judenkrögen slapen, un all de Dröm van Herrlichkeit un Glück, de sin Vader in siner Jugend van em drömt hedd, un wat em sülwst up dem Theatrium oft dör den Kopp schaten was, müßt in Polen wedder utflegen un sick up den kahlen un kolden Wintertwig setten.

So was unser Hans bet in Litthauen kamen un satt in eenem Judenhuse in eenem Städtken een paar Mil van Grodno un att eenen slichten Knublokspannkoken un kauede sin Stück drög Brod dåto, un em föllen de olden Soltwedler Tiden wedder in, as he bi sinem Vader in Hüll un Füll satt, un he dacht ook wedder an Öls und wat een grot Mann he då west was, un wo de wilde Student, de em de Wiwer misgünnde, en van då mit Sabel un Pistolen wegdraut hedd. Un he nam sine Cither un spelde nicks as trurige Stückschen. Un et föll een gewaltiger Regen, so datt he inregnede un drei Dag då sitten bliwen müßt. Do rührde he ut Langerwiele unner den Bökern, de up dem Kannbrede in der Judenstuw legen, un fund toletzt een old Ridderbook, worin veele wundersame un äwenthürliche Geschichten un Leuschen to lesen weren. Un in dissem Book las he ook de Geschicht van den säwen jungen Schosters, de säwen schöne un rike Fräulen friet hedden un worut säwen Eddellüde up groten prächtigen Slotten worden weren. Un Hans müßt, as he ditt las, lud uplachen, un sede bi sick: Wat Düwell säwen Schosters? un du büst een Snider, un din Vader sede, du schust een Dörflinger warden, un kannst dat nich mal? Un in dem slog he mit der Hand up den Disch, un trug up eene Stell, wo wat Meth vörspillt was un sick een Hupen Flegen henset't hedd, un säwen Flegen legen van siner Hand as Liken hengestreckt. Un he froide sick äwer den Slag, un müßt noch mehr lachen, un reep ut: Wat der Düker! un ook Säwen! Un he sach de Dooden, de vör em legen, lang an, un em föll mancherlei dåbi in un fludderde em as Fleddermüse dör den Kopp hen un her.

Un de Nacht dårup drömde em allerlei wunderlich Tüg van groten Dingen un Aventüren un van Königsdänzen un Ridderspill, de bunten un prächtigen Bilder van dem Theatrium in Öls; un he föll in deepe Gedanken, un in dissen Gedanken un Nahgedanken satt he denn den ganzen Morgen un heelen Dag, un sede toletzt: In disser korten Welt is doch alles man Spill; heddst du man Kleder un Wapen un eenen polschen Hingst tüschen den Beenen, du wust di ook woll tom Eddelmann updenen. Un he fung tor Stund an, un ging in de Stadt un köffte sick för vier Groschen dickes Packpapier un fineres buntes, un klisterde dat tosam un klewde nüdliche Bildekens dårup, un snet alles sauber un nett ut—un so wurd een Schild fardig, nich veel slichter, as de he up dem Theatrium in Öls oft up dem Arm dragen hedd. Un midden up dem Schild malde he säwen Flegen un eene utgestreckte Hand, de nah den Flegen slog, un därunner schref he de stolten Würde: Ick bin de Ridder Unvörzagt un sla der Säwen mit eenem Slag.

As de vierde Morgen anbrack, was't een wunderschön Wäder, un Hans ging mit frischer Hoffnung der Sünn entgegen un drog sinen Schild up'm Arm un an der linken Lend wippelde em een lütter Stichdegen, den em de Jud vör sin schönes Citherspill verehrt hedd; un wo hell em't ook in sinen Ingeweiden klung un sung un mit der magern Hungerklock lüdede, sin Hart ging em frisch in der Borst, un em was, as wenn he all eenen bunten Vagel van eener Fräulen bi den Flüchten hedd. So ging he lustig up de Stadt Grodno to, wovan de Thörm em entgegenblenkerden, un kam gegen Middag an, un wiel dat een sehr heter Sommerdag was, smet he sick in dem Diergården nich wiet vam Slott unner eenem grönen Boom int Gras, un snorkte bald so sorgenlos, as wenn de ganze Welt sin were. Hier in Grodno stund äwerst eene wunderliche Geschicht, un de mütt ick nu vörtellen:

In der Stadt Grodno wahnde een mächtiger un gewaltiger Hertog van Litthauen, de hedd een grotes Land bet an den Gränzen van den Törken un Muschwiters; äwerst nu was de Herr nich mehr mächtig un sieghaft, un dåran was een gräulich Undeerd schuld. Ditt Undeerd was een wilder Bier, een duller Isenbreker van so vörfeerlicher Gröte un Gewalt, datt keene Kugel en dör dat Fell båhren kunn un datt de modigsten Kämper vör sinen Hauwers un glönigen Oogen dat nich utholden kunnen. Un mennig god Jåhr hedd de Bier im Land herümrast un veele dusend Ossen un Perde un Minschen slagen un ümbröcht, un toletzt was he ook nah Grodno kamen un hedd in den groten Wold eene halwe Mil van der Stadt sin Lager upslan; ja unnertiden kam he woll dicht unner dat Slott un terwöhlde dem Hertog vör siner Näs de Bloomenbedden. Un dat kunn em nüms wehren, denn keen Jäger un Hund trauede sick mehr an en heran; denn he was sneller as een Hirsch, kunn dör de deepsten Seen swemmen un up Glattis lopen as up'm struwen Weg un äwer alle Tün un Muren as een Vagel setten. Kortüm mit dissem Bier was et eene Sak, datt alle Lüde glöwden, et ginge nich mit rechten Dingen to un he were mehr, as wonah he utsach. Veele dusend Jagden weren nu een tein Jåhr her up en anstellt, veele hundertdusend Kugeln up en afschaten, veele dusend Hunde hedd he terreten, un wo veelen wackern Jägers hedd he de Darmen ut dem Liwe haut! He blef äwerst, de he was, de unvörwundliche un unbedwingliche Bier. Dat gewaltige Deerd was nu Nawer van dem Hertog worden un höll en in sinem Slott as gefangen. Denn de Eber ströpte in allen Büschen un up allen Wegen üm dat Slott herüm, un dat was besünderlich an em, datt he arme Lüde un Bedellüde un Buren ruhig ehre Strat gahn let, äwerst wat blanke Kleeder un Wapen drog un to Perde satt un in Kutschen fuhr—dat was sin Fiend un då stört'te he sick mit Wuth drup. Ja so wiet was dat kamen, datt de Bier mächtiger was as de Hertog, un wenn sick't schickte, kunn man woll seggen: de Bier was de Herr im Lande un nich de Hertog. Denn wer am meisten kann un vör wem alle sick früchten mütten, de is de Herr. Wat hedd de arme Hertog nich all dhan dat Undeerd los to warden! wo veel Gold un Sülwer, Städer un Slötte hedd he utbaden, wenn eener den Bier slan künn! Ja he hedd vörspraken de Bierhut mit Demanten uptowägen, wenn eener se em bringen kunn; äwerst då kam keen Döder un Bringer. Toletzt in siner groten Noth hedd he sine Dochter utbaden, sin eenzig Kind un de schönste Prinzessin im ganzen Abendland, datt wer keme un den Bier dalslöge, de schull ehr Brüdegam heten un nah sinem Doode Prinz un Hertog warden. Un mennig schön Prinz Grewe un Riddersmann hedd dat wagt mit dem Bier üm de schöne Prinzessin un jämmerlich sin Lewen laten müßt. Endlich äwerst wurd dat Gerücht van dem litthauschen Eber to mächtig in allen Ländern un nüms let sick up dem Kampplatz sehn.

In dem schönen Slott satt nu de arme Hertog as een Gefangnen mit siner Prinzessin un mit sinen Hoffherren, Kammerjunkern un Jagdjunkern all in dat drüdde Jåhr, un se lewden een langwieliges un trostloses Lewen un fungen Flegen un Müggen un äten Gapeier, un wüßten nich, wat se mit der schönen Tid anfangen schullen. Denn nüms wagde sick äwer föftig Schritt ut dem Slott herut, un ehr se utgingen, müßten veele hundert Buschklopper herümströpen un up allen Stegen un Wegen tosehn, ob ook van dem Bier eene Spur were. As nu unser bunter Ridder Unvörzagt unner dem Boom lag un går söt sleep un snorkte, keek een Kammerherr ut dem Finster un reep: O Wunder äwer Wunder! wat seh ick! Då liggt eener unner eenem Boom im Slottgården un schient een Riddersmann to wesen; denn een Schild liggt bi em. Dat mütt wåhrhaftig een gewaltiger Mann wesen, de sick unnersteiht då to slapen. Un de Hertog leep nu ook an't Finster, un de Prinzessin un alle Hofflüd kemen un keeken ut; un de eene sede ditt de annere dat, all äwerst meenden, dat müßt woll wat Seltsames un Uterordentliches sin. De Prinzessin äwerst wurd fürroth vör Froiden, denn se were gern ut dem Gefängniß herut west un hedd ook gern eenen Mann hett. Un de Hertog sede: Wi willen henschicken un den Ridder to uns laden; kann sin, datt Gott uns van Ungeschicht ut dissem langen un harden Drangsal erlösen will. Un he schickte drei van sinen vornehmsten Herren, den Ridder in dat Slott intobidden, datt he keme un bi dem Hertog sin Quartier nehme.

Un de Baden sleken sick lisign lisign in den Gården as de Müse, stünden oft still un keeken sick bang üm, as Duwen to dhon plegen, wenn de Kraih in der Luft schreit un den Hawk anmeldt. Denn se dachten jümmer an den hauenden Fiend. Un bald kemen se an den Boom, wo unser Hans im Gras lag un sorgenlos drömde un snorkte. Un se lesen de stolte Inschrift up sinem Schild, un de eene sprack to dem annern: Dat mütt een gewaltiger Degen sin, de då Säwen up eenen Slag sleit; un woll süht he dånah ut; denn kiek! wat is dat för eene schöne Längde! Un Ridder Unvörzagt wakte up äwer dem Geflüster, un stüttede sick up eenen Ellbagen up, un sach då de Männer vör sick stahn, un vörwunderde sick sehr. Un de vornehmste van den Drei nam dat Wurd un sprack also:

Allererhabenster un grotmächtigster Prinz! un allergewaltigster un unäwerwindlichster Ridder un Herr, Herr Unvörzagt! Wi sünt hier van unserm Herrn afgeschickt, eenem mächtigen Hertog, de eenes starken Arms un Helpers bedürftig is. Un gewiß, Gott, de sick unsrer Noth erbarmen un uns van dem gruwlichen Undeerd befrien will, dat disse Forsten un Gården un dat ganze Land entfredet un vörwoistet un nu so veele Jähre alles unsäker un wild leggt un veele dusend Wittwen un Waisen makt hett. Un dårüm hett de gnädige Gott di hierher schickt, den Sieghaften un Dappern, datt du den fürchterlichen Eber dalleggen un de schönste Prinzessin, de de Sünn beschient, tom Gemal winnen schast. Un nu stah up un kumm mit uns in dat Slott, wo unser Herr un Hertog up di paßt un van wo de schönste aller Prinzessinnen ut dem Finster mit sehnsüchtigen un fröhlichen Oogen up den Schild schaut, worup de stolte Inschrift glänzt: Ick bün de Ridder Unvörzagt un sla der Säwen mit eenem Slag. Dårüm süme di nich, kumm! kumm! un empfange de Ehren, de diner hogen Dhaden würdig sünt.

Un Hans, den se ut eenem söten Drom upweckt hedden, sach in den drei Herren, de in prächtigen güldnen un sidenen Kledern un mit ehren Tressenhöten in der Hand gebückt vör em stunden, eenen nüen bunten Drom, un horkte hoch up un vörwunderde sick toerst; doch as he sick den Slap ut den Oogen wischt un sick etwas vörsunnen hedd, kam't em ganz natürlich vör, datt he sick so bequem as een groter Herr up den Ellbagen stütten kunn un de Drei in prächtigen Hoffkledern mit sidenen Strümpen un goldnen Snallen un ehre Höd in den Händen tor Erd gesenkt mit krummen Bücklingen vör em stunden as de Fidelbagen, de eben upstriken willen. Un as he de Red uthürt hedd, sweeg he erst eenen Oogenblick un bedachte sick, un dat dücht em, datt sin Glück eene günstige Wendung nehmen wull; un de säwen Schohmakergesellen föllen em lebendig in un datt he går up eene Prinzessin in't Slott beden wurd; un he sede bi sick sülwst: Frisch, Snider, äwer de Schosters! wer nich wagt, winnt keene schöne Frau. Un so satt he noch een Wielken un let et sick noch een beten dör den Kopp lopen, un denn richtede he sick up un sprack ungefähr in dissen Wurden:

Leewe Herren un Fründe! Gaht hen un grüßt juwen Herrn un Hertog wedder van dem Ridder Unvörzagt un dankt em för sine fründliche Badschaft un Ladung up dat Slott. Van den wundersamen Aventhüren un Dhaden, de disse mine Füste angrepen un dörhaut hebben, van betöwerden Gården un Slotten, van verwünschten Prinzen un Prinzessinnen, van Draken un Riesen, de dör min Isen fallen sünt, to vörtellen un to berichten würd to lang sin.—Also hier bloihst du mi wedder up, du schönste rodeste Ridderbloom? hier bloihst du un lockst du, blitzender Stried un grimmige Gefåhr? Mer bloihst du wedder up, Bloom der Leew un Hoffnung nah so grotem Leed, dat mi vör weinigen Dagen troffen hett?—Un nu markt up, ji Männer! Ji schält weeten: Ick tog ut der Britannie un Nederland un Dütschland daher un wull des Weges nah Konstantinopel un van då in dat hillige Land, un so äwer den Libanon un Sinai jümmer frischweg in dat swarte Muhrenland henin de Törken un Unchristen to bestriden—un hürt! då is mi hier in dissen litthauschen Wüsten een påar Dagreisen vör disser Stadt min Knapp entlopen un hett Rosse un Wapen un alle mine Schätze un Klenodien un minen heelen Riddersmuck as een Deef un Spitzbow mit sick nahmen. Un to Foot hew ick gahn müßt un binah in der Dracht un Wise eenes gemeenen Knechts, as ji mi hier seht. Un dissen Schild mit der Upschrift, as ji seht un lest, hew ick mi ut Papp makt as een Teken mines Wandels, un disse elendige Degen is een Degen, den een Jud mi schenkt hett, un womit man woll Müggen upspeeten kann äwerst nich gegen Löwen un Riesen un Undeerde as juwer Bier up den Plan treden. Un nu gewt Acht, wat ji dem Hertog van minentwegen vörmelden schält. Meldt em, een Deef hett den Ridder Unvörzagt, de der Säwen mit eenem Slag sleit, schier utplündert un en in eenen so weinig ridderlichen Tostand vörsett't, worin he sick nich unnerstahn dört vör em un vör der Prinzessin to erschienen. Will he mi in sinem Slott sehn, so late he mi in eene Harbarg führen un mi ridderliche Kleeder, Wapen un een Stridroß bringen, as mines Glieken geziemlich un gebürlich is, un Knapen un Knechte tom Deenst, damit ick in ridderlicher Årt un Rüstung in sine Borg inriden kann. Hüt äwerst will ick rasten un slapen, denn ick bün matt un möd van der Reis un noch vull Arger äwer minen schändlichen verlapenen Deef; un morgen will ick, wenn't Gott un dem Hertog beleeft, minen Inritt dhon.

Un de Männer vörneigden sick mit deepen Kneebögungen bet tor Erd vör em, un gingen tom Slott torügg un berichteden dem Hertog, wat de Ridder Unvörzagt seggt hedd un wat he van em begehrde. Un de Hertog schickte se wedder in den Gården to bidden, he mügte doch kamen, as he eben were, denn en un de Prinzessin vörlangde ook går to sehr den gewaltigen un ridderlichen Helden to sehn. Äwerst Hans sach se stolt van bawen an un sede Ne, un denn trumfde he ut: Nich anners! hüt will ick in de Harbarg, un west flink un seggt dat juwen Hertog tom tweeten Mal, un gefällt em dat nich, de Strat der Welt is wiet un breet, un ick ward mi woll wedder to eener Rüstung un eenem Roß helpen un annerswo min Glück un Aventhür söken känen.

Un se gingen un kemen bald wedder un beden Hans in des Hertogs Namen nich quad to sin, un führden en in de prächtigste Harbarg, de in Grodno was, un vier Pagen kemen en in een Bad to führen un twee Knapen stunden vör siner Dör en to bewachten; un Win und Brod un Torten un Pasteiden wurden updragen, datt de Disch knackte. Un dat gefeel em woll un he sprack bi sick sülwst: Nu is de Dag kamen, wo ick keen Flegendöder mehr bün—glücklicher Slag un glückliche säwen Flegen, de ick truff! Un as he tor Genöge geten un drunken hedd, ganz anners, as he noch up dem Theatrium, wo dat ook meist man bildlich herging, de Könige un Helden spelde, ging he to Bedd un vörsunk in sidenen Dunenküssen un reep in Froiden: juchhe, Glück! so ligg ick denn endlich as een Prinz in dinem weeken Schot! O Vader Klas, wenn du nu dinen Sähn mit der Siegerhuw sehn künnst, wat gew' ick dårüm!—Un wiel he eenmal wedder recht ordentlich un düchtig satt was un starken un fürigen Win drunken hedd, slog de Mod in hellen Flammen ut siner Borst herut, un he reep abermals: Fortuna! is dine Bahn glatter as Glattis un din Zopp korter as dat Hasenblömken, ick fat di un holl di fast! Eene Prinzessin för eenem Bier! wat is denn een Bier? Hebben Ridder nich Löwen un Tigern de Tehnen utbraken, un ick schull vör eenen Bier torügg bäwern? Ne! nu un nümmermehr! Un wenn't een Bier were, as de den olden Heidenkönig Adonis wiland doodslog, de de Brüdegam van dem Vagel Phönix was. Nu un nümmermehr! Morgen is ook een Dag un Glück is Glückes Moder. Un mit dissen un dergliken hogen un vörnehmen Würden un Gedanken sleep he lustig in.

As unser Hans so in Win un Dunenbedden un gewaltigen Gedanken äwerflot, was de Jubel un Froid noch wiet gröter up dem Slott, un den ganzen Awend wurd nicks spraken und vörtellt as van dem Ridder Unvörzagt un de Prinzessin kunn sick nich satt fragen un hüren äwer sine Rede Årt un Gestalt. Un de drei Baden streken en gewaltig herut un seden: He is een schöner slanker Herr, un süht ut een påar Oogen—o Gnädigste Prinzessin!—ut een påar Oogen, de Sünn sülwst, de in der ganzen Welt gewiß de hellsten Oogen hett, künn sick in em vörkieken. Un ook nah dem Schild frog se un nah dem Teken up dem Schilde, un de Männer kunnen dat nich recht düden. De eene van en sede: Dat Teken mütt går wat Afsünnerlichs sin, egentlich süht et ut, as wenn't man säwen Flegen sünt, wonah de Held slan will; äwerst dat kann't woll nich sin, då is de Bedüdung gewiß to gering grepen; de beiden annern meenden, de Vägel segen woll binah as vam Flegengeslecht ut, äwerst et weren gewiß utländsche un chinesische edder ostindische un westindische Flegen, as hier to Lande sick nich blicken leten. Ook de olde Hertog kam mit siner Weisheit dåtüschen un meende: Dat künn woll een verblömtes Teken sin van deeper heemlicher Bedüdung, edder et künn up een Wurd gahn, dat de Ridder mal bi eener groten Gelegenheit seggt hedd, tom Bispill: Ick will ju Säwen as de Flegen slan. Unner dissen un annern anmodigen un lustigen Reden vörging den Lüden im Slott de süs so lange Awend swinner as en glücklicher Drom, un se gingen erst lang nah Klock Twelw to Bedd.

As nu de Morgen kam, weren ook de Pagen dem Hans strax tor Hand un drogen de kostbarsten sidenen un güldenen un sülwernen Kleder heran, un de Knapen brächten hellfunkelnde un splitternagelnüe Wapen un leden se dem Ridder to Föten. Un Ridder Unvörzagt kledede sick an—denn dat vörstund he erstaunlich—un spegelde sick in dem Spegel as een Pagellun, un sach würklich prächtig ut. Un he dheed eenige Froidensprüng up sinen flinken Beenen un reep: Hussa! Snidergesell! wes nu frisch un unverzagt, as du di nömst, un spele de Ridder un Prinzen woll, de du so oft up dem Theatrium verstellt hest! Heissa! mine Helden, herbi! Heissa! Holofernes un Alexander un Mitderdat! herbi! un spegelt ju in juwen Schöler! Frisch Hans! wer weet, wat Gott ut di maken will un ob du nich eenen högern Namen up de Scharpstekers proppen schast?—Un he nam de Wapen un betrachtede jedes besünders un wählde sick dat Beste ut; dårup reep he sinen Knapen, un se müßten se em anleggen un umsnallen. Un he sach ut hoch un prächtig as een geburner Fürst. Un toletzt hängde he sick ook eenen Schild up den linken Arm. De Schild äwerst, den he sick utsehn hedd, geföll em, wiel de lütte Gott Amor mit eenem Flitzbagen dårup afbildt was, van dem een glöniger Pil in een rodes Hart flog. He meende dat äwerst as eene Vörblömung, de up de schöne Hertogsdochter anspelde, un dachte bi sick: Ick mütt ehr to vörstahn gewen, wo ick henut will. Den schönsten un stärksten Schild van allen gaff he äwerst an eenen Knapen un sede to em: Gah nu, dreg den Schild tom Maler, un dissen Schild van Papp dåto, un de Maler schull up jenen Schild malen un schriewen, wat up dissem steiht.

Un as ditt dhan was, steeg he de Treppen henaf un swung sick up eenen witten Hingst, de sadelt un uptömd vör der Dör stund, un galoppierde dör de Stadt up dat Slott to; un twee Knapen reden achter em un de Hofftrumpeter un Basunenbläser reden vör em un blösen sinen Intog. Un alles Volk leep em nah un juchte vör Froiden: Hurra! då ritt de grote Säwendöder, de dappre Ridder Unvörzagt! Denn dat Gerücht hedd et äwerall utropen, wer in de Stadt kamen were. Un as de Ridder an der Slottsdör ankamen was, stund de olde Hertog dåvör un de schöne Prinzessin sine Dochter un alle Hofflüde, un empfungen den stolten un hogen Gast, de bi en intehn schull, un führden en de hoge Marmortrepp henup. Un Ridder Unvörzagt wüßt sick so to stellen un to hebben, datt all to minter Mal glöwden, he were ut eenem groten Geslechte un hedd an Königshäwen lewt un mit Prinzessinnen tor Tafel seten. As he äwerst sine Rüstung un de Wapen afleggt hedd, wiesde he sick in siner Jugend un Schönheit un Behendigkeit so anmodig un licht un let so nich een Spierken van dem Snidergesellen marken, datt der Prinzessin dünkte, Hans were de schönste Jüngling, den se in ehrem Lewen sehn hedd, un datt se bi sick sülwst süftede un bedede: O du leewer Gott im Himmel! keenen annern as dissen! giff em doch Sieg äwer den Bier un lat en min Brutbedd bestiegen!

Un nu kam de olde Hertog ook bald up den Bier to spreken un up den Struß, den Hans mit em bestahn mügt. Un Hans stellde sick dåbi so lustig un unvörfeerd datt de Hertog bi sick dachte: de mütt siner Sak wiß sin un goden Mod fatede. Hans bat sick äwerst noch acht Dag ut, bet he den groten Strid wagen wull: denn, sede he, ick bün länger as drei Weken dör juwe polsche un litthausche Wüstenei tagen, wo't nicks to kniepen un to biten gifft, un nu hew ick twee Dag to Foot gahn un binah hungern müßt. Darüm gewt mi de acht Dag Respiet, datt ick mi wedder een beten vörhalen un vörkowern un mine Kräfte stärken kann. Un de Hertog stund em dat gern to, un he un sine Dochter hedden de lustigsten Dage in siner Gesellschaft, un dat kam en vör, as weren se im Himmel un as hedde de Langewiel up ewig van en Afsched namen. Denn Hans vörtellde en de wunderlichsten Geschichten un Aventüren un bröcht hier alles an den Mann, wat he jemals up dem Theatrium spelt edder in Bökern lesen hedd. Denn he hedd eenen klüftigen un anslägschen Kopp un eene smidige Tung, un kunn recht ärdig vörtellen.

Den drüdden Dag, as de Maler mit dem Schild kam un alle den Schild betrachteden un de Flegen un de Inschrift dårup, vörwunderden se sick sehr un keeken den Ridder Unvörzagt an, äwerst nüms wagde dat Wurd an en to richten. Toletzt nam de olde Hertog, de sick sehr wise dünkte, sick den Mod en to fragen un sede: Herr Ridder, ick bild mi in, ick seh doch recht? Ditt is juwe Hand, un ditt sünt säwen Flegen? un disse Flegen bedüden gewiß een Wurd, dat ji mal spraken hewt bi eener groten Gelegenheit, bi irgend eenem Strid edder in eenem Duwell? un ji hewt de Flegen tor Erinnerung an eene grote Dhad up juwen Schild malen laten?

Un Hans bedachte sick nich lang un antwurd'te: Dittmal, Herr Hertog, hewt ji't doch nich ganz drapen; de Flegen sünt würklich Flegen un bedüden Flegen, un ick will ju vörtellen, wo se up minen Schild kamen sünt. Vör drei Jåhr, as ick toerst in Ridderschaft un up Aventüren in de Welt utred, satt ick mal in Ägyptenland nich wiet van eener Stadt, de Rosette het, in eener slichten Leeschchütt un drunk een Glas Win, wobi ick insleep. Då kettelde eene Fleg mi up der Hand, un ick slog blindlings üm mi un truff eenen Hupen Flegen, de den Win insogen, den ick up den Disch vörspillt hedd—un seh! säwen Flegen legen as Liken då. Un ick red wieder, un red an dem groten Nil een Stück Weges hen. Då kemen säwen grote Draken geflagen van denjenigen, de då flegen känen; un jeder Drak was woll millionenmal gröter as de gröteste Fleg; un de Beester flögen grad up mi los, as wenn se mi vörslingen wullen, un Für un Gift flog ut ehren Rachen. Un ick tog minen scharpen Helper ut der Sched un höll unvörfeerd up minem Hingst, un as de Vägel heran susden, dheed ick eenen degen runden Zirkelhieb, un då legen se alle Säwen un zappelden in ehrem Bloode. Dat Blood äwerst flot as een roder füriger See, un ick müßt minem Hingst de Spåren gewen un Rietut nehmen, denn wi hedden beede dårin vörsupen künnt. Un hier, Herr Hertog, hewt ji de Geschicht, worüm ick de Flegen up minen Schild malen let, denn ick dachte, se weren eene Vörbedüdung up de säwen Draken west, de unner miner Fust fallen schullen. Un so mag man seggen, datt de Flegen Flegen un ook keene Flegen sünt, denn se bedüden ook Draken. Äwerst Flegen mütten se eenmal bliwen, un ick mütt se as een Glücksteken mines ersten groten Aventürs woll as Flegen, solang ick lewe, up minem Schild dregen. Un van då an nömden de Lüde mi den Säwendöder, un reepen achter mi her: seht! seht! då ritt de Säwendöder! un wenn se ook Flegenridder ropen, wat scher ick mi dårüm? Denn wåhrhaftig een Bier un een Löw is oft ehr to drapen un to slan as eene Fleg edder Mügg—un ji hewt woll de Fabel vörtellen hürt van dem Löwen un van der Mügg?

Sonne un desglieken Reden un Kortzwiel höllen un bedrewen se recht angenehm im Slott, un de acht Dage vörgingen as eene Minut. Un as de achte Dag kam, då kann man eben nich seggen, datt unserm Hans sünderlich lustig to Mod was; äwerst he höll sick wacker un let sick nicks marken, un stellde sick so frisch un unvörzagt, as sin Nam was. Würklich hedden dat schöne Lewen in dem Hertogsslott un de Wapen, de he drog, un de ridderliche Smuck, womit he angedhan, un de Nam, womit he ropen wurd, un de Heldengeschichten, de he vörtellde un van annern vörtellen hürde, un de schönen Oogen der Prinzessin, de Glück un Leew up en funkelden, em Für un Mod in't Hart blasen, un oft flüsterde dat in em: Up! up! Hans! wo oft hest du van der Allmacht schöner Oogen spraken, för de man in teindusend Doode gahn kann—nu hest du disse schönen Oogen, de schönsten Oogen der allerholdseligsten un allerschönsten Prinzessin—un du wust nu vörzuffen? Frisch drup! een feiger Kerl freit keene Prinzessin—un wer weet, wat dat Glück för Würfel för di im Sack hett? Frisch eenen dappern Wurf in de Schanz! Wer weet, wat herutspringen kann? un hett sick't nich wunderlich nog würfelt? un wat hest du veel dåto dhan?—Un Hans was fardig un trat ganz munter mit vuller Rüstung in den Saal, un tröstede de schöne Prinzessin, der dat Weenen hüt veel näger satt as dat Lachen, un sede tom Hertog: Fahrwoll! Herr Hertog! nümmer seht ji mi wedder as mit der Bierhut up dissem Speer. Un de Hertog was godes Modes, un de Jüngling dücht em går glücklich un herzhaft. Un he wull em een grotes Geleide gewen, datt he as een Fürst to dem Platz henriden kunn, wo de Bier gewöhnlich lag. Äwerst Hans vörbad sick dat un sede: Twee Knapen, Herr Hertog, latet mitrieden bet up den halwen Weg un mi wiesen, wo ick den Bier finden mag. Då mägen se denn holden bliwen, bet ick mit der Arbeit mit dem Undeerd fardig bün. Un de Hertog gaff sick drin un sede, et schull alles schehn, as de edle Ridder wull. Un Hans küßte der Prinzessin de Hand, swung sick in den Sadel, un susde im rasselnden Galopp äwer dem Slotthoff, un twee Knapen susden em nah. Un de Prinzessin, de mit ehrem Vader im Finster lag, kunn den Anblick nich utholden un to swåre Gedanken flogen ehr dör de Seele, un se beswimde un sunk tosam in ehrer Hartensangst. De Hertog äwerst drog se up ehr Bedd un tröstede se un sprack: Du müßt nich so trurig sin, min trutes Duwign! Dittmal krigst du eenen Mann, un wat för eenen Mann! Mine Swaning un Gisching bedregen mi dittmal nich.

Un as de Ridder Unvörzagd up dem halwen Weg was, höllen de Knapen still, de as Wegwiesers mit em reden weren, und seden: Sühst du då, Herr Ridder, den Footpat linker Hand, de äwer de gröne Wisch in den groten Wold führt? Up dem rid een halwes Stündken furt, un du warst eenen grönen Platz sehn, un up dem Platz eene Cistern mit eenem isernen Gitter; ook steiht då eene grote Eek.—Då kannst du holden bliwen un up den Bier luren; denn üm de Middagstid kümmt dat böse Deerd fast jümmer dåhen, up dem Platz to wöhlen un sick in eenem Morast nah dåbi to köhlen un to wöltern.

Un Hans red van en un sede en bi'm Wegriden den kecken Besched: Töwt hier, bet ick wedder kam; denn in een paar Stunden bün ick mit Gotts Hülp wedder hier, un de Eber haut nich mehr.—Un de beiden Knapen dachten ehr Deel, un Hans, as he so henred, dacht ook sin Deel; äwerst dat dücht em doch går to schimplich, de Flucht to nehmen, ahnen den Bier int Gesicht sehn to hebben. Un as he up den grönen Platz kam, wo de grote Eek stund un de Cistern mit dem isernen Gitter, pupperde em sin Hart so gewaltig, datt he't slan hüren kunn, un he keek sick mit groten Oogen üm, ob he nicks sehn künn, un spitzte de Ohren, ob he nicks dör de Strük ruscheln hürde. Un dat was ganz still, as't üm den Middag in den Büschen is, un keen Vägelken flog edder zirpte. Un he steg van dem Perde un let dat gräsen, un tog sine Rüstung ut, un smet alle Wapen weg; alleen dat Swert behöll he an der Side. Denn, sede he ganz vörnünftig, wat schall mi woll dat Isen helpen gegen een Fell, då keen Isen dör geiht? to springen un to danzen äwerst künn't gewen, un då is dat Beste, man makt sick flink un behend to Foot. Un Hans stellde sick nu bi eenem jungen Boom hen, de veele Telgen hedd, in Gedanken, den Bier aftowachten un to sehn, wo he utsege. Düchte dat Deerd em denn to schrecklich un gefährlich, so künn he swind up den Boom klettern un den Düwel unnen toben laten. Ook sine Cither hedd he mitnahmen un an den Sadelknop hängt, un höll se in der Hand un wull vörsöken, ob he den Bier nich in'n Slap spelen un em denn so heemlich eens bibringen un utwischen künn. Denn he erinnerde sick, datt he mal in eenem Book lesen hedd, datt Swin sehr musikalische Deerde weren un gewaltig up de Musik horckten.

Un as he so in Gedanken stund, kam de mächtige Bier herrutschen äwer dat Grön, un Hans nam de Cither un spelde eene lise un trurige Wise, eenen rechten matten un möden Slapgesang; un em was ook sehr lise un trurig to Mod. As nu dat grote un grimmige Deerd de Musik hürde, stund et strax still un horckte up; un de Musik scheen em to gefallen, un et lede sick dal un wölterde sick im Grase, un toletzt streckte et sick still unner de grote Eek hen, as slepe et. Unser Sniderken äwerst spelde jümmer furt, un slek sick jümmer näger heran to dem Bier, un wull sehn, ob he würklich slepe un ob he em nich eens utlöschen künn. Äwerst wo leep dat aff?

As Hans em up een föftig Trede nah was, sprung min Bier mit Eenem Satz up un hast du mir nicht gesehn up den Ridder los. Disse, as were he van des Biers grimmigen un flammigen Oogen behext, let vör Schrecken Cither un Isen ut der Hand gliden, vörgatt Boom un Klattern, un leep up de Cistern los, un sprung an dat Gitter, un störtede dåräwer in de Cistern herunner. De flinke Bier was ganz dicht achter em un dhed eenen Hau nah em, äwerst drapte en nich; un dat was Hansens Glück. Un dat wilde grimmige Deerd wull em nahspringen, äwerst sprung fehl un blef up den spitzen Zacken sitten, de up dem isernen Gitter weren. Un de Bier schüdderde sick up den Zacken un dref sick de Spitzen jümmer deeper in dat Lif, un schreide, as wenn he up eenem Speer stack; denn de Spitzen dheeden em nich sacht. So schreide he etwa tein Minuten un blödde gewaltig; don was't ut, un he hung dood up dem Gitter. Hans, as he in der Doodesangst äwer dat Gitter sprung, slog mit dem Kopp gegen de annere Wand der Cistern, un terdöschte sick den Vörkopp, un blödde ook sehr, un lag woll een fiew Minuten in Beswimmung up der Cisterntrepp. Äwerst de brüllende Bier weckte en bald up, un he lag in Doodesangst unner em, de den Rachen mit den langen witten Hauers wiet upsparrde. Un jeden Oogenblick dachte he: Hu! hu! kümmt de Satan los, so is't ut mit di un he makt di kold. Un vör luter Angst unnerstund he sick nich sick to rühren, un dheede, as wenn he dood were. Äwerst as de gefährliche Bier jümmer swacker schreide un toletzt man sachtign stende, un endlich ganz still sweeg, blinzelde Hans mit halwen Oogen een beten up to em, un sach, datt de ganze Wand vam strömenden Blood roth was un datt dat Undeerd de Oogen vörkehrt hedd un den Kopp hängen let, un sick tierde, as were et dood. Doch Hans dachte bi sick: de Doiwel kann sin Spill hebben, un truede toerst dem Freden noch nich, un töwde noch woll eene gode Viertelstund un lag heel stillign stillign as eene Mus, de den Kater äwer sick luren süht. Äwerst as sick jümmer nicks rührde, fatede he sick endlich eenen Ossenmod, richtede sick langsam up, un klatterde heel sachte an der annern Side äwer dat Gitter. Un as he herut was un dat Undeerd van vör un achter betrachten kunn, sach he woll, datt er würklich muschdood was un sick up dem Gitterisen fangen un doodblödt hedd. Un nu betrachtede he den Bier noch veel nauer, kloppte up sinen harden swarten Rüggenpanzer, beföhlde nich ahnen Gruwel sine scharpen witten Hauers, un dachte: bi eenem Haar, un se hedden di din beten Lewen ut den Ribben herut föhlt; un mit dem föll he up sine Knee, wo he stund, un dankte Gott för sine Gnad, de em so wunderbarlich ut sinem dullen Anslag herutholpen hedd. Darup sprung he fröhlich wedder up un reep: Viktoria! Viktoria! Juchhe Viktoria! swing di, Fortuna, un sett alle Segel bi! du schast mine Göttin sin! Heissa! nu bün ick een Prinz! Un he juchte un josede so gewaltig, as were de ganze Wold nicks as Strid un Slacht west.

Dårnah ging he hen, nam sinen Degen, un gaff dem Bier noch een paar deepe Wunden unner dem Buk; un de Doode let sick dat still gefallen, un müßt ook up dem Kopp noch een paar Schmarren vörleef nehmen. As dat dhan was, led he sine Rüstung wedder an, stack sin Swerdt in de Sched, nam Schild un Speer un Cither, un swung sick up sinen Schimmel—un so lustig up dem Footpat ut dem Wold herut. As he nu up den groten Weg kam un siner Knapen ansichtig wurd, begunn he van nüem, datt Barg un Dal erklungen: Viktoria! Viktoria! de Bier is dood! Un se galoppierden lustig heran, un erstaunden, un seden: Wi hebben dat gewaltige Schreien hürt, un ji känt ju verstellen, Herr Ridder, datt wi früchteden, wi müßten man wedder tom Slott Rietut nehmen: denn wi dachten un twiwelden, ob dat Schreien van dem Ridder edder van dem Undeerd keme—un nu Gott Lof un Dank! wi sehn ju hier un ji lewen; un wat ward dat up dem Slott för een Triumfiren un Jubeln gewen!

Un Hans sede: Nu frisch, Jongs! un lat't drawen, un kamt mit un seht! Dat was een Deerd! dat is wåhr; äwerst ick hew et lehrt mit Säwendödern to spaßen. Lang höll he sick dapper un makte mi hete Arbeit, äwerst toletzt müst he dat Hasenpanier ergripen, un ick dref en gegen de Cistern, då is he in der Angst upsprungen, un hängt up den isernen Zinken.

Un as se up dem grönen Platz upreden un an de Cistern kemen, wunderden de beiden sick noch mehr äwer dat mächtige Deerd, dat då hung, un wullen ehren Oogen nich truen, un hedden noch Angst, ob ook noch Lewen in dem Dooden were, so fürchterlich kam de Bier en vör. Äwerst Hans grep nah sinem Dolk un lede de Hand an, un fung an de Hut aftotehn. Un as de Knapen dat segen, datt de Bier sick so geduldig fillen let, grepen se ook to ehren Metzern un hülpen em, un in tein Minuten lag de Bierpelz då. Un de Ridder Unvörzagt brack em ook de Hauers ut. Un de Hauers hängde he äwer sinen Schild un de Bierhut stack he up sinen Speer; un so reden de Drei dem Slot un der Stadt to. Un as se gegen dat Stadtdur kemen, let Hans sine Knapen vöran riden un blasen un mit heller Stimm Viktoria! Viktoria! ropen. Un dat ganze Volk, dat de witten Hauers un de Bierhut up dem Speer sach, klung mit Viktoria! un leep in Froiden tosam; un so kemen se im vullen susenden und brusenden Gewimmel an dat Slott.

Bi dissem gewaltigen Getose un Gejose un Viktoriageschrei weren de Hertog un de Prinzessin går swinne herunnerkamen, un stunden vör der Slottspurt, as de stolte Ridder mit den Hauers un der Bierhut in den Hoff inred. Un he sprung as een Blitz vam Perde, bückte sick tor Erd, föll vör der Prinzessin up de Knee, küßte ehr de Hand, lede Hut un Hauers to ehren Föten, un sprack: Dörr ick upsehn to dinen Oogen, du Herrlichste? dörr ick mi van dem Glanz diner Gnaden anstralen un beschienen laten? winkst du, Erhabenste un Holdseligste, datt ick de glücklichste van allen Kreaturen sin schall, de up Gotts Erdboden lewen? Is dat äwerst anners, hest du man ut Noth dem Sieghaften dine Hand vörspraken, din Hart äwerst bi di beholden, so mak een swinnes un truriges End—un Ridder Unvörzagt ritt wedder in de wide kolde leewlose Welt, un se mägen sick hier van dem Säwensläger un Bierdöder eenmal in künftigen Dagen de Dhaden as een Leuschen un eene Fabel vörtellen.

Un de Prinzessin wurd bi dissen Wurden roth as een witt Laken, woräwer de Sünnenschin as een flegender Schatten löpt; un se blickte en mit Wohlgefallen an, äwerst de Borst was ehr so beklemmt, datt se nich spreken kunn. So nam denn de olde Herr dat Wurd för se un sede: Wo schullen wi so grote Sünd dhon an uns un an Gott, datt wi eenen so edeln dappern un ridderlichen Mann, de Kron un den Glanz van aller Ridderschaft, ahnen sinen Pris un Lohn van uns reden leten? Ne! edle Herr un Mann! Geföllt di mine Dochter un vörsmadest du nich mi in minen olden Dagen de Zepterlast dregen to helpen un minen Fründen Stolz un minen Fienden Demod to lehren, so blif hier un ward min Sähn un min Eidam.—Un de Thranen leepen dem olden Fürsten de Backen herunner, un he nam siner Dochter Hand un lede se in Ridder Unvörzagts Hand un sprack in Gottes Namen den Segen dåräwer.

Un bald gingen se henup in den Hertogssaal, un de schöne Prinzessin vörbund ehrem Ridder sine Wund, de noch sehr blödde; denn he hedd sick up der Flucht vör dem Bier, as he äwer dat Cisterngitter herunner föll, een grotes Loch in den Kopp slagen. Un in sinem Lewen hedd em nicks so sacht dhan as de weeken Händken der Prinzessin, de he üm sinen Kopp un sine Backen krauen un krabbeln föhlde. Hans äwerst vörtellde en, he hedd sick dat Loch an eenem Boom stött, as he den Fiend to hitzig drängde un vörfolgde. Darup müßte he alles recht utführlich vörtellen, wo he mit dem Undeerd fardig worden was, un he makte de Geschicht van siner Slacht mit dem Bier lustig nog torecht.

Un as wedder acht Dage üm weren, då was eene prächtige Hochtid, un Ridder Hans Unvörzagt ging mit der allerschönsten Prinzessin to Bedd un het nu Kronprinz van Litthauen. Un so is, wat anfangs as een Spaß utsach, de gröteste Ernst worden. Un Prinz Unvörzagt hett sinen Prinzen up dem groten Theatrium der Welt so god spelt, datt alles Volk mit em tofreden was un ook de Prinzessin de glückseligste Fru up dem ganzen Erdboden nömt wurd. Un dat ging nah Gottes Willen, de Hans Scharpsteker un den Hertog un sine Prinzessin nich to Schanden sündern to Ehren bringen wull, ahnen Hexeri alles ganz ordentlich un natürlich to.

De Prinz, de unner Sniders geburen un in siner Jugend unner en ertagen was, de mit nüms as mit Sniders lewt un nicks as Sniderliches un Vörzagtes sehn un hürt hedd, was van Natur nich hasig un feig; he was man dör Gewohnheit sniderisch worden. Un dat was woll begriplich, datt he bi'm ersten Utlop un Anlop up siner Ridderbahn gegen eenen Kämpen, as de Bier was, nich Stand holden kunn. Äwerst dittmal hulp Gott em, de en nich vördarwen laten wull, un spader hulp he sick sülwst wieder un wurd van Hand, Hart un Mod een der allerridderlichsten Fürsten. Van Natur stolt, edel, fürig un modig un dåbi schön van Gestalt un Getier wurd he een sehr kloker un dapprer Prinz, un keen Minsch up Erden hedd em anmarken kunnt, datt een so stolter Vagel ut eenem Snidernest utflagen was. Toerst ging em dat grad so, as dat oft eenem groten Doggen geiht. De let sick ook oft een Jåhr un länger van eenem lütten Puttköter biten, wiel de en all beten hett, as he noch een Wölp was; äwerst wenn he siner Macht mal in worden is, denn mag Gott dem Puttköter gnädig sin. Hans was nu een Prinz, äwerst he führde sick ook prinzlich un herrlich up un hedd nicks as hoge un prinzliche Gedanken un bedref alle prinzlichen Arbeiden un Öwungen, datt et eene Lust was. Dat Beste äwerst an em was, datt he nümmer äwermodig un äwerdhadig wurd, woll äwerst sin Lewenlang bekennt un erkennt hett, he were alles dör Gottes Gnad worden, de en dör kindisches Spill hedd to eenem groten Herrn maken wullt.

Un Prinz Unvörzagt is drei Jahr nah der Bierslagt Hertog van Litthauen worden un hett veele grote un swåre Kriege führt un toletzt dem König der Muschwiters un Taters een ganzes grotes Königrik afwunnen, un sick Köning titeln laten. As he nu een so grotmächtiger Köning un Herr was, schickte he heemlich eenen Baden nah siner Vaderstadt Soltwedel mit eenem Bref an sine Öldern, un bat se, to ehrem Sähn Hans to kamen, då schullen se herrliche un lustige Dage hebben. Köning Hans schref äwerst nich, dat he Köning van Litthauen un Kosackien un Tatarien were, sündern he hedde een sehr rikes un schönes Fräulen friet un prächtige Slotte un Göder mit ehr tor Mitgift bekamen; un se schullen Hus un Hoff man vörköpen un sick up den Weg maken un to em kamen un bi em ehre spaden Dage in Froiden vörlewen: denn Gott hedd em so veel gewen, datt he alle sine Fründe rik maken künn. Un sine Öldern dheeden so, un kemen nach Grodno; äwerst wo erstaunden se, as se am Dur nah Hansen sinem Huse frögen un de Lüde en seden, ehr Sähn Hans were jo de Köning sülwst.

Un de olde Snider Klas un sine Fru wurden ut dem Wirthshus, van wo se sick hedden anmelden laten, in eener prächtigen goldnen Hofkutsch afhalt un in't Slott führt, wo se den Köning Hans un sine Königin un ehre nüdlichen Kinderkens in idel Herrlichkeit un Lust funden. Un de olde Vader Klas sede to sinem Hans: Hew ick di nich oft seggd, de Siegerhuw un Glückshuw würd di noch een Grotes bedüden? Un König Hans lachte un flüsterde lisign: Ja, wenn ick nich dem eenen van den grotmuligen Schohknechten eene Ohrfieg streken hedd, wat würd de Siegerhuw mi Grotes bröcht hebben? So is et: Gott stött de Minschen in de Welt henin, datt se äwer eenanner purzeln, veele bliwen liggen, annere stahn up, un weinige flegen hoch, äwerst keener ahnen sinen Willen.

Un van disser vörnehmen un ridderlichen Snidergeschicht is de Frag upkamen, de man towielen upgiwt: Welke Ohrfieg is dem Gewer am besten bekamen?

Kater Martinchen

Auf der Halbinsel Wittow auf Rügen ist ein Dorf, das heißt Putgarten, nicht weit von dem berühmten Vorgebirge Arkona, wo der alte heidnische Götze Swantewit weiland seinen Tempel gehabt und sein wüstes Wesen getrieben hat. In diesem Dorfe Putgarten lebte eine reiche Bäuerin, die hieß Trine Pipers. Sie war jung Witwe geworden und hatte keine Kinder, wollte auch nicht wieder freien, obgleich viele Freier um sie warben, denn sie war ein sehr schönes und frisches Weib. Das konnten die Leute nicht recht begreifen, zumal da sie sonst immer lustig und munter war und bei keinem Tanze und Gelage fehlte. Denn das mußte man sagen, einen aufgeräumteren Menschen gab es nicht als diese Bäuerin, und kein Haus hatte so viel Lustigkeit als das ihrige. Alle hohen Feste hatte es Tanz und Spiel bei ihr; die Fasten wurden von Anfang bis zu Ende durchgehalten und mit Schmäusen, Spielen und Tänzen gefeiert, Pfingsten und am Johannistage ward unter grünen Lauben getanzt, und am Martinstage setzte keine Bäuerin so viele gebratene Gänse auf, und wenn sie ihr Korn eingebracht, wenn sie Ochsen oder Schweine geschlachtet oder Wurst gemacht hatte, mußte die ganze Nachbarschaft sich mit freuen und mit ihr schmausen. Kurz, diese Bäuerin lebte so prächtig, daß kaum eine Edelmannsfrau besser leben konnte. In ihrem Hause war alles nett und tüchtig und fast über das Vermögen einer Bäuerin zierlich. Ebenso lustig und tüchtig sah es auf ihrem Hofe und in ihren Ställen aus. Ihre Pferde glänzten immer wie die Aale, und man hätte sie Sommer und Winter als Spiegel gebrauchen können; ihre Kühe waren die schönsten und gedeihlichsten im ganzen Dorfe und hatten immer volle Euter; ihre Hühner legten zweimal des Tages, und von ihren Gänseeiern war nie eines schier, sondern jedes gab ein Junges. Weil ihr Haus lustig und sie freigebig war, so hatte sie auch immer die schönsten und flinksten Knechte und Dirnen auf ganz Wittow.

So lebte Trine manches Jahr, und kein Mensch konnte begreifen, wie sie als Bäuerin das Leben so halten und durchsetzen konnte, und viele hatten schon gesagt: "Nun, die wird auch bald vor den Türen herumschleichen und schnurren gehen." Aber sie focht und schnurrte nicht herum, sondern blieb die reiche und lustige Trine Pipers nach wie vor. Andere, die dies lustige Leben so mit ansahen, meinten, es gehe nicht mit natürlichen Dingen zu; sie habe Umgang und Gemeinschaft mit bösen Geistern, und die bringen es ihr alles ins Haus und geben ihrem Vieh und ihren Früchten so wunderbaren Segen und Gedeihen—als wenn Gott nicht der beste und einzige Segenbringer und Segensprecher wäre. Viele wollten bei nächtlicher Weile einen Drachen gesehen haben, der wie ein langer feuriger Schwanz auf ihr Haus herabgeschossen sei; das sei ihr heimlicher Buhler, der hänge ihr den Wiem voll Schinken und Mettwürste, fülle ihr die Kisten und Kasten mit Silber und Gold und stehe mit am Butterfasse und helfe buttern und gehe mit in den Stall und helfe melken. Andere, noch boshafter, sagten, sie selbst sei eine Hexe und könne sich unsichtbar machen: so schleiche sie den Nachbarn in die Häuser, stehle aus Keller und Speisekammer, nehme den Hühnern die Eier aus den Nestern, melke die Kühe und rupfe den Schafen die Wolle und den Gänsen die Dunen aus. Darum sei sie so glatt und glau und könne soviele Wohlleben ausrichten und ein Leben führen, als wenn es alle Tage Sonntag wäre. Das bemerkten einige Nachbarsleute noch und schüttelten die Köpfe dabei, daß Trine eine leidige Freundlichkeit habe, womit sie wohl hexen könne, und daß sie Kindern nie in die Augen sehe, wieviel sie auch sonst mit ihnen schmeichle und kose; denn sie habe als Hexe kein Kind in ihren Augen, und es tue ihr sehr wehe, wenn sie den unschuldigen Kindern, die noch nichts verbrochen haben, in ihre reinen Augen schauen müsse.

So lief allerlei Geschwätz unter den Leuten rund, und sie flüsterten und munkelten viel über Trine Pipers; aber sie konnten ihr doch nichts anhaben und beweisen. Sie tat all ihr Werk tüchtig vor den Leuten, war redlich in Handel und Wandel, ging fleißig zur Kirche und gab Priester und Küster willig und freundlich das Ihrige und hatte immer eine offene Tasche und einen offenen Brotkorb für die Armen, wenn sie an ihre Türe kamen. Auch gingen die, welche ihr die Ehre so hinter ihrem Rücken zerwuschen, recht gern zu ihren Festen und Tänzen und schmeichelten und heuchelten ihr.

Trine Pipers hatte auf diese Weise wohl zwanzig Jahre ihre Wirtschaft geführt, und alles war ihr immer nach Wunsch geraten. Da bekam sie einen bunten Kater ins Haus, und bald ging im Dorfe und in der Nachbarschaft das Gerede: der sei es, das sei der Gewaltige, nun sei es endlich zum Vorschein gekommen, und auch ein Kind könne es sehen, der trage ihr all das Glück zu. Denn leider sind die meisten Menschen so, daß sie meinen, es müsse mit einem Menschen was Heimliches oder Ungeheures sein, wenn er die Narrenkappe des Lebens nicht gerade so trägt wie sie, und wenn er die Schellen daran nicht ebenso klingen läßt.

Ein bunter Kater ward in Trines Hause gesehen, und kein Mensch wußte, wo der Kater hergekommen war. Trine lächelte und machte einen Scherz, wenn man sie fragte, und sagte es nicht. Einigen hatte sie wohl gesagt, sie habe einen Bruder, der sei Schiffer in Stockholm, der habe ihr den schönen Kater einmal aus Lissabon mitgebracht; aber das glaubten sie nicht. Der Kater war groß, bunt und schön, grau mit gelben Streifen über dem Rücken und hatte einen weißen Fleck am linken Vorderfuß. Da schrien die alten Weiber: "Da sehen wir's ja, da haben wir's! Einen dreifarbigen Kater? Wer hat in seinem Leben gesehen oder gehört, daß es Kater mit drei Farben gibt?" Trine liebte den Kater sehr und saß manche Stunde mit ihm allein und spielte mit ihm, der mit wohlgefälligem Brummen seinen Kopf an ihr streichelte und gegen alles, war ihr zu nah kam, ausprustete und aufpfuchsete: die arme Trine ward älter, die arme Trine hatte keine Kinder, sie mußte was zu spielen haben. So saß sie nun manche Stunde, wo sie sich sonst draußen in ihrer Wirtschaft tummelte, still in der Stube und spielte mit ihrem Martinichen; denn so rief sie den Kater. Martinichen und Mieskater Martinichen klang es in der Stube, Martinichen klang es auf der Flur, Martinichen auf der Treppe und auf dem Boden. Keinen Tritt und Schritt tat sie, Martinichen war immer dabei, und von dem Vorratsboden und aus der Speisekammer brachte er immer seine Bescherung mit im Munde. Kurz, der bunte Kater Martinichen aus Lissabon war ihre Puppe und ihr Spielzeug; er stand mit ihr auf und ging mit ihr zu Bette, ja sie ging nicht in die Nachbarschaft, daß sie ihr Martinichen nicht unterm Arm trug; Martinichen leckte von ihrem Teller und lappte aus ihrem Napf, er war der Liebling, er durfte alles, keiner durfte ihm was tun: Hunde wurden herausgejagt, die ihn beißen wollten, ein Knecht ward verabschiedet, weil er ihn Murrkater und Brummkater, Speckfresser und Mausedieb genannt hatte.

Dies gab Geschichten und Lügen und Märchen im ganzen Dorfe, bald im ganzen Kirchspiele, dann im ganzen Ländchen: Trine hieß eine Hexe, die einen wundersamen Kater habe, mit dem es nicht richtig sei, und vor dem man sich hüten müsse. Das sei ein Kater, einen solchen zweiten werde man in der ganzen Welt umsonst suchen; den ganzen Tag tue er nichts als fressen und sich hinstrecken und sonnen oder auf Trines Knien herumwälzen, des Nachts liege er auf ihrem Bette bis an den lichten Morgen, und doch finde der Knecht, wenn er morgens frühe zur ersten Fütterung in den Pferdestall gehe, immer zwei große Haufen toter Ratten und Mäuse vor der Haustüre aufgetürmt. Was möge das wohl für ein Kater sein, der für diesen feisten und glatten Faulenzer die Arbeit tue?

Dies Gerede und Gemunkel hatte sich freilich erst draußen herumgetrieben; dann kam es auch in Trinens Haus und zu Trinens Leuten, und ihnen fing an, bei ihr ungeheuer zu werden. Wenn sie mit schmeichelnder Stimme Mieskaterchen! Mies—Mieskaterchen! Martinichen! Misichen—Martinichen! rief und den knurrenden und spinnenden Kater auf den Schoß nahm und ihm den Rücken streichelte, und er sich dann vor Vergnügen krümmte und an ihr strich und brummte, und ihm die grünen, umnebelten Augen im Kopfe funkelten, dann guckten die Leute die beiden Spieler mit großen Augen an und wären um alles in der Welt mit ihnen nicht lange in der Stube geblieben. Trine hatte sonst immer die tüchtigsten und schönsten Leute gehabt, aber die konnten es jetzt in ihrem Hause nicht aushalten; sie zogen weg, und sie konnte zuletzt nichts als Hack und Mack in ihren Dienst bekommen, und auch die blieben nicht lange, und fast jeden Monat hatte sie frische Leute. Alle Welt glaubte nun einmal, Trine sei eine Hexe, und keiner wollte mit ihr zu tun haben. Auch war es mit der alten Gastlichkeit und Fröhlichkeit des Hauses vorbei und mit den Schmäusen und Tänzen, denn keiner wollte kommen; und Trine mußte mit ihrem Mieskater Martinichen einsam sitzen und ihre Bratgänse und Würste allein verzehren.

Aber ach, du arme Trine Pipers, die du sonst so froh und fröhlich gewesen warst und alle gern erfreut hattest, wie ging es dir auf deinen alten Tagen? Nicht allein keine Gesellen und Gesellinnen und Nachbarn und Nachbarinnen kamen mehr, sich des Segens zu freuen, den Gott dir gegeben hatte, und sich mit dir zu erlustigen, sondern in wenigen Jahren verging auch das, wovon du dich hättest erlustigen können. Die Leute kopfschüttelten und flüsterten zwar, der Kater sei es, der sei bisher der unsichtbare Bringer und Zuträger gewesen und habe Scheunen, Kornböden, Keller, Speisekammern, Milcheimer und Butterfässer und Geldkatzen und Sparbüchsen gefüllt; aber nun war ja dieser Wundertäter und Hexenmeister da, warum ging es denn nicht noch gedeihlicher als vorher? Warum ging vielmehr Trinens Wirtschaft von Tage zu Tage mehr zurück? Die arme Trine hatte Knechte und Mägde, wie sie kaum ein Bettlerkrug willig beherbergt hätte, recht was man Krücken und Ofenstecken nennt; ihre sonst so glatten Pferde magerten ab und verreckten an Rotz und Wurm; ihre Schweine und Kühe hatten Läuse und gaben keine Milch mehr; ihre Schafe und Gänse wurden Drehköpfe, als hätten sie geheime Wissenschaft studiert; ihre Hühner und Enten legten keine Eier und brüteten nicht mehr; ihr Feld trug Disteln und Dornen für Korn und Weizen. Kurz, Trine geriet in zwei Jahren in die bitterste Armut: Pferde waren weg, Kühe waren weg, Schweine ausgestorben, Schafe geschlachtet, Tauben und Hühner vom Marder aufgefressen, der Hund an der Kette verhungert—kein Hahn krähte mehr auf ihrer Haustüre, kein Bettler seufzte mehr sein Gebet davor. Und Trine saß allein und verlassen mit gelben, gefurchten und gerunzelten Wangen und von Tränen und Jammer triefenden Augen und schneeweißen Haaren in der frierenden Ecke ihres leeren Zimmers und hielt ihren magern und in der Asche verbrannten Kater auf dem Schoße und weinte jämmerlich über den kargen Brocken, die man ihr von fern zuwarf; denn keiner mochte ihr gern nah kommen.

So hat man sie eines Morgens gefunden tot auf dem Boden ihres Stübchens hingestreckt und ihren treuen Mieskater Martinichen tot auf ihr liegend. Die Leute haben mit Grauen davon erzählt. Und die sonst so reiche Trine, die der Kirche und Geistlichkeit immer so gern gab, als sie noch was zu geben hatte, ist begraben, wie man Bettler begräbt, ohne Sang und Klang, ohne Glocken und Gefolge; kein Nachbar hat sie zum Kirchhof begleiten wollen, kein Verwandter ist ihrer Leiche gefolgt, sie hatte ihnen ja nichts nachgelassen. O kalte Welt, wie kalt wirst du denen im Alter, die dann nichts haben, womit sie sich die Füße zudecken können, und ach, auch die irdischen Mängel, die man mit schärferen Augen an den Alten betrachtet!

Als Trine nun tot war, erzählen die Leute, ist sie immer als Hexe umgegangen und geht bis diesen Tag als Hexe um in der Gestalt einer alten, grauen Katze, die man daran kennt, daß sie Augen hat, die wie brennende Kohlen leuchten, und daß sie ganz entsetzlich laut sprühet und prustet, wenn man sie jagt. Sie wird noch alle Mitternächte auf der Stelle gesehen, wo ehedem Trinens Haus war, und heult dort erbärmlich; im Winter aber, wann in den Scheunen und auf den Dächern die wütigen Katzenhochzeiten sind, ist sie immer voran auf der höllischen Jagd und führt das ganze Getümmel und miaulet und winselt auf das allerscheußlichste. Diese Stimme verstehen die Leute in Putgarten so wohl, daß alt und jung gleich rufet: "Hört! Da ist wieder die alte Trine!"

So ist es Trine Pipers gegangen, und so geht es vielen Menschen bis diesen Tag. Sie ist eine arme, elendige Bettlerfrau geworden und hat ihren christlichen, guten Namen verloren, weil sie den bunten Kater Martinichen lieber gehabt hat als Menschen. Denn wenn sie auch keine Hexe gewesen ist, so haben die Nachbarn und Nachbarinnen es doch geglaubt, weil sie sich in ihrer unnatürlichen und häßlichen Liebe zu der unverständigen Kreatur so in des Katers Gemüt und Gebärden hineingestohlen und hineinvertieft hatte, daß sie Menschen nicht mehr so suchte und liebte wie sonst. Sie mag zuletzt auch mit Katzenfreundlichkeit geblinzelt und mit Katzenaugen geschielt und mit allerlei Katzenmännchen sich gekrümmt und gewunden haben, so daß kein Mensch und kein Vieh und also auch kein Glück es länger bei ihr hat aushalten können und sie zuletzt mit ihrem Mieskater Martinichen ganz allein geblieben und so im größten Elende umgekommen ist.

Klas Avenstaken.

In dem Lande Westfalen unweit der Stadt Minden, wo es viele tüchtige Bauern hat, lebte vor langen Jahren ein Schulze in Dümmelshusen, der Peter Avenstaken hieß, ein Mann von Sitten und Art geduldig und sanftmüthig und deswegen bei Freunden und Nachbarn wohl berüchtigt und beliebt, sonst aber von großem und reisigem Leibe und von so gewaltiger Stärke, daß er weit und breit nur der starke Peter hieß, und daß die Leute ihm hundert Schritt aus dem Wege gingen, wann er böse ward; denn ward er böse, so ward er es sehr, und konnte überhaupt nichts Mittelmäßiges thun. Dieser Schulze in Dümmelshusen hatte ein Lieblingswort, das er oft gebrauchte und das in seiner Freundschaft und Verwandtschaft sehr alt war; denn ehrsame Bauerschaften pflegen auf gewisse Worte, Sinnsprüche und Sprichwörter eben so zu halten, als Edelleute, die Fahnen und Schild führen, und setzen auch einen Stolz in dem Alten. Dieses Wort hieß Grade durch, oder, wie sie in Westfalen sagen, Grad dör; und nach dem Worte, weil er es so oft im Munde führte, nannten manche Leute ihn auch Peter Grad dör, was er wohl aufzunehmen pflegte. Es war aber bei dem Worte noch ein Aberglaube, der sich Jahrhunderte lang in der Familie Avenstaken fortgepflanzt hatte; sie meinten nemlich, dasjenige von den Kindern, welches sich dieses Wort vor den andern herausnehme, werde das Tüchtigste und Glücklichste werden; und also horchten und merkten die Altern frühe darauf. Seinen Ursprung aber hatte das Sprichwort von einer alten Geschichte, die sich mit dem Stifter des Hauses begeben hat, der bei Minden seßhaft ward. Dieser war ein Schuhmachergesell Namens Klas, gebürtig aus dem Örtchen Corbach im Waldeckischen. Eines Tages, als er mit einem seiner Gesellen auf der Wanderschaft war und durch den Hochwald längs der Weser des Weges auf Minden ging, kam ein wüthender Wolf auf ihn los. Sein Gesell hielt den Anlauf nicht aus sondern entlief und kletterte auf einen Baum, Klas aber blieb festen Fußes und Auges stehen, nahm seinen Stock und wartete des Wolfes; und als dieser auf ihn zufuhr, stieß er ihm den Stock in den offenen Rachen und stieß so gewaltig, daß der Stock hinten wieder herausfuhr und der Wolf alle Viere von sich streckte. Sein Gesell fand sich nun wieder zu ihm, diesen aber prügelte er von sich weg als einen feigen und erbärmlichen Schächer, und ging mit ein paar Köhlern, welche das Abentheuer mit angesehen hatten, seines Weges weiter durch den Wald und übernachtete im nächsten Dorfe. Dem Wolf hatte er die Haut abgezogen und trug dies herrliche Siegeszeichen auf seinem Stock, daß er sie einem Kürschner in der nächsten Stadt verkaufte. Als Klas in der Dorfherberge angekommen war, erzählten die Köhler den Kampf mit dem Wolfe, und alle Bauren und Knechte und Dirnen liefen zusammen, daß sie den jungen Schuhmacher sahen, der den Wolf mit dem Stecken erschlagen hatte, wie König David den Goliath mit dem Steinchen. Und sie verwunderten sich sehr, denn der Jüngling sah so gewaltig nicht aus, wiewohl er stark war; und sie wollten alle den Stecken sehen und betasten, die Dirnen aber faßten ihn nur mit Grausen an. Es war sonst ein ganz gewöhnlicher Dornstock, den ein Becker in Corbach dem jungen Klas geschenkt hatte zu seiner Wanderschaft, und er war an der Spitze angebrannt, weil der Becker die Kohlen im Ofen zuweilen damit umgerührt hatte. Desto mehr lobten die Leute Klas und freuten sich über ihn wegen der herzhaften Antwort, die er dem Schulzen des Dorfes gab auf die Frage, wie er es denn mit dem Wolfe angefangen habe ihn umzubringen; da habe es der Stecken wohl nicht allein gethan sondern der Schusterpfriemen habe wohl mit beispringen müssen. Denn Klas sagte ihm ganz kurz: Herr Schulze, mit einem bischen Muth fängt man alles gescheidt an, und so ist auch dieser Ofenstecken grade durch den Wolf gegangen und hat nicht erst gefragt, ob seine Hinterthüre auch verschlossen war. Der Schulze wollte das übel nehmen, und brummte, aber die andern hießen ihn schweigen. Denn Klas hatte alle für sich gewonnen durch sein freies tüchtiges Wesen, und besonders nahmen die hübschen jungen Dirnen sich seiner an und trugen ihm Äpfel und Birnen und Nüsse und Kuchen um die Wette zu und forderten ihn von selbst auf zum Tanze, der später den Abend in der Schenke begann; und hätten sie sich nicht entsehen vor den Leuten, einige hätten ihn wohl mit Vergnügen geherzt und geküßt. Aber das geschah nicht, und Klas selbst war noch sehr blöd; denn dies war seine erste Wanderschaft und überhaupt das erste Mal, daß er in die Fremde ging.

Den andern Morgen, als die Sonne anbrach, nahm Klas seinen Stecken und seine Wolfshaut und kam nach Minden und fand Arbeit bei einem Meister und blieb dort. Doch war es sein Glück, daß er mit den Köhlern hier in der Dorfschenke angesprochen hatte, denn eine junge und hübsche Bauerdirne hatte sich so in ihn verliebt, daß sie Tag und Nacht nichts anders sah und träumte als den jungen Schuhmachergesellen Klas und daß sie vor Sehnsucht und Liebe fast abzehrte und ohne ihn gar nicht leben wollte. Die Ältern suchten ihr das wohl auszureden, aber Liebe, die es redlich meint, ist, wie man sagt, die unheilbarste aller Krankheiten. Sie mußten sich also, wenn sie ihre Tochter behalten wollten, endlich darein geben, und gingen selbst nach Minden und suchten Klas von Corbach auf, den jeder schon kannte von wegen seiner Wolfsgeschichte; und sie brachten den wackern Gesellen ihrer schönen Tochter zu, die ihr einziges Kind war, daß er sie zum Weibe nähme und vom Tode erlösete. Und Klas ließ sich nicht lange bitten, denn die hübsche junge Dirne gefiel ihm, und er zog zu ihr in das Dorf, und legte Pfriemen und Ahl weg und nahm Pflug und Spaten dafür in die Hand und lebte als ein rechtschaffener Bauersmann und ward nach einigen Jahren Schulze an dessen Stelle, der über seine Rede gebrummt hatte. Und von seinem Stecken nannte ihn alle Welt Klas Avenstaken; er aber gewöhnte sich das Wort an, das andere von ihm gebrauchten, Grad dör; denn sie pflegten im Scherze von ihm zu sagen: Grad dör sagt Klas Avenstaken. Und das behielten seine Enkel und Urenkel nach ihm als ein gutes Wort, das Glück und Muth bedeutete.

Dem Peter in Dümmelshusen waren von seiner Frau Greth Tibbeke schon viele Söhne und Töchter gebohren, und die Greth hatte ihrem Manne schon oft angelegen, er solle doch einen Sohn mit dem Hauptnamen in der Freundschaft Klas taufen lassen; er hatte es aber immer verneint, und den Buben andere Namen gegeben. Nun geschah es, daß wieder ein Knabe gebohren wurde und daß Peter mit Gewalt wollte, daß dieser Klas heißen sollte, wogegen sich Greth sehr steifte, denn sie und die Freundschaft wollten den Namen Johannes, weil er am Johannisabend zur Welt gekommen war. Auch sagte sie, indem sie das Kindlein in der Wiege betrachtete: Sieh Mann, wie sanft und still der Junge aussieht! das wird dir in der Welt kein Klas, der es mit einem Wolf aufnimmt; aber Peter antwortete: Kikelkakel! eben deswegen soll er Klas heißen, die Frommen sind immer die besten Helden gewesen, und die wie Eisenfresser aussehen, beißen oft keinen Strohhalm inzwei. Kurz, es half der Greth kein Bitten und Flehen, kein Heulen und Schelten, Peter war diesmal unerbittlich und sagte: Eben weil er am Johannisabend, an einem so großen Abend, gebohren ist, soll er Klas heißen, und ich wette, ein tüchtiger Klas wird er werden. Und mit diesen Worten nahm er seine Mütze vom Nagel und setzte sie etwas queer auf, wie er zu thun pflegte, wann er zürnte, und ging hinaus und achtete nicht des Geschreis seiner Greth und der Muhmen und Gevatterinnen hinter ihm her. Und der Priester mußte den Knaben Klas taufen. So daß die Greth, die ihren Johannes noch nicht vergessen konnte, halb weinend und halb lachend sagte: Nein, dem Peter ist was durch den närrischen Kopf gefahren, wie es Hunden und Katzen zu geschehen pflegt, die, wenn man ihnen die Jungen nimmt, daß man eines oder zwei hegen lasse und die übrigen ersäufe, immer wieder dieselben Jungen aus allen zuerst ergreifen und wieder in ihr Lager tragen, wo es die Leute dann auch liegen lassen und aufziehen, meinend, die Alte müsse am besten wissen, welche von ihren Jungen die besten seyen. Ich will doch sehen, was aus diesem ausgegriffenen Klas meines lieben Peters wird.

Und dem kleinen Klas gedieh sein Name wohl, er nahm unverzagt der Mutter Brust und ließ es sich gut schmecken, schoß in dem zweiten Monat schon seinen ersten Zahn aus, hatte den vierten Monat schon sechs Zähne und genoß nebenbei schon allerlei Speise und Trank, vor dem neunten Monat aber stand er schon auf eigenen Füßen und richtete sein Antlitz zum Himmel auf. Dann nahm Peter, sein Vater, ihn auf den Arm, lächelte seelenvergnügt und hielt ihn der Greth hin und sprach: Sieh, Greth, welch ein Klas! Greth aber halb böse halb gutmüthig antwortete: Dein Klas ist noch nicht über alle Berge, ich wollte doch, er hieße Johannes. Und Peter setzte den Buben wieder auf den Boden, sah zornig und ging stumm und verdrießlich aus der Thüre. Solche kleine Neckereien über das Bübchen hatte es oft unter den beiden Eheleuten, die sich übrigens von ganzem Herzen liebten. Sie schadeten dem kleinen Klas auch nicht sondern er gedieh wohl, ward breit an Schultern und Brust, warf alle Knaben seines Alters und auch die ein Jahr älter waren, zur Erde.

So war er im Essen, Trinken, Schlafen und Spielen fünf Jahre alt geworden. Nun stellte ihn der Vater den Frühling und Sommer schon hinter die Gänse, und den Winter mußte er in die Schule gehen und beten und das ABC lernen. Mit dem siebenten Jahre rückte er zum Schweinhirten vor und im neunten mußte er schon Ochsen und Pferde hüten. Alles dies that er ordentlich und geschickt, so daß der Vater Freude daran hatte. Das Einzige, worüber Klagen einliefen, waren Beulen, die er den Nachbarskindern schlug; Frau Greth jammerte auch oft über die vielen zerrissenen Hosen und Jacken, die er mit zu Hause brachte, nein nicht immer mit zu Hause brachte sondern zuweilen auf den Bäumen und an den Dornen hangen ließ; auch beschwerte sie den obersten Richterstuhl des Vaters zuweilen mit Schiedsrichteramt, wann er seine älteren Brüder gebläuet hatte; denn im Zorn konnte er alle Knaben zwingen, auch die vier fünf Jahre älter waren als er. Der alte Peter freute sich gewöhnlich, wenn er in solchen hochnothpeinlichen Halsgerichtsfällen seinen Stuhl besteigen mußte. Der Schluß vom Liede war fast immer, daß die Kläger und Greth ihr Anwald wegen Unstatthaftigkeit der Gründe und Zeugen abgewiesen wurden. Wohlgefällig sagte Peter dann: Ich weiß, ich habe es in meinen Knabenjahren auch so gemacht; hat denn der Klas je den Zank angefangen? sind die andern nicht immer die Necker? ihnen geschieht ihr Recht, wenn er sie tüchtig abstraft. Es ist gut, daß er sie zwingen kann, so wird ihnen die Lust dazu vergehen. Und er nahm dann seinen Klas gewöhnlich und streichelte ihn und küßte ihn und ermahnte ihn zu aller Friedseligkeit. Dessen bedurfte es aber in der That nicht: Klas war einer der stillesten und freundlichsten Jungen, der keiner Kreatur etwas zu Leide thun, am wenigsten schwächere und kleinere Knaben necken konnte; aber wenn er gereitzt ward, gebrauchte er die Kraft seiner Fäuste nicht mittelmäßig.

Nicht so gut, als hinter den Gänsen, Säuen und Ochsen ging es Klas hinter den Bänken des Schulmeisters. Er hatte zum Lernen wenig Lust und Geschick und konnte es in vier Jahren kaum zum Lesen bringen; denn was er im Winter gekonnt, hatte er im Sommer im Felde und Walde immer richtig wieder ausgeschwitzt, so daß seine Brüder und die Nachbarkinder in der Schule immer weit mehr gelobt wurden als er. Doch hatte der alte Schulmeister ihn sehr lieb und gab ihm das Lob der Sittigkeit, des Gehorsams und der Frömmigkeit. Im Hause gab das unter den Alten manchen kleinen Verdruß. Peter, der ihn von allen seinen Kindern am liebsten hatte, was er sich aber nie merken lassen wollte, setzte sich oft allein mit ihm hin und half ihm seine Lex zurecht. Aber sie kamen damit doch nicht durch, Greth nannte ihn oft ihren breiten Dickkopf, und Peter konnte es nicht wenden, er mußte es anhören und still dazu schweigen, ja er mußte es wohl leiden, daß der Jürgen und Joachim und Christoph, seine Brüder, und die Thrine und Therese, seine Schwestern, als geschicktere und klügere Kinder gelobt wurden. Dann sagte sie zuweilen auch wohl spöttisch:—sie war sonst eine herzensgute Frau—Peter, wir wollen doch sehen, was aus deinem Klas wird; ich wollte, er hieße Johannes, er wäre anders geworden. Das schlug dann dem Fasse den Boden aus, Peter nahm die Mütze und ging auf den Hof und in den Pferdestall, daß er sich auslüftete und wieder besänne. Und wann er sich besonnen hatte und wieder zurück kam, brummte er wohl für sich: Klas wird doch der beste werden. Klas gab nemlich ein anderes großes Zeichen von sich, worauf der Vater Häuser bauete: seit seinem vierten Jahre rief der Knabe immer Grad dör, sobald er heftig ward oder was Heftiges und Ungestümes beginnen wollte, besonders wenn er die Fäuste zu Schlachten ballte. Das that kein anderes von Peter Avenstakens Kindern, obgleich sie das Wort aus dem Munde des Vaters oft genug hören konnten. Und Peter erlebte die große Freude, daß Klas vor seinem neunten Jahre im ganzen Dorfe von Alt und Jung Klas Grad dör genannt ward und daß die Leute zu Dümmelshusen wieder sagten: Grad dör sagt Klas Avenstaken.

Klas war zwölf Jahre alt geworden, war für sein Alter ungewöhnlich groß und stark, stand sehr grad und fest auf den Beinen, hatte einen großen Kopf und breite Stirn mit langen hängenden Flachshaaren, unter welchen er aus ein paar trotzigen blauen Augen guckte. Viele Leute sagten, er wäre ein schöner Junge, Peter, sein Vater sagte, er ist der schönste Junge im Dorfe, aber Greth meinte, er sey zu plump und dick und seine Brüder seyen viel schöner. Da kam der dreizehnte Herbst seines Lebens, und mit dem November jenes Herbstes verschwand Klas durch eine der wunderbarsten Begebenheiten, die ich jetzt erzählen will, plötzlich aus dem elterlichen Hause.

Peter hatte einen neuen Knecht gemiethet, der mit dem ersten November zuzog. Dieser hieß Hans Valentin und war schon ein ältlicher Mann von fünfzig Jahren. Der Knecht war nicht lange im Hause, so schloß er mit den Knaben eine sonderliche Freundschaft, am meisten aber mit Klas. Valentin wußte nemlich viele Fabeln, Geschichten und Mährchen und allerlei alte längst verschollene Leuschen*, und erzählte sie abendlich nach der Arbeit den Kindern; und er ward durch seine schönen Geschichten bald so berühmt, daß auch die Kinder der Nachbarschaft häufig in Peters Haus kamen, damit sie ihn hörten. Dies geschah meistens des Samstags und Sonntags Abends, wo Valentin Zeit hatte zum Erzählen. Die Buben brachten dem Valentin Äpfel und Nüsse mit und andere schöne Sachen, und so setzte die Genossenschaft sich in einer Ecke hin und schmauste und erzählte. Das war aber das Besondere, daß von allen Kindern keiner die Geschichten besser behielt und lebendiger wieder erzählte als Klas; so daß Peter ihm oft mit Wohlgefallen zuhorchte und schmunzelnd der Greth zurief: Hörst du's Greth? hörst du's, wie der Klas der Blitzjunge erzählen kann? Sie aber ließ es kalt abgleiten und sagte wohl: Ja ein Klas ist er und ein Klas bleibt er, ein rechter Mährchenklas, aber Schulze wird er nie werden, denn er kann ja nicht schreiben. So sprachen die Altern über Klas jeder auf seine Weise; sie merkten aber nicht, daß mit Klas eine große Veränderung vorging und daß Valentin ihn viel lebendiger und im Herzen viel lustiger machte. Denn die Geschichten ergriffen den Jungen so, daß er nichts anderes sah und hörte, dichtete und träumte als Hexen und Hexenmeister, Drachen und Riesen, bezauberte Prinzessinnen und verwünschte Schlösser. Ja es ging so weit, daß der Knabe manche liebe Nacht davor gar nicht schlafen konnte, sondern oft die Augen noch offen hatte, wann der Hahn durch seinen fünften Krei schon verkündigte, der Himmel wolle seine geschlossenen Augen wieder aufthun. ————————————— * Hübsches Wort für Mährchen. —————————————

So war Valentin mit seinen Buben bis gegen das heilige Christfest hingekommen, wo die langen Abende und die vielen Festtage zu Spielen und Mährchen Gelegenheit gaben und wo alle Welt wegen der Geburt des süßen Jesuskindleins sich mancherlei Festen und Freuden überließ und wo Freunde mit Freunden und Nachbarn mit Nachbarn lustig lebten. Valentin hatte bis auf diese fröhliche Zeit seine besten Geschichten aufgespart, er hatte den Kindern, welche nebst den Alten ihn reichlich mit Gaben bedacht hatten, wie man zu sagen pflegt, seine Mäusekiste aufgethan. Von allen Geschichten aber, die er ihnen auftischte, wurden sie am meisten erfreut durch die von dem Pfannkuchenberge und von dem gläsernen Berge, zu welchen er mit heller Stimme folgende feinklingende Reime zu singen pflegte:

Wer sagt mir an, wo der Pfannkuchenberg liegt, Gespickt mit Ochsenbraten, Mit Zucker und Marzipan gefüllt Und Scheffeln voll Dukaten? Gläserner Berg, gläserner Berg, Wann springst du auf? Spielender Zwerg, künstlicher Zwerg, Wann wachst du auf?

Wann die Glock Zwölfe schlägt, Wann der Dieb Säcke trägt, Dann spring' ich auf;

Wann der Hahn zum zweiten kräht Und der Mond am höchsten steht, Dann wach' ich auf.

Diese Geschichten gefielen so sehr, daß sie wenigstens vier Tage hinter einander immer mit neuen Ausschmückungen erzählt werden mußten, zumal da, wie Valentin wußte, die beiden Berge in der Nachbarschaft lagen in dem hohen Forst, in welchem er den Knaben, die dort oft das Vieh gehütet hatten, die Eiche und Buche ganz deutlich beschrieb und bezeichnete, die auf ihrem Gipfel ständen. Bei Tage, setzte er hinzu, kann man diesen Bergen freilich nicht ansehen, was sie eigentlich sind, dann sehen sie aus wie alle andere Berge; aber um die Mitternacht sind sie, was sie sind, der eine von dem allerklarsten und allerdurchsichtigsten Glase, wo Mond und alle Sterne durchscheinen bis auf den Grund, und der andere der prächtigste Pfannkuchen, so prächtig, als er nie in einer Pfanne gebacken ist. Die Sage geht, winkte er dann freundlich und mit leiserer Stimme, daß, wer in den Pfannkuchenberg steigt, ein großer König wird, und wer in den gläsernen Berg springt, ganze Säcke mit Dukaten und goldenen Bechern und silbernen Schalen mit zu Hause trägt; aber wer hat dazu den Muth? Solche Leute werden nicht alle Tage gebohren.

Das Wörtlein: Aber wer hat dazu den Muth? gab nun, wie es unter Knaben zu geschehen pflegt, Gelegenheit zu vielem Necken, und sie wetzten, drillten und foppten einander damit, und einige Wochen hörte man am Schluß jeder Geschichte immer durchklingen: Aber wer hat dazu den Muth? und einige Schälke sagten auch wohl Klas Grad dör hat den Muth. Und Klas zuckte es dann immer in den Fingern, und er hätte sie gewiß gebraucht, wenn der Vater nicht dabei gewesen wäre; denn Peter strafte es hart, wenn die Buben sich in seiner Gegenwart rauften. Indessen ging das Wort und die Neckerei immer fort und auch das Wort Klas Grad dör hat den Muth; so daß es dem Knaben endlich zu toll ward und er bei sich selbst dachte: es ist doch auch schlecht, daß ich den Muth nicht haben soll. Und eines Abends, als sie wieder so stichelten und stachelten, entfiel ihm im Zorn das Wort: ja Klas Grad dör hat den Muth, wenn ihr den Muth habt mit dabei zu seyn; und ihr könnt nun wählen, was ihr wollt, ich nehme mir den Pfannkuchenberg, worin der König sitzt, wo die große Buche steht, und will voransteigen als der erste, wenn ihr mitsteigt. Und sie schämten sich und schrieen alle: Ja! Ja! wir wollen mit; denn es war eben der helle Mittag und sie däuchten sich alle des Muthes überflüssig zu haben, und hatten ihn damals auch. Und so neckten sie sich den ganzen Tag und Abend fort und fort, und Valentin und Peter und Greth und die Knechte und Mägde, die es hörten, zogen sie auf; denn sie glaubten nicht, daß es ihr Ernst sey. Die Knaben aber wurden dadurch nur noch vergritzter auf ihren Vorsatz und der steife Klas hielt die andern fest, indem er ihnen alles auf das herrlichste vormalte, wie lustig sie dort leben und mit welchen Schätzen und Herrlichkeiten sie zu Hause kommen würden.

So war es Abend geworden, und es schlug zehn Uhr vom Kirchthurm, da rief Klas: Frisch, Gesellen! heraus! es ist Zeit, wir haben über eine halbe Meile bis zum Walde. Und die Gesellen gingen hinaus mit ihm, seine drei Brüder und noch fünf andere Knaben, alle in Sonntagskleidern und mit weißen Stöcken in der Hand; denn mit weißen Haselstöcken soll man Geistern und Abentheuern entgegen gehen. Und die Alten riefen und lachten hinter ihnen her, und der Valentin lachte am lautesten, und sie dachten: die werden keine Berge sprengen sondern bald wieder hier seyn.

Und die Knaben strichen geschwind über das Feld hin, und Klas lief allen voran, so brannte die Lust ihn, und sie krächzeten und kakelten und jauchzeten, wie Krähen krächzen, wenn man sie von den Bäumen aufjagt, und Hühner kakeln, wenn man ihnen den Flug aufthut. Und alle blieben bei dem Vorsatz und waren voll Muthes, bis sie die Bäume des Waldes sehen konnten; da wurden sie fast alle still. Als sie aber an den Wald kamen und die hohen Bäume rauschen und die Wasser der Gießbäche aus der Ferne brausen hörten, da standen sie still, der einzige Klas lief hinein. Und da er die andern nicht folgen sah, schalt er sie; sie aber achteten des nicht, sondern sagten der eine dies der andere das, und keiner wollte mit. Da nannte er sie feige Memmen und rief ihnen spöttisch zu: Klas Grad dör hat den Muth, und dann rauschte er sporenstreichs durch die Sträuche fort immer bergan. Sie aber rauschten über das Feld zurück nach Hause und machten so geschwinde Schritte, als hätte ein jeder ein Gespenst an den Fersen gehabt.

Und Klas lief eilends seines Weges auf manchen krummen Pfaden, die er kannte, bergauf bergab, bis er auf der höchsten Höhe des Forsts die Buche nicken sah. Da mußte er auch still stehen und ihm wollte der Muth auch fast klein werden, zumal da er wohl vier Kirchenglocken aus der Ferne eben zwölf schlagen hörte. Aber wie er ein wackerer Bub war, so sprach er sich das Wort zu, das sein Vater ihm so oft gesagt hatte: ein Kerl müsse nie vor einem Entschlusse umkehren, den er in lustiger Stunde gefaßt habe, und, wenn es zur That komme, sich wie ein Hase auf die Hinterfüße setzen; und Klas rief Grad dör! daß der Wald wiederhallte, und so sauste er den Berg hinan. Und er kam hin, wo er eben die Buche noch gesehen hatte, aber sie stand nicht mehr da, wohl aber duftete und schimmerte der schönste Pfannkuchenberg im Mondschein. Und Klas bedachte sich nicht lange, that beherzt seine beiden Augen zu, richtete sich mit beiden Füßen auf die Zehenspitzen, wagte den Sprung und rief: Grad dör sagt Klas Avenstaken.

Und der Sprung misrieth ihm nicht, und er glitt sanft in den Berg hinein und sank leise und langsam hinab, als wäre er gefahren, wie man Eier im Hopfensack zu fahren pflegt. Und es däuchte ihm, er ward lieblich hinabgeschaukelt und hinabgewiegt und daß er entschlief und wundersame Träume hatte, worin ihm sein alter Hans Valentin erschien und ihm gar wohlgefällig und freundlich zulächelte.

Und als er erwachte, da war es dämmerig um ihn her, er fühlte aber, daß er in einem weichen Bette lag, auf so weichen und feinen Kissen, als Greth seine Mutter ihm nie untergelegt hatte. Und das gefiel ihm sehr. Aber ihn hungerte, und das gefiel ihm nicht. Da fing es an hell zu werden und er bedachte und besann sich über gestern und über die vorigen Tage und sprach: Hier soll ich ja im Pfannkuchenberg seyn, will sehen, ob Valentin mir auch was vorgelegen hat. Und er rieb sich die Augen auf und es ward lichter um ihn; es fiel aber nur ein dämmerndes Licht von oben herab. Und seine Augen freueten sich, und sein Herz freuete sich noch mehr; denn was ward er gewahr? Daß er nun wirklich mitten in dem Pfannkuchenberg war und daß der alte Valentin nicht gelogen hatte. Denn er war nun in einem Zimmer, worin ein Bett und ein Tisch und eine Bank war, fast wie in seines Vaters Hause; nur alles netter und zierlicher. Und das Zimmer war ringsumher gar herrlich geschmückt und verhangen. Da waren die Wände mit gebratenen Gänsen und Enten und Hühnern und Schnepfen und Rebhühnern und Wachteln und Krametsvögeln wie mit den schönsten Tapeten in der buntesten Mannigfaltigkeit verziert und mit Hasen und Hirschen und Rehen in Menge, und die schönsten Schüsseln und Teller und Messer und Gabeln hingen dabei. Das war die eine Seite. Und die andere Seite war mit Kuchen ausgeschmückt und mit Zuckerwerk und Marzipan und mit köstlichen Früchten, Pfirsichen, Aprikosen, Apfelsinen, Weintrauben, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Nüssen und was Zunge und Zahn sich in ihrer Lüsternheit nur wünschen mögen zu schlürfen und zu beißen. Und an den beiden schmaleren Enden des Zimmers standen blühende Bäume und Bäume voll Früchte, und unter den Bäumen liefen je zwei Quellen heraus: an dem einen Ende war eine Wasserquelle und eine Milchquelle, und an dem andern Ende war eine Bierquelle und eine Weinquelle. Klas kümmerte sich um zwei Quellen gar wenig, nemlich um die Wasserquelle und die Bierquelle sondern gebrauchte allein die Milchquelle und die Weinquelle. Dieses ganze Zimmer war ein Wunder, aber das größte Wunder daran war, daß jeder verzehrte Braten und jede verschlungene Birne oder Traube gleich wieder an derselben Stelle wuchs, wo er sie weggerissen hatte, und daß die Milchquelle und Weinquelle nie versiegten. Ja ich glaube, ein ganzes Heer Reiter und Fußvolk hätte in dem Pfannkuchenberge ein Jahrtausend essen und trinken können, und es wäre nicht all geworden.

Und unser Klas aß und trank wie ein Kerl, ja er aß und trank übermäßig, und es bekam ihm doch nicht übel. Das geschah ihm aber immer, daß er sogleich nach dem Essen und Trinken einschlief, so daß man fast sagen mag, er that nichts anderes als essen, trinken und schlafen. Er wachte aber etwa fünfmal des Tages auf, und dann aß und trank er jedesmal tüchtig; die Nächte durch aber schlief er immer in Einem fort vom Abend bis zum Morgen, ohne daß er je erwachte. Weil dies nun sein Leben war und sein dämmerndes Zimmer ihn an nichts erinnerte, was er dort oben auf der Erde erlebt und gesehen hatte, so verschwand ihm das Vergangene fast ganz aus dem Gedächtnisse. Nur seines Vaters Peter gedachte er zuweilen und des treuen Valentins und des freundlichen alten Schulmeisters; aber das war ihm auch nur wie ein Traum. Das aber hielt er von göttlichen und heiligen Dingen und Gewohnheiten fest, daß er jedesmal, ehe er aß, sich kreuzete und die Hände faltete und betete. Er konnte aber nur Ein Gebet, das nicht sehr lang war, und hieß:

Fürchte Gott, Liebes Kind, Gott der Herr Sieht und weiß Alle Dinge.

Dies Gebet betete er immer sehr andächtig. Seine Schlafstunden bei Tage und auch die Nacht, wo er im Bette lag, waren ein ewiger Traum, und zwar ein sehr bunter und lustiger Traum, wo alle Valentinische Geschichten und Mährchen wunderbar aufblüheten und wieder tausend andere Geschichten und Mährchen gebahren, wo er immer mitten drinnen war und ungeheure Thaten vollbrachte, Drachen und Riesen erschlug eiserne und diamantene Thore zersprengte Prinzessinnen befreiete und endlich König ward.

Klas verlebte auf diese Weise, ohne daß er wußte, wie ihm geschah, in seinem Pfannkuchenberge ein ganz vergnügtes und lustiges Leben. Es war aber in dem Traume jemand da, der ihm die Geschichten erzählte oder vormachte. Dies war nicht Valentin sondern seine verstorbene Großmutter, die er in seinen frühesten Kinderjahren noch in seines Vaters Hause gesehen hatte. Diese schien dann zu seinen Häuptern zu stehen oder auf den Knien vor ihm zu liegen und über ihm zu beten, und erzählte ihm zuletzt immer Geschichten. So hat er es in späteren Jahren oft mit tiefer Bewegung erzählt und gemeint, wenn etwas Gutes aus ihm geworden, so verdanke er es den stillen Gebeten dieses frommen und von Gott erlöseten Geistes, der seinen Irrthum, womit er in den Berg hinabgesprungen, zum Guten gewendet habe.

So waren ihm fünf Jahre vergangen wie Ein Tag, und essend und trinkend war er immer tiefer hinabgesunken, und das Zimmer hatte sich mit ihm gesenkt. Und er hatte sich glücklich durch den zauberischen Berg gefressen; denn durchfressen mußte sich, wer hineinsprang, hatte Valentin gesagt, anders konnte er nimmer aus dem Berge erlöst werden. Wie viel er aber in dieser langen Zeit gegessen und getrunken hat, wer will das wohl ausrechnen? Gewiß ist es aber nicht weniger gewesen, als zehen der unverdrossensten Esser und Trinker nur hätten bezwingen können. Auch war es nicht verloren an ihm sondern er war ein gar starker und reisiger Jüngling geworden. Davon wußte er aber nichts, denn er hatte niemand, an dem er's hätte versuchen können, auch war kein Spiegel in seinem Zimmer, der es ihm hätte verrathen können.

Als nun die fünf Jahre um waren und Klas sich unten bis an den Rand durchgefressen hatte, und nun wieder herausfallen sollte auf die Erde, damit sein Schicksal erfüllet würde, fiel er in einen tiefen Schlaf, und ihm träumte ein sonderbarerer Traum, als er je gehabt hatte. Die alte weise Frau nehmlich, die immer bei ihm saß und ihm Geschichten erzählte und aussah wie seine selige Großmutter, schien ihm sehr traurig und gebehrdete sich, als wenn sie Abschied von ihm nehmen wollte, ja sie sagte es ihm. Und es däuchte ihm, als wenn sie sehr brünstig und mit vielen Thränen über ihm betete und ihn dann aus dem Bette nahm und ihn wusch, wie man ein kleines Kind wäscht, bis er weiß ward wie ein Schwan, und als wenn sie ihm dann ein weißes Hemd anzog und einen sehr zierlichen neuen Rock und neue Schuhe und Strümpfe, und dann verschwand. Und auch ihm schien sehr traurig zu seyn in seinem Herzen. Und dies war wirklich kein Traum gewesen sondern er war drinnen rein gewaschen worden und neu gekleidet vom Haupt bis zu den Füßen, und so war er im Traum aus dem Berge herausgefallen. Er hatte es aber nicht gemerkt sondern diese Wundergeschichte verschlafen.

Weil Klas Avenstaken nun wieder auf der Erde erscheinen soll, so muß ich erzählen, wie es die fünf Jahre, wo er im Pfannkuchenberge lebte, in seines Vaters Hause gegangen war. Es hatte sich dort seit seinem Verschwinden nichts Ungewöhnliches begeben, sie lebten gottlob noch alle, die Altern und die Geschwister, und seine mitternächtliche Pfannkuchenbergfahrt war wirklich das einzige Außerordentliche gewesen, was das Haus in so langer Zeit erlitten hatte. Es war lange Trauer um ihn gewesen, besonders in dem Herzen seines Vaters, der es sich aber nicht merken ließ, auch in dem alten ehrlichen Valentin, den die Mutter überdies wegen seiner Geschichten noch viel ausgescholten hatte. Es war aber seit jener Zeit alle Freude von ihm gewichen und kein Mährchen mehr über seine Lippen geklungen, und der alte Mann, der sonst so munter und scherzhaft war, war fast stumm und grämlich geworden. Auch hatte er aus dem Hause und dem Dienst weggewollt, Peter aber in seiner Gutmüthigkeit hatte es nicht zugelassen, und gesprochen: hat der Valentin so großes Leid mit uns erfahren, so soll er nun auch das bischen Brod mit uns essen bis an sein Lebensende. Von Klas ward übrigens fast nicht mehr gesprochen oder doch nur leise geflüstert; die meisten Leute und auch seine Mutter meinten, die bösen Geister seyen mit ihm abgefahren und das Knäblein werde in diesem Leben nicht wiederkommen. Nur Valentin und Peter sprachen zuweilen unter sich noch von dem Knaben, den sie beide so lieb gehabt hatten, und hegten verschwiegen die Hoffnung, er könne doch noch wohl mal wiederkommen. Die beiden glaubten auch an die Geschichten, die sie so gern erzählten oder erzählen hörten. Und siehe! ihre Hoffnung betrog sie nicht; denn Klas kam wirklich wieder. Nun muß ich erzählen, wie dies geschehen ist.

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