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Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil

VII. KAPITEL. [←]

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VII. KAPITEL. [←]

DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN.

Nürnberg: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. Augsburg: Hans Schönsperger d. ä. Frankfurt am Main: Chr. Egenolff, Sigism. Feyerabend, die Merians. Mainz: Die Nachfolger Schöffers. Tübingen: Der slawische Druck. Cotta. Strassburg: Illustrierter Druck. Basel: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus. Zürich: Chr. Froschauer. St. Gallen: Leon. Straub. Wien: Johan Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. Leipzig: Melch. Lotter, Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. Wittenberg. Der Norden. Berlin.

DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. Dänemark, Norwegen und Island, Schweden und Finnland.

DER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten.

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Nürnberg. Der Theuerdank.

Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I. veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine recht schale Poesie des Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden.

Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere angesehene Künstler.[1]

Theuerdank- Type.

Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher Dürers gedruckt wurden.

Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann. Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten konnten freilich leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die Zieraten, behielt bis in das xvii. Jahrhundert ihre Geltung, sowohl in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften bildeten sich nach derselben.

Die Koberger.

Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. Der Sohn Ant. Koberger war damals minderjährig. Der eigentliche Chef des Hauses scheint Johannes Koberger, entweder ein Sohn des älteren Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein; das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr. Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543.

Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich Johann Petreijus aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende Endtersche Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste deutsche typographische Handbuch (1721).

Schriftgiesserei in Nürnberg.

Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter den Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die Kanzlei- und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war Paul Fischer bedeutend. Sein Schüler Johann Neudörffer d. ä. war der erste, der die deutsche Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den Jahren 1538, 1544 und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer starb 1581. Einen guten Ruf erwarb sich Pancratius Lobinger, dessen Schriften noch um die Mitte des xviii. Jahrhunderts beliebt waren[2].

Augsburg. Hans Schöns- perger d. ä.

AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es war Hans Schönsperger der ältere, der von 1481 bis 1523 eine Reihe ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite Auflage schreibt sich jedoch aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen Druckwerken war das Regimen sanitatis das erste, das „Neue Testament“ das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck auszuführen, wissen wir nichts näheres.

Andere Augs- burger Drucker.

Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: Erhard Oeglin (Ocellus), der zuerst in Deutschland hebräische, und Hans Müller, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. Hans Froschauer brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: Lilium musicae planae. Auch Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt Sigmund Grimm und der reiche Kaufmann Marx Würsing; ja man lernt selbst eine Art Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: Ad insigne Pinus, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war Johann Rainmann berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten Typen von ihm bezogen habe.

Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier erschien auch 1564 der erste Messkatalog.

Frankfurt a. M. Chr. Egenolff.

FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam, wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst 1531 eine Buchdruckerei durch Christian Egenolff[3] aus Hadamar im Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann, der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt. Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne Sabon stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel.

Sigism. Feyer- abend.

Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt Sigismund Feyerabend (geb. um 1527; gest. um 1590). Er entwickelte eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog. Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius, Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau; Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten.

Die Merian.

Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten die Merian, Vater und Sohn. Matthias Merian der Vater (geb. 1593 zu Basel, gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf eines tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei seinem Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry, und ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab. Auf den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn Matthias Merian d. j. (geb. 1621 zu Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und sein Bruder Kaspar ihn unterstützten[4].

And. Wechel.

Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich Andreas Wechel, Sohn des berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im gleichen Geiste fortgesetzt.

Joh. Andreae.

Die von Johann Andreae 1667 gegründete Buchdruckerei und Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle Stelle ein.

Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren Rang.

Mainz. Familie Schöffer.

In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische Buchdruckerei 1508 auf Friedrich Hewmann aus Nürnberg über. Schöffer hatte zwei Söhne, Johann und Peter. Peter Schöffer der jüngere[5] druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528 gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von 1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn Ivo blieb bei dem Onkel Johann in Mainz.

Johann Schöffer, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung des Geschäfts folgte ihm sein Neffe Ivo, der im Jahre 1552 kinderlos starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von Balthasar Lips über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt.

Johann Schöffer ii, der Sohn des obengenannten, etablierte sich später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796 fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem Jakob Schöffer ausstarb.

Tübingen. Slawischer Druck.

Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt, erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch Johannes Ottmar 1498. Eine interessante Episode bildet um die Mitte des xvi. Jahrh. der slawische Bücherdruck in Tübingen und Urach[6]. Der Primus Truber, 1531 Domherr in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden Verfolgungen zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine Predigerstelle in Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein sehnlichster Wunsch war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in ihrer Sprache schaffen zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte er einen Katechismus zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse in Neuenburg und Schwäb. Hall und musste den Druck (1550) heimlich in Tübingen veranstalten. Auf Veranlassung des Bischofs Paulus Vergerius, welcher, der Religion wegen geflüchtet, sich in Graubündten aufhielt, übersetzte er das Evangelium Matthäi. Den Druck übernahm die Morhardsche Buchdruckerei in Tübingen auf Kosten des Herzogs Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch eine Presse nach Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer Sprache erschien 1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des Neuen Testaments vollendet, 1560 der zweite.

Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach Urach berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu schneiden, überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph. Consuls Leitung stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien und Bosnien wurden berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen nicht in genügender Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer Sprache gedruckt. Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins Stocken, die Typen wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den Kaiserlichen gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands iii. nach Rom in die Druckerei der Propaganda. Tübingen brachte auch 1522 den ersten hebräischen Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen.

Familie Cotta.

Hier stand auch die geschäftliche Wiege des weltberühmten Cottaschen Etablissements. Die Familie Cotta war eine der ältesten und reichsten Adelsfamilien der Lombardei und behauptet, ihre Ahnen bis in die römische Konsularzeit verfolgen zu können. Durch ihre Parteinahme gegen Franz Sforza ging sie ihrer Güter verlustig und wanderte nach Deutschland aus. Bonaventura Cotta, der Stammvater des im Buchhandel und Buchdruck berühmten Zweiges der Familie, liess sich in Sachsen nieder. Durch die Verhältnisse darauf angewiesen lernte Joh. Georg Cotta den Buchhandel bei Zimmermann in Wittenberg, ging 1640 nach Tübingen und erwarb durch Heirat das frühere Brunnsche Geschäft. Der Glanz des Hauses gehört der nächsten Periode.

Heidelberg.

Nach HEIDELBERG, das durch seine Bibliothek in Ruf stand, war der berühmte Hieronymus Commelinus (1587-1597) gekommen. Seine Ausgaben griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen Athanasius und Chrysostomus besonders geschätzt werden, sind so angesehen wie die Drucke der Stephane und der Aldi. Die Offizin wurde nach Commelinus' Tod von Judas Bonnutius fortgesetzt. In Heidelberg druckte auch Ernst Vögelin, der Leipzig auf Grund seiner krypto-calvinistischen Schriften hatte verlassen müssen. Das Vorzüglichste in Bezug auf typographische Ausstattung dürften wohl die römischen Geschichtschreiber von Haurisius sein.

Strassburg.

STRASSBURG zeichnet sich in zweifacher Beziehung aus, erstens durch eine grosse Zahl von bedeutenden illustrierten Werken, dann durch die lebhafte Beteiligung der Humanisten bei seiner litterarischen Produktion. Die Stadt hatte seit 1459 ihre Universität und das benachbarte Schlettstadt war der Sitz einer gelehrten Schule, wo der Humanismus besondere Pflege fand. Namentlich waren es Jakob Wimpfeling, Johann Geiler von Kaisersberg und vor allen Sebastian Brant, welche zum Schluss des xv. und zum Beginn des xvi. Jahrhunderts einen grossen Einfluss übten.

Joh. Grüninger.

Was die bildende Kunst betrifft, so besass Strassburg schon im xv. Jahrh. nicht allein den bedeutendsten Kupferstecher Martin Schongauer, sondern war auch im Holzschnitt sehr produktiv. Kein deutsches Buch damaliger Zeit hatte einen so durchgreifenden Erfolg gehabt wie Seb. Brants zuerst in Basel (vergl. S. 44) erschienenes „Narrenschiff“, zu welchem er, nach Behauptung Einiger, selbst Zeichnungen, sogar Holzschnitte geliefert haben soll. Wenn dies auch nicht der Fall gewesen wäre, so beweist wenigstens dieses Werk und die Beteiligung Brants bei verschiedenen der bedeutenden Unternehmungen des Johann Reinhard, genannt Grüninger (1483-1528), welch grosses Gewicht dieser merkwürdige Mann und Schriftsteller auf die Verbindung von Text und Illustration legte.

Die Hauptwerke Grüningers sind der „Horaz“ in 4°, aus d. J. 1489; der „Terenz“ in Folio, von 1496; besonders aber der „Virgil“ in Folio, von 1492, mit über 200 „sorgfältig ausgeführten, durch Seb. Brant beigefügten Figuren und Bildern“, von welchen etwa 40 die Grösse von zweidrittel, 170 von einer halben Folioseite haben. Einen sonderbaren Eindruck machen die Helden und Götter in dem Kostüm des xvi. Jahrh. Eine in Lyon gedruckte Ausgabe bringt, ohne Wissen Seb. Brants, ausser den Holzschnitten der Strassburger eine Anzahl von weniger zarter Natur, die er in der letzteren unterdrückt hatte. Es ist dieses Buch nächst dem Theuerdank eins der interessantesten illustrierten Werke des xvi. Jahrh. Kunstkenner haben behauptet, die Schnitte seien Metallhochschnitte, sie sind aber die Beweise dafür schuldig geblieben.

Ein merkwürdiges Buch ist die von Grüninger gedruckte Logica memorativa, ein Lehrbuch der Logik des Thomas Murner in Krakau in Form von Spielkarten. Die erste Auflage war in Krakau erschienen; der Verfasser erlitt als Zauberer den Flammentod. Auch zwei grosse illustrierte Ritterromane erschienen bei Grüninger, die wahrhaftige Historie von Hug Schapler, einem Fleischersohn, der die Krone Frankreichs errang (als Hugo Capet) und die Geschichte einer französischen Königstochter, die nach vielem Unglück Königin von England wurde. 1503 erschien bei ihm: Hortulus animæ mit 57 Holzschnitten von Hans Springinklee und Erhard Schön.

Joh. Knoblauch.

Johann Knoblauch brachte 1508 eine „Passion“ mit 25 Blatt von Urse Graff, ferner Geiler von Kaisersbergs „Granatapfel“, von Hans Baldung illustriert.

Bedeutende Drucker.

Ausser den Genannten druckten noch Joh. Scott, Wendelin Richel, Reichart Beck, Bernh. Jobin u. a. viele illustrierte Ausgaben. Besonders nennenswert sind Jobins: Icones illustrium virorum, recensente Nic. Reusnero, 1587, mit Zeichnungen von Tob. Stimmer. Zu HAGENAU waren Heinr. Grau und Theodor Anselm unternehmende Verleger, die mit auswärtigen Künstlern von Rang, z. B. mit Hans Schaeuffelein, in Verbindung standen. Ein Elsasser Formenschneider, Jakob von Strassburg, gab 1503 in Venedig den „Triumphzug Cäsars“ in 12 Folioblättern heraus.

Peter Pilgrim.

Das Auftreten der Renaissance in Strassburg beginnt mit Joh. Wächtlin, genannt Pilgrim oder der Meister mit den gekreuzten Pilgerstäben, der Maler und Formenschneider zugleich gewesen sein soll. Er zeichnete sich namentlich durch den xylographischen Farbendruck aus. Mit dem „Clair-obscur-Druck“ sollte durch zwei oder drei Holzstöcke mit verschiedenen Farben die Wirkung der damals sehr beliebten Federzeichnungen auf farbigem Papier mit weiss aufgesetzten Lichtern erreicht werden. Der Ursprung gehört jedenfalls Deutschland, in der Weiterbildung war jedoch bald Italien voran.

Basel.

Nur wenige Städte haben auf eine so glanzvolle Druck-Periode zurückzublicken, wie BASEL auf seine in der ersten Hälfte des xvi. Jahrh. Selten haben Wissenschaft, Kunst und Technik brüderlicher zusammen gewirkt, als dort. Namentlich ist es das Dreigestirn Froben, Petri und Oporinus, welches einen hellen Glanz verbreitet.

Joh. Froben. Verhältnis zu Erasmus.

Johannes Froben (geb. um 1460, gest. im Okt. 1527) stammt aus Hammelburg in Franken. Er bezog die Universität zu Basel und bekam durch die Bekanntschaft mit Ammerbach, in dessen Offizin er als Korrektor arbeitete, Lust zur Buchdruckerei. Im Jahre 1491 fing er seine Thätigkeit mit dem Druck einer Bibel in höchst zierlicher Schrift an. Seine Hauptwirksamkeit beginnt aber erst von der Zeit, als Erasmus 1514 nach Basel zog und seine Wohnung im Frobenschen Hause aufschlug, wo er mit wenigen Unterbrechungen bis zu seinem Tode weilte. Erst mit vier, dann mit sieben Pressen druckte er über dreihundert, meist sehr bedeutende Werke, darunter die erste griechische Ausgabe des Neuen Testaments.

Das Verhältnis zu Erasmus erweckte grossen Neid unter Frobens Kollegen; aber nicht nur mit dem Neide, sondern auch mit dem Nachdruck und anderen geschäftlichen Sorgen hatte er zu kämpfen. Neben den Vorteilen, welche die Verbindung mit Erasmus ihm brachte, musste er den Nachteil mit in den Kauf nehmen, dass Luthers Schriften, die vorzugsweise nachgefragt wurden, und alle anderen Schriften in den Hintergrund drängten, von seiner Druckthätigkeit ausgeschlossen blieben, während sein Kollege, Adam Petri, der Luther-(Nach-)drucker Basels wurde.

Frobens Schick- sale.

Trotz aller Thätigkeit erwarb Froben kein Vermögen. Eine nicht gut geregelte Wirtschaft und die Ausgaben, die er auf seine Druckwerke, namentlich auf eine sorgfältige Korrektur derselben, verwendete, waren zu gross. Als Korrektoren, oder „Kastigatoren“ wirkten für ihn, ausser Erasmus, namentlich sein Schwiegervater Wolfgang Lachner, dann Marc. Heiland, Wolfg. Musculus und Joh. Oecolampadius. Zu den Titeln liess er sich meist Zeichnungen von Hans Holbein d. j. und Urse Graff liefern. Froben verlor sein Leben infolge eines Falles von einer Leiter. Die Vollendung seines Lieblingswerkes, der schönen Ausgabe des Augustinus, welche er im Verein mit Ammerbach und Petri angefangen hatte, sollte er nicht erleben, aber sein treuer Freund Erasmus that alles, damit die Ausgabe im Interesse der Kinder Frobens rasch gefördert wurde. Der Sohn Hieronymus Froben (geb. 1501, gest. 1563) hielt das Verhältnis zu Erasmus aufrecht, der in Frobens Hause „Zur Luft“ im Jahre 1536, siebenzig Jahre alt, starb. Hieronymus druckte später im Verein mit seinem Schwager Nikolaus Episcopius d. ä. (Bischoff) und seinen Söhnen Ambrosius und Aurelius Froben eine Reihe von bedeutenden Werken[7].

Familie Petri.

Johannes Petri, zu Langendorf an der Saale 1441 geboren, ward 1488 Bürger von Basel. Er druckte nur wenige Bücher allein, die meisten gemeinschaftlich mit Ammerbach und Froben. Er brachte seinen sechsjährigen Neffen Adam Petri (geb. 1482, gest. um 1525), der nach Johannes' Tod (1511) das Geschäft übernahm, mit nach Basel. Die Reformatoren, namentlich Luther, wurden gute Beute für seine Pressen. Blitzschnell folgten seine Nachdrucke den Originalen auf dem Fusse. Luthers Neues Testament erschien im Sept. 1522; im Dez. war schon der Nachdruck Petris da. Er machte bessere Geschäfte als sein Freund Froben und scheint trotz seiner reformatorischen Druckthätigkeit gut katholisch gesinnt gewesen zu sein, wenigstens stand er in dem besten Verkehr mit den Kartäusern. Für die künstlerische Ausschmückung seiner Druckwerke arbeitete namentlich Hans Schaeuffelein. Der Sohn Heinrich Petri (geb. 1508, gest. 1579) studierte erst die Medizin, übernahm jedoch später die Druckerei und führte sie mit Eifer fort. Vom Kaiser Karl v. wurde er in den Ritterstand erhoben.

Die Druckthätigkeit seiner Nachfolger war seit 1620 nur eine geringe, doch bestand die Firma noch 1660. Durch verschiedene Hände kam die Offizin schliesslich in die Thurneisens und Schweighausers.

Joh. Oporinus.

Zu grossem Ansehen gelangte auch Johannes Oporinus[8] (Herbster). Unter ärmlichen Verhältnissen am 25. Jan. 1507 zu Basel geboren, wurde er in einem Kontubernium armer Schüler in Strassburg, woher sein Vater stammte, erzogen. Später bekleidete er eine Lehrerstelle an der Klosterschule St. Urban im Kanton Luzern, gab jedoch, von der neuen Lehre angezogen, jene auf, fand 1526 bei Froben Beschäftigung als Korrektor und gewann die Freundschaft des Erasmus. Später folgte er dem berühmten Theophrastus Paracelsus als Famulus nach Strassburg, wo er unter dessen Leitung die Medizin studierte, kehrte jedoch nach zwei Jahren nach Basel zurück und wirkte als Professor erst im Lateinischen, dann im Griechischen. Im Jahre 1539 kaufte er mit drei Anderen, darunter seinem Schwager Rob. Winter, die Offizin des Andreas Brabander. Die Teilnehmer wirtschafteten jedoch nicht gut und Oporin versuchte es nun mit Winter, später, unter schweren Sorgen, allein.

Oporin wetteiferte in Beziehung auf Schönheit der Ausgaben, Sorgfalt der Korrekturen und inneren Wert der Verlagswerke mit Froben. Selbst sehr wissenschaftlich gebildet, stand er mit vielen Gelehrten in innigem Verkehr und zeigte in allen Verhältnissen einen eisernen Fleiss und eine unermüdliche Ausdauer. Er beschäftigte über fünfzig Arbeiter und druckte mehr als siebenhundert und fünfzig grössere und kleinere Werke, darunter viele von ihm selbst emendierte oder übersetzte Klassiker.

Die Anatomie des Vesalius.

Bis jetzt hatte man den Holzschnitt hauptsächlich nur als künstlerischen Schmuck der Bücher verwendet, jetzt sollte man durch die berühmte Ausgabe von Vesalius' Anatomie verstehen lernen, welchen Wert der Holzschnitt für den wissenschaftlichen Zweck und das leichtere Verständnis eines Werkes hat. Der berühmte Arzt und Anatom Andreas Vesalius hatte in Venedig von Johann de Calcar, einem Schüler Tizians, zahlreiche Holzschnitte anfertigen lassen, durch die mit grossem Talent die Anatomie des Menschen erläutert wurde. Diese sandte Vesalius seinem Freunde Oporin (1543), um damit sein Werk: De humani corporis fabrica zu illustrieren. Das grosse Portrait Vesalius' an der Spitze des Buches konnte für ein Meisterwerk Tizians gehalten werden. In seiner Sorgfalt um den guten Druck ging Vesalius so weit, dass er den Faktor der berühmten Bombergschen Druckerei in Venedig mitfolgen liess, dass er die Ausführung überwache. Um so mehr mussten ihn die schlechten Ausgaben der Nachdrucker empören.

Im Jahre 1566 zog sich Oporin von dem Geschäft zurück und starb am 6. Juli 1568. Er war viermal verheiratet, ohne jedoch besonderes häusliches Glück zu geniessen.

Unter die verdienten Buchdrucker Basels gehören ferner Michael Isengrin, welcher eine zweite, die erste des Aldus Manutius an Schönheit übertreffende, vollständige Ausgabe des Aristoteles druckte, dann auch Josias Münsch (1550), Konrad von Mecheln (1685) und Emanuel Thurneisen.

Zürich. Chr. Froschauer.

Mit Stolz blickt ZÜRICH auf Christoph Froschauer[9] (oder Froschower), dem es zu einem grossen Teil die Blüte seines litterarischen Lebens verdankt. Im xv. Jahrhundert zeigt sich in Zürich noch keine Spur der Buchdruckerkunst. Der erste bekannte Druck ist ein, am 6. Januar 1504 von dem Rate erlassenes Mandat, ohne Namen des Druckers. Wahrscheinlich war dieser Hans am Wasen, der 1508 einen Kalender mit guten Vignetten druckte. Von Wasen hörte man weiter nichts.

Erst 1519 erhielt Christoph Froschauer aus Neuburg bei Oetting in Bayern das Bürgerrecht. Sein Geburtsjahr kennt man nicht; es fällt jedoch wahrscheinlich in das zweitletzte Jahrzehnt des xv. Jahrh. Ob Christoph ein Verwandter des Augsburger Druckers, Johann Froschauer, war, ist nicht bekannt.

Froschauers Thätigkeit.

Froschauer war ein wissenschaftlich gebildeter, sehr thätiger und zugleich glücklich spekulierender Mann. Er schloss sich sofort Zwingli an und blieb diesem und der Reformation ein innig ergebener, wenn auch nicht zelotischer Freund. Seinem Beruf gab er sich mit grosser Liebe und mit heiligem Ernst hin. Das ihm entgegengetragene Vertrauen und den erworbenen Wohlstand verwendete er in der edelsten Weise.

Seine ersten datierten Drucke fallen in das Jahr 1521. Es waren zwei von dem gelehrten Leo Jud ins Deutsche übersetzte Schriften des Erasmus: „Ein klag des Frydens“ und „Ein nützliche wndervisung eines Christenlichen Fürsten wol zw regieren“. Von Zwingli erschienen bei ihm gegen 80 Schriften, oft in mehreren Ausgaben, einige davon druckte Hans Hager (1520-1526). Von da ab hörte man vom letzteren nichts mehr, und Froschauer war der alleinige Drucker bis 1554, als sich Andreas Gessner, ein naher Verwandter des bekannten Conrad Gessner, etablierte. Zahlreiche Schriften von Leo Jud, Rod. Gualther (Walther), C. Pellikan, Peter Martyr, Ludwig Lavater und namentlich von Heinrich Bullinger, ausserdem eine grosse Anzahl Ausgaben der Klassiker wurden von Froschauer verlegt.

Der Bibeldruck.

Seine wichtigste Thätigkeit war jedoch sein Bibeldruck. In den Jahren 1524-1529 stellte er die erste vollständige Schweizerausgabe der Bibel in Folio fertig, und von da ab verging selten ein Jahr, in welchem nicht entweder die ganze Bibel oder wenigstens Teile derselben in deutscher, lateinischer, selbst in englischer Sprache erschienen. Zu der ersten deutschen Ausgabe wurde mit Ausnahme der poetischen und prophetischen Bücher, welche von Schweizer Gelehrten übersetzt wurden, die lutherische Übertragung benutzt. Später führten Einheimische das ganze Werk aus. Im Jahre 1535 wurde die berühmte englische Bibel, von Moses Coverdale übersetzt und mit Holzschnitten von Hans Sebald Beham illustriert, gedruckt. In den Jahren 1524-1564 erschienen nicht weniger als 27 Ausgaben der vollständigen Bibel und viele Abdrücke des Neuen Testaments. Anfänglich benutzte Froschauer die Antiquaschrift, später veranlasste er den Schnitt einer an die Schwabacher sich anlehnenden Schrift, liess Vignetten und Initialen anfertigen und verwandte überhaupt die grösste Sorgfalt auf die Ausstattung. Die lateinischen Ausgaben der Bibel waren von den Gelehrten sehr geschätzt.

Die Froschau.

Mit der Erweiterung des Geschäfts musste er auch nach einer grösseren Lokalität suchen und fand eine solche in einem ehemaligen Barfüsserkloster. Als diese Räumlichkeit jedoch i. J. 1551 eine andere Bestimmung erhielt, kaufte er ein früheres Dominikaner-Frauenkloster, welchem er den Namen: „Die Froschau“ gab, den es noch heute trägt. Auf dem Brunnenhäuschen dort befindet sich noch sein Insignium. Er modelte dasselbe in verschiedener Weise um, immer blieb jedoch der Frosch ein Hauptbestandteil. In der ältesten Ausführung wird dieser von einem behelmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaun, in der Rechten eine Fahne, mit der Inschrift CR. FR., hält.

Die Frankfurter Messe besuchte Froschauer eine lange Reihe von Jahren zweimal jährlich und machte mit seinem Verlage vorteilhafte Geschäfte. Mit Gelehrten des In- und Auslandes stand er auf dem freundschaftlichsten Fusse und zeigte sich ihnen gefällig, wo er nur konnte; so räumte er beispielsweise ein ihm gehörendes Haus flüchtigen englischen Gelehrten vollständig ein, die sich mehrere Jahre hindurch in Zürich aufhielten.

Froschauers Nachfolger.

In seinem Geschäft wurde er getreulich von seinem Bruder Eusebius und von dessen Söhnen Eusebius und Christoph unterstützt. Kinderlos verheiratet, hinterliess er dem Neffen Christoph Froschauer das ganze Geschäft zu sehr billigen Bedingungen. Er starb hochbejahrt am 1. April 1564. Der Neffe blieb unverheiratet. Nach dessen Tode, 2. Febr. 1585, wurde das Geschäft noch bis 1590 fortgeführt und dann aufgelöst. Die Druckerei ging auf Johann Wolf über, der jedoch noch bis 1595 einzelnen Werken die Bezeichnung typis Froschovianis beifügte. Das Verzeichnis des Froschauerschen Verlags zeigt 1564 bereits 601 Nummern, von da bis 1595 noch 264. Im J. 1626 kam die Druckerei in den Besitz der Familie Bodmer, 1723 an Heidegger & Rahn und wurde 1765 mit der Orellschen Buchdruckerei, die jetzt noch blüht, vereinigt.

St. Gallen. Leonh. Straub.

ST. GALLEN erhielt erst 1578 eine Buchdruckerei durch Leonhard Straub, der eine sorgfältige Erziehung genossen und in den besten Offizinen gearbeitet hatte. Ein von ihm gedruckter Wandkalender hat eine zu merkwürdige Geschichte, um sie hier mit Stillschweigen zu übergehen. Auf dem Kalender waren die Wappen der 13 Kantone, darunter das Appenzeller, ein Bär, abgebildet. In Appenzell bemerkte man indes, dass es eine Bärin, nicht ein „männlicher Bär“ sei! Grosse Aufregung entstand; man verlangte Rüstung zu einer Fehde gegen St. Gallen. Der dortige Rat erbat sich drei Tage Bedenkzeit, die aber nicht gewährt wurde. In dieser kritischen Lage übernahm der Abt von St. Gallen die Vermittelung. Der Bär hatte jedenfalls nur den Vorwand abgegeben, der arme Straub musste jedoch Abbitte leisten und eidlich erklären, er habe nur aus Einfalt gehandelt. Straub lebte in ewigem Hader mit der Zensur; schliesslich musste er die Stadt verlassen, und starb 57 Jahre alt 1607 in Konstanz. Sein Geschäft blühte noch im Besitz seiner Söhne und Enkel über hundert Jahre fort[10].

Wien. Joh. Singriener.

In WIEN eröffnete Hieronymus Victor aus Liebenthal im Fürstenthum Jauer seine Offizin im Jahre 1510. Die Kunst hatte er wahrscheinlich in der Hallerschen Druckerei in Krakau erlernt. Er vereinigte sich mit Joh. Singriener aus Oetting in Bayern, trennte sich jedoch 1514 wieder von ihm, worauf letzterer seine eigene Druckerei eröffnete. Joh. Singrieners Wirksamkeit durch 33 Jahre war eine bedeutende und eine grosse Zahl gut ausgestatteter Werke ging aus seiner Offizin hervor, unter welchen das 1517 erschienene Tripartium opus juris consuetudinarij incluti regis Hungarie, über 70 Bogen stark, einen bedeutenden Platz einnimmt. Die vielen in dem Werk vorkommenden Druckfehler entschuldigt der Drucker damit, dass er das Werk in 40 Tagen (!) habe liefern müssen, eine Leistung, die selbst heute für eine grosse Druckerei eine bedeutende gewesen sein würde. Singriener war nicht nur ein tüchtiger Buchdrucker, sondern auch ein wissenschaftlich gebildeter, von den Gelehrten und Geistlichen gern gesehener Mann. Unter seinen vielen Drucken sind besonders schön ausgeführt: Pomponius Mela in Fol.; Bandinus auf Pergament; Cicero, Pro lege Manilia. Seine Söhne Matthäus und Johannes setzten das Geschäft fort, bis es mit dem Tode des letzteren erlischt.

Hans Kohl.

Hans Kohl (Johannes Carbo) gehörte zu den fahrenden Buchdruckern und arbeitete in Wien von 1549 bis 1551. Er war gut mit deutschen, hebräischen und griechischen Lettern versehen und druckte zuerst in Verbindung mit Aegidius Adler (Aquila), aus den Niederlanden gebürtig. Im J. 1550 arbeitete letzterer allein und übertraf seinen früheren Compagnon durch die Menge und Schönheit seiner Ausgaben. Er starb bereits am 17. Aug. 1552.

Michael Zimmer- mann.

Die Offizin wurde von Michael Zimmermann (Cymbermannus) übernommen, dem bedeutendsten Buchdrucker Wiens aus dieser Zeit. Er druckte Werke in italienischer, spanischer, arabischer, hebräischer und syrischer Sprache, zu denen er die Schriften von Kaspar Kraft aus Ellwangen bezogen hatte. Seine Ausgaben schmückte er mit rotem Druck, sowie mit illuminierten Figuren und Landkarten.

Raf. Hofhalter.

Ein Pole, Rafael Hofhalter (Skrzetuski), der sein Vaterland auf Grund religiöser Misshelligkeiten verlassen hatte, kam nach vielen Wanderungen nach Wien, wo er mit Kaspar Kraft, 1556, ein Privilegium für eine Buchdruckerei „mit schönen, zierlichen, auf die neue französische Art geschnittenen Buchstaben“ erhielt. Er lieferte sehr hübsche Ausgaben. Eine interessante Erscheinung ist das bei ihm (1561) erschienene „Thurnier Buch“ mit einem kunstreich geschnittenen Titel und Wappen in Holzschnitt, sowie mit sieben grossen und kostbaren Kupferstichen, von Hanns Lautensack gestochen. Im Jahre 1562 wanderte Hofhalter, ebenfalls wohl aus religiösen Gründen, nach Ungarn aus; 1565 druckte er in Debreczin calvinistische Schriften. Sein Sohn Rudolph betrieb die Buchdruckerei in Grosswardein und folgte später dem Ruf des Fürsten Johann nach Weissenburg in Siebenbürgen.

Die Jesuiten- druckerei.

Ferdinand i. hatte 1551 die Jesuiten nach Wien berufen. Der Rektor Johann Victoria, ein geborener Spanier, kam auf den Gedanken, zum besten der Religion und armer Studenten durch milde Beiträge eine Druckerei anzulegen, die schon 1559 eröffnet wurde. Ein Hauptartikel war der, auf Befehl des Kaisers von dem bekannten Pater Canisius aus Nymwegen verfasste Katechismus, der in viele Sprachen übersetzt wurde und noch jetzt in österreichischen Volksschulen im Gebrauch ist. Die Druckerei hörte 1565, kurz nach dem Tode des kaiserlichen Beschützers der Jesuiten, auf, und wurde 1577 als „Zeug“ an den Generalvikar von Gran, Nikolaus Telegdi, verkauft, der damit eine Druckerei zu Tyrnau gründete.

Buchdruck im xvi. u. xvii. Jahrh.

Die Buchdruckerkunst in Wien hatte, namentlich durch Fremde gepflegt, im xvi. Jahrh. im ganzen genommen auf einer hohen Stufe gestanden. Dasselbe war mit der Xylographie der Fall. Unter den Verlegern, die eine besonders gute Einwirkung auf die Wiener Buchdruckerei dieser Periode übten, ist die Familie Atlantsee zu erwähnen, die unter den Buchhändlern damaliger Zeit einen bedeutenden Namen hatte, namentlich was Lukas Atlantsee betrifft.

Joh. von Gehlen.

Im xvii. Jahrh. dagegen ging es zu Wien, wie überall, mit der Kunst zurück. Die Folgen des dreissigjährigen Krieges und der Türkenkriege blieben nicht aus; die Bedeutung der Wiener Buchdruckereien sank fast auf ein Nichts und die meisten Verlagswerke wurden in Nürnberg, Augsburg und Ulm gedruckt. Der bedeutendste Wiener Drucker ist Johann von Gehlen. Er stammte aus einem alten westfälischen Geschlecht und war zu Antwerpen am 17. Mai 1645 geboren, widmete sich den Studien und erlernte dann den Buchhandel und die Buchdruckerei. Durch Geschicklichkeit und Fleiss erwarb er sich bald ein Vermögen, sodass er 1672 die Buchdruckerei seiner Schwägerin, der Witwe des Buchdruckers J. B. Haquet, kaufen konnte. Er war in Besitz bedeutender linguistischer Kenntnisse und erwarb sich die Freundschaft der Gelehrten. Vom Kaiser Leopold i. erhielt er im Jahre 1678 das Privilegium eines k. k. italienischen Hofbuchdruckers und wurde ermächtigt, eine italienische und lateinische Zeitung herauszugeben. Während der Belagerung von Wien durch die Türken liess er die Druckerei ruhen und stellte sich in die Reihe der Verteidiger. Nach aufgehobener Belagerung versuchte er eine deutsche Zeitung zu gründen, welche in unbestimmter Zeitfolge herausgegeben wurde. Die Regierung, welche das nützliche einer regelmässigen Zeitung einsah, sicherte einer solchen bedeutende Vorteile zu, infolgedessen Gehlen die erste regelmässige Zeitung unter dem Titel „Posttäglicher Mercurius“ 1703 zweimal wöchentlich herausgab. Am 8. Aug. d. J. begann er eine zweite politische Zeitung „Das Wiener Diarium“, ebenfalls posttäglich. Dasselbe wurde später Organ der Regierung und es entstand daraus die k. k. privilegierte Wiener Zeitung.

Gehlen starb am 13. Mai 1724, 72 Jahre alt. Sein Sohn Joh. Peter Gehlen wurde in den Adelstand erhoben.

Breslau.

BRESLAU hatte in seiner „Stadtbuchdruckerei“ ein sehr angesehenes Geschäft, das noch nach 350 Jahren blüht. Der Begründer Andreas Winkler war ein gelehrter Mann, der in Krakau studiert hatte und die Kunst in echt wissenschaftlichem Sinne (1538-1555) übte. Auf ihn folgten Crispinus Scharffenberg, dessen Sohn Johann, dann Georg Baumann und dessen gleichnamiger Sohn; die späteren Nachfolger gehören der nächsten Periode an.

Das nördliche Deutschland. Leipzig.

Es wurde schon früher erwähnt, dass ein solches Zusammenwirken der zeichnenden Kunst, der Xylographie und der Buchdruckerei, welches im Süden Deutschlands eine gar stattliche Reihe herrlicher Drucke zuwege brachte, in dem Norden Deutschlands nicht angetroffen wird, wo die Presse sich hauptsächlich nur als treue Dienerin der Wissenschaft und der Reformation zeigte. Es gilt dies ganz besonders von LEIPZIG[11], welches dieser Aufgabe bis auf den heutigen Tag treu geblieben ist. Kunstbegeisterte Fürsten und Künstler ersten Ranges besass Leipzig nicht; Schule und Universität waren die Mäcene seiner Buchdruckereien. Leipzigs Klassiker-Ausgaben zeichnen sich durchweg durch ihre Sauberkeit und Genauigkeit aus und viele derselben stehen noch heute neben den Aldinen und Juntinen in Ansehen. Gelehrte Männer verschmähten es nicht, die Korrekturen zu übernehmen, und Leipzig hat es verstanden, sich den Ruhm der Sorgsamkeit für die Textreinheit seiner Presserzeugnisse zu wahren.

Mart. Landsberg. Wolfg. Stöckel. Val. Schumann. Jakob Thanner.

Als Mann von Geschmack ist Martin Landsberg aus Würzburg (1499-1516) zu erwähnen. Er gehörte zu den gelehrten Buchdruckern, interessierte sich sehr für die Herausgabe wissenschaftlicher Werke und machte sich namentlich durch seine Klassiker-Ausgaben bemerkbar. 1519 siedelte er nach Halle über. Wolfgang Stöckel (Molitor), aus München, ward in Erfurt, wo er eine zeitlang eine Buchdruckerei hatte, Bakkalaureus. 1495 kam er nach Leipzig. Er druckte hauptsächlich Klassiker: Ovid, Priscian, Seneca, Aristoteles, später theologische Schriften, von welchen die, bis zum Jahre 1520 gedruckten, Partei für Luther nehmen, zumteil von diesem verfasst waren. Von da ab wurde er ein heftiger Gegner der Reformation und druckte schon im Jahre 1520 eine Streitschrift des Franziskaner Alveld, eines der erbittertsten Gegner Luthers; wahrscheinlich ist er auch der Drucker der Schriften Emsers gegen jenen. Herzog Georg der Bärtige rief ihn 1524 als Hofbuchdrucker nach Dresden. Valentin Schumann (1525-1535) brachte vorzügliche Klassiker-Ausgaben, darunter das erste griechische Buch Leipzigs. Jakob Thanner (Abiegnus) lieferte sehr gute Schulausgaben.

Melch. Lotter.

Unter den Buchdruckern, bei welchen die Reformation eine bereite Hülfe fand, ist Melchior Lotter obenan zu nennen. Er stammte aus Aue im sächsischen Voigtlande, heiratete die Tochter Kachelofens, Dorothea, und erhielt am 16. Juni 1498 das Leipziger Bürgerrecht. Ungefähr in dem Jahre 1500 wurde er der Geschäftsnachfolger seines Schwiegervaters. Die zweite Ausgabe des Meissner Missale hatten Kachelofen und Lotter gemeinsam gedruckt, von nun an ging eine grosse Anzahl Missalen, Breviarien und dergl., die das Bisthum Meissen herausgab, aus Lotters Pressen hervor. Dieser selbst siedelte, vor der Pest aus Leipzig fliehend, für eine zeitlang nach Meissen über. Seine eigene Verlagsthätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie und der Philologie war eine ausserordentliche. Ein treuer wissenschaftlicher Mitarbeiter war ihm Hermann Tulich, der später Professor in Wittenberg wurde. Seit 1518 hatte Lotter wiederholt für Luther Druckaufträge bekommen und letzterer bewog ihn, eine Druckerei in Wittenberg anzulegen, aus der jedoch Lotter kein Segen erwachsen sollte. Er selbst übersiedelte jedoch nicht nach Wittenberg, sondern sandte seine beiden Söhne Melchior und Michael. Zum grossen Teil sind die zahlreichen Schriften, welche Luther im Anfang der zwanziger Jahre in die Welt sandte, aus Lotters Pressen hervorgegangen. Selbst das Monumentalwerk des Reformators, die Bibelübersetzung, wurde von diesem unternommen und schon am 21. Sept 1522 war der Druck des Neuen Testaments vollendet. Während des Drucks des Alten Testaments tritt jedoch ein Erkalten des freundschaftlichen Verhältnisses Luthers zu ihm ein und Hans Lufft erscheint nun als der bevorzugte Bibeldrucker, wenngleich die Verbindung zwischen Luther und Lotter nicht ganz aufhörte. Der Grund, weshalb der letztere von dem ersteren fallengelassen wurde, und weshalb auch der Kurfürst Friedrich ihm ungnädig wurde, ist nicht bekannt. Lotters Thätigkeit, die jedoch sehr erlahmte, lässt sich noch bis Ende der dreissiger Jahre verfolgen. Er soll im Jahre 1542 gestorben sein.

Valentin Bapst. Luther über Illu- strationen.

Ein Buchdrucker ersten Ranges ist Valentin Bapst (1541 bis 1589). Seine Erzeugnisse werden von Kennern als den besten ebenbürtig erklärt. Ein reich illustriertes Werkchen sind die „Geistlyche Lieder mit einer neven Vorrede D. M. Luth.“. Interessant dürfte es manchem sein, aus dem Vorwort zu erfahren, wie ein so ernster Mann wie Luther über die Bücher-Illustration denkt:

„Wer nicht singen vnn sagen wil, das ist ein Zeichen, das ers nicht glaubet, vnn nicht ins new fröliche Testament, Sondern vnter das alte, faule, vnlustige Testament gehöret. Darumb thun die Drucker sehr vol dran, das sie gute Lieder fleissig drucken vnd mit allerley zierde, den Leuten angeneme machen, da mit sie zu solcher Frewde des Glaubens gereitzet werden, vnnd gerne singen. Wie denn dieser Druck Valentin Bapsts sehr lustig zugericht ist, Gott gebe, das damit dem Römischen Bapst, der nichts denn heulen, trawren vnd leid in aller welt hat angericht, durch seine verdampte, vntregliche vnd leidige Gesetze, grosser abbruch vnd schaden geschehe, Amen“.

Ernst Vögelin u. a.

Berühmt waren die Klassiker-Ausgaben von Ernst Vögelin (1559 bis 1578), dem Schwiegersohn V. Bapsts, sowohl hinsichtlich der technischen Ausführung als der Korrektheit, so dass sie den Aldinen gleich geachtet werden. Vögelin, selbst ein studierter Mann, wurde in Religionsstreitigkeiten verwickelt, flüchtete, und starb in Heidelberg 1590. Grossen Ruf erwarben sich Abraham Lamberg (1587 bis 1629), Henning Gross (1575 bis 1621), Gregorius Ritzsch (1624 bis 1643) und dessen Sohn Timotheus Ritzsch (1638 bis 1678), der bedeutende theologische und juristische Schriften verlegte.

Steigende Bedeutung Leipzigs.

Infolge der Reformation war der Schwerpunkt der Kultur immer mehr nach dem Norden verlegt. Hier wehte eine frischere Luft, während der Süden weit mehr dem Einfluss der katholischen Kaiser, den Einflüsterungen des Klerus und den Plackereien der kaiserlichen Bücherkommissionen und Zensoren preisgegeben war. Auch die städtischen Behörden in Frankfurt a. M. hatten nicht den Wert eines vollständig unbehelligten buchhändlerischen Verkehrs genügend erkannt.

Nichts war deshalb natürlicher, als dass der Norden sich von den Büchermessen Frankfurts zu emanzipieren und in der berühmten Messstadt des Nordens — wo die Regierung jetzt liberaleren Ansichten huldigte, die Zensur in humanerer Weise üben liess und die Bücher von der Accise befreit hatte — einen selbständigen Büchermarkt zu gründen wünschte. Zur Michaelis-Messe 1594 erschien der erste Leipziger Messkatalog, herausgegeben von dem Buchhändler und Buchdrucker Henning Gross, zu dem sich in den Jahren 1598-1619 ein zweiter Katalog von Abraham Lamberg gesellte, der 1620 mit dem von Gross vereinigt wurde. Zwar konnte Leipzig als Verlagsplatz im Jahre 1595 nur 68 Artikel gegen 117 in Frankfurt aufweisen, aber schon 1600 war das Verhältnis ein besseres, nämlich 125 gegen 148, und 1632 trug Leipzig seinen glänzendsten Sieg davon mit 221 Werken gegen 68 aus Frankfurt. Die Messkataloge von 1565-1640 verzeichnen 8216 in Leipzig erschienene Werke, davon kommen 243, als die stärkste Zahl einer Jahresproduktion, auf das Jahr 1613.

Rückschlag.

Aber der Rückschlag der ungünstigen Zeiten sowohl für den Buchhandel als für die Buchdruckerei konnte nicht ausbleiben und Leipzig litt mit ganz Sachsen vorzugsweise unter den Drangsalen des dreissigjährigen Krieges. Mangelhafte Schriften, nachlässige Korrektur, schlechtes Papier kennzeichnen die Mehrzahl der Bücher aus damaliger Zeit. Nicht besser war es mit der Xylographie bestellt. Hiergegen halfen natürlich weder Beschränkungen der Buchdruckereien auf Leipzig, Wittenberg und Dresden, noch kurfürstl. konzessionierte Buchdruckereiordnungen, Taxen zur Regulierung der Papier- und Bücherpreise und Visitationsabschiede an die Universitäten, worin Rektor und Dekane ermahnt werden, für guten Druck und sorgfältige Korrektur zu sorgen.

Neuer Auf- schwung.

Selbst nach dem endlich eingetretenen Frieden dauerte es lange, ehe sich die Buchdruckerei von ihrem tiefen Verfall erholen konnte. Trotzdem hat Leipzig, selbst aus der trübsten Periode, Druckwerke und Drucker aufzuweisen, die jeder Zeit Ehre gemacht haben würden, und hörte nie auf, namhafte Werke aus allen Gebieten der Wissenschaften an das Tageslicht zu fördern. Ein wesentlicher und andauernder Aufschwung tritt jedoch erst gegen Ende des xvii. Jahrhunderts ein. Die Zahl der angesehenen Verlagshandlungen wuchs, unter denen die von M. G. Weidmann, J. F. Gleditsch, Joh. Fritsch, Joh. Fr. Zedler, Joh. S. Heinsius zu nennen sind.

Der Messkatalog[12], dieser Gradmesser des Buchhandels, wies eine Steigerung auf. Leipzig, das Frankfurt im Jahre 1604 zum erstenmale überholt hatte und von da ab bald vorangeht bald zurückbleibt, behält nun, mit Ausnahme des Jahres 1680, die Führung und weist im Jahre 1689 310 Werke gegen Frankfurts 90 auf; 1699 319 gegen 109 und im Jubeljahre 1740 253 gegen 74. Die Zahl der Presserzeugnisse Leipzigs von 1641 bis 1740 betrug 19711, wozu das Jahr 1698 mit 401 Artikeln das stärkste Kontingent stellte.

Bernh. Christ. Breitkopf.

Mit den Buchhändlern mussten die Buchdrucker Schritt halten. Unter letzteren zeichneten sich aus: Heinr. Christ. Takke durch orientalische Schriften, ganz besonders aber Bernh. Christoph Breitkopf[13]. Er war am 2. März 1695 in Klausthal geboren. 1718 kam er nach Leipzig, heiratete 1719 die Witwe des Buchdruckers Joh. Kasp. Müller, und übernahm die Buchdruckerei, die damals sehr in Verfall geraten war. Breitkopfs Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit liessen ihn jedoch Gönner finden, die ihn in den Stand setzten, sich herauszuarbeiten und den „Goldenen Bären“ zu bauen, der das Geschäft 135 Jahre lang beherbergen sollte und Veranlassung zu dem Druckerzeichen dem „Bären“ gab. Der „Silberne Bär“ ward dem goldenen gegenüber 1765-67 erbaut. Die Offizin, im Jahre 1722 die dreizehnte in der Rangordnung, war 1742 schon die dritte und der Besitzer zur Zeit des Jubelfestes 1740 angesehener Oberältester der Innung, welche damals 17 Prinzipale mit 137 Gehülfen zählte. Auf dem Boden des tüchtigen Druckerhandwerks erwuchs bald ein ansehnlicher Bücherverlag, der 1723 mit einer hebräischen Handbibel begann. Die Messkataloge von 1725 bis 1761 weisen 656 Verlagswerke Breitkopfs auf. Den wesentlichen Charakter erhielt der Verlag jedoch durch die engen Beziehungen Breitkopfs zu J. Chr. Gottsched und dessen Frau Luise, geb. Kulmus. Gottsched blieb bis zu seinem Ende Breitkopfs Freund und Hausgenosse im Goldenen Bären. Seine Druckerei übergab Breitkopf 1745 seinem Sohn; im Verlage wirkte er noch bis 1762 und starb hochbetagt und geehrt am 26. März 1777. Er erlebte es noch, wie Gottsched ihm 1736 prophezeit hatte, dass, obwohl er als der erste Buchdrucker Deutschlands gegolten hatte, sein Sohn ihn noch überstrahlte. Die Geschichte darf aber nicht vergessen, dass dies dem Sohne vielleicht nur dadurch möglich geworden ist, dass der Vater ihm die Druckerei in einem Zustande hinterliess, der ihm gestattete, sich ohne Schranken seinen, mitunter sehr kostspieligen Versuchen und Erfindungen hinzugeben.

Wittenberg. Hans Lufft, der Bibeldrucker.

Ein schlagendes Beispiel, wie das Buchdruckergewerbe mit dem geistigen Leben fällt und steigt, giebt WITTENBERG[14], wo Luthers Wirksamkeit die Kunst zu einer schnellen Blüte trieb. Melchior Lotter d. jüng. (1519-1523) begann die Reihe der Reformationsdrucker. Ihm folgte Georg Rhawe (1520-1548), welcher sowohl Schriften von Luther als von Melanchthon druckte. Sein Hortulus animæ mit Cranachs Zeichnungen ist ebenso geschätzt wie Gabr. Schnellboltzs Sammlung von Portraits in einer so vorzüglichen Ausführung, dass man die Zeichnungen Lucas Cranach zuschreibt. Der bekannteste unter Wittenbergs Buchdruckern ist Hans Lufft, „der Bibeldrucker“ (1525-1584). Er druckte 1534 die Luthersche Bibelübersetzung, die 1541, 1545 und 1546 in neuen Auflagen wiederholt wurde. Da auch die meisten andern Schriften Luthers aus seinen Pressen hervorgingen, so gewann sein Geschäft eine grosse Ausdehnung. Für den Bibeldruck allein arbeiteten fortwährend drei bis vier Pressen, und man behauptet, dass gegen 100000 Exemplare der Bibel aus seiner Offizin hervorgegangen sind. Die Pressen von Hans Weyss, Peter Seitz und Johann Kraft wurden ebenfalls durch die Reformation im Gang erhalten.

Hamburg.

Auch in HAMBURG eröffnete die Reformation der Presse ein weiteres Feld, jedoch hatte sie hier mit einer besonderen Schwierigkeit zu kämpfen. Während die hochdeutsche Schriftsprache durch die Reformation fast überall Boden gewann, blieb sie hier dem Volke ein mehr oder weniger fremdes Idiom. Die Verleger Hamburgs konnten für Werke in niederdeutscher Sprache nur auf ein kleines, mehr lokales, Publikum rechnen, anderseits die für das Volk bestimmten Schriften nicht hochdeutsch drucken. Hierin trat erst zu Anfang des xvii. Jahrhunderts eine Änderung ein.

Rostock.

In ROSTOCK bestand schon 1476 eine angesehene Buchdruckerei der „Brüder des gemeinsamen Lebens“. Die Reformation bereitete ihr den Untergang (1534) und zwar zum grossen Verdruss der Gelehrten. Noch im Jahre 1564 klagt der Professor Chyträus, dass es in Rostock nur einen Buchhändler mit einer Druckerpresse und einem Lehrling gebe, sodass viele gelehrte Ausländer nicht einmal wüssten, dass in Rostock eine hohe Schule vorhanden sei.

Berlin.

BERLIN[15] war im Jahre 1500 zwar die Residenz der Kurfürsten in den Marken, aber eine unbedeutende Stadt, die nicht einmal eine Buchdruckerei besass, während Stendal und Kloster Zinna bei Jüterbogk deren vor dem Schluss des xv. Jahrhunderts hatten (vergl. S. 53), und Frankfurt a. d. O. wenigstens 1502 eine solche, wenn auch nur in einem kleinen Massstabe, durch Martin Tretter erhielt.

Joh. Weiss.

Erst um das Jahr 1540, zu einer Zeit, wo der Süden Deutschlands bereits über seinen typographischen Glanzpunkt hinaus war, erfolgte die Einführung der Kunst in Berlin und zwar auf besonderen Betrieb des Kurfürsten Joachim ii., welcher 1539 Johann Weiss, der schon seit 1525 als ein anerkannt tüchtiger Buchdrucker in Wittenberg gewirkt hatte, nach Berlin berief. Das erste dort gedruckte Buch, die Kirchenordnung im Kurfürstenthum der Marken, erschien 1540.

Bis 1544 lieferte Weiss etwa 20 Druckwerke, von da ab hört man weiter nichts von ihm, und da auch die in Frankfurt a. d. O. bestehende einzige Buchdruckerei von Joh. Hanaw eingegangen war, so hatte die Mark Brandenburg 1544 keine Buchdruckerei.

Frankfurt a. d. O. erhielt endlich, nachdem Nikolaus Wolrab dort auf kurze Zeit (1547-1549) aufgetreten und dann wieder verschwunden war, in Joh. Eichhorn aus Nürnberg einen tüchtigen Buchdrucker mit einem alleinigen Privilegium für die Mark ausgerüstet (1567). In Berlin findet sich aber fast 30 Jahre lang keine Spur einer Buchdruckerei, bis 1574 Leonhard Thurneysser zum Thurn als solcher erscheint.

Leonh. Thurn- eysser.

Dieser Leonhard Thurneysser war kein gewöhnlicher, aber ein unsteter Mensch. Geboren zu Basel 1530, war er nach einander Goldschmied, Naturhistoriker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften tüchtig; bald arm, bald reich. Nach langen Reisen in Europa und Asien kam er 1568 zurück und erwarb sich Ruf als Arzt durch seine Wunderkuren, die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georg in Frankfurt a. d. O., wo er sich wegen des Druckes seiner Werke aufhielt, übte. Der Kurfürst nahm ihn in seine Dienste und gab ihm in Berlin ein Lokal in dem Grauen Kloster, um dort zunächst für seine eigenen Werke eine Druckerei einzurichten, aber auch, um für den Kurfürsten zu drucken. Die Offizin stattete Thurneysser auf das beste nicht nur mit deutschen, sondern auch mit allerlei orientalischen Schriften aus. Später kam eine Schriftgiesserei und Holzschneiderei dazu. Seine Bücher sind sehr sorgfältig gedruckt. Bedeutend und weit verbreitet war sein Verlag von Kalendern, die zu der Zeit überhaupt fast nur von Ärzten herausgegeben wurden.

In Thurneyssers damals glänzenden Verhältnissen trat aber ein allmählicher Rückgang ein. Unruhig wie er war, siedelte er 1579 nach Basel über und ging dort eine unglücklich ausfallende Ehe ein, die durch einen Prozess ihm grossen pekuniären Verlust brachte. Nach Berlin zurückgekehrt, verliess er 1584 heimlich die Stadt und verschwand von der Bühne. Die Druckerei hatte er schon 1577 für 1100 Thaler an seinen tüchtigen Gehülfen Michael Hentzke verkauft, der bereits 1580 starb. Dessen Witwe heiratete Nik. Voltz, einen tüchtigen Buchdrucker, der jedoch aus Mangel an Mitteln gezwungen war, einen Teilhaber zu nehmen, den er in dem Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, Wilh. Hilden, fand. Sie druckten jeder unter seinem Namen, bis Voltz 1586 wieder in den alleinigen Besitz des Geschäftes kam, mit welchem er 1593 nach Frankfurt a. d. O. zog. Hier fand er 1619 sein Ende, jedoch ohne bessere Erfolge seiner Thätigkeit erreicht zu haben.

Christoph Runge.

Von 1593 bis 1599 tritt nun wieder eine Pause in der Druckthätigkeit Berlins ein. In diesem Jahr berief der Kurfürst Joachim Friedrich iii. Christoph Runge, Buchdrucker zu Neudamm, nach Berlin, wo er bis 1607 druckte. Sein Sohn Georg, später sein Enkel Christoph, setzten das Geschäft fort. Letzterer entwickelte mit seiner gut ausgestatteten Offizin eine bedeutende Thätigkeit. Bei ihm wurde 1615 die erste Zeitung Berlins gedruckt. Sein sorgenvolles Leben schloss im Jahre 1681[16].

Die Hofbuch- drucker.

Im Jahre 1660 wurde der erste Hofbuchdrucker ernannt, Georg Schultze, der eine gut eingerichtete Buchdruckerei aus Guben mit nach Berlin brachte, wo ihm im Schlosse ein Lokal eingeräumt wurde. Er starb 1685. Seine Nachfolger im Amte brachten es nicht weit, und von 1721 ab, in welchem Jahre der damalige Inhaber kassiert wurde, hört man nichts weiteres von der Schlossdruckerei.

Dieserart waren die bescheidenen Anfänge der Buchdruckerkunst in der jetzigen Kaiserresidenz, Millionenstadt und dem Hauptsitz deutscher Wissenschaft und Kunst.

DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER.

Dänemark. Die Reformation. Lud. Dietz und die Bibel. Die Universität. Die Zensur. Der Buchhandel.

DÄNEMARK[17]. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks, wie in dem Deutschlands. Der König Christian ii. begünstigte zwar die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie aber während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend stützen. Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu sagen unter seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der Buchdruck in Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt zu halten und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck, Magdeburg und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die Fratres vitæ communis, namentlich aber durch Ludw. Dietz, der 1533 Luthers Bibel plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen so guten Klang, dass er vom König Christian iii., als dieser den Vorsatz gefasst hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs in würdigster Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator Bugenhagen ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel besorgt hatte, welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste vollständige hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit seinem Gehülfen und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei übergeführt; dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200 Reichsthaler Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage 1 Gulden. Durch eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche in Dänemark wurden die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am Johannistage 1550 war der Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt und Dietz und seine Offizin wurden wieder nach Rostock gebracht. Diese Bibel ist ein vorzügliches Druckwerk, mit guten Holzschnitten geschmückt, welche teilweise schon früher in Deutschland benutzt waren. Das Portrait des Königs und ein Titelblatt sind von Jakob Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, Hans Stockelmann, war der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) und genoss als solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass jedoch keine rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach Wittenberg als nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten der Kirche und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang verschafft hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, wurde nun umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die Herausgabe eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem Prediger Jakob Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde 1562 verboten. Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige Zeit nicht an. Selbstverständlich konnte der Buchhandel keine grossen Fortschritte machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand nicht und die Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den Verlegern fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge und Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die ersten Zeitungsprivilegien erteilt.

Schrift u. Papier.

Schriftgiessereien hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht nur das Druckmaterial, sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der Papierfabrikation wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die erste Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber nicht. Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke einstellen, weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war.

Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom Tycho de Brahe, neben seiner schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen Insel Hveen im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte jedoch bald auf. Bei ihm hielt sich der berühmte holländische Buchdrucker und Geograph Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und arbeitete zusammen mit ihm zu wissenschaftlichen Zwecken.

Buchbinderei.

Um die Buchbinderei war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren berief man z. B. im Jahre 1550 Christoph Schoch aus Wittenberg und Paul Knobloch aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten Bibel Christians iii. zu binden, wofür sie neben freier Station den hohen Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten.

Verfall der Wissenschaft.

Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies, aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht. Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert.

Buchhandel. E. H. Berling.

Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und erst durch Georg Höpfner wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12 Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn auch nicht viel besser. Ein Deutscher, Ernst Heinrich Berling, hatte um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und ein Versuch des Buchdruckers Jokum Wielandt, 1723, sie durch Antiqua zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit sich brachte.

Norwegen.

In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen konnten. Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem wandernden Buchdrucker, Tyge Nielsen aus Kopenhagen, gedruckt. Eine fest angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen, Valentin Kuhn.

Island.

Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten Norwegern mitgebrachte altnordische (Norräna-)Sprache und ein reges geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch dessen Schreiber, den Schweden Jon Matthiasson, in HOLUM eingerichtet und hier erschien 1531 das erste Buch Missale Nidarosiense (Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung, gefallen war, nahm der weniger skrupulöse Matthiasson die lutherische Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704 kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück.

Schweden.

In SCHWEDEN wurde die Bibel zum erstenmale 1521 schwedisch gedruckt; 1548 das Neue Testament in finnischer Sprache. 1594 liess Karl xi. eine königliche Buchdruckerei einrichten, deren erster Vorstand Anund Olai war, und die, bald unter deutschen, bald unter schwedischen Dirigenten, tüchtiges geliefert hat.

Pet. v. Selou. Heinr. Keyser.

Sowohl Gustav ii. Adolf, als seine gelehrte Tochter, Christina, förderten eifrig die Buchdruckerkunst. Zu einer Zeit, wo diese sonst bereits anfing in Misskredit zu kommen, verlieh Gustav Adolf den Buchdruckern Einkünfte. 1626 berief er aus Deutschland Peter von Selou, damit er heilige Schriften mit russischen Typen drucke. 1636 gab er dem alten Bischofssitz STRENGNÄS eine Druckerei, nur damit der Bischof von Schonen, Laurentius Paulinus, mit grösserer Bequemlichkeit den Druck seiner Schriften überwachen konnte. Mit dem Bischof wanderte die Druckerei später nach Upsala. Dem geschickten Formenschneider und Kupferstecher Heinrich Keyser schenkte er einen, in Deutschland erbeuteten Buchdruckerei-Apparat, mit welchem Keyser, unter der Regierung Christinas, die sehr geschätzte, sogenannte Bibel der Königin Christina druckte. Bekannt ist Keyser namentlich durch sein Werk Insignia nobilitatis Suecanae mit sehr gut ausgeführten Wappen. Als Keyser sich in seinen Hoffnungen auf guten Erfolg getäuscht sah, zerstörte er in Unmut die Illustrationen, so dass das Werk sehr selten geworden ist. Der tüchtige Sohn Keysers druckte in vorzüglicher Weise die schönste Ausgabe der schwedischen Bibel, die erst 1703, nach seinem 1699 erfolgten Tode, vollendet wurde.

Die Königin Christina hatte einen bekannten Amsterdamer Buchdrucker Johann Jansson (nicht der berühmten Blaeu'schen Familie angehörend) nach Stockholm berufen. Ausser festem Gehalt wurden ihm manche Vorteile, darunter freie Papiereinfuhr, zugestanden. Als die Königin die gelehrte Schule in Åbo in Finnland zur Universität erhoben hatte, berief der akademische Senat 1642 Peter Valdius als Universitätsbuchdrucker. 1713 wurde die Druckerei, auf Grund der Kriegsunruhen, nach Stockholm gebracht.

Über der in Gothenburg 1650 von Amund Grefwe errichteten Offizin ruhte ein Unglücksstern. Erst ging ein Schiff, welches neue Typen und Papier aus Hamburg bringen sollte, unter, und 1669 brannte, mit einem grossen Teil von Gothenburg, die Druckerei ab.

Upsala.

In UPSALA mit seiner schon 1476 gestifteten Universität hatte Paul Griis 1510 die Kunst eingeführt. Der König Karl Gustav unterstützte ihn dabei, indem er ihm die Einkünfte eines Ritterguts überliess. Griechisch, hebräisch, Runen und arabisch wurden bereits mit dem Anfang des xvii. Jahrhunderts dort gedruckt; die letztere Schrift wurde von Peter Kirsten aus Breslau eingeführt, die Runen verbesserte 1702 Peringskjöld.

Olaus Rudbeck.

In Upsala lebte auch der berühmte Gelehrte Olaus Rudbeck, bekannt durch sein grosses Werk Atlantica, sive Manheim, von welchem Band i-iii in Folio mit einem grossen Atlas in den Jahren 1675-1698 fertig wurden. Um den Druck zu fördern, hatte Rudbeck selbst 1686 eine Druckerei angelegt, mit welcher, bei dem grossen Brande Upsalas 1702, der noch in der Presse befindliche iv. Band so gründlich vernichtet wurde, dass nur 3 oder 4 Exemplare übrig geblieben sind.

Lund.

LUND hatte 1666 durch Karl xi. seine Universität erhalten. Die Versuche, die 1668 und 1676 gemacht wurden, die Druckerkunst dort heimisch zu machen, waren jedoch für lange Zeit ohne rechten Erfolg.

Kapitel-Ende
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Notes in this chapter

Note 1 · Vergl. S. 116, Absatz: Hans Schaeuffelein.Note 2 · Interessant ist in Bezug auf das Typenwesen im Mittelalter: F. Soennecken, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881.Note 3 · Dr. H. Grotefend, Chr. Egenolff, der erste ständige Buchdrucker zu Frankfurt a. M. Frankfurt 1881.Note 4 · Ed. Heyden, Gallerie berühmter Frankfurter. 1861.Note 5 · H. Helbig, Notice sur P. Schœffer le fils. Gent 1848.Note 6 · C. F. Schurrer, Slavischer Bücherdruck in Würtemberg im xvi. Jahrh. Tübingen 1799. — H. C. W. Sillem, Primus Truber. Erlangen 1861.Note 7 · Interessante Mitteilungen über diese geschäftliche Verbindung verbreitet das in Basel 1881 erschienene: Rechnungsbuch des Froben und EpiscopNote 8 · A. Jociscus, Oratio de ortu etc. J. Oporini. Strassburg 1569.Note 9 · S. Vögelin, Christoph Froschauer, erster berühmter Buchdrucker in Zürich. Zürich 1840. — E. Camillo Rudolphi, Die Buchdrucker-Familie FroschNote 10 · G. Binckert, Leonhard Straub, der erste Buchdrucker in St. Gallen. 1878.Note 11 · Jubilæum typgr. Lipsiensium. Leipzig 1640. — Gepriesenes Andenken. Jubelschrift. Leipzig 1740. — F. Ch. A. Hasse, Kurze Gesch. d. Leipziger Note 12 · G. Schwetschke, Codex nundinarius Germaniae literatae bisecularis. Halle 1850.Note 13 · Dr. O. Hase, Breitkopf und Härtel. Leipzig 1875.Note 14 · E. G. Eichsfeld, Relation vom Wittenbergischen Buchdrucker Jubilio 1740. Wittenberg 1740.Note 15 · G. G. Küster, Historia artis typographicæ in Marchia. Berlin 1746. — Abhandlung, worin etwas von märkischen Formschneidern. — J. C. W. MoehsNote 16 · J. O. Opel, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. Leipzig 1879. — E. Dominik und Otto Wenzel, Zwei Abhandl. in: „Der Bär“ 1881, Nr. 24 uNote 17 · C. Nyrop, Bidrag til den danske Boghandels Historie. 2 Bde. Kopenh. 1870.
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