Grössere Touren ab Chemnitz. (continued 2)
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Die goth. Katharinenkirche besitzt gleichfalls Kranach'sche Bilder. Alterthümliche Bauten sind das Rathhaus und Gewandhaus, sowie das Gymnasium mit sehenswerther Aula. (Grosse Bibliothek, 20 000 Bände, 1857 entdeckte man eine Hans Sachs'sche Handschrift seiner Gedichte, ferner liegt hier werthvolles Material für die Reformationsgeschichte aufgestapelt, das der Hebung harrt.)
Die Richterstiftung, innere Dresdner Str. 2, besitzt eine reiche Sammlung einheimischer Mineralien, darunter seltene Versteinerungen aus den Zwickauer Kohlenflötzen. Sonntags geöffnet von 11–½1 Uhr. Im Kunstvereinsgebäude, Marienkirchhof 2, kunstgewerbliche Sammlungen. In den oberen Sälen Oelgemälde, Kupfer- und Stahlstiche. Eintritt 50 Pf. sofern man nicht durch Mitglieder eingeführt wird. Das hübsche Kriegerdenkmal steht vor dem Gymnasium; am Markt 5 ein Medaillonbild Robert Schumanns, des Componisten, der in diesem Hause geboren ward. Das Medaillonportrait Dr. Ungers am Kreiskrankenstift entwarf Prof. Johannes Schilling.
Das alte Schloss Osterstein ist als Landesgefängniss eingerichtet, es beherbergt etwa 1500 Correctionäre und ist darum schwer zugänglich.
Spaziergänge. Die alten Festungswälle rings um die Stadt sind in schöne Anlagen umgewandelt worden. Der schönste Spaziergang ist indess derjenige nach dem Schwanenteich und Schwanenschlösschen. Der Teich hält 17 Hectare Grundfläche, ist mit herrlichen Anlagen umgeben, von vielen eleganten Gondeln und sogar von einem kleinen Dampfboot, wie auch von einer grossen Zahl fremder und einheimischer Wasservögel belebt. Vom hochgelegenen Schwanenschlösschen schöne Aussicht auf Stadt und Umgebung.
Ferner sind zu nennen: Promenade am rechten Muldenufer bis zur Pölbitzer Brauerei (3½ km). Nach dem Windberg an der Strasse nach Werdau (349 m). Schöner Blick auf Stadt und Umgebung. Nach Bellevue und Pöhlau. Nach der Heringsbrauerei, rechts an der Mulde gelegen (nur 1½ km). Nach den Bergkellern, dann durch den Amselgrund nach Eckersbach. Hier hübsche Anlagen und das Trillergut, das der wackere Köhler Triller vom Landesherrn als Freigut für die Rettung des Prinzen Albrecht erhielt. Zurück geht man über den 335 m hohen Brückenberg. (Hin und zurück 5 km.)
Ausflug nach der Marienhütte (4 km). Kainsdorf, zu welchem die Marienhütte gehört, zählt 2860 Einw. Die Hüttenwerke zählen zu den grössten Deutschlands. 80 Beamte. 1700 Hüttenarbeiter. 400 Kohlenbergleute. Die Frachtenbewegung ersteigt die Riesenziffer von 250 000 000 Kilo. Man verladet und empfängt pro Woche etwa 1000 Waggons und Lowrys. Besonders interessant ist die Schienenfabrikation und die Bessemerstahlbereitung. Von der Marienhütte wandert man nach Planitz. 10 000 Einw. Hier ist ein Kohlenflötz seit Jahrhunderten in Brand, d. h. es schweelt im Erdinnern. Zuweilen steigen Dämpfe auf. Schnee bleibt auch bei strenger Kälte auf der immergrünen Rasendecke nicht liegen. In den Treibhäusern des Rittergutes benützt man diese natürliche tropische Wärme zur Erzeugung einer herrlichen Flora. Bockwa, dicht an Kainsdorf gelegen, dürfte wohl das reichste Dorf Deutschlands sein. Die Bauern, durch die Kohlenschächte reich geworden, wohnen in prächtigen Villen, Gas erleuchtet die Dorfgassen und die stattliche neue Kirche würde einer grösseren Mittelstadt zur Ehre gereichen. Auch Schedewitz und Hohnsdorf sind reiche Kohlendörfer.